Schlagwort: Provence

  • Zwischen Marseille und dem Norden: Warum Pétanque längst in ganz Frankreich zu Hause ist

    Zwischen Marseille und dem Norden: Warum Pétanque längst in ganz Frankreich zu Hause ist

    Wer an Pétanque denkt, hat meist sofort ein bestimmtes Bild vor Augen: Eine staubige Bahn unter alten Platanen, das helle Klackern der Metallkugeln und eine Gruppe von Spielern, die mit südfranzösischem Akzent jeden Wurf kommentieren. Marseille und die Provence gelten als die Heimat des beliebten Kugelspiels. Dort entstand Pétanque zu Beginn des 20. Jahrhunderts und entwickelte sich rasch zu einem festen Bestandteil der regionalen Lebensart.

    Doch diese Vorstellung erzählt nur einen Teil der Geschichte.

    Auch Nordfrankreich zählt heute zu den Hochburgen des Sports. In der Region Hauts-de-France locken Pétanque-Turniere an nahezu jedem Wochenende Hunderte, manchmal sogar Tausende Teilnehmer an. Zahlreiche Vereine pflegen den Sport mit großer Leidenschaft, Wettbewerbe genießen einen hohen Stellenwert und auf den Spielfeldern herrscht oft eine konzentrierte Atmosphäre. Hier geht es weniger um Folklore als um Präzision, Taktik und sportlichen Ehrgeiz.

    Das kommt nicht von ungefähr. Lange bevor sich Pétanque im Norden etablierte, besaß die Region bereits eine ausgeprägte Tradition verschiedener Kugelspiele. Disziplinen wie die Bourle oder die flämische Boule prägten über Generationen hinweg das Freizeit- und Vereinsleben. Als Pétanque schließlich Einzug hielt, traf der Sport auf einen fruchtbaren Boden und fand schnell begeisterte Anhänger.

    In der Provence besitzt das Spiel dagegen eine ganz eigene kulturelle Bedeutung. Dort gehört Pétanque zum Alltag wie der Duft von Lavendel oder ein Pastis am späten Nachmittag. Gespielt wird mit Freunden, Nachbarn oder Familienmitgliedern. Dialekt, kleine Neckereien und feste Rituale verleihen jeder Partie ihren besonderen Charme. Selbst das berühmte „Faire Fanny“, bei dem Verlierer einer Partie mit null Punkten traditionell auf humorvolle Weise aufgezogen werden, gehört vielerorts noch immer dazu. Große Veranstaltungen wie das traditionsreiche Turnier „Mondial La Marseillaise“ unterstreichen den besonderen Stellenwert des Sports in Marseille.

    Im Norden präsentiert sich Pétanque dagegen oft deutlich leistungsorientierter. Viele Spieler trainieren das ganze Jahr über – auch dann, wenn eisiger Wind oder Regen kaum an südfranzösische Temperaturen erinnern. Überdachte Boulehallen sorgen dafür, dass der Spielbetrieb unabhängig vom Wetter weiterläuft. Das hohe Niveau vieler Wettbewerbe zeigt, dass Leidenschaft für diesen Sport keineswegs an Sonnenschein gebunden ist.

    Am Ende verbindet beide Regionen mehr, als sie trennt. Marseille bleibt die Wiege der Pétanque und verkörpert ihre kulturelle Seele. Der Norden hingegen beweist Woche für Woche, dass dieselbe Sportart mit ebenso viel Hingabe, Disziplin und Begeisterung gelebt wird. Pétanque ist längst weit mehr als ein südfranzösisches Symbol – sie hat sich zu einer echten Leidenschaft entwickelt, die Menschen in allen Teilen Frankreichs miteinander verbindet.

    Von C. Hatty

  • Flammenhölle im Var: Familien stehen vor den Trümmern ihrer Existenz

    Flammenhölle im Var: Familien stehen vor den Trümmern ihrer Existenz

    Die Bilder aus den Gemeinden Les Arcs-sur-Argens und Taradeau im südfranzösischen Département Var erschüttern selbst erfahrene Einsatzkräfte. Nachdem ein heftiger Waldbrand über die Region hinweggefegt ist, kehren zahlreiche Bewohner erstmals zu ihren Häusern zurück. Für manche endet dieser Weg in einer kaum fassbaren Tragödie. Wo einst Wohnhäuser standen, ragen nur noch geschwärzte Mauern in den Himmel. Ausgebrannte Autos, verkohlte Gärten und Aschehaufen markieren die Stellen, an denen sich noch vor wenigen Tagen ein normales Familienleben abspielte.

