Schlagwort: Zweiter Weltkrieg

  • Wollten die USA Frankreich besetzen und zerschlagen? Was hinter dem Film Die Schlacht um de Gaulle tatsächlich steckt

    Wollten die USA Frankreich besetzen und zerschlagen? Was hinter dem Film Die Schlacht um de Gaulle tatsächlich steckt

    Der Fernsehfilm La Bataille de Gaulle greift einen der schärfsten politischen Konflikte innerhalb der westlichen Alliierten während des Zweiten Weltkriegs auf: das angespannte Verhältnis zwischen US-Präsident Franklin D. Roosevelt und General Charles de Gaulle. Die zentrale These des Films – die Ver…

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  • Die Große Moschee von Paris: Ein Jahrhundert französischer Geschichte zwischen Erinnerung, Religion und Republik

    Die Große Moschee von Paris: Ein Jahrhundert französischer Geschichte zwischen Erinnerung, Religion und Republik

    Mitten im 5. Arrondissement von Paris, nur wenige Schritte vom Jardin des Plantes entfernt, erhebt sich ein 33 Meter hohes Minarett, das heute selbstverständlich zum Stadtbild gehört. Doch als die Grande Mosquée de Paris am 15. Juli 1926 feierlich eingeweiht wurde, war sie weit mehr als ein neues Go…

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  • Der Ungehorsam, der Frankreich rettete

    Der Ungehorsam, der Frankreich rettete

    Der 18. Juni 1940 gilt heute als Gründungsdatum der französischen Résistance. Kaum ein anderes Ereignis ist so tief im nationalen Gedächtnis Frankreichs verankert wie der Aufruf von Charles de Gaulle aus dem Londoner Exil. Jedes Jahr wird seiner gedacht, Schulen lehren ihn als Wendepunkt der französischen Geschichte, und die spätere Fünfte Republik erhebt ihn zu einem ihrer zentralen Ursprungsmythen.

    Doch hinter der symbolischen Kraft des „Appel du 18 juin“ verbirgt sich ein historisches Paradox, das oft in den Hintergrund tritt: Als Charles de Gaulle vor das Mikrofon der BBC trat, handelte er gegen die Anweisungen der damals rechtmässigen französischen Regierung. Aus Sicht des geltenden Rechts war sein Vorgehen eine Form des Ungehorsams. Aus Sicht der Nachwelt wurde genau dieser Ungehorsam zum Akt nationaler Rettung.

    Frankreich am Abgrund

    Im Juni 1940 befand sich Frankreich in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Der deutsche Westfeldzug hatte die französischen Verteidigungslinien innerhalb weniger Wochen zerschlagen. Die Wehrmacht rückte rasch vor, Paris wurde aufgegeben, Millionen Menschen befanden sich auf der Flucht.

    Am 16. Juni übernahm Marschall Philippe Pétain, der Held von Verdun aus dem Ersten Weltkrieg, die Regierungsgeschäfte. Bereits einen Tag später erklärte er in einer Radioansprache, man müsse „den Kampf einstellen“. Die Regierung entschied sich für Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich.

    Für viele Franzosen erschien dieser Schritt damals als unausweichlich. Die militärische Niederlage schien vollständig. Die Alternative hätte bedeutet, den Krieg von Nordafrika aus fortzuführen – eine Option, die nur wenige politische und militärische Entscheidungsträger ernsthaft in Betracht zogen.

    Ein General ohne Machtbasis

    Charles de Gaulle war zu diesem Zeitpunkt keineswegs die nationale Führungsfigur, als die ihn spätere Generationen wahrnahmen. Der damals 49-Jährige war erst kurz zuvor zum Brigadegeneral auf Zeit befördert worden. Zudem bekleidete er seit wenigen Tagen das Amt eines Unterstaatssekretärs für Krieg und nationale Verteidigung.

    Politisch verfügte er über keine demokratische Legitimation. Er war weder Regierungschef noch Oberbefehlshaber. Er führte keine bedeutenden Truppenverbände und repräsentierte keine etablierte politische Bewegung.

    Sein Einfluss beruhte vor allem auf seinen strategischen Überzeugungen. Schon vor dem Krieg hatte er für eine Modernisierung der Streitkräfte und den verstärkten Einsatz von Panzerverbänden plädiert. Viele seiner Warnungen waren von der militärischen Führung ignoriert worden.

    Als die Niederlage eintrat, war De Gaulle deshalb nicht nur ein Gegner der Kapitulation, sondern auch ein Kritiker jener politischen und militärischen Elite, die Frankreich in die Katastrophe geführt hatte.

    Der Flug nach London

    Am 17. Juni 1940 verliess De Gaulle Bordeaux in einem britischen Flugzeug Richtung London. Dieser Schritt war keineswegs selbstverständlich.

    Die französische Regierung hatte sich klar auf einen Waffenstillstandskurs festgelegt. De Gaulle entzog sich bewusst dieser politischen Linie. Obwohl er formell noch Mitglied der Regierung war, verweigerte er die Gefolgschaft gegenüber deren zentraler Entscheidung.

