Schlagwort: Mobilität

  • Créteils Seilbahn begeistert Touristen aus aller Welt

    Créteils Seilbahn begeistert Touristen aus aller Welt

    Wer an Paris denkt, hat meist den Eiffelturm, den Louvre oder die Champs-Élysées vor Augen. Doch immer häufiger zieht es ausländische Besucher an einen Ort, der bislang kaum als touristisches Ziel galt: nach Créteil. Dort entwickelt sich die erste urbane Seilbahn der Île-de-France überraschend zu einer Attraktion, die Reisende aus aller Welt anlockt. Eigentlich entstand […]

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  • Manche Motoren treiben nicht nur Räder an – sie tragen Erinnerungen

    Manche Motoren treiben nicht nur Räder an – sie tragen Erinnerungen

    Es gibt Geschichten, die treffen einen mitten ins Herz, obwohl sie auf den ersten Blick nur von einem alten Motorroller handeln.

    Die Geschichte von Serge Boutade gehört dazu.

    Als ich seine Worte las – „Es war nicht teuer, es war wirklich Freiheit“ –, musste ich unwillkürlich innehalten. Denn plötzlich geht es nicht mehr um Blech, Lack oder Motoren. Es geht um etwas, das unserer Gesellschaft immer häufiger verloren geht: die Fähigkeit, sich an den Wert einfacher Dinge zu erinnern.

    Wie oft glauben wir heute, Glück müsse teuer sein? Ein neues Auto. Die nächste Fernreise. Das neueste Smartphone. Immer größer, immer schneller, immer mehr.

    Und dann kommt dieser über 90-jährige Mann daher und erinnert uns mit einem einzigen Satz daran, dass Freiheit einmal auf zwei kleinen Rädern begann.

    Ich glaube, genau deshalb lieben Menschen die Vespa bis heute. Nicht wegen ihrer Technik. Nicht wegen ihres Designs. Sondern weil sie Erinnerungen transportiert. Sie erzählt von Sommerabenden, die niemals enden sollten. Von ersten Küssen auf einer Dorfstraße. Vom Duft warmer Felder. Vom Fahrtwind im Gesicht. Von einer Zeit, in der man losfuhr, ohne ständig auf ein Display zu schauen oder das perfekte Foto für soziale Netzwerke zu suchen.

    Man war einfach unterwegs.

    Vielleicht liegt genau darin die Sehnsucht, die so viele Menschen empfinden, wenn sie eine alte Vespa sehen. Sie erinnert an eine Welt, die langsamer war. Menschlicher. Ehrlicher. Eine Welt, in der nicht jeder Augenblick dokumentiert werden musste, weil er sich ohnehin tief ins Gedächtnis einbrannte.

    Serge Boutade sammelt deshalb keine Motorroller.

    Er sammelt Lebensgeschichten.

    Jede Vespa in seinem Museum im kleinen Ort Saint-Marcel-du-Périgord, erzählt von einem Menschen, der irgendwann voller Hoffnung den Schlüssel umdrehte und glaubte, die ganze Welt liege vor ihm. Vielleicht war das Ziel nur das Nachbardorf. Vielleicht das Meer. Vielleicht das erste Date. Vielleicht einfach nur der Weg zur Arbeit. Doch für denjenigen, der damals aufstieg, fühlte es sich an, als gäbe es keine Grenzen mehr.

    Wie kostbar muss dieses Gefühl gewesen sein.

    Mich berührt besonders, dass ein Mann in diesem Alter seine Leidenschaft nicht für sich behält, sondern mit anderen teilt. In einer Zeit, in der vieles nur noch auf Gewinn, Klickzahlen oder Aufmerksamkeit ausgerichtet ist, wirkt sein Museum wie ein stiller Gegenentwurf. Es schreit nicht. Es beeindruckt nicht mit spektakulärer Architektur. Es erzählt einfach Geschichten.

    Und genau das macht es so wertvoll.