    Das Feuer war am Sonntagnachmittag zwischen Taradeau und Les Arcs ausgebrochen. Begünstigt durch hohe Temperaturen und kräftigen Wind breiteten sich die Flammen mit großer Geschwindigkeit aus. Innerhalb kurzer Zeit fraß sich der Brand durch mehr als 200 Hektar Vegetation und erreichte bewohnte Gebiete. Den Behörden blieb nichts anderes übrig, als mehrere Wohnviertel vorsorglich räumen zu lassen.

    Die Bilanz fällt schwer aus. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden in Les Arcs-sur-Argens zehn Wohnhäuser vollständig zerstört. Gleichzeitig gelang es den Feuerwehrkräften, rund 60 weitere Gebäude erfolgreich vor den Flammen zu schützen. Dieser Erfolg ist dem massiven Einsatz hunderter Helfer zu verdanken. Mehr als 600 Feuerwehrleute kämpften gegen das Feuer. Unterstützung erhielten sie aus der Luft durch Löschflugzeuge vom Typ Canadair, Hubschrauber mit Löschbehältern sowie Dash-Flugzeuge, die unermüdlich Wasser über den Brandherden abwarfen.

    Neben den direkten Schäden an Gebäuden brachte der Waldbrand auch das öffentliche Leben in der Region zeitweise nahezu zum Erliegen. Mehrere Straßen mussten gesperrt werden, um die Rettungsarbeiten nicht zu behindern und die Bevölkerung zu schützen. Auch der Bahnverkehr zwischen Toulon und Les Arcs wurde für mehrere Stunden eingestellt. Hinzu kamen Stromausfälle, von denen zahlreiche Haushalte betroffen waren. Viele Bewohner mussten die Nacht ohne Elektrizität verbringen und wussten zunächst nicht, wann sie in ihre Häuser zurückkehren konnten.

    Obwohl sich die Lage inzwischen deutlich entspannt hat, bleibt Vorsicht geboten. Die Einsatzkräfte kontrollieren weiterhin das Brandgebiet, denn selbst kleine Glutnester können bei anhaltender Hitze und auffrischendem Wind erneut zu gefährlichen Bränden führen. Deshalb laufen umfangreiche Überwachungsmaßnahmen, um ein Wiederaufflammen möglichst zu verhindern.

    Der Waldbrand im Var zeigt erneut, wie verletzlich die Mittelmeerregion während der Sommermonate geworden ist. Lange Trockenperioden, hohe Temperaturen und starke Winde schaffen Bedingungen, unter denen sich selbst kleine Feuer innerhalb kürzester Zeit zu verheerenden Großbränden entwickeln. Für die betroffenen Familien zählt im Moment jedoch vor allem eines: Sicherheit für ihre Angehörigen und die Hoffnung, nach dem Schock irgendwann wieder in ein normales Leben zurückzufinden.

    Andreas M. B.

  • Frankreichs Wälder in Not: Warum die Hilfe längst über Fontainebleau hinausreichen muss

    Frankreichs Wälder in Not: Warum die Hilfe längst über Fontainebleau hinausreichen muss

    Der verheerende Waldbrand im berühmten Forst von Fontainebleau hat in ganz Frankreich eine Welle der Solidarität ausgelöst. Innerhalb kurzer Zeit spendeten zahlreiche Menschen Geld, um die Schäden zu begrenzen und die Wiederherstellung des traditionsreichen Waldgebiets zu unterstützen. Doch mit der Hilfsbereitschaft rückte zugleich eine Frage in den Mittelpunkt: Weshalb konzentriert sich ein Großteil der Spenden auf einen einzigen Wald, während gleichzeitig Tausende Hektar in den Pyrenäen, der Ardèche, im Département Aude oder in der Provence den Flammen zum Opfer fallen?

