Schlagwort: nachrichten.fr

  • La France Insoumise und das Wagnis der Totalblockade

    La France Insoumise und das Wagnis der Totalblockade

    Die Entscheidung von La France insoumise (LFI), den neuen Protestaufruf „Bloquons tout“ aktiv zu unterstützen, markiert einen strategischen Wendepunkt für Jean-Luc Mélenchons Partei. Am 10. September will das heterogene Bündnis aus Bürgerinitiativen, Gewerkschaftsnahen und parteiunabhängigen Aktivisten Frankreich weitgehend lahmlegen – als Reaktion auf die von Premierminister François Bayrou angekündigten Sparmaßnahmen.


    Ein diffuses Aufbegehren

    Die Bewegung „Bloquons tout“ entstand im Sommer 2025 in den sozialen Netzwerken. Sie vereint unterschiedliche unzufriedene Menschen: Die Streichung zweier Feiertage, Kürzungen bei öffentlichen Diensten und ein Einfrieren der Renten gelten als zentrale Auslöser. Auffällig ist die horizontale Struktur ohne offizielle Sprecher und ohne Anbindung an Parteien oder Gewerkschaften – ein Modell, das an die Bewegung der Gilets jaunes von 2018 erinnert. Die Forderungen reichen von Lohnerhöhungen über die Verteidigung des Sozialstaats bis hin zu einem Referendum d’initiative citoyenne (RIC). Die geplanten Aktionsformen sind vielfältig: Streiks, Boykotte, symbolische Platzbesetzungen.


    Mélenchons Kurswechsel

    Am 16. August publizierte Jean-Luc Mélenchon gemeinsam mit führenden Köpfen von LFI einen offenen Brief in La Tribune Dimanche, in der er die eigene Parteibasis zur Teilnahme aufforderte. Damit vollzog der Linkspopulist eine Kehrtwende: Noch wenige Wochen zuvor hatte er betont, der Bewegung müsse ihre politische Unabhängigkeit bewahrt bleiben. Nun will LFI das Momentum nutzen und die Proteste parlamentarisch flankieren: Eine Sondersitzung der Assemblée nationale soll einen Misstrauensantrag gegen Bayrous Regierung auf den Weg bringen.


    Geteilte Linke, abwartende Sozialisten

    Die übrigen Parteien der Linken halten sich zurück. Sozialisten, Kommunisten und Grüne haben bislang keine offizielle Unterstützung signalisiert. Sie fürchten, dass das schwer einzuordnende Protestgeflecht politisch instrumentalisiert oder unkontrollierbar werden könnte. Einzelne prominente Figuren wie Clémentine Autain und Sandrine Rousseau rufen zwar zur Mobilisierung auf, vermeiden aber eine direkte Bezugnahme auf „Bloquons tout“. Die Partei Nouveau Parti anticapitaliste (NPA) hingegen hat sich klar positioniert und seine Unterstützung zugesagt.


    Chancen und Risiken

    Für LFI ist der Schulterschluss mit der Bewegung eine Gratwanderung. Einerseits eröffnet er die Möglichkeit, an diffuse soziale Unzufriedenheiten anzuknüpfen und neue Dynamiken für die Partei zu generieren, die seit den Europawahlen an Bindungskraft verloren hatte. Andererseits ist das Risiko erheblich: Bleibt der Protest am 10. September marginal, könnte der strategische Einsatz verpuffen. Noch gravierender wäre eine Wahrnehmung, LFI wolle eine basisdemokratische Initiative vereinnahmen – ein Vorwurf, der im Lager der Gilets jaunes schon früh zu Zerwürfnissen führte.

    Hinzu kommt eine soziologische Komponente: Teile der Bewegung speisen sich aus Gesellschaftsschichten, die Parteien grundsätzlich misstrauisch gegenüberstehen. Ein zu sichtbarer LFI-Einfluss könnte potenzielle Mitstreiter abschrecken. Entscheidend wird sein, ob es den lokalen Kollektiven gelingt, Aktionen von Relevanz und Breite zu organisieren, ohne in der Vielfalt der Forderungen zu zersplittern.


