Schlagwort: Südfrankreich

  • Bremsen oder büßen: Wie Nizza gegen die Raserei auf der Promenade des Anglais vorgeht

    Bremsen oder büßen: Wie Nizza gegen die Raserei auf der Promenade des Anglais vorgeht

    Ein Frühlingstag an der Côte d’Azur. Sonnenbrille auf, der Blick schweift über das glitzernde Mittelmeer. Doch statt dem leisen Rauschen der Wellen hört man plötzlich quietschende Reifen – dann Schreie. Ein weiteres Opfer auf der berühmten Promenade des Anglais. Es sind genau diese Bilder, die die Behörden von Nizza nicht länger hinnehmen wollen. Jetzt zieht die Stadt die Reißleine. Ab sofort gilt: Wer auf der Promenade mit über 100 km/h geblitzt wird – also doppelt so schnell wie erlaubt –, wird nicht mehr einfach nur zur Kasse gebeten. Nein, er oder sie landet in Polizeigewahrsam. Der Vorwurf: Gefährdung des Lebens anderer. Ein harter Schritt? Vielleicht. Aber ein überfälliger.

    Denn die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Innerhalb von nur sieben Wochen registrierte ein neu installierter Radar über 3.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen. Und das ist nur ein Abschnitt dieser kilometerlangen, schnurgeraden Küstenstraße. Für…

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  • Feuer am Horizont – Südfrankreichs Wälder in akuter Gefahr

    Feuer am Horizont – Südfrankreichs Wälder in akuter Gefahr

    Der Sommer 2025 schreibt ein brennendes Kapitel – wortwörtlich. In den Bouches-du-Rhône, einem der sonnenverwöhnten Departements Südfrankreichs, herrscht Alarmstufe Rot: Binnen eines Tages wurden außerhalb Marseilles rund dreißig kleine Waldbrände gemeldet. Eine Zahl, die weniger schockiert als erschüttert. Denn sie offenbart, wie zerbrechlich dieses mediterrane Paradies geworden ist – angesichts von Hitze, Trockenheit und Wind, die wie Brandbeschleuniger wirken. Rote Karte für den Sommer Météo-France zieht die Reißleine. Am Mittwoch, den 16. Juli, wurde für das Departement Bouches-du-Rhône sowie die Nachbardepartements Var und Vaucluse die höchste Warnstufe ausgegeben – rote Vigilanz. Diese Einstufung ist kein bürokratischer Reflex, sondern Ausdruck einer explosiven Lage. Temperaturen weit über 35 Grad, kaum messbare Luftfeuchtigkeit und der gefürchtete Mistral, der mit bis zu 80 km/h durch die Region peitscht – das ist das Rezept für eine Katastrophe. Dutzende Flammenherde – außerhal…

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  • Unwetter in Okzitanien: Wenn der Sommer zur Sintflut wird

    Unwetter in Okzitanien: Wenn der Sommer zur Sintflut wird

    Ein Samstag wie aus dem Albtraumhandbuch des Wetters: Am 12. Juli 2025 verwandelte sich die Urlaubsidylle im Südwesten Frankreichs in eine Bühne dramatischer Naturgewalten. Binnen weniger Stunden brach über die Départements Aude und Pyrénées-Orientales ein Unwetter herein, das selbst für erfahrene Meteorologen überraschend kam – und das die drängende Frage aufwirft: Wie lange können Regionen wie diese dem Klimawandel noch standhalten?

    Himmel in Aufruhr

    Am frühen Nachmittag begann es – erst ein Grollen, dann ein Donnergrollen, das nicht mehr aufhören wollte. Über Ille-sur-Têt prasselten 88 Millimeter (Liter pro m2) Regen, mehr als das Dreifache dessen, was im gesamten Juli normalerweise fällt. Im nur wenige Kilometer entfernten Perthus waren es sogar 93 Millimeter. Die Straßen? Verwandelten sich in reißende Ströme.

