Schlagwort: Ukrainekrieg

  • Editorial: Abrüstung in Zeiten der Abschreckung – Europas sicherheitspolitische Gratwanderung

    Editorial: Abrüstung in Zeiten der Abschreckung – Europas sicherheitspolitische Gratwanderung

    Während die Vereinten Nationen jährlich im Oktober mit der „Abrüstungswoche“ zu einem verantwortungsvollen Umgang mit militärischer Macht und zur Reduktion von Rüstungsgütern aufrufen, zeichnet sich auf dem europäischen Kontinent eine gegenteilige Entwicklung ab. Die sicherheitspolitische Lage seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hat eine Rüstungsdynamik ausgelöst, wie sie Europa seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gesehen hat. Zwischen dem normativen Ideal globaler Abrüstung und dem realpolitischen Zwang zur Abschreckung tut sich ein Spannungsfeld auf, das die sicherheitspolitische Identität Europas neu definiert.

    Symbolik der Abrüstungswoche

    Die von der UNO ins Leben gerufene Abrüstungswoche ist in ihrer Intention ebenso ehrenwert wie notwendig. Sie soll Staaten an ihre Verpflichtung erinnern, Rüstungskontrolle und Abrüstung als Teil einer friedensfördernden internationalen Ordnung zu begreifen – nicht zuletzt im nuklearen Bereich. Dabei steht nicht nur das Ziel der vollständigen Abrüstung im Raum, sondern auch die Förderung vertrauensbildender Maßnahmen, Rüstungstransparenz und eine Kultur der Kooperation.

    In einem historischen Rückblick lässt sich feststellen, dass Abrüstung immer dann Fortschritte machte, wenn Staaten ein Mindestmaß an Vertrauen und ein gemeinsames Sicherheitsverständnis teilten – etwa in der Phase der Entspannungspolitik in den 1970er- und 1980er-Jahren. Derzeit jedoch ist die globale Sicherheitsarchitektur von Misstrauen, geopolitischer Rivalität und nationalem Risikomanagement geprägt. Die normative Strahlkraft der Abrüstungswoche wird in dieser Lage leicht überstrahlt von den harten Notwendigkeiten strategischer Selbstbehauptung.

    Die neue Aufrüstung Europas

    Insbesondere Europa befindet sich in einem fundamentalen Paradigmenwechsel. Jahrzehntelang hatte man sich auf das transatlantische Sicherheitsversprechen der NATO verlassen und auf eine Friedensdividende nach dem Kalten Krieg gehofft. Der Krieg in der Ukraine hat diese Illusion zerschlagen. Seither investieren zahlreiche europäische Staaten massiv in ihre Verteidigungsfähigkeiten. Deutschland etwa hat ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr aufgesetzt, Polen strebt den Aufbau der größten Landstreitkräfte in Europa an, und in Skandinavien wie im Baltikum wird die militärische Infrastruktur systematisch ausgebaut.

    Diese Entwicklung ist nicht isoliert zu betrachten. Die russische Führung hat deutlich gemacht, dass sie militärische Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung geopolitischer Interessen ansieht. Die wiederholte Drohung mit dem Einsatz nuklearer Waffen, die Stationierung neuer Raketensysteme im europäischen Teil Russlands sowie die bewusste Aufkündigung bestehender Abrüstungsverträge zeigen: Moskau strebt nicht Entspannung, sondern strategische Dominanz an – zumindest im unmittelbaren Umfeld.

    Abschreckung als neue Leitkategorie

    Vor diesem Hintergrund erfährt das sicherheitspolitische Konzept der Abschreckung eine Renaissance. Was jahrzehntelang als Kalter-Krieg-Rhetorik galt, wird nun wieder zur realpolitischen Notwendigkeit. Abschreckung bedeutet dabei nicht nur nukleares Gleichgewicht, sondern auch konventionelle Verteidigungsbereitschaft, robuste Bündnissysteme und glaubwürdige Reaktionsfähigkeit. Die NATO hat sich entsprechend neu ausgerichtet und ihre Präsenz an der Ostflanke deutlich verstärkt.

    Gleichzeitig wächst die Gefahr einer neuen Rüstungsspirale. Ohne funktionierende Kontrollmechanismen und gegenseitige Rückversicherung droht eine Eskalationsdynamik, die Vertrauen weiter untergräbt. Die Erfahrung des Kalten Krieges lehrt, dass Rüstung ohne flankierende diplomatische Prozesse zu Instabilität führt – auch dann, wenn sie der Verteidigung dient.

    Europas sicherheitspolitische Verantwortung

    Die eigentliche Herausforderung besteht für Europa darin, zwischen Abschreckung und Abrüstung eine tragfähige Balance zu finden. Aufrüstung als reflexhafte Reaktion auf Bedrohung kann kurzfristig notwendig sein – doch ohne eine langfristige Strategie der Deeskalation verliert sie an Legitimität. Europas Stärke lag stets in der Verknüpfung von Macht und Norm, von Verteidigungsfähigkeit und wertebasierter Außenpolitik. Es gilt nun, diese Doppelstrategie neu zu kalibrieren.

    Dazu gehört erstens, die verbliebenen Strukturen der Rüstungskontrolle nicht nur zu erhalten, sondern aktiv weiterzuentwickeln – auch wenn Russland derzeit wenig Bereitschaft zeigt, an einem neuen Regelwerk mitzuwirken. Zweitens muss Europa seine außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit eigenständig stärken, um im globalen Machtgefüge nicht zum Spielball zu werden. Und drittens darf die zivile Dimension der Sicherheit – Resilienz, Diplomatie, wirtschaftliche Stabilität – nicht dem Primat des Militärischen geopfert werden.