    Juristisch bewegte er sich damit in einer Grauzone. Politisch bedeutete sein Handeln jedoch eine offene Herausforderung der staatlichen Autorität.

    In London fand er einen entscheidenden Verbündeten: den britischen Premierminister Winston Churchill. Dieser erkannte früh den propagandistischen und politischen Wert eines französischen Vertreters, der den Kampf gegen Deutschland fortsetzen wollte. Churchill verschaffte De Gaulle Zugang zur BBC und damit zu einer Öffentlichkeit, die er in Frankreich selbst nicht mehr erreichen konnte.

    Eine Rede gegen die offizielle Politik

    Am Abend des 18. Juni sprach De Gaulle über die BBC zu den Franzosen.

    Seine Botschaft war schlicht und zugleich revolutionär: Frankreich habe eine Schlacht verloren, nicht aber den Krieg. Die industrielle Stärke des britischen Empire und die wirtschaftlichen Ressourcen der Vereinigten Staaten würden den Kampf letztlich entscheiden. Deshalb müsse der Widerstand fortgesetzt werden.

    De Gaulle rief Offiziere, Soldaten, Ingenieure und Facharbeiter dazu auf, nach Grossbritannien zu kommen und den Krieg an der Seite der Alliierten weiterzuführen.

    Diese Erklärung war nicht autorisiert. Sie stand in direktem Widerspruch zur offiziellen Politik der französischen Regierung. Während Pétain den Waffenstillstand vorbereitete, erklärte De Gaulle faktisch, dass Frankreich weiterkämpfen müsse.

    Damit entstand ein fundamentaler Konflikt zwischen Legalität und Legitimität.

    Der Verräter von 1940

    Aus Sicht der damaligen französischen Behörden war De Gaulle kein Held, sondern ein Rebell.

    Nach dem Abschluss des Waffenstillstands etablierte sich in Vichy ein neues Regime unter Führung Pétains. Dieses betrachtete De Gaulles Aktivitäten als Verrat an Staat und Armee.

    Am 2. August 1940 verurteilte ein Militärgericht den General in Abwesenheit zum Tode. Die Anklage lautete unter anderem auf Fahnenflucht, Hochverrat und Gefährdung der äusseren Sicherheit des Staates.

    Die Entscheidung verdeutlicht, wie unsicher die historische Situation damals war. Heute erscheint De Gaulles Weg nahezu zwangsläufig. Zeitgenossen sahen dies häufig anders. Viele Franzosen unterstützten zunächst Pétain, dessen Prestige als Kriegsheld enorm war. Der spätere Ausgang des Krieges war im Sommer 1940 keineswegs absehbar.

    De Gaulle handelte somit nicht auf der Grundlage eines sicheren Erfolgs, sondern unter Bedingungen erheblicher politischer und persönlicher Risiken.

    Die Frage der höheren Legitimität

    Der Kern der historischen Debatte liegt bis heute in der Frage, welcher Form von Legitimität Vorrang zukommt.

    Die Regierung Pétains war zunächst legal eingesetzt worden. Sie verfügte über institutionelle Kontinuität und staatliche Autorität. De Gaulle hingegen handelte ohne Mandat und gegen die Beschlüsse der Regierung.

    Seine Verteidigung beruhte auf einem anderen Verständnis politischer Legitimität. Für ihn war Frankreich mehr als seine aktuelle Regierung. Ein Staat, der vor dem Feind kapituliert und sich dessen politischen Forderungen unterwirft, könne zwar rechtlich bestehen, verliere jedoch seine moralische und nationale Legitimation.

    In dieser Sichtweise repräsentierte nicht Vichy die wahre Kontinuität Frankreichs, sondern die „France libre“, die Freien Französischen Streitkräfte und der fortgesetzte Kampf an der Seite der Alliierten.

    Nach der Befreiung Frankreichs wurde genau diese Interpretation zur offiziellen Staatsdoktrin. Die Republik erklärte, dass die legitime Kontinuität des französischen Staates nicht in Vichy, sondern in der Freien Frankreich-Bewegung fortbestanden habe.

    Die Entstehung eines nationalen Mythos

    Hinzu kommt ein weiterer historischer Befund, der lange Zeit wenig Beachtung fand: Der berühmte Aufruf vom 18. Juni wurde von nur wenigen Franzosen tatsächlich live gehört.

    Die Reichweite der BBC war begrenzt, viele Menschen hatten keinen Zugang zu den Sendungen, und die dramatischen Ereignisse jener Tage überlagerten die Wirkung der Rede. Der heute bekannte Text entspricht zudem nicht vollständig der ursprünglichen Rundfunkansprache, sondern wurde später in Zeitungen veröffentlicht und in den Nachkriegsjahren symbolisch überhöht.

    Der Mythos entstand daher nicht an einem einzigen Abend. Er entwickelte sich schrittweise während des Krieges und erhielt seine endgültige Bedeutung erst nach 1945.

    Gerade darin liegt jedoch seine historische Bedeutung. Der Aufruf des 18. Juni zeigt, dass politische Legitimität nicht immer mit formaler Legalität identisch ist. De Gaulle stellte sich gegen die Anordnungen der bestehenden Autoritäten, weil er überzeugt war, dass diese den Interessen Frankreichs nicht mehr dienten. Dass die Geschichte ihm recht gab, erscheint heute selbstverständlich. Im Sommer 1940 war dies alles andere als sicher.

