Schlagwort: Trinkwasser

  • „Ewige Chemikalien“: Die unsichtbare Gefahr in unserem Leitungswasser

    „Ewige Chemikalien“: Die unsichtbare Gefahr in unserem Leitungswasser

    Manchmal lauern die größten Bedrohungen da, wo wir sie nicht erwarten – zum Beispiel in einem Glas Leitungswasser. Eine aktuelle Studie der französischen NGO Générations Futures und der Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir bringt erschreckende Erkenntnisse ans Licht: In vielen Regionen Frankreichs enthält das Trinkwasser sogenannte PFAS, auch bekannt als „ewige Chemikalien“. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber leider unsere Realität.

    PFAS sind chemische Substanzen, die in Alltagsprodukten wie Teflonpfannen, wetterfester Kleidung oder Pestiziden vorkommen. Was sie besonders problematisch macht, ist ihre außergewöhnliche Langlebigkeit. Einmal in die Umwelt freigesetzt, zerfallen sie kaum – sie reichern sich an, verschmutzen Böden, Gewässer und schließlich auch uns Menschen. Eine Art unsichtbare Spur, die wir hinterlassen, ohne es zu bemerken.

    Doch was genau macht diese Substanzen so bedrohlich, und wie kann man sie aus unserem Wasser entfernen? Olivier Andrault, Ernährungsexperte der UFC-Que Choisir, gibt in einem Interview mit der französischen Nachrichtensendung „La Matinale“ Einblicke in die Ergebnisse der Untersuchung.


    Eine erschreckende Bestandsaufnahme

    Die Untersuchung von Générations Futures und UFC-Que Choisir ist beunruhigend. Zwischen Juni und November 2024 wurden Proben aus dem Leitungswasser von 30 Haushalten in verschiedenen französischen Städten – von Paris über Lyon bis zu kleineren Gemeinden – genommen. Besonders alarmierend: In einigen Fällen lagen die gemessenen PFAS-Werte deutlich über den empfohlenen Grenzwerten.

    Diese Konzentrationen sind vor allem in Regionen hoch, die in der Nähe von Produktionsstätten für PFAS oder anderen Industrieanlagen liegen. Das zeigt, wie sehr lokale Gegebenheiten die Belastung beeinflussen. Aber ehrlich gesagt: Möchte man sich beim Trinken eines Glases Wasser wirklich fragen, ob man zufällig neben einer Chemiefabrik wohnt?


    PFAS – die unverwüstlichen Chemikalien

    Warum ist es so schwer, gegen PFAS vorzugehen? Die Antwort liegt in ihrer chemischen Struktur. PFAS sind so gestaltet, dass sie extrem stabil sind. Das macht sie perfekt für ihre Anwendungen – etwa für wasserabweisende Kleidung oder hitzebeständige Beschichtungen – und gleichzeitig unglaublich problematisch für die Umwelt.

    Besonders besorgniserregend ist dabei der Stoff TFA (Trifluoressigsäure), ein Abbauprodukt verschiedener Substanzen wie Pestizide. Laut Olivier Andrault findet man TFA immer häufiger im Trinkwasser. Das Problem: TFA kann nicht einfach herausgefiltert werden. Und so wird es Teil eines toxischen Kreislaufs, der uns alle betrifft.


    Die technologische Herausforderung der Reinigung

    Die Lösung? Leichter gesagt als getan. Die Reinigung von Wasser, das mit PFAS belastet ist, stellt uns vor große technische Herausforderungen. Zwar gibt es Ansätze, wie man diese Substanzen entfernen könnte, doch diese Verfahren sind noch nicht ausgereift. Olivier Andrault erklärt: „Es ist möglich, das Wasser zu reinigen, aber es wird sehr teuer sein.“ Übersetzt: Wer für sauberes Trinkwasser sorgen möchte, muss in die Tasche greifen – ob das nun durch öffentliche Investitionen oder höhere Wasserpreise geschieht.

    Hier stellt sich die Frage: Wer soll diese Kosten tragen? Müssen wir Verbraucher am Ende wieder für die Umweltverschmutzung der Industrie bezahlen? Oder sollte die Verursacherhaftung – ein Grundprinzip der Umweltpolitik – endlich konsequent angewendet werden?


    Eine kollektive Verantwortung

    Was bedeutet das nun für die Politik und die Gesellschaft? Olivier Andrault betont, dass die Lösung dieses Problems nicht alleine durch individuelle Maßnahmen erreicht werden kann. Natürlich hilft es, weniger Produkte mit PFAS zu kaufen, aber das allein reicht nicht aus. Die Verantwortung liegt auch bei den Herstellern und den Regierungen, die klare und strikte Regeln schaffen müssen, um den Einsatz solcher Chemikalien zu regulieren.

    Ein konkretes Beispiel: Die EU hat bereits Schritte unternommen, um die Verwendung bestimmter PFAS einzuschränken. Doch in vielen Bereichen ist der Einsatz nach wie vor erlaubt – und solange das so bleibt, werden wir weiterhin mit den Folgen kämpfen müssen.


    Hoffnung durch Forschung?

    Trotz der düsteren Prognosen gibt es Lichtblicke. Fortschritte in der Technologie und Wissenschaft könnten langfristig dazu beitragen, bessere und effizientere Methoden zur Entfernung von PFAS zu entwickeln. Gleichzeitig zeigt der Druck von Verbraucherschutzorganisationen wie UFC-Que Choisir, dass das Thema zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Und das ist entscheidend, denn ohne gesellschaftlichen Druck bleibt vieles beim Alten.

    Doch Hand aufs Herz: Wollen wir wirklich darauf warten, dass die Technologie eines Tages „so weit ist“, oder sollten wir nicht jetzt handeln und die Weichen stellen?


    Was können wir als Einzelne tun?

