Schlagwort: Zweiter Weltkrieg

  • Verdrängt, verkauft, vergessen: Die Kinder deutsch-französischer Kriegsbeziehungen

    Verdrängt, verkauft, vergessen: Die Kinder deutsch-französischer Kriegsbeziehungen

    Nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer Zeit des Umbruchs und der Neuanfänge, geschah in Süddeutschland etwas, das bis heute nur wenigen bekannt ist – ein Kapitel europäischer Nachkriegsgeschichte, das jahrzehntelang unter dem Mantel des Schweigens lag. Es betrifft hunderte Kinder, geboren zwischen 1946 und 1949. Ihre Mütter waren Deutsche, ihre Väter französische Soldaten, oft aus ehemaligen Kolonien, stationiert in der französischen Besatzungszone.

    Viele dieser Kinder wurden gegen den Willen ihrer Mütter zur Adoption freigegeben – unter massivem Druck der Militärbehörden.

    Marie ist eine von ihnen. Heute ist sie 78 Jahre alt. Ihr Vater war marokkanischer Soldat in der französischen Armee, ihre Mutter Deutsche. Im Alter von zwei Jahren kam sie zu einer Adoptivfamilie nahe Paris. Was sie dort erlebte, war alles andere als liebevoll: „Meine Adoptivmutter war oft wütend. Dann schrie sie: ‚Deine Mutter war eine Boche, dein Vater ein Bougnoule.‘“

    Ein hartes Wort, damals wie heute. Und ein Spiegelbild jener Zeit, geprägt von tiefem Rassismus und Nachkriegstraumata.

    Marie erzählt, wie sie irgendwann genug hatte. „Ich hab gesagt, ich find meine Mutter. Als ich 1968 heiratete, sind mein Mann und ich losgezogen, um sie zu suchen.“ Doch in ihrem Herzen war keine Versöhnung – nur Wut. Sie wollte der Frau, die sie geboren hatte, ins Gesicht spucken. Ihre kindliche Logik: Alles Leid sei die Schuld ihrer leiblichen Mutter gewesen.

    Aber dann kam die Wahrheit ans Licht.

    Marie erfuhr, dass ihre Mutter sie nie hatte aufgeben wollen. Der familiäre Druck war überwältigend. Und auch die französischen Besatzungsbehörden ließen nicht locker. Unter dem Deckmantel eines „besseren Lebens“ wurden Frauen zur Aufgabe ihrer Kinder gedrängt – nicht mit Gewalt, aber mit psychologischer Raffinesse.

    So wie bei Claudine.

    Auch sie wurde als Kind eines französischen Soldaten und einer deutschen Mutter geboren. Ihre Mutter war bei der Geburt minderjährig, kämpfte zunächst um das Kind – kapitulierte aber schließlich. „Wir waren ein bisschen wie Ware“, sagt Claudine heute nüchtern.

    Und sie geht noch weiter: „Beide Nationen tragen Schuld – die einen, weil sie uns verkauft und aufgegeben haben, und der französische Staat, der uns einfach mitgenommen hat.“

    Der Historiker Yves Denéchère von der Universität Angers hat die Akten beider Länder durchforstet. Seine Bilanz: rund 1.500 solcher Adoptionen allein zwischen 1946 und 1949. Das Verfahren lief erschreckend effizient: Lokale deutsche Behörden meldeten die Geburten. Französische Offiziere suchten die Mütter auf und versprachen eine rosige Zukunft für das Kind – wenn sie es zur Adoption in Frankreich gäben.

    Man muss sich vorstellen, wie sich eine junge Frau in einem zerbombten Deutschland, mittellos und geächtet, da gefühlt haben muss?

    Der Druck war subtil, aber wirksam: „Wie willst du in einem zerstörten Land ein Kind großziehen? Wenn du einen Deutschen heiraten willst, passt dieses Kind nicht in dein neues Leben.“ Diese Botschaften trafen ins Mark – und führten zu Entscheidungen, die viele Frauen nie vergessen haben.

    Die Kinder wurden gesammelt in einer Art Säuglingsheim im Schwarzwald. Von dort aus begann die Auswahl: Wer weiß, gesund und „nicht zurückgeblieben“ war, hatte bessere Chancen. Dunkelhäutige Kinder? Die galten als schwierig vermittelbar. Einige wurden sogar nach Afrika geschickt – fernab jeder bekannten Welt, fernab jeder Gerechtigkeit.

    Die deutsche Schriftstellerin Anke Feuchter hat dazu geforscht. „Natürlich bevorzugte man weiße Kinder. Die passten besser in das Bild, das Frankreich sich selbst geben wollte.“ Ein offenes Eingeständnis des institutionellen Rassismus.

    Was für ein Leben blieb diesen Kindern?

    Manche fanden liebevolle Familien. Andere litten ihr Leben lang unter Zurückweisung, Identitätsfragen, innerem Zwiespalt. Viele erfuhren nie, wer sie wirklich waren. Die leiblichen Mütter? Verstummt, beschämt, gebrochen.

    Und das Frankreich jener Zeit?

