Schlagwort: Prozess

  • Gérard Depardieu: Ikone im Zwielicht – Schauspielkunst, Macht und der Preis des Schweigens

    Gérard Depardieu: Ikone im Zwielicht – Schauspielkunst, Macht und der Preis des Schweigens

    Gérard Depardieu – für viele war er jahrzehntelang das Gesicht des französischen Films. Ein Schauspieler, der alles verkörperte: Kraft, Tiefe, Wucht, Wahnsinn. Doch der Glanz verblasst. Statt Applaus und Auszeichnungen stehen nun schwere Vorwürfe im Raum: sexuelle Übergriffe, Belästigung, sogar Vergewaltigung.

    Am 24. und 25. März wird sich Depardieu vor Gericht verantworten müssen. Zwei Frauen, Technikerinnen am Filmset von Les Volets Verts im Jahr 2021, werfen ihm Übergriffe vor. Und sie sind nicht allein. Über zwanzig Frauen haben sich inzwischen gemeldet – mit ähnlichen Geschichten. Es geht um Gewalt, Grenzüberschreitungen, systematischen Machtmissbrauch.

    Ein Schweigen, das laut war

    In der Branche sorgt das für Aufruhr – und gleichzeitig für Schulterzucken. Denn viele sagen: „Jeder wusste es.“ Dass Depardieu sich unangemessen verhalte, war angeblich ein offenes Geheimnis. Doch niemand wollte wirklich hinschauen. Nicht damals. Und oft auch nicht heute. Denn es ist unbequem, sich einzugestehen, dass ein gefeiertes Genie vielleicht auch Täter war.

    Noch immer erleben es Betroffene viel zu oft, dass ihnen nicht geglaubt wird. Dass man ihnen unterstellt, sie suchten Ruhm oder Geld – oder hätten es gar provoziert. Die Rollenverteilung ist dabei fast schon grotesk: Der übermächtige Star als Opfer, die Frauen als Verschwörerinnen. Absurder geht’s kaum.

    ‘Schwestern der Klage’ – wenn Leid verbindet

    Die Journalistin Alizée Vincent hat für diese stille Solidarität einen Begriff geprägt: sœurs de plainte – Schwestern der Klage. Frauen, die durch dieselbe schmerzhafte Erfahrung miteinander verbunden sind. Sie helfen sich, geben einander Halt. Und oft ist es erst diese Verbindung, die ihnen die Kraft gibt, sich selbst als Opfer zu erkennen – und damit überhaupt Anzeige zu erstatten.

    Denn was viele vergessen: Ein Täter vergreift sich selten nur einmal. Gewalt ist kein Ausrutscher, sondern ein Muster. Und wer das einmal erkannt hat, erkennt es oft wieder – in den Aussagen anderer, in der eigenen Erinnerung, im Schweigen dazwischen.

    Justiz in Zahlen – eine ernüchternde Bilanz

    Die Statistik ist erschütternd. Weniger als ein Prozent der Beschuldigten in Fällen von sexueller Gewalt werden tatsächlich verurteilt. Die meisten Verfahren verlaufen im Nichts. Mangels Beweisen, mangels Zeugen, mangels Glaubwürdigkeit – zumindest aus Sicht der Justiz.

    Daher sind Aussagen weiterer Betroffener so wichtig. Sie können das Puzzle vervollständigen, ein klares Bild ergeben – und vor allem dafür sorgen, dass Betroffene gehört und ernst genommen werden.

    Wer darf Opfer sein?

    Alizée Vincent spricht auch über die Unterschiede im Zugang zur Gerechtigkeit. Frauen aus wohlhabenden, gebildeten Milieus – auch wenn sie nicht reich sind – haben oft mehr Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen. Wer weniger privilegiert ist, kämpft mit zusätzlichen Hürden. Und dann gibt es noch die Männer. Auch sie sind Opfer, doch der gesellschaftliche Umgang mit männlicher Verletzlichkeit ist nach wie vor ein Tabu. Scham, Angst vor Ausgrenzung und Homophobie verhindern oft, dass sie sprechen.

    Ein Fall – viele Fragen

    Der Fall Depardieu ist mehr als ein Prominentenprozess. Er ist ein Spiegel. Für eine Branche, die Macht und Missbrauch zu lange romantisiert hat. Für eine Gesellschaft, die Täter schützt und Opfer verdächtigt. Und für ein Rechtssystem, das viel zu oft versagt, wenn es um sexuelle Gewalt geht.