    Das Votum von LFI für „Bloquons tout“ signalisiert, dass Mélenchon und sein Umfeld bereit sind, ihr politisches Kapital in eine ungewisse Mobilisierung zu investieren. Gelingt es, die Proteste über den 10. September hinaus zu verstetigen, könnte LFI gestärkt in die nächste Haushaltsdebatte und in mögliche vorgezogene Wahlen gehen. Scheitert das Vorhaben, droht der Partei eine weitere Entfremdung von Teilen der linken Wählerschaft. Der Tag der Blockade wird damit auch zum Lackmustest für die strategische Ausrichtung von Mélenchons Bewegung.

    Autor: P. Tiko

  • Taxis im Aufstand: Reform des Tarifs für Krankentransporte würfelt Einnahmen durcheinander

    Taxis im Aufstand: Reform des Tarifs für Krankentransporte würfelt Einnahmen durcheinander

    Die Debatte um die geplante Tarifreform im französischen Transport Sanitaire erreicht eine kritische Phase: Am 5. September wollen sich die Taxi­s erneut landesweit mobilisieren – ein deutliches Zeichen ihres Unmuts gegenüber den neuen Vorgaben, die am 1. Oktober 2025 in Kraft treten sollen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Neugestaltung der Vergütung für Krankenfahrten, mit der die staatliche Krankenversicherung erhebliche Einsparungen erzielen will.

    Einheitliche Tarife als Hebel der Kostendämpfung Hintergrund der Reform ist der rasante Anstieg der Ausgaben für Krankentransporte in den vergangenen Jahren. Die neue Regelung sieht ein vereinheitlichtes, nationales Tarifsystem vor: Eine Pauschale von 13 Euro soll die ersten vier Kilometer abdecken. Für längere Strecken gelten standardisierte Kilometertarife – mit geringeren Sätzen in der Fläche und Zuschlägen für Ballungsräume wie Paris oder Lyon. Gleichzeitig sollen sogenannte „Leerfahrten“ – also Rückwege ohne Patient – nic…

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  • Fleur de Sel von der Île de Ré – das weiße Gold der Atlantikküste

    Fleur de Sel von der Île de Ré – das weiße Gold der Atlantikküste

    Sie glänzt wie eine hauchzarte Kruste auf der Wasseroberfläche, schimmert im Sonnenlicht und landet schließlich als kulinarisches Highlight auf unserem Teller: die Fleur de Sel von der Île de Ré. Für viele ist sie nur ein edles Salz – für die Menschen auf der Atlantikinsel jedoch Identität, Tradition und Sommergefühl pur. Die Kunst des Salzschöpfens Wer über die Île de Ré spaziert, begegnet unweigerlich den weiten, geometrischen Wasserflächen der Salzgärten. Hier, in den sogenannten „œillets“, verdunstet das Meerwasser dank Sonne und Wind. Was zurückbleibt, ist ein feines Netz aus Kristallen, das sich wie eine dünne, fragile Haut auf der Oberfläche bildet.Mit einer speziellen Holzlöffel-Kelle, der „lousse“, ziehen die Sauniers diese hauchzarte Schicht ab. Es ist Millimeterarbeit – fast poetisch, wenn man die Bewegungen beobachtet. Jeder Handgriff folgt einer jahrhundertealten Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ein einziger Windstoß, ein kleiner Wetterumschw…

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  • Feuer vom Himmel: Wie ein Super-Gewitter die Côtes-d’Armor erschütterte

    Feuer vom Himmel: Wie ein Super-Gewitter die Côtes-d’Armor erschütterte

    Ein Dienstagmittag, wie aus dem Wetterlehrbuch für Extrembedingungen: Über den Côtes-d’Armor in der Bretagne braut sich am 19. August 2025 ein Unwetter zusammen, das nicht nur den Himmel zum Leuchten bringt – sondern auch eine ganze Region in Alarmbereitschaft versetzt. Plötzlich kracht es. Im kleinen Ort Plœuc-L’Hermitage schlägt der Blitz ein – und das gleich mehrfach. Eine Wohnhaus wird von mehreren Blitzen getroffen, fängt Feuer und wird nahezu vollständig zerstört. Die Bewohner? Zum Glück nicht zu Hause. Doch das Ereignis geht unter die Haut – nicht nur den Betroffenen. 700 Blitze – in nur einem Tag Was sich an diesem Dienstag über der Bretagne entlädt, ist kein gewöhnliches Sommergewitter. Laut Wetterdaten werden rund 700 Blitzeinschläge allein im Département Côtes-d’Armor registriert. Für diese Gegend ist das ein absolutes Extrem.