    Diese Diskussion führte dazu, dass inzwischen mehrere Spendenkampagnen parallel existieren. Die bekannteste richtet sich gezielt an den Wald von Fontainebleau. Gemeinsam mit staatlichen und kommunalen Partnern verfolgt sie das Ziel, Sofortmaßnahmen nach dem Brand zu finanzieren, geschädigte Lebensräume zu sanieren und den Wald so wiederaufzubauen, dass er den Folgen des Klimawandels besser standhält. Für die erste Phase der Arbeiten steht ein Spendenziel von zwei Millionen Euro im Raum.

    Daneben entstand eine landesweite Sammlung, die bewusst alle von Bränden betroffenen Wälder Frankreichs berücksichtigt. Sie soll Regionen unterstützen, die häufig weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, obwohl auch dort enorme Schäden entstanden sind. Die Initiatoren verstehen diese Kampagne nicht als Konkurrenz, sondern als sinnvolle Ergänzung zur Hilfe für Fontainebleau.

    Auch auf regionaler Ebene engagieren sich zahlreiche Initiativen. In der Ardèche etwa entstand nach den schweren Bränden des Jahres 2022 ein Projekt, das weit mehr umfasst als das Pflanzen neuer Bäume. Finanziert werden ebenso wissenschaftliche Begleitung, langfristige Pflege der jungen Bestände sowie Bildungsangebote, die das Bewusstsein für den Schutz der Wälder stärken. Schließlich endet Wiederaufforstung nicht mit dem ersten Spatenstich – sie begleitet eine Landschaft oft über Jahrzehnte.

    Einen anderen Ansatz verfolgt die Umweltorganisation YouCare. Statt ausschließlich bereits zerstörte Flächen aufzuforsten, investiert sie gezielt in den Ausbau ihrer Forstbaumschule. Dort wachsen Hunderttausende junge Bäume heran, die bei künftigen Wiederaufforstungsprojekten schnell eingesetzt werden sollen. Hinter dieser Strategie steckt die Erkenntnis, dass die Zahl großer Waldbrände steigt und ausreichend Pflanzmaterial frühzeitig verfügbar sein muss. Allein seit Jahresbeginn verlor Frankreich bereits viele Zehntausend Hektar Wald.

    Die Vielzahl der Spendenaktionen zeigt einen grundlegenden Wandel im Umgang mit Naturkatastrophen. Früher stand vor allem die Beseitigung sichtbarer Schäden im Vordergrund. Heute richtet sich der Blick stärker auf die Zukunft. Wälder sollen robuster gegenüber Trockenheit, lang anhaltenden Hitzewellen und immer häufiger auftretenden Großbränden werden.

    Fontainebleau entwickelte sich zum Symbol dieser neuen Aufmerksamkeit. Fachleute aus der Forstwirtschaft betonen jedoch, dass die Herausforderungen längst das gesamte Land betreffen. Jeder gerettete Wald trägt dazu bei, wertvolle Lebensräume zu bewahren, das Klima zu schützen und kommenden Generationen eine vielfältige Natur zu hinterlassen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Willkommen im neuen Süden – nur eben im Norden

    Kommentar: Willkommen im neuen Süden – nur eben im Norden

    Es ist schon eine bittere Pointe der Geschichte: Jahrzehntelang galt der Süden Frankreichs als Inbegriff des perfekten Sommerurlaubs. Lavendelfelder, Mittelmeer, Zikaden, Sonne satt. Wer etwas auf sich hielt, fuhr an die Côte d’Azur oder in die Provence. Heute fährt man dorthin, um festzustellen, dass sich Asphalt in Kaugummi verwandelt und der Spaziergang am Nachmittag ungefähr den Charme eines Saunagangs mit Sonnenbrand besitzt.

    Herzlichen Glückwunsch. Der Klimawandel hat den Reiseführer neu geschrieben.