    Ribouisse im Aude erwischte es ebenfalls: 42 Millimeter Niederschlag in kürzester Zeit – genug, um das Kanalsystem kollabieren zu lassen. In Saint-Cyprien und Estagel wateten Menschen knietief durch das Wasser, manche Häuser standen bis zum Erdgeschoss unter Wasser. Blitze zuckten – und das nicht zu knapp: Über 5.500 Einschläge registrierte das Unwetterbeobachtungsnetz Keraunos in nur einer Stunde. Ein apokalyptisches Szenario.

    Regen, der alles mitriss

    Météo-France hatte früh gewarnt. Die Region war auf „Vigilance Orange“ gesetzt worden, eine Alarmstufe, die für Starkregen und Gewitter gilt. Ursache war eine sogenannte „goutte froide“ – eine kalte Luftmasse in der Höhe, die wie ein Magnet Gewitterzellen anzieht und sie förmlich über der Region festklebt. So entstehen punktuelle, aber umso heftigere Unwetter.

    Und tatsächlich: Die Folgen waren heftig. In Ille-sur-Têt mussten 21 Menschen ein Wohnhaus verlassen, nachdem Decken eingestürzt waren. Auf der A9 Richtung Spanien herrschte Stillstand – eine Autobahnauffahrt beim Boulou wurde gesperrt. Die Feuerwehr? Hatte kaum Zeit zum Durchatmen. Über 50 Einsätze allein in den Pyrénées-Orientales – meistens zum Abpumpen und Absichern. Und das alles – man muss es betonen – zum Glück ohne Tote.

    Ein gefährdetes Paradies

    Wer an Südfrankreich denkt, sieht Weinreben, Lavendelfelder und Sommerflair. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich eine empfindliche Struktur. Besonders das Département Aude ist hochgradig gefährdet: 41 Prozent aller Gebäude und über die Hälfte aller Arbeitsplätze liegen in Hochwasserrisikozonen. Ein Spiel mit dem Feuer – oder besser gesagt: mit dem Wasser.

    Zwar sind Unwetter im Herbst, sogenannte „épisodes cévenols“, bekannt – doch dass ein Juli derart ausartet, zeigt eine neue Dimension der Bedrohung. Erinnerungen an das Katastrophenjahr 2018 werden wach, als ebenfalls im Aude 15 Menschen ums Leben kamen. Damals hieß es: „So etwas darf nie wieder passieren.“ Jetzt fragt man sich: War das Versprechen nur Schall und Regen?

    Zeit für Plan B – oder besser: Plan Klimaresilienz

    Angesichts der wachsenden Bedrohung durch Extremwetter braucht es mehr als Sandsäcke und Sirenen. Es braucht ein Umdenken. Städte müssen anders geplant, Versiegelung reduziert und natürliche Überschwemmungsflächen geschützt werden. Und ja – auch die Menschen selbst müssen vorbereitet sein: durch Schulungen, Informationskampagnen, Bewusstseinsarbeit.

    Die gute Nachricht: Frankreich hat in den letzten Jahren viel in Frühwarnsysteme investiert. Der Umstand, dass trotz sintflutartiger Regenfälle niemand ums Leben kam, ist auch ein Verdienst funktionierender Warnketten. Aber das reicht nicht. Die Infrastruktur muss angepasst, die Bauweise überdacht, der Umgang mit Naturgewalten modernisiert werden.

    Ein Donnern, das wachrüttelt

    Was bleibt, ist ein Bild von Straßen, die sich in Bäche verwandeln, von Urlaubern, die ihre Flipflops gegen Gummistiefel tauschen mussten – und von einer Natur, die eindrucksvoll zeigt, wie klein der Mensch angesichts ihrer Kräfte ist.

    Und da steht sie, die alles entscheidende Frage: Wenn der Juli schon so beginnt – was erwartet uns dann erst im Herbst?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreich brennt: Diese Regionen sind am stärksten von Waldbränden bedroht

    Frankreich brennt: Diese Regionen sind am stärksten von Waldbränden bedroht

    Jeden Sommer kämpft Frankreich gegen lodernde Flammen, die ganze Landstriche verwüsten. Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Während der Süden traditionell die höchsten Risiken trägt, geraten nun auch bislang verschonte Regionen ins Visier des Feuers. Welche Gebiete sind besonders gefährdet – und wie verändert sich die Landkarte der Brandrisiken?

