Schlagwort: Winzer

  • Ohne Wasser wächst nichts mehr

    Ohne Wasser wächst nichts mehr

    Der Sommer meint es nicht gut mit Frankreichs Landwirtschaft. Kaum ist eine Hitzewelle vorbei, kündigt sich bereits die nächste an. Temperaturen jenseits der 35 Grad, ausgedörrte Böden und ausbleibender Regen prägen vielerorts den Alltag. Für Winzer, Gemüsebauern und Obstbauern fühlt sich das längst nicht mehr wie eine Ausnahme an. Es ist die neue Wirklichkeit – und sie verlangt den Betrieben alles ab.

    „Ohne Wasser können wir nichts anbauen.“ Dieser Satz fällt inzwischen auf vielen Höfen. Er klingt schlicht, beschreibt die Lage aber treffender als jede Statistik. Denn Wasser bildet die Grundlage jeder Ernte. Fehlt es über Wochen hinweg, geraten selbst erfahrene Landwirte an ihre Grenzen.

    Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Weinbergen. Die Rebe galt über Jahrhunderte als genügsame Pflanze, die Trockenheit erstaunlich gut verkraftet. Doch inzwischen stößt auch sie an ihre Belastungsgrenze. Blätter verfärben sich früh, Trauben bekommen Sonnenbrand, ganze Rebstöcke leiden unter massivem Wassermangel.

    Für die Winzer beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit. Bleiben die Beeren klein, sinkt automatisch der Ertrag. Gleichzeitig verändert sich der Reifeprozess. Die Weinlese startet vielerorts Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Was früher fest im Kalender verankert war, richtet sich heute immer häufiger nach Wetterextremen.

    Mancher Winzer erinnert sich noch an Sommer, in denen Regen fast selbstverständlich war. Heute schaut jeder morgens zuerst zum Himmel. Kommt endlich eine Wolke? Oder bleibt der Himmel erneut wolkenlos?

    Nicht nur die Weinberge ächzen unter der Hitze.

    Gemüsebauern stehen sogar noch stärker unter Druck. Salate, Tomaten, Gurken oder Zucchini brauchen regelmäßig Wasser. Bereits wenige Tage ohne ausreichende Feuchtigkeit reichen aus, damit das Wachstum stockt. Aus kräftigen Pflanzen werden innerhalb kurzer Zeit welke Bestände.

    Genau dann greifen in vielen Regionen Bewässerungsbeschränkungen. Flüsse führen weniger Wasser, Reserven schrumpfen und Behörden begrenzen die Entnahme. Für die Betriebe entsteht ein schwieriger Spagat. Die Pflanzen brauchen Wasser, doch der Hahn bleibt oft nur eingeschränkt geöffnet.

    Einige Landwirte reagieren bereits. Sie verkleinern ihre Anbauflächen oder setzen auf Kulturen, die längere Trockenperioden besser verkraften. Andere investieren in moderne Bewässerungssysteme, die jeden Tropfen möglichst effizient nutzen. Das kostet allerdings viel Geld – und niemand weiß, ob die nächste Hitzewelle nicht noch heftiger ausfällt.

    Die wirtschaftlichen Folgen treffen viele Familienbetriebe hart. Hinter jeder Ernte stecken Monate voller Arbeit, Planung und Investitionen. Saatgut, Maschinen, Energie und Personal verursachen Kosten, unabhängig davon, ob am Ende genügend geerntet wird. Fällt die Ernte kleiner aus, gerät die Rechnung schnell aus dem Gleichgewicht.

    Deshalb dreht sich inzwischen fast jede Diskussion um dieselbe Frage: Wie lässt sich die Wasserversorgung dauerhaft sichern?

    Landwirtschaftliche Verbände sprechen sich für zusätzliche Speicherbecken aus, die Regenwasser aus den niederschlagsreichen Wintermonaten aufnehmen. Während trockener Sommer stünde dieses Wasser dann für die Bewässerung bereit. Für viele Betriebe klingt das nach einer vernünftigen Lösung.

    Doch genau an diesem Punkt entzündet sich Streit. Umweltverbände warnen vor Eingriffen in empfindliche Ökosysteme. Sie befürchten Auswirkungen auf Flüsse, Feuchtgebiete und das Grundwasser. Beide Seiten verfolgen nachvollziehbare Ziele. Die einen möchten die Natur schützen, die anderen ihre Existenz sichern.

    Eine einfache Antwort gibt es nicht.