    Wie viele haben geschwiegen, weil sie dachten, sie seien allein? Wie viele schweigen noch heute?

    Auf dem Prüfstand: der Kult um Genies

    Vielleicht wird es Zeit, den Begriff monstre sacré neu zu denken. Ist das Genie wirklich heilig, wenn es anderen Schaden zufügt? Und wie lange wollen wir noch übergriffiges Verhalten mit künstlerischer Exzentrik verwechseln?

    Am Ende steht nicht nur Gérard Depardieu vor Gericht – sondern auch ein ganzes System. Eines, das sich entscheiden muss: Wegschauen oder hinsehen?

    Die Frauen haben ihre Entscheidung bereits getroffen. Sie sprechen. Laut, klar – und gemeinsam.

    Von C. Hatty

  • Abscheulicher Missbrauch durch Ex-Chirurg Le Scouarnec: Geständnis in vollem Umfang

    Abscheulicher Missbrauch durch Ex-Chirurg Le Scouarnec: Geständnis in vollem Umfang

    Ein Satz, der schockiert und doch eine längst bekannte Wahrheit bestätigt: „Ja, ich erkenne die Taten an.“ Mit diesen Worten gestand Joël Le Scouarnec, ehemaliger Chirurg, vor dem Schwurgericht im bretonischen Morbihan die sexuelle Gewalt an 299 Menschen – meist Kinder, oft Patienten, immer wehrlos. Es ist das erste vollständige Geständnis seit Beginn des Prozesses am 24. Februar. Und es verändert alles.

    Vier Wochen lang wurde verhandelt, gefragt, gestritten, geschwiegen. Bis zu diesem Moment. Der Anwalt des Angeklagten, Maxime Teissier, sprach anschließend von einem „Moment der Wahrheit und der Gerechtigkeit“. Ein Satz, der schwer wiegt – nicht nur für die Justiz, sondern vor allem für die Opfer.

    Jahrelang hatte Le Scouarnec die Gräueltaten nur häppchenweise eingeräumt. Mal hier, mal da, nie vollständig. Nun also das klare Bekenntnis – und mit ihm die Erkenntnis, dass die Justiz noch tiefer bohren muss.

    Denn die Ermittler gehen davon aus, dass es noch weit mehr Opfer geben könnte.

    Kaum war das Geständnis öffentlich, kündigte die Staatsanwaltschaft von Lorient eine neue Voruntersuchung an. Ziel: weitere bislang nicht identifizierte Opfer ausfindig machen. Auch das Berufungsgericht in Rennes bestätigte am Donnerstag diese Entscheidung. Le Scouarnec selbst zeigte sich laut seinen Verteidigern bereit, sämtliche rechtlichen Konsequenzen zu tragen. Er akzeptiere das Urteil der Gesellschaft – so weit, so theoretisch.

    Was bedeutet dieses Geständnis für die Betroffenen?

    Für viele ist es ein kleiner Schritt in Richtung innerer Ruhe. Kein Leugnen mehr, kein juristisches Ringen um jeden einzelnen Fall. „Es wird die Anhörungen der Opfer erleichtern“, sagten mehrere Nebenklageanwälte gegenüber lokalen Medien. Eine Aussage, die in ihrer Tragweite kaum zu ermessen ist. Denn jede Anhörung ist ein Kraftakt – und für viele eine quälende Wiederholung des Traumas.

    Der Angeklagte selbst sprach während des Prozesses von „abscheulichen Taten“. Worte, die blass wirken angesichts dessen, was er Kindern und Jugendlichen angetan hat. Seine Opfer waren meist kaum älter als zehn Jahre – ausgeliefert, allein, im Vertrauen auf medizinische Hilfe.

    Der Missbrauch geschah über Jahrzehnte, in verschiedenen Kliniken. Und obwohl es immer wieder Hinweise gab, blieb vieles unentdeckt oder wurde übergangen. Was hier verhandelt wird, ist nicht nur ein individueller Abgrund, sondern auch ein systemisches Versagen.

    Wie konnte ein Mensch, dem die Gesellschaft so viel Vertrauen entgegenbrachte, so lange unbehelligt handeln?