    Der Süden: Altbekanntes Brandgebiet

    Ein Erlass vom 6. Februar 2024 klassifizierte die Wälder und Forste von 24 Départements als hochgradig brandgefährdet. Darunter:

    Provence-Alpes-Côte d’Azur – Bouches-du-Rhône, Var, Vaucluse, Alpes-Maritimes, Alpes-de-Haute-Provence, Hautes-Alpes

    Occitanie – Gard, Hérault, Aude, Ariège, Aveyron, Lozère, Tarn, Pyrénées-Orientales, Hautes-Pyrénées

    Nouvelle-Aquitaine – Gironde, Landes, Dordogne, Lot, Lot-et-Garonne, Pyrénées-Atlantiques

    Auvergne-Rhône-Alpes – Ardèche, Drôme

    Korsika – Haute-Corse, Corse-du-Sud

    Hier treffen dichte, oft dürre Vegetation, sommerliche Hitze, Trockenheit und Wind aufeinander – ein Cocktail, der Waldbrände begünstigt wie Zunder.

    Doch das Feuer zieht nach Norden und Westen

    Das Risiko bleibt inzwischen aber längst nicht mehr auf den Mittelmeerraum beschränkt. 2025 wurde die Liste der gefährdeten Départements erneut ausgeweitet – diesmal auf Regionen, die man bisher kaum mit Feuersbrünsten verband: Charente, Cher, Eure, Indre-et-Loire, Loire, Loiret, Maine-et-Loire, Sarthe, Savoie, Deux-Sèvres, Tarn-et-Garonne und Vienne.

    Was heißt das? Ganz einfach: Der Waldbrand ist zum französischen Nationalproblem geworden.

    Bretagne – die neuen Flammeninseln

    Ein bitteres Erwachen erlebte die Bretagne im Sommer 2022, als Feuer in den Monts d’Arrée wüteten. Seitdem gelten 167 bretonische Kommunen als gefährdet:

    Côtes-d’Armor: 15
    Finistère: 42
    Ille-et-Vilaine: 60
    Morbihan: 49

    Besonders im Fokus stehen die Presqu’île de Crozon, die Monts d’Arrée, die Montagnes Noires, die Wälder um Rennes-Liffré-Corbière, der Brocéliande-Wald, die Landes de Lanvaux sowie der morbihanische Küstenstreifen rund um Auray.

    Brennpunkte: Gemeinden mit höchstem Risiko

    Manche Kommunen stechen in der Risikoliste hervor:

    Terssac (Tarn) – Gefährdet durch Waldbrand, ohne Präventionsplan.

    Carmaux (Tarn) – Gleiches Problem: Risiko ja, Schutzplan nein.

    Saliès (Tarn) – Ebenso ohne Plan gegen Feuergefahr.

    Le Bosc (Hérault) – Verwundbar, aber mit Schutzplan seit 2013.

    Les Matelles (Hérault) – Ebenfalls präventiv ausgestattet.

    Le Puech (Hérault) – Hat ebenfalls seit 2013 einen Plan Départemental de Protection des Forêts contre les Incendies.

    Diese Beispiele zeigen: Ob mit oder ohne Präventionsplan – die Bedrohung ist real, und ein Stück weit sind alle Regionen Frankreichs dem Feuer ausgeliefert.


    Droht ein Sommer voller Sirenen?

    Die Behörden rüsten sich landesweit:

    Präventionspläne: In allen gefährdeten Départements entstehen umfassende Waldbrandschutzpläne, zugeschnitten auf jedes einzelne Forstgebiet.

    Aufklärungskampagnen: Bürger werden für den richtigen Umgang mit offener Flamme und glimmender Kippe sensibilisiert. Kein Grillabend ohne wachsame Augen mehr.

    Überwachung: Kameras und Patrouillen sichern die Wälder und reagieren bei kleinsten Rauchfahnen.

    Feuerwehrschulungen: Besonders in neu betroffenen Regionen werden Feuerwehrkräfte auf Waldbrände spezialisiert. Löschtechniken, Geländetaktik, schnelles Eindämmen – all das ist plötzlich nicht mehr nur ein Thema für Südfrankreich.

