Schlagwort: nachhaltige Stadtentwicklung

  • Kommentar: Wenn das Klima nicht gerettet wird, muss wenigstens der Mensch gerettet werden

    Kommentar: Wenn das Klima nicht gerettet wird, muss wenigstens der Mensch gerettet werden

    Es ist eine bittere Ironie unserer Zeit.

    Seit Jahren streiten Regierungen über Klimaziele, Emissionshandel, Förderprogramme und internationale Gipfel. Es werden Absichtserklärungen unterschrieben, Kompromisse gefeiert und Termine in die Zukunft verschoben. Währenddessen steigt das Thermometer weiter – und der Asphalt in unseren Städten heizt sich auf Temperaturen auf, auf denen man beinahe ein Spiegelei braten könnte.

    Die große Rettung des Weltklimas? Sie lässt auf sich warten.

    Aber die Menschen leben nicht irgendwann. Sie leben heute.

    Und genau deshalb verdient die kleine südfranzösische Stadt Cuers Aufmerksamkeit. Nicht, weil sie den Klimawandel stoppen könnte. Das kann sie nicht. Sondern weil sie etwas viel Bodenständigeres tut: Sie schützt ihre Bürger vor den Folgen der Hitze.

    Helle Straßen statt schwarzer Hitzespeicher. Mehr Bäume statt mehr Beton. Entsiegelte Flächen statt immer neuer Parkplätze. Schulhöfe, auf denen Kinder nicht in einer Backofenlandschaft spielen müssen. Stadtplanung, die Schatten plötzlich genauso wichtig nimmt wie Baugrundstücke.

    Eigentlich klingt das alles erschreckend selbstverständlich.

    Genau deshalb stellt sich eine unbequeme Frage: Warum ist darauf nicht längst jede Kommune gekommen?

    Wie viele Millionen Euro fließen Jahr für Jahr in Prestigeprojekte, Kreisverkehre mit Kunstwerken oder neue Verwaltungsgebäude? Wie oft wird darüber diskutiert, ob eine Straße noch eine Spur mehr für Autos braucht? Und wie selten geht es darum, ob ältere Menschen den Weg zum Supermarkt im Hochsommer überhaupt noch schaffen, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen?

    Vielleicht liegt das Problem darin, dass Hitze keine spektakulären Bilder liefert. Ein Hochwasser reißt Häuser mit sich. Ein Sturm knickt Bäume um. Das sieht jeder in den Nachrichten.

    Hitze dagegen tötet leise.

    Sie fordert ihre Opfer hinter heruntergelassenen Rollläden, in stickigen Dachwohnungen und auf versiegelten Plätzen, die tagsüber zur Glutfläche werden. Sie schickt Menschen ins Krankenhaus, verschlechtert chronische Krankheiten und macht den Alltag zur Belastungsprobe. Und trotzdem behandelt die Politik Hitzeschutz vielerorts noch immer wie eine Nebensache.

    Das grenzt inzwischen an Verantwortungslosigkeit.

    Niemand verlangt von einem Bürgermeister, den Planeten zu retten. Niemand erwartet von einer Stadtverwaltung, den weltweiten CO₂-Ausstoß entscheidend zu senken. Aber jede Kommune kann entscheiden, ob sie den nächsten Parkplatz asphaltiert oder einen Baum pflanzt. Ob sie Schulhöfe begrünt oder weiter auf schwarze Teerflächen setzt. Ob sie Schatten schafft oder Ausreden.

    Cuers zeigt, dass es geht.

    Natürlich kostet das Geld. Natürlich entstehen Konflikte. Natürlich lassen sich nicht alle Straßen über Nacht umbauen.

    Aber Nichtstun kostet ebenfalls – und zwar immer mehr.

    Die Rechnung bezahlen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Familien und letztlich alle Steuerzahler. Vor allem aber bezahlen sie die Menschen, die während jeder Hitzewelle um ihre Gesundheit kämpfen.

    Was besonders ärgerlich macht: Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch. Stadtplaner, Klimaforscher und Landschaftsarchitekten sprechen seit Jahren über helle Beläge, entsiegelte Flächen, Bäume und kühlende Grünräume. Das Wissen fehlt also nicht.

    Es fehlt der politische Wille.

    Stattdessen verliert sich die Debatte häufig in ideologischen Grabenkämpfen. Die einen wollen ausschließlich über Klimaschutz reden. Die anderen am liebsten gar nicht mehr. Beide Seiten übersehen dabei eine einfache Wahrheit: Selbst wenn morgen weltweit kein Gramm CO₂ mehr ausgestoßen würde, blieben die Hitzesommer der kommenden Jahre Realität.

    Anpassung ist deshalb keine Kapitulation.

    Anpassung ist Vernunft.

