Schlagwort: reisen frankreich

  • Provence hautnah – Im Herzen der Alpilles: Zwischen Natur, Genuss und Gemeinschaft

    Provence hautnah – Im Herzen der Alpilles: Zwischen Natur, Genuss und Gemeinschaft

    Die Alpilles – das heißt gekalkte Hügel, silbrig glänzende Olivenbäume, verstreute Dörfer und das leise Summen des Windes im Pinienwald. Wer diesen Landstrich in der Provence erlebt, fühlt sich wie in eine gemalte Landschaft versetzt – eine, die über Jahrhunderte hinweg von Mensch und Natur gemeinsam gestaltet wurde. Ein Stück Natur – geformt durch Zeit […]

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  • Zwischen Tonerde und Türmchen – eine sonntägliche Reise durch das Herz des Loiret

    Zwischen Tonerde und Türmchen – eine sonntägliche Reise durch das Herz des Loiret

    Manchmal genügt ein kleiner Landstrich, um ein ganzes Geschichtsbuch aufzuschlagen – und das Loiret versteht diese Kunst par excellence. Wer hier unterwegs ist, spürt eine eigenartige Mischung aus Gelassenheit und vibrierender Vergangenheit. Als ob jeder Stein, jeder Wasserlauf, jede Handbewegung eines Handwerkers ein kleines Echo durch die Zeit schickt. Genau dort führt unser gemütlicher Sonntagsausflug hin: von der traditionsreichen Faïencerie de Gien bis zum imposanten Château de Sully sur Loire. Ein Weg, auf dem alte Meister, Könige, Visionäre und neugierige Reisende überraschend nah beieinanderstehen.

    Ein spannender Auftakt für einen Tag, der – versprochen – nachklingt.

    Die Stadt Gien schmiegt sich ans Ufer der Loire, als hätte sie sich schon immer hier ausruhen wollen. Und genau hier, in einem Ensemble aus Werkstätten und lichtdurchfluteten Räumen, entsteht seit über zwei Jahrhunderten die berühmte Fayence von Gien. Schon von außen spürt man, wie viel Stolz und Rhythmus in diesem Ort steckt. Ein leichter Geruch nach Ton, Wasser und Hitze liegt in der Luft, sobald man die Schwelle übertritt – ein Duft, der fast wie ein höfliches „Bonjour, bienvenue“ wirkt.

    Innen tummeln sich Besuchergruppen, die teils ehrfürchtig, teils neugierig zwischen den Arbeitsplätzen stehen. Da sitzt Christine Maciel, die mit ruhiger Hand eine frisch getauchte Schale prüft. Sie lächelt, als sie sie anhebt. „Schauen Sie, schon trocken“, sagt sie und ihre Stimme trägt eine Mischung aus Erfahrung und sanfter Freude. Wer hätte gedacht, dass ein so fragiles Stück nach Minuten schon bereitsteht, weiterverarbeitet zu werden?

    Und dann ist da diese Besucherin, die beinahe flüstert: „Magnifique … das muss man echt mal gesehen haben.“ Recht hat sie. Manche Dinge lassen sich kaum beschreiben, man muss sie fühlen – und dieses Handwerk gehört genau in diese Kategorie. Jede Keramikform geht hier durch rund 30 Hände, von Menschen, die ihren Beruf leben wie ein altes Lied, das nie langweilig wird.

    Man steht daneben, schaut ihnen zu, wie sie die feuchte Masse mit Schwämmen bearbeiten, wie sie in konzentrierter Stille Muster tupfen, Linien ziehen, Farben zähmen. Und plötzlich denkt man: Wie viel Geduld, wie viel Hingabe liegt in so einem Teller? Wie lange braucht ein Mensch, um sein Werkzeug so zu lieben, dass er dessen kleinsten Widerspruch kennt?