    Vielleicht brauchen wir viel mehr Menschen wie Serge Boutade. Menschen, die Dinge nicht sammeln, weil sie teuer sind, sondern weil sie Bedeutung besitzen. Menschen, die verstehen, dass Erinnerungen nicht veralten und dass manches mit jedem Jahr sogar kostbarer wird.

    Mich macht diese Geschichte auch ein wenig traurig.

    Nicht wegen der Vergangenheit, sondern weil wir oft vergessen, wie wenig es eigentlich braucht, um glücklich zu sein. Freiheit lässt sich nicht kaufen. Sie steckt nicht in PS-Zahlen oder Luxusmarken. Sie entsteht in Augenblicken, in denen man den Wind spürt, den Alltag hinter sich lässt und für einen kurzen Moment das Gefühl hat, dass alles möglich ist.

    Vielleicht sollten wir uns genau das öfter ins Gedächtnis rufen.

    Denn irgendwann bleibt von jedem technischen Fortschritt nur das, was wir mit ihm erlebt haben. Keine Maschine der Welt besitzt einen Wert ohne die Erinnerungen, die an ihr hängen. Genau deshalb stehen in Serge Boutades Museum keine alten Roller.

    Dort stehen Träume.

    Und vielleicht verlassen die Besucher diesen Ort mit etwas viel Wertvollerem als einem schönen Foto. Mit der leisen Erkenntnis, dass das größte Glück manchmal genau dort beginnt, wo der Motor anspringt und das Herz für einen Moment wieder zwanzig Jahre alt ist.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • SNCF-Streik: Besonders starke Beteiligung in Bordeaux

    SNCF-Streik: Besonders starke Beteiligung in Bordeaux

    Der landesweite Streik bei der SNCF, zu dem die vier wichtigsten Gewerkschaften des französischen Bahnkonzerns aufgerufen hatten, wurde in der Region Bordeaux besonders stark befolgt. Wie in weiten Teilen von Nouvelle-Aquitaine beteiligten sich zahlreiche Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen, was zu erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr führte. Am Bahnhof Bordeaux-Saint-Jean fielen zahlreiche TGV-, Intercités- und TER-Verbindungen aus oder verkehrten mit erheblichen Verspätungen. Die SNCF hatte Nouvelle-Aquitaine bereits im Vorfeld als eine der am stärksten betroffenen Regionen eingestuft. Landesweit konnten lediglich rund zwei Drittel der TGV-Züge sowie etwa die Hälfte der Intercités-Verbindungen planmäßig verkehren. Der Regionalverkehr war vielerorts noch stärker beeinträchtigt. Nach Angaben der Gewerkschaften gehen die Forderungen weit über reine Lohnfragen hinaus. Kritisiert werden insbesondere die zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Umstrukturierungen im …

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  • Frankreich investiert erneut Milliarden in die Problemstrecke Clermont–Paris

    Frankreich investiert erneut Milliarden in die Problemstrecke Clermont–Paris

    Die französische Regierung kündigt eine weitere milliardenschwere Modernisierung der Bahnverbindung zwischen Clermont-Ferrand und Paris an. Verkehrsminister Philippe Tabarot stellte zusätzliche Investitionen von 450 Millionen Euro für die Jahre 2028 bis 2031 in Aussicht. Damit soll eine Strecke saniert werden, die seit Jahren als Symbol für die strukturellen Schwächen des klassischen französischen Eisenbahnnetzes gilt. Bereits zwischen 2018 und 2027 flossen rund 1,3 Milliarden Euro in die Verbindung. Dennoch blieb die Strecke immer wieder wegen massiver Verspätungen, technischer Ausfälle und kurzfristiger Zugstreichungen in den Schlagzeilen. In Frankreich wird die Linie seit langem als „ligne maudite“ – die „verfluchte Strecke“ – bezeichnet. Besonders für die Bewohner des Zentralmassivs entwickelte sich die Bahnverbindung zu einem politischen Reizthema, das weit über regionale Verkehrspolitik hinausweist. Die neuen Mittel sollen vor allem in die grundlegende Erneuerung der Infrastruktu…