    Wer heute Städte umbaut, schützt keine abstrakten Klimamodelle. Er schützt Kinder auf Schulhöfen, ältere Menschen auf dem Weg zur Apotheke, Beschäftigte auf öffentlichen Plätzen und Familien in dicht bebauten Wohnvierteln.

    Vielleicht braucht es ausgerechnet eine 13.000-Einwohner-Gemeinde im Var, um den großen Städten und der nationalen Politik den Spiegel vorzuhalten.

    Denn manchmal beginnt eine Revolution nicht mit einer milliardenschweren Strategie, sondern mit einer einfachen Erkenntnis: Schwarzer Asphalt wird heiß. Bäume spenden Schatten. Und Menschen brauchen beides – weniger Hitze und mehr gesunden Menschenverstand.

    Wenn schon die große Klimarettung politisch stockt, dann gibt es wenigstens keine Ausrede mehr, die Bevölkerung schutzlos in den nächsten Hitzesommer zu schicken.

    Cuers hat vorgemacht, wie es gehen kann.

    Jetzt müssten andere nur noch den Mut haben, das endlich nachzumachen.

    Andreas M. Brucker

  • Cuers zeigt, wie Städte der Hitze trotzen können

    Cuers zeigt, wie Städte der Hitze trotzen können

    Der Klimawandel verändert nicht nur Wetterkarten, sondern den Alltag der Menschen. Hitzewellen gehören längst nicht mehr zu den seltenen Ausnahmen, sondern prägen vielerorts den Sommer. Besonders Städte geraten dabei an ihre Grenzen. Asphalt speichert die Sonnenwärme, Beton strahlt sie bis tief in die Nacht wieder ab und Grünflächen verschwinden vielerorts unter Pflastersteinen. Im südfranzösischen Cuers im Département Var geht die Stadtverwaltung deshalb einen ungewöhnlichen Weg. Seit 2022 entwickelt die Gemeinde Schritt für Schritt ein Konzept, das den öffentlichen Raum widerstandsfähiger gegen extreme Temperaturen machen soll.

    Dabei richtet sich der Blick nicht zuerst auf die Lufttemperatur, sondern auf den Boden. Die gemessenen Unterschiede sind beeindruckend. Schwarzer Asphalt, der stundenlang der Sonne ausgesetzt ist, erreicht Temperaturen von bis zu 61 Grad Celsius. Derselbe Belag im Schatten bleibt mit rund 31 Grad deutlich kühler. Noch überraschender fällt der Vergleich mit helleren Straßenbelägen aus. Ein ockerfarbener Fahrbahnbelag liegt bei vergleichbaren Bedingungen bis zu 15 Grad unter der Temperatur eines herkömmlichen schwarzen Asphalts.

    Aus diesen Erkenntnissen entstand das kommunale Programm „Ville Basse Température l’Été“, also eine Stadt mit möglichst niedrigen Sommertemperaturen. Hinter der etwas sperrigen Bezeichnung verbirgt sich eine Frage, die in den kommenden Jahren viele Kommunen beschäftigen dürfte: Wie lässt sich eine Stadt an ein Klima anpassen, das längst heißer geworden ist als jenes, für das sie ursprünglich geplant wurde?

    Der Sommer 2022 markierte für Cuers den Wendepunkt. Anhaltende Hitzeperioden machten deutlich, dass öffentliche Gebäude, Schulen und Kindergärten zunehmend unter den hohen Temperaturen litten. Straßen heizten sich tagsüber massiv auf und gaben die gespeicherte Wärme bis in die Nacht wieder ab. Die Verantwortlichen kamen zu dem Schluss, dass kurzfristige Notfallmaßnahmen allein nicht mehr ausreichen. Statt lediglich auf Hitzewellen zu reagieren, sollte die Stadt selbst so verändert werden, dass sie künftig weniger Wärme speichert.

    Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.

    Viele Kommunen konzentrieren sich bislang vor allem auf den Gesundheitsschutz während extremer Hitze. Ältere Menschen erhalten Unterstützung, klimatisierte Räume stehen bereit, Trinkwasser wird verteilt und besonders gefährdete Personen stehen unter verstärkter Beobachtung. Diese Maßnahmen bleiben unverzichtbar. Cuers setzt jedoch bereits deutlich früher an. Ziel ist es, die Entstehung von Hitzeinseln möglichst zu verhindern.

    Ein zentrales Experiment begann direkt auf den Straßen der Stadt.

    Schwarzer Asphalt besitzt zahlreiche Vorteile. Er ist robust, langlebig und vergleichsweise preiswert. Gleichzeitig absorbiert seine dunkle Oberfläche einen Großteil der Sonneneinstrahlung und verwandelt Straßen sowie Parkplätze in riesige Wärmespeicher.

    Die Lösung klingt beinahe verblüffend einfach: Der Asphalt erhält eine andere Farbe.

