Kategorie: Alle Artikel

  • Marseille und die Wunde, die nicht heilt – sieben Jahre nach dem Angriff auf Angelina steht ein Polizist vor den Richter

    Marseille und die Wunde, die nicht heilt – sieben Jahre nach dem Angriff auf Angelina steht ein Polizist vor den Richter

    Manchmal wirkt eine Stadt wie ein Palimpsest aus Erinnerungen, Schichten aus Lärm, Licht – und Verletzungen. Marseille ist so ein Ort. Und in diesen Dezembertagen, sieben Jahre nach einer Nacht, die eine junge Frau für immer gezeichnet hat, flackert eine zunächst verdrängte Geschichte erneut auf.Ein Polizist, endlich identifiziert, endlich zur Rechenschaft gezogen, steht nun wegen „schwerer Gewalt“ unter Anklage. Das Verfahren rund um die sogenannte „Affaire Angelina“ hat einen neuen Wendepunkt erreicht. Der Weg bis hierher war lang, zäh, beinahe erstickend in seiner Detaildichte. Doch alles beginnt mit einem Abend, an dem eine 19-Jährige einfach nur nach Hause wollte. Eine jener Situationen, in denen man denkt: Das kann doch unmöglich so enden. Ein Abend, der aus dem Ruder lief Der 8. Dezember 2018 war kein gewöhnlicher Tag in Marseille. Die „Gilets jaunes“ hatten das Land im Griff, die Straßen brodelten, die Stimmung vibrierte zwischen Wut und Erschöpfung. Angelina – ein Medienpseudo…

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  • Wenn die Berge nicht mehr stillstehen – warum die Alpes-Maritimes unter immer häufigeren Felsstürzen leiden

    Wenn die Berge nicht mehr stillstehen – warum die Alpes-Maritimes unter immer häufigeren Felsstürzen leiden

    Man hört zuerst nur ein dumpfes Grollen, als würde die Erde selbst einmal kurz die Luft anhalten. Dann lösen sich die Felsbrocken – lautlos für einen Moment, bevor sie mit zerstörerischer Wucht ins Tal donnern. In den Alpes-Maritimes gehört dieser Klang inzwischen fast zum Winter wie der erste Frost. Ein Felssturz alle vier Tage: eine Zahl, die man zweimal liest, weil sie absurd wirkt und gleichzeitig erschreckend normal geworden ist.

    Die Menschen hier kennen ihre Berge. Sie leben seit Generationen mit ihnen, arbeiten an ihren Hängen, fahren durch ihre Täler, erzählen Geschichten über Lawinen, Wolkenbrüche und Winter, die den Atem raubten. Doch das, was derzeit geschieht, sprengt ihre Erfahrung.

    In Utelle, einem kleinen Dorf über der Vésubie, hat Mitte November ein Regenschwall gereicht, um ein Stück Fels zu lösen, das alle für unverrückbar hielten. Der Bürgermeister erzählt es mit dieser Mischung aus Staunen und Bitterkeit, die man nur entwickelt, wenn man sehr genau weiß, wie sich eine Landschaft normalerweise verhält. Das Eperon, sagt er, habe nie auch nur gewackelt. Nie. Und plötzlich lag ein Trümmerfeld im Hang, als hätte jemand die Felsen wie Bauklötze fallen lassen.

    Seit drei Wochen ist die Straße, die Utelle anbindet, auf dreihundert Metern gesperrt. Dreihundert Meter – eine lächerlich kleine Distanz, wenn man sie auf dem Papier sieht. Doch oben im Tal wird daraus eine tägliche Odyssee. Autos unten, Autos oben, und dazwischen ein Stück Weg, das man zu Fuß gehen muss, den Blick immer wieder zur Felswand gerichtet, als prüfe man, ob sie heute gnädig bleibt. Eine Bewohnerin erzählt fast entschuldigend, wie mühsam das ist, als wolle sie nicht jammern, obwohl der Alltag längst zur Zitterpartie geworden ist. „Jeden dritten Tag schleppen wir die Einkäufe hoch“, sagt sie, und der Satz klingt so, als hätte er zu viel Gewicht – wie die Steine, die über ihren Köpfen lauern.

    Das Dorf ist medizinisch abgehängt, ohne Bus, ohne Ärzte, ohne Pflegedienste. Ein Restaurant musste schließen, weil weder Lieferanten durchkommen noch Gäste den letzten Kilometer riskieren wollen. Der Inhaber steht vor leeren Tischen und vollen Rechnungen. Man hört seine Frustration zwischen den Zeilen, wenn er sagt, dass nichts mehr reinkommt, obwohl alles hinausgeht.

    Unten im Tal wirkt das vielleicht wie ein kleines lokales Problem, ein logistischer Ärger. Doch oben fühlt es sich an wie ein drohender Riss im Alltag.