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  • Annemasse zieht die Bremse an – Fahrräder und E-Scooter aus der Fußgängerzone verbannt

    Annemasse zieht die Bremse an – Fahrräder und E-Scooter aus der Fußgängerzone verbannt

    In Annemasse endet vorerst die Idee vom harmonischen Nebeneinander auf engem Raum. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, Fahrräder und E-Scooter aus den Fußgängerzonen der Innenstadt weitgehend zu verbannen. Wer künftig tagsüber durch die Einkaufsstraßen rollen möchte, muss absteigen und schieben. Die Regel gilt von Montag bis Samstag, nachts zwischen Mitternacht und acht Uhr bleibt die Durchfahrt erlaubt. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 150 Euro.

    Die Entscheidung markiert einen deutlichen Kurswechsel.

    Noch vor wenigen Monaten sprach die Stadt bei der Umgestaltung des Zentrums von einer „beruhigten Innenstadt“, in der sich Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von Trottinettes den öffentlichen Raum teilen sollten – gegenseitige Rücksichtnahme inklusive. Jetzt klingt der Ton rauer. Bürgermeister Gabriel Doublet setzt auf Härte, auf sichtbare Ordnung und auf eine Sicherheitsstrategie, die in Annemasse inzwischen überall spürbar ist. Mehr Stadtpolizei, Videoüberwachung, konsequente Ahndung kleiner Verstöße – die berühmte Null-Toleranz-Linie.

    Man kennt solche Entwicklungen aus vielen französischen Städten. Erst entstehen neue Radwege, danach wächst der Konflikt mit Fußgängern, irgendwann folgen Einschränkungen. Ein bisschen wie beim Familienurlaub im Auto: Anfangs wollen alle Musik hören, später streitet man darüber, wer überhaupt noch reden darf.

    Juristisch bewegt sich die Stadt durchaus auf sicherem Boden. Das französische Straßenrecht erlaubt lokalen Behörden, eigene Regeln für Fußgängerbereiche festzulegen. Fahrräder dürfen dort zwar grundsätzlich im Schritttempo fahren, doch Kommunen besitzen Spielraum für strengere Vorgaben. Für elektrische Tretroller gelten ohnehin schon enge Grenzen. Besonders ältere Menschen oder Familien mit Kindern beklagen seit Jahren riskante Situationen auf engen Gehwegen und Plätzen.

    Und ja – wer einmal beinahe von einem lautlosen E-Scooter gestreift wurde, versteht die Nervosität sofort.

    Politisch bleibt die Sache trotzdem heikel. Kritiker werfen der Stadt vor, ausgerechnet jene Verkehrsmittel auszubremsen, die eigentlich Teil der ökologischen Wende sein sollen. Schließlich investierten viele Kommunen jahrelang Millionen in sanfte Mobilität, Fahrradförderung und autofreie Zentren. Nun trifft die neue Regel auch jene Radfahrer, die sich korrekt verhalten. Die Opposition spricht deshalb von einer pauschalen Bestrafung wegen einiger weniger Rücksichtsloser.

    Genau dort liegt der Kern des Problems. Städte wollen lebendige Innenstädte ohne Autos, zugleich sollen sich Fußgänger sicher fühlen. Beides gleichzeitig hinzubekommen, gleicht manchmal dem Versuch, auf einem Fahrrad einen Espresso zu transportieren – theoretisch machbar, praktisch ziemlich wacklig.

    Denn Verbote allein lösen selten dauerhaft Konflikte. Wenn Radfahrer keine klaren Alternativrouten finden, weichen sie auf Gehwege oder Nebenstraßen aus. Wenn Kontrollen willkürlich wirken, wächst der Frust. Und wenn Städte zwar das Fahrrad politisch feiern, ihm im Alltag aber ständig Grenzen setzen, entsteht ein widersprüchliches Signal.

    Annemasse steht damit exemplarisch für viele europäische Kommunen. Die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um Verkehr, sondern um die Frage, wem die Stadt eigentlich gehört. Den Flaneuren? Den Pendlern? Den Radfahrern? Oder allen gemeinsam?