    Ein Staat, der sich nach Kriegsverlusten bemühen musste, seine Bevölkerungszahlen zu stabilisieren. Ein Staat, der sich als Sieger sah und sich das Recht nahm, das vermeintlich Beste für die Kinder zu entscheiden – auch wenn das bedeutete, sie ihren Müttern zu entreißen.

    Heute wird langsam darüber gesprochen. Noch zögerlich, aber mit wachsendem Mut. Die betroffenen Kinder – längst im Rentenalter – holen ihre Geschichten ans Licht. Sie stellen Fragen, die jahrzehntelang niemand hören wollte. Warum hat man uns das angetan? Wer profitiert bis heute vom Schweigen?

    Und vielleicht noch drängender: Was machen wir mit diesem Wissen – heute, im Europa der offenen Grenzen?

    Von C. Hatty

  • Revolution, Kriege und Barrikaden – Was der 10. Mai der Geschichte brachte

    Revolution, Kriege und Barrikaden – Was der 10. Mai der Geschichte brachte

    Der 10. Mai ist kein gewöhnlicher Kalendertag – er wirkt wie ein Brennglas, durch das man einige der einflussreichsten historischen Momente betrachten kann. In Frankreich, aber auch weltweit, wurde an diesem Datum Politik gemacht, gekämpft, erinnert – und Geschichte geschrieben.

    Fangen wir mit einem Ereignis an, das beinahe einen Dominoeffekt auf die europäische Geschichte hatte.

    1774 – Der Tod Ludwigs XV. und der Anfang vom Ende der Monarchie

    Am 10. Mai 1774 starb Ludwig XV. nach 59 Jahren auf dem Thron – das war kein bloßer Herrscherwechsel. Denn mit seinem Tod begann für Frankreich eine Phase, die alles auf den Kopf stellte: Sein Enkel Ludwig XVI. bestieg den Thron – ein junger Mann, unbeholfen im politischen Spiel, aber mit dem festen Willen zu reformieren. Tragischerweise sollte genau dieser Wille, gepaart mit Naivität, bald in einer Katastrophe enden.

    Was folgte? Wirtschaftliche Misere, soziale Ungleichheit – und die Französische Revolution. Ludwig XVI. verlor am Ende nicht nur seinen Thron, sondern auch seinen Kopf. Ein König, der an einem 10. Mai ins Amt kam – und damit ungewollt das Ende einer Epoche einläutete. Ironie des Schicksals?

    1796 – Napoleons Stern geht bei Lodi auf

    Ein anderes Frankreich, ein anderer Mann: Napoleon Bonaparte. Am 10. Mai 1796 errang er in Norditalien einen seiner ersten großen militärischen Triumphe – die Schlacht von Lodi. Was viele nicht wissen: Dieser Sieg war nicht einfach ein taktischer Erfolg, sondern ein psychologischer Wendepunkt. Napoleon selbst bezeichnete diesen Tag später als den Moment, an dem er erstmals den Glauben gewann, „zur Größe geboren“ zu sein.

    Mit Lodi beginnt die Ära Napoleons – und damit ein Kapitel, das ganz Europa umkrempelt. Die Code Civil, das Ende des Heiligen Römischen Reichs, neue Grenzziehungen: All das wurzelt, zumindest zum Teil, in jenem Mai-Sieg.

    1871 – Der Frieden von Frankfurt: Frankreich verliert mehr als nur Land

    1. Mai 1871: Nach einem verlustreichen Krieg zwischen Frankreich und dem jungen Deutschen Reich wird der Friedensvertrag von Frankfurt unterzeichnet. Frankreich muss Elsass und Lothringen abtreten, eine bittere Pille für die Grande Nation. Die Revanche-Gedanken, die sich aus dieser Demütigung speisten, lebten über Generationen weiter und prägten nicht zuletzt das politische Klima vor dem Ersten Weltkrieg.

    Ein Vertrag also, der mehr entzündete, als er löschte – so viel zum Thema „Friedensschluss“.

    1933 – Bücher brennen: Die Schattenseite deutscher Geschichte

    Dieser 10. Mai ging auf traurige Weise in die Geschichte ein: In Berlin und anderen Städten Deutschlands wurden Bücher verbrannt. Werke von Brecht, Freud, Heine, Marx – ganze Bibliotheken gingen in Flammen auf. Wer sich die Bilder dieser inszenierten Zerstörung anschaut, spürt einen Kloß im Hals.

    Es war ein Vorbote dessen, was folgte: Zensur, Verfolgung, Vernichtung. Und es zeigt, wie gefährlich eine Ideologie wird, wenn sie Kultur als Feind betrachtet. Noch heute erinnern Mahnmale an diesen Tag – und daran, wie zerbrechlich geistige Freiheit sein kann.

    1940 – Frankreich im Schock: Der deutsche Angriff beginnt

    Am 10. Mai 1940 begann der deutsche Westfeldzug. Binnen weniger Tage durchbrach die Wehrmacht die französischen Verteidigungslinien – der Maginot-Linie zum Trotz. Für Frankreich war es ein Schockmoment, der das Trauma des Ersten Weltkriegs wieder aufriss.