    Auch wenn die Lösung des PFAS-Problems eine kollektive Aufgabe ist, können wir selbst kleine Beiträge leisten. Zum Beispiel, indem wir auf den Kauf von Produkten verzichten, die solche Chemikalien enthalten – wie wasserabweisende Sprays oder beschichtete Pfannen. Ebenso wichtig ist es, sich politisch zu engagieren und Druck auf Entscheidungsträger auszuüben, strengere Regulierungen durchzusetzen.

    Am Ende bleibt jedoch eine bittere Wahrheit: Der Kampf gegen PFAS ist eine Mammutaufgabe. Es wird nicht einfach und nicht billig. Doch ist es nicht besser, jetzt zu investieren, anstatt später mit den irreversiblen Folgen zu leben? Manchmal braucht es einfach Mut – und ein bisschen Geduld –, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.


    Quellen:

    • Générations Futures und UFC-Que Choisir, „Étude sur la contamination de l’eau par les PFAS“, 2024
    • Interview mit Olivier Andrault, ausgestrahlt auf „La Matinale“ von franceinfo am 24. Januar 2025
  • Gefahr aus dem Wasserhahn: „Ewige Schadstoffe“ in französischem Trinkwasser

    Gefahr aus dem Wasserhahn: „Ewige Schadstoffe“ in französischem Trinkwasser

    Ein unsichtbarer Feind lauert in unseren Leitungen – das klingt wie ein Szenario aus einem dystopischen Film, ist aber bittere Realität. Eine neue Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir und der Umwelt-NGO Générations Futures hat gezeigt, dass das Trinkwasser vieler französischer Städte mit einem „ewigen Schadstoff“ belastet ist: Trifluoressigsäure (TFA). Dieser Chemikalie haftet ein dunkler Ruf an – sie ist so gut wie unzerstörbar, schwer zu filtern und potenziell gesundheitsschädlich.

    Die alarmierenden Ergebnisse der Studie

    Die Untersuchung nahm das Trinkwasser von 30 französischen Städten unter die Lupe. Das Ergebnis? In 24 von ihnen wurde TFA nachgewiesen. Besonders erschreckend: In 20 Städten lag die Konzentration des Schadstoffs über der europäischen Referenznorm von 100 Nanogramm pro Liter, die ab 2026 verbindlich gilt. Spitzenreiter war die Gemeinde Moussac im Département Gard mit 13.000 ng/l. Auf Platz zwei landete die Hauptstadt Paris mit 6.200 ng/l, gefolgt von Buxerolles in der Vienne mit 2.600 ng/l.

    Aber Moment mal – 13.000 Nanogramm pro Liter? Das klingt wie eine Zahl aus der Chemielabor-Hölle, oder? Genau das ist das Problem. Die Werte verdeutlichen, wie weitreichend die Belastung bereits ist und wie schwierig es sein wird, das Problem in den Griff zu bekommen.

    Was ist TFA und warum ist es so gefährlich?

    Trifluoressigsäure gehört zur Familie der PFAS, den sogenannten „ewigen Schadstoffen“ (auf Englisch „Forever Chemicals“). Diese Gruppe umfasst mehr als 4.700 verschiedene Chemikalien, die in unzähligen Alltagsprodukten wie wasserabweisenden Textilien, Feuerlöschschäumen und sogar Kosmetika vorkommen. Was sie so problematisch macht, ist ihre extreme Langlebigkeit: Sie zerfallen praktisch nie. Einmal in die Umwelt freigesetzt, reichern sie sich im Boden, im Wasser und schließlich auch in unserem Körper an.

    Obwohl TFA laut der Untersuchung nicht ganz so gefährlich wie andere PFAS wie PFOA oder PFOS ist – diese wurden in Europa bereits verboten –, gibt es erhebliche Wissenslücken zur genauen Toxizität. Erste Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine langfristige Exposition mit diesen Stoffen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Risiko bestimmter Krebsarten erhöhen könnte. Und Hand aufs Herz: Möchte irgendjemand freiwillig Chemikalien trinken, deren Langzeitfolgen unklar sind?

    Die unsichtbare Bedrohung: Warum wird TFA kaum überwacht?

    Eine der schockierendsten Enthüllungen der Studie ist die Tatsache, dass TFA in Frankreich kaum überwacht wird. Laut den Autoren der Untersuchung wird dieser Schadstoff „sehr selten, wenn nicht gar nie“ von den regionalen Gesundheitsbehörden bei Trinkwasseranalysen geprüft. Dabei ist die Hauptquelle bekannt: TFA entsteht unter anderem durch den Abbau von Flufenacet, einem weit verbreiteten Herbizid. Dieses wurde erst kürzlich von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als potenzieller endokriner Disruptor (also als hormonstörend) eingestuft.

    Man könnte sich nun fragen: Warum wird ein solches Herbizid überhaupt noch eingesetzt, wenn es solch bedenkliche Substanzen freisetzt? Die Antwort ist ernüchternd: Landwirtschaftliche Interessen und der Mangel an strengen Regulierungen lassen oft genug zu wünschen übrig. Es ist, als würden wir uns selbst ein Bein stellen – für kurzfristige Erträge, ohne die langfristigen Konsequenzen zu bedenken.

    Die Rolle der „ewigen Schadstoffe“ im globalen Kontext

    TFA ist nur die Spitze des Eisbergs. Die PFAS-Familie stellt eine der größten Umweltgefahren unserer Zeit dar. Ihre Langlebigkeit und Allgegenwart machen sie zu einer globalen Herausforderung. Von den Tiefen der Ozeane bis hin zu den entlegensten Gebirgen – überall wurden PFAS nachgewiesen. Einmal freigesetzt, breiten sie sich über Luft, Wasser und Nahrungsketten aus.

    Die gesundheitlichen Auswirkungen sind ebenso besorgniserregend wie vielfältig. Studien haben PFAS mit einer ganzen Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Schilddrüsenerkrankungen, verminderte Immunreaktionen und sogar Entwicklungsstörungen bei Kindern. Und was machen wir? Wir trinken sie, atmen sie ein und leben mit ihnen, oft ohne es zu merken.