    Gleichzeitig tüfteln Landwirte längst an neuen Wegen. In den Weinbergen entstehen Versuchsflächen mit Rebsorten, die Hitze besser vertragen. Andere verändern den Rebschnitt, damit die Blätter die Trauben stärker beschatten. Gemüsebauern decken ihre Böden mit Mulch ab, um die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Tröpfchenbewässerung ersetzt zunehmend herkömmliche Systeme und bringt das Wasser gezielt direkt an die Wurzeln.

    Das hilft.

    Aber eben nicht immer.

    Denn wenn wochenlang kein nennenswerter Regen fällt, stößt selbst die beste Technik an ihre Grenzen. Höhere Temperaturen beschleunigen die Verdunstung, Böden trocknen schneller aus und die Pflanzen benötigen noch mehr Wasser. Ein Kreislauf entsteht, der sich kaum durchbrechen lässt.

    Die Folgen reichen weit über die Höfe hinaus. Weniger Obst, weniger Gemüse und kleinere Weinmengen beeinflussen schließlich auch den Markt. Verbraucher spüren das häufig zuerst an steigenden Preisen. Gleichzeitig verändert sich Stück für Stück eine Kulturlandschaft, die Frankreich seit Jahrhunderten prägt.

    Wer durch die Weinberge des Landes fährt, entdeckt nicht nur Reben. Dort steckt Geschichte, Tradition und das Wissen vieler Generationen. Genau deshalb beschäftigt die Entwicklung inzwischen weit mehr Menschen als nur die Landwirtschaft. Es geht um Ernährung, regionale Identität und die Zukunft ganzer ländlicher Regionen.

    Die Hitzewellen der vergangenen Jahre wirken wie ein Weckruf. Anpassungen laufen bereits, doch sie allein reichen nicht aus. Eine nachhaltige Wasserstrategie, moderne Anbaumethoden und kluge Investitionen dürften darüber entscheiden, wie Frankreichs Landwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten aussieht. Denn eines steht für viele Landwirte längst fest: Ohne Wasser wächst keine Zukunft.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Wenn über Nacht sich der Keller leert – Champagnerdiebstahl in der Marne erschüttert ein Familienweingut

    Wenn über Nacht sich der Keller leert – Champagnerdiebstahl in der Marne erschüttert ein Familienweingut

    Es sind diese stillen Katastrophen, die kaum Schlagzeilen machen, für die Betroffenen jedoch alles verändern. In der Marne, im Herzen der Champagne, ist genau das geschehen. Mehr als tausend Flaschen Champagner sind in einer Winternacht verschwunden – nicht aus einem Supermarkt, sondern aus dem Keller eines kleinen, traditionsbewussten Weinguts. Zurück blieben offene Türen, bittere Ratlosigkeit und ein Schaden, der weit über Geld hinausgeht. Der Tatort liegt in Aÿ-Champagne, einem Ort, dessen Name seit Jahrhunderten für große Weine steht. Dort betreibt die Familie Gosset ihr Weingut, ein Betrieb, der fernab industrieller Dimensionen arbeitet und dessen Champagner von Handarbeit, Geduld und Erfahrung geprägt sind. In der Nacht von Sonntag auf Montag, dem 29. Dezember, drangen Unbekannte in den Weinkeller ein. Keine Spur von brachialer Gewalt, kein lärmender Überfall. Am Morgen entdeckte der Vater des Winzers, dass die Türen offenstanden. Ein Blick hinein genügte. Zwei Paletten fehlten. …

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  • Kommentar – Kein Champagner mehr für Trump? Dann eben ohne uns, Amerika!

    Kommentar – Kein Champagner mehr für Trump? Dann eben ohne uns, Amerika!

    Wenn es nach Donald Trump ginge, dürften die Amerikaner künftig ihren Toast auf das neue Jahr mit kalifornischem Schaumwein aus dem Discounter aussprechen. Frankreichs edelste Tropfen – ob Champagner aus der Montagne de Reims oder ein Saint-Émilion aus dem Bordelais – sollen künftig mit 15 % Strafzoll belegt werden. Die Botschaft ist klar: Amerika zuerst, Frankreich soll zahlen. Doch die Antwort aus dem Herzen der französischen Weinberge lässt nicht lange auf sich warten: Kein Champagner mehr für Trump – dann eben ohne uns!