    Der spätere Staatsgründer handelte damals nicht als unangefochtener Nationalheld, sondern als isolierter Offizier, der bereit war, gegen die Regierung seines Landes aufzutreten. Der Gründungsakt des modernen Frankreich war damit zugleich ein Akt des Ungehorsams – ein seltenes Beispiel dafür, wie die Verletzung bestehender Autorität rückblickend zur höchsten Form politischer Loyalität werden konnte.

    Autor: P. Tiko

    Quellen:
    Charles de Gaulle, Mémoires de guerre (1954–1959); Fondation Charles de Gaulle (2025); BBC Archives (1940/2025); Robert Paxton, La France de Vichy (1972); Julian Jackson, A Certain Idea of France: The Life of Charles de Gaulle (2018); François Delpla, Studien zur France Libre (2020); Archives Nationales de France (2025).

  • 18. Juni – Ein geschichtsträchtiger Tag in Frankreich und der Welt

    18. Juni – Ein geschichtsträchtiger Tag in Frankreich und der Welt

    Der 18. Juni zählt zu den Daten, die in der Geschichte immer wieder Spuren hinterließen. Besonders in Frankreich besitzt dieser Tag einen beinahe mythischen Klang. Doch auch weltweit ereigneten sich an einem 18. Juni politische Umbrüche, militärische Entscheidungen und technische Meilensteine.

    Frankreich: Der Appell des Generals de Gaulle (1940)

    Das wohl bedeutendste Ereignis eines 18. Juni aus französischer Sicht fand im Jahr 1940 statt. Nachdem die deutsche Wehrmacht Frankreich besiegt hatte und die Regierung um einen Waffenstillstand bat, sprach der spätere Staatspräsident Charles de Gaulle am 18. Juni über die BBC aus London zum französischen Volk.

    In seinem berühmten „Appel du 18 Juin“ rief er die Franzosen dazu auf, den Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland nicht aufzugeben. Obwohl damals nur wenige Menschen die Ansprache tatsächlich hörten, entwickelte sie sich später zum Symbol des französischen Widerstands.

    Bis heute gilt der 18. Juni in Frankreich als ein Tag des Mutes und der nationalen Selbstbehauptung. Zahlreiche Straßen, Plätze und Denkmäler erinnern an diesen historischen Aufruf.

    Die Schlacht bei Waterloo endet (1815)

    Am 18. Juni 1815 erlitt Napoleon Bonaparte bei der Schlacht bei Waterloo seine entscheidende Niederlage. Die Truppen des Herzogs von Wellington und der preußischen Armee unter Blücher besiegten die französischen Streitkräfte im heutigen Belgien.

    Mit Waterloo endete Napoleons Herrschaft endgültig. Wenige Tage später dankte er ab und ging schließlich ins Exil auf die Insel St. Helena.

    Die Folgen reichten weit über Frankreich hinaus. Europas politische Landkarte ordnete sich neu, und für Jahrzehnte entstand ein Machtgleichgewicht, das größere Kriege zwischen den europäischen Großmächten verhindern sollte.

    Frankreich schafft die Sklaverei endgültig ab (1815)

    Weniger bekannt ist ein weiteres Ereignis vom 18. Juni 1815. Während des sogenannten „Hundert-Tage-Reiches“ verfügte Napoleon die endgültige Abschaffung des französischen Sklavenhandels. Die vollständige Abschaffung der Sklaverei im französischen Kolonialreich erfolgte zwar erst 1848, doch dieser Schritt markierte einen wichtigen Wendepunkt.

    Der Krieg von 1812: Beginn der amerikanisch-britischen Auseinandersetzung

    Am 18. Juni 1812 erklärten die Vereinigten Staaten dem Vereinigten Königreich den Krieg. Der sogenannte Krieg von 1812 entstand aus Handelskonflikten und Streitigkeiten über die britische Einflussnahme in Nordamerika.

    Der Konflikt stärkte langfristig das nationale Selbstverständnis der USA und trug zur Entwicklung Kanadas bei.

    Das Frauenwahlrecht in Frankreich rückt näher (1944)

    Am 18. Juni 1944 bestätigte die provisorische französische Regierung die politischen Reformen, die Frauen das Wahlrecht sichern sollten. Wenige Monate später konnten Französinnen erstmals an nationalen Wahlen teilnehmen.

    Heute wirkt das selbstverständlich. Damals bedeutete es einen gewaltigen Schritt hin zu politischer Gleichberechtigung.

    Sally Ride fliegt ins All (1983)

    Am 18. Juni 1983 startete die amerikanische Astronautin Sally Ride mit dem Space Shuttle Challenger ins All.

    Sie war die erste Amerikanerin im Weltraum und wurde zu einer Ikone für Frauen in Wissenschaft und Technik. Ihr Flug zeigte, dass die Raumfahrt längst nicht mehr nur eine Domäne von Männern war.