    Kann man das Wasser überhaupt noch retten?

    Hier kommt der Haken: TFA und andere PFAS sind extrem schwer aus dem Wasser zu entfernen. Die gängigen Filtertechnologien reichen oft nicht aus, um diese winzigen Moleküle zu eliminieren. Selbst Hightech-Lösungen wie Umkehrosmose sind teuer, energieintensiv und für den großflächigen Einsatz nur bedingt praktikabel.

    Das bringt uns zu einer unbequemen Frage: Sollten wir uns nicht mehr darauf konzentrieren, die Verschmutzung an der Quelle zu stoppen, anstatt später verzweifelt zu versuchen, das Wasser zu reinigen? Prävention ist hier der Schlüssel – und sie erfordert strengere Regulierungen, den Verzicht auf gefährliche Chemikalien und mehr Transparenz seitens der Industrie.

    Was können wir jetzt tun?

    Die gute Nachricht: Wir sind nicht völlig machtlos. Auf individueller Ebene können Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Einfluss geltend machen, indem sie Produkte meiden, die PFAS enthalten – etwa beschichtete Pfannen, wasserabweisende Kleidung oder bestimmte Kosmetika. Auf politischer Ebene braucht es jedoch mutige Entscheidungen. Die Europäische Union hat bereits erste Schritte unternommen, indem sie einige PFAS verboten und strenge Grenzwerte für andere festgelegt hat. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Es ist an der Zeit, dass Regierungen, Unternehmen und Bürger gemeinsam handeln. Wir müssen den Druck erhöhen, die Forschung vorantreiben und die Forderung nach sauberem Wasser als Grundrecht für alle laut und deutlich machen.

    Ein Weckruf an uns alle

    Letztendlich zeigt die TFA-Studie eines ganz klar: Unsere Beziehung zur Umwelt ist aus dem Gleichgewicht geraten. Chemikalien wie PFAS sind ein Produkt unserer modernen Lebensweise – eine Lebensweise, die oft bequem ist, aber selten nachhaltig. Wenn wir uns jetzt nicht umstellen, zahlen wir am Ende einen hohen Preis. Und ist das bisschen Bequemlichkeit wirklich all die Risiken wert?

    Vielleicht sollten wir uns die Frage stellen: Möchten wir die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen, mit „ewigen Schadstoffen“ füllen – oder mit Hoffnung, sauberem Wasser und einer gesunden Umwelt? Die Antwort liegt in unseren Händen.

  • Trinkwasser-Krise im Gers: Wie giftige Plastikleitungen das Leben der Bewohner belasten

    Trinkwasser-Krise im Gers: Wie giftige Plastikleitungen das Leben der Bewohner belasten

    Stellen Sie sich vor, Sie können das Wasser aus Ihrem eigenen Wasserhahn nicht trinken – nicht, weil es unappetitlich aussieht oder schlecht schmeckt, sondern weil es potenziell lebensgefährlich ist. Genau das ist die Realität für viele Bewohner kleiner Gemeinden im Gers, einer Region im Südwesten Frankreichs. Schuld daran ist eine kaum bekannte, aber äußerst besorgniserregende Verschmutzung durch Chlorid-Vinyl-Monomer (CVM), einen hochgiftigen Stoff, der durch alte Plastikleitungen freigesetzt wird.

    Das unsichtbare Gift in den Leitungen

    Die Bewohner von Dörfern wie Sérempuy haben ihre Routine längst angepasst. Statt den Wasserhahn aufzudrehen, greifen sie täglich zu Wasserflaschen. Doch warum eigentlich? Die Antwort liegt in den PVC-Leitungen, die vor 1980 verbaut wurden. Diese Rohre, die damals als technologische Innovation galten, entpuppen sich heute als tickende Zeitbombe. Durch chemische Prozesse setzen sie CVM frei – ein krebserregendes Gas, das vor allem in den sogenannten „Netzende“ der Wasserversorgung in kleinen, abgelegenen Gemeinden in höherer Konzentration vorkommt.

    CVM hat einen besonders schlechten Ruf in der Wissenschaft: Es ist eine bekannte Ursache für aggressive Leberkrebserkrankungen, die oft tödlich verlaufen. Das Problem bleibt jedoch unsichtbar. Das Wasser sieht klar aus, es riecht nicht, und ohne spezielle Tests lässt sich die Kontamination nicht feststellen. Wie fühlt es sich wohl an, täglich Wasser aus einer Leitung zu nutzen, die potenziell giftig ist – selbst, wenn es nur für die Dusche oder die Wäsche ist?

    Ein Brief, der Leben veränderte

    Für eine Bewohnerin von Sérempuy kam der Schock 2023 per Post. Ihr Wasserversorger informierte sie schriftlich darüber, dass das Leitungswasser in ihrer Region mit CVM belastet ist. Es war nicht nur eine Warnung, sondern eine Anweisung: Das Trinkwasser darf nicht mehr konsumiert werden. Kein Kochen, kein Trinken – nichts. Man stelle sich vor, was für eine Nachricht das für jemanden bedeutet, der seit Jahrzehnten auf das Wasser aus dem Hahn vertraut hat.

    Wie kam es zu diesem Desaster? Die Antwort ist simpel: veraltete Infrastruktur und ein chronischer Mangel an finanziellen Mitteln. In vielen kleinen Gemeinden, die oft am Ende des Wassernetzes liegen, sind die PVC-Leitungen über 40 Jahre alt und längst nicht mehr sicher. Aber sie zu ersetzen, ist leichter gesagt als getan.

    Finanzielle Sackgasse: Warum passiert nichts?