    In der Nachbartal der Tinée zeigt sich, wie knapp Katastrophen manchmal an den Straßen vorbeischrammen. Schutznetze – diese filigran wirkenden Installationen an den Hängen – haben dort Dutzende Tonnen Fels abgefangen. Ein Techniker zeigt über den Hang wie über eine Wunde: hier ein verbogener Mast, dort ein zerfetzter Dämpfer. Die Netze haben gehalten, gerade so. Aber sie müssen ersetzt werden, bevor die nächste Felslippe entscheidet, nachzugeben. Eine Million Euro kostet allein dieser erneute Eingriff. Und niemand im Département glaubt, dass es beim nächsten Mal günstiger wird.

    Die Ingenieure hier sprechen nüchtern davon – vielleicht, weil ihnen Pathos nichts nützt. Intensivere Regen, schnellere Temperaturwechsel, eine Erosion, die im Takt der Extremwetterlagen immer schneller arbeitet: Es ist kein Bild, sondern eine Beobachtung. Und sie führt zu einer Prognose, die niemand gern ausspricht, die aber alle inzwischen teilen: Die Felsstürze werden häufiger werden.

    Man spürt an den Straßen, an den Dorfplätzen und an den Stimmen der Bewohner, wie sehr dieses Phänomen den Rhythmus der Region verändert. Früher war der Winter hart, aber berechenbar. Heute hat er etwas Launisches – wie ein alter Bekannter, der plötzlich unberechenbare Manieren entwickelt. Wenn ein Felsblock alle vier Tage eine Straße trifft, wirkt selbst der Alltag fragil. Die Menschen arrangieren sich, improvisieren, helfen einander. Aber sie leben in einer Landschaft, die sich vor ihren Augen neu erfindet.

    Wer in diesen Tälern unterwegs ist, sieht die frischen Narben in den Hängen, den Schutt, die zerschlissenen Schutzwälle. Doch man sieht auch etwas anderes: eine stille Hartnäckigkeit, beinahe störrisch, die tief in diesem Landstrich verwurzelt ist. Die Bewohner packen an, sogar dann, wenn die Natur ihnen einmal mehr zeigt, wie klein der Mensch im Gebirge bleibt. Sie klettern über umgeleitete Wege, organisieren ihre Versorgung, öffnen provisorische Zufahrten. Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Berge, die sie seit Kindheit kennen, ihnen längst ein neues Kapitel diktieren.

    Vielleicht ist genau das die Herausforderung der kommenden Jahre: zu begreifen, dass sich die Alpen hier nicht langsam verändern, sondern ruckartig, in Stößen, manchmal mit lautem Krachen. Und dass eine Region, die so sehr vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur lebt, sich neu aufstellen muss – infrastruktuell, wirtschaftlich und, ja, auch emotional. Denn jede Straße, die bricht, ist ein Riss im Vertrauen.

    Doch wie oft in den Alpes-Maritimes steht man auch diesmal nicht allein vor dem Hang. Zwischen den Felsbrocken, zwischen den Netzen, zwischen den provisorischen Wegen zeigt sich etwas, das diesen Tälern eigen ist: die Fähigkeit, weiterzumachen. Nicht naiv, sondern widerständig. Und die Hoffnung, dass die Berge irgendwann wieder etwas mehr Ruhe geben werden.

    Autor: C.H.

  • Kommentar: Wir werden alle manipuliert – täglich! Und wir tun so, als merkten wir es nicht

    Kommentar: Wir werden alle manipuliert – täglich! Und wir tun so, als merkten wir es nicht

    Manchmal fühlt sich der französische Alltag an wie ein überdrehtes Theaterstück, in dem jemand hinter der Bühne ständig an den Kulissen rüttelt. Während wir brav unsere Rolle sprechen, zieht irgendwo ein Regisseur an Fäden, die wir nicht einmal sehen wollen. Manipulation? Aber bitte—wir haben doch keine Zeit für solche „Details“. Wir scrollen, wir klicken, wir empören uns. Und merken kaum, dass wir in einem riesigen Aquarium schwimmen, in dem fremde Hände das Wasser färben.

    Dass Russland seit Jahren versucht, unsere Gesellschaft zu spalten, wäre an sich schon ein ziemlicher Hammer. Doch der eigentliche Skandal steckt darin, wie routiniert dieses Spiel inzwischen läuft. Da wird nicht mehr mit der Keule gewütet, sondern mit feinstem chirurgischem Werkzeug. Falsche Medienportale tauchen auf wie schlecht gephotoshoppte Pilze nach einem Herbstregen, imitieren vertraute Logos, zerren an unserer Glaubwürdigkeit wie Kinder an einer losen Tapetenbahn. Einmal daran gezogen, blättert gleich eine ganze Wand ab.

    Frankreichs Dienste haben das inzwischen mehrfach offengelegt: VIGINUM, Diplomaten, Journalisten – sie alle zeigen auf diesen dichten Nebel aus Fake-Seiten, geklonten Zeitungen, aus Propaganda in Sonntagskleidung. Das Portal-Kombat-Netzwerk etwa, ein hübsch verkleideter Rummelplatz der Desinformation, schmeißt groteske Inhalte unters Volk, bis man kaum noch weiß, ob man Nachrichten gelesen hat oder eine besonders schlecht geschriebene Science-Fiction-Novelle.