    Abrüstung ist in der gegenwärtigen Lage kein naiver Wunsch, sondern ein strategisches Ziel, das langfristig Stabilität sichern kann. Die UN-Abrüstungswoche erinnert uns daran – nicht als politischer Appell, sondern als Mahnung zur Selbstvergewisserung: Frieden entsteht nicht allein durch Rüstung, sondern durch Regeln, Vertrauen und Dialog. Genau das aber ist in Europa heute gefährdeter denn je.

    Autor: P. Tiko

  • Gipfel oder Farce? – Die unklare Zukunft des Treffens zwischen Trump und Putin

    Gipfel oder Farce? – Die unklare Zukunft des Treffens zwischen Trump und Putin

    Die geopolitische Lage rund um den Ukrainekrieg erhält neue Brisanz: Russland lässt verlauten, die Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Wladimir Putin und dem US-Präsidenten Donald Trump liefen weiter – trotz einer gegenteiligen Äußerung Trumps, der tags zuvor betont hatte, kein Treffen „für nichts“ abhalten zu wollen. Eine konkrete Terminsetzung gibt es bislang allerdings nicht. Austragungsort soll Budapest sein, Gastgeber der ungarische Premier Viktor Orbán. Doch Zweifel wachsen: Handelt es sich um ernsthafte diplomatische Annäherung – oder ein medienwirksames Schauspiel?

    Gegensätzliche Signale aus Moskau und Washington

    Während Kreml-Sprecher Dmitri Peskow versichert, die diplomatischen Kanäle seien aktiv und ein Gipfel befinde sich in Vorbereitung, geben sich Vertreter der US-Regierung zurückhaltender. Offiziell heißt es, derzeit seien keine Gespräche mit „substanzieller Agenda“ geplant. Donald Trump selbst erklärte, er wolle keine Begegnung „um des Treffens willen“, ohne klare Perspektive auf Ergebnisse.

    Dennoch bleibt offen, ob damit eine Absage gemeint war oder lediglich Druck auf die russische Seite ausgeübt werden soll. Die Kommunikationsstrategie Trumps ist bekanntermaßen erratisch: Eine öffentlichkeitswirksame Zurückweisung kann ebenso Teil einer vorbereitenden Verhandlungsstrategie sein wie ein tatsächlicher Rückzug.

    Budapest – symbolischer Ort, diplomatisch heikler Boden

    Die Wahl Budapests als möglicher Treffpunkt ist geopolitisch nicht zufällig. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán gilt als einer der wenigen westlichen Regierungschefs mit anhaltend guten Beziehungen zum Kreml. Als EU-Mitglied mit wiederholten Blockaden gegen Ukrainehilfen und EU-Sanktionen hat sich Budapest als eine Art Brückenkopf Moskaus im Westen positioniert.

    Zugleich bringt die Wahl der ungarischen Hauptstadt juristische Komplikationen mit sich: Gegen Wladimir Putin liegt ein internationaler Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vor. Theoretisch verpflichtet sich jedes Unterzeichnerland des Römischen Statuts zur Festnahme. Ungarn hatte im Frühjahr erklärt, es werde dem Haftbefehl im Zweifel nicht Folge leisten – mit dem Argument, das ungarische Recht sehe dafür keine ausreichende Grundlage. Damit riskiert Orbán nicht nur diplomatische Spannungen innerhalb der EU, sondern stellt auch den rechtsstaatlichen Konsens in Frage.

    Inhaltliche Unklarheit – Treffen ohne Substanz?

    Worüber genau Trump und Putin sprechen könnten, bleibt unklar. Offiziell steht der Ukrainekrieg im Zentrum. Doch eine verhandlungsfähige Basis ist bislang nicht in Sicht. Russland fordert nach wie vor die Anerkennung annektierter Gebiete und lehnt einen vollständigen Rückzug ab. Die Ukraine wiederum macht jede Friedenslösung von der territorialen Wiederherstellung ihres Staatsgebiets abhängig. Auch aus Washington ist kein Kurswechsel zu vernehmen, der auf eine Aufweichung der bisherigen Unterstützungslinie hindeuten würde.

    Es ist daher fraglich, ob ein Treffen tatsächlich mehr als symbolischen Charakter hätte. Trump könnte versuchen, sich als Vermittler in Szene zu setzen – insbesondere mit Blick auf die bevorstehenden US-Wahlen. Putin wiederum dürfte darauf hoffen, durch ein solches Format westliche Spaltung sichtbar zu machen und das internationale Narrativ zu beeinflussen.

    Zeitgleich: Eskalation und europäische Unterstützung

    Während auf diplomatischer Bühne über Gipfeltreffen spekuliert wird, hält die militärische Eskalation in der Ukraine unvermindert an. Neue russische Luftangriffe forderten erneut zivile Opfer und führten zu großflächigen Stromausfällen. Präsident Selenskyj reiste unterdessen nach Norwegen und Schweden, um dort militärische Unterstützungsabkommen zu verhandeln. In Schweden wurde eine Einigung über Waffenexporte angekündigt – mutmaßlich geht es um Komponenten des Kampfflugzeugs Gripen.

    In Brüssel bereiten sich die EU-Staaten auf einen Sondergipfel vor, bei dem es unter anderem um die Freigabe eingefrorener russischer Vermögen zur Finanzierung eines 140-Milliarden-Euro-Kredits an Kiew gehen soll. Die außenpolitische Sprecherin der EU, Kaja Kallas, sprach von breitem Konsens innerhalb der Union.

    In diesem Spannungsfeld aus militärischer Eskalation, diplomatischen Initiativen und internen Verwerfungen innerhalb des Westens wirkt die Aussicht auf ein Putin-Trump-Gipfeltreffen wie eine Mischung aus symbolischem Schachzug und strategischem Nebelwurf.

    Es bleibt offen, ob dieses Treffen tatsächlich stattfinden wird – und wenn ja, ob es mehr ist als eine politische Inszenierung zweier Machthaber mit ähnlichem Faible für das Spektakuläre.