    Die Antwort darauf entscheidet am Ende nicht ein Verbotsschild allein, sondern die Art, wie öffentlicher Raum organisiert wird. Ein friedliches Zentrum entsteht nicht durch reine Härte. Sondern durch Regeln, die nachvollziehbar bleiben – und durch Platz für alle.

    Von C. Hatty

  • Wenn der Tank leer bleibt, schrumpft auch die Staatskasse

    Wenn der Tank leer bleibt, schrumpft auch die Staatskasse

    Die französische Energiewende bringt ein fiskalisches Dilemma ans Licht, das lange unterschätzt wurde: Je weniger Benzin und Diesel die Bürger verbrauchen, desto stärker geraten traditionelle Staatseinnahmen unter Druck. Nach jüngsten Schätzungen entgehen dem französischen Staat bereits heute rund 300 Millionen Euro an Einnahmen, weil der Kraftstoffverbrauch sinkt. Im Verhältnis zum gesamten Staatshaushalt erscheint dieser Betrag noch überschaubar. Politisch und strukturell markiert er jedoch den Beginn einer tiefgreifenden Transformation. Über Jahrzehnte gehörten die Abgaben auf Kraftstoffe zu den verlässlichsten Einnahmequellen des französischen Staates. Jeder Tankvorgang speiste automatisch die öffentlichen Kassen – über die TICPE, die französische Energiesteuer auf Kraftstoffe, sowie über die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel. Dieses System funktionierte wie eine dauerhafte fiskalische Rente: Mobilität bedeutete Steuereinnahmen. Doch genau dieses Modell beginnt zu erodieren. Der…

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  • Spritbeihilfen: Taxi- und VTC-Fahrer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

    Spritbeihilfen: Taxi- und VTC-Fahrer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

    Sie fahren den ganzen Tag, oft bis tief in die Nacht. Sie warten mit abgestelltem Motor vor Bahnhöfen, drehen Leerfahrten zwischen zwei Kunden und legen täglich hunderte Kilometer zwischen Vororten, Innenstädten und Flughäfen zurück. Dennoch hatten viele Taxi- und VTC-Fahrer in Frankreich zuletzt das Gefühl, bei den ersten staatlichen Hilfsmaßnahmen gegen die steigenden Kraftstoffpreise schlicht übersehen worden zu sein. Zwar kündigte die Regierung mehrere Unterstützungsprogramme an, um die Folgen der neuen Energieverteuerung abzufedern. Doch in der Praxis fühlen sich zahlreiche Fahrer von den Maßnahmen kaum angesprochen. Besonders die angekündigte Kraftstoffprämie von 50 Euro für einkommensschwächere Vielfahrer wird in der Branche vielfach als symbolische Geste wahrgenommen. Für viele Fahrer entspricht dieser Betrag kaum mehr als einer einzigen Tankfüllung. Vor allem aber kritisieren sie, dass ihre berufliche Realität in den bisherigen Hilfspaketen nur unzureichend berücksichtigt werd…

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  • Frankreichs Autofahrer tanken anders: Der Literpreis verändert den Alltag

    Frankreichs Autofahrer tanken anders: Der Literpreis verändert den Alltag

    Frankreichs Tankstellen erzählen derzeit mehr über die wirtschaftliche Stimmung des Landes als mancher Konjunkturbericht. Wo früher der Zapfhahn oft bis zum vollen Tank lief, dominieren heute kleinere Beträge. 15 Euro hier, 20 Euro dort – gerade genug, um zur Arbeit zu gelangen, die Kinder abzuholen oder den Wocheneinkauf zu erledigen. Der Tankvorgang gleicht zunehmend einem Balanceakt zwischen Mobilität und Haushaltskasse. Die jüngsten Kraftstoffpreise setzen viele Bürger erheblich unter Druck. Diesel überschritt Ende April 2026 vielerorts die Marke von 2,20 Euro pro Liter, während auch Benzinpreise um oder über 2 Euro verharren. Für Pendler, Familien und Menschen im ländlichen Raum bedeutet das keine bloße Unannehmlichkeit, sondern eine direkte Belastung des täglichen Lebens. Vor allem außerhalb der Metropolen zeigt sich diese Entwicklung besonders scharf. In zahlreichen Regionen ersetzt das Auto öffentliche Verkehrsmittel, die entweder unzureichend ausgebaut oder gar nicht vorhanden…