    „Wir haben schlicht kein Budget dafür“, sagt Michel Fourreau, Bürgermeister von Saint-Antonin im Gers, mit einer resignierten Ehrlichkeit, die gleichzeitig Frustration und Hilflosigkeit spüren lässt. Die Verantwortung für die Wasserleitungen liegt bei den kommunalen Wasserversorgern – und damit oft direkt bei den Bürgermeistern. Doch was können kleine Dörfer mit ohnehin knappen Haushaltskassen tun, wenn der Austausch der Leitungen mehrere hunderttausend Euro kostet?

    Die Lage ist verzwickt: Ohne finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite oder regionalen Behörden gibt es kaum Hoffnung auf eine Lösung. Die betroffenen Gemeinden kämpfen bereits mit sinkenden Bevölkerungszahlen, alternder Infrastruktur und einer unzureichenden Unterstützung auf höherer politischer Ebene. CVM ist nicht das einzige Problem, aber ein besonders gefährliches. Und hier stellt sich die Frage: Wie viele Menschenleben müssen noch gefährdet werden, bevor ernsthaft gehandelt wird?

    Ein flächendeckendes Problem

    Das Gers ist kein Einzelfall. Ähnliche Situationen gibt es auch in anderen ländlichen Regionen Frankreichs – und nicht nur dort. Das Problem mit PVC-Leitungen ist ein globales. In vielen Ländern wurden diese Materialien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als kostengünstige Alternative zu Metallrohren eingesetzt. Die Langlebigkeit, die man ihnen damals zuschrieb, war ein Trugschluss: Stattdessen altert das Material, wird spröde und gibt gefährliche Stoffe an das Trinkwasser ab.

    Die Situation zeigt, wie dringend der Ausbau und die Erneuerung von Infrastruktur in ländlichen Gebieten ist – und wie sehr der Klimawandel und die Umweltkrise bestehende Probleme verschärfen. Durch extremere Wetterbedingungen wie längere Trockenperioden oder plötzliche Starkregenereignisse wird die Belastung für Wasserversorgungssysteme immer größer. Ein marodes Rohrsystem ist da eine tickende Zeitbombe.

    Wer trägt die Verantwortung?

    Die Diskussion um Verantwortlichkeiten bleibt kompliziert. Einerseits haben die Gemeinden die rechtliche Pflicht, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten. Andererseits fehlt ihnen oft das Geld, um notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Sollten also nicht Bund oder EU eingreifen und finanzielle Mittel bereitstellen? Schließlich betrifft das Problem nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch grundlegende soziale Gerechtigkeit: Niemand sollte in einem Land wie Frankreich gezwungen sein, gefährliches Wasser zu nutzen, nur weil er in einer ländlichen Gegend lebt.

    Mögliche Lösungen

    Es gibt Licht am Ende des Tunnels – zumindest theoretisch. In Frankreich werden aktuell verschiedene Förderprogramme für die Sanierung kommunaler Infrastruktur geprüft. Diese könnten auch die Erneuerung von Trinkwasserleitungen einschließen. Doch es bleibt die Frage, wie schnell solche Mittel bewilligt werden und ob sie tatsächlich bis zu den kleinen Gemeinden durchdringen.

    Ein weiterer Ansatz ist die Entwicklung neuer Technologien, die es ermöglichen, belastete Leitungen gezielt zu reinigen oder von innen zu versiegeln. Solche Verfahren sind zwar noch in der Entwicklung, könnten aber eine kostengünstigere Alternative zu einem kompletten Austausch der Rohre sein.

    Und die Menschen?

    Während auf politischer Ebene diskutiert und geplant wird, bleibt der Alltag der Betroffenen unverändert. Sie schleppen weiterhin Wasserflaschen nach Hause, leben mit der Unsicherheit, ob das Problem jemals gelöst wird, und fragen sich, ob ihre Gesundheit bereits in der Vergangenheit geschädigt wurde.

    Am Ende zeigt diese Geschichte, wie sehr sich die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land auch in grundlegenden Bereichen wie der Wasserversorgung manifestieren. Es ist ein Weckruf – für Frankreich und für andere Länder –, dass die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung nicht länger ignoriert werden dürfen.

    Denn mal ehrlich: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie plötzlich Ihrem Wasserhahn nicht mehr vertrauen könnten? Es ist eine Frage, die niemand ignorieren sollte.

  • Trinkwasserverbot in 15 Städten der Region Seine-Maritime

    Trinkwasserverbot in 15 Städten der Region Seine-Maritime

    In der Normandie sorgt eine Wasserkrise für erhebliche Einschränkungen. In rund 15 Städten der Region Seine-Maritime ist das Leitungswasser seit dem 19. November als ungenießbar eingestuft worden. Mehr als 4.000 Einwohner sind betroffen. Grund für die Warnung sind Verunreinigungen durch Schlamm- und Tonpartikel, die nach starken Regenfällen in das Wassersystem gelangten.

    Was ist passiert?

    Die schweren Regenfälle der vergangenen Tage haben das Trinkwassersystem in Teilen der Seine-Maritime stark beeinträchtigt. Im betroffenen Gebiet, insbesondere im Sektor Longueville sowie Teilen der Agglomeration der Region Dieppe, führte die Verschmutzung zu einer erhöhten Trübung des Wassers in einem zentralen Reservoir. Die Agence Régionale de Santé (ARS) erklärte, dass diese Trübung das Risiko einer mikrobiellen Verunreinigung birgt, weshalb das Wasser für den menschlichen Verzehr ungeeignet sei.

    Was bedeutet das für die Bewohner?

    Die ARS hat klare Anweisungen gegeben: Das Leitungswasser darf bis auf Weiteres weder getrunken noch für folgende Zwecke verwendet werden:

    • Zubereitung von Speisen oder Getränken
    • Zähneputzen
    • Reinigung von Babyflaschen oder Lebensmitteln
    • Herstellung von Eiswürfeln

    Für die Körperhygiene – Duschen oder Händewaschen – sowie die Toilettenspülung kann das Wasser jedoch bedenkenlos genutzt werden.

    Wie wird die Bevölkerung informiert?