    In Paris setzte eine Fluchtwelle ein, das politische System geriet ins Wanken, und nur Wochen später marschierten deutsche Truppen durch die Champs-Élysées. Ein Tag, an dem sich die Welt erneut in eine düstere Richtung bewegte.

    1968 – Die Nacht der Barrikaden: Studenten gegen den Staat

    In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1968 brannten in Paris nicht Bücher, sondern Barrikaden. Im Quartier Latin errichteten Studenten Dutzende davon – ein Aufstand gegen ein verkrustetes System, gegen Autoritäten, gegen die Bevormundung der Jugend. Die Polizei reagierte brutal, es kam zu hunderten Verletzten. Doch diese Nacht entzündete ein Flächenfeuer, das ganz Frankreich erfasste – Generalstreiks, Fabrikbesetzungen, politische Paralyse.

    Die „Nacht der Barrikaden“ wurde zum Sinnbild des Pariser Mai. Und sie hallt bis heute nach – nicht nur in Frankreich. Wie viele heutige soziale Bewegungen greifen auf die Bilder und Parolen jener Tage zurück?

    2006 – Frankreich setzt ein Zeichen gegen seine koloniale Vergangenheit

    Erst am 10. Mai 2006 wurde in Frankreich offiziell der „Gedenktag zur Abschaffung der Sklaverei“ eingeführt. Ein historischer Schritt – und längst überfällig. Frankreich, das einst im Dreieckshandel Millionen versklavter Menschen verschleppte, begann damit, offen über die Schatten seiner Kolonialgeschichte zu sprechen.

    Dieser Tag erinnert nicht nur an vergangenes Leid, sondern ist auch ein Appell an gesellschaftliche Verantwortung. Denn auch heute kämpfen viele Nachfahren ehemaliger Sklaven mit strukturellem Rassismus und Benachteiligung. Der 10. Mai ist also mehr als ein Erinnern – er ist ein Handlungsauftrag.

    Was sagt uns das alles?

    Man könnte meinen, der 10. Mai sei so etwas wie ein geschichtlicher Knotenpunkt – ein Tag, an dem sich Grundlinien der Geschichte bündeln. Mal im Glanz eines Sieges, mal im Grauen des Kriegs oder im Zorn der Jugend. Wer diesen Tag betrachtet, sieht einen Spiegel der Menschheit: mit ihren Höhenflügen, ihren Irrwegen, ihrem Drang nach Veränderung.

    Und ganz ehrlich: Wenn ein einzelnes Datum so viel Sprengkraft hat – wer würde dann noch behaupten, Geschichte sei trocken?

  • 9. Mai – Ein Tag zwischen Krieg, Liebe und Europas Zukunft

    9. Mai – Ein Tag zwischen Krieg, Liebe und Europas Zukunft

    Der 9. Mai gehört nicht zu den Kalenderdaten, die man sich wie selbstverständlich merkt. Kein Weihnachten, kein 1. Januar. Und doch – was sich an diesem Tag im Lauf der Geschichte zugetragen hat, reicht von den Tiefpunkten der Menschheit bis zu ihren kühnsten Visionen. Weltweit und insbesondere in Frankreich birgt der 9. Mai eine eindrucksvolle historische Vielfalt.

    Beginnen wir mit dem Elefanten im Raum.

    1945 – Der Krieg ist aus, zumindest in Europa

    Am 9. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg auf dem europäischen Kontinent offiziell vorbei – zumindest für die Sowjetunion und ihre Verbündeten. In den Morgenstunden dieses Tages trat die Kapitulation der Wehrmacht endgültig in Kraft. Während in vielen westlichen Ländern der 8. Mai gefeiert wird, ist für Russland und große Teile Osteuropas der 9. Mai der eigentliche Tag des Sieges. Warum das so ist? Ganz simpel: Als die Unterschriften unter das Kapitulationsdokument in Berlin gesetzt wurden, war es in Moskau bereits nach Mitternacht.

    In Russland wird der „Tag des Sieges“ bis heute mit großem Pathos begangen – Militärparaden, Gedenkreden, Blumenberge auf Denkmälern. Es ist mehr als Erinnerung – es ist nationale Identität. Und man kann es ihnen kaum verübeln: Der Preis des Sieges war unermesslich hoch.

    1950 – Eine französische Vision, ein europäisches Versprechen

    Kaum fünf Jahre nach dem Inferno überraschte Frankreichs Außenminister Robert Schuman die Welt mit einem mutigen Plan. Am 9. Mai 1950 schlug er vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Klingt technokratisch, war aber revolutionär. Ausgerechnet die Rohstoffe, mit denen zwei Weltkriege geführt wurden, sollten nun gemeinsam verwaltet werden – als Grundlage für Frieden.

    Die Schuman-Erklärung war die Geburtsstunde dessen, was heute als Europäische Union bekannt ist. Seitdem wird der 9. Mai als Europatag gefeiert. In Luxemburg ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag. Wer hätte gedacht, dass ein Verwaltungsakt so viel Hoffnung in sich tragen kann?

    1770 – Eine österreichische Prinzessin auf dem Weg nach Versailles

    Springen wir zurück in die Zeit des Barock. Am 9. Mai 1770 durchquert die 14-jährige Marie-Antoinette das lothringische Nancy. Auf dem Weg in ihre neue Heimat – Frankreich. Dort soll sie bald den französischen Thronfolger Ludwig XVI. heiraten. Eine dynastische Verbindung, politisch aufgeladen und voller Erwartungen.