    Dazu kommen sintflutartige Regenfälle: In Plœuc-L’Hermitage fallen binnen drei Stund…

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  • Macron und Netanjahu im offenen Schlagabtausch

    Macron und Netanjahu im offenen Schlagabtausch

    Frankreichs Anerkennung Palästinas verschärft die diplomatische Konfrontation mit Israel Die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Israel haben am 19. August 2025 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Anlass ist ein Brief des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu an Präsident Emmanuel Macron, in dem er diesem vorwirft, durch die Ankündigung einer baldigen Anerkennung Palästinas „antisemitisches Feuer“ in Frankreich geschürt zu haben. Die französische Präsidentschaft reagierte ungewöhnlich scharf: Man sprach von „absurden“ und „falschen“ Vorwürfen und bekräftigte zugleich, dass der Schutz jüdischer Bürger ein unverrückbares nationales Anliegen bleibe.

    Ein Brief als diplomatischer Affront In seinem Schreiben an Macron erklärte Netanjahu, der Antisemitismus sei in Frankreich seit Macrons Ankündigung „explodiert“. Die Entscheidung der französischen Regierung gleiche einer „Belohnung für den Terrorismus der Hamas“ und fördere den Hass auf Juden „auf den Straßen Frankreich…

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  • Ziegen-Alarm an der Côte Bleue: Wenn eine wilde Herde zur Plage wird

    Ziegen-Alarm an der Côte Bleue: Wenn eine wilde Herde zur Plage wird

    Eine Ziege im Wohnzimmer? Klingt wie eine schräge Anekdote aus einem Ferienhaus am Mittelmeer – ist aber für viele Anwohner westlich von Marseille inzwischen bittere Realität. Auf der Côte Bleue sorgt eine wachsende Population wilder Ziegen für Ärger, Gefahren im Straßenverkehr und ökologische Schäden. Was als kleine Herde begann, hat sich zu einer regelrechten Invasion entwickelt.

    Vom Helfer zum Störenfried Die Rede ist von den berühmten „Chèvres du Rove“. Diese alte, robuste Rasse mit ihren markanten, spiralförmig gedrehten Hörnern gilt als Symbol der Region. Ursprünglich wurden sie zur Landschaftspflege eingesetzt: Sie fressen Gestrüpp, halten Flächen frei und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Brandprävention. Doch die Erfolgsgeschichte hat einen Haken. Vor fünf Jahren zählte man nur eine Handvoll Tiere – heute sind es mehr als 1.200. Sie streifen frei durch Straßen, springen über Gartenmauern und schrecken nicht davor zurück, durch offene Türen in Häuser einzudringen. Ein Bil…

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  • Rentrée 2025: So finden Familien in Frankreich günstige Schulsachen ohne Stress

    Rentrée 2025: So finden Familien in Frankreich günstige Schulsachen ohne Stress

    Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, die Regale in den Geschäften füllen sich mit Heften, Stiften und Schulranzen – und viele Eltern fragen sich: Wie schaffen wir die Schulausstattung, ohne dass der Geldbeutel implodiert? Die gute Nachricht: Mit etwas Planung und den richtigen Anlaufstellen lässt sich die Ausstattung der Kinder deutlich günstiger gestalten.

    Wo gibt es Schulsachen zum Sparpreis? 1. Rentreediscount.com Dieser Onlinehändler hat sich komplett auf Schulsachen spezialisiert. Von Buntstiften bis Taschenrechner – alles ist zu finden, oft günstiger als im Laden um die Ecke. Besonders praktisch: Ab 100 € Einkaufswert lässt sich die Summe in drei Raten zahlen, ohne Zusatzkosten. Ab 59 € ist die Lieferung gratis. Wer keine Lust hat, lange Einkaufslisten selbst abzuarbeiten, kann auf vorbereitete Schulsets zurückgreifen. 2. Bureau Vallée In Frankreich längst bekannt: Bureau Vallée kombiniert zahlreiche Filialen mit einem gut sortierten Onlineshop. Der Clou: Die bestellte Ware…