    Denn was hier passiert, ist nicht einfach ein wirtschaftlicher Vorgang. Es ist ein Frontalangriff auf ein Kulturgut, auf jahrhundertealtes Handwerk, auf ein Symbol französischer Identität. Unsere Winzerinnen und Winzer stehen morgens nicht auf, um politische Spiele mit Washington zu spielen. Sie stehen auf, um zu keltern, zu pflegen, zu leben – für einen Beruf, der mehr ist als nur ein Job. Und was bekommen sie? Strafzölle. Misstrauen. Und eine Demütigung durch eine US-Regierung, die sich auf Kosten kleiner Betriebe ihr populistisches Profil schärft.

    Diese neue Zollpolitik ist nicht nur ökonomischer Irrsinn – sie ist auch ein moralischer Tiefpunkt. Denn während amerikanische Konzerne weiterhin in Europa Milliarden verdienen, sollen französische Winzerinnen und Winzer mit der Abrissbirne protektionistischer Willkür konfrontiert werden. Warum? Weil unser Wein zu gut, zu beliebt, zu erfolgreich ist?

    Die Zeit der Höflichkeiten ist vorbei. Wenn die USA meinen, sie könnten Frankreichs Winzer unter Druck setzen, um geopolitische Punkte zu sammeln, dann haben sie sich verrechnet. Der französische Wein braucht Amerika nicht – Amerika braucht französischen Wein. Wer das bezweifelt, soll sich in den Hamptons umhören, wenn zur Hochzeit statt Dom Pérignon nur noch Sprite mit Schaum serviert wird.

    Wir verkaufen unseren Wein eben woanders. Nach Kanada. Nach Japan. Nach Südkorea, Brasilien, Australien, überall dorthin, wo Qualität geschätzt und Respekt noch großgeschrieben wird. Die Welt ist groß genug. Frankreichs Wein hat Jahrhunderte überdauert, Kriege, Revolutionen, Krisen – da wird er auch eine protektionistische Laune aus Washington überstehen.

    Doch das Bitterste ist nicht der wirtschaftliche Schaden. Es ist die Enttäuschung. Enttäuschung über eine westliche Partnerschaft, die einmal von gegenseitigem Vertrauen und kultureller Wertschätzung getragen wurde. Heute aber zählt in Trumps Amerika nur noch der schnelle Effekt, das laute Narrativ, der kurzfristige Vorteil.

    Gut. Dann machen wir es eben laut.

    Champagner für Demokratien. Crémant für Klimaschutz. Rotwein für offene Märkte. Aber kein einziger Tropfen mehr für einen Präsidenten, der glaubt, Kultur ließe sich mit dem Strafzollhammer regeln.

    Frankreich ist bereit für den nächsten Schritt. Mit erhobenem Glas – aber nicht nach Washington.

    Von Andreas Brucker

  • Klimakrise trifft Weinbau: Lavendel statt Wein – Wie sich Winzer neu erfinden

    Klimakrise trifft Weinbau: Lavendel statt Wein – Wie sich Winzer neu erfinden

    Nahe Cahors im Département Lot stehen die Winzer vor einer existenziellen Krise. Der Frühjahrsfrost, der in den letzten Jahren immer wieder die Ernte dezimierte, hat diesmal rund 90% der Weinreben vernichtet. Für viele bedeutet das nicht nur einen Verlust von Trauben – sondern ihre gesamte Existenzgrundlage.

    Eric Boudet, einer der betroffenen Winzer, beschreibt das Ausmaß des Schadens eindringlich: „In den Reben gibt es keine Trauben – wir haben nichts zu ernten.“ Seine Verluste für dieses Jahr belaufen sich auf rund 120.000 Euro, und dies ist kein Einzelfall. Sechs Jahre in Folge kämpft er mit immer extremeren Wetterbedingungen. Es ist eine deutliche Folge des Klimawandels, die immer mehr Bauern in ganz Europa spüren.

    Ein existenzieller Wandel

    Die Situation im Lot ist dramatisch. 90% der Weinreben sind diesem Jahr dem Frost zum Opfer gefallen, was besonders die Region Cahors schwer getroffen hat. Élodie Marsoni, Leiterin einer lokalen Weinkooperative, zeigt sich besorgt über den schlechten Ertrag. Ihre Weinkellerei ist auf eine Produktion von 5 Millionen Litern ausgelegt. In diesem Jahr jedoch füllt sie lediglich 1,2 Millionen – weniger als ein Viertel der üblichen Menge. „Wir wissen gar nicht, wie wir das auffangen sollen“, sagt sie und blickt auf die fast leeren Weintanks. Die Zukunft der Region, die einst für ihre hochwertigen Weine bekannt war, steht auf der Kippe.