    Die Gründung des Deutschen Reiches im Spiegel des 18. Juni

    Am 18. Juni 1866 begann mit dem Einmarsch preußischer Truppen in Hannover eine entscheidende Phase des Deutschen Krieges. Der Konflikt zwischen Preußen und Österreich ebnete den Weg zur deutschen Einigung unter preußischer Führung.

    Die Folgen beeinflussten die europäische Geschichte bis weit ins 20. Jahrhundert.

    Das erste Rettungsboot aus Kunststoff (1956)

    Nicht jede historische Entwicklung entsteht auf Schlachtfeldern oder in Parlamenten. Am 18. Juni 1956 stellte man moderne Rettungsboote aus glasfaserverstärktem Kunststoff vor. Solche Innovationen verbesserten die Sicherheit in der Schifffahrt erheblich.

    Klingt unspektakulär? Manchmal verändern gerade technische Details den Alltag von Millionen Menschen.

    Geburtstage bedeutender Persönlichkeiten

    Am 18. Juni wurden unter anderem geboren:

    • Paul McCartney (1942), Mitglied der legendären Band The Beatles
    • Isabella Rossellini (1952)
    • Lech Kaczyński (1949)

    Todesfälle am 18. Juni

    Zu den bekannten Persönlichkeiten, die an einem 18. Juni starben, zählt der Schriftsteller José Saramago. Er verstarb 2010 und hinterließ ein bedeutendes literarisches Werk.

    Warum der 18. Juni bis heute nachwirkt

    Nur wenige Daten verbinden so viele unterschiedliche Kapitel der Geschichte. Der 18. Juni steht für Widerstand und Freiheit in Frankreich, für das Ende napoleonischer Ambitionen in Europa, für politische Reformen und für wissenschaftlichen Fortschritt.

    Besonders der Appell de Gaulles von 1940 prägt bis heute das französische Selbstverständnis. Wenn in Frankreich von Mut in schwierigen Zeiten die Rede ist, fällt oft genau dieses Datum. Die Erinnerung daran zeigt, wie stark einzelne Worte den Lauf der Geschichte beeinflussen können.

  • Der 12. Juni: Ein Tag zwischen Freiheit, Tragödien und politischen Umbrüchen

    Der 12. Juni: Ein Tag zwischen Freiheit, Tragödien und politischen Umbrüchen

    Der 12. Juni gehört zu jenen Kalendertagen, an denen sich erstaunlich viele bedeutende Ereignisse verdichten. Manche veränderten ganze Staaten, andere beeinflussten den Verlauf der Weltpolitik. Wieder andere erinnern bis heute daran, wie zerbrechlich Frieden und Freiheit sein können.

    Ein besonders wichtiger 12. Juni fand im Jahr 1898 statt. Auf den Philippinen erklärte der Revolutionär Emilio Aguinaldo die Unabhängigkeit seines Landes von Spanien. Nach mehr als 300 Jahren kolonialer Herrschaft entstand ein starkes nationales Symbol. Der Weg in die tatsächliche Selbstständigkeit verlief zwar deutlich komplizierter als erhofft, doch der 12. Juni gilt bis heute als einer der wichtigsten Feiertage der Philippinen.

    Nur wenige Daten zeigen so eindrucksvoll, wie stark der Wunsch nach Selbstbestimmung Menschen antreiben kann.

    Auch die Vereinigten Staaten erlebten an einem 12. Juni einen tiefen Einschnitt. Im Jahr 1963 wurde der Bürgerrechtler Medgar Evers vor seinem Haus in Mississippi ermordet. Evers kämpfte unermüdlich gegen die Rassentrennung und für gleiche Rechte schwarzer Amerikaner. Sein Tod löste landesweite Bestürzung aus und verstärkte den Druck auf die Politik, die Bürgerrechtsgesetze voranzutreiben.

    Manchmal prägen tragische Ereignisse eine Gesellschaft stärker als politische Programme.

    Ein weiterer berühmter 12. Juni folgte 1987 in Berlin. Vor dem Brandenburger Tor hielt US-Präsident Ronald Reagan eine Rede, die in die Geschichte einging. Mit seinem Appell an den sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, die Berliner Mauer zu beseitigen, verlieh er den Hoffnungen vieler Menschen Ausdruck. Als die Mauer zwei Jahre später tatsächlich fiel, erinnerten sich viele an diese symbolträchtigen Worte.

    Damals ahnte kaum jemand, wie schnell sich Europa verändern würde.

    Der 12. Juni 1991 markierte zudem einen Wendepunkt für Russland. Boris Jelzin gewann die erste direkte Präsidentenwahl der Russischen Föderation. Die Sowjetunion stand kurz vor ihrem Zusammenbruch, und das Land betrat politisches Neuland. Die Entwicklungen jener Jahre prägen Russland bis heute.

    Auch in Südafrika besitzt dieses Datum historische Bedeutung. Während der letzten Jahrzehnte der Apartheid fanden rund um den 12. Juni mehrfach politische Entscheidungen und Protestaktionen statt, die den Weg zur späteren Demokratisierung mit vorbereiteten. Der Kampf gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte erhielt dadurch zusätzliche Aufmerksamkeit.