    Und dann diese „Doppelgänger“-Operationen – Doppelgänger! – die klingen wie aus einem Bond-Film aus der Spätphase. Man imitiert große Medienhäuser, baut täuschend echte Kopien, verschiebt ein paar Fakten, dreht die Perspektive, und plötzlich liegt die öffentliche Debatte quer wie ein Fahrradlenker nach einer Vollbremsung.

    Zwischendurch werden sogar Namen echter Journalistinnen und Journalisten gekapert, damit die nächste Desinformationsladung besonders vertrauenswürdig aussieht. StreetPress hat das erlebt: Stell dir vor, jemand läuft durch die digitale Welt und verteilt unter deinem Namen absurden Unsinn – und die Leute glauben’s, weil sie glauben wollen. Das ist vielleicht das Bitterste: Der Erfolg solcher Manipulation hängt nicht davon ab, wie brillant die Täuschung ist, sondern wie sehr wir uns verführen lassen.

    Doch damit nicht genug. Die russischen Strategen haben offenbar ein Faible für gesellschaftliche Brandherde – je trockener das Holz, desto besser. Antisemitische Tags, rote Handabdrücke an Gedenkorten, perfide zugespitzte Botschaften an jüdische und muslimische Gemeinden: kleine Funken, die in aufgeheizten Zeiten zu lodernden Bränden mutieren. Es wirkt wie ein zynisches Experiment: Reicht ein Funken, um Nachbarn gegeneinander aufzubringen? Reicht ein Gerücht, um alte Wunden wieder aufzureißen?

    Manchmal hat man das Gefühl, wir stünden kollektiv auf einem Pulverfass, und fremde Akteure spielen mit dem Feuerzeug, nur um zu sehen, wer zuerst explodiert.

    Und dann, natürlich, kommt die Politik ins Spiel. Wahljahre sind für fremde Einflussnehmer wie Feiertage—so etwas wie der Black Friday der geopolitischen Manipulation. 2024 etwa schwappten automatisierte Kampagnen durch die sozialen Medien, als wären es besonders lästige Spam-Flutwellen. Bots, Fake-Accounts, koordinierte Angriffe auf Kandidaten – alles, um die politische Tektonik zu verschieben. Nicht unbedingt, um jemanden zum Glänzen zu bringen, sondern um den Boden unter allen Füßen ins Wanken zu versetzen. Die Botschaft dahinter ist so simpel wie perfide: Wenn niemand mehr weiß, wem er trauen soll, dann gewinnt am Ende derjenige, der den Zweifel gesät hat.

    Diese Mischung aus langfristiger Strategie und opportunistischem Mitnehmen jeder öffentlichen Erschütterung wirkt wie ein daueraktives Erdbeben. Mal sind es kleine Vibrationen, kaum spürbar, mal richtige Beben, die ganze Debatten kippen. Die Grenze zwischen hausgemachten Problemen und importiertem Chaos verschwimmt. Überall Risse – und wir streiten darüber, ob sie vom Wetter oder vom Mauerwerk kommen, während jemand heimlich von außen dagegen hämmert.

    Natürlich hat Frankreich reagiert, VIGINUM aufgebaut, neue Kooperationen geschmiedet, internationale Partnerschaften gestärkt. Die Werkzeuge gegen Desinformation werden präziser, schneller, intelligenter. Aber hier lauert der eigentlich unbequeme Teil: Kein Algorithmus der Welt kann verhindern, dass Menschen auf Manipulation anspringen, wenn sie bereits dünnhäutig, misstrauisch oder wütend sind.

    Resilienz beginnt nicht beim Staat, sondern am Küchentisch, im Smartphone, im Kopf. Doch genau da sitzen wir – müde, überreizt, abgelenkt – und sind überzeugt, dass wir alles durchschauen. „Mich manipuliert doch keiner!“ Ein Satz, der so glaubwürdig ist wie „Nur noch fünf Minuten“ beim Serienmarathon vor dem Fernseher.

    Wir alle sind verletzlich, ständig, egal wie sehr wir uns einreden, immun zu sein. Und vielleicht ist das die eigentliche Tragik: Nicht die Existenz der Manipulation, sondern die Überheblichkeit, mit der wir glauben, sie beträfe nur die anderen.

    Die Spaltung, die Unsicherheit, das Grundrauschen der Aufregung: Das alles ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Strategie, die nur funktionieren kann, weil wir ihr einen fruchtbaren Boden bieten. Fremde Akteure legen die Samen – wir gießen sie mit jeder vorschnellen Empörung, mit jedem unbedachten Klick, mit jeder schnellen, lauten Behauptung.