    Während der Süden unter Temperaturen ächzt, bei denen selbst die Klimaanlage kapituliert, packen immer mehr Franzosen ihre Strandtasche und flüchten ausgerechnet in die Normandie. Ja, genau dorthin, wo früher jeder zweite Urlauber vorsorglich einen Regenschirm einpackte. Plötzlich gilt Nieselwetter fast schon als Luxusgut. Wer hätte gedacht, dass 23 Grad, eine frische Brise und ein Pullover für den Abend einmal zum Sehnsuchtsziel eines französischen Sommers werden?

    Die Ironie könnte kaum größer sein.

    Jahrelang wurde über Klimaziele gestritten, über Emissionsgrenzen debattiert und jeder neue Hitzerekord mit einem kollektiven Schulterzucken quittiert. Schließlich war schönes Wetter doch etwas Positives. Ein paar Grad mehr – na und? Heute suchen dieselben Menschen verzweifelt nach Orten, an denen man mittags überhaupt noch einen Kaffee auf einer Terrasse trinken kann, ohne das Gefühl zu haben, man sitze direkt vor dem geöffneten Backofen.

    Natürlich profitiert die Normandie wirtschaftlich davon. Hotels sind ausgebucht, Restaurants freuen sich über volle Terrassen, Campingplätze melden Rekordzahlen. Das ist verständlich und niemand wird den Menschen dort ihren Erfolg missgönnen. Aber dieser Boom ist kein Geschenk der Natur. Er ist das Symptom einer Entwicklung, die niemand ernsthaft als Erfolg feiern sollte.

    Man stelle sich den Werbeslogan vor: „Besuchen Sie die Normandie – hier ist der Klimawandel noch ein bisschen langsamer.“ Sarkastischer lässt sich Tourismus kaum vermarkten.

    Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der sich Gewohnheiten verändern. Noch vor wenigen Jahren galt die Normandie vielen als hübsches Ausflugsziel für ein verlängertes Wochenende. Heute avanciert sie zum Sommer-Refugium eines ganzen Landes. Nicht, weil sich ihre Strände verändert hätten. Nicht, weil plötzlich Palmen wachsen würden. Sondern weil der Rest Frankreichs im Hochsommer vielerorts schlicht zu heiß geworden ist.

    Das eigentliche Drama liegt jedoch darin, wie schnell sich der Ausnahmezustand als neue Normalität tarnt. Man freut sich über zehn Grad weniger, als wäre das ein glücklicher Zufall. Dabei zeigt dieser Temperaturunterschied vor allem eines: Etwas läuft gewaltig schief.

    Und trotzdem wird munter weiter diskutiert, ob der Klimawandel wirklich so dramatisch sei. Als müssten erst Kamele über die Champs-Élysées spazieren, bevor auch der letzte Zweifler einsieht, dass sich das Klima verändert. Vielleicht genügt inzwischen schon der Blick auf die Landkarte der Sommerferien. Wenn Millionen Menschen ihre Urlaubsplanung völlig neu ausrichten, weil traditionelle Ferienregionen zur Hitzefalle werden, braucht es keine komplizierten Diagramme mehr. Die Realität übernimmt die Argumentation.

    Natürlich bleibt die Normandie wunderschön. Ihre Kreidefelsen, die historischen Hafenstädte und die langen Sandstrände besitzen seit jeher ihren eigenen Zauber. Doch auch dort ist niemand vor den Folgen der Erderwärmung sicher. Steigende Meerestemperaturen, Küstenerosion und häufigere Extremwetterereignisse machen vor regionalen Gewinnern keinen Halt. Wer heute glaubt, der Norden habe das große Los gezogen, verwechselt einen kurzfristigen Vorteil mit langfristiger Sicherheit.

    Vielleicht ist genau das die bitterste Erkenntnis dieser Entwicklung: Selbst dort, wo der Klimawandel momentan wirtschaftliche Gewinner hervorbringt, basiert dieser Erfolg auf den Problemen anderer Regionen. Das ist ungefähr so erfreulich, wie sich über den Verkauf von Feuerlöschern während eines Großbrandes zu freuen.

    Die Normandie erlebt gerade ihren touristischen Höhenflug. Doch gefeiert wird hier kein neuer Traumurlaub, sondern die Tatsache, dass man im Sommer wieder normal atmen, spazieren gehen und draußen sitzen kann. Dass solche Selbstverständlichkeiten inzwischen als Luxus gelten, sagt mehr über unseren Umgang mit der Klimakrise aus als jede politische Sonntagsrede.