    Die Antwort liegt irgendwo zwischen Akten, Personalakten, Dienstplänen – und zwischen den Zeilen einer Kultur des Wegsehens. Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie oft Fragen unter den Teppich gekehrt, Andeutungen ignoriert oder Opfer nicht ernst genommen wurden.

    Nun also der Versuch der Aufarbeitung – juristisch, aber auch moralisch. Dass Le Scouarnec nun alles zugibt, ist keine Gnade. Es ist überfällig. Und vielleicht – ein letzter Versuch, doch noch ein Mindestmaß an Verantwortung zu übernehmen. Ein Tropfen auf einem glühenden Stein.

    Was bleibt, ist das Schweigen nach dem Geständnis.

    Ein Schweigen, das schwerer wiegt als jedes Wort. Denn hinter jeder Zahl, jedem Fall, jedem Namen steht ein Mensch mit einem zerstörten Stück Leben.

    Von C. Hatty

  • Fall Delphine Jubillar: Prozess gegen Cédric Jubillar beginnt am 22. September

    Fall Delphine Jubillar: Prozess gegen Cédric Jubillar beginnt am 22. September

    Nach fast vier Jahren ohne Antworten rückt der Moment der Wahrheit näher: Der Prozess gegen Cédric Jubillar, der beschuldigt wird, seine Frau Delphine ermordet zu haben, beginnt am 22. September 2025 vor dem Schwurgericht im Département Tarn. Dies gaben Justizquellen am Montag, den 10. März, gegenüber Franceinfo und Ici Occitanie bekannt. Die genaue Dauer des Verfahrens ist noch nicht festgelegt.

    Ein rätselhafter Fall ohne Leiche

    Delphine Jubillar, eine 33-jährige Krankenschwester und zweifache Mutter, verschwand spurlos in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2020 in Cagnac-les-Mines, einer kleinen Gemeinde im Südwesten Frankreichs. Trotz intensiver Suchaktionen wurde ihre Leiche bis heute nicht gefunden.

    Dennoch sind die Ermittler überzeugt, dass Cédric Jubillar, ihr Ehemann, für ihr Verschwinden verantwortlich ist. Das Motiv? Delphine wollte sich scheiden lassen – eine Entscheidung, die laut den Ermittlungen einen heftigen Streit ausgelöst haben könnte.

    Ein Prozess mit vielen offenen Fragen

    Cédric Jubillar wurde am 18. Juni 2021 unter dem Verdacht des Mordes an seiner Frau festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er beteuert seine Unschuld, doch die Justiz hält an seiner Anklage fest.

    Besonders brisant: Es gibt keine Leiche, kein Geständnis, keinen eindeutigen Tatort und keine direkten Zeugen. Die Beweisführung stützt sich auf Indizien, unter anderem das Verhalten von Cédric Jubillar nach dem Verschwinden seiner Frau und seine Aussagen, die laut Ermittlern widersprüchlich sein sollen.

    Im September 2023 hatte das Berufungsgericht in Toulouse entschieden, dass der Fall vor Gericht kommt – eine Entscheidung, die sich mit den Forderungen der Staatsanwaltschaft deckt.

    Was erwartet Cédric Jubillar?

    Vor Gericht könnte Cédric Jubillar zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden, sollte sich die Anklage bestätigen. Doch sein Anwaltsteam kämpft um einen Freispruch und argumentiert, dass die Beweislage zu dünn sei, um eine Verurteilung zu rechtfertigen.

    Bis heute bleibt die Frage offen: Was ist in jener Dezembernacht 2020 wirklich passiert?

    Von C. Hatty

  • Joël Le Scouarnec: Der größte Pädokriminalitätsprozess in Frankreichs Geschichte beginnt

    Joël Le Scouarnec: Der größte Pädokriminalitätsprozess in Frankreichs Geschichte beginnt

    299 Opfer. 299 Akten mit unvorstellbaren Details. 299 Schicksale, die durch einen einzigen Mann zerstört wurden: Joël Le Scouarnec, ein ehemaliger Chirurg, der über drei Jahrzehnte hinweg systematisch Kinder missbrauchte.