    Für die filigranen Dekore der Luxusstücke gilt eine goldene Regel: drei Jahre Erfahrung, bevor man überhaupt an solche Feinheiten darf. Drei Jahre – das ist für die meisten längst ein kleiner Lebensabschnitt. Für eine der jungen Emailleurinnen dort jedoch ist es der Beginn einer Berufung. „Auch wenn die Teller für andere gleich aussehen“, sagt sie, „wir erkennen genau, wer welchen gemacht hat.“ Fast klingt es wie ein Geheimcode unter Künstlern. Und ja, es hat etwas Tröstliches: In einer Welt, die so oft alles vereinheitlicht, zeigt jeder Teller die Handschrift eines Menschen.

    Einige Besucher zücken ihre Handys, andere lassen sie einfach in der Tasche – es gibt Momente, da taucht man lieber ganz ein.

    In Gien könnte man sich tatsächlich verlieren, aber der Tag ruft weiter. Und so folgt man der Loire, die heute träge und selbstbewusst gleitet, als wollte sie uns zu einem neuen Kapitel führen.

    Dreissig Kilometer weiter erhebt sich das Château de Sully sur Loire aus dem Flussland wie ein Märchen, das gerade erst begonnen hat. Mit seinen hohen Rundtürmen, dem breiten Wassergraben und dem majestätischen Innenhof wirkt es wie ein Schauplatz aus einer Legende, die man schon als Kind immer wieder hören wollte.

    Der Historiker Mathieu Girault führt eine Gruppe durch das Halbdunkel des Ganges, wo hohe Steinwände und schmale Fenster der Fantasie Schub verleihen. Plötzlich bleibt er stehen, zeigt auf eine eiserne, schwer anmutende Tür. Fast wie aus einem Agentenroman – wuchtig, beinahe bedrohlich. „Vielleicht wurden hier wichtige Papiere gelagert“, sagt er, „Briefe des Königs, geheime Dokumente. Der damalige Schlossherr wollte sie gut schützen.“ Und dann klopft er mit den Knöcheln an das Metall. Ein trockener Klang, der noch lange im Ohr bleibt.

    Während man weiter durch die Räume geht, entfaltet sich eine erstaunliche Galerie an Geschichten. Louis der Vierzehnte – ja, der Sonnenkönig persönlich – war hier. Voltaire, der mit spitzer Feder und klarem Geist die Welt befragte, ebenfalls. Und Jeanne dArc, deren Lebensweg ohnehin wie ein Blitz durch die Geschichte fährt, hat das Schloss mehrmals betreten. Was machte sie hier? Wen traf sie? Welche Gedanken trug sie durch dieselben Säle, durch die wir heute schlendern?

    Es ist ein schönes Gefühl, einem Ort zu begegnen, der die Spuren seiner Besucher nicht zu verstecken versucht. Manche Schlösser wirken wie Theaterkulissen – hübsch, aber leblos. Doch Sully atmet. Ein Paar, das dem Guide lauscht, sagt leise: „Man merkt einfach, dass hier wirklich gelebt wurde.“ Und man nickt innerlich. Genau so ist es.

    Die Räume sind eingerichtet, ohne überladen zu wirken, die Atmosphäre vertraut, fast ein wenig melancholisch. Es gibt diese Momente, in denen man plötzlich glaubt, Schritte hinter sich zu hören – und dann lacht man über sich selbst. Aber ganz ehrlich, wer wäre hier nicht empfänglich für ein wenig Fantasie?

    Draussen legt sich ein Teppich aus sattem Grün um das Schloss. Natur und Architektur scheinen sich heimlich zuzuflüstern, dass sie einander gut stehen. Der Wind lässt die Bäume rascheln, als würden sie alte Geschichten weitergeben. Und so wirkt dieser Ort wie eine Einladung: Bleibt noch ein wenig, spaziert am Wasser entlang, schaut den Wolken zu. Vielleicht entdeckt ihr etwas, das nicht in den Führern steht.

    Das Loiret zeigt sich hier von einer Seite, die man leicht unterschätzt. Zwischen Handwerk, Féerie und Geschichte liegt eine stille Kraft, die nur darauf wartet, dass jemand sie hört. Manche Regionen brüsten sich mit Weltattraktionen – das Loiret hingegen schenkt den Augen und dem Herzen Ruhe und Überraschung zugleich.