    Und während wir uns über „die da oben“ streiten, über linke und rechte, alte und junge, gläubige und nicht-gläubige, lachen hinter den Kulissen jene, die nichts lieber säen als Misstrauen. Vielleicht wird’s Zeit, ihnen das Lachen zu verderben.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Trumps Warnung vor einem „zivilisatorischen Untergang Europas“

    Trumps Warnung vor einem „zivilisatorischen Untergang Europas“

    Wie die neue US-Sicherheitsstrategie die transatlantischen Beziehungen auf eine harte Probe stellt

    Mit der Veröffentlichung ihrer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie hat die US-Regierung unter Donald Trump Anfang Dezember 2025 für diplomatische Irritationen gesorgt. In dem 33-seitigen Grundlagendokument wird Europa nicht nur als wirtschaftlich und politisch geschwächt beschrieben – es ist gar von einem drohenden „zivilisatorischen Verschwinden“ die Rede, sollte der Kontinent seine politische und demografische Entwicklung nicht korrigieren. Die Wortwahl ist ungewöhnlich drastisch für ein offizielles Strategiepapier – und sie markiert einen weiteren Tiefpunkt in den transatlantischen Beziehungen.

    Eine harsche Diagnose aus Washington

    Die neue National Security Strategy (NSS) formuliert die außen- und sicherheitspolitischen Leitlinien der USA unter Präsident Trump für die kommenden Jahre. Dabei fällt der Blick auf Europa ungewöhnlich kritisch aus. Die Autoren beklagen eine Kombination aus demografischem Niedergang, zu liberaler Migrationspolitik, wirtschaftlicher Stagnation und einem zunehmenden Einfluss supranationaler Institutionen wie der EU auf nationale Souveränität.

    Wörtlich heißt es, der Kontinent steuere „auf eine düstere Realität zu, in der er innerhalb von zwei Jahrzehnten nicht mehr wiederzuerkennen sein wird“. Der Begriff des „zivilisatorischen Verschwindens“ bringt dabei eine Weltanschauung zum Ausdruck, in der kulturelle und ethnische Homogenität als politisches Ideal erscheint – eine Sichtweise, die in Europa vor allem von rechten bis rechtsextremen Kreisen vertreten wird.

    Strategiewechsel und ideologische Kampfansage

    Tatsächlich steht diese Wortwahl nicht isoliert da, sondern reflektiert einen tiefgreifenden Wandel in der außenpolitischen Philosophie Washingtons. Die USA unter Trump verstehen sich nicht mehr als Architekt eines liberalen, regelbasierten Weltordnungssystems, sondern als machtpolitischer Akteur, der eigene Interessen über multilaterale Verpflichtungen stellt – ein Kurs, der in der Rückbesinnung auf die Monroe-Doktrin seinen Ausdruck findet.

    Wie der Politökonom Jonas Gensler analysiert, will Washington eine ideologische „Gegenbewegung“ innerhalb Europas fördern. Ziel sei es, europäische Regierungen und Gesellschaften zu einer „Korrektur ihrer derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Ausrichtung“ zu bewegen – sei es in der Sicherheits-, Energie- oder Migrationspolitik. Implizit fordert die NSS auch eine stärkere militärische Selbstverantwortung der Europäer, insbesondere im Rahmen der NATO.

    Europäische Reaktionen zwischen Besorgnis und Zurückweisung

    Die Reaktionen auf beiden Seiten des Atlantiks ließen nicht lange auf sich warten. Die EU-Außenbeauftragte Josep Borrell betonte in Brüssel, dass die Vereinigten Staaten trotz aller Differenzen „nach wie vor der wichtigste Verbündete Europas“ seien. Zugleich wies er die dramatisierende Rhetorik entschieden zurück: Europa befinde sich nicht in einem zivilisatorischen Verfallsprozess, sondern inmitten komplexer Transformationsprozesse, die demokratisch ausgehandelt würden.

    In Berlin zeigte man sich ungehalten über die amerikanischen Bewertungen. „Europa braucht keine Belehrungen über Meinungsfreiheit oder kulturelle Identität“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. In Paris wiederum warnte man vor einer gefährlichen ideologischen Aufladung der transatlantischen Beziehungen, insbesondere angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine und der Abhängigkeit Europas von US-amerikanischer Sicherheitsgarantie im NATO-Rahmen.

    Ein Meinungsbild des Meinungsforschungsinstituts IFOP ergab zuletzt, dass knapp die Hälfte der Europäer Donald Trump als „Feind Europas“ wahrnimmt – ein Wert, der die gestiegene Distanz in der öffentlichen Wahrnehmung widerspiegelt.

    Polarisierung als politische Strategie

    Der Verweis auf ein angeblich bevorstehendes zivilisatorisches Verschwinden Europas ist mehr als eine außenpolitische Provokation. Er ist Teil einer bewusst polarisierenden Strategie, die kulturelle und gesellschaftliche Konfliktlinien auch auf internationaler Ebene zuspitzt. Damit korrespondiert die NSS mit Narrativen, wie sie in Teilen der europäischen Rechten kursieren – etwa der sogenannten „Bevölkerungsaustausch“-These, die vom französischen Publizisten Renaud Camus geprägt wurde und mittlerweile fester Bestandteil rechtsextremer Diskurse ist.

    Diese Verbindung ist nicht zufällig: Trumps Strategiepapier liest sich stellenweise wie eine außenpolitische Verlängerung innenpolitischer Kulturkämpfe. Europa wird dabei nicht nur als Partner, sondern auch als ideologischer Gegenentwurf inszeniert – ein Narrativ, das der Präsident im beginnenden US-Wahlkampf 2026 vermutlich weiter zuspitzen wird.