    In Frankreich verbindet sich der 12. Juni vor allem mit Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und deren Nachwirkungen.

    Besonders eindringlich wirkt die Erinnerung an das Massaker von Oradour-sur-Glane nach. Das Dorf war wenige Tage zuvor von einer Einheit der Waffen-SS zerstört worden. Die Nachrichten über das Verbrechen verbreiteten sich in den folgenden Tagen im ganzen Land und wurden zu einem Symbol für die Brutalität der deutschen Besatzung. Mehr als 640 Menschen verloren dabei ihr Leben. Die Ruinen des Dorfes blieben erhalten und dienen bis heute als Mahnmal.

    Wer die verlassenen Straßen und zerstörten Häuser sieht, versteht sofort, warum dieser Ort einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis Frankreichs besitzt.

    Der Juni 1940 spielte ebenfalls eine zentrale Rolle in der französischen Geschichte. Rund um den 12. Juni befand sich Frankreich in einer dramatischen Lage. Deutsche Truppen rückten immer weiter vor, Millionen Menschen befanden sich auf der Flucht, und die Regierung rang um Entscheidungen von historischer Tragweite. Wenige Tage später folgte der Waffenstillstand, der das Land tiefgreifend veränderte.

    Doch der 12. Juni steht nicht ausschließlich für Krieg und Politik.

    Im Jahr 1935 endete an diesem Tag der sogenannte Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay. Der Konflikt um ein dünn besiedeltes Gebiet in Südamerika hatte zehntausende Menschenleben gefordert. Der Waffenstillstand brachte zumindest vorläufig ein Ende der Kämpfe und eröffnete den Weg zu späteren Friedensverhandlungen.

    Ein Blick auf dieses Datum zeigt noch etwas anderes: Geschichte entsteht selten durch ein einzelnes Ereignis. Viel häufiger wirken Entwicklungen über Monate oder Jahre hinweg. Der 12. Juni markiert oft einen Punkt, an dem sich größere Prozesse verdichten und sichtbar werden.

    Mal geht es um Freiheit.

    Mal um Unterdrückung.

    Mal um Hoffnung.

    Und manchmal um die Erinnerung an schreckliche Verbrechen.

    Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf historische Jahrestage. Sie machen deutlich, dass die Herausforderungen vergangener Generationen erstaunlich aktuell wirken. Fragen nach Demokratie, Menschenrechten, nationaler Identität und gesellschaftlichem Zusammenhalt beschäftigen viele Staaten auch heute noch.

    Ist es nicht bemerkenswert, wie ein einziges Datum Menschen auf verschiedenen Kontinenten miteinander verbindet?

    Der 12. Juni erinnert an Revolutionäre, Staatsmänner, Aktivisten und Opfer politischer Gewalt. Er erzählt von mutigen Entscheidungen, von Fehlentwicklungen und von den Folgen großer historischer Umbrüche. Gleichzeitig zeigt er, dass Geschichte kein verstaubtes Schulfach ist. Sie lebt in Denkmälern, Gedenkfeiern, politischen Debatten und im Alltag weiter.

    So betrachtet gleicht der 12. Juni einem Spiegel der Menschheitsgeschichte: voller Gegensätze, voller Emotionen und voller Geschichten, die bis in unsere Gegenwart hineinreichen.

  • Tagesüberblick Frankreich – Was beschäftigt die französische Presse am Wochenende des 6. Juni 2026?

    Tagesüberblick Frankreich – Was beschäftigt die französische Presse am Wochenende des 6. Juni 2026?

    An diesem ersten Juniwochenende wird die öffentliche Debatte in Frankreich von einer Mischung aus innenpolitischer Betroffenheit, geopolitischen Entwicklungen, Sicherheitsfragen und gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt. Besonders die Affäre um die ermordete Lyhanna sorgt für emotionale Reaktionen und politische Diskussionen. Gleichzeitig richten sich die Blicke auf den Krieg in der Ukraine, die Vorbereitung auf die bevorstehende Waldbrandsaison, die D-Day-Gedenkfeiern in der Normandie sowie Umwelt- und Kulturthemen.

    Die Affäre Lyhanna erschüttert das Land

    Der Fall der elfjährigen Lyhanna aus dem Département Gers dominiert die Schlagzeilen. Nach dem Fund einer Leiche, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dem vermissten Mädchen zugeordnet wird, rückt die Aufmerksamkeit zunehmend auf mögliche Versäumnisse staatlicher Stellen. Medien berichten über frühere Hinweise auf den Hauptverdächtigen und über Warnsignale, die möglicherweise nicht ausreichend verfolgt wurden.

    Die politische Dimension des Falls wächst. Präsident Emmanuel Macron sprach bereits von möglichen „Dysfunktionierungen“ im staatlichen System. Die Debatte geht inzwischen weit über den Einzelfall hinaus und berührt grundlegende Fragen des Kinderschutzes, der Zusammenarbeit zwischen Justiz, Polizei und Sozialbehörden sowie der Verantwortung staatlicher Institutionen.