    Bereits 2022 wurden zwei Straßen im Stadtzentrum mit einem ockerfarbenen Belag ausgestattet. Besonders die Rue Carnot dient inzwischen als Modellprojekt. Dort kombiniert die Stadt den hellen Fahrbahnbelag mit Gehwegen aus einem Material, das statt eines klassischen Erdölbindemittels auf pflanzliche Bestandteile setzt.

    Ganz ohne Schattenseite bleibt diese Idee allerdings nicht.

    Die Kosten liegen deutlich über denen herkömmlicher Bauweisen. Nach Angaben der Gemeinde kostet ockerfarbener Asphalt etwa viermal so viel wie klassischer schwarzer Straßenbelag. Materialien mit pflanzlichem Bindemittel treiben die Ausgaben zusätzlich nach oben. Auch das Pflanzen neuer Bäume schlägt einschließlich der notwendigen Tiefbauarbeiten mit mehr als 1.500 Euro pro Exemplar zu Buche. Schnell zeigt sich, dass klimafreundliche Stadtentwicklung erhebliche Investitionen verlangt.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Schulen.

    Wer an einen typischen französischen Schulhof denkt, hat oft große asphaltierte Flächen vor Augen. Sie sind pflegeleicht, widerstandsfähig und günstig. Während einer Hitzewelle verwandeln sie sich allerdings in wahre Glutplatten.

    An der Marcel-Pagnol-Schule wurde deshalb der dunkle Asphalt entfernt und durch einen hellen, wasserdurchlässigen Belag ersetzt. Dieser reduziert nicht nur die Oberflächentemperatur, sondern ermöglicht zugleich, dass Regenwasser wieder in den Boden einsickert. Parallel plant die Stadt weitere Schulhöfe zu entsiegeln und stärker zu begrünen. Solche sogenannten Klima- oder Oasenhöfe gelten inzwischen vielerorts als wichtiger Baustein moderner Stadtentwicklung.

    Dabei geht es längst nicht nur um Cuers. Fachleute rechnen damit, dass bereits in wenigen Jahren zahlreiche Schulen in Frankreich regelmäßig Temperaturen von über 35 Grad erleben könnten. Lernbedingungen verändern sich dadurch grundlegend.

    Natürlich spielt auch die Begrünung eine tragende Rolle.

    Seit Anfang 2023 pflanzte die Gemeinde 26 neue Bäume und führte zusätzlich eine Genehmigung ein, mit der Bürgerinnen und Bürger öffentliche Flächen selbst begrünen dürfen. Doch die Verantwortlichen betonen einen entscheidenden Punkt: Einen Baum zu pflanzen ist leicht, seine kühlende Wirkung entsteht erst viele Jahre später. Bestehende Schattenflächen leichtfertig zu beseitigen, um irgendwann neue entstehen zu lassen, wäre deshalb ein teurer Fehler.

    Besonders spannend wirkt deshalb eine andere Entscheidung der Gemeinde.

    Der Kampf gegen Hitze wurde direkt in den kommunalen Bebauungsplan aufgenommen. Nach einer Kartierung der besonders heißen und vergleichsweise kühlen Bereiche identifizierte die Stadt mehrere Grünflächen und Gärten, die künftig vor weiterer Bebauung oder zusätzlicher Versiegelung geschützt bleiben sollen. Damit verändert Cuers nicht nur einzelne Straßen oder Plätze, sondern die Regeln, nach denen die Stadt künftig wächst.

    Genau hier zeigt sich der eigentliche Innovationsgedanke.

    Ein paar Bäume zu pflanzen ist Stadtverschönerung. Die Bauleitplanung so anzupassen, dass künftige Hitzeinseln gar nicht erst entstehen, bedeutet langfristige Klimaanpassung.

    Inzwischen möchte Cuers seine Erfahrungen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen. Bereits 2024 organisierte die Gemeinde erstmals eine Fachmesse rund um das Thema hitzeresistente Städte. Kommunen, Architekten, Stadtplaner und Unternehmen nutzten die Gelegenheit zum Austausch. Ein Jahr später folgte bereits die zweite Ausgabe der Veranstaltung. Die Botschaft ist eindeutig: Cuers versteht sich als Modellkommune, deren Lösungen auch anderswo Anregungen liefern sollen.

    Dabei setzt die Stadt keineswegs auf eine spektakuläre Erfindung. Vielmehr kombiniert sie bekannte Maßnahmen zu einem schlüssigen Gesamtkonzept. Helle Straßenbeläge, schattenspendende Bäume, wasserdurchlässige Böden, begrünte Schulhöfe, angepasste Bauvorschriften und eine vorausschauende Stadtplanung greifen ineinander wie Zahnräder. Keine einzelne Maßnahme löst das Problem allein. Erst ihr Zusammenspiel entfaltet Wirkung.

    Genau darin steckt vermutlich die wichtigste Erkenntnis.