    Marie-Antoinette, Tochter von Kaiserin Maria Theresia, steht symbolisch für die engen Bande zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Doch die Geschichte meint es nicht gut mit ihr. Wenige Jahrzehnte später wird sie – einst umjubelte Dauphine – als Sinnbild der Dekadenz von der Revolution gestürzt und guillotiniert. Tragisch? Ja. Aber auch ein Weckruf an die Mächtigen ihrer Zeit.

    1843 – Eisenbahn bringt Bewegung nach Frankreich

    In Frankreich rollt am 9. Mai 1843 der Fortschritt in Form von Stahlrädern über neue Schienen. Die Eisenbahnlinie zwischen Paris und Rouen wird feierlich eröffnet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm – kürzere Transportzeiten, neuer Handel, industrielle Belebung. Es ist ein weiterer Mosaikstein im großen Puzzle der Industrialisierung, der Frankreich näher an das Zeitalter der Maschinen heranführt.

    Und irgendwie auch eine stille Vorbereitung auf das Frankreich des 20. Jahrhunderts: mobil, vernetzt, leistungsfähig.

    1960 – Die Pille kommt

    Am 9. Mai 1960 genehmigt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde das erste orale Verhütungsmittel – und innerhalb weniger Jahre revolutioniert es auch Europa. Frauen erhalten zum ersten Mal eine bequeme, eigenständige Kontrolle über ihre Fortpflanzung. In Frankreich trifft die Pille in den 60er Jahren zunächst auf Skepsis – vor allem aus kirchlichen Kreisen. Doch der gesellschaftliche Wandel lässt sich nicht mehr aufhalten.

    Diese kleine Tablette steht nicht nur für sexuelle Selbstbestimmung, sondern auch für eine tiefgreifende Veränderung von Rollenbildern, Familienmodellen und Lebensentwürfen. Und heute? Kaum jemand denkt beim Datum 9. Mai daran – aber es war der Startschuss für mehr Autonomie in Millionen Leben.

    1966 – Atomkraft: Hoffnung und Risiko

    In der DDR, genauer gesagt in Rheinsberg, geht am 9. Mai 1966 das erste Atomkraftwerk des Landes ans Netz. Man träumt von einer strahlenden Zukunft, wortwörtlich. Doch was zunächst als energiepolitischer Triumph gefeiert wird, wandelt sich in den folgenden Jahrzehnten zur Belastung. Sicherheitsprobleme, Entsorgungsfragen, wachsende Skepsis – das Projekt Atomkraft entwickelt sich europaweit zur Dauerbaustelle. Rheinsberg wird 1990 stillgelegt.

    Ein gutes Beispiel dafür, wie historische Euphorie oft von der Realität überholt wird.

    Was bleibt vom 9. Mai?

    Dieser Tag ist ein Geschichtsmosaik – mal düster, mal hoffnungsvoll, mal kurios. Er erzählt von einem Europa, das sich von Kriegen erholt und an Visionen wächst. Er erinnert an Frauen, die über ihre Körper selbst bestimmen wollen, an technische Innovationen, die die Welt schneller machen, und an politische Entscheidungen, die das Leben von Millionen prägen.

    Ist es nicht faszinierend, wie ein einziges Datum so viele Schichten haben kann?

    Also, wenn du das nächste Mal am 9. Mai durch deinen Alltag tappst, nimm dir einen Moment – vielleicht beim Kaffee oder in der Bahn – und denk dran: Heute war schon oft gestern. Und gestern hat verdammt viel bewegt.

  • Zwei Daten, ein Sieg: Warum Frankreich am 8. Mai feiert und Russland am 9. Mai

    Zwei Daten, ein Sieg: Warum Frankreich am 8. Mai feiert und Russland am 9. Mai

    Der Zweite Weltkrieg endete nicht an einem einzigen Tag – zumindest nicht für alle Nationen. Während in Frankreich am 8. Mai die Kapitulation des Dritten Reichs gefeiert wird, gedenkt Russland dieses historischen Ereignisses erst einen Tag später, am 9. Mai. Was zunächst wie ein bloßer Kalenderunterschied wirkt, erzählt bei näherem Hinsehen eine Geschichte von Macht, Symbolik und Erinnerungskultur. Die doppelte Kapitulation Mitten in der Nacht, am 7. Mai 1945 um 2:41 Uhr, wurde in Reims die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Der Ort: das Hauptquartier der westlichen Alliierten. Die Wirkung: Das Ende der Kämpfe in Europa wurde für den 8. Mai um 23:01 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) festgelegt. Für Frankreich und viele andere westliche Länder war dies das offizielle Ende des Krieges – endlich Frieden nach sechs Jahren unvorstellbaren Leids. Doch für die Sowjetunion reichte diese Unterschrift nicht aus. Stalin, der wusste, wie wichtig Symbolik und politische Bühne sind,…

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  • Verbeugung vor der Geschichte: Frankreich erinnert sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs

    Verbeugung vor der Geschichte: Frankreich erinnert sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs

    80 Jahre sind vergangen – und dennoch wirkt der 8. Mai 1945 in der französischen Seele nach wie ein Echo, das niemals ganz verklingt. An diesem Donnerstag, dem 8. Mai 2025, steht Paris still, um einen der bedeutendsten Tage der europäischen Geschichte zu ehren: das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa. Die Sonne über den Champs-Élysées wirkte an diesem Tag beinahe ehrfürchtig. Dort, wo sonst der Puls der Hauptstadt schlägt, herrschte ein feierlicher Ernst. Präsident Emmanuel Macron eröffnete die nationale Gedenkzeremonie mit einer stillen, kraftvollen Geste: dem Niederlegen eines Blumengebindes an der Statue von General Charles de Gaulle – einem der Gesichter des freien Frankreichs. Ort der Erinnerung: die Place Clemenceau. Daraufhin setzte sich ein symbolträchtiger Marsch in Bewegung. Begleitet von der Garde républicaine schritt der Präsident die berühmte Prachtstraße entlang – hin zum Arc de Triomphe, wo das Herzstück der Zeremonie stattfand. Ein ewiges Feuer, das nicht verlischt Am…

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  • Helden in der Soutane – Als französische Geistliche jüdische Leben retteten

    Helden in der Soutane – Als französische Geistliche jüdische Leben retteten

    Mitten im Grauen des Zweiten Weltkriegs, während die Nazis Frankreich besetzten und das Vichy-Regime fleißig bei der Judenverfolgung mitmachte, gab es Menschen, die sich dem Wahnsinn entgegenstellten – leise, mutig, und oft im Verborgenen. Unter ihnen: Geistliche. Priester, Mönche, Nonnen, Pastoren….

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  • 8. Mai – Der Tag, an dem Europa wieder Frieden fand

    8. Mai – Der Tag, an dem Europa wieder Frieden fand

    Manche Daten brennen sich ins kollektive Gedächtnis ein wie Brandzeichen. Der 8. Mai gehört dazu. Ein Tag, an dem Triumph und Tragödie Seite an Seite stehen – in Frankreich, in Deutschland, auf der ganzen Welt. Ein Tag, der bis heute nachhallt.

    1945: Der Krieg ist aus – zumindest in Europa

    Der Zweite Weltkrieg hatte über 60 Millionen Tote gefordert, Städte in Schutt und Asche gelegt, Familien zerrissen. Am 8. Mai 1945 – um genau 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit – trat die Kapitulation der Wehrmacht in Kraft. Der Krieg in Europa war vorbei. Für Millionen bedeutete das das Ende eines Alptraums. In vielen Städten wurde getanzt, geweint, gejubelt – oft alles zugleich.

    In Frankreich erklangen an jenem Tag die Kirchenglocken wie seit Jahren nicht mehr. Menschen lagen sich auf der Straße in den Armen, schwenkten Trikoloren, sangen patriotische Lieder. In Paris feierte man das, was als „Victoire“ in die Annalen eingehen sollte – der Sieg über das Nazi-Regime, das Frankreich jahrelang besetzt gehalten hatte.

    Doch wie immer ist Geschichte nicht schwarz-weiß.

    Frankreichs doppeltes Gesicht am 8. Mai

    Während in den Straßen französischer Städte gefeiert wurde, kam es in der algerischen Stadt Sétif, damals noch Teil des französischen Kolonialreiches, zu einem blutigen Massaker. Was als Protestmarsch für mehr Rechte der algerischen Bevölkerung begann, endete in einer Welle der Gewalt, bei der Tausende Algerier ums Leben kamen. Diese Ereignisse werfen bis heute einen Schatten auf den 8. Mai – gerade in der französischen Erinnerungskultur.

    In Frankreich wurde der 8. Mai zunächst jedes Jahr gefeiert, dann jedoch wieder gestrichen, später erneut eingeführt. Heute ist er ein gesetzlicher Feiertag, doch der Umgang damit bleibt vielschichtig – nicht zuletzt wegen der kolonialen Vergangenheit, die zunehmend kritisch hinterfragt wird.

    Deutschland: Ein schwieriger Gedenktag

    In der Bundesrepublik galt der 8. Mai lange Zeit als „Tag der Kapitulation“, begleitet von Schweigen und Scham. Erst 1985 wagte Bundespräsident Richard von Weizsäcker ein neues Narrativ: In einer bemerkenswerten Rede bezeichnete er den Tag als „Tag der Befreiung“. Damit durchbrach er ein jahrzehntelanges Tabu.

    Heute hat sich diese Sichtweise durchgesetzt. In vielen Städten gibt es Gedenkveranstaltungen. Schulklassen besuchen Gedenkstätten, Politiker legen Kränze nieder. Der 8. Mai erinnert nicht nur an das Ende eines Krieges, sondern auch daran, was passieren kann, wenn Demokratie versagt und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

    Aber ist der 8. Mai heute wirklich ein Tag der Einheit?

    Ein Datum mit vielen Facetten weltweit

    Auch jenseits von Europa bleibt der 8. Mai ein geschichtsträchtiges Datum. Ein paar Beispiele gefällig?