    Ein Land passt sich an – oder verbrennt

    Eines ist klar: Der Klimawandel zwingt Frankreich zu einer neuen Realität. Vorbeugung, Sensibilisierung und eine robuste Löschinfrastruktur sind längst kein Luxus mehr, sondern ein Überlebensprinzip – für Menschen, Häuser, Tiere und jahrhundertealte Wälder.

    Autor: Andreas M. B.

  • Feueralarm im Paradies: Wie die Brände in der Aude den Sommerurlaub zerstören – Stronierungen und vorzeitige Abreisen

    Feueralarm im Paradies: Wie die Brände in der Aude den Sommerurlaub zerstören – Stronierungen und vorzeitige Abreisen

    Der Sommer 2025 sollte golden werden für das Departement Aude. Endlose Sandstrände, sonnengetränkte Weinfelder, stille Abteien – eine Postkartenidylle aus dem Süden Frankreichs. Doch dann kam das Feuer. Seit dem 7. Juli haben verheerende Brände über 2.100 Hektar Vegetation rund um Narbonne zerstört. Die Saison, auf die Hoteliers, Gastronomen und Winzer monatelang hingearbeitet hatten, ist aus der Bahn geworfen. Wenn Urlaub plötzlich zur Flucht wird „Die Flammen sind sehr schnell gekommen.“ Anne Carretier, stellvertretende Direktorin der berühmten Abtei von Fontfroide, klingt immer noch atemlos, wenn sie erzählt, wie 150 Besucher innerhalb weniger Minuten evakuiert werden mussten. Die Mauern des jahrhundertealten Klosters standen gefährlich nah am Feuer. Wer denkt bei einem Ausflug ins Kloster schon an Evakuierungspläne? Auch in Gruissan, dem malerischen Badeort, hat der Brand eine Schneise der Angst hinterlassen. Straßen wurden gesperrt, Gäste konnten weder an- noch abreisen. Thierry C…

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  • Marseille: Das Feuer geht zurück – die Flammen sind aber noch nicht vollständig gelöscht

    Marseille: Das Feuer geht zurück – die Flammen sind aber noch nicht vollständig gelöscht

    Eine schwarze Schneise zieht sich durch die Hügel am nördlichen Stadtrand. Hier, wo gestern noch Pinienhaine im Sommerwind rauschten, riecht es heute nach Asche und verbrannter Erde. Nach einer Nacht unermüdlicher Löscharbeiten melden die Behörden: Das Feuer, das Marseille bedrohte, ist „geht sehr deutlich zurück“. Doch wer jetzt erleichtert aufatmet, übersieht die Narben, die dieser Brand hinterlässt. Dienstagmorgen, Pennes-Mirabeau. Die ersten Rauchschwaden steigen auf. Innerhalb weniger Stunden frisst sich das Feuer durch über 750 Hektar Wald- und Buschland. In dieser dicht besiedelten Region gleicht jede Böe einem russischen Roulette. Mehr als 800 Einsatzkräfte eilen herbei: Feuerwehrleute, Marins-Pompiers, Polizisten. Hubschrauber kreisen, lassen ihre Wasserlasten in milchigen Schleiern herabregnen. Bodentrupps schlagen Schneisen, legen Gegenfeuer, um den Brand zu bremsen. Ein Wettlauf gegen eine entfesselte Natur. Georges-François Leclerc, Präfekt der Bouches-du-Rhône, lobt ihre …

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  • Flammenmeer bei Castelnau-de-Guers – 700 Hektar Vegetation in Schutt und Asche