    Autor: P. Tiko

  • Blick in die Welt – Japans erste Premierministerin

    Blick in die Welt – Japans erste Premierministerin

    Das japanische Parlament wählte gestern Sanae Takaichi, eine konservative Hardlinerin, zur ersten Premierministerin des Landes.

    Takaichi, 64, lässt sich nur schwer einordnen. Sie äußerte sich besorgt über Japans Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten, betonte jedoch zugleich, sie wolle eng mit Donald Trump zusammenarbeiten. In der China-Politik vertritt sie eine scharf formulierte, sicherheitspolitisch harte Linie, relativierte die japanischen Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs und versprach, Einwanderung und Tourismus strenger zu regulieren. Viele Japaner:innen hoffen, Takaichi könne das Bild starker weiblicher Führungspersönlichkeiten normalisieren – obgleich sie selbst nicht als Feministin gilt.


    Kein Fortschritt in Richtung Waffenstillstand in der Ukraine

    Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte gestern, Trump plane „in absehbarer Zeit“ kein Treffen mit Wladimir Putin mehr, nachdem der Kreml unmissverständlich klargemacht habe, dass er derzeit keine Vereinbarung zur Beendigung des Ukrainekriegs anstrebe.

    Damit platzte das optimistische Bild, das Trump noch fünf Tage zuvor gezeichnet hatte, nachdem er mit Putin telefoniert und erklärt hatte, man werde sich bald in Budapest treffen.

    Am Tag nach dem Telefonat traf Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen – ein Gespräch, das ebenfalls ohne greifbare Ergebnisse blieb. Selenskyj teilte später europäischen Staats- und Regierungschefs mit, dass Trump ihn vergeblich gedrängt habe, Gebiete an Russland abzutreten, um den Krieg zu beenden. Europäische Spitzenpolitiker bekräftigten gestern ihre Unterstützung für einen sofortigen Waffenstillstand.


    Weitere Meldungen

    • Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy hat in einem Pariser Gefängnis eine fünfjährige Haftstrafe wegen Verstößen gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz angetreten.
    • Bei einem Besuch in Israel äußerte US-Vizepräsident JD Vance Zuversicht, dass die Waffenruhe im Gazastreifen Bestand haben werde.
    • Staatsanwälte in Ecuador entschieden, einen Mann, der einen US-Militärangriff in der Karibik in der vergangenen Woche überlebt hatte, nicht anzuklagen.
    • Laut der Pariser Staatsanwaltschaft wurden die aus dem Louvre gestohlenen Juwelen auf 88 Millionen Euro geschätzt.
    • Der 27-jährige amerikanische Pianist Eric Lu gewann den ersten Preis beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau.
    • Die USA und Australien wollen Chinas Dominanz auf dem Weltmarkt für seltene Erden schwächen.
    • Während der Handelskonflikt mit den USA eskaliert, präsentieren sich Chinas exportorientierte Fabriken selbstbewusst auf dem weltweit größten Großmarkt.
    • Der US-amerikanische Schachgroßmeister Daniel Naroditsky, der bereits mit 17 den Titel erlangte, ist im Alter von 29 Jahren gestorben.
  • Drohnen, Demokratie und der Krieg in der Ukraine

    Drohnen, Demokratie und der Krieg in der Ukraine

    Der Krieg in der Ukraine ist schwer nachzuvollziehen – und die Äußerungen von Präsident Trump machen es nicht leichter. In einem Monat schreibt er der Ukraine keinerlei Chancen zu und sagt, sie habe „keine Karten in der Hand“. Im nächsten erklärt er, sie könne ihr gesamtes Territorium von Russland zurückerobern – „und vielleicht sogar noch weitergehen“.

    Russland und die Ukraine stehen sich in zwei separaten Wettläufen gegenüber, die über das Schlachtfeld hinausgehen: ein Wettrennen um technologische Innovationen, das die Zukunft der Kriegsführung neu definiert, und ein Langstreckenlauf zur Aufrechterhaltung der politischen Stabilität im eigenen Land.


    Der Drohnenkrieg

    Artillerie, Raketen, Panzer und Grabenkrieg dominierten die ersten Jahre des Krieges – aber das ist jetzt nicht mehr der Fall.

    Heute übernehmen Drohnen den Großteil der tödlichen Arbeit.

    Dabei handelt es sich nicht um große, teure Drohnen wie Predators oder Reapers. Die russischen und ukrainischen Drohnen sind meist kleine, massenproduzierte Quadrocopter oder günstige Fluggeräte in der Größe eines Kajaks. Beide Seiten versuchen, sie schneller, billiger und tödlicher herzustellen. Russlands industrielle Stärke hat Putins Armee zuletzt einen Vorteil verschafft: In diesem Jahr hat Russland mehr als 34.000 Drohnen in die Ukraine geschickt – fast neunmal so viele wie im Vorjahr.

    Und es sind nicht nur Luftdrohnen. In einer verlassenen Fabrik namens „Killhouse Academy“ lernen ukrainische Rekruten, unbemannte Bodenfahrzeuge zu steuern, die Nachschub liefern und Verwundete evakuieren – Aufgaben, die für Menschen zu gefährlich geworden sind. Im Schwarzen Meer halten drohnenartige Schnellboote und Torpedos Russlands Flotte in Schach.

    Das ist die neue „Ökonomie des Krieges“: Drohnen im Wert von Hunderten oder wenigen Tausend Dollar müssen mit Raketen im Millionenbereich abgeschossen werden – um Panzer und Schiffe zu schützen, die noch teurer sind. Das verändert die Natur des Konflikts.

    Ein weiterer Wettlauf ist im Gange – zur Verbesserung von Drohnenabwehrsystemen und zu deren Überwindung. Bessere elektronische Störsender können von Drohnen überlistet werden, die über Glasfaserkabel gesteuert werden – die wiederum mit einfachen Netzen gestoppt werden können. Risikokapital fließt in ukrainische Start-ups. Moskau erhält Unterstützung aus dem Iran und China.