    – Am 8. Mai 1902 explodierte der Vulkan Mont Pelée auf der Karibikinsel Martinique. Binnen Minuten tötete er fast 30.000 Menschen in der Stadt Saint-Pierre – einer der tödlichsten Vulkanausbrüche der Neuzeit.

    – Im Jahr 1978 gelang Reinhold Messner und Peter Habeler etwas, was viele für unmöglich hielten: die Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffflasche. Das galt bis dahin als Wahnsinn. Doch die beiden bewiesen, dass Menschen mehr aushalten können, als man ihnen zutraut.

    – Und 1980 vermeldete die WHO einen historischen Sieg: Die Pocken galten offiziell als ausgerottet. Ein Jahrhunderte alter Schrecken war damit Geschichte – dank weltweiter Zusammenarbeit und medizinischem Fortschritt.

    Was bedeutet der 8. Mai heute?

    Er ist ein Tag des Erinnerns. Ein Tag der Mahnung. Und vielleicht auch ein Tag der Hoffnung. Denn wer sich an die Abgründe der Geschichte erinnert, ist besser gewappnet für die Herausforderungen der Gegenwart.

    Wir leben in einer Zeit, in der wieder Nationalismus aufkeimt, in der autoritäre Stimmen lauter werden, in der die Wahrheit oft auf der Strecke bleibt. Der 8. Mai ruft uns ins Gedächtnis: Demokratie ist kein Selbstläufer. Freiheit muss verteidigt, Frieden gepflegt werden.

    Und doch – es wäre zu einfach, den 8. Mai nur als ernsten Gedenktag zu sehen. Er ist auch ein Tag, an dem man feiern darf. Dass Europa seit 1945 nie wieder einen großen Krieg erlebt hat. Dass Feinde von einst zu Partnern wurden. Dass Versöhnung möglich ist – wenn der Wille da ist.

    Ein Tag, viele Geschichten

    Der 8. Mai erinnert uns an das, was war, und an das, was sein könnte. Er zeigt, wie eng Triumph und Trauer miteinander verwoben sind. Wie eine Gesellschaft entscheidet, an was sie erinnert – und an was nicht. Und vielleicht ist das die wichtigste Frage an einem solchen Tag:

    Woran willst du dich erinnern?

  • Kommentar: Nichts aus der Geschichte gelernt, Herr Putin?

    Kommentar: Nichts aus der Geschichte gelernt, Herr Putin?

    Am 9. Mai marschieren sie wieder. Panzer rollen durch Moskaus Straßen, rote Fahnen wehen, der Siegesmarsch hallt über den Roten Platz. Russland feiert das Ende des Zweiten Weltkriegs – ein Triumph über den Faschismus, ein Symbol des Widerstands gegen Tyrannei und Vernichtung. Doch während Veteranen …

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  • 8. Mai: Der Tag, an dem Europa aufatmete – Frankreich erinnert, Europa mahnt

    8. Mai: Der Tag, an dem Europa aufatmete – Frankreich erinnert, Europa mahnt

    Der 8. Mai 1945 – ein Datum, das in Frankreich mit Stolz, Trauer und Verantwortung verbunden ist. In Paris und den Provinzen wehen die Trikoloren, Veteranen ziehen ihre alten Uniformen an, und in vielen Städten versammeln sich Menschen zu Gedenkveranstaltungen. Frankreich feiert die Kapitulation Nazi-Deutschlands als „Victoire 1945“. Doch dieser Tag ist weit mehr als ein nationaler Feiertag – er ist europäische Zäsur, Wendepunkt und Warnsignal zugleich.

    Inmitten von Ruinen und Verwüstung bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs für Frankreich nicht nur die Befreiung von der Besatzung, sondern auch die Wiedergeburt als Republik. Die Vichy-Regierung war Geschichte – ein dunkles Kapitel der Kollaboration, das lange verdrängt, dann doch aufgearbeitet wurde. General de Gaulle, der als Symbol des Widerstands galt, betrat die politische Bühne. Frankreich hatte seine Ehre wiedergefunden, so der nationale Tenor.

    Doch wie feiert man einen Sieg, der auf über 60 Millionen Toten fußt?

    Frankreich gedenkt mit Stolz, aber auch mit Ernst. Der 8. Mai ist ein Tag der Würde. Er erinnert an den Mut der Résistance, an das Leid der Zivilbevölkerung, an Deportationen und Massaker. In Schulbüchern steht der Begriff „Befreiung“, nicht „Sieg“ im Vordergrund. Das sagt viel über das französische Selbstverständnis im Umgang mit diesem Tag. Er ist nicht martialisch, sondern mahnend.

    Europa hingegen? Hat den 8. Mai auf unterschiedliche Weise ins kollektive Gedächtnis aufgenommen. Während Frankreich den Tag mit militärischen Ehren begeht, war er in Deutschland jahrzehntelang ein Tag der Scham. Der Wandel begann erst in den 1980ern – mit offenen Debatten über Schuld, Erinnerung und Verantwortung. Heute ist der 8. Mai dort vielerorts ein Tag des stillen Gedenkens – noch kein offizieller Feiertag, aber einer, der mehr Gewicht bekommen hat.