    Die betroffenen Haushalte werden direkt von den lokalen Behörden oder den Betreibern des Wassernetzes informiert. Zudem wird regelmäßig über die Entwicklung der Lage berichtet. Um die Versorgung sicherzustellen, werden an zentralen Orten Wasserflaschen kostenlos verteilt. Die Behörden betonen, dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation so schnell wie möglich zu normalisieren.

    Wie kommt es zu solchen Vorfällen?

    Starke Regenfälle können in kurzer Zeit erhebliche Mengen an Sedimenten und organischem Material in das Wasserversorgungssystem spülen. Besonders in ländlichen Gegenden, wo das System weniger robust ist, können solche Wetterphänomene die Wasserqualität beeinträchtigen. Die Trübung des Wassers erschwert die Filtration und erhöht das Risiko, dass Mikroorganismen in die Wasserversorgung gelangen.

    Ein weiterer Faktor ist die Infrastruktur. Ältere Wasserreservoirs und -leitungen sind oft anfälliger für solche Probleme. Dies macht die regelmäßige Wartung und Modernisierung der Systeme zu einem wichtigen Thema für viele Gemeinden.

    Wie lange dauert die Sperre?

    Ein genaues Ende des Trinkwasserverbots ist bislang nicht absehbar. Die ARS und die Verantwortlichen vor Ort arbeiten mit Hochdruck daran, die Wasserqualität zu überprüfen und zu sichern. Tests werden regelmäßig durchgeführt, um den Fortschritt zu überwachen. Sobald das Wasser wieder den erforderlichen Standards entspricht, wird die Bevölkerung informiert.

    Was können Bewohner tun?

    Neben der Nutzung von bereitgestellten Wasserflaschen können Bewohner Vorsichtsmaßnahmen treffen, um den Alltag zu erleichtern:

    • Vorräte an abgefülltem Wasser kaufen, falls nötig.
    • Leitungswasser vor der Nutzung abkochen, falls keine Alternative vorhanden ist.
    • Auf Anweisungen der Behörden achten, um die eigene Gesundheit zu schützen.

    Ein Weckruf für die Region

    Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, wie empfindlich unsere Wasserversorgung gegenüber Umweltveränderungen sein kann. In Zeiten zunehmender Wetterextreme könnten solche Ereignisse häufiger werden. Die Gemeinden der Seine-Maritime stehen vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen, um zukünftige Zwischenfälle zu verhindern.

    Die Sicherheit des Trinkwassers ist ein fundamentales Gut – und wenn es ausfällt, wird schnell klar, wie sehr wir im Alltag darauf angewiesen sind.

  • Durban-Corbières: Das Dorf ohne Wasser

    Durban-Corbières: Das Dorf ohne Wasser

    Die anhaltende Trockenheit hat weite Teile des Departements Aude, einer Region in Südfrankreich, fest im Griff. Besonders hart trifft es das kleine Dorf Durban-Corbières, wo die Bewohner mittlerweile vollständig von Wasserlieferungen per Lastwagen abhängig sind.

    Man stelle sich vor: Ein ganzes Dorf, das auf Wasser angewiesen ist, das täglich per LKW anrollt. Es ist eine außergewöhnliche Situation, die für viele außerhalb der Region kaum vorstellbar erscheint. Doch für die Einwohner von Durban-Corbières ist es mittlerweile trauriger Alltag. „Wir bekommen jeden Tag 90.000 Liter Wasser, verteilt auf vier Fahrten“, erklärt Christopher Piquer, einer der Fahrer der Tanklastwagen, die seit drei Monaten im Dauereinsatz sind.

    Haare waschen unter Zeitdruck

    Inmitten dieser Krise gibt es auch Menschen, die versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Adeline Rendon, die in einem Friseursalon im Dorf arbeitet, beschreibt die Herausforderungen ihres Arbeitsalltags. „Wir dürfen das Wasser bis 17 Uhr benutzen, danach wird es abgestellt“, sagt sie. Dass sie inzwischen sogar bis 19 Uhr arbeiten kann, sieht sie als „Glück im Unglück“. Diese zusätzlichen Stunden ermöglichen es ihr, ihre Kundschaft ohne allzu große Einschränkungen zu bedienen. Doch wer hätte gedacht, dass so etwas wie fließendes Wasser einmal als Glücksfall betrachtet werden würde?

    Die Situation ist besonders brisant, weil Durban-Corbières – wie viele Dörfer in der Region – traditionell von der Landwirtschaft geprägt ist. Die Trockenheit trifft die Winzer zur Erntezeit besonders hart. In dieser Phase wird jede Ausnahme, jede Möglichkeit, doch noch auf Wasser zugreifen zu können, intensiv genutzt.

    Trockenheit ohne Ende in Sicht

    Doch das wahre Ausmaß der Katastrophe zeigt sich in den Statistiken. Die Region hat in den letzten Wochen kaum nennenswerte Niederschläge verzeichnet. Seit Monaten warten die Menschen vergeblich auf den Regen – was diese Dürre zur schlimmsten macht, die viele jemals erlebt haben.

    „So etwas haben wir hier noch nie gesehen“, sagen viele Bewohner, die sich an früher erinnern, als das Wasserproblem noch kein Thema war. Doch nun, da die Quellen ausgetrocknet sind und die Grundwasserspiegel rapide sinken, steht die Gemeinde vor einer existenziellen Herausforderung.

    Wasser wird zum Luxusgut

    In vielen anderen Regionen der Welt scheint Wasser so selbstverständlich zu sein, dass man es für gegeben hält. Aber was passiert, wenn es plötzlich nicht mehr da ist? In Durban-Corbières, wo jeder Tropfen kostbar ist, spüren die Menschen, wie abhängig sie von diesem lebenswichtigen Element sind.

    Doch was sind die langfristigen Lösungen? Tanklastwagen können nicht auf Dauer die einzige Antwort sein. Die lokalen Behörden suchen nach Alternativen, doch bislang gibt es keine nachhaltige Lösung. Man spricht über den Ausbau von Wasserinfrastrukturen und die Möglichkeit, Wasser von anderen Regionen umzuleiten, doch solche Projekte brauchen Zeit – und Geld.