    Am 24. Februar beginnt vor der Strafkammer des Morbihan in Vannes ein viermonatiger Mammutprozess gegen den heute 74-Jährigen. Angeklagt wegen 111 Vergewaltigungen und 189 sexueller Übergriffe – die meisten Opfer minderjährig. Für viele ist es die letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit nach Jahrzehnten des Schweigens.

    Die ersten Spuren: Eine kleine Nachbarin bringt den Fall ins Rollen

    Manchmal braucht es nur eine einzige mutige Stimme, um das Unvorstellbare ans Licht zu bringen. Im April 2017 erzählt die sechsjährige Lisa (Name geändert) ihren Eltern, dass der Nachbar – ein freundlicher älterer Herr – sich vor ihr entblößt habe. Doch das war nicht alles. Mit kindlichen Worten beschreibt sie eine Tat, die jede Vorstellungskraft sprengt: Der Mann habe sie durch den Gartenzaun hindurch missbraucht.

    Lisa ist die erste bekannte Überlebende. Ihre Eltern zeigen den Nachbarn an – seinen Namen kennen sie gut: Joël Le Scouarnec, Chirurg. Wenige Tage später wird er verhaftet und gesteht die Tat. Doch was dann folgt, übersteigt alle Befürchtungen.

    Ein geheimes Doppelleben voller Abgründe

    Bei der Durchsuchung seines Hauses finden Ermittler tausende kinderpornografische Bilder, verstörende Tagebücher und detaillierte Listen mit Namen. Über 50.000 Fotos und 5.000 Videos dokumentieren sein perverses Doppelleben. Puppen mit Perücken, sadomasochistische Werkzeuge, akribisch geführte Notizen über seine Taten – Le Scouarnec hatte nichts dem Zufall überlassen.

    In seinen Tagebüchern beschreibt er, wie er sich in Krankenhäusern systematisch an betäubten oder bewusstlosen Kindern vergeht. „Man muss geduldig sein und auf seine Chance warten“, schreibt er. Seine Aufzeichnungen beginnen oft mit „Meine kleine…“, „Mein Kleiner…“ oder schlicht mit einem Namen, gefolgt von minutiösen Schilderungen seiner Übergriffe.

    Zwei digitale Archive enthalten die Namen von rund 200 Kindern. Neben den Namen stehen Alter, Adresse und das Datum der Tat.

    30 Jahre lang unentdeckt – wie war das möglich?

    Dass ein einziger Mann in mehreren Krankenhäusern jahrzehntelang unbemerkt Kinder missbrauchen konnte, wirft eine zentrale Frage auf: Wer wusste Bescheid – und schwieg?

    Le Scouarnec selbst behauptet, seine Ex-Frau habe bereits 1996 von seinen Neigungen gewusst. Sie bestreitet dies. Doch in seinen Notizen schreibt er damals: „Ein Katastrophe – SIE WEISS ES.“

    Auch in seiner Familie gab es Verdachtsmomente. Zwei Nichten meldeten Missbrauch durch ihren Onkel, doch eine Anzeige blieb aus. Seine Schwester hörte die Vorwürfe, ging aber nicht zur Polizei.

    Noch erschreckender: Seine erste Verurteilung wegen des Besitzes von Kinderpornografie im Jahr 2005 führte lediglich zu einer Bewährungsstrafe – ohne Arbeitsverbot. Ein Jahr später wurde er in Quimperlé sogar befördert, obwohl das Krankenhaus über seine Verurteilung informiert war.

    „Wie viele Menschen wussten es und haben ihn trotzdem weitermachen lassen?“, fragt eines seiner Opfer heute. Eine berechtigte Frage, die im Prozess eine zentrale Rolle spielen wird.

    Ein Prozess mit historischem Ausmaß

    Für viele Opfer ist dieser Prozess der erste Schritt zur Heilung. Menschen wie Amélie Lévêque, heute 42, die mit neun Jahren von Le Scouarnec operiert wurde. Jahrelang konnte sie ihre Ängste und Panikattacken nicht erklären – bis sie 2019 seinen Namen in den Nachrichten las.