    Flammenmeer bei Castelnau-de-Guers – 700 Hektar Vegetation in Schutt und Asche

    Es war ein Tag, an dem sich der Himmel über dem Hérault rot färbte. Am Dienstag, dem 8. Juli 2025, brach nahe Castelnau-de-Guers ein großer Waldbrand aus, der innerhalb weniger Stunden rund 700 Hektar Vegetation zerstörte. Davon gelten 400 Hektar als völlig verbrannt. Der Brand wuchs rasant. Schuld daran: die ungünstigen Wetterbedingungen mit Hitze, Wind und Trockenheit, die den Flammen freien Lauf ließen. Die Autobahn A9 zwischen Sète und Agde – eine der Hauptschlagadern des französischen Südens – wurde vorsorglich vorübergehend gesperrt. Ein gespenstisches Bild: kilometerlange Lkw-Kolonnen standen still, während im Hintergrund dichte Rauchwolken aufstiegen. Eine Armada gegen das Feuer Es rückten rund 430 Feuerwehrleute aus dem gesamten Département und darüber hinaus an, um gegen den Brand zu kämpfen. Sechs Canadair-Löschflugzeuge donnerten im Tiefflug über die Region und kippten tonnenweise Löschwasser über die Flammen. Zwei Dash-Löschflugzeuge warfen spezielle Brandverzögerer ab, um…

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  • Kakerlaken-Invasion in Nîmes – Wie der Klimawandel unsere Städte verändert

    Kakerlaken-Invasion in Nîmes – Wie der Klimawandel unsere Städte verändert

    Es gibt Dinge, die niemand sehen will.

    Schon gar nicht im eigenen Wohnzimmer, krabbelnd aus dem Abflussloch oder nachts unterm Küchentisch: Kakerlaken.

    Genau das erleben die Bewohner von Nîmes derzeit. Seit mehreren Wochen herrscht im Zentrum der südfranzösischen Stadt eine regelrechte Kakerlaken-Invasion. Die sonst heimlich agierenden Insekten bevölkern Straßen, Hauseingänge und Wohnungen – und lösen Unbehagen, Ekel und Angst aus.

    Eine Hitzewelle als Geburtshelfer

    Zwar sind Kakerlaken im Sommer keine Seltenheit. Doch was Nîmes aktuell erlebt, hat eine neue Dimension.

    Die Ursache: extreme Temperaturen. Die Hitze wirkt wie ein biologischer Turbo. Weibliche Kakerlaken legen bis zu 50 Eier ab – und das nicht nur einmal. Mehrere Reproduktionszyklen in kürzester Zeit führen zu einer explosionsartigen Vermehrung.

    Nachts verlassen sie die Kanalisation, angelockt von Wärme und Essensresten, und ziehen in Scharen durch Straßen und Wohnungen. Viele Bewohner trauen sich nicht mehr, barfuß durch ihre eigenen vier Wände zu gehen – aus Angst, auf eines dieser ungebetenen und ungeliebten Tierchen zu treten.

    Doch Kakerlaken sind nicht nur eklig.

    Sie bergen ernstzunehmende Risiken für die Gesundheit. Ihr Kot, ihre Häutungsreste und Körperteile lösen bei manchen Menschen allergische Reaktionen aus, insbesondere bei Asthmatikern. Hinzu kommt ihre Rolle als potenzielle Überträger von Krankheiten wie Salmonellose, Gastroenteritis oder sogar Tuberkulose.

    Der Gedanke, dass ein Insekt, das gerade noch in der Kanalisation unterwegs war, über das Küchenbrett läuft, verursacht mehr als nur Gänsehaut.

    Stadtverwaltung im Dauerstress

    Die Stadtverwaltung von Nîmes versucht gegenzusteuern. Laut Rathaus wird jeder gemeldete Befall unmittelbar behandelt, Schädlingsbekämpfer rücken regelmäßig aus. Doch die Realität ist ernüchternd: Die Kommerjäger sind überlastet, Wartezeiten von mehreren Tagen keine Seltenheit.

    Viele Bürger fühlen sich mit dem Problem alleingelassen, während die Schaben weiterhin jede Nacht ihre Runden ziehen.

    Der Klimawandel als stiller Verbündeter

    Was hier passiert, ist kein isoliertes Phänomen. Die Kakerlakenplage von Nîmes ist ein weiterer Mosaikstein in einem größeren Bild: dem Einfluss des Klimawandels auf urbane Ökosysteme.

    Extreme Hitzeperioden schaffen ideale Brutbedingungen für zahlreiche Schädlinge. Kakerlaken lieben feuchtwarme Umgebungen. Steigen die Temperaturen, vermehren sie sich rasant. Städte bieten ihnen perfekte Voraussetzungen: Nahrung im Überfluss, Abfall, Ritzen, Kanäle und Wärmequellen.