    Man denkt an die Tonarbeiten in Gien, die talentierten Hände, die konzentrierten Bewegungen, das kleine Funkeln in den Augen der Handwerkerinnen. Und dann an die kühlen Steinflure des Schlosses, an jene Tür aus Eisen, die ein Jahrhundertgeheimnis zu bewachen scheint, an die Stille, die sich in den Innenhof legt, sobald die Stimme des Guides einen Moment verstummt.

    Da fragt man sich: Wie viele Geschichten verstecken sich in Regionen, die man auf der Karte schnell übersieht? Und weshalb besuchen wir manchmal die halbe Welt, ohne solche Schätze ganz in der Nähe zu bemerken?

    Vielleicht ist genau das der Zauber dieser Reise – eine geduldige Einladung, sich Zeit zu gönnen, genauer hinzuschauen, tiefer zu lauschen. Das Loiret hat eine Stimme. Und sie spricht in Keramikgeräuschen, in Turmwind, in Flussrauschen.

    Ein bisschen poetisch, klar. Aber an einem Sonntag darf das sein.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Mont d’Or – wo die Jurakämme den Himmel berühren

    Man sagt, wer auf dem Mont d’Or steht, sieht halb Frankreich und einen guten Teil der Schweiz. Vielleicht ist das übertrieben – aber wer einmal dort oben war, weiß, warum sich solche Geschichten halten. Zwischen den schroffen Felsen und den sanft geschwungenen Weiden des Haut-Doubs entfaltet sich eine Landschaft, die sich nicht einfach beschreiben lässt. Man muss sie spüren: den Wind, der über die Grate pfeift, das Rascheln des Herbstlaubs, den Geruch von feuchtem Holz und kaltem Käse.

    Der Mont d’Or ist kein Gipfel, der sich mit reißerischem Pathos ins Gedächtnis brennt. Er ist leiser, fast demütig. Mit seinen gut 1.460 Metern wirkt er eher wie ein langgestreckter Rücken, der sich vorsichtig an die Wolken lehnt. Doch seine Schönheit liegt gerade in dieser Sanftheit.


    Der Aufstieg über die Crêtes

    Der Weg hinauf beginnt unscheinbar. Ein schmaler Pfad, der sich durch Weiden und Nadelwälder schlängelt, begleitet vom Läuten der Kuhglocken. Dann wird es steiler. Der Himmel weitet sich, die Luft wird klarer. Und plötzlich – steht man oben.

    Ein paar Meter weiter öffnet sich der Blick auf ein Panorama, das fast unwirklich erscheint: Im Osten die Alpen, schimmernd wie eine ferne Illusion; im Westen das Jura, wellig, gedämpft, vertraut. An Tagen ohne Dunst reicht der Blick bis zum Mont-Blanc, dessen weiße Kappe über der Erde schwebt wie eine Verheißung.

    Eine Familie aus Besançon steht staunend auf der Plattform, die Haare zerzaust vom Wind. „Schau mal, wie sich das Licht verändert“, ruft die Tochter, „das sieht ja aus wie gemalt!“ Der Vater nickt still – und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen.

    Sieben Kilometer dauert die Wanderung entlang der Crêtes, vorbei an grasenden Schafen, kleinen Holzschuppen und Weiden, die im Herbst in tausend Farben leuchten. „C’est trop beau“, ruft jemand, und man versteht sofort, dass hier keine Übertreibung im Spiel ist.


    Zwischen Wildnis und Handwerk

    Im Doubs lebt man mit den Jahreszeiten, nicht gegen sie. Wer sich auf den Mont d’Or einlässt, begegnet dieser Ruhe auf Schritt und Tritt. Und doch schlägt das Herz der Region kräftig, besonders in den kleinen Dörfern rund um Métabief und Mouthe.