    Ukraine-Krieg: Neue diplomatische Signale

    Auch die internationale Politik nimmt breiten Raum ein. Französische Medien berichten intensiv über die jüngste diplomatische Initiative des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu direkten Gesprächen aufgefordert hat.

    In Paris wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Die französische Regierung bewertet jeden möglichen Schritt in Richtung Verhandlungen positiv, auch wenn die Erwartungen an schnelle Fortschritte begrenzt bleiben. Kommentatoren weisen darauf hin, dass sich die militärische Lage weiterhin schwierig gestaltet und ein möglicher Dialog nur dann Erfolg haben könne, wenn beide Seiten zu konkreten Zugeständnissen bereit seien.

    Die Berichterstattung zeigt zugleich, wie stark der Ukraine-Krieg weiterhin die europäische Sicherheitsarchitektur prägt und wie sehr Frankreich auf eine diplomatische Lösung drängt.

    Waldbrandgefahr wird zum Sicherheitsthema

    Mit den ersten sommerlichen Temperaturen rückt die Gefahr großflächiger Waldbrände erneut in den Mittelpunkt. Nach den schweren Feuern der vergangenen Jahre wächst die Sorge vor einem besonders schwierigen Sommer.

    Die Regierung hat zusätzliche Canadair-Löschflugzeuge bestellt, doch deren Auslieferung wird erst in den kommenden Jahren erwartet. Experten diskutieren deshalb, ob die vorhandenen Kapazitäten ausreichen, um auf mehrere gleichzeitige Großbrände reagieren zu können.

    Die zunehmende Häufigkeit von Hitzeperioden und Dürrephasen führt dazu, dass Waldbrände nicht mehr ausschließlich als Umweltproblem betrachtet werden. Sie gelten zunehmend als Frage der nationalen Resilienz und der inneren Sicherheit.

    Erinnerung an den D-Day

    Der 82. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie prägt ebenfalls die Berichterstattung. An den historischen Landungsstränden finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt. Veteranen, Familienangehörige und Besucher aus vielen Ländern erinnern an die Ereignisse des 6. Juni 1944.

    Vor dem Hintergrund des anhaltenden Krieges in Europa erhält das Gedenken eine besondere Aktualität. Viele Redner und Kommentatoren betonen die Bedeutung von Freiheit, Demokratie und internationaler Zusammenarbeit. Die Erinnerung an den D-Day wird dabei nicht nur als historisches Ereignis verstanden, sondern auch als Mahnung für die Gegenwart.

    Umwelt: Sorge um das Artensterben

    Ein weiteres Dauerthema bleibt der Schutz der Biodiversität. Naturschutzorganisationen warnen weiterhin vor einem starken Rückgang vieler Vogelarten in Frankreich.

    Im Zentrum der Debatte stehen die Auswirkungen intensiver Landwirtschaft, der Einsatz bestimmter Pestizide sowie der Verlust natürlicher Lebensräume. Die Diskussion verbindet ökologische Anliegen mit wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und Fragen der Ernährungssicherheit.

    Für die französische Politik bleibt dies ein schwieriges Spannungsfeld: Einerseits wächst der Druck zum Schutz der Artenvielfalt, andererseits stehen viele landwirtschaftliche Betriebe bereits unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

    Kultur und gesellschaftliches Leben

    Neben Politik und Krisenthemen widmen sich die Medien auch dem kulturellen Leben des Landes. Besonders in Paris steht das Musik- und Nachhaltigkeitsfestival We Love Green im Fokus.

    Das Festival hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Symbol für eine jüngere Generation entwickelt, die kulturelle Veranstaltungen mit ökologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen verbindet. Neben Konzerten stehen Diskussionen über Klimawandel, nachhaltige Ernährung und gesellschaftliche Innovationen auf dem Programm.

    Ein Land zwischen Sorge und Zukunftsfragen

    Die französische Öffentlichkeit erlebt an diesem Wochenende eine bemerkenswerte Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Themen. Die Erschütterung über die Affäre Lyhanna wirft Fragen nach staatlicher Verantwortung auf. Der Krieg in der Ukraine erinnert an die fortdauernden geopolitischen Spannungen Europas. Die Vorbereitung auf Waldbrände und die Debatten über Artensterben verdeutlichen die Folgen des Klimawandels und ökologischer Veränderungen.

    Gleichzeitig zeigen die Gedenkfeiern in der Normandie und große Kulturveranstaltungen, dass historische Erinnerung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und kulturelle Identität weiterhin zentrale Bestandteile der öffentlichen Diskussion bleiben. Frankreich blickt an diesem Wochenende gleichermaßen auf seine Vergangenheit, seine aktuellen Herausforderungen und die Zukunft des Landes.