    Der neue Lieblingsurlaubsort Frankreichs ist deshalb weniger ein Grund zur Freude als ein stilles Warnsignal. Wer genau hinschaut, erkennt hinter der frischen Meeresbrise keine Postkartenidylle, sondern den Preis eines Klimas, das sich unaufhaltsam verändert.

    C. Hatty

  • Das grüne Gold der Provence: Olivenöl als lebendiges Kulturerbe

    Das grüne Gold der Provence: Olivenöl als lebendiges Kulturerbe

    Die Provence ohne Olivenbäume? Kaum vorstellbar. Seit Jahrhunderten prägen ihre silbrig schimmernden Kronen die sanften Hügel, säumen alte Feldwege und verleihen der Landschaft ihren unverwechselbaren Charakter. Doch der Olivenbaum ist weit mehr als nur ein Teil der Kulisse. Er steht für Frieden, Beständigkeit und Widerstandskraft – Werte, die tief in der Geschichte Südfrankreichs verwurzelt sind. Aus seinen Früchten entsteht ein Produkt, das seinen Beinamen „grünes Gold“ mehr als verdient: hochwertiges Olivenöl. Es vereint Tradition, Handwerkskunst und Genuss auf einzigartige Weise. Wer einmal frisches Olivenöl direkt aus einer provenzalischen Ölmühle probiert hat, vergisst dieses Aroma so schnell nicht.

    Die Geschichte des Olivenbaums in der Provence reicht mehr als zweitausend Jahre zurück. Bereits die Griechen brachten ihn an die Mittelmeerküste, später entwickelten die Römer den Olivenanbau systematisch weiter. Das milde Klima mit heißen, trockenen Sommern und vergleichsweise sanften Wintern bietet ideale Voraussetzungen. Selbst der oft kräftige Mistral erfüllt eine wichtige Aufgabe: Er trocknet die Bäume nach Regenfällen und verringert dadurch das Risiko verschiedener Pflanzenkrankheiten.

    Im Laufe der Jahrhunderte entstanden die typischen Trockensteinterrassen, die sogenannten Restanques. Sie schützen die Hänge vor Erosion und schaffen bis heute Platz für die Olivenhaine. Viele der knorrigen Bäume haben mehrere Generationen erlebt. Manche Familien pflegen dieselben Olivenbäume seit Jahrhunderten. Sie erzählen von harter Arbeit, Geduld und einer tiefen Verbundenheit mit der Heimat.

    Die Herstellung eines erstklassigen Olivenöls verlangt Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Zwischen Oktober und Januar beginnt die Ernte. Je nach Sorte und gewünschtem Geschmack pflücken die Produzenten die Oliven früher oder später. Grün geerntete Früchte liefern ein Öl mit kräftigen, leicht herben Noten und einem Hauch von frisch geschnittenem Gras oder Artischocke. Reifere Oliven sorgen dagegen für weichere, fruchtigere Aromen.

    Nach der Ernte zählt jede Stunde. Die Früchte gelangen möglichst schnell in die Ölmühle, damit Frische und Qualität erhalten bleiben. Dort erfolgt die Verarbeitung meist im modernen Kaltpressverfahren. Diese schonende Methode bewahrt nicht nur die wertvollen Inhaltsstoffe, sondern auch die feinen Geschmacksnuancen, die jedes Olivenöl einzigartig machen.

    Die Provence besitzt mehrere charakteristische Olivensorten. Die Aglandau bringt intensive, leicht pfeffrige Noten hervor und erinnert geschmacklich an rohe Artischocken. Die Salonenque überzeugt mit einer angenehmen Milde, während die Grossane durch ihre sanften, fruchtigen Aromen besticht. Boden, Klima und die Erfahrung der Ölmüller verleihen jeder Ernte ihre eigene Handschrift. Genau darin liegt der besondere Reiz – keine Flasche schmeckt exakt wie die andere.