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  • Städtenamen im XXL-Format: Warum die Riesenschriftzüge plötzlich überall auftauchen

    Städtenamen im XXL-Format: Warum die Riesenschriftzüge plötzlich überall auftauchen

    Einmal kurz posieren, Selfie knipsen, hochladen – und schon ist die Botschaft in der Welt. Riesige Buchstaben, die die Namen von Städten formen, sind längst mehr als nur Schilder. Sie sind ein weltweites Phänomen, ein Mix aus Marketing, Tourismusmagnet und urbanem Statement. Doch wie so oft bei solchen Modeerscheinungen: Begeisterung trifft auf Skepsis.


    Von Hollywood in die Welt

    Eigentlich begann alles als banaler Werbegag. 1923 wurde in den Hügeln von Los Angeles der Schriftzug „Hollywoodland“ errichtet – als Reklame für ein Bauprojekt. Heute ist er eines der bekanntesten Wahrzeichen der Welt. Seine Silhouette ziert T-Shirts, Poster und Instagram-Feeds.

    Kein Wunder also, dass Städte weltweit auf die Idee kamen, den Effekt für sich zu nutzen. „I Amsterdam“ machte Schule, Toronto setzte ein leuchtendes „Toronto“-Logo am Wasser auf, Lyon schwört auf „OnlyLyon“. Es geht dabei um weit mehr als hübsche Dekoration: Die Botschaften sollen Identität stiften, Stolz wecken – und Touristen in Scharen anziehen.


    Frankreich entdeckt die XXL-Buchstaben

    Auch in Frankreich greift der Trend um sich. Nach der Pandemie, als viele Städte neue Wege suchten, Besucher zurückzugewinnen, schossen die Installationen aus dem Boden. Reims, Sedan, Troyes – sie alle setzten auf große Lettern, die zum Fotografieren einladen und so die Stadt digital vervielfältigen.

    Das Prinzip ist einfach: Ein Foto vor den Buchstaben, hochgeladen auf Social Media, und schon reist die Stadt digital um die Welt. Für die lokale Wirtschaft ein Segen – für Cafés, Hotels und Boutiquen bedeutet jeder geteilte Schnappschuss potenziell neue künftige Kundschaft.


    Bretagne im Schriftfieber

    Besonders sichtbar ist dieser Trend derzeit in der Bretagne. Brest, Lorient, Saint-Brieuc, Plouescat, Lannion – die Städte lassen sich ihre Namen in mehreren Metern Höhe aufstellen.

    In Lorient etwa wurden im Juni 2025 Buchstaben von 2,40 Metern Höhe enthüllt, gestaltet von engagierten Schüler:innen. Seitdem drängen sich Passanten davor, Touristengruppen bitten einander: „Könnt ihr kurz rüberrücken fürs Foto?“ – schon wird der Schriftzug zum Begegnungsort.

    Man könnte fast sagen: Die Lettern selbst werden zu Sehenswürdigkeiten, unabhängig von dem, was drumherum geschieht.


    Doch nicht alle sind begeistert

    Wo es Fans gibt, da gibt es auch Kritiker. In Brest zum Beispiel tauchten die Buchstaben auf Google Maps mit dem Spottlabel „lettres moches“ auf – hässliche Buchstaben. Manche Anwohner stören sich an der Monumentalität, andere an der Banalität: Warum ein Schriftzug, wenn doch die Stadt selbst so viele authentische Ansichten bietet?

    Dazu kommt die Bürokratie. Wer in der Nähe historisch geschützter Orte baut, braucht die Zustimmung der Bâtiments de France, der französischen Denkmalbehörde. Um Ärger zu vermeiden, greifen manche Gemeinden auf mobile Varianten zurück, die flexibel auf- und abgebaut werden können.


    Zwischen Marketing und Kultur

    Befürworter verweisen auf die wirtschaftliche Wirkung. Ein attraktives Fotomotiv bedeutet Sichtbarkeit – und Sichtbarkeit ist in der Logik des Tourismus bares Geld. Gegner dagegen mahnen: Städte sollten sich nicht auf austauschbare Marketing-Formeln reduzieren. Was unterscheidet schließlich „Brest“ in drei Meter Höhe von „Reims“ oder „Lyon“?