    Was tut man, wenn man seit Generationen Wein produziert und plötzlich nichts mehr ernten kann? Einige Winzer haben beschlossen, neue Wege zu gehen. David Girard ist einer von ihnen.

    Von Wein zu Lavendel

    Vor vier Jahren sah David Girard, dass es so nicht weitergehen kann. Er musste sich an die neuen klimatischen Realitäten anpassen – oder alles verlieren. Zusammen mit seiner Frau begann er, Lavendel anzubauen. Heute produziert er Lavendelseifen und andere Duftprodukte, die ihm ein zweites Standbein sichern. „Es war eine schwierige Entscheidung, aber eine, die uns geholfen hat, die Schläge des Wetters abzufedern“, erklärt Girard.

    Diese Geschichte ist kein Einzelfall. In ganz Frankreich suchen Winzer nach alternativen Einnahmequellen, um den drastischen Ernteausfällen durch Frost, Dürre oder Hagel zu entkommen. Manchmal kommt es einem so vor, als würde die Natur ihnen das Handwerk legen. Aber es zeigt auch, wie anpassungsfähig der Mensch sein kann, wenn er muss. Was bleibt, wenn der Wein verschwindet? Lavendel, Seife – und vielleicht eine ganz neue Lebensweise.

    Die Herausforderung des Klimawandels für den Weinbau

    Es klingt paradox, aber der Weinbau, der jahrtausendelang von der Empfindlichkeit seines Terroirs lebte, sieht sich nun ausgerechnet wegen seiner Zerbrechlichkeit bedroht. In Cahors, einer Region, die für ihre tiefroten Malbec-Weine berühmt ist, bedeuten 90% Ernteverlust nicht nur einen wirtschaftlichen Rückschlag, sondern auch einen kulturellen Verlust. Wein ist hier nicht einfach nur ein Getränk – es ist Identität.

    Aber die Veränderungen des Klimas machen nicht halt. Extreme Wetterereignisse wie Frost im Frühjahr, Dürre im Sommer und schwere Stürme nehmen zu und treffen landwirtschaftliche Betriebe aller Art hart. Winzer sind besonders anfällig, da Reben viele Jahre brauchen, um zu wachsen und Früchte zu tragen. Ein zerstörtes Jahr ist nicht leicht aufzuholen.

    Gleichzeitig verschieben sich durch den Klimawandel die Anbaugebiete. Regionen, die früher zu kalt waren, werden plötzlich attraktiv, während traditionelle Weinbaugebiete wie das Lot zu heiß oder unberechenbar werden. Neue Technologien wie Frostschutzsysteme oder Bewässerungsmethoden können helfen – aber das ändert nichts an der Grundproblematik: Die Erde erwärmt sich, und der Weinbau muss sich schneller anpassen, als viele gedacht haben.

    Die Diversifizierung als Rettungsanker?

    Das Beispiel von David Girard zeigt, dass Diversifizierung ein Weg sein kann, mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen. Lavendel benötigt im Gegensatz zu Wein weniger Wasser, ist widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen und bietet dennoch die Möglichkeit, landwirtschaftliche Produkte herzustellen, die einen Marktwert haben. Andere Winzer setzen auf Tourismus, bauen Obst oder Gemüse an oder produzieren Honig. Sie alle sind gezwungen, sich neu zu erfinden – und das schnell.

    Die Frage, die sich viele stellen: Wird es in ein paar Jahrzehnten überhaupt noch möglich sein, in Regionen wie Cahors Wein in der gewohnten Qualität anzubauen? Oder muss man sich daran gewöhnen, dass französische Weine von woanders kommen – oder sogar ganz verschwinden?

    Ein neuer Anfang?

    Trotz der düsteren Prognosen gibt es auch Lichtblicke. Die Diversifizierung gibt den Winzern nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern bringt auch neue kreative Möglichkeiten. Seifenproduktion, Lavendelöl oder andere handgemachte Produkte sprechen eine wachsende Zahl umweltbewusster Konsumenten an, die Wert auf regionale und nachhaltige Produkte legen.

    David Girard erzählt mit einem Lächeln von den ersten Seifen, die er zusammen mit seiner Frau in Handarbeit hergestellt hat. „Wir hatten keine Ahnung, was wir taten – aber es hat funktioniert. Und jetzt können wir uns ein Leben ohne Lavendel gar nicht mehr vorstellen.“

    Vielleicht ist genau das die Lektion, die uns der Klimawandel lehrt: Anpassen, improvisieren – und manchmal komplett neu anfangen.