    Der nächste Durchbruch – möglicherweise durch Künstliche Intelligenz – könnte den Krieg entweder wenden oder die Frontlinien einfrieren.


    Die Belastung wird spürbar

    Im Juli füllten Menschenmengen die Straßen Kiews, um gegen den Versuch von Präsident Wolodymyr Selenskyj zu protestieren, die unabhängigen Antikorruptionsbehörden des Landes zu schwächen. Er lenkte schnell ein. Die Sorgen bleiben jedoch bestehen.

    Seit fast vier Jahren gilt in der Ukraine das Kriegsrecht; andernfalls hätte Selenskyj im vergangenen Jahr um seine Wiederwahl kämpfen müssen. Selbst seine Hauptgegner sind sich jedoch einig, dass das Land inmitten des Krieges auf eine spaltende, störende Wahl verzichten sollte.

    Das lässt die Demokratie in der Ukraine – für die Demonstranten vor einem Jahrzehnt Blut vergossen – in einem fragilen Zustand zurück. Langjährige Sorgen über Korruption verschärfen sich durch die Angst, dass Gelder für den Krieg veruntreut werden. Zu Beginn des Krieges legten die Ukrainer alle ihre Differenzen beiseite, doch dieser Zusammenhalt beginnt zu bröckeln. Ein Abgeordneter sagte kürzlich, Selenskyjs Versuch, die Antikorruptionsbehörden zu schwächen, mache die Ukraine anfälliger für russische Versuche, politische Unruhe zu säen – eine Abkürzung zum Sieg im Krieg.

    In Moskau scheint Wladimir Putin im Amt zu sitzen. Doch auch in Russland bedroht der Krieg sein autoritäres System.

    Korrespondenten der New York Times berichteten im Sptember über eine Spaltung in Putins engstem Kreis, als ein langjähriger Berater, der ein Friedensabkommen unterstützte, zurücktreten musste. Der Kreml gibt massiv Geld aus, um den Krieg fortzusetzen und gleichzeitig eine wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu dämpfen – unter anderem mit sehr hohen Prämien bei der Anwerbung neuer Rekruten.

    Russlands Fähigkeit, diese Ausgaben beizubehalten und dabei länger durchzuhalten als die ukrainischen Bemühungen zur Wahrung der Einheit in seiner Bevölkerung, ist ein Wettstreit der politischen Systeme, der genauso aufmerksam beobachtet werden muss, wie der Krieg selbst.


    In Ägypten beginnen entscheidende Gespräche zum Frieden in Gaza

    Vertreter aus Israel, der Hamas und den USA befinden sich heute in Ägypten zu Gesprächen, die den Krieg in Gaza beenden sollen. Sowohl Israel als auch die Hamas haben signalisiert, dass sie bereit sind, auf Trumps Waffenstillstandsplan einzugehen – doch es bestehen noch erhebliche Differenzen.

    Am Freitag erklärte die Hamas, sie sei bereit, alle verbliebenen Geiseln im Gazastreifen im Austausch gegen palästinensische Gefangene in Israel freizulassen. Die Gespräche in Ägypten sollen sich auf diesen Austausch und einen Rückzug Israels aus Teilen Gazas konzentrieren.

    Die nächste Verhandlungsphase dürfte jedoch deutlich schwieriger werden. Dabei geht es unter anderem um die Entwaffnung der Hamas und die Einrichtung einer neuen Regierung für Gaza, die die Hamas ausschließt.

    Israel geht davon aus, dass sich noch etwa 20 lebende Geiseln in Gaza befinden, sowie die Leichen von mindestens 25 weiteren. Es ist unklar, ob die Hamas die Geiseln freilassen wird, bevor eine umfassende Einigung erzielt wurde. Sie sind das wichtigste Druckmittel der Terrororganisation.


    Weitere Nachrichten im Überblick

    • Gisèle Pelicot erscheint heute in Frankreich wieder vor Gericht – es geht um die Berufung eines Mannes, der einer von Dutzenden war, die sie im Drogenrausch vergewaltigten. Die Begegnungen wurden über fast zehn Jahre von ihrem Ehemann gefilmt.
    • Der angeschlagene britische Premier versprach, im Falle eines Wahlsiegs 150.000 illegale Einwanderer pro Jahr abzuschieben.
    • Während sich der Regierungsstillstand in den USA in die zweite Woche zieht, gibt es noch keine Fortschritte bei einem Haushaltsgesetz.
    • In Syrien finden die ersten Parlamentswahlen statt, seit Rebellen Bashar al-Assad vor zehn Monaten gestürzt haben.
    • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bestätigte den Großteil des neuen Kabinetts von Sebatsian Lecornu – viele alte Gesichter bleiben auf Schlüsselposten.
    • Erdrutsche und Überschwemmungen haben in Nepal mindestens 40 Menschen das Leben gekostet – eine zusätzliche Herausforderung für die Übergangsregierung.
    • Taifun Matmo hat Südchina erreicht. Über 151.000 Menschen mussten evakuiert werden – Überschwemmungen drohen.

  • Kommentar: Wenn das Schweigen lauter wird als jedes Bild

    Kommentar: Wenn das Schweigen lauter wird als jedes Bild

    Es gibt Momente, in denen ein einzelner Tod mehr erzählt als tausend Fotos. Der Tod von Antoni Lallican ist so ein Moment.

    Er war kein Soldat, kein Politiker, kein Stratege. Er war ein Mensch mit einer Kamera – und dem unerschütterlichen Glauben, dass man hinschauen muss, wenn andere wegsehen. Diese Haltung, so schlicht sie klingt, ist im Krieg ein Akt der Rebellion. Denn wer Bilder macht, entzieht sich der Kontrolle der Mächtigen. Er zeigt, was sie lieber verbergen möchten.