    Die Landwirtschaft in Gefahr

    Für die vielen Winzer und Landwirte in der Region ist die Lage besonders kritisch. Die Weinernte, die normalerweise eine Zeit des Feierns und Erfolgs ist, wird in diesem Jahr von Sorgen überschattet. Ohne genügend Wasser sind die Reben geschwächt, und viele Landwirte fürchten um ihre Existenz. „Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung“, sagt einer der Winzer. „Wenn es weiterhin so trocken bleibt, wird das für viele von uns das Aus bedeuten.“

    Die Lage in Durban-Corbières ist ein Weckruf – nicht nur für Frankreich, sondern für die ganze Welt. Wasser, das oft als unendliche Ressource betrachtet wird, ist in Wirklichkeit begrenzt. Klimawandel, extreme Wetterbedingungen und schlechte Wassermanagement-Politik verschärfen die Situation weltweit. Durban-Corbières ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie drastisch die Folgen sein können.

    Wie geht es weiter?

    Die Menschen in Durban-Corbières leben in einer Realität, die für viele unvorstellbar ist – ohne fließendes Wasser, abhängig von Tanklastwagen und den Launen der Natur. Doch wie lange kann das noch gutgehen? Solange der Regen ausbleibt und keine nachhaltigen Lösungen gefunden werden, bleibt das Leben im Dorf eine ständige Herausforderung.

    Ein Dorf ohne Wasser – das ist eine Vorstellung, die einem fast surreal vorkommt. Aber in Durban-Corbières ist es bittere Realität. Es zeigt, wie verwundbar selbst eine moderne Gesellschaft sein kann, wenn eine so grundlegende Ressource wie Wasser knapp wird.

  • Vaudesson: Ein Jahr ohne Trinkwasser – Das Leben in einer Gemeinde ohne sauberes Wasser

    Vaudesson: Ein Jahr ohne Trinkwasser – Das Leben in einer Gemeinde ohne sauberes Wasser

    Seit über einem Jahr müssen die Bewohner der kleinen Gemeinde Vaudesson im Département Aisne ohne Trinkwasser auskommen. Ein Präfektur-Erlass verbietet die Nutzung des Leitungswassers aufgrund einer Kontamination mit gefährlichen Pestiziden. Was zunächst wie ein vorübergehendes Problem wirkte, hat sich inzwischen zu einem langanhaltenden Albtraum entwickelt.

    Der Alltag in Vaudesson – Eine neue Routine

    Anaïs Wurtz und ihre Familie haben sich in den letzten Monaten an eine neue, ungewöhnliche Routine gewöhnt. „Jeden Tag muss ich in den Keller, um Wasserflaschen zu holen – für alles: Kochen, Kaffee machen, Zähne putzen der Kinder“, erzählt sie. Es klingt fast wie aus einem schlechten Film, ist aber die bittere Realität in Vaudesson. Seit Juli 2023 dürfen die rund 250 Einwohner der Gemeinde das Wasser aus dem Hahn nicht mehr konsumieren. Die regionale Gesundheitsbehörde hat ein gefährliches Pestizid im Wasser entdeckt, das potenziell gesundheitsschädlich ist.

    Ein teurer Notstand

    Die Ironie an der ganzen Geschichte: Trotz der Wasserprobleme sind die Kosten für das Wasser fast doppelt so hoch wie zuvor. Anaïs Wurtz berichtet: „Früher habe ich 1,25 Euro pro Kubikmeter Wasser bezahlt. Seit der Abrechnung des ersten Halbjahres 2024 liegt der Preis bei 2,40 Euro pro Kubikmeter – und ich kann es immer noch nicht nutzen.“ Eine bittere Pille für die Bewohner, die nicht nur mit der Einschränkung leben, sondern auch noch tiefer in die Tasche greifen müssen.

    Der Bürgermeister von Vaudesson, Christian Mériaux, hat in den ersten drei Monaten nach dem Verbot die Kosten für Flaschenwasser übernommen. Doch das war nur eine kurzfristige Lösung. Jetzt steht den Einwohnern eine weitere Notlösung zur Verfügung: Eine zentrale Wasserzapfstelle, an der sie sich kostenlos mit Wasser versorgen können. Klingt gut, oder? Der Haken daran – sie ist drei Kilometer vom Dorf entfernt und nur einmal am Tag zugänglich. Wer also kein Auto hat oder nicht mobil ist, hat ein echtes Problem.

    Die Suche nach einer langfristigen Lösung

    Es wird offensichtlich: Eine dauerhafte Lösung muss her. Bürgermeister Mériaux hat einen Plan – den Anschluss der Gemeinde an ein sicheres Trinkwassernetz. Doch hier kommt das nächste Problem: Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 400.000 Euro. Für eine Gemeinde mit gerade mal 250 Einwohnern ist das eine gewaltige Summe.

    Die Frage ist: Wie lange kann das Dorf diese Situation noch ertragen? Wird eine dauerhafte Lösung gefunden, bevor die Geduld der Bewohner endgültig erschöpft ist? Solche Fragen brennen unter den Nägeln.

    Warten auf Unterstützung

    Es bleibt die Hoffnung, dass staatliche Unterstützung oder vielleicht ein Zuschuss aus einem Hilfsfonds Abhilfe schaffen können. Für die Bewohner von Vaudesson ist dies mehr als nur eine Frage des Komforts – es geht um ihre Lebensqualität, ihre Gesundheit und letztendlich auch um Gerechtigkeit. Niemand sollte in einer modernen Gesellschaft gezwungen sein, ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser zu leben.

    In einer Zeit, in der Umwelt- und Gesundheitsthemen immer stärker in den Fokus rücken, zeigt das Beispiel von Vaudesson auf drastische Weise, wie wichtig der Zugang zu sauberem Wasser ist. Es wird Zeit, dass sich eine Lösung abzeichnet – bevor der Alltag für die Menschen dort noch unerträglicher wird.