    Damit diese Qualität erhalten bleibt, tragen mehrere Olivenöle aus der Provence eine geschützte Ursprungsbezeichnung. Regionen wie das Vallée des Baux de Provence, Aix en Provence, Haute Provence oder Nizza stehen für streng kontrollierte Herkunft und traditionelle Herstellungsverfahren. Diese Auszeichnungen schützen nicht nur die Produzenten, sondern geben auch Verbrauchern Orientierung. Wer zu einem Olivenöl mit geschützter Herkunft greift, entscheidet sich für nachvollziehbare Qualität und regionale Identität.

    In der provenzalischen Küche spielt Olivenöl die Hauptrolle. Es verfeinert sonnengereiftes Gemüse, begleitet gegrillten Fisch, rundet Salate ab und bildet die Grundlage zahlreicher Klassiker wie Aioli, Tapenade oder Pistou. Dabei beschränkt sich seine Verwendung längst nicht auf kalte Speisen. Hochwertiges Olivenöl eignet sich hervorragend zum Braten und Garen, da es Hitze gut verträgt und den Gerichten zusätzliche Tiefe verleiht. Ist es nicht erstaunlich, wie wenige Tropfen den Geschmack eines ganzen Gerichts verändern können?

    Trotz seiner langen Geschichte steht der Olivenanbau heute vor großen Herausforderungen. Längere Trockenperioden, zunehmende Hitzewellen und unregelmäßige Niederschläge erschweren die Arbeit der Olivenbauern. Auch Pflanzenkrankheiten wie das gefürchtete Bakterium Xylella fastidiosa sorgen für große Aufmerksamkeit. Frankreich überwacht seine Olivenbestände deshalb besonders sorgfältig, um mögliche Ausbreitungen frühzeitig einzudämmen.

    Viele Betriebe reagieren mit innovativen Anbaumethoden, ohne ihre traditionellen Arbeitsweisen aufzugeben. Nachhaltige Bewässerung, biologische Landwirtschaft und eine schonende Bodenpflege gewinnen zunehmend an Bedeutung. So bleibt die jahrhundertealte Kulturlandschaft auch für kommende Generationen erhalten.

    Längst entdecken nicht nur Feinschmecker die Welt des Olivenöls. Zahlreiche Ölmühlen öffnen ihre Tore für Besucher und laden zu Führungen sowie Verkostungen ein. Dabei erfahren Gäste, wie aus der kleinen Olive ein hochwertiges Naturprodukt entsteht, lernen verschiedene Geschmacksrichtungen kennen und kommen direkt mit den Produzenten ins Gespräch. Gerade diese persönliche Begegnung macht den Reiz aus und vermittelt einen Eindruck davon, wie viel Leidenschaft in jeder Flasche steckt.

    Das grüne Gold der Provence steht deshalb für weit mehr als ein hochwertiges Lebensmittel. Es erzählt von jahrtausendealter Kultur, von Menschen, die ihre Traditionen bewahren, und von einer Landschaft, deren Charakter untrennbar mit dem Olivenbaum verbunden bleibt. Jeder Tropfen trägt ein Stück Provence in sich – authentisch, aromatisch und voller Geschichte.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Die Tarasque von Tarascon: Eine Reise mitten hinein in das lebendige Mittelalter der Provence

    Die Tarasque von Tarascon: Eine Reise mitten hinein in das lebendige Mittelalter der Provence

    À Tarascon dans les Bouches-du-Rhône, chaque été, la ville réveille une légende vieille de plusieurs siècles : celle de la Tarasque, une créature terrifiante. C’est tout un pan du folklore provençal. Mais si le monstre n’avait jamais tout à fait disparu ?À Tarascon dans les Bouches-du-Rhône, chaque été, la ville réveille une légende vieille de […]

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  • Verveine: Das aromatische Multitalent zwischen Tradition, Genuss und französischer Lebensart

    Verveine: Das aromatische Multitalent zwischen Tradition, Genuss und französischer Lebensart

    Kaum eine Pflanze verbindet Geschichte, Genuss und Natur so harmonisch wie die Verveine. Ihr frischer, zitroniger Duft erinnert an warme Sommertage, ihre Blätter verfeinern Desserts ebenso wie edle Spirituosen, und als Kräutertee gehört sie seit Generationen zu den beliebtesten Getränken Frankreichs. Was auf den ersten Blick wie ein unscheinbares Kraut wirkt, entpuppt sich bei näherem […]

