Schlagwort: Umweltschutz

  • Zigarettenverbot auf den Skipisten – Frankreich zieht eine klare Linie

    Zigarettenverbot auf den Skipisten – Frankreich zieht eine klare Linie

    Es ist vorbei mit dem genüsslichen Zug auf dem Sessellift, der entspannten Zigarette vor der Abfahrt oder dem schnellen Glimmstängel in der Warteschlange: Seit diesem Winter ist das Rauchen auf den französischen Skipisten offiziell verboten. Ein scheinbar kleines Dekret mit großer Wirkung – nicht nur für Wintersportler, sondern für das Bild der Berge als Ort von Reinheit und Ruhe.

    Die Regel ist klar und landesweit gültig: Wer in Frankreich Ski fährt, darf auf dem gesamten Skigebiet, in den Liften und in den Warteschlangen keine Zigarette mehr anzünden – auch keine E-Zigarette, sofern die örtliche Auslegung dies einschließt. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von 135 Euro. Und im Wiederholungsfall kann es noch teurer werden.

    Mancher mag denken: Ist das nicht übertrieben? Doch der Schritt fügt sich nahtlos in einen Trend ein, der seit Jahren an Fahrt gewinnt.

    Frankreich verfolgt schon länger das Ziel, das Rauchen in öffentlichen Außenbereichen schrittweise zurückzudrängen. An den Stränden ist es bereits vielerorts verboten, in Parks ebenso. Nun also die Skipisten – Orte, die traditionell mit Freiheit, Weite und klarer Luft assoziiert werden. Für die französische Regierung und die Betreiber der Skigebiete ist es nur konsequent, diesen Schutzraum auszuweiten.

    Das Argument? Gleich dreifach: Gesundheit, Umweltschutz, Image.

    Zum einen soll der öffentliche Raum für alle erträglicher werden – auch für Kinder und Nichtraucher, die bislang unweigerlich mitrauchen mussten, wenn sie im Lift neben einem passionierten Raucher saßen. Die Gesundheitspolitik des Landes will Tabak und Passivrauchen zurückdrängen, und jede neue Nichtraucherzone ist ein Baustein in diesem Puzzle.

    Zum anderen geht es um Sauberkeit – und hier werden die Zahlen plötzlich sehr konkret. Allein bei einer Aktion zur Müllvermeidung in französischen Skigebieten im vergangenen Jahr wurden über 57.000 (!) Zigarettenstummel eingesammelt. Viele davon lagen wochenlang unter dem Schnee, bis sie im Frühjahr auftauten – und mit ihnen das Problem. Denn jeder einzelne Stummel braucht Jahre, um sich zu zersetzen, und enthält Schadstoffe, die Boden und Wasser belasten.

    Nicht zuletzt steckt hinter dem Verbot auch eine kluge Imagepolitik. Skigebiete leben vom Versprechen unberührter Natur, klarer Luft, eines Erlebnisses fernab von Lärm, Hektik und Verschmutzung. Da wirkt eine Zigarette nicht nur wie ein olfaktorischer Störfaktor – sie kratzt auch am Selbstbild der alpinen Idylle.

    Viele Stationen haben deshalb nicht lange gefackelt: Die neuen Regeln werden mit Schildern, Aufklärungsaktionen und auch ein wenig Humor kommuniziert. Einer der geplanten Slogans bringt es auf den Punkt: „Die Aussicht raubt Ihnen doch schon den Atem – ganz ohne Zigarette.“ Treffender kann man es kaum sagen.

    Gleichwohl gibt es erste kritische Stimmen – sowohl unter Urlaubern als auch unter Branchenkennern. Vor allem die Frage nach der praktischen Umsetzung sorgt für Stirnrunzeln: Wie will man kontrollieren, ob jemand auf dem Sessellift schnell zur Zigarette greift? Und wer soll auf den Pisten patrouillieren?

    Tatsächlich hängt der Erfolg der Maßnahme stark von der Kommunikation und Akzeptanz ab. In Les Gets, einem Vorreiter unter den französischen Skigebieten, wurde das Rauchverbot bereits 2022 eingeführt – und dort zeigt sich: Es funktioniert, wenn die Gäste frühzeitig informiert und alternative Rauchzonen eingerichtet werden. Dazu gehören abgegrenzte Raucherbereiche mit sogenannten „ökologischen Aschenbechern“. Das mag zunächst etwas absurd klingen, ist aber Teil einer durchdachten Strategie: lenken statt verbieten.