  • Trockene Zeiten in Durban-Corbières: Wassernotstand zwingt Bewohner zum Umdenken

    Trockene Zeiten in Durban-Corbières: Wassernotstand zwingt Bewohner zum Umdenken

    Durban-Corbières, ein malerisches Dorf im Département Aude, ist ein Ort, der derzeit besonders stark unter der Dürre leidet. Seit einem Monat kämpfen die Bewohner mit harten Wasserbeschränkungen – von 14 Uhr bis 6 Uhr morgens bleibt der Wasserhahn trocken. Eine drastische Maßnahme, die die Gemeinde jedoch aufgrund der erschreckend niedrigen Grundwasserspiegel ergreifen musste.

    In vielen Häusern herrscht daher eine Art Ausnahmezustand. Bei einer Familie, die momentan elf Personen unter einem Dach beherbergt, hat man sich mit improvisierten Duschlösungen beholfen, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. Das tägliche Leben muss an die neuen Gegebenheiten angepasst werden – Wäsche waschen, Duschen und Geschirrspülen werden zur logistischen Herausforderung.

    Der harte Alltag der Einwohner und Unternehmer

    Die Einschränkungen betreffen jedoch nicht nur den privaten Haushalt, sondern bringen auch die lokale Wirtschaft ins Wanken. Eine Friseurin im Ort berichtet von erheblichen Schwierigkeiten, ihren Betrieb unter diesen Bedingungen aufrechtzuerhalten. „Wie soll man Haare waschen ohne Wasser?“ – Eine Frage, die mehr als nur einen Funken Verzweiflung in sich trägt.

    Das Dorf ist mittlerweile fast daran gewöhnt, mit Wassermangel zu leben. Bereits das dritte Mal in vier Jahren sind die Bewohner in der Sommerzeit mit solchen Restriktionen konfrontiert. Doch diesmal ist es anders. Die Touristen, die normalerweise das Dorf mit Leben füllen, bleiben aus. Ein Inhaber einer Pension erzählt, dass allein im letzten Monat rund dreißig Reservierungen storniert wurden. Ein massiver Schlag für eine Region, die auf den Tourismus angewiesen ist.

    Die Zukunft bleibt ungewiss

    Die Hoffnung auf baldige Besserung ist gering. Zwar sind für die kommenden Tage vereinzelte Regenfälle vorhergesagt, doch die Menge reicht bei weitem nicht aus, um die Lage entscheidend zu verbessern. Die Einwohner müssen sich darauf einstellen, dass die Wasserrationierungen mindestens bis Ende August andauern.

    Doch was passiert, wenn der Regen weiterhin ausbleibt? Kann eine Region, die so stark von Landwirtschaft und Tourismus abhängt, langfristig überleben, wenn der Wasserhahn immer häufiger zugedreht bleibt? Das Schicksal von Durban-Corbières wirft die Frage auf, wie widerstandsfähig kleine Gemeinden in Zeiten des Klimawandels wirklich sind.

    Solidarität in der Krise

    Trotz aller Widrigkeiten zeigen die Bewohner von Durban-Corbières bemerkenswerte Solidarität. In dieser schwierigen Zeit rücken sie enger zusammen, helfen sich gegenseitig mit Wasser und Unterstützung. Es gibt spontane Initiativen, um Wasservorräte besser zu verteilen und besonders Bedürftigen zu helfen. Die Gemeinde hat sogar begonnen, über nachhaltige Lösungen nachzudenken, um zukünftige Krisen besser bewältigen zu können – etwa durch den Ausbau von Regenwasserspeichern oder die Nutzung von Grauwasser.

    Ein Weckruf für alle

    Der Wassermangel in Durban-Corbières ist mehr als nur ein regionales Problem – er ist ein Weckruf. Ein Weckruf an uns alle, über unsere Wasserressourcen nachzudenken und bewusster mit ihnen umzugehen. Es zeigt, wie schnell sich das Leben durch die Auswirkungen des Klimawandels ändern kann. Und es erinnert uns daran, dass wir handeln müssen, bevor es zu spät ist.

    Durban-Corbières steht stellvertretend für viele andere Orte, die sich in naher Zukunft ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. Die Frage ist nicht mehr, ob es uns treffen wird, sondern wann – und ob wir darauf vorbereitet sind.

  • Umwelt: „Die Hälfte des von Franzosen verbrauchten Wassers wird importiert“

    Umwelt: „Die Hälfte des von Franzosen verbrauchten Wassers wird importiert“

    Wasser und sein Verbrauch haben auch einen erheblichen Einfluss auf das Klima. Dies gilt insbesondere für Frankreich, wie Quentin Ghesquière, Mitautor des Oxfam-Berichts „Der Durst nach Profit“, und Simon Porcher, Professor für Managementwissenschaften an der Universität Paris Panthéon-Assas, am Freitag, 22. März, auf dem Sender Franceinfo erläuterten.

    Die verborgene Wasserbelastung Frankreichs

    Was machen die Franzosen mit dem Wasser, das sie verbrauchen, und wie steht es um das Management der Wasserressourcen? Quentin Ghesquière, Klima-Advokacy-Beauftragter und Mitautor des Oxfam-Berichts „Der Durst nach Profit“, erläuterte, dass ähnlich wie der CO2-Fußabdruck auch ein „Wasser-Fußabdruck“ aufgestellt werden solle. „Die Hälfte des von den Franzosen verbrauchten Wassers wird importiert“, so Ghesquière, mit einem Verbrauch von durchschnittlich „4.900 Litern pro Tag“ pro Franzose.