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  • Die Feuerwehr der besonderen Art

    Die Feuerwehr der besonderen Art

    Wer in Marseille an Feuerwehr denkt, hat oft Bilder von gewaltigen Waldbränden vor Augen. Doch die Männer und Frauen des Bataillons der Marins-Pompiers leisten weit mehr als spektakuläre Einsätze gegen Flammen. Tag für Tag stehen sie bereit, wenn Menschen Hilfe benötigen – auf den Straßen, in Wohnungen, im Hafen oder sogar auf dem Meer.

    Die Marins-Pompiers von Marseille nehmen innerhalb Frankreichs eine Sonderrolle ein. Ihre Entstehung geht auf eine Tragödie zurück. Im Jahr 1938 zerstörte ein verheerender Brand das Kaufhaus Nouvelles Galeries im Stadtzentrum. 75 Menschen verloren damals ihr Leben. Die Katastrophe offenbarte erhebliche Mängel im damaligen Rettungssystem. Als Reaktion gründete der Staat ein Jahr später das Bataillon der Marins-Pompiers.

    Bis heute besitzt diese Einheit einen einzigartigen Status. Die Einsatzkräfte gehören zur französischen Marine und tragen somit eine militärische Uniform. Gleichzeitig übernehmen sie die Aufgaben einer kommunalen Feuerwehr. Diese doppelte Identität prägt ihren Alltag und macht sie zu einer Besonderheit innerhalb der französischen Sicherheitslandschaft.

    Marseille zählt fast 900.000 Einwohner. Hinzu kommen Millionen Touristen, die jedes Jahr die Mittelmeermetropole besuchen. Entsprechend hoch fällt die Zahl der Notrufe aus. Mehr als 120.000 Einsätze absolvieren die Marins-Pompiers jährlich. Rund um die Uhr gehen Notrufe ein – manchmal im Minutentakt.

    Wer glaubt, die Feuerwehr rücke hauptsächlich zu Bränden aus, liegt allerdings daneben.

    Der größte Teil der Einsätze betrifft medizinische Notfälle. Kreislaufzusammenbrüche, Stürze, Verkehrsunfälle oder häusliche Unfälle bestimmen den Alltag der Rettungskräfte. Oft entscheidet schnelles Handeln über Leben und Tod. Für viele Bürger sind die Marins-Pompiers daher nicht nur Feuerwehrleute, sondern zugleich die ersten Helfer in einer Notsituation.

    Marseille stellt die Einsatzkräfte zusätzlich vor besondere Herausforderungen. Die Stadt beherbergt den größten Hafen Frankreichs. Riesige Frachtschiffe laufen täglich ein und aus. Dazu kommen petrochemische Anlagen, Industriegebiete sowie weitläufige Naturflächen rund um die Stadt. Jeder dieser Bereiche birgt eigene Risiken.

    Deshalb verfügt das Bataillon über zahlreiche Spezialeinheiten. Einige Teams kümmern sich um Gefahrgutunfälle und chemische Stoffe. Andere überwachen mögliche Meeresverschmutzungen oder führen Taucheinsätze durch. Wieder andere bekämpfen Wald und Vegetationsbrände in den Hügeln rund um die Stadt.

    Gerade in den Sommermonaten steigt die Anspannung spürbar. Trockene Vegetation, hohe Temperaturen und kräftiger Wind verwandeln die Landschaft schnell in ein Pulverfass. Ein kleiner Funke genügt – und innerhalb weniger Minuten breiten sich Flammen über große Flächen aus. Dann zeigt sich die ganze Schlagkraft des Bataillons.

    Bei größeren Bränden arbeiten die Marins-Pompiers eng mit anderen Feuerwehren der Region zusammen. Hunderte Einsatzkräfte, Löschfahrzeuge und Löschflugzeuge kommen dabei zum Einsatz. Ziel bleibt stets dasselbe: Menschen schützen und die Ausbreitung des Feuers stoppen.