    Hier bereitet man sich schon im Herbst auf den Winter vor. Fanny, eine junge Skilehrerin mit Sonnenbrand auf der Nase, zeigt Touristen das „ski-roue“, eine Art Sommertraining auf Rollen. „Man bleibt in Bewegung“, sagt sie lachend, „und die Beine vergessen den Winter nicht.“

    Ringsum dehnen sich Wälder und Almwiesen, durchzogen von klaren Bächen. Wer einen Moment innehält, hört das ferne Rauschen der Quelle des Doubs – dieser Fluss, der der Region ihren Namen gibt und an manchen Stellen so geheimnisvoll aus der Erde tritt, dass man fast an Märchen glaubt.

    Im Sommer schwimmt man im Lac de Saint-Point, im Herbst spaziert man durch das Farbenspiel der Wälder. „Hier ändert sich alles, aber auf eine sanfte Weise“, sagt ein alter Bauer. „Nie abrupt, immer mit Gefühl.“


    Der Käse, der den Namen des Berges trägt

    Wer „Mont d’Or“ sagt, meint oft nicht den Gipfel, sondern den Käse. Ein runder Laib, cremig und weich, in Rinde von Fichtenholz gebettet – so duftet er nach Wald, nach Rauch, nach Zuhause. Seit Jahrhunderten wird er hier im Haut-Doubs hergestellt, aus der Milch jener Kühe, die an den Hängen des Mont d’Or grasen.

    Im kleinen Dorf Les Longevilles-Mont-d’Or steht Fabien in seiner Küche. Auf dem Herd blubbert ein Topf, in der Ecke ein Stück Comté, daneben die runden, hellen Kisten des Mont d’Or. „C’est le moment“, sagt er, und bohrt mit geübter Hand ein Loch in den Käse. Ein Schuss Vin du Jura, ein paar Scheiben Knoblauch – und schon duftet der ganze Raum.

    Diese Version, warm, goldgelb und leicht zerlaufen, wird mit Kartoffeln und Charcuterie serviert. „Il a du goût“, meint ein Besucher aus Nancy, „et il tient chaud au cœur.“ Genau darum geht es: um Wärme, um dieses Gefühl, das von innen kommt, wenn draußen der Wind über die Jurakämme zieht.

    Fabien wagt sich auch an Neues: eine Mousse de Mont d’Or auf einem leichten Gemüsevelouté, garniert mit knuspriger Tuile de Morteau. „Das ist unsere Art, Tradition lebendig zu halten“, sagt er. „Nichts versteinern – immer weiter erfinden.“


    Der Mont d’Or als Seele des Doubs

    Vielleicht ist der Mont d’Or deshalb so besonders: weil er beides verkörpert – die Ruhe der Natur und die lebendige Kraft der Menschen, die hier leben.

    In Métabief sitzt man abends auf der Terrasse eines kleinen Gasthauses, das Holz knarzt, die Gläser klirren. Draußen leuchtet der Himmel in dunklem Orange, und irgendwo muht eine Kuh träge. Eine Frau aus Pontarlier sagt: „Hier oben hat man das Gefühl, dass die Zeit sich dehnt. Nicht stillsteht, aber langsamer läuft.“

    Was sucht man, wenn man auf einen Berg steigt? Aussicht? Ruhe? Eine Art von Wahrheit? Vielleicht alles zusammen. Der Mont d’Or antwortet nicht mit Spektakel, sondern mit stiller Geste. Mit einem Licht, das die Landschaft streichelt, statt sie zu blenden. Mit einer Weite, die nicht einschüchtert, sondern atmen lässt.

    Und wenn man am Ende des Tages unten im Tal sitzt, mit einem Glas Vin jaune und einem Teller dampfender Mont d’Or-Kartoffeln, dann begreift man: Dieser Berg ist kein Ziel, sondern eine Stimmung.

    Ein Gefühl aus Holz, Wind und Wärme.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Steuer-Schock in der Bretagne? Warum die „Verdreifachung der Tourismusabgabe“ (noch) nicht kommt

    Steuer-Schock in der Bretagne? Warum die „Verdreifachung der Tourismusabgabe“ (noch) nicht kommt

    Kaum war die Rede von einer möglichen Verdreifachung der Taxe de séjour – also der Tourismusabgabe – in der Bretagne, ging ein Raunen durch die Branche. Finanzieren sollte diese drastische Maßnahme angeblich den öffentlichen Nahverkehr in der Region. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Von einer tatsächlichen Verdreifachung kann derzeit keine Rede sein.