    Drohnen treffen präzise. Sie unterscheiden nicht, sie prüfen nicht, sie fragen nicht. Sie erledigen. Und wenn eine Drohne einen Fotografen trifft, dann trifft sie mehr als nur einen Körper. Sie trifft das Prinzip des freien Blicks, das Fundament jedes Journalismus.

    Antoni Lallican stand dort, wo der Rauch noch in der Luft hing, wo das Leben zitterte zwischen Flucht und Widerstand. Nicht um zu schockieren, sondern um zu verstehen. Um uns verstehen zu lassen. Und dieses „uns“ ist entscheidend: Denn Reporter wie er halten den dünnen Faden ihn ihren Händen, der uns verbindet mit der Realität hinter den Frontlinien. Ohne sie bleibt nur das, was Armeen, Regierungen oder Algorithmen uns zeigen wollen.

    Sein Tod ist kein Unfall, kein Kollateralschaden. Es ist das Resultat einer Welt, in der Information zur Waffe geworden ist – und Wahrheit zum Risiko.

    Ich stelle mir vor, wie er in diesem letzten Moment durch die Linse sah. Vielleicht auf einen Menschen, der gerade versuchte, Wasser zu holen. Vielleicht auf ein Stück Sonne, das durch eine zerbombte Wand fiel. Und dann: Stille.

    Was bleibt, ist dieses Schweigen – das Schweigen nach dem Bild. Ein Schweigen, das in unseren Köpfen dröhnt, weil wir wissen, dass jemand das Risiko getragen hat, uns sehen zu lassen.

    Antoni Lallican ist tot. Aber seine Arbeit lebt – nicht in Galerien oder Preislisten, sondern in der Verantwortung, die wir tragen, weiterzuschauen. Hinzusehen, auch wenn der Himmel dunkel wird.

    Denn wenn niemand mehr hinsieht, dann gewinnen jene, die die Wahrheit fürchten.

    Und das wäre der zweite Tod.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Antoni Lallican – Der letzte Blick durch die Linse

    Antoni Lallican – Der letzte Blick durch die Linse

    Er wollte nur zeigen, was geschieht. Keine Heldenposen, keine Schlagzeilenjagd – einfach Zeugnis ablegen. Am 3. Oktober 2025, um 9.20 Uhr Ortszeit, endet dieser Blick: Antoni Lallican, französischer Fotojournalist, 37 Jahre alt, stirbt in der Ostukraine. Eine Drohne trifft ihn bei Droujkivka, nahe der Frontlinie im Donbass. Ein gezielter Schlag, sagen die ukrainischen Behörden. Ein Kriegsverbrechen, nennen es die internationalen Journalistenverbände.

    Neben ihm: der ukrainische Kollege Heorgiy Ivanchenko, schwer verletzt, beide gekennzeichnet mit Westen, auf denen groß „Presse“ stand. Es ist das erste Mal im Verlauf des Ukrainekriegs, dass ein Reporter durch eine Drohne getötet wird. Und es ist ein Wendepunkt – für den Journalismus, für das Bild vom Krieg, für die Frage: Wie sichtbar muss und darf Wahrheit noch sein?


    Vom Apotheker zum Kriegsfotografen

    Antoni Lallican war kein Mann des geraden Wegs. Geboren in Paris, aufgewachsen in Villers-sur-Coudun im Département Oise, begann er seine berufliche Laufbahn als Pharmazeut. Ein sicherer Beruf, sagen manche. Eine Sackgasse, sagte er selbst später einmal in einem Interview. Die Kamera war stärker als das Labor.

    Seit 2018 arbeitete er für die Fotoagentur Hans Lucas, belieferte französische und internationale Medien: Le Monde, Le Figaro, Libération, Der Spiegel, Die Welt, Le Temps. Ein freier, wacher Beobachter, der immer näher heranrückte, dorthin, wohin andere sich nicht trauten.

    Seine Reportagen führten ihn nach Syrien, in den Libanon, in die palästinensischen Gebiete – und seit 2022 immer wieder an die ukrainische Front. Nicht als Draufgänger, sondern als stiller Zeuge. „Er fotografierte keine Explosionen, er fotografierte die Menschen, die danach übrigblieben“, erinnert sich ein Kollege.

    Im Januar 2024 erhielt Lallican den Victor-Hugo-Preis für engagierte Fotografie für seine Serie „Soudain, le ciel s’est assombri“ – ein Werk über die Schatten des ukrainischen Kriegsalltags. Die Jury lobte seine „unbestechliche Nähe“.


    Der Moment, in dem Technik tödlich wird

    Droujkivka, ein unscheinbarer Ort, kaum 20 Kilometer von der Front entfernt. Dort, wo die Stille trügerisch ist. Lallican war unterwegs mit Ivanchenko, um das Leben der Zivilbevölkerung im Angesicht des ständigen Beschusses zu dokumentieren. Dann kam das Summen – jenes kalte, metallische Geräusch, das mittlerweile zum Klang der modernen Kriegsführung gehört.

    Ein FPV-Drohne, gesteuert in Echtzeit, zielgenau, schnell. Ein Schlag. Ein Schnitt. Kein Zufall, vermuten Beobachter.

    Die ukrainischen Behörden sprechen von einer „gezielten Attacke auf Journalisten“. Reporter ohne Grenzen, der Europäische und der Internationale Journalistenverband fordern eine unabhängige Untersuchung. Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach von einem „Akt der Barbarei“ und versprach Aufklärung. Doch was lässt sich in einem Krieg wirklich aufklären, in dem Maschinen längst schneller töten als Worte erklären?


    Das Dilemma der Sichtbarkeit

    Der Tod von Antoni Lallican steht sinnbildlich für eine gefährliche Entwicklung. Der Krieg ist nicht mehr nur eine Front aus Schützengräben und Geschützen. Er ist eine Arena ferngesteuerter Waffen – und diese berücksichtigen keine Pressekennzeichnung mehr.