    Strategische Autonomie als europäische Antwort?

    Für Europa stellt sich nun erneut die alte Frage: Wie viel Eigenständigkeit braucht – und wie viel verträgt – das transatlantische Verhältnis? Während die militärische Kooperation im Rahmen der NATO weiterbesteht, verstärken sich die Stimmen, die eine eigenständigere europäische Sicherheitsarchitektur fordern. Initiativen wie PESCO (Ständige Strukturierte Zusammenarbeit) oder die Entwicklung eines europäischen Rüstungs- und Verteidigungsfonds erhalten dadurch neues Gewicht.

    Gleichzeitig zeigt sich: Der normative Rahmen einer „westlichen Wertegemeinschaft“ ist nicht mehr selbstverständlich. Die USA und Europa verfolgen zunehmend unterschiedliche gesellschaftspolitische Agenden – und das nicht nur unter Trump. Auch im Kongress findet diese strategische Neuorientierung zunehmend parteiübergreifende Unterstützung, etwa im Hinblick auf den Rückzug aus globalen Verpflichtungen oder den Fokus auf chinesische und lateinamerikanische Herausforderungen.

    Europa muss darauf eine Antwort finden – und dabei entscheiden, ob es sich als Subjekt oder Objekt globaler Ordnungspolitik verstehen will.

    Die Warnung vor einem „zivilisatorischen Untergang“ ist keine geopolitische Prognose, sondern eine Kampfansage in rhetorischer Form. Doch sie offenbart einen tiefen Bruch im transatlantischen Selbstverständnis. Was einst als Wertegemeinschaft begann, steht heute auf dem Prüfstand gemeinsamer Interessen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem geopolitische Herausforderungen wie Krieg, Klimakrise und Migration entschlossene und koordinierte Antworten verlangen. Die Dynamik zwischen Washington und Brüssel könnte sich im kommenden Jahrzehnt grundlegend verändern – und damit das transatlantische Verhältnis, wie wir es bisher kannten.

    Autor: P. Tiko

  • Vier Jugendliche sterben bei nächtlichem Verkehrsunfall im Département Ain

    Vier Jugendliche sterben bei nächtlichem Verkehrsunfall im Département Ain

    Die Nachricht kam wie ein Donnerschlag in einer mondlosen Dezembernacht. Vier junge Menschen verlieren ihr Leben auf einer Landstraße nahe Collonges, wenige Kilometer hinter der französisch-schweizerischen Grenze – ein stiller, brutaler Moment, der Familien in Fribourg aus dem Schlaf reißt und eine ganze Region fassungslos zurücklässt. Ein Freitagabend, kurz nach halb elf. Ein Pkw, besetzt mit vier Jugendlichen, unterwegs auf der Départementale 984 zwischen Gex und Valserhône. Die Straße wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, eine gewöhnliche Verbindung für Grenzpendler, Wochenendreisende, Nachtschwärmer. Doch in dieser Nacht endet die Fahrt abrupt. Der Wagen verlässt die Fahrbahn, trifft ein Rondell, überschlägt sich mehrfach und landet schließlich kopfüber in einem kleinen Waldstück. Ein Funke, ein Auflodern – und binnen Sekunden steht das Fahrzeug in Flammen. Für die Rettungskräfte, die schnell am Unfallort eintreffen, bleibt nur die bittere Gewissheit, dass jede Hilfe zu spät ko…

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  • Frankreich ringt um das Herz seines Sozialmodells

    Frankreich ringt um das Herz seines Sozialmodells

    Ein defizitärer Haushalt für die Sécurité sociale wird erneut zur Nagelprobe für die Regierung Lecornu Mitten im Pariser Politbetrieb spitzt sich ein finanzpolitischer Grundkonflikt zu: die Zukunft der französischen Sozialversicherung. In dieser Woche stimmt die Nationalversammlung über den Haushaltsentwurf 2026 für die Sécurité sociale ab – ein Gesetz, das nicht nur die Finanzierung zentraler Sozialleistungen regelt, sondern inzwischen auch zu einem Test für die politische Handlungsfähigkeit der Regierung geworden ist. Ohne eine Einigung droht dem System ein Rekorddefizit von fast 30 Milliarden Euro – und dem Staat ein beispielloser Kontrollverlust über einen seiner wichtigsten Ausgabenposten. Strukturelles Defizit im sozialen Fundament Die französische Sécurité sociale gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Herzstück des republikanischen Sozialmodells. Sie umfasst Leistungen bei Krankheit, Rente, Arbeitsunfällen, Familie und Pflege und stellt mit rund 600 Milliarden Euro jährl…

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  • Lichterfest in Lyon: Wenn politische Botschaften die Nacht spalten