    Es existiert kein Wundermaterial, das Städte bei 40 Grad plötzlich angenehm kühl macht. Helle Straßen bleiben ohne Schatten heiß. Bäume gedeihen schlecht auf vollständig versiegelten Flächen. Begrünte Schulhöfe verlieren ihren Vorteil, wenn die Gebäude daneben schlecht gedämmt sind. Klimaanlagen schaffen zwar kurzfristig Erleichterung in Innenräumen, geben ihre Wärme jedoch nach außen ab und erhöhen zusätzlich den Energiebedarf.

    Cuers zeigt deshalb einen anderen Weg. Klimaanpassung entsteht nicht durch ein einziges Großprojekt, sondern durch viele gut abgestimmte Entscheidungen.

    Die Stadt stellt letztlich eine neue Frage. Jahrzehntelang drehte sich Stadtplanung vor allem um Wohnraum, Verkehr, Parkplätze oder wirtschaftliche Entwicklung. Heute rückt ein weiterer Gedanke in den Mittelpunkt: Bleibt eine Straße auch an den heißesten Sommertagen noch begehbar? Können Kinder auf dem Schulhof spielen, ohne der extremen Hitze ausgesetzt zu sein? Bietet ein Wohnviertel genügend Schatten, damit sich das Leben auch während einer Hitzewelle im Freien abspielen kann?

    Ob das Modell aus Cuers langfristig überall funktioniert, muss die Zukunft zeigen. Die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen muss über Jahre hinweg überprüft und wirtschaftlich bewertet werden. Ebenso wenig lässt sich eine kleine mediterrane Stadt eins zu eins auf Metropolen wie Paris, Straßburg oder Lille übertragen.

    Dennoch liefert Cuers einen bemerkenswerten Denkanstoß. Frankreich hat seine Städte jahrzehntelang darauf ausgerichtet, den Winter zu überstehen. Nun beginnt eine neue Phase der Stadtentwicklung – mit dem Ziel, lebenswerte Orte für immer heißere Sommer zu schaffen. In Cuers beginnt dieser Wandel mit Bäumen, hellen Straßen und Schulhöfen, auf denen der Asphalt nach und nach verschwindet.

    Autor: C.H.

  • Über einem Parkhaus wächst die Zukunft

    Über einem Parkhaus wächst die Zukunft

    Wer den Platz zum ersten Mal betritt, denkt kaum an Beton. Oleander wiegen sich im Wind, Lavendel verströmt seinen Duft, Gräser setzen leichte Akzente zwischen Agaven und schattenspendenden Bäumen. Die Szenerie erinnert an einen gewachsenen mediterranen Garten, der seit Jahrzehnten Teil der Landschaft ist. Doch der Eindruck täuscht: Unter dieser grünen Oase verbirgt sich ein Parkhaus.

    Genau darin liegt die Besonderheit eines bemerkenswerten Projekts in Antibes an der Côte d’Azur. Auf einer riesigen Betondecke entstand ein Garten, der den Herausforderungen eines sich wandelnden Klimas begegnet. Was zunächst wie ein gestalterisches Experiment wirkt, entwickelte sich zu einem Vorzeigeprojekt für moderne Stadtplanung im Mittelmeerraum.

    Die Ausgangslage war alles andere als einfach. Ein Parkdeck bietet Pflanzen normalerweise denkbar schlechte Bedingungen. Die verfügbare Erdschicht fällt begrenzt aus, Regenwasser versickert nur eingeschränkt, und jede zusätzliche Last muss genau berechnet werden. Große Bäume, dichte Strauchgruppen oder umfangreiche Bewässerungssysteme stoßen schnell an technische Grenzen.

    Statt gegen diese Bedingungen anzukämpfen, entschieden sich die Planer für einen anderen Weg. Sie orientierten sich konsequent an der Natur des Mittelmeerraums. Warum Pflanzen einsetzen, die ständig Wasser benötigen, wenn die Region seit Jahrhunderten Arten hervorbringt, die mit Trockenheit bestens zurechtkommen?

    So prägen heute Lavendel, robuste Gräser, Oleander, Agaven und widerstandsfähige Sträucher das Bild. Auch die Bäume wurden sorgfältig ausgewählt. Sie spenden Schatten, trotzen sommerlicher Hitze und kommen mit deutlich weniger Wasser aus als viele klassische Stadtbäume. Das Ergebnis wirkt erstaunlich natürlich – fast so, als hätte sich die Vegetation ihren Platz selbst gesucht.

    Hinter diesem Ansatz steckt eine langfristige Strategie. Antibes setzt seit Jahren auf sogenannte mediterrane Gärten. Ziel ist nicht nur eine attraktive Gestaltung öffentlicher Räume. Vielmehr sollen Grünflächen entstehen, die auch in Zukunft Bestand haben, selbst wenn Sommer heißer und Trockenperioden länger ausfallen.