    „Plötzlich ergab alles Sinn“, sagt sie. „Meine Phobie vor Krankenhäusern, meine Essstörungen, mein zerbrochenes Leben – es lag alles dort verborgen, in diesem Moment, als er mich operierte.“

    Guillaume, ein weiteres Opfer, hatte alle Erinnerungen verdrängt. Erst als ihn 2018 Ermittler kontaktierten und ihm Le Scouarnecs Notizen über ihn zeigten, wurde ihm das volle Ausmaß bewusst. „Amnesie schützt nicht vor den Folgen“, sagt er. „Die Wunden bleiben.“

    Der anstehende Prozess ist nicht nur ein Kampf um Gerechtigkeit für 299 Opfer. Er ist auch eine Abrechnung mit einem System, das jahrzehntelang weggesehen hat.

    Von Catherine H.

  • François Bayrou und Marine Le Pen: Unerwartete Verteidigung inmitten politischer und juristischer Spannungen

    François Bayrou und Marine Le Pen: Unerwartete Verteidigung inmitten politischer und juristischer Spannungen

    Die Anklagen gegen Marine Le Pen und das Rassemblement National (RN) in der Affäre um die Finanzierung von Parlamentsassistenten haben in Frankreich erneut Wellen geschlagen. Besonders bemerkenswert ist, dass François Bayrou, der Premierminister und prominente Vertreter des zentristischen MoDem, sich öffentlich für seine politische Konkurrentin einsetzt. Diese Position ist nicht nur ungewöhnlich, sondern beleuchtet auch die komplexen Dynamiken zwischen Justiz und Politik in Frankreich.

    Der Kern der Anschuldigungen: Assistenzfinanzierung im Europäischen Parlament Im Zentrum der Affäre steht der Vorwurf, dass das RN Mittel des Europäischen Parlaments zweckentfremdet habe, indem Parlamentsassistenten bezahlt wurden, die tatsächlich parteipolitische Arbeit leisteten. Der Fall wurde im Herbst vor Gericht verhandelt, und am 31. März soll das Urteil verkündet werden. Sollte Marine Le Pen für schuldig befunden werden, droht ihr nicht nur eine hohe Geldstrafe, sondern auch eine sofortige Ineli…

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  • Prozess gegen Nicolas Sarkozy: Libyen, Bargeld und dubiose Transaktionen

    Prozess gegen Nicolas Sarkozy: Libyen, Bargeld und dubiose Transaktionen

    Der Prozess um den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und den mutmaßlich illegalen libyschen Wahlkampffinanzierungen von 2007 hat begonnen. Im Mittelpunkt steht eine Reihe von Verdachtsmomenten, darunter Bargeldtransfers und verdächtige Geldflüsse, die Sarkozy und sein Umfeld schwer belasten könnten. Insbesondere die Aussagen des umstrittenen Geschäftsmanns Ziad Takieddine sorgen für Aufsehen – und Verwirrung.

    Ziad Takieddine: Der Mann im Zentrum der Affäre Ziad Takieddine, ein libanesischer Geschäftsmann, wird von den Ermittlern als Schlüsselfigur angesehen. Er soll die Verbindung zwischen dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi und Nicolas Sarkozy hergestellt haben. Takieddine hat in der Vergangenheit eingeräumt, als Mittelsmann agiert zu haben, änderte seine Aussagen jedoch mehrfach. Seine neueste Behauptung: Die Millionenbeträge, die er übergeben haben soll, seien nicht für Sarkozys Wahlkampagne bestimmt gewesen, sondern Teil eines Geschäfts zwischen Frankreich…

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  • Verdacht auf illegale Finanzierung: Was droht Nicolas Sarkozy in diesem neuen Prozess?

    Verdacht auf illegale Finanzierung: Was droht Nicolas Sarkozy in diesem neuen Prozess?

    Am Montagnachmittag beginnt in Paris ein Prozess, der das politische Frankreich erneut erschüttern könnte. Im Mittelpunkt stehen Nicolas Sarkozy, ehemaliger Präsident der Republik, und der Vorwurf, dass seine Präsidentschaftskampagne 2007 illegal durch Gelder des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi finanziert worden sein soll. Sarkozy drohen bis zu 10 Jahre Haft, eine Geldstrafe von 375.000 Euro sowie der Verlust seiner politischen Rechte.