    Müssen wir uns darauf einstellen, bald auch in anderen europäischen Städten nächtliche Kakerlakenumzüge zu erleben?

    Was jetzt zu tun ist

    Die Situation in Nîmes zeigt, dass es nicht reicht, Schädlingsbekämpfer auf Abruf zu haben. Längst geht es um eine strukturelle Anpassung an neue klimatische Realitäten.

    Dazu gehören:

    • bessere Gebäudeisolierungen, die den Weg nach innen versperren
    • konsequentes Abfallmanagement, damit Kakerlaken keine Futterplätze finden
    • regelmäßige Kontrolle und Reinigung von Kanalisation und Abwassersystemen

    All das klingt nach nüchterner Verwaltung – ist aber ein entscheidender Faktor, um die Lebensqualität in Städten zu erhalten.

    Am Ende bleibt die unbequeme Wahrheit: Der Klimawandel verändert nicht nur Wetterkarten und Meeresspiegel. Er greift in unser tägliches Leben ein. Selbst winzige Kreaturen wie Kakerlaken werden zu sichtbaren Vorboten einer Erderwärmung, die auch in Europa längst nicht mehr nur eine abstrakte Bedrohung ist.

    Wer hätte gedacht, dass gerade Kakerlaken uns klarmachen, wie heiß unsere Städte inzwischen geworden sind?

    Autor: Daniel Ivers

  • Flammen bei Fréjus – 1.300 Urlauber müssen Campingplatz verlassen

    Flammen bei Fréjus – 1.300 Urlauber müssen Campingplatz verlassen

    Ein Sommertag an der Côte d’Azur, Temperaturen um die 30 Grad, leichter Wind weht durch die Pinienhaine von Fréjus. Es riecht nach Sonne, Meer und Harz – bis plötzlich Rauchschwaden aufziehen. Am Montag, dem 7. Juli, brach gegen Mittag ein Brand in der Nähe des Campingplatzes „Le Colombier“ in Fréjus im Département Var aus. Für 1.300 Urlauber endete der friedliche Vormittag abrupt. Innerhalb von 15 Minuten mussten sie ihre Zelte und Wohnwagen verlassen. 95 Feuerwehrleute rückten an, unterstützt von zwei Löschhubschraubern und elf Einsatzfahrzeugen. Gemeinsam kämpften sie gegen die Flammen, die sich rasch über eine Fläche von rund vier Hektar ausbreiteten. Vier Hektar – das entspricht etwa sechs Fußballfeldern, die innerhalb kürzester Zeit den Flammen zum Opfer fielen. Doch trotz der Schnelligkeit des Feuers und der Nähe zum Campingplatz verlief der Einsatz glimpflich. Verletzt wurde niemand. Eine Wohnhaus und ein Nebengebäude jedoch konnten nicht gerettet werden und brannten nieder. N…

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  • 2.000 Hektar Wald in Flammen: Großbrand bei Narbonne außer Kontrolle

    2.000 Hektar Wald in Flammen: Großbrand bei Narbonne außer Kontrolle

    Fünf verletzte Feuerwehrleute, zerstörte Häuser, tote Tiere – und keine Entwarnung in Sicht. Der Osten des Départements Aude steht in Flammen. Seit Montagnachmittag wüten bei Narbonne verheerende Wald- und Buschbrände, die sich innerhalb weniger Stunden auf 2.000 Hektar ausbreiteten. „Das Feuer breitet sich weiter aus“, warnte Colonel Christophe Magny, Direktor des Feuerwehr- und Rettungsdienstes SDIS de l’Aude, am Dienstagmorgen nüchtern im Fernsehen. Die Tramontane – jener gefürchtete Fallwind – peitschte mit bis zu 90 km/h über die Corbières-Hügel und fachte die Flammen an wie ein Blasebalg in der Schmiede. Das Ergebnis: ein loderndes Inferno, das Autobahnen lahmlegt und Menschen aus ihren Häusern treibt.

    Evakuierungen und Ausgangssperren Aus Sicherheitsgründen mussten ganze Orte und Stadtviertel unter Ausgangssperre gestellt werden: Roches-Grises, Montplaisir, Réveillon, das Domaine de la Jonquières in Narbonne sowie P…

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