    Damit verändert sich zugleich das Verständnis von Stadtgrün. Jahrzehntelang galten sattgrüne Rasenflächen als Ideal. Heute zeigen viele Kommunen im Süden Europas, dass solche Konzepte an ihre Grenzen stoßen. Ein Rasen gleicht in trockenen Regionen oft einem durstigen Gast, der nie genug bekommt. Mediterrane Pflanzen dagegen kommen mit deutlich weniger Ressourcen aus und bieten dennoch Farbe, Struktur und Lebensraum für zahlreiche Insekten.

    Eine zentrale Rolle spielt dabei das Wassermanagement. In einer Region, die immer häufiger unter Dürre leidet, zählt jeder eingesparte Liter. Deshalb setzt Antibes auf moderne Tröpfchenbewässerung. Das Wasser gelangt direkt an die Wurzeln, statt großflächig zu verdunsten. Ergänzt wird das System durch die Nutzung aufbereiteten Wassers und digitale Technologien, die Leckagen frühzeitig erkennen.

    Doch der Garten über dem Parkhaus erzählt noch eine andere Geschichte. Er steht für einen Wandel im Denken. Landschaftsarchitekten und Botaniker planen heute nicht mehr nur für die Gegenwart. Sie berücksichtigen bereits die Bedingungen der kommenden Jahrzehnte. Welche Baumarten überstehen längere Hitzewellen? Welche Pflanzen vertragen starke Niederschläge nach monatelanger Trockenheit? Welche Kombinationen fördern die Artenvielfalt?

    Die Antworten auf diese Fragen prägen inzwischen viele Projekte an der Côte d’Azur. Ziel sind Grünanlagen, die weitgehend selbstständig funktionieren und nur wenig Pflege benötigen. Die Natur dient dabei nicht als Dekoration, sondern als Vorbild.

    Gerade in dicht bebauten Städten gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Wo früher versiegelte Flächen dominierten, entstehen heute schattige Aufenthaltsorte. Pflanzen kühlen ihre Umgebung, speichern Wasser und schaffen Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Tiere. Gleichzeitig verbessern sie die Lebensqualität der Menschen. Wer sucht an einem heißen Sommertag nicht gerne einen Platz unter einem Baum statt auf aufgeheiztem Beton?

    Der Garten über dem Parkhaus von Antibes zeigt eindrucksvoll, wie solche Lösungen aussehen können. Er verbindet technische Infrastruktur mit Natur, ohne dass eines das andere verdrängt. Autos finden ihren Platz unter der Erde, während darüber ein lebendiger Grünraum wächst.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft dieses Ortes. Die Zukunft der Stadt entsteht nicht zwangsläufig durch immer mehr Technik oder immer neue Bauwerke. Manchmal genügt ein Blick auf die Strategien der Natur. Sie kennt seit Jahrtausenden Wege, mit Hitze, Trockenheit und Wandel umzugehen.

    Antibes hat diesen Gedanken aufgegriffen – und daraus einen Garten geschaffen, der weit über seine Grenzen hinaus als Inspiration dient. Zwischen Lavendel, Oleander und Schatten spendenden Bäumen wächst dort nicht nur Grün. Über einem Parkhaus wächst eine Vorstellung davon, wie Städte in einer wärmeren Welt lebenswert bleiben.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Kühles Netz statt heißer Luft – wie Lyon mit urbanen Kältenetzen gegen die Hitze antritt

    Kühles Netz statt heißer Luft – wie Lyon mit urbanen Kältenetzen gegen die Hitze antritt

    Wenn die Sommerhitze in Lyon wie eine unsichtbare Decke über der Stadt liegt, greifen viele reflexartig zur Klimaanlage. Doch mitten im Herzen der Metropole wächst eine stille, fast unsichtbare Alternative heran – die urbanen Kältenetze. Sie kühlen Gebäude, ohne heiße Luft zurück in die Straßen zu blasen, und könnten damit zu einem der wirksamsten Werkzeuge gegen städtische Hitzeinseln werden.

    Technik, die im Untergrund arbeitet – für Komfort oben in den HäusernDas Prinzip ist simpel, aber raffiniert: Eine zentrale Anlage produziert Kaltwasser – in der Regel zwischen 5 °C und 12 °C – und schickt es durch ein Netz unterirdischer Leitungen zu den angeschlossenen Gebäuden. Dort übernimmt es die Klimatisierung. Kein Brummen einzelner Klimageräte, kein Warmluftgebläse, das Gehwege noch heißer macht. Stattdessen: gebündelte Effizienz, besserer Wirkungsgrad, weniger Lärm. In Lyon ist das längst Realität. Der Geschäftsbezirk La Part-Dieu, pulsierendes Herz der Stadt, ist über ein solches Netz…

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  • Wenn’s läuft, dann läuft’s! – Wie kleine Ideen aus Dörfern ganz Frankreich inspirieren