    Ein Sturm im Wasserglas?

    Vielleicht. Vielleicht auch nicht.


    Die Steuer, die Urlauber bezahlen

    Die sogenannte Taxe de séjour ist nichts Neues: Sie wird auf Übernachtungen erhoben und je nach Art und Komfort des Quartiers berechnet – Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, alle müssen melden, was bei ihnen an Gästen so ein- und ausgeht.

    In einer Region wie der Bretagne, die jährlich Millionen Tourist:innen anzieht, kommt da einiges zusammen. Rund 22 Millionen Euro spülte diese Steuer allein im Jahr 2023 in die Kassen der Kommunen. Und: In Départements wie Ille-et-Vilaine oder den Côtes-d’Armor gibt es bereits einen 10-prozentigen Aufschlag, der zusätzlich zur regulären Abgabe erhoben wird.

    Aber selbst mit dieser Zusatzgebühr ist die Steuer meilenweit von einer Verdreifachung entfernt.


    Woher kommt dann das Gerücht?

    Die Spur führt ins französische Parlament. Dort brachte Paul Molac, ein regional verankerter Abgeordneter, Ende Oktober 2025 einen Änderungsantrag zum Haushaltsgesetz ein: Die Taxe de séjour solle um 200 % erhöht werden – explizit in der Bretagne. Begründung? Das Geld werde für Busse, Bahnen und regionale Mobilitätsprojekte gebraucht.

    Doch der Antrag scheiterte.

    Schon in der ersten Beratung im Finanzausschuss wurde der Vorschlag abgelehnt. Offiziell vom Tisch ist die Idee damit zwar nicht – aber sie hat derzeit keine rechtliche Grundlage. Keine Region, kein Département hat bislang einen entsprechenden Beschluss verabschiedet.


    Gute Idee?

    Es gibt durchaus Argumente für eine stärkere Beteiligung von Tourist:innen an den Folgekosten ihres Aufenthalts. Müll, Abwasser, Verkehrsstaus – die Liste an Nebeneffekten langer Sommermonate ist nicht gerade kurz. Und: Wer die Infrastruktur nutzt, könnte dafür auch ein bisschen was bezahlen.

    Doch so logisch das klingt – ganz so einfach ist es nicht.

    Denn mit jeder Erhöhung der Steuer steht die Wettbewerbsfähigkeit der Region auf dem Spiel. Weniger Gäste, kürzere Aufenthalte, Abwanderung zu billigeren Regionen? Alles denkbar. Gerade Plattformen wie Airbnb, die auf Preis-Leistungs-Sensibilität setzen, könnten darunter leiden. Und die Hotellerie, die in den letzten Jahren ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist, könnte erneut unter Druck geraten.


    Der Knackpunkt: Glaubwürdigkeit

    Was viele in der Branche irritiert, ist die mangelnde Transparenz. Wofür genau sollen die Mehreinnahmen verwendet werden? Wie hoch wäre die Steuer konkret pro Nacht und Kategorie? Welche Kommunen wären betroffen? Und vor allem: Wird diese Idee im Hinterzimmer bereits still und heimlich vorbereitet?


    Aktueller Stand: Keine Änderung in Sicht

    Fakt ist: Es gibt keinen gültigen Beschluss in der Bretagne, der eine Verdreifachung der Tourismusabgabe vorsieht. Der Vorstoß von Paul Molac ist vorerst gescheitert. Die einzige nachgewiesene Erhöhung liegt weiterhin bei rund +10 % in bestimmten Départements – und die gibt es schon seit Längerem.

    Heißt das, die Idee ist vom Tisch?

    Nicht unbedingt.

    Aber bis sie Realität wird, müssten weitere öffentliche Debatten stattfinden, Haushaltspläne angepasst und konkrete Satzungen verabschiedet werden. Davon sind die bretonischen Behörden derzeit noch ein gutes Stück entfernt.