    Drohnen machen keine Unterschiede zwischen Soldaten und Beobachtern. Sie treffen, was der Algorithmus sieht. Und so wird der Journalist, der die Wahrheit sichtbar machen will, selbst zur sichtbaren Zielscheibe.

    Wie viele Reporter sind in diesem Konflikt schon gestorben? Vier französische, Dutzende ukrainische, internationale Korrespondenten. Jeder einzelne Verlust ist mehr als eine Tragödie – er ist ein Riss in der Informationskette, eine Schwächung der öffentlichen Wahrnehmung.


    Zwischen Nähe und Gefahr

    Wer einmal Kriegsfotografen begegnet ist, weiß: Es sind keine Abenteurer. Eher Chronisten, manchmal Getriebene. Lallican gehörte zu jenen, die Nähe suchten, ohne Pathos, ohne Selbstdarstellung. Seine Kollegen beschreiben ihn als „empathisch bis zur Verletzlichkeit“.

    Er sprach wenig, beobachtete viel, wartete auf den einen Moment, in dem Licht und Mensch eine Geschichte erzählten, die kein Text der Welt je einfangen könnte.

    Vielleicht ist das der Preis der Authentizität: Wer hinschaut, riskiert getroffen zu werden.


    Der Krieg, der auch das Zeugnis trifft

    Im digitalen Zeitalter gleicht der Krieg einem endlosen Strom von Bildern. Jeder hat eine Kamera, jeder sendet. Doch Lallicans Tod erinnert daran, dass echter Journalismus mehr bedeutet als bloßes Dokumentieren. Es ist ein Akt der Verantwortung – und manchmal des Widerstands.

    Denn wo Kriegsparteien versuchen, das Narrativ zu kontrollieren, werden Fotografen zu Störenfrieden. Sie zeigen das Ungezeigte, sie stellen Fragen, wo Schweigen bequemer wäre. Und genau deshalb geraten sie ins Visier.

    Die Drohne, die Antoni Lallican tötete, hat nicht nur einen Menschen getroffen, sondern ein Symbol: das des unabhängigen Blicks.


    Ein Vermächtnis in Bildern

    Seine Kamera ist nun still. Aber die Bilder, die er hinterlässt, sprechen weiter – von Schmerz, von Menschlichkeit, von jenem stillen Mut, der keine Orden trägt.

    Freunde erzählen, dass Lallican kurz vor seiner letzten Reise gesagt habe: „Ich will zeigen, dass selbst im Krieg noch Gesichter sind, keine Schatten.“

    Er hat es gezeigt. Und dafür bezahlt.

    Sein Tod ist Mahnung und Vermächtnis zugleich – ein Appell, den Blick aufrechtzuhalten, selbst wenn der Himmel sich verdunkelt.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Macrons „Rien n’est exclu“: Strategische Ambiguität als Signal der Abschreckung

    Macrons „Rien n’est exclu“: Strategische Ambiguität als Signal der Abschreckung

    Emmanuel Macrons jüngste Äußerung zur möglichen Reaktion auf russische Luftraumverletzungen hat europaweit Aufmerksamkeit erregt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte der französische Präsident, dass im Fall einer russischen Verletzung des europäischen Luftraums „nichts ausgeschlossen“ sei. Doch er fügte sogleich hinzu: „Wir werden nicht das Feuer eröffnen.“ Die Aussage, bewusst vage gehalten, folgt einer Strategie, die Macron selbst als „Doktrin der strategischen Ambiguität“ bezeichnet – und sie ist Ausdruck wachsender sicherheitspolitischer Spannungen an den Rändern Europas. Frankreichs Präsident platziert sich damit an einem neuralgischen Punkt der europäischen Sicherheitsarchitektur: zwischen Abschreckung, Deeskalation – und dem Versuch, Europa gegenüber Moskau strategisch handlungsfähiger erscheinen zu lassen.

    Ein Satz, viele Ebenen: Die doppelte Botschaft an Moskau und Brüssel Die Formulierung „rien n’est exclu“ ist mehr als eine politische Floskel. S…

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  • Macron fordert härtere NATO-Linie gegenüber Russland – mit Blick auf Trumps Kehrtwende

    Macron fordert härtere NATO-Linie gegenüber Russland – mit Blick auf Trumps Kehrtwende

    Auf der Bühne der UN-Generalversammlung in New York hat Emmanuel Macron eine klarere Haltung eingefordert: Die NATO müsse „eine Stufe zulegen“, um auf russische Provokationen wie Luftraumverletzungen in Osteuropa entschlossener zu reagieren – ohne jedoch in automatische Gegenschläge zu verfallen. Gleichzeitig beobachtet der französische Präsident mit vorsichtiger Skepsis die jüngsten Äußerungen von Donald Trump zur Ukraine – und erkennt darin sowohl eine Chance als auch ein Risiko für die transatlantische Geschlossenheit. Mehr Abschreckung, ohne Eskalation In einem Interview mit den Sendern France 24 und RFI warnte Macron vor einer Zunahme russischer Provokationen: Drohnen über Polen oder Rumänien, Verletzungen des baltischen Luftraums, „Tests“, wie er es nannte. Die NATO müsse darauf „mit etwas mehr Entschlossenheit“ reagieren, sagte Macron in New York. Doch er schränkte sogleich ein: Dies bedeute nicht, dass automatisch das Feuer eröffnet werde. „Wir werden nicht schießen“, betonte e…

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  • Russische Drohnen überqueren die NATO-Grenze, die Allianz setzt auf Laserwaffen – und weitere World-News

    Russische Drohnen überqueren die NATO-Grenze, die Allianz setzt auf Laserwaffen – und weitere World-News

    Russische Drohnen überziehen die Ukraine in immer größerer Zahl, da Moskau seine Rüstungsproduktion hochfährt. In der vergangenen Woche überquerten dann mehr als ein Dutzend dieser Drohnen die Grenze nach Polen.