    Lichterfest in Lyon: Wenn politische Botschaften die Nacht spalten

    Die Fête des Lumières gehört zu Lyon wie das Flackern der Kerzen zum Dezember. Vier Tage lang glänzt die Stadt im Licht ihrer eigenen Tradition, und jedes Jahr strömen Hunderttausende herbei, um dieses besondere Schauspiel zu erleben. Doch am vergangenen Samstagabend, mitten im Gewimmel rund um den Place des Terreaux, schob sich ein anderes Leuchten vor die offizielle Inszenierung. Es war scharf, deutlich, kompromisslos – und politisch aufgeladen. Für einen Moment stand nicht mehr die Kunst im Zentrum, sondern ein Satz, der wie ein Schlag aus der Dunkelheit kam: „La police blesse et tue.“ Die Polizei verletzt und tötet. Kurz darauf weitere Botschaften, ebenso hart, ebenso eindeutig, ergänzt um ein düster blinkendes „On dégage le RN“. Kein Besucher blieb unberührt, manche erschrocken, andere zustimmend murmelnd, wieder andere schlicht irritiert. Auf der Fassade des Musée des Beaux-Arts hingen plötzlich Worte wie Plakate eines lautlosen Protests.Wer genau hinsah, spürte, dass hier mehr g…

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  • EDITORIAL | Bildungstag in Deutschland: Was der Blick nach Frankreich lehrt

    EDITORIAL | Bildungstag in Deutschland: Was der Blick nach Frankreich lehrt

    Am 8. Dezember wird in Deutschland der Tag der Bildung begangen – eine Gelegenheit, um Erfolge zu feiern, Defizite zu benennen und über die Zukunft des Bildungswesens nachzudenken. Doch jenseits der deutschen Selbstbespiegelung lohnt in diesem Jahr besonders der Blick über die Grenzen: In Frankreich richtet sich gerade unter dem Schlagwort #MeTooÉcole ein dringender Appell an den Präsidenten, um Kinder besser vor sexualisierter Gewalt im Bildungssystem zu schützen. Was dort als zivilgesellschaftlicher Weckruf beginnt, berührt auch zentrale Fragen der Bildungspolitik in Deutschland: Wie sicher sind die Schulen? Wie viel Schutz bieten sie den Schwächsten – und wie offen sind sie für Kritik?


    Ein Weckruf aus Frankreich – und eine deutsche Bildung mit toten Winkeln

    Frankreichs Bewegung #MeTooÉcole, initiiert von betroffenen Eltern und Lehrkräften, erhebt schwere Vorwürfe gegen das Schulsystem: Warnsignale würden ignoriert, Betreuer nicht konsequent überprüft, und Opfer oft allein gelassen. Die Reaktion auf Missbrauchsfälle sei institutionell zögerlich, mit fatalen Folgen für das Vertrauen der Familien in das Bildungssystem.

    In Deutschland gibt es keinen vergleichbaren, breit sichtbaren Aufschrei – doch das bedeutet nicht, dass das Problem dort nicht existiert. Im Gegenteil: Studien der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs(UBSKM) zeigen seit Jahren, dass sexuelle Übergriffe in Schulen, Heimen und Betreuungseinrichtungen auch in Deutschland Realität sind – und häufig nur schleppend aufgearbeitet werden. Laut einer Untersuchung der Universität Ulm (2019) berichten etwa 13 % aller Schülerinnen und Schüler von sexuellen Grenzverletzungen durch schulisches Personal. Dennoch wird die Debatte selten systematisch geführt, meist erst, wenn lokale Skandale Schlagzeilen machen.


    Bildung bedeutet auch: institutionelle Verantwortung ernst nehmen

    Der französische Appell an Emmanuel Macron fordert unter anderem einheitliche Meldeprotokolle, unabhängige Kontrollgremien und spezialisierte Anlaufstellen für betroffene Kinder. In Deutschland ist der Schutzauftrag zwar gesetzlich klar formuliert (z. B. im Kinderschutzgesetz, § 8a SGB VIII), doch fehlt vielerorts die Umsetzung in der Fläche – insbesondere an Schulen, wo es keine bundesweiten Standards für Kinderschutzkonzepte gibt. Jede Schule, jeder Träger regelt das anders – oder eben gar nicht.

    Zwar existieren Programme wie „Schule gegen sexuelle Gewalt“ oder „Trau dich!“, doch sie sind oft auf Pilotphasen begrenzt, freiwillig und unterfinanziert. Hinzu kommt eine verbreitete Rechtsunsicherheit unter Schulleitungen und Lehrkräften, die nicht wissen, wann und wie sie Verdachtsmomente melden dürfen oder müssen. Auch der föderale Flickenteppich im Bildungsbereich erschwert eine einheitliche Strategie.


    Der Tag der Bildung – eine Chance zur kritischen Selbstbefragung

    Der Tag der Bildung in Deutschland wird traditionell genutzt, um auf Chancengerechtigkeit, Digitalisierung oder Integration hinzuweisen. Doch selten steht die Frage im Mittelpunkt, ob Schulen als Schutzräume tatsächlich funktionieren – oder ob sie mitunter Orte des Schweigens und der Verdrängung sind.

    Dabei ist Bildungspolitik ohne Kinderschutz unvollständig. Es genügt nicht, die Lesekompetenz zu stärken oder Schulabbrecherquoten zu senken, wenn zugleich Strukturen bestehen, die Kinder in ihrem körperlichen und psychischen Wohl nicht zuverlässig schützen. Hier könnte Deutschland vom französischen Beispiel lernen – nicht weil Frankreich besser wäre, sondern weil der Druck dort von unten wächst und eine überfällige Debatte ausgelöst hat.