    Wenn’s läuft, dann läuft’s! – Wie kleine Ideen aus Dörfern ganz Frankreich inspirieren

    Frankreich entdeckt seine stillen Helden – nicht in Pariser Ministerien, sondern in kleinen Gemeinden, wo kreative Köpfe den Alltag ihrer Mitbürger verbessern. Die „Fédération Française des Trucs qui Marchent“ (FFTM) macht genau das sichtbar: einfache, wirksame Ideen aus der Provinz, die anderswo genauso gut funktionieren könnten. Gegründet wurde die Bewegung 2022 von Raphaël Ruegger, einem jungen Lokalpolitiker aus dem beschaulichen Neuvy-sur-Barangeon. Statt über große Reformen zu debattieren, schaut er lieber auf das, was schon funktioniert. Und davon gibt es mehr als man denkt. Die Kraft der kleinen Dinge Ruegger wollte es wissen. Also schnappte er sich sein Auto und ging auf Tour – zehn Monate, 30.000 Kilometer, über 350 Bürgermeister gesprochen. Das Ziel? Projekte aufspüren, die einfach, nützlich und nachahmbar sind. Und siehe da: In Vittel, Cornimont oder Thaon-les-Vosges passiert mehr als so mancher Stadtbewohner glauben mag. Beispiel Vittel: Dort gibt es einen städtischen „Clu…

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  • Marseille nutzt die Kraft des Meeres – So wird Meerwasser zur Energiequelle für ganze Stadtviertel

    Marseille nutzt die Kraft des Meeres – So wird Meerwasser zur Energiequelle für ganze Stadtviertel

    Wer an Marseille denkt, hat sicherlich das blaue Meer, Bouillabaisse oder Sonnenuntergänge am Vieux-Port im Kopf. Doch inzwischen steckt in der Mittelmeer-Stadt auch jede Menge Energie – buchstäblich. Denn die Hafenmetropole verwandelt ihr Meerwasser in eine nachhaltige Wärme- und Kältequelle für ihre Stadtviertel. Willkommen in der Zukunft mit dem Namen: Thalassothermie.

    Wenn das Meer zum Heizkraftwerk wird Was sich fast wie Science-Fiction anhört, ist längst Realität: Die sogenannte Thalassothermie macht sich die gleichmäßige Temperatur des Meerwassers zunutze – zwischen 12 und 24 Grad Celsius, je nach Jahreszeit. Dieses Wasser wird in mehreren Metern Tiefe angesaugt, durchläuft Wärmetauscher, die entweder Energie entziehen oder abgeben, und gibt diese Wärme oder Kälte dann an eine temperierte Süßwasserleitung weiter. Das Süßwasser speist anschließend Wärmepumpen in den angeschlossenen Gebäuden. Das Ergebnis: Im Winter wohlige Wärme, im Sommer angenehme Kühle und ganzjährig warmes W…

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  • Ein Wald für Paris: Wie eine Million Bäume Hoffnung auf vergiftetem Boden säen

    Ein Wald für Paris: Wie eine Million Bäume Hoffnung auf vergiftetem Boden säen

    Kann aus einem Jahrhundert der Verschmutzung ein Jahrhundert der Heilung entstehen?

    Der lange Schatten der Vergangenheit

    Nur 20 Kilometer nordwestlich von Paris liegt die Plaine de Pierrelaye-Bessancourt – ein Ort, der einst als grüne Lunge der Hauptstadt gedacht war. Doch statt frischer Luft brachte er jahrzehntelang nur Schadstoffe: Seit dem späten 19. Jahrhundert diente die Fläche als gigantisches Feld für die Verteilung unbehandelter Abwässer aus Paris.

    Die Folge?

    Eine massive Anreicherung von Schwermetallen wie Cadmium, Blei und Zink in den Böden, die bis heute eine Herausforderung darstellen.


    Ein ambitioniertes Projekt nimmt Gestalt an

    Trotz dieser düsteren Vergangenheit wurde 2019 ein ehrgeiziges Vorhaben ins Leben gerufen: die Schaffung der Forêt de Maubuisson. Bis 2029 sollen auf einer Fläche von 1.340 Hektar über eine Million Bäume gepflanzt werden. Bereits jetzt sind mehr als 500.000 Setzlinge in der Erde – ein beeindruckender Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Ökosystem.


    Vielfalt als Schlüssel zur Resilienz

    Die Auswahl der Baumarten ist kein Zufall: Neben heimischen Arten wie Linde und Hainbuche werden auch robuste Sorten wie die amerikanische Roteiche gepflanzt. Diese Vielfalt soll nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch die Anpassungsfähigkeit des Waldes an den Klimawandel stärken.

    Wäre es nicht wunderbar, wenn sich dieses Prinzip überall durchsetzen würde?