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  • Frankreichs neue Benzinpolitik: Präzise Hilfen statt breiter Entlastung

    Frankreichs neue Benzinpolitik: Präzise Hilfen statt breiter Entlastung

    Die französische Regierung hat im Frühjahr 2026 eine klare Linie in der Energiepolitik gezogen: Statt einer breit angelegten Senkung der Kraftstoffpreise setzt sie auf gezielte Unterstützungsmaßnahmen für besonders betroffene Gruppen. Diese Strategie markiert einen politischen Kurswechsel – weg von universellen Entlastungen hin zu einer selektiven, sozial und wirtschaftlich differenzierten Intervention. Vom Notfallplan zur strukturierten Unterstützung Den Auftakt bildete ein kurzfristiges Maßnahmenpaket für April, das zunächst eng gefasst war. Der Staat stellte rund 70 Millionen Euro bereit, konzentriert auf drei besonders exponierte Sektoren: den Straßengüterverkehr, die Fischerei und die Landwirtschaft. Diese Auswahl folgte einer klaren Logik: In diesen Branchen stellt der Treibstoff keinen variablen Kostenfaktor dar, sondern eine zentrale Produktionsbedingung. Für Transportunternehmen wurde eine pauschale Unterstützung von etwa 20 Cent pro Liter vorgesehen – ein Instrument, das gezi…

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  • Der Preis des Krieges: Wie der Nahostkonflikt Europas Flugverkehr verteuert

    Der Preis des Krieges: Wie der Nahostkonflikt Europas Flugverkehr verteuert

    Der Krieg im Nahen Osten entfaltet seine Wirkung längst über die unmittelbare Region hinaus. Was zunächst als geopolitische Eskalation wahrgenommen wurde, zeigt nun konkrete Folgen im europäischen Alltag – insbesondere auch im Luftverkehr. Steigende Ticketpreise, ausgedünnte Flugpläne und wachsende Unsicherheit bei der Reiseplanung sind Ausdruck einer Entwicklung, die die strukturelle Verwundbarkeit globalisierter Mobilität offenlegt.

    Energie als neuralgischer Punkt des Luftverkehrs

    Im Zentrum der aktuellen Verteuerung steht ein Rohstoff, der für die Luftfahrt essenziell ist: Kerosin. Anders als häufig angenommen, reagieren Flugpreise nicht nur auf den globalen Ölpreis, sondern insbesondere auf die Verfügbarkeit und die Raffineriekapazitäten für Flugtreibstoff. Der Krieg mit Iran hat zentrale Transport- und Produktionsrouten im Nahen Osten destabilisiert – einer Region, die für den globalen Energiefluss von herausragender Bedeutung ist.

    Die Folge ist ein doppelter Preisdruck: Zum einen steigen die Rohstoffkosten, zum anderen verteuern sich der Transport und dessen Versicherungen. Versicherungsprämien für Lieferungen durch Krisengebiete nehmen zu, während logistische Umwege zusätzliche Kosten verursachen. Für Airlines bedeutet das eine erhebliche Belastung ihrer ohnehin sensiblen Kostenstruktur.

    Von der Kostensteigerung zum Ticketpreis

    Fluggesellschaften operieren traditionell mit geringen Margen. Treibstoffkosten machen je nach Marktphase bis zu einem Drittel der Gesamtausgaben aus. Steigen diese abrupt, bleibt den Unternehmen nur begrenzter Spielraum: Entweder sie kompensieren die Mehrkosten durch höhere Ticketpreise – oder sie reduzieren ihr Angebot.