    Ein weiterer Prozess für den Ex-Präsidenten Mit 69 Jahren steht Nicolas Sarkozy einmal mehr vor Gericht – zum fünften Mal in fünf Jahren. Dieses Mal wird ihm vorgeworfen, 2005 einen „Korruptionspakt“ mit Gaddafi geschlossen zu haben, unterstützt von seinen engen Vertrauten Brice Hortefeux und Claude Guéant. Der Pakt soll finanzielle Unterstützung für seinen Aufstieg zum Präsidenten gesichert haben. Laut seinem Umfeld wird Sarkozy am Eröffnungstag um 13:30 Uhr anwesend sein. Er selbst bezeichnet die Anschuldigungen als „Fantasie“ und gibt sich k…

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  • Der „historische Prozess“ von Mazan: Ein Wendepunkt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt?

    Der „historische Prozess“ von Mazan: Ein Wendepunkt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt?

    Gisèle Pélicot, eine Frau, die jahrelang Opfer von Vergewaltigungen durch ihren Ehemann und von ihm arrangierten Fremden wurde, hat Frankreich und die Welt erschüttert. Der Prozess von Mazan gilt als Meilenstein in der Diskussion über sexualisierte Gewalt und könnte langfristig die gesellschaftliche Haltung zu diesen Verbrechen verändern – doch wie nachhaltig ist diese Wirkung?

    Der Mut einer Frau als Symbol des Wandels

    Gisèle Pélicot hat durch ihren öffentlichen Auftritt eine Welle der Solidarität ausgelöst. „Es ist Zeit, dass wir unsere Sichtweise auf Vergewaltigung ändern“, erklärte sie im Gerichtssaal von Avignon. Ihr Ehemann hatte sie jahrelang unter Drogen gesetzt und Fremden ausgeliefert, die er über das Internet rekrutierte. Diese grausamen Taten wurden nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt: Pélicot entschied sich bewusst gegen einen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um die Thematik in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

    Anne-Cécile Mailfert, Präsidentin der Fondation des Femmes, würdigte diese Entscheidung: „Durch ihre Offenheit hat sie gezeigt, dass Vergewaltigung jeden treffen kann – Monsieur und Madame Tout-le-Monde. Die Scham hat das Lager gewechselt.“

    Ein Prozess mit Signalwirkung

    Feministische Organisationen, Politiker und Aktivistinnen sprechen von einem „Vorher und Nachher Mazan“. Die Schauspielerin Judith Godrèche, Stimme des #MeToo-Movements in Frankreich, nannte den Prozess gar eine „Revolution“. Doch was macht diesen Fall so außergewöhnlich?

    Neben den erschütternden Details der Taten und dem Mut von Pélicot, sich öffentlich zu äußern, liegt die Bedeutung auch in der medienwirksamen Inszenierung: Die Bilder von Gisèle Pélicot, die erhobenen Hauptes das Gericht betritt, während die Täter geduckt und mit verhüllten Gesichtern erscheinen, bleiben im kollektiven Gedächtnis.

    Rückblick: Lehren aus der Vergangenheit

    Vergleiche mit früheren Prozessen zeigen, wie sich die Wahrnehmung von Vergewaltigungen verändert hat. Der Fall von Aix-en-Provence 1978, in dem zwei belgische Touristinnen nach ihrer Vergewaltigung beschimpft und verhöhnt wurden, verdeutlicht, wie weit die Gesellschaft in der Zwischenzeit gekommen ist. Doch Agnès Fichot, die damals junge Anwältin, betont, dass auch der Prozess von Mazan nur ein weiterer Schritt in einem langen Kampf ist. „Es ist ein Erwachen, aber noch kein Sieg.“

    Ein Spiegel der Realität

    Einer der zentralen Punkte dieses Prozesses ist die Erkenntnis, dass es keinen „typischen“ Vergewaltiger gibt. Die Täter sind oft „ganz gewöhnliche Männer“, die in Situationen der Gelegenheit handeln. Dieser Aspekt zeigt, dass das Problem nicht allein bei pathologischen Persönlichkeiten liegt, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt ist.

    Doch was kommt nach diesem „Spiegelbild“? Feministische Stimmen und Expertinnen fordern gesetzliche und politische Konsequenzen. Während Länder wie Spanien nach ähnlichen Fällen ihre Gesetze verschärften – etwa durch die Einführung der ausdrücklichen Zustimmung („Nur ein Ja ist ein Ja“) – steht eine vergleichbare Reform in Frankreich noch aus.