    Christine Macha

  • 5. Juni – Revolten, Kriege und Wendepunkte

    5. Juni – Revolten, Kriege und Wendepunkte

    Der 5. Juni zählt zu jenen Kalendertagen, an denen sich zahlreiche Ereignisse mit langfristigen Folgen für Europa und die Welt ereigneten. Besonders Frankreich spielt dabei mehrfach eine zentrale Rolle. Ereignisse in Frankreich am 5. Juni 1832: Der Pariser Juniaufstand beginnt Am 5. Juni 1832 erhobe…

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  • Die letzten Zeugen des D-Day: Alliierte Veteranen kehren 82 Jahre nach der Landung in die Normandie zurück

    Die letzten Zeugen des D-Day: Alliierte Veteranen kehren 82 Jahre nach der Landung in die Normandie zurück

    Die Zahl jener Männer, die aus eigener Erinnerung vom D-Day berichten können, schrumpft von Jahr zu Jahr. Zum 82. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie kehren in diesen Tagen noch einmal Veteranen an die Orte zurück, an denen sich ihr Leben für immer veränderte. Für viele von ihnen ist es womöglich die letzte Reise an die französische Küste. Rund um den 6. Juni stehen zahlreiche Gedenkveranstaltungen auf dem Programm. In Deauville wurden bereits Veteranen empfangen, die im Rahmen eines besonderen Erinnerungsprojekts gemeinsam mit Studierenden nach Frankreich gereist sind. Die Initiative verbindet Generationen und macht Geschichte greifbar – nicht durch Bücher oder Filme, sondern durch persönliche Begegnungen. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen erneut die historischen Schauplätze Omaha Beach, Colleville-sur-Mer und die Pointe du Hoc. Dort erinnern Zeremonien an die Soldaten, die am 6. Juni 1944 unter schwerstem Beschuss an Land gingen. Für Besucher sind diese Orte län…

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  • 27. Mai: Widerstand, Revolutionen und Wendepunkte

    27. Mai: Widerstand, Revolutionen und Wendepunkte

    Der 27. Mai wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Tag im Kalender. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt etwas anderes: Machtkämpfe, Attentate, technische Durchbrüche und politische Erschütterungen prägten dieses Datum immer wieder. Manche Ereignisse veränderten sogar den Lauf der Welt — und einige hallen bis heute nach.

    Besonders in Frankreich besitzt der 27. Mai eine starke symbolische Bedeutung.

    1943 trafen sich in Paris Vertreter verschiedener französischer Widerstandsgruppen heimlich zur Gründung des Nationalen Widerstandsrats, des „Conseil national de la Résistance“. Jean Moulin koordinierte damals im Auftrag von Charles de Gaulle die oft zerstrittenen Bewegungen gegen die deutsche Besatzung. Das Ganze lief unter enormem Risiko ab. Ein falscher Schritt, ein Verräter, ein einziger Kontrollpunkt — und die Gestapo hätte das Treffen beendet.

    Diese Vereinigung des Widerstands gab Frankreich im Zweiten Weltkrieg eine gemeinsame Stimme. Daraus entstanden später soziale Reformen, die Frankreich bis heute prägen: Rentensysteme, Sozialversicherung und die Idee eines starken Sozialstaats. Viele Franzosen betrachten den Widerstand deshalb nicht bloß als militärischen Kampf, sondern als moralisches Fundament der modernen Republik.

    Seit 2014 gilt der 27. Mai offiziell als nationaler Gedenktag der Résistance in Frankreich.

    Und ehrlich gesagt — ohne diesen Zusammenschluss hätte das Nachkriegsfrankreich wohl völlig anders ausgesehen.

    Nur ein Jahr zuvor, am 27. Mai 1942, erschütterte ein spektakuläres Attentat das nationalsozialistische Regime. Die tschechischen Widerstandskämpfer Jozef Gabčík und Jan Kubiš griffen Reinhard Heydrich in Prag an. Heydrich galt als einer der brutalsten Organisatoren des Holocaust. Der Anschlag gelang, Heydrich starb wenige Tage später an seinen Verletzungen.

    Die Nazis reagierten mit grausamer Vergeltung. Dörfer wie Lidice wurden ausgelöscht, Hunderte Menschen ermordet. Trotzdem zeigte das Attentat der Welt, dass Widerstand gegen das NS-Regime möglich blieb. Heute gilt die „Operation Anthropoid“ als eines der mutigsten Unternehmen des europäischen Widerstands.

    1941 stand Europa ohnehin in Flammen.

    Am 27. Mai sank das deutsche Schlachtschiff „Bismarck“ im Atlantik nach heftigen Angriffen der britischen Royal Navy. Das Kriegsschiff galt zuvor fast als unsinkbar — ein Symbol deutscher Militärmacht. Über 2.000 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

    Der Untergang markierte nicht nur einen militärischen Verlust. Er traf auch die Propaganda des Dritten Reichs empfindlich. Plötzlich wirkte die scheinbar unaufhaltsame deutsche Kriegsmaschine verwundbar.

    Solche Symbole spielen in Kriegen oft eine größere Rolle als Kanonen.

    Doch der 27. Mai erzählt nicht nur von Krieg und Widerstand.

    1931 startete der Schweizer Physiker Auguste Piccard gemeinsam mit seinem Assistenten Paul Kipfer zu einem spektakulären Flug in die Stratosphäre. Mit einem speziellen Ballon erreichten sie fast 16 Kilometer Höhe — ein Rekord jener Zeit. Die beiden Männer saßen dabei in einer druckdichten Gondel, quasi einer Vorstufe moderner Raumfahrttechnik.