    Aktuell sind beide Strategien zu beobachten. In einzelnen Märkten berichten Branchenbeobachter von Preisaufschlägen von rund 100 Euro für Hin- und Rückflüge. Dieser Wert ist kein universeller Standard, sondern eine Momentaufnahme spezifischer Strecken und Buchungssituationen. Besonders betroffen sind Langstreckenverbindungen, bei denen Treibstoffkosten einen überproportionalen Anteil ausmachen.

    Auf kürzeren Strecken zeigt sich die Preissteigerung subtiler. Hier äußert sie sich häufig in Form von Zusatzgebühren, eingeschränkten Tarifoptionen oder schlicht geringerer Verfügbarkeit günstiger Tickets.

    Flugpläne unter Druck

    Neben den Preisen gerät auch die Angebotsseite ins Wanken. Erste Fluggesellschaften haben bereits begonnen, unrentable Verbindungen zu streichen. Hinter dieser Entwicklung steht eine nüchterne betriebswirtschaftliche Logik: Wenn steigende Kosten nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden können, sinkt die Attraktivität schwächer ausgelasteter Strecken.

    Für Passagiere bedeutet das eine schleichende Verschlechterung des Angebots. Weniger Direktverbindungen, ungünstigere Abflugzeiten und längere Reisewege sind die Folge. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf verbleibende Verbindungen, was wiederum die Preise weiter nach oben treibt.

    Der Faktor Unsicherheit

    Ein entscheidender Aspekt der aktuellen Entwicklung ist die Unsicherheit. Anders als bei kurzfristigen Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten handelt es sich beim Nahostkonflikt um eine geopolitische Krise mit potenziell langfristigen Auswirkungen. Airlines reagieren darauf nicht nur mit unmittelbaren Preisanpassungen, sondern auch mit vorsichtigeren Planungen.

    Ein zentrales Instrument ist dabei das sogenannte Hedging – die Absicherung von Treibstoffpreisen im Voraus. Fluggesellschaften, die ihre Kerosinkosten frühzeitig fixiert haben, können Preisschocks kurzfristig besser abfedern. Andere sind gezwungen, steigende Kosten rasch an die Kunden weiterzugeben. Diese Unterschiede erklären, warum die Preisentwicklung derzeit uneinheitlich ausfällt.

    Europa als besonders exponierter Markt

    Für Europa ist die Situation besonders heikel. Der Kontinent verfügt über ein dichtes Netz an Kurz- und Mittelstreckenverbindungen und ist stark vom saisonalen Ferienflugverkehr abhängig. Gerade in den Sommermonaten trifft eine hohe Nachfrage auf eine Branche, die noch immer mit den Nachwirkungen der Pandemie kämpft.

    Hinzu kommt eine strukturelle Abhängigkeit von Energieimporten. Europa ist in hohem Maße auf stabile Lieferketten angewiesen – nicht nur für Rohöl, sondern auch für raffinierte Produkte wie Kerosin. Störungen in diesen Ketten wirken sich daher unmittelbar auf zentrale Infrastrukturen aus.

    Mehr als nur ein Preisschock

    Die aktuellen Preissteigerungen sind daher mehr als ein temporäres Phänomen. Sie verweisen auf grundlegende Zusammenhänge zwischen Geopolitik, Energieversorgung und Mobilität. Der Luftverkehr, lange Zeit als Symbol grenzenloser Verfügbarkeit betrachtet, erweist sich als empfindlich gegenüber externen Schocks.

    Diese Erkenntnis ist nicht neu, gewinnt jedoch durch die aktuelle Krise an Schärfe. Bereits in früheren Konflikten zeigte sich, wie stark geopolitische Spannungen die Energiepreise beeinflussen können. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der sich diese Effekte heute in den Alltag der Verbraucher übersetzen.

    Handlungsspielräume für Reisende

    Für Verbraucher bleibt der Handlungsspielraum begrenzt. Frühzeitige Buchungen können helfen, Preissteigerungen zu umgehen, bieten jedoch keine Garantie