    Der Kampf geht weiter

    Anne-Cécile Mailfert mahnt jedoch, dass es nicht allein um Gesetzesänderungen geht. „Das wahre Problem liegt in der Gewalt innerhalb von Beziehungen, der Wiederholungstaten und vor allem in der Notwendigkeit, sexuelle Bildung zu fördern.“ Gleichzeitig warnt sie vor konservativen Strömungen, die diese Fortschritte behindern könnten.

    Wie schon 1978 ist auch diesmal klar: Der Kampf endet nicht mit einem Urteilsspruch. Die Gesellschaft muss diesen Prozess nutzen, um langfristig Veränderungen herbeizuführen. „Männer müssen Teil dieses Wandels werden“, betont Fichot, „und zwar mehr, als bisher der Fall ist.“

    Erinnerung als Verantwortung

    Der Prozess von Mazan hat eine Tür geöffnet, durch die die Gesellschaft hindurchgehen muss. Dabei bleibt die Erinnerung an die Frauen, die sich für diesen Fortschritt eingesetzt haben – von Aix bis Mazan – ein zentraler Bestandteil. Wird die Welt morgen anders aussehen? Wahrscheinlich nicht. Aber dieser Prozess hat gezeigt, dass Wandel möglich ist – wenn wir die Lektionen daraus beherzigen und weiter daran arbeiten.

  • Prozess der Vergewaltigungen von Mazan: Hohe Strafen für die Angeklagten gefordert

    Prozess der Vergewaltigungen von Mazan: Hohe Strafen für die Angeklagten gefordert

    Im aufsehenerregenden Prozess um die Vergewaltigungen von Mazan wurden am Dienstag, den 26. November, die Forderungen der Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagten fortgesetzt. Jean-François Mayet, der Generalstaatsanwalt, beantragte, wie bereits am Vortag gegen den Ex-Ehemann von Gisèle Pelicot und Hauptangeklagten Domique Pelicot (20 Jahre), mehrjährige Haftstrafen, die größtenteils über zehn Jahren liegen. Ein Netz aus Tätern und Schuld Die Taten, die zwischen 2011 und 2020 im kleinen südfranzösischen Ort Mazan in der Nähe von Avignon stattfanden, sind erschütternd: Dominique Pelicot, heute 71 Jahre alt, hatte seine damalige Ehefrau Gisèle systematisch mit starken Beruhigungsmitteln betäubt, um sie zu vergewaltigen und anderen Männer anzubieten. Über die Plattform coco.fr rekrutierte er Dutzende Komplizen, die sich an den Taten beteiligten. Am Dienstag forderte die Staatsanwaltschaft beispielsweise 12 Jahre Haft für Boris M., 37 Jahre alt, der in der Nacht des 26. Januar 2020 am Wohn…

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  • Prozess um die „Affäre Pogba“: Sechs Angehörige des Fussballers vor Gericht

    Prozess um die „Affäre Pogba“: Sechs Angehörige des Fussballers vor Gericht

    Die 2018 mit Frankreichs Nationalteam zum Weltmeister gekrönte Fußballlegende Paul Pogba steht im Mittelpunkt eines Prozesses, der am 26. November in Paris begonnen hat. Sechs Personen, darunter sein älterer Bruder Mathias, werden beschuldigt, Pogba im Jahr 2022 mit Gewalt und Erpressung bedroht zu haben, um 13 Millionen Euro von ihm zu fordern.

    Erpressung und Entführung

    Die Vorwürfe gegen die Angeklagten wiegen schwer: Neben Erpressung in bandenmäßiger Organisation werden ihnen Entführung und Nötigung unter Waffengewalt vorgeworfen. Paul Pogba schilderte den Ermittlern, wie er in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2022 von bewaffneten Männern, teils aus seinem Jugendfreundeskreis, entführt und unter Druck gesetzt wurde.

    Die Täter, darunter mehrere Freunde aus seiner Heimatstadt Roissy-en-Brie (Seine-et-Marne), forderten 13 Millionen Euro für angeblich geleistete „Dienste“ – eine Summe, die Pogba laut eigenen Angaben nicht zahlen konnte. Er überwies stattdessen 100.000 Euro, um die Situation zu entschärfen. Doch die Forderungen und Drohungen setzten sich fort, teils sogar an öffentlichen Orten wie dem Trainingszentrum der französischen Nationalmannschaft in Clairefontaine und am Manchester-United-Stützpunkt.