    Finanzierung und Zusammenarbeit

    Mit einem Budget von 85 Millionen Euro wird das Projekt von zahlreichen öffentlichen Trägern gestemmt – von der Region bis hin zur Stadt Paris. Die praktische Umsetzung und Pflege übernimmt das französische Forstamt. Dahinter steht ein seltener Schulterschluss zwischen Umweltbehörden, Politik und kommunaler Ebene.


    Herausforderungen auf dem Weg

    Natürlich ist nicht alles ein Spaziergang: Etwa 55 % der Fläche befinden sich in Privatbesitz. Verhandlungen, Kaufangebote und manchmal auch Enteignungen sind nötig, um das Puzzle zusammenzusetzen. Zusätzlich machen illegale Müllablagerungen und unautorisierte Nutzungen den Behörden zu schaffen.


    Ein Modell für die Zukunft?

    Die Forêt de Maubuisson zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Vision und Durchhaltevermögen zusammentreffen. Ein ökologisches Projekt dieser Größenordnung mitten im Speckgürtel von Paris – das ist nicht nur ein Hoffnungsschimmer, sondern ein echtes Vorbild für viele andere Regionen Europas. Es geht eben nicht nur um Bäume, sondern um Lebensqualität, Klimaschutz und soziale Teilhabe.


    Persönliche Reflexion

    Was mich persönlich berührt? Der Gedanke, dass dort, wo früher Gifte den Boden durchtränkt haben, Kinder künftig im Schatten von Bäumen spielen könnten. Das ist mehr als Symbolik – das ist aktive Heilung. Und sie beginnt mit einem Setzling.

    Von Andreas M. B.

  • Bouxwiller blüht auf: Wie eine kleine Stadt zur großen Alternative wird

    Bouxwiller blüht auf: Wie eine kleine Stadt zur großen Alternative wird

    Zwischen malerischen Fachwerkhäusern, alten Pflastersteinen und der sanften Kulisse der Nordvogesen entsteht eine Erfolgsgeschichte. Bouxwiller, charmante Gemeinde im Département Bas-Rhin, zeigt, wie sich ländliche Orte mit Weitblick und Engagement in zukunftsfähige Lebensräume verwandeln können – ohne ihre Seele zu verlieren.


    Geschichte mit Zukunft

    Einst Sitz der Grafen von Hanau-Lichtenberg, trägt Bouxwiller seine Geschichte nicht wie ein Museum zur Schau, sondern lebt sie. Der Ort hat nicht nur sein architektonisches Erbe bewahrt – mit dem Hanauer Museum und einem Weihnachtsmarkt, der Jahr für Jahr Besucher verzaubert – er wurde auch mit dem Label Petites Cités de Caractère® ausgezeichnet. Diese Anerkennung bekommt nur, wer sein historisches Erbe wirklich ernst nimmt – und damit gleichzeitig neue Perspektiven schafft.


    Eine Strategie, die wirkt

    Seit 2021 ist Bouxwiller Teil des nationalen Programms Petites Villes de Demain. Ziel: ländliche Gemeinden stärken, die unter Leerstand, demografischem Rückgang und wirtschaftlicher Stagnation leiden. Doch statt zu klagen, handelt man in Bouxwiller.

    Stillgelegte Industrieflächen werden umgenutzt, öffentliche Gebäude energieeffizient saniert und Plätze neu gestaltet. Das ist keine romantische Dorfidylle – das ist smarte Stadtplanung für morgen.


    Leben für Familien – nicht nur fürs Wochenende

    Was Bouxwiller besonders macht? Es ist nicht nur schön, sondern auch funktional. Kindergärten, Grundschule, weiterführende Schulen – alles da. Auch das Gesundheitssystem ist solide aufgestellt, mit Ärzten, Zahnärzten, Pflegepersonal und einem Krankenhaus.

    Kurze Wege, persönliche Betreuung, echte Gemeinschaft – wer sich nach einem Leben jenseits des anonymen Großstadttrubels sehnt, findet hier genau das.


    Naturkulisse trifft Kulturerlebnis

    Mitten im Grünen – und dabei alles andere als verschlafen. Bouxwiller liegt am Rand des Regionalparks Vosges du Nord. Wandern auf dem Bastberg, durchatmen im Wald, Radfahren in der Hügellandschaft – Natur pur. Doch auch kulturell geht was: Konzerte, Feste, kreative Projekte – das ganze Jahr über ist der Ort in Bewegung.

    Wem also Natur und Kultur gleichermaßen am Herzen liegen, der muss nicht wählen – hier gibt’s beides.


    Ein Modell für andere? Durchaus.

    Was Bouxwiller gelingt, könnte auch anderswo funktionieren: mit klarem Blick für die eigenen Stärken, Offenheit für Neues und einem starken Miteinander. Der Weg ist ambitioniert, aber machbar – und er zeigt, wie ländliche Gemeinden sich aus der Abwärtsspirale befreien können, ohne ihren Charakter aufzugeben.