    Vielleicht ist das alles also wirklich nur ein Testballon gewesen. Oder ein Signal, das die Richtung andeuten soll.

    Doch bis aus dem „Was wäre, wenn“ ein „So wird’s gemacht“ wird, braucht es noch Zeit – und eine Menge politischer Überzeugungsarbeit.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Korsika wagt den Sprung: 250.000 Flugtickets für mehr Tourismus im Winter

    Korsika wagt den Sprung: 250.000 Flugtickets für mehr Tourismus im Winter

    Sonnige Strände, raue Küsten, pittoreske Dörfer – Korsika ist im Sommer ein Sehnsuchtsort. Doch sobald die Ferien vorbei sind, wird es still auf der Insel. Viel zu still, findet die Collectivité de Corse. Ihr Gegenmittel: ein mutiger Plan, der europaweit für Aufsehen sorgt.

    Künftig sollen jedes Jahr 250.000 Flugtickets für die Nebensaison subventioniert werden. Die öffentliche Hand greift dafür tief in die Tasche – 2,5 Millionen Euro jährlich, vier Jahre lang. Das Ziel ist klar: mehr Besucher von Oktober bis Mai, weniger Überfüllung im Hochsommer. Eine Revolution im Rhythmus des Tourismus?

    Ein Kauf, der Vertrauen schaffen soll

    Statt zu hoffen, dass Fluggesellschaften auch im Winter Korsika anfliegen, setzt die Inselregierung auf Verbindlichkeit: Sie kauft Sitzplätze ein – im Voraus, garantiert. Das betrifft zunächst neun französische Städte wie Bordeaux, Nantes oder Straßburg. Dazu kommen drei internationale Verbindungen, etwa nach Rom oder Brüssel-Charleroi.

    Die Botschaft ist deutlich: Die Nebensaison soll nicht länger stiefmütterlich behandelt werden. Wer im Winter anreist, soll ein ebenso attraktives Korsika erleben – nur ohne die sommerliche Menschenflut.

    Ein wirtschaftlicher Hoffnungsträger

    Die Rechnung klingt verlockend: 2,5 Millionen Euro Investition könnten laut Berechnungen bis zu 100 Millionen Euro an wirtschaftlichen Effekten generieren – pro Jahr. Hotels, Restaurants, Autovermieter, lokale Produzenten: Viele könnten profitieren. Geplant sind rund sieben Millionen zusätzliche Übernachtungen über den gesamten Zeitraum.

    Doch so einfach ist die Gleichung nicht.

    Touristen müssen nicht nur kommen – sie müssen bleiben, konsumieren, wiederkommen. Ob die Flugticket-Garantie allein reicht, um das zu bewirken, bleibt offen. Ein leerer Sitz bleibt ein leerer Sitz, egal wer ihn bezahlt hat.

    Der saisonale Teufelskreis

    Korsika kennt die Schattenseiten des Sommertourismus: überfüllte Buchten, explodierende Preise, genervte Einheimische. Gleichzeitig versinkt die Insel ab Herbst in eine Art Winterschlaf. Die Straßen leer, die Fähren halbvoll, viele Hotels geschlossen.

    Der neue Plan soll diesen Kreislauf durchbrechen. Wer den Besucherstrom entzerrt, kann Lebensqualität zurückgewinnen – für Gäste wie für Einheimische. Doch dafür braucht es mehr als Flugverbindungen.

    Ohne offene Restaurants, belebte Dörfer und ein kulturelles Angebot auch im Januar wird die beste Flugverbindung nicht zum Erlebnis. Der Tourismus lebt nicht vom Ticket allein.

    Rechtlich einzigartig – aber unproblematisch?

    Dass eine europäische Region öffentlich Flugtickets einkauft, ist ein Novum. Einige fragen sich, ob das mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Die Initiative könnte als verdeckte Beihilfe an Airlines gewertet werden – oder als unzulässige Marktverzerrung.