    Mathias Pogba: Ein Bruder unter Verdacht

    Besonders brisant ist die Rolle von Mathias Pogba. Der ältere Bruder des Mittelfeldstars soll zwar an der besagten Nacht der Entführung nicht beteiligt gewesen sein, wird aber beschuldigt, massiv Druck auf Paul und seine Familie ausgeübt zu haben.

    Die „Affäre Pogba“ begann, öffentliches Aufsehen zu erregen, als Mathias im August 2022 ein Video in mehreren Sprachen veröffentlichte, in dem er „explosive Enthüllungen“ über seinen Bruder ankündigte. Später warf er Paul Pogba vor, angeblich den französischen Starspieler Kylian Mbappé mit einem „Marabout“ (afrikanischen Zauberer) verhext zu haben. Diese Vorwürfe wurden von Pogbas Anwälten scharf zurückgewiesen, die zugleich weitere Drohungen und Erpressungsversuche gegen ihren Mandanten anprangerten.

    Gewalt und Loyalität: Ein brüchiger Freundeskreis

    Die Verteidigung der Angeklagten bestreitet die Vorwürfe entschieden. Anwälte argumentierten, ihre Mandanten seien selbst Opfer der bewaffneten Täter gewesen, die Pogba bedrohten. „Mein Mandant wurde ebenfalls mit einer Waffe bedroht und gezwungen, sich auf den Boden zu legen“, erklärte Karim Morand-Lahouazi, der Anwalt eines der Angeklagten.

    Trotz dieser Argumente bleibt die zentrale Frage: Warum gerieten ausgerechnet Paul Pogbas engste Vertraute und Familienmitglieder in diese prekäre Lage? In einer früheren Anhörung sagte Pogba, das Verhältnis zu seinem Bruder Mathias sei durch finanzielle Abhängigkeiten belastet gewesen. „Ich wollte, dass wir wieder wie Brüder sind – nicht wie Geschäftspartner.“

    Mathias Pogba drückte ebenfalls vor Gericht seine Hoffnung auf eine Versöhnung aus: „Ich hoffe, dass unsere Einheit wiederhergestellt wird.“

    Was droht den Angeklagten?

    Die sechs Angeklagten, von denen einer aktuell inhaftiert ist, stehen vor schweren strafrechtlichen Konsequenzen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren. Für Mathias Pogba könnte der Vorwurf der bandenmäßigen Erpressung und der Nötigung besonders schwer wiegen.

    Ein Fall, der über den Fußball hinausgeht

    Die „Affäre Pogba“ beleuchtet die Schattenseiten des Erfolgs und die potenziellen Gefahren, die mit Ruhm und Reichtum einhergehen. Der Fall zeigt, wie zerbrechlich persönliche Beziehungen werden können, wenn finanzielle Interessen ins Spiel kommen – selbst innerhalb von Familien.

    Paul Pogba, einst Symbol für Teamgeist und Zusammenhalt, steht hier nicht nur als Opfer, sondern auch als tragische Figur im Zentrum eines Konflikts, der ihn zutiefst zu erschüttern scheint. Seine Worte über den Wunsch nach einer Rückkehr zur brüderlichen Beziehung machen deutlich, dass dieser Prozess weit mehr ist als eine juristische Auseinandersetzung: Es geht um Verrat, Vertrauen und die Frage, ob diese Wunden jemals heilen können.

    Der Weg zur Aufklärung

    Die Verhandlung, die bis zum 3. Dezember angesetzt ist, wird nicht nur die strafrechtlichen Fragen klären, sondern auch tieferliegende Konflikte in Pogbas sozialem und familiärem Umfeld ans Licht bringen. Am Ende wird das Urteil nicht nur über die Schuld oder Unschuld der Angeklagten entscheiden, sondern auch darüber, ob sich für Paul Pogba ein Weg aus diesem dunklen Kapitel seines Lebens auftut.

    Man darf gespannt sein, ob die Brüder, wie sie hoffen, jemals zu einem echten Neuanfang finden können – oder ob der Prozess ein endgültiger Bruch bleibt.