    Die eigentliche Herausforderung lautet also: Wie lassen sich moderne Symbole einfügen, ohne das bestehende Stadtbild zu verfälschen? Wie kann ein Schriftzug Teil der Identität werden, statt bloß ein Fremdkörper im Stadtraum zu sein?


    Ein Trend mit Zukunft – aber auch mit Fallstricken

    Eines ist klar: Solche Riesenschriftzüge verschwinden so schnell nicht wieder. Sie bedienen ein Bedürfnis unserer Zeit – das nach Selfies, nach schnell konsumierbaren, teilbaren Bildern. Sie sind praktisch gebaute Hashtags im öffentlichen Raum.

    Aber sie zwingen Städte auch zu einer Gratwanderung. Zwischen Instagram-Attraktion und kultureller Substanz. Zwischen Marketing-Kalkül und echter urbaner Identität.

    Vielleicht entscheidet am Ende nicht die Größe der Buchstaben über ihren Erfolg, sondern die Frage: Erzählen sie eine Geschichte – oder sind sie bloß ein Wort?

    Autor: C.H.

  • Wie geht es weiter für die Ukraine nach dem Treffen im Weißen Haus? Und andere World-News

    Wie geht es weiter für die Ukraine nach dem Treffen im Weißen Haus? Und andere World-News

    Nach dem Gipfeltreffen von Präsident Trump mit Wladimir Putin in der vergangenen Woche und seinem Gespräch am Montag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie mehreren EU-Spitzenvertretern zeichnet sich als wahrscheinlichster nächster Schritt ab: weitere Treffen.

    Die Gespräche am Montag im Weißen Haus brachten öffentlich kaum sichtbare Fortschritte in Richtung eines Friedens in der Ukraine. Trump erklärte, sein Ziel sei es, ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj zu ermöglichen. Putin habe sich gesprächsbereit gezeigt, allerdings gab es bisher keine offizielle Bestätigung des Kremls. Russlands Außenminister dämpfte laut staatlichen Medien am Dienstag die Erwartungen an mögliche Gespräche deutlich.

    Nach dem Verlassen des Oval Office erklärte Selenskyj: „Es bleibt noch viel zu tun.“

    Militärhilfe:
    Selenskyj kündigte an, die Ukraine werde amerikanische Waffen im Wert von 90 Milliarden US-Dollar erhalten – darunter dringend benötigte Luftabwehrsysteme und Kampfflugzeuge. Unklar blieb, wie die Ukraine für die Waffen bezahlen soll. Es gilt als wahrscheinlich, dass europäische Staaten und NATO-Verbündete einen Großteil der Kosten übernehmen werden.

    Sicherheitsgarantien:
    Die Gespräche im Weißen Haus endeten ohne formale Einigung über Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Europäische Regierungschefs bemühen sich seit Dienstag darum, ein konkretes Konzept zu erarbeiten. Trump betonte, dass keine amerikanischen Bodentruppen in die Ukraine entsendet würden, die USA jedoch in anderer Form helfen könnten – etwa durch Luftunterstützung. Ohne US-Truppen vor Ort bleibt jedoch fraglich, wie stark man Russland tatsächlich von weiteren Angriffen abschrecken kann.

    Der britische Premierminister Keir Starmer forderte eine internationale Truppe, die in der Ukraine stationiert werden könnte – mit einer Stärke von mehreren Hundert bis zehntausenden Soldaten. Trump äußerte, Russland könnte sich mit europäischen Truppen abfinden, obwohl Moskau derartigen Vorschlägen bisher regelmäßig eine Absage erteilt hat.

    Teilerfolge:
    Selenskyj und europäische Regierungschefs haben gelernt, wie man mit Trump umgehen muss. Während Selenskyj bei einem früheren Besuch im Weißen Haus noch gerügt und frühzeitig verabschiedet wurde, wurde er diesmal freundlich empfangen, erhielt Zusagen für amerikanische Waffenlieferungen und Unterstützung bei der Vermittlung eines persönlichen Treffens mit Putin.

    In der Nacht bombardierte Russland die Ukraine erneut mit Hunderten Drohnen und Raketen.