    Auch die Frage, ob E-Zigaretten unter das Verbot fallen, sorgt für Diskussionen. Der Gesetzestext lässt Interpretationsspielraum – und so könnte es sein, dass die Handhabung von Station zu Station variiert. Manche Urlauber werden also je nach Ort mehr oder weniger streng behandelt.

    Und: Wo hört das Skigebiet eigentlich auf? Die neue Regel gilt auf den Pisten, Liften und in den Warteschlangen – nicht aber zwingend auf Restaurantterrassen oder in den Straßen der Skiorte. Das eröffnet Spielräume, aber auch Schlupflöcher. Wer wirklich rauchen will, wird Möglichkeiten finden. Doch das Grundgefühl verändert sich – und mit ihm die öffentliche Wahrnehmung.

    Natürlich gibt es auch jene, die sich an dieser Entwicklung stören. Für viele Skifahrer gehört die Zigarette zur Pause auf der Hütte wie der Kakao für die Kinder. Sie empfinden das Verbot als Einschränkung ihrer Freiheit, als weiteres Beispiel für staatliche Überregulierung. Der Begriff „Bevormundung“ fällt in Kommentaren immer wieder.

    Doch die Geschichte zeigt: Solche Eingriffe wirken, wenn man ihnen Zeit lässt. Was heute noch polarisiert, ist morgen oft schon selbstverständlich. Man denke nur an das Rauchverbot in Restaurants oder Zügen. Was einst Empörung auslöste, ist längst in den Alltag übergegangen – und von den meisten begrüßt.

    Es ist also gut möglich, dass auch das Rauchen auf den Skipisten in wenigen Jahren nur noch eine nostalgische Erinnerung ist. Eine Erinnerung an eine Zeit, in der Freiheit auch hieß, anderen die Luft zu nehmen.

    Frankreich hat mit seinem neuen Dekret ein deutliches Zeichen gesetzt – eines, das mehr bewirken könnte, als es auf den ersten Blick scheint. Denn es geht nicht nur um Rauch – es geht um Rücksicht, Respekt und das Bild der Berge, das wir uns bewahren möchten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Ein Fahrrad wie aus einem Märchenwald

    Ein Fahrrad wie aus einem Märchenwald

    Wie ein Holzrad aus Nordfrankreich das grüne Gewissen der Mobilität neu erfindet Zuerst wirkt es wie eine charmante Spinnerei: ein E-Bike aus Holz, das aussieht wie aus einem Designmuseum. Doch was der französische Ingenieur Guillaume Dumont in einem stillen Moment der Pandemie ersonnen hat, entpuppt sich als radikale Idee mit erstaunlich bodenständiger Wirkung. Seine Vision: das nachhaltigste Fahrrad der Welt – gebaut aus einer simplen Birkenholzplatte, gefertigt in Frankreich, zusammengebaut von Menschen mit Behinderung. Ergebnis: zehnmal weniger CO₂-Emissionen als herkömmliche Aluminiumräder aus Fernost. Ein ehrgeiziges Ziel, das ganz leise begonnen hat – im Keller, mitten im Corona-Lockdown. Kein Schweißgerät, dafür jede Menge Holz. „Wir waren eingeschlossen und hatten keine Möglichkeit zu schweißen“, erzählt Dumont. „Aber wir hatten Holz. Und den Traum, ein Fahrrad zu bauen, das wirklich etwas verändert.“ Heute steht er in seinem Werk im Pas-de-Calais und blickt auf Maschinen, die…

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  • Kommentar: Wenn selbst Jimmy Cliff uns nicht mehr retten kann

    Kommentar: Wenn selbst Jimmy Cliff uns nicht mehr retten kann

    „You can get it if you really want“ – es war Jimmy Cliffs große Botschaft.
    Eine Zeile wie ein Versprechen: Du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst. Wenn du dranbleibst.

    Aber was bleibt davon, wenn wir auf die Welt blicken, wie sie jetzt ist?

    Jimmy Cliff ist tot.
    Und während seine Stimme für immer in unseren Köpfen nachhallt, scheitert die Welt erneut an sich selbst. Die COP30 in Belém hätte ein Aufbruch sein sollen – ein globales Bekenntnis zum Leben, zur Zukunft, zur Verantwortung.

    Stattdessen: heiße Luft. Und diesmal nicht die aus der Atmosphäre.