    Was jetzt nötig wäre

    Ein ernstgemeinter Bildungstag müsste dazu genutzt werden, die blinden Flecken im System offen zu benennen:

    • Bundesweite Pflicht zu Kinderschutzkonzepten an Schulen, nicht nur in der Jugendhilfe.
    • Verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte zu sexueller Gewalt, Beobachtung und Traumaerkennung.
    • Rechtsklarheit und sichere Meldewege, auch für Schüler, Eltern und pädagogisches Personal.
    • Unabhängige Monitoringstellen auf Landesebene zur Überwachung von Fällen und Strukturen.
    • Und nicht zuletzt: Ein politischer Wille, der die Schutzpflicht gegenüber Kindern nicht an Verwaltungsgrenzen delegiert.

    In Frankreich heißt es: „#MeTooÉcole könnte ein Wendepunkt sein.“ In Deutschland wäre schon viel gewonnen, wenn der Bildungstag mehr wäre als eine symbolische Geste. Bildung darf nicht nur als Chancengeber verstanden werden – sie muss auch ein sicherer Ort sein. Ohne Schutz keine Teilhabe. Ohne Vertrauen keine Bildung. Ohne Aufarbeitung keine Gerechtigkeit.

    Von Andreas Brucker

  • #MeTooÉcole: Ein Weckruf an Macron – und an das französische Bildungssystem

    #MeTooÉcole: Ein Weckruf an Macron – und an das französische Bildungssystem

    Ein neuer Elternprotest erhebt in Frankreich die Stimme: Unter dem Schlagwort #MeTooÉcole richtet sich ein kollektiver Appell an Präsident Emmanuel Macron. Ziel ist es, Kinder in Schulen und Betreuungseinrichtungen besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen – ein Thema, das bisher zu oft verdrängt wurde. Der offene Brief an das Staatsoberhaupt, veröffentlicht in La Tribune Dimanche, stellt nicht nur einen Hilferuf betroffener Familien dar, sondern rückt auch grundsätzliche Fragen zur Verantwortung staatlicher Institutionen und zur Wirksamkeit bestehender Schutzmechanismen in den Vordergrund.

    Ein kollektives Erwachen Der Aufruf stammt von einem erst am 20. November 2025 gegründeten Zusammenschluss von Eltern, Lehrkräften und Bürgern, die sich unter dem Banner #MeTooÉcole organisieren. Auslöser waren wiederholte Berichte über sexuelle Übergriffe an französischen Schulen, insbesondere in Paris. Das zentrale Anliegen des Kollektivs: das durch institutionell…

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  • Ein schwieriger Moment für Europa und die USA

    Ein schwieriger Moment für Europa und die USA

    Die jüngste National Security Strategy (NSS) der Trump-Administration markiert einen fundamentalen Bruch mit der bisherigen US-Außenpolitik gegenüber Europa. Erstmals steht nicht Russland oder China im Zentrum der Bedrohungsanalyse, sondern Europa. In Brüssel, Berlin und Paris wird das Dokument als Angriff auf den Kern des europäischen Projekts gelesen: Liberale Demokratien, multilaterale Institutionen und ein gemeinsamer sicherheitspolitischer Rahmen stehen auf dem Prüfstand. Was bislang implizit mitschwang, ist nun explizite Linie: Der transatlantische Schulterschluss verliert für Washington an Relevanz.

    Ein neuer Ton aus Washington

    Die NSS 2025 zeichnet ein Bild Europas als Kontinent in der Krise: „zivilisatorischer Verfall“ durch Migration, demographischer Niedergang, gefährdete nationale Identitäten und eine angeblich inkompetente politische Elite. Der Text lobt offen den Aufstieg „patriotischer“ europäischer Parteien, die sich gegen das europäische Integrationsprojekt stellen. Tatsächlich liest sich der Abschnitt zu Europa wie ein ideologisches Manifest der europäischen Rechten – kein Wunder, dass Frankreichs früherer UN-Botschafter Gérard Araud ihn als „Pamphlet der extremen Rechten“ bezeichnete.

    Hinzu kommt die Anforderung, dass Europa bis 2027 wesentliche Teile der NATO-Verteidigungsfähigkeiten übernehmen solle – von Aufklärung bis Raketenabwehr. Dieser Zeitplan wirkt für viele Hauptstädte wie ein verkappter Rückzug der USA aus ihren sicherheitspolitischen Verpflichtungen. Der Politikwissenschaftler Henry Farrell spricht von einem „Weckruf“ für Europa: „Wenn Amerika seine Verbündeten als Gegner behandelt, werden diese nach Alternativen suchen.“

    Revisionistischer Transatlantizismus

    Was sich hier andeutet, ist eine strategische und ideologische Neuausrichtung: Die USA ziehen sich nicht nur militärisch zurück, sondern wollen aktiv Einfluss auf die politische Architektur Europas nehmen. Der von den Brookings-Forscherinnen Tara Varma und Sophia Besch geprägte Begriff des „revisionistischen Transatlantizismus“ trifft den Kern. Gemeint ist eine transatlantische Achse zwischen einem nationalistischen Washington und europäischen Rechtsparteien, die gemeinsame liberale Werte in Frage stellen und stattdessen ethnonationalistische Ordnungsvorstellungen propagieren.