    Die Collectivité de Corse sieht das gelassen. Für sie steht die nachhaltige Entwicklung des Insel-Tourismus im Vordergrund. Doch sollte Brüssel anderer Meinung sein, könnte das Projekt frühzeitig ins Wanken geraten.

    Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

    Die Idee ist mutig. Und sie macht Hoffnung. Denn sie nimmt sich eines Problems an, das viele Ferienregionen betrifft: Tourismus, der sich auf wenige Wochen im Jahr konzentriert, überfordert Mensch und Natur.

    Korsika will mehr Balance – ökonomisch, ökologisch, sozial. Das kann funktionieren, wenn alle mitziehen: Fluggesellschaften, Gastgeber, Gemeinden. Wenn auch im Februar Cafés offen sind, Wanderwege gepflegt, Märkte belebt.

    Eine rhetorische Frage stellt sich dennoch: Wird der stille Winter zur neuen Stärke der Insel – oder bleibt er ein leeres Versprechen?

    Für Deutschland ein Signal

    Gerade für deutsche Urlauberinnen und Urlauber könnte die neue Strategie reizvoll sein. Wer Ruhe sucht, mildes Klima und eine authentische Atmosphäre, findet sie eher im Frühjahr oder Herbst.

    Die Aussicht auf günstigere Flüge, mehr Verbindungen und weniger Trubel könnte neue Impulse setzen – auch jenseits der klassischen Sommerferien. Ein Korsika, für das man nicht nur Sonnencreme, sondern auch Wanderschuhe einpackt.

    Ob sich dieser Perspektivwechsel lohnt, zeigt sich in den kommenden Jahren. Klar ist: Der erste Schritt ist getan. Und er könnte Schule machen – auch für andere Regionen, die unter dem ewigen Sommer-Hype ächzen.

    Von C. Hatty

  • Côte d’Azur im September: Die stille Schönheit der Nachsaison

    Côte d’Azur im September: Die stille Schönheit der Nachsaison

    Wenn die Sonne weicher scheint, die Strände sich leeren und das Mittelmeer in sanften Blautönen funkelt, dann zeigt die Côte d’Azur ein Gesicht, das nur Kenner wirklich zu schätzen wissen. Der September ist an der französischen Riviera ein Monat voller Magie – eine Art stiller Nachhall des Sommers, der Raum schafft für Genuss, Kultur und […]

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  • Sommerfrische in der Höhe: Warum die französische Bergwelt zur Trenddestination wird

    Sommerfrische in der Höhe: Warum die französische Bergwelt zur Trenddestination wird

    Die französische Bergwelt erlebt ein Comeback – und zwar nicht im Winter, sondern im Sommer. Was lange als klassisches Wintersport-Eldorado galt, wird zunehmend zur Alternative für hitzemüde Strandurlauber. Zwischen klarer Höhenluft, schattigen Tälern und einem Freizeitangebot, das weit über Skilifte hinausgeht, entdecken immer mehr Reisende die Berge als sommerliche Zuflucht.


    Zahlen, die für sich sprechen

    Die Statistik zeigt es schwarz auf weiß: Laut der Vereinigung der Bürgermeister französischer Bergstationen stieg die Auslastung der Unterkünfte im Sommer 2024 um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar war der Juli mit einem Minus von 4 Prozent etwas schwächer, doch der August holte das mehr als auf – plus 7,5 Prozent. Besonders deutlich war die Dynamik in den Pyrenäen (+8 Prozent) und in den Südalpen (+5 Prozent), während die Nordalpen ein stabiles Niveau hielten.

    Auch die Reisepläne der Franzosen selbst belegen den Trend: 28 Prozent gaben 2024 an, ihren Sommer künftig in den Bergen verbringen zu wollen – ein Sprung von 11 Prozent gemessen am Vorjahr. Das ist mehr als nur eine kleine Verschiebung, es ist ein deutlicher Richtungswechsel.


    Warum die Berge plötzlich so verlockend sind

    Die Gründe liegen auf der Hand – und doch steckt hinter dem Trend mehr als nur eine Mode.