    Man muss sich das mal vorstellen: Während viele Menschen noch kaum regelmäßig flogen, schwebten diese Forscher bereits an der Grenze zum Weltraum herum. Verrückt eigentlich.

    Piccards Experimente beeinflussten später sowohl die Luftfahrt als auch die Raumfahrtforschung. Selbst die berühmte Comicfigur Professor Bienlein aus „Tim und Struppi“ orientierte sich äußerlich an ihm.

    1968 brodelte Frankreich erneut.

    Der Mai 1968 entwickelte sich damals zu einer gewaltigen Protestbewegung aus Studenten, Arbeitern und Intellektuellen. Am 27. Mai präsentierten Gewerkschaften und Regierung das sogenannte „Abkommen von Grenelle“, das deutliche Lohnerhöhungen vorsah. Doch viele Streikende lehnten die Vereinbarung ab. Fabriken blieben besetzt, Millionen Franzosen streikten weiter.

    Das Land stand zeitweise praktisch still.

    Die Proteste veränderten Frankreich kulturell und gesellschaftlich tiefgreifend. Autoritäten gerieten stärker in Frage, Universitäten öffneten sich, traditionelle Familienbilder lockerten sich. Viele Debatten über Gleichberechtigung, Mitbestimmung und persönliche Freiheit führen ihre Wurzeln auf diese Wochen zurück.

    Bis heute streitet Frankreich darüber, ob der Mai 1968 ein Befreiungsschlag oder der Beginn gesellschaftlicher Zersplitterung war. Vermutlich steckt von beidem etwas drin.

    Ein weiteres dramatisches Ereignis ereignete sich am 27. Mai 1999 auf dem Balkan. Während des Kosovo-Krieges erhob das UN-Kriegsverbrechertribunal Anklage gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević. Zum ersten Mal stand damit ein amtierender Staatschef wegen Kriegsverbrechen international unter Anklage.

    Das stellte einen historischen Präzedenzfall dar. Internationale Gerichte gewannen dadurch an Bedeutung — zumindest theoretisch. Denn bis heute bleibt die Frage offen, wie konsequent mächtige Staaten und Politiker tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden.

    Der 27. Mai brachte jedoch nicht nur politische Erschütterungen hervor, sondern auch Naturkatastrophen.

    2006 verwüstete ein schweres Erdbeben die indonesische Insel Java. Mehr als 5.000 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Bilder eingestürzter Häuser und verzweifelter Familien gingen damals um die Welt.

    Solche Katastrophen erinnern daran, wie zerbrechlich moderne Gesellschaften trotz aller Technik bleiben. Ein paar Sekunden reichen manchmal aus, um ganze Regionen ins Chaos zu stürzen.

    Auch die jüngere Vergangenheit liefert bedrückende Erinnerungen.

    2021 entdeckte man auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für indigene Kinder in Kanada hunderte namenlose Gräber. Jahrzehntelang hatte der Staat indigene Kinder zwangsweise von ihren Familien getrennt, um sie „westlich“ zu erziehen. Viele starben an Misshandlungen, Krankheiten oder Vernachlässigung.

    Die Entdeckung löste weltweit Entsetzen aus und zwang Kanada zu einer erneuten Aufarbeitung seiner kolonialen Vergangenheit. Frankreich diskutierte in diesem Zusammenhang ebenfalls intensiver über die Schattenseiten seiner eigenen Kolonialgeschichte.

    Geschichte wirkt eben selten abgeschlossen. Sie sitzt oft wie ein alter Geist mit am Tisch.

    Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf Daten wie den 27. Mai. Hinter jedem Kalenderblatt verstecken sich Geschichten voller Mut, Tragödien, Revolutionen und menschlicher Widersprüche. Manche Ereignisse verschwinden langsam im Nebel der Zeit. Andere bleiben wie Brandnarben sichtbar — über Generationen hinweg.

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  • Wenn der Atlantik die Geschichte verschlingt

    Wenn der Atlantik die Geschichte verschlingt

    An der Küste der Loire-Atlantique kippen die Relikte des Zweiten Weltkriegs langsam ins Meer. Alte deutsche Bunker des Atlantikwalls, einst tief in Dünen und Küstenbefestigungen verankert, liegen heute schräg im Sand, brechen auseinander oder werden von jeder Flut ein Stück weiter verschluckt. Die Szenen wirken beinahe surreal: massive Betonkolosse, gebaut für die Ewigkeit, verlieren ihren jahrzehntelangen Kampf gegen Wind, Wasser und Zeit. Besonders sichtbar ist dieses Phänomen auf der Halbinsel Pen Bron bei La Turballe. Dort hat die Küstenerosion mehrere Bunker destabilisiert. Einige sind bereits abgestürzt, andere hängen wie gekippte Monumente am Rand der Dünen. Stellenweise verliert die Küste hier rund einen halben Meter pro Jahr. Was einst weit im Hinterland lag, befindet sich heute direkt an der Brandung. Diese Betonriesen erzählen dabei gleich mehrere Geschichten zugleich. Zunächst natürlich jene des Atlantikwalls — jenes gigantischen Verteidigungssystems, das Nazi-Deutschland a…

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