    Netanjahu unter Druck wegen vorgeschlagenem Gaza-Waffenstillstand

    Einige Vertreter des ultrarechten Flügels in Israels Regierungskoalition lehnen einen vorgeschlagenen Geiselaustausch mit der Hamas kategorisch ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich zu dem von der Hamas bereits akzeptierten Waffenstillstandsplan zunächst nicht positioniert.

    Der Plan sieht die Freilassung eines Teils der verbleibenden Geiseln im Gazastreifen im Austausch gegen palästinensische Gefangene vor. Ein Waffenstillstand würde de facto Netanjahus angekündigte Offensive auf Gaza-Stadt stoppen.

    In diesem Zusammenhang:
    Israel hat mit Südsudan Gespräche darüber geführt, ob das Land bereit wäre, palästinensische Zivilisten aus Gaza in größerer Zahl aufzunehmen.


    Indonesiens Regenwälder werden für US-Wohnmobile gerodet

    US-amerikanische Wohnmobilhersteller setzen seit Jahrzehnten auf einen entscheidenden Importrohstoff: Lauan-Holz aus Indonesien. Das Tropenholz wird zu Sperrholz verarbeitet, das leicht, feuchtigkeitsresistent und flexibel ist.

    Hersteller halten Lauan für unersetzlich – etwa für Schränke und Innenverkleidungen der Fahrzeuge. Umweltschutzorganisationen kritisieren jedoch, dass die Nachfrage der Branche die Abholzung in Borneo massiv beschleunigt habe. In den vergangenen fünf Jahren seien dort große Flächen Regenwald gerodet worden.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Pakistan: Mindestens 660 Menschen starben seit Beginn der Monsunzeit Ende Juni bei regenbedingten Unglücken.
    • Kanada: Ein vorläufiger Tarifabschluss beendete den Streik des Bordpersonals von Air Canada, der Tausende Reisende stranden liess.
    • Großbritannien: Ein Gericht entschied, dass Asylsuchende aus einem Hotel ausziehen müssen – ein Urteil mit Signalwirkung in einer zunehmend aufgeheizten Debatte.
    • Russland: Laut einem Forschungsinstitut zielt Moskau auf die Destabilisierung Europas durch Angriffe auf kritische Infrastruktur.
    • Gesundheit: Das von Mücken übertragene Chikungunya-Virus breitet sich rasant aus – erstmals gibt es auch Fälle in China.
    • Europa/USA: Alkohol aus der EU wird laut einem US-Beamten wohl nicht von neuen amerikanischen Zöllen ausgenommen.
    • Kriminalität: Die Frau, die laut Anklage das Ketamin verkaufte, das zum Tod von Matthew Perry führte, wird sich schuldig bekennen.

    Autor: P. Tiko

  • Wenn der Sommer den Herbst vertreibt – Warum die Winzer im Var immer früher zur Schere greifen

    Wenn der Sommer den Herbst vertreibt – Warum die Winzer im Var immer früher zur Schere greifen

    Mitten im August – die Sonne steht hoch, das Meer glitzert in der Ferne, und die Grillen zirpen in den Weinstöcken rund um Pierrefeu-du-Var. Was nach Urlaubsidylle klingt, ist in diesem Jahr auch der Auftakt zu etwas Ungewöhnlichem: Die ersten Trauben des Jahrgangs 2025 wurden am 12. August gelesen. So früh wie eigentlich nie zuvor. Ein früher Winter, ein noch früherer Frühling – und schon rollt die Lese. Der Klimawandel schreibt mit an der Geschichte des Weins, und das mittlerweile spürbar auch im Herzen der Provence. Drehen sich die Jahreszeiten um die Rebe? Der Zyklus der Weinrebe folgt der Natur. Und wenn sich diese verschiebt, verschiebt sich auch alles andere. In Pierrefeu haben sich die Knospen bereits Mitte März geöffnet – rund zwei Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten üblich. Das bedeutet: Die Pflanzen beginnen früher zu wachsen, zu blühen und zu reifen. Die Konsequenz? Ein Vorspulen der Lese in den Hochsommer. Auch im Golfe de Saint-Tropez zeigt sich dieses Phänomen…

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