    Trumps politische Annäherung an Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban und seine Unterstützung für Konzepte wie „Remigration“ passen ins Bild. Gleichzeitig richtet sich die Kritik der NSS gegen „instabile Minderheitsregierungen“ in Europa – ein direkter Seitenhieb auf liberale Zentristen wie Emmanuel Macron oder Friedrich Merz.

    Sicherheitsarchitektur unter Druck

    Faktisch droht Europa damit ein geopolitisches Vakuum: Ohne amerikanische Sicherheitsgarantien und mit wachsendem internen Druck durch nationalistische Bewegungen geraten sowohl die NATO als auch die EU unter Legitimationsdruck. Die Forderung nach europäischer Souveränität in Verteidigungsfragen klingt in diesem Kontext weniger wie ein partnerschaftlicher Appell denn als Ultimatum.

    Zugleich zeigt sich, dass Russland diese Dynamik für sich zu nutzen weiß: Putins Sprecher Dmitri Peskow lobte öffentlich die neue US-Strategie als „mit unserer Sichtweise weitgehend übereinstimmend“. Eine geopolitische Allianz zwischen revisionistischen Kräften in Washington, Moskau und Teilen Europas wäre für die liberale Weltordnung ein tektonischer Bruch.

    Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz warnten in einem offenbar durchgesickerten Gesprächsprotokoll vor einem „schnellen politischen Deal“ zwischen Trump und Russland – auf Kosten der Ukraine. In einer Rede in Peking mahnte Macron: „Nur in der Einheit von Europa und den USA liegt die Kraft, derartige Konflikte dauerhaft zu lösen.“

    Trumps Strategiepapier könnte sich als doppelter Kipppunkt erweisen: Für die amerikanische Außenpolitik und für Europas Selbstverständnis. Es zwingt die Europäer, ihre Abhängigkeit von Washington zu überdenken – sicherheitspolitisch, technologisch und wirtschaftlich. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es Europa gelingt, diese Herausforderung zu einer strategischen Erneuerung zu nutzen oder ob die innere Zersplitterung weiter voranschreitet.


    MEHR TOP-NACHRICHTEN

    Chinas Handelsüberschuss übersteigt erstmals eine Billion US-Dollar

    Trotz der von Präsident Trump verhängten Zölle ist es nicht gelungen, die globale Exportwelle aus China aufzuhalten. Die chinesische Zollbehörde gab heute bekannt, dass der kumulierte Handelsüberschuss des Landes bis Ende November 1,08 Billionen US-Dollar erreicht hat.

    Zwar sind Chinas Exporte in die USA infolge der Zölle um ein Fünftel zurückgegangen, doch hat Peking im Gegenzug auch seine Importe aus den Vereinigten Staaten – etwa von Sojabohnen und anderen Produkten – stark reduziert. Das Verhältnis bleibt unausgeglichen: China verkauft weiterhin dreimal so viel in die USA, wie es von dort bezieht. Zudem hat China seine Exporte in andere Weltregionen erheblich ausgeweitet – insbesondere nach Südostasien, Afrika, Europa und Lateinamerika.


    Rückgang in Trumps Zustimmungswerten

    Eine Analyse von Umfragedaten der New York Times zeigt: Die Zustimmungswerte von Präsident Trump sind in den vergangenen Wochen leicht, aber messbar gesunken – nach Monaten weitgehender Stabilität.


    WEITERE NACHRICHTEN

    – Laut US-Beamten hat die Trump-Regierung eine Chartermaschine voller Iraner in den Iran abgeschoben – erst zum zweiten Mal in der Geschichte der USA.

    – In Benin ist es gestern zu einem Putschversuch durch Teile des Militärs gekommen, was das westafrikanische Land in einen Zustand der Unsicherheit gestürzt hat.

    – Mindestens 25 Menschen starben bei einem verheerenden Brand in einem Nachtclub im indischen Bundesstaat Goa.

    – Präsident Wladimir Putin hat das russische Militär angewiesen, sich auf Kämpfe unter winterlichen Bedingungen vorzubereiten – ein Signal, dass er trotz Gesprächen mit US-Vertretern nicht von seinen Forderungen abrückt.

    Netflix plant die Übernahme von Warner Bros. Discovery für 82,7 Milliarden US-Dollar – ein Geschäft, das die Filmindustrie und die gesamte Medienlandschaft grundlegend verändern könnte.

    Saudi-Arabien hat stillschweigend begonnen, Alkohol an einige ausländische Einwohner zu verkaufen.

    Katy Perry und Justin Trudeau haben gemeinsam Japan erkundet – und ihre Verbindung mit gemeinsamen Fotos auf Instagram quasi offiziell gemacht.

    Von Andreas Brucker