    Da ist zum einen die Hitze. Wer einmal bei 40 Grad in einer aufgeheizten Großstadt stand, weiß, warum 1.500 Meter Höhe plötzlich nach einem Geschenk klingt. Während unten der Asphalt flimmert, liegt oben eine Brise in der Luft, die fast wie ein Versprechen wirkt.

    Hinzu kommt das Aktivangebot: Wandern über alpine Pfade, Mountainbiken auf wilden Trails, Paragliding mit Panoramablick oder auch schlicht ein Nachmittag in einer Therme – die Berge bieten mehr als nur stille Täler. Sie sind Abenteuerspielplatz und Rückzugsort zugleich.

    Und dann die Ruhe. Wer schon einmal im August an der Côte d’Azur nach einem Platz am Strand gesucht hat, weiß, wie wohltuend ein fast leerer Wanderweg sein kann. Statt Handtuch an Handtuch und Kindergeschrei – Stille, Weite, Vogelgezwitscher.

    Schließlich wächst das Bewusstsein für nachhaltiges Reisen. Die Berge locken nicht nur mit Natur, sondern auch mit einem Versprechen: Urlaub mit kleinerem ökologischen Fußabdruck, näher dran an der Erde, weniger Konsum, mehr Erlebnis.


    Neue Wege für alte Stationen

    Doch der Boom ist nicht nur ein Geschenk für Reisende – er ist auch eine Notwendigkeit für die Bergregionen selbst. Der Klimawandel setzt dem klassischen Wintertourismus zu. Weniger Schnee bedeutet weniger Skitage. Viele Stationen reagieren: Statt nur auf Lifte und Pisten zu setzen, investieren sie in Sommerangebote, in Radwege, Wanderinfrastruktur oder Outdoor-Events.

    Manche Gemeinden gehen sogar noch weiter und stellen ihr wirtschaftliches Modell um – weg von der ausschließlichen Abhängigkeit vom Skitourismus, hin zu einem ganzjährigen Erlebnisraum. Das ist nicht nur klug, es ist überlebenswichtig.


    Ein Blick nach vorn

    Alles deutet darauf hin, dass der Trend keine Eintagsfliege ist. Immer mehr Gastgeber schnüren neue Pakete: Yoga auf der Almwiese, kulinarische Wochen mit regionalen Produkten, Festivals unter Sternenhimmel. Auch die touristischen Werbekampagnen betonen nicht mehr nur Schneesicherheit, sondern auch den Sommerzauber der Berge.

    Früher hieß es: Wer hoch hinaus will, schnallt sich Ski an. Heute lautet die Devise: Wanderschuhe reichen. Und wer weiß – vielleicht werden die Berge in Zukunft genauso selbstverständlich mit Sommerurlaub assoziiert wie früher mit Winterspaß.

    Die französische Bergwelt ist jedenfalls dabei, sich neu zu erfinden – und sie tut es mit einer Mischung aus Authentizität, Vielfalt und leiser Grandezza, die schwer zu überbieten ist.

    Autor: C.H.

  • Sanary-sur-Mer: Wo der Markt zum Herzschlag der Provence wird

    Sanary-sur-Mer: Wo der Markt zum Herzschlag der Provence wird

    Es gibt Orte, die sind weit mehr als die Summe ihrer Teile.Der Markt von Sanary-sur-Mer gehört genau dazu. 2018 wurde er zum „Plus beau marché de France“ gekürt – und wer einmal durch die Gassen zwischen Hafen und Altstadt geschlendert ist, versteht sofort, warum. Hier geht es nicht nur um Tomaten, Oliven und Fisch. Hier […]

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  • Loire – Frankreichs unterschätzte Perle der Stille

    Loire – Frankreichs unterschätzte Perle der Stille

    Wer hätte gedacht, dass es mitten in Frankreich einen Ort gibt, der so unaufgeregt und gleichzeitig so reich an Leben ist? Das „Département de la Loire“ – bislang eher ein grauer Fleck auf der touristischen Landkarte – zieht plötzlich alle Blicke auf sich. Zwischen wilden Schluchten, mittelalterlichen Burgen und weichen Bergsilhouetten erfindet sich diese Region […]

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