    Und warum ist das relevant?

    Weil der 8. Mai weit über Gedenkfeiern hinausweist. Er ist Fundament der europäischen Nachkriegsordnung – ein Europa, das sich schwor: Nie wieder. Der Tag markiert den Beginn einer beispiellosen Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland. Aus Erbfeinden wurden Partner – aus Rivalität erwuchs Freundschaft. Ohne den 8. Mai kein Élysée-Vertrag, keine Europäische Union, kein Schengen, kein Euro.

    Dabei war diese Annäherung kein Selbstläufer. Die Erinnerungskultur in Frankreich und Deutschland verlief lange Zeit parallel statt gemeinsam. Erst in den letzten Jahrzehnten gibt es Versuche, ein europäisches Narrativ zu schaffen – eines, das die Unterschiede nicht leugnet, aber Gemeinsamkeiten betont: Das Leid der Menschen, die Schuld der Täter, die Verantwortung der Nachgeborenen.

    Frankreich nutzt den 8. Mai nicht nur zum Rückblick, sondern auch zum politischen Statement. Präsidenten nutzen ihre Reden, um an die Kraft der Demokratie zu erinnern – oder, je nach Lage, um vor neuen Bedrohungen zu warnen. Antisemitismus, autoritäres Denken, Geschichtsrevisionismus – all das hat auch im 21. Jahrhundert nicht ausgedient. Der 8. Mai ist da wie ein Seismograph: Er zeigt an, wenn die Erinnerung zu verblassen droht.

    Und ja – immer öfter wirkt es, als ob dieser Tag in der europäischen Öffentlichkeit an Bedeutung verliert. In vielen Ländern ist der 8. Mai kein Feiertag mehr, sondern nur noch ein Eintrag im Kalender. In Schulen? Wird er oft nur beiläufig behandelt. Das ist fatal. Denn ein Europa, das sich nicht mehr an seine Bruchstellen erinnert, verliert den Kompass.

    Was aber tun?

    Vielleicht braucht Europa einen gemeinsamen 8. Mai. Einen echten Gedenktag, der nicht nur Historiker und Politiker beschäftigt, sondern auch die Jugend anspricht. Mit Filmen, Theaterstücken, Zeitzeugengesprächen. Emotional, nicht belehrend. Nahbar, nicht trocken. Denn Geschichte darf kein Elfenbeinturm sein – sie muss erlebt, erzählt und weitergetragen werden.

    Frankreich geht hier oft voran. Die Ehrung der Résistance, die jährliche Teilnahme des Präsidenten an Gedenkfeiern, die Mahnmale an jeder Ecke – das sind starke Zeichen. Doch selbst in Frankreich ist die Erinnerung im Wandel. Die Generation der Zeitzeugen stirbt aus. Was bleibt, sind ihre Geschichten. Und unsere Verantwortung.

    Denn der 8. Mai 1945 ist nicht nur ein Datum aus dem Geschichtsbuch. Er ist eine Mahnung, was passieren kann, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden – und gleichzeitig eine Erinnerung daran, was möglich ist, wenn Völker sich die Hand reichen, statt Waffen zu ziehen.

    In Zeiten, in denen Europa wieder mit Krieg, Nationalismus und Identitätskonflikten ringt, hat dieser Tag eine brennende Aktualität. Er erinnert daran, wie zerbrechlich der Frieden ist – und wie wertvoll.

    Daniel Ivers

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Der 7. Mai: Vom Ende eines Weltkriegs bis zur Geburt neuer Ordnungen

    Der 7. Mai: Vom Ende eines Weltkriegs bis zur Geburt neuer Ordnungen

    Wer durch die Geschichte blättert, stößt am 7. Mai auf ein erstaunliches Kaleidoskop weltbewegender Ereignisse. Mal dramatisch, mal still – aber nie belanglos. Dieser Tag hat auf Kriegsschauplätzen ebenso seine Spuren hinterlassen wie in den Konzertsälen Europas oder den Hinterzimmern der Politik. Besonders Frankreich steht dabei nicht selten im Zentrum.

    Beginnen wir mit einem Moment, der die Welt veränderte.

    Reims, 1945: Der Krieg ist (fast) vorbei

    Es war eine Nacht wie keine andere. Im Hauptquartier der Alliierten im französischen Reims unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl am frühen Morgen des 7. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Damit war der Zweite Weltkrieg in Europa faktisch beendet – ein Moment, der wie ein tiefes Aufatmen durch den Kontinent ging. Frankreich, das unter der Besatzung gelitten hatte, stand plötzlich an der Schwelle zur Selbstfindung.

    Die Kapitulation trat am 8. Mai offiziell in Kraft, doch das emotionale und politische Echo des 7. Mai reichte weit darüber hinaus. Man darf nicht vergessen: Dieser Tag war für viele Franzosen das endgültige Ende einer Zeit der Demütigung – und zugleich der Anfang eines langen Weges zur politischen und gesellschaftlichen Erneuerung.