    Die NATO schickte Kampfjets, um sie abzuschießen – doch viele Drohnen kamen dennoch durch, darunter einige, die lediglich aus Sperrholz und Schaumstoff bestanden. Dass derart kostengünstige Waffen millionenschwere Luftabwehrsysteme umgehen konnten, zeigt deutlich die Herausforderungen, mit denen die NATO in einer neuen Ära der Kriegsführung konfrontiert ist.

    Dies hat ein Umdenken bei der NATO ausgelöst: Die Luftverteidigung soll überarbeitet und modernisiert werden. Doch die Kostenrechnung ist ernüchternd: Eine Drohne kostet teilweise nur einige Hundert bis höchstens einige Zehntausend Dollar, während eine einzige Abwehrrakete oft Millionen kostet. Die Ukraine experimentiert bereits mit Netzen, Gittern und Maschinengewehren, die auf Lastwagen, Hubschraubern und Kampfjets montiert sind – sowie mit sogenannten Anti-Drohnen-Drohnen.

    Bald könnten die NATO-Streitkräfte über eine neue Lösung verfügen: Laserwaffen.

    Immer mehr westliche Staaten entwickeln und testen Laserwaffen, die Drohnen günstiger und effizienter als Raketen oder Flugabwehrgeschosse ausschalten könnten. Einige dieser Systeme wurden bereits im Krieg eingesetzt – von Israel und der Ukraine.

    Ein australisches Unternehmen, Electro Optic Systems, hat ein Lasersystem entwickelt, das nach eigenen Angaben bis zu 20 Drohnen pro Minute abschießen kann. Ein europäisches NATO-Mitglied hat das System bereits bestellt. Der Preis pro Einheit liegt bei etwa 83 Millionen US-Dollar – inklusive Ausbildung und Ersatzteilen. Die Auslieferung soll bis 2028 erfolgen.

    Nach der Installation sollen die Betriebskosten pro Abschuss unter zehn Cent liegen. Das System trägt den Spitznamen „Apollo“, benannt nach dem griechischen Lichtgott. Der Laser verfügt über eine Leistung von 100 Kilowatt – vergleichbar mit dem „Iron Beam“-System, das derzeit in Israel entwickelt wird.

    Weitere Lasersysteme befinden sich in unterschiedlichen Phasen der Erprobung und Anwendung beim US-Militär, das jährlich rund eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung solcher Waffen investiert. Für das kommende Jahr ist die Entwicklung eines Lasers mit einer Leistung von einem Megawatt geplant. Mit dieser Stärke könnten Laser potenziell ballistische Raketen und Hyperschallwaffen abfangen. Ein Laser mit 100 Kilowatt Leistung ist derzeit auf das Abfangen von Drohnen, Artilleriegeschossen und Mörsergranaten beschränkt.

    Luftverteidigungssysteme sind seit Jahren stark gefragt – insbesondere zum Schutz von Zielen im Nahen Osten, in Ostasien und in den USA. Die zunehmenden Drohnenschwärme über der Ukraine sowie die waghalsigen Drohnenangriffe der Ukraine tief im Inneren Russlands verdeutlichen vielen Staaten ihre eigene Verwundbarkeit. Die Gegenmaßnahmen – darunter Lasersysteme und andere neue Waffentechnologien – werden entscheidend für den Ausgang heutiger und zukünftiger Kriege sein.


    Jimmy Kimmel und Trumps Schlag gegen die Medien

    Mit der Absetzung von Jimmy Kimmels Late-Night-Show setzt die Trump-Regierung derzeit die härteste Medienzensur der jüngeren Geschichte durch. Präsident Trump – der in seiner Antrittsrede im Januar noch geschworen hatte, jede Form staatlicher Zensur zu beenden – nutzt nun alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um Berichterstattung und Kommentare zu unterdrücken, die ihm missfallen.

    An Bord der Air Force One auf dem Rückflug von London, erklärte Trump, die Regierung solle den Sendern, die zu kritisch über ihn berichten, die Sendelizenzen entziehen.

    Konservative jubelten, während Liberale wütend reagierten, als der Sender ABC beschloss, Jimmy Kimmels Late-Night-Show nach dessen Kommentaren zum Attentat auf Charlie Kirk abzusetzen. Die gegensätzlichen Reaktionen machten einmal mehr die tiefe politische Spaltung der Vereinigten Staaten deutlich.

    „Wir sehen doch alle, wohin das führt, oder? Das ist gelenkte Medienberichterstattung“, sagte David Letterman.


    Weitere wichtige Nachrichten

    • Großbritannien: Am letzten Tag des Staatsbesuchs lobten sich US-Präsident Trump und Premierminister Keir Starmer gegenseitig – obwohl sie in der Frage der palästinensischen Staatlichkeit uneins blieben. Beide unterzeichneten ein Milliarden-Abkommen für eine technologische Partnerschaft.
    • US-Notenbank (Fed): Die Trump-Regierung hat den Obersten Gerichtshof der USA angerufen, um die Absetzung von Lisa Cook als Mitglied des Fed-Direktoriums zu erreichen.
    • Syrien: Präsident Ahmed al-Shara erklärte, ein von den USA vermitteltes Grenzabkommen mit Israel könne in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.
    • Frankreich: Hunderttausende Demonstranten gingen auf die Straße, um gegen ein Sparprogramm der Regierung zu protestieren. Auf vielen Lippen lag dabei nur ein Satz: „Besteuert die Reichen.“
    • Technologie: Nvidia kündigte Investitionen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar in den angeschlagenen Konkurrenten Intel an.
    • Papst: Im Vergleich zu seinen Vorgängern gibt Leo XIV. bislang nur wenige Hinweise darauf, wie er zu kirchlichen Streitfragen steht.