    Denn wer sagt eigentlich, dass Innovation und Tradition sich ausschließen?

    Bouxwiller macht’s vor: Weniger Lärm, mehr Leben.

    Von C. Hatty

  • Paris atmet auf – Wie eine Stadt den Autos Lebewohl sagte

    Paris atmet auf – Wie eine Stadt den Autos Lebewohl sagte

    Paris hat in den letzten zwei Jahrzehnten etwas geschafft, woran viele andere Großstädte noch verzweifeln: Die französische Hauptstadt hat ihre Beziehung zum Auto radikal überdacht – und sich stattdessen für saubere Luft, mehr Lebensqualität und grüne Oasen entschieden.

    Ein mutiger Schritt, der sich jetzt deutlich messen lässt.


    Ein Atemzug Geschichte

    Früher war Paris durchzogen von breiten Verkehrsadern. Hupen, Abgase, Parkplatzsuche – das gehörte zum Stadtbild wie das Baguette zum Frühstück. Doch Stück für Stück wurden 50.000 Parkplätze gestrichen, neue Parks eröffnet, und Fahrradwege schossen wie Frühlingsblumen aus dem Asphalt. Das alles klingt nach Kosmetik – ist aber pure Medizin für die Lunge.

    Denn: Die Luftqualität hat sich massiv verbessert.


    Zahlen, die aufhorchen lassen

    Laut Airparif, der Organisation für Luftüberwachung in der Region Paris, ist der Anteil an Feinstaub (PM 2.5) seit 2005 um satte 55 Prozent zurückgegangen. Stickstoffdioxid, das vor allem bei der Verbrennung von Diesel entsteht, sank um 50 Prozent. Verantwortlich dafür: eine klare Linie in der Politik. Umweltzonen, Fahrverbote für besonders schmutzige Fahrzeuge und die Förderung alternativer Mobilität wirken wie ein Frischluft-Turbo.

    Auf alten Luftverschmutzungskarten leuchtete Paris fast komplett rot – gefährlich hohe Werte in fast jedem Viertel. Heute ist davon nur noch ein feines Netz übrig, das die vielbefahrensten Straßen markiert.


    Gesunde Luft – ein stiller Held

    Feinstaub und Stickstoffdioxid sind unsichtbare Feinde. Doch ihre Wirkung ist fatal. Sie dringen tief in die Atemwege ein, schädigen Herz und Lunge, erhöhen das Risiko für Krebs und chronische Krankheiten. Insofern ist die neue Pariser Luft ein echter Lebensgewinn. Leichter atmen, besser leben – das ist mehr als ein politisches Ziel. Es ist ein Versprechen an die nächste Generation.


    Die Frau hinter dem Wandel

    Seit 2014 führt Anne Hidalgo das Ruder im Rathaus. Die sozialistische Bürgermeisterin hat sich ein „atmendes Paris“ auf die Fahnen geschrieben. Mehr Lebensqualität, weniger Autos, mehr Platz für Menschen. Klar, das klingt schön – aber einfach war es nicht.

    Gegner gab es viele: konservative Politiker, Auto-Lobbyisten und genervte Pendler aus dem Umland. Doch Hidalgo blieb standhaft. Und die Bürger? Haben sie Recht gegeben.


    Referenden und Revolutionen

    Im März stimmten die Pariser in einem Referendum dafür, 500 weitere Straßen autofrei zu machen. Schon 2023 wurden die Parkgebühren für SUVs drastisch erhöht – wer mit einem Spritschlucker in die Stadt rollt, zahlt das Dreifache. Auch symbolische Orte wie die Rue de Rivoli und das Seine-Ufer wurden in autofreie Zonen verwandelt. Plötzlich spazieren Menschen dort, wo früher Motoren dröhnten.

    Carlos Moreno, Professor an der Sorbonne und einst Berater der Stadt, spricht von einer „Stadtpolitik für das Wohlbefinden“. Treffender kann man es kaum sagen.


    Kritik? Natürlich – aber nicht entscheidend

    Klar, nicht jeder jubelt. Für Pendler wird’s manchmal knifflig, und die Umstellung kostet Zeit, Nerven – und Geld. Doch die positive Bilanz ist kaum zu übersehen. Die Luft ist messbar besser, das Stadtbild grüner, der Lärmpegel gesunken. Paris zeigt, dass es geht, wenn man nur will.

    Und mal ehrlich – wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Stadt der Liebe eines Tages auch die Stadt der Lunge wird?


    Eine neue Ära der Stadtplanung

    Die Pariser Revolution ist keine mit Barrikaden – sie ist leise, grün und entschlossen. Vielleicht ist das genau die Art von Revolution, die unsere Städte jetzt brauchen.

    Von Andreas M. B.