    Doch nicht nur große Katastrophen prägen ihren Beruf.

    Manchmal genügt ein einziger Notruf einer älteren Person, die nach einem Sturz nicht mehr aufstehen kann. Manchmal retten sie Segler vor der Küste oder helfen nach einem Verkehrsunfall auf einer stark befahrenen Straße. Genau diese Vielfalt macht ihren Dienst so außergewöhnlich. Was bringt der nächste Alarm? Niemand kennt die Antwort.

    In Marseille tragen die Marins-Pompiers den liebevollen Spitznamen „Seeleute des Feuers“. Treffender lässt sich ihre Aufgabe kaum beschreiben. Sie vereinen maritime Tradition mit modernem Rettungsdienst und gehören längst zum festen Bestandteil des Stadtbildes.

    Ob Wohnungsbrand, medizinischer Notfall, Schiffshavarie oder Waldbrand – die Bürger wissen, dass Hilfe unterwegs ist. Oft bemerkt man ihre Arbeit erst dann, wenn die Sirenen ertönen. Dabei sorgen sie jeden Tag dafür, dass eine der größten Städte Frankreichs sicher bleibt.

    Und genau darin liegt ihre eigentliche Stärke: Sie löschen nicht nur Brände. Sie retten Leben.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Zwei Millionäre innerhalb von sieben Tagen: Der unglaubliche Lotto-Zufall von Cassis

    Zwei Millionäre innerhalb von sieben Tagen: Der unglaubliche Lotto-Zufall von Cassis

    Manche Geschichten klingen so unwahrscheinlich, dass selbst eingefleischte Optimisten kurz die Stirn runzeln. Genau so eine Geschichte spielt sich derzeit im kleinen Hafenort Cassis an der französischen Mittelmeerküste ab. Dort, wo sonst Segelboote schaukeln, Touristen Pastis trinken und die Calanques wie gemalt in der Sonne liegen, dreht sich plötzlich alles um Millionen. Genauer gesagt: um fast 49 Millionen Euro. Im Zentrum des Geschehens steht ein unscheinbarer Tabakladen mit dem typisch südfranzösischen Namen „La Civette du Port“. Ein Laden wie viele andere eigentlich — Zigaretten, Zeitschriften, Lottoscheine, ein kurzer Plausch am Tresen. Doch innerhalb von nur einer Woche entwickelte sich genau dieser Ort zu einer Art Pilgerstätte für Glückssucher. Am 21. April wurde dort zunächst ein Euromillions-Ticket validiert, das einem französischen Gewinner einen Anteil von mehr als 48 Millionen Euro bescherte. Schon das allein genügt normalerweise für Schlagzeilen in ganz Frankreich. Der …

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  • Wenn ein Dorf nach Rosen duftet: La Colle-sur-Loup feiert seine „Rose de Mai“

    Wenn ein Dorf nach Rosen duftet: La Colle-sur-Loup feiert seine „Rose de Mai“

    Es gibt Orte in der Provence, die nach Lavendel riechen. Andere nach Pinien, Meer oder warmem Stein. Und dann gibt es La Colle-sur-Loup – ein Dorf unweit von Grasse, das im Mai nach Rosen duftet. Nicht nach irgendeiner Rose. Sondern nach der Centifolia, jener legendären „Rose de Mai“, deren Blütenblätter seit Jahrhunderten in den großen Parfüms Südfrankreichs landen. Wer Mitte Mai durch die kleinen Gassen des Dorfes schlenderte, verstand sofort, weshalb diese Blume hier fast so etwas wie eine Schutzpatronin ist. Am 17. Mai 2026 feierte die Gemeinde ihre Veranstaltung „Autour de la Rose – Floraison artistique“. Ein Fest zwischen Erinnerung, Handwerk und Kunst, das den Dorfkern für einen Tag in ein duftendes Freiluftatelier verwandelte. Überall Rosenstände, florale Installationen, Musik, lokale Produkte und Menschen, die sich zwischen alten Steinfassaden treiben ließen. Kein überinszeniertes Touristenprogramm, eher eine liebevolle Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Denn La Colle-sur-Loup w…

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