    Veränderung der Verbrauchsgewohnheiten ist notwendig

    Kann in Bezug auf den Wasserverbrauch mehr getan werden? „Wenn man den Tagesverbrauch in Litern betrachtet, verbrauchen Amerikaner und Australier drei Mal mehr Wasser als wir“, hebt Simon Porcher hervor. „Allerdings müssen, wie alle Bewohner industrialisierter Länder, auch wir unseren Speiseplan und unsere Konsumgewohnheiten etwas ändern“, fügt der Wissenschaftler hinzu.

    Die Bedeutung von Bewusstsein und Aktion

    Diese Einblicke in Frankreichs „Wasser-Fußabdruck“ und den globalen Wasserverbrauch werfen Licht auf die dringende Notwendigkeit, unsere Verbrauchsgewohnheiten zu überdenken. Die Aussage, dass die Hälfte des Wassers, das von den Franzosen verbraucht wird, importiert wird, unterstreicht die globale Dimension der Wasserressourcen-Verwaltung und die Verbindung zwischen lokalem Konsum und weltweiten Wasservorräten. In einer Zeit, in der die Ressourcen des Planeten immer knapper werden, ist es wichtiger denn je, bewusster zu konsumieren und Maßnahmen zu ergreifen, um sowohl unseren Wasser- als auch unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Dieser Bericht von Oxfam zeigt deutlich, dass Veränderungen im individuellen Verhalten und in den politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um eine nachhaltigere und gerechtere Welt zu schaffen.

  • PFAS: Studie findet „Ewige Schadstoffe“ bei 94% der getesteten Personen

    PFAS: Studie findet „Ewige Schadstoffe“ bei 94% der getesteten Personen

    In einer von dem grünen Abgeordneten Nicolas Thierry geleiteten Kampagne wurden die Haare von 152 Personen analysiert. Bekannte Persönlichkeiten wie Nagui oder Mélanie Laurent nahmen daran teil. Ob zu Hause, bei den Nachbarn oder bei der Arbeit – PFAS sind überall. Nach einer sieben Monate dauernden Analysekampagne in ganz Frankreich meldete der grüne Abgeordnete Nicolas Thierry am Donnerstag, dem 21. März, dass 94% der getesteten Personen Rückstände von mindestens einer Substanz aus der Gruppe der Perfluoralkyl- und Polyfluoralkylstoffe aufweisen, auch bekannt als „ewige Schadstoffe“. Im Rahmen dieser Kampagne wurden die Haare von 152 Personen auf die Anwesenheit von 12 PFAS in zwölf geografischen Gebieten untersucht. PFOA, das seit 2009 verboten ist, und PFOS, das seit 2020 verboten ist, wurden in mehr als 60% der Fälle gefunden. Beide Substanzen sind vom Internationalen Krebsforschungszentrum als eindeutig krebserregend eingestuft. „Im Durchschnitt hat jede Person 2,5 PFAS in ihrem …

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  • Lyon im Kampf gegen „ewige Schadstoffe“: Rechtliche Schritte gegen Umweltverschmutzer

    Lyon im Kampf gegen „ewige Schadstoffe“: Rechtliche Schritte gegen Umweltverschmutzer

    Die Metropole Lyon hat einen entscheidenden Schritt unternommen, um gegen die Verschmutzung durch sogenannte „ewige Schadstoffe“ vorzugehen, indem sie rechtliche Schritte gegen die Industrieunternehmen Arkema und Daikin eingeleitet hat. Diese Aktion markiert einen wichtigen Moment im Kampf gegen eine der hartnäckigsten Formen der Umweltverschmutzung: die Kontamination durch PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen).

    Im Januar teiltze die regionale Gesundheitsbehörde mit, dass das Trinkwasser, das von 166.000 Bewohnern der Region Auvergne-Rhône-Alpes täglich konsumiert wird, PFAS in einer Konzentration enthält, die über dem europäischen Referenzwert liegt. Diese Stoffe, die in vielen industriellen Prozessen und Produkten verwendet werden, sind aufgrund ihrer Langlebigkeit und der Tendenz, sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anzusammeln, als „ewige Schadstoffe“ bekannt.

    Die Besorgnis über die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Chemikalien ist nicht unbegründet. Erste Studien deuten darauf hin, dass eine langfristige Exposition gegenüber PFAS die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und bestimmte Krebsarten begünstigen könnte. Diese Stoffe sind fast unzerstörbar und reichern sich mit der Zeit in der Umwelt an, was sie zu einer dauerhaften Bedrohung für Ökosysteme und die menschliche Gesundheit macht.

    Die Metropole Lyon hat nun Arkema und Daikin vor Gericht gebracht, in der Hoffnung, das „Verursacherprinzip“ durchzusetzen und die Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Diese rechtliche Auseinandersetzung könnte eine entscheidende Rolle dabei spielen, die finanzielle Last der notwendigen Sanierungsarbeiten auf die Verursacher der Verschmutzung zu übertragen. Die geschätzten Kosten für die notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung der Trinkwasservorschriften belaufen sich allein für die Metropolregion Lyon auf 5 bis 10 Millionen Euro.

    Dieser Fall in Lyon ist beispielhaft für ein wachsendes globales Bewusstsein für die Gefahren von PFAS. In den USA haben Sammelklagen gegen Industrieunternehmen zu milliardenschweren Vergleichen geführt, die die Schwere und den Umfang der durch PFAS verursachten Umweltschäden anerkennen. Die französische Regierung hat ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um ihre Reaktion auf die zunehmenden Bedenken hinsichtlich PFAS zu strukturieren und die Einhaltung europäischer Richtlinien zu gewährleisten.

    Der Fall der Metropole Lyon gegen Arkema und Daikin unterstreicht die dringende Notwendigkeit, gegen die Verbreitung von PFAS und anderen dauerhaften Umweltschadstoffen vorzugehen. Während die rechtlichen Herausforderungen komplex sind, ist die Botschaft klar: Umweltverschmutzer müssen zur Rechenschaft gezogen werden, und die Gesundheit der Bevölkerung sowie der Schutz der Umwelt müssen Vorrang haben.