    Worte wurden gesagt, Ziele formuliert, Kompromisse geschmiedet – aber kaum etwas davon hat Gewicht. Die Amazonasregion stirbt weiter. Die Kipppunkte rücken näher. Und die Versprechen klingen hohl, wie leere Verses eines schlechten Popsongs.

    Wenn selbst ein Ort wie Belém, das grüne Herz der Erde, nicht als Weckruf reicht – was dann?

    Jimmy Cliff hätte das nicht verstanden. Oder doch?
    Vielleicht war gerade er sich bewusst, wie träge und widersprüchlich die Welt oft ist. Wie schnell Menschen vergessen, was sie verbindet. Und wie sehr Gier, Angst und Macht die großen Ideen erdrücken.

    Aber trotzdem hat er weitergesungen.
    Hat gehofft. Getröstet. Gestärkt.

    Und vielleicht liegt darin unser größter Fehler:
    Wir haben die Hoffnung zu lange auf Künstler, auf Idealisten, auf „die anderen“ projiziert. Dabei brauchen unsere Erde und unser Klima keinen Soundtrack – sie brauchen Handeln. Jetzt. Von jedem.

    „You can get it if you really want“ – das stimmt.
    Aber es gilt nicht von selbst. Und es gilt nicht ewig.
    Für Jimmy Cliff ist es zu nun spät. Für uns vielleicht bald auch.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Feueralarm im Atomlabor: Was wirklich in Fontenay-aux-Roses geschah

    Feueralarm im Atomlabor: Was wirklich in Fontenay-aux-Roses geschah

    Ein Funken, ein Feuer, ein Hauch von radioaktiver Gefahr – und dann die Entwarnung. Was sich am Donnerstagnachmittag im südwestlich von Paris gelegenen Forschungszentrum des französischen Commissariat à l’énergie atomique (CEA) zutrug, klingt wie das Drehbuch eines Katastrophenfilms. Doch die Realität war – zum Glück – weniger dramatisch. Eine Person wurde verletzt, kontaminiert und wieder dekontaminiert. Das klingt auf den ersten Blick nach einem gravierenden Zwischenfall. Doch wie gefährlich war das Ganze wirklich? Was ist passiert in Fontenay-aux-Roses, einem Ort, der bislang eher durch seine ruhigen Straßen als durch atomare Schlagzeilen auffiel? Ein Labor mit Geschichte – und Risiken Der Vorfall ereignete sich nicht in einem aktiven Forschungsbereich, sondern in einem alten, seit 1995 stillgelegten Labor, das einst der Aufarbeitung abgebrannter Brennelemente diente. Ein Ort, an dem früher mit hochradioaktiven Stoffen hantiert wurde – und der nun, 30 Jahre später, nach und nach zur…

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  • 10-Euro-Steuer für Billigimporte: Frankreich zieht die Reißleine bei Mini-Paketen

    10-Euro-Steuer für Billigimporte: Frankreich zieht die Reißleine bei Mini-Paketen

    Was kostet ein T-Shirt aus China? Manchmal weniger als ein belegtes Baguette. Doch damit könnte in Frankreich bald Schluss sein – zumindest, was die Zusatzkosten betrifft. Die Assemblée nationale, Frankreichs parlamentarisches Unterhaus, hat eine Maßnahme in Angriff genommen, die das Shoppingverhalten vieler Französinnen und Franzosen verändern dürfte: eine neue Abgabe auf sogenannte „kleine Pakete“ aus Nicht-EU-Ländern.

    Das Ziel: Die Flut von Billigwaren eindämmen, lokale Händler schützen und ein Signal gegen umweltschädliche Wegwerfware setzen.

    Was steckt hinter der „Mini-Paket“-Steuer?

    Im Zentrum der Diskussion steht ein Segment des Onlinehandels, das bislang steuerlich kaum berührt wurde: Produkte unter 150 Euro, direkt aus Ländern wie China importiert, meist über Plattformen wie Shein, Temu oder AliExpress. Der Trick: Diese Sendungen entgehen häufig der Zollabfertigung und landen nahezu unkontrolliert in französischen Briefkästen.

    Damit soll nun Schluss sein – oder zumindest ein Anfang gemacht werden.

    Geplant ist zunächst eine Abgabe von 2 Euro pro Paket, die ab 2026 gelten könnte. Doch damit geben sich einige Abgeordnete nicht zufrieden: Ein Zusatzantrag fordert stattdessen gleich 10 Euro pro Sendung – ein ordentlicher Aufpreis bei Bestellungen, deren Warenwert oft selbst nur einstellige Beträge beträgt.

    Die Debatte ist eröffnet. Und Frankreich steht bei dieser Entscheidung nicht allein: Auch auf EU-Ebene wird eine Harmonisierung der Besteuerung solcher Importe diskutiert – erste Beschlüsse wurden bereits gefasst.

    Warum überhaupt eine neue Steuer?

    Die Gründe liegen – wie so oft – im Zusammenspiel von Wirtschaft, Umwelt und sozialer Fairness.

    Erstens: Der Onlinehandel mit Billigwaren aus Asien ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Laut Schätzungen wurden allein 2023 rund 2,3 Milliarden Artikel unter 150 Euro in die EU importiert. Ein beachtlicher Teil davon landet auch in Frankreich. Dabei handelt es sich oft um Mode aus der Ultra-Fast-Fashion-Schiene, Zubehör oder technische Gadgets – günstig, schnell geliefert, aber oft von fragwürdiger Qualität und Herkunft.

    Zweitens: Die derzeitige Steuerpraxis sorgt für ein erhebliches Ungleichgewicht. Während europäische Händler Mehrwertsteuer abführen und unter strengen Auflagen produzieren, gelangen viele Importprodukte nahezu steuerfrei ins Land. Das Ergebnis: Preisverzerrung und ein massiver Wettbewerbsnachteil für den stationären und regionalen Handel.

    Drittens: Die soziale und ökologische Dimension. Billig heißt nicht nur günstig für Konsumenten, sondern häufig auch teuer für Mensch und Umwelt: schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Emissionen durch Einzelversand per Luftfracht, Müllberge durch kurzlebige Produkte.

    Kurzum: Die neue Abgabe will einen Preis sichtbar machen, der bislang unsichtbar blieb.

    Zwischen Symbolpolitik und realer Wirkung

    Doch kann eine solche Steuer tatsächlich etwas bewirken – oder bleibt sie bloße Geste?

    Genau hier setzt die Kritik vieler Expert:innen an. Derzeit werden in Frankreich laut einem Bericht lediglich 0,125 Prozent aller Kleinsendungen tatsächlich kontrolliert. Wenn der Zoll gar nicht weiß, was in den Paketen steckt, wie soll dann eine Steuer flächendeckend greifen?

    Noch dazu droht eine Umgehung durch technische Kniffe: Große Plattformen könnten ihre Logistik umstellen und Waren über Zwischenlager in EU-Ländern verschicken – und wären damit aus dem Schneider. Ein echtes Nadelöhr für die Steuerbehörden und ein Risiko für die Glaubwürdigkeit der Maßnahme.

    Dazu kommt: Wenn Frankreich im Alleingang vorprescht, während andere EU-Länder noch zögern, entsteht ein Flickenteppich an Regeln – und das in einem gemeinsamen Binnenmarkt.

    Wer zahlt am Ende?

    Die Maßnahme trifft einen empfindlichen Punkt – vor allem für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Viele Kund:innen dieser Plattformen stammen aus Haushalten, die auf günstige Angebote angewiesen sind. Eine zusätzliche Steuer auf jede Bestellung könnte ihre Budgets spürbar belasten. Kritische Stimmen aus dem linken Lager sprechen deshalb von einer „Strafsteuer auf Armut“.

    Gleichzeitig stellt sich eine unbequeme Frage: Wer trägt eigentlich die Verantwortung für den Boom dieser Plattformen? Sind es wirklich nur die Händler – oder auch ein Konsumverhalten, das durch permanente Schnäppchenjagd immer neue Rekorde bricht?

    Die Politik wagt hier einen Spagat: Sie will regulieren, ohne zu verbieten. Steuern, ohne zu bestrafen. Und vor allem: Bewusstsein schaffen, ohne den Zeigefinger zu heben.

    Was bedeutet das konkret?

    Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Frankreich könnte das künftig heißen: Wer bei Shein & Co. bestellt, zahlt drauf. Zwei Euro extra pro Paket – vielleicht sogar zehn. Das macht aus einem 5-Euro-Shirt schnell eine 15-Euro-Angelegenheit.

    Für die Plattformen wiederum dürfte sich das Geschäftsmodell verteuern. Möglich, dass sie Alternativen suchen: europäische Lager, gebündelte Lieferungen, höhere Produktpreise. Alles Optionen – mit Nebenwirkungen.

    Und für den französischen Staat? Ein doppelter Gewinn: mehr Einnahmen und ein Statement für faireren Handel. Ob sich das geplante Steueraufkommen von bis zu 500 Millionen Euro jährlich tatsächlich realisieren lässt, hängt aber von der Durchsetzung ab – und davon, ob Europa an einem Strang zieht.

    Ein Weckruf – mehr nicht?

    Der Vorstoß der Nationalversammlung ist mehr als nur eine Fußnote im Steuerrecht. Er ist ein Signal. Ein kleiner Ruck gegen einen gigantischen Trend.

    Aber er wirft auch Fragen auf: Reicht diese Maßnahme aus? Oder braucht es mehr – etwa umfassendere Zollkontrollen, strengere Transparenzpflichten oder bessere Aufklärung für Verbraucher?

    Vielleicht ist es auch einfach an der Zeit, sich zu fragen: Muss wirklich jedes T-Shirt aus der anderen Ecke der Welt kommen?

    Eines ist klar: Diese kleine Steuer hat das Potenzial, eine große Debatte auszulösen – über Konsum, Gerechtigkeit und den Preis, den wir alle zahlen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Rettung in letzter Minute: Hossegor kämpft mit Sand gegen das Verschwinden seiner Strände

    Rettung in letzter Minute: Hossegor kämpft mit Sand gegen das Verschwinden seiner Strände

    Manchmal braucht es nicht mehr als ein paar Körner Sand, um eine ganze Küste zu retten. In Hossegor, dem berühmten Surferparadies an der französischen Atlantikküste, läuft derzeit ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Kräfte der Natur. Die Strände, die jedes Jahr Tausende Wassersportler anlocken, sind in Gefahr. Stück für Stück frisst sich das Meer ins Land hinein. Doch diesmal wehrt sich die Gemeinde. Mit Baggern, Pumpen und einer gewaltigen Menge Sand. 15.000 Kubikmeter – das ist die Menge, die aus dem nahen Lac d’Hossegor abgetragen wird, um sie auf den vom Meer ausgehöhlten Stränden neu zu verteilen. Ein Mammutprojekt, das so in dieser Form zum ersten Mal in der Gemeinde durchgeführt wird. Ziel: die Küstenlinie stabilisieren. Und das möglichst schnell. Sand aus dem See – Hoffnung für den Ozean Die Idee klingt fast poetisch: Der See rettet das Meer. Oder genauer: Der Sand des Sees rettet die Strände des Meeres. In Wirklichkeit ist es natürlich harte Arbeit. Seit einigen Tagen …

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  • Rhône: Der Fluss als Müllhalde – Frankreichs Wasserstraße im Würgegriff des Plastikzeitalters

    Rhône: Der Fluss als Müllhalde – Frankreichs Wasserstraße im Würgegriff des Plastikzeitalters

    Es ist ein Bild, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt: Eine einsamer Tretroller, verrostet und halb versunken, liegt zwischen Flusskieseln am Grund der Rhône. Daneben ein alter Computer-Tower, Kabelsalat, Fahrradschlösser, Uhren, sogar eine Hundeleine. Dinge, die man eher auf einem Sperrmüllhaufen erwartet – und nicht auf dem Grund eines der größten Flüsse Europas.

    Doch genau hier, mitten im Herzen Frankreichs, hat sich die Rhône zu einer traurigen Müllautobahn entwickelt. Nicht weil niemand hinschaut. Sondern, weil der Fluss seit Jahren mehr mit sich schleppt, als er tragen kann.

    Freiwillige im Kampf gegen den Müll

    Einmal im Monat machen sich Freiwillige mit Neoprenanzügen und Sauerstoffflaschen auf den Weg in die Tiefe. Ziel: Mülltauchen. Und das nicht zum Spaß, sondern aus bitterem Ernst. Seit acht Jahren sind sie unterwegs – Zentimeter für Zentimeter, Meter für Meter. Die NGO Odysseus leistet hier Pionierarbeit. Was sie zutage fördern, klingt absurd und tragisch zugleich: Reste studentischer Ausweise, E-Scooter, Uhren, Kinderschuhe. Ein Flohmarkt unter Wasser.

    Dabei geht es längst nicht nur um das Sichtbare. Der wahre Gegner ist viel kleiner – und gefährlicher.

    Mikroplastik: Die unsichtbare Bedrohung

    Winzige Partikel, kleiner als fünf Millimeter, treiben unbemerkt durch das Wasser. Sie entstehen, wenn Kunststoff zerfällt – über Monate, Jahre, Jahrzehnte. Man sieht sie nicht. Man riecht sie nicht. Aber sie sind da.

    Und das in beunruhigendem Ausmaß.

    Die Rhône ist heute einer der am stärksten mit Mikroplastik belasteten Flüsse Europas. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich an diesen winzigen Partikeln nicht nur Schadstoffe anlagern – sondern auch Bakterien. Krankheitserreger, die durch das Wasser transportiert werden und womöglich eines Tages über die Nahrungskette wieder bei uns und in uns landen.

    Die Vorstellung ist erschreckend – aber real.

    Der Fluss, der alles schluckt

    Ein Fluss ist kein stilles Gewässer. Er fließt, bewegt sich, trägt mit sich, was ihm begegnet. Und wenn ihm etwas begegnet, das nicht dorthin gehört, nimmt er es trotzdem mit. Mal ist es eine Plastikflasche, mal ein Einkaufskorb, mal ein ganzer Müllsack. Die Strömung kennt keine Mülltrennung.

    Besonders an der Mündung der Saône in die Rhône zeigt sich das Problem mit voller Wucht: Plastikflaschen, Schuhe, Schwimmkörper – eine schwimmende Müllinsel im Kleinformat. Der Fluss hat keine Wahl. Er ist zum Transportsystem geworden – nicht für Menschen oder Güter, sondern für Abfall.

    Dabei ist Lyon nur ein Brennpunkt unter vielen. Der ganze Fluss, von den Alpen bis ins Mittelmeer, ist betroffen. Und mit ihm die Natur, die Städte, die Menschen entlang seines Ufers.

    2027: Die Uhr tickt

    Die EU fordert: Bis 2027 sollen alle europäischen Gewässer in einem „guten ökologischen und chemischen Zustand“ sein. Das ist kein Wunschtraum – sondern Gesetz. Für den Fluss Rhône bedeutet das: Großreinemachen. Und zwar schnell.

    Denn mit jedem Tag, an dem nichts passiert, sinkt mehr Plastik auf den Grund. Mit jedem Regenguss, der Abfälle von den Straßen spült, landet mehr Unrat im Fluss. Mit jedem fahrlässigen Moment, in dem eine Wasserflasche achtlos weggeworfen wird, wächst der Müllberg weiter.

    Und dann?

    Dann wird der Fluss, der einst Lebensader war, zur toxischen Erinnerung an unser Versagen.

    Wie weiter?

    Die Lösung? Sie ist unbequem. Aber notwendig.

    Weniger Verpackung, weniger Wegwerfmentalität, mehr Verantwortung. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Es braucht stärkere Kontrollen für Industrieabfälle, bessere Filtersysteme an Kläranlagen, entschlossene Gesetzgebung gegen Mikroplastik. Und es braucht Bewusstsein – bei jedem Einzelnen.

    Denn solange wir den Fluss als Entsorgungsweg betrachten, wird er uns irgendwann das Wasser abgraben.

    Wie viele Uhren müssen noch am Grund liegen, bevor wir den Ernst der Zeit begreifen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wir können alle etwas tun – und es ist so einfach!

    Kommentar: Wir können alle etwas tun – und es ist so einfach!

    Es gibt diesen einen Satz, der auf den ersten Blick so harmlos wirkt. Fast banal. „Wir können alle etwas tun.“ Man hört ihn auf Klimakonferenzen, in Talkshows, auf Instagram. Er klingt vernünftig, motivierend – nach Aufbruch. Doch wer genau hinhört, spürt: In dieser kleinen Phrase steckt eine große Lüge. Oder besser: eine große Wahrheit, die wir nicht wahrhaben wollen.

    Denn ja – wir könnten alle etwas tun. Wir könnten mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Weniger Fleisch essen. Die Heizung runterdrehen. Weniger fliegen, weniger kaufen, weniger wegwerfen. Die Ideen liegen auf dem Tisch. Die Tools sind da. Die Tutorials auch. Die meisten Lösungen sind weder teuer noch kompliziert. Sie brauchen kein Studium, kein Start-up und keine Subvention. Sie brauchen nur eines: den Willen.

    Aber genau daran hapert es. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Bequemlichkeit unser höchstes Gut ist. Eine Gesellschaft, die mehr Energie darauf verwendet, Ausreden zu finden, als Alternativen umzusetzen. „Ich habe keine Zeit.“ „Ich kann ja sowieso nichts bewirken.“ „Was bringt es, wenn ich verzichte, aber China weiter Kohle verbrennt?“ Dieses Mantra der Machtlosigkeit – es ist bequem, aber verlogen.

    Denn wer ehrlich ist, weiß: Das Problem sind nicht die anderen. Es sind wir. Es ist unsere Bequemlichkeit, unser Konsum, unser ständiges Mehr. Wir tragen alle Verantwortung – nicht nur als Wähler, sondern vor allem als Verbraucher. Jeden Tag. Mit jedem Griff ins Regal, jedem Klick auf „Bestellen“.

    Und ja – es ist unbequem, das zu hören. Es macht wütend. Es kratzt am Selbstbild des „guten Menschen“. Aber es ist notwendig. Denn solange wir die Verantwortung immer weiterreichen – an die Politik, an die Wirtschaft, an „die da oben“ – bleiben wir Zuschauer. Und die Welt brennt.

    Die gute Nachricht? Der Ausweg ist da – und er ist einfacher, als viele glauben. Ein bisschen weniger Komfort. Ein bisschen mehr Verstand. Weniger Fleisch, mehr Gemüse. Weniger Flug, mehr Zug. Weniger Amazon, mehr Nachbarschaft. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Sondern ehrlich. Authentisch. Und endlich anzufangen.

    Denn wenn ein Paar in einem 28-Quadratmeter-Apartment beweist, dass ein anderes Leben möglich ist – dann ist das kein Aufruf zur Askese. Es ist ein Beweis: Wir haben keine Ausrede mehr.

    Also hören wir auf, auf die nächste COP zu warten.

    Und fangen wir endlich an.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Städte und ihr fossiles Dilemma – warum Amiens, Reims und Strasbourg beim Gasverbrauch ganz oben stehen

    Frankreichs Städte und ihr fossiles Dilemma – warum Amiens, Reims und Strasbourg beim Gasverbrauch ganz oben stehen

    Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Temperaturkurve.

    Vier Tage vor dem Start der UN-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém hat die Umweltorganisation Les Amis de la Terre einen Bericht veröffentlicht, der Frankreichs Großstädten den fossilen Spiegel vorhält. Darin offenbart sich: Selbst in einem Land, das sich als Vorreiter des ökologischen Wandels versteht, ist die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern – insbesondere Erdgas – nach wie vor erschreckend hoch.

    Und es sind nicht etwa die Metropolen Paris oder Lyon, die am meisten Gas verbrauchen. Es sind Amiens, Reims und Strasbourg – drei Städte, die sich nicht nur durch charmante Altstädte und kalte Winter auszeichnen, sondern auch durch besonders hohe Pro-Kopf-Ausgaben für Gas.

    Ein Ranking, das aufrüttelt

    470 bis 600 Euro pro Jahr und Einwohner – so viel zahlen Menschen in den drei Spitzenreitern durchschnittlich für Gas. Das ist dreimal mehr als in Städten wie Grenoble, Perpignan oder Toulon. Die Gründe? Eine Mischung aus Wohnstruktur, veralteter Heiztechnik und industrieller Nutzung. Denn was hier verheizt wird, geht nicht nur in private Heizkessel. Auch Büros, Rathäuser, Schwimmbäder, Bibliotheken und ganze Industriezweige hängen am Gasnetz.

    Anna-Lena Rebaud, Sprecherin von Les Amis de la Terre, bringt es auf den Punkt: „Es geht nicht nur um die Wohnungen. Auch der öffentliche Sektor und die Industrie haben einen immensen Anteil an diesem Verbrauch.“

    Gas: Sauberer als Kohle, aber nicht harmlos

    Oft wird Gas als das „kleinere Übel“ gegenüber Kohle und Öl dargestellt – mit einem Hauch von Nachhaltigkeit, weil es beim Verbrennen weniger CO₂ ausstößt. Doch das greift zu kurz.

    Denn entlang der gesamten Förder- und Transportkette entweicht Methan – ein Klimakiller, der 80-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Und Methanlecks sind keine Randnotiz. Sie passieren bei Bohrungen, bei der Lagerung und auf dem Weg durch Pipelines. So wird aus dem vermeintlich sauberen Gas schnell ein echter Klimasünder.

    Dazu kommt die geopolitische Abhängigkeit: Frankreich importiert 98 Prozent seines Gases – unter anderem aus Russland und den USA. Energieautarkie sieht anders aus.

    Das Klima entscheidet sich nicht nur auf Weltgipfeln

    Natürlich blicken viele dieser Tage nach Brasilien, wo sich ab Montag Staats- und Regierungschefs zur COP30 versammeln. Doch der aktuelle Report erinnert daran, dass Klimaschutz nicht nur auf diplomatischen Bühnen stattfindet, sondern auch auf kommunaler Ebene.

    Wer heute durch die Straßen von Strasbourg schlendert, mag sich schwer vorstellen, dass genau hier – zwischen mittelalterlichen Fachwerkhäusern – das Klima so stark belastet wird. Doch genau dort liegt ein Hebel für Veränderung. Denn Städte können handeln: durch energetische Sanierungen, durch den Ausbau von Nahwärmenetzen, durch eine Abkehr von Gasheizungen in öffentlichen Gebäuden.

    Das ist keine ferne Utopie – das ist machbare Politik.

    Vom industriellen Erbe zur ökologischen Wende

    Viele französische Städte tragen bis heute die Last ihrer industriellen Vergangenheit. Gasleitungen aus den 1960ern, schlecht isolierte Plattenbauten aus den 1970ern, ein Energiemix, der jahrzehntelang auf Bequemlichkeit statt Nachhaltigkeit setzte.

    Doch was wäre, wenn genau diese Städte zur Speerspitze der ökologischen Erneuerung würden?

    Wenn in Amiens nicht nur der berühmte gotische Dom, sondern auch modernste Wärmepumpen für Aufsehen sorgen würden? Wenn in Reims, wo man bisher nur vom Champagner spricht, bald Sonnenkollektoren die Dächer zierten? Wenn Strasbourg, als europäische Hauptstadt, auch energetisch Maßstäbe setzte?

    Der CO₂-Fußabdruck beginnt vor der Haustür

    Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die durchschnittliche Temperatur der Erde um über 1,1 °C erhöht. Das klingt nach wenig – ist aber ein Erdrutsch. Ein Erdrutsch, der Gletscher schmelzen lässt, Küstenstädte bedroht und landwirtschaftliche Erträge gefährdet. Und: Er ist menschengemacht. Durch unser Konsumverhalten. Durch den Fleischkonsum. Und eben auch durch Heizsysteme in unseren Städten.

    Das Gute daran? Alles davon ist veränderbar.

    Wie weiter – und wer zuerst?

    Rhetorische Frage: Wieso warten, bis sich alle anderen bewegen?

    Städte wie Amiens, Reims und Strasbourg könnten Vorreiter werden – gerade weil sie aktuell auf der falschen Liste ganz oben stehen. Mit gezielten Investitionen, mutigen Entscheidungen und dem politischen Willen zur Wende. Die Technologien existieren. Die Erkenntnisse sowieso. Was fehlt, ist das Tun.

    Und das beginnt nicht in Belém, sondern direkt vor Ort – mit jedem schlecht isolierten Klassenzimmer, jeder Gastherme in der Amtsstube, jedem Stadtrat, der sich nicht entscheidet.

    Autor: C.H.

  • Sentinel 1-D: Europas scharfer Blick aus dem All auf eine Welt im Wandel

    Sentinel 1-D: Europas scharfer Blick aus dem All auf eine Welt im Wandel

    Vulkane, Überschwemmungen, Erdrutsche – die Erde bleibt in Bewegung. Und während der Mensch die Folgen des Klimawandels längst zu spüren bekommt, schickt Europa einen neuen Wächter ins All. Sentinel 1-D heißt der hochmoderne Satellit, der seit dem 5. November im Orbit kreist. Sein Auftrag: die Erde zu beobachten. Unermüdlich, wetterunabhängig, rund um die Uhr. Ein Satellit, der alles sieht. Auch durch die Wolken. Mitten in der Nacht hob eine Ariane-6-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab – Ziel: 700 Kilometer über der Erde. Dort nimmt Sentinel 1-D seine Arbeit auf. Und die hat es in sich. Der Radar-Satellit gehört zum europäischen Copernicus-Programm und ist nicht weniger als ein fliegendes Auge für den ganzen Planeten. Was Sentinel 1-D so besonders macht? Anders als optische Satelliten kann er durch Wolken hindurch und trotz Dunkelheit sehen. Tag und Nacht scannt er die Erdoberfläche – selbst bei Sturm, Regen oder völliger Dunkelheit. „Es ist ein Radar-Satellit –…

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