    Điện Biên Phủ, 1954: Das koloniale Frankreich gerät ins Wanken

    Fast auf den Tag genau neun Jahre später wird ein weiteres Kapitel geschlossen – diesmal mit deutlich weniger Triumphgefühlen in Paris. In der nordvietnamesischen Provinz Điện Biên Phủ kapitulierte die französische Armee nach einer 57-tägigen Belagerung vor den kommunistischen Việt Minh.

    Frankreichs Anspruch als Kolonialmacht erlitt damit einen schweren Schlag. Der Mythos der Unbesiegbarkeit war gebrochen. Das Mutterland musste einsehen, dass die Zeit imperialer Expansion vorbei war. Der Verlust Südostasiens führte letztlich zu einem Umdenken – Frankreich begann, seine Rolle in der Welt neu zu definieren. Heute? Eine ehemalige Kolonialmacht, die sich als multikulturelle Republik versteht – nicht ohne innere Spannungen, aber mit wachsendem Bewusstsein für ihre Geschichte.

    1989 in der DDR: Lügen haben kurze Beine

    Ein kleiner Sprung ins noch frische 20. Jahrhundert. Am 7. Mai 1989 kam es in der DDR zu Kommunalwahlen – scheinbar Routine. Doch diesmal war alles anders. Bürgerrechtler dokumentierten systematische Wahlfälschungen. Die offizielle Zahl von über 98 Prozent Zustimmung wirkte plötzlich wie eine schlechte Satire.

    Diese Enthüllungen gaben der Bürgerbewegung Aufwind. Der Vertrauensverlust war massiv – und er sollte sich als Vorbote für den Herbst erweisen, in dem die Mauer fiel. Ist es nicht erstaunlich, wie eine gefälschte Zahl auf einem Wahlzettel ein ganzes Regime ins Wanken bringen kann?

    Beethoven in Wien, 1824: Musik gegen das Verstummen

    Wenden wir uns einer ganz anderen Bühne zu: der Musik. Am 7. Mai 1824 erklang in Wien zum ersten Mal Beethovens 9. Sinfonie. Der Komponist – längst taub – stand selbst auf dem Podium. Er konnte das tosende Applaus nicht hören, aber jemand drehte ihn zum Publikum, damit er ihn wenigstens sehen konnte.

    Die „Ode an die Freude“ im letzten Satz wurde später zur Hymne der Europäischen Union. Ein musikalisches Symbol der Einigkeit – geboren in einer Zeit, in der Europa noch ein Flickenteppich aus Fürstentümern und Imperien war. Heute steht dieses Werk für die Idee, dass Kultur auch dort Brücken bauen kann, wo Politik Mauern errichtet.

    Die „Lusitania“ – ein Torpedo, das Wellen schlug

    Zurück ins Jahr 1915. Ein deutscher U-Boot-Angriff versenkt das britische Passagierschiff „Lusitania“ vor der irischen Küste. Fast 1.200 Menschen sterben, darunter viele Amerikaner. Die Empörung in den USA ist gewaltig – und der Keim für einen späteren Kriegseintritt gegen Deutschland ist gesät.

    Ein einzelner Torpedo – so klein und technisch – veränderte das geopolitische Gleichgewicht. Wie fragil die Weltordnung doch oft ist.

    Frankreich wählt neu: Jacques Chirac übernimmt

    Springen wir ins Jahr 1995. Frankreichs Präsident heißt ab dem 7. Mai Jacques Chirac. Der konservative Politiker wird Staatsoberhaupt und leitet einen Kurswechsel ein. Sozialreformen, ein klarer Pro-Europa-Kurs, aber auch innenpolitische Auseinandersetzungen über Arbeitsmarktreformen und die Rolle des Staates.

    Die Wahl zeigte: Frankreich bleibt ein Land politischer Leidenschaft, in dem Wechsel nicht nur möglich sind – sondern zum Selbstverständnis gehören. Bis heute prägen Entscheidungen aus Chiracs Amtszeit die politische Landschaft.

    Der Franken kommt: Schweiz rückt zusammen

    Am 7. Mai 1850 beschließt die Schweiz die Einführung des Franken. Ein entscheidender Schritt zur wirtschaftlichen Einheit des jungen Bundesstaats. Die Kleinstaaterei im Geldwesen hatte ausgedient. Heute gilt der Schweizer Franken als eine der stabilsten Währungen der Welt – geboren aus dem Wunsch nach Ordnung inmitten der Vielfalt.

    Und heute?

    Wenn man all diese Ereignisse zusammennimmt – von Kapitulationen bis hin zu kulturellen Meilensteinen – erkennt man ein Muster. Der 7. Mai steht häufig für das Ende alter Strukturen und den Beginn neuer Wege. Nicht immer laut, nicht immer mit Fanfaren – aber mit Wirkung.

    Ob Frankreich seinen Weg aus dem Kolonialdilemma sucht, ob Deutschland kapituliert, die DDR ihre Maske verliert oder Beethoven die Menschheit an ihre gemeinsame Würde erinnert: Dieser Tag lädt dazu ein, zu erinnern, zu reflektieren – und manchmal auch, tief durchzuatmen.

    Denn wer Geschichte verstehen will, muss sich solchen Tagen widmen. Nicht, weil sie in den Lehrbüchern stehen, sondern weil sie uns zeigen, wie alles zusammenhängt.