    Autor: P. Tiko

  • Europa arbeitet an Sicherheitsplan für die Nachkriegs-Ukraine – und weitere World-News

    Europa arbeitet an Sicherheitsplan für die Nachkriegs-Ukraine – und weitere World-News

    Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte gestern, dass sich 26 Staaten formell verpflichtet hätten, ein künftiges Friedensabkommen in der Ukraine abzusichern – unter anderem durch die Entsendung von Truppen zur Abschreckung russischer Aggressionen.

    Macron sagte dies nach einem Gipfeltreffen in Paris, an dem über 30 Staats- und Regierungschefs teilnahmen, viele davon per Videoschaltung. Konkrete Details darüber, wie genau die europäischen Länder helfen wollen oder welche Rolle die USA spielen würden, blieben jedoch weitgehend offen.

    Das Treffen war der jüngste europäische diplomatische Versuch, US-Präsident Donald Trump dazu zu bewegen, sich ebenfalls hinter einen solchen Plan zu stellen. Trumps Sondergesandter für Friedensverhandlungen, Steve Witkoff, nahm an dem Treffen in Paris teil, und ein Beamter des Weißen Hauses bestätigte, dass Trump sich telefonisch zuschaltete.

    Macron betonte, dass Russland im Falle eines ausbleibenden Friedensabkommens mit weiteren internationalen Sanktionen rechnen müsse – auch vonseiten der USA. Allerdings hatte Trump in der Vergangenheit mehrfach Sanktionen angedroht, ohne diese auch umzusetzen. Während des Treffens forderte Trump europäische Staaten dazu auf, kein russisches Öl mehr zu kaufen, und mahnte gleichzeitig, den Druck auf China zu erhöhen, das mutmaßlich Russlands Kriegsführung finanziell unterstütze.

    Bislang hatten nur Frankreich, Großbritannien und Estland öffentlich signalisiert, dass sie bereit wären, Truppen in die Nachkriegs-Ukraine zu entsenden. Viele europäische Länder stellen infrage, ob Washington im Falle eines Angriffs auf NATO-Truppen tatsächlich militärisch eingreifen würde.


    Nach dem Erdbeben in Afghanistan blieben Frauen ohne Hilfe

    Die Reaktion auf das Erdbeben in Afghanistan, bei dem über 2.200 Menschen ums Leben kamen, zeigt laut Hilfsorganisationen exemplarisch die doppelten Standards, denen Frauen und Mädchen im Land ausgesetzt sind.

    Als Rettungsteams am Sonntag ein abgelegenes Dorf in der Provinz Kunar erreichten, wurde nicht allen geholfen. Verwundete Männer und Kinder erhielten zügig medizinische Versorgung – Frauen und jugendliche Mädchen hingegen wurden zur Seite gedrängt.

    Nach den von den Taliban durchgesetzten kulturellen Normen Afghanistans ist körperlicher Kontakt zwischen Männern und Frauen, die nicht miteinander verwandt sind, verboten. Mitglieder der rein männlichen Rettungsteams zögerten deshalb, Frauen aus den Trümmern eingestürzter Häuser zu befreien, wie ein Freiwilliger berichtete. Verletzte Frauen blieben unter den Trümmern zurück und mussten warten, bis Helferinnen aus anderen Dörfern eintrafen, um sie auszugraben.


    Giorgio Armani, der Meister des Anzugs, ist tot

    Ohne Giorgio Armani wären Anzüge heute womöglich noch immer steif und wattiert – und der rote Teppich ein Ort ohne Design-Glanz.

    Armani, der gestern im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Mailand verstarb, hat die Modewelt gleich zweimal revolutioniert: Zunächst, indem er die Struktur des klassischen Herrenanzugs aufweichte und einen Look schuf, der bald auch bei einer weiblichen Kundschaft Anklang fand. Später zählte er zu den ersten Designern, die gezielt Prominente wie Michelle Pfeiffer und George Clooney einsetzten – auf der Leinwand wie im Alltag. Heute ist das Zusammenspiel zwischen Modehäusern und Celebrities zur Selbstverständlichkeit geworden.


    Weitere wichtige Meldungen

    Portugal: Nach einem tödlichen Unfall mit 16 Toten wurden die Standseilbahnen in Lissabon vorläufig stillgelegt.

    USA: Präsident Trump kündigte an, das Verteidigungsministerium wieder in „Kriegsministerium“ umzubenennen – so lautete die offizielle Bezeichnung bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

    China: Von Peking unterstützte Hacker haben in mehr als 80 Ländern, darunter den USA, Daten gestohlen – fast jeder US-Bürger ist betroffen.

    Indien: Die heftigsten Regenfälle seit Jahrzehnten haben den Norden des Landes überflutet, Hunderte starben, Ernten wurden zerstört.

    USA: Robert F. Kennedy Jr. stellte sich in einer angespannten Senatsanhörung kritischen Fragen, wies Impfdaten zurück und verteidigte seine Arbeit als Gesundheitsminister unter Trump.

    Afrika: Die Gesundheitsbehörden der Demokratischen Republik Kongo meldeten einen Ebola-Ausbruch in einer südlichen Provinz mit 28 Verdachtsfällen und 15 Toten.

    Gaza: Nach einem Appell von Trump, die restlichen Geiseln freizulassen, bekundete die Hamas erneut ihre Bereitschaft zu einem umfassenden Deal – Israel lehnte ab.

    Wirtschaft: Der dänische Energiekonzern Ørsted verklagte die US-Regierung, weil ein fast fertiggestellter Offshore-Windpark vor Rhode Island gestoppt wurde.

    Deutschland: Angesichts von Verlusten in China und US-Strafzöllen wird Porsche nun aus dem führenden deutschen Aktienindex DAX gestrichen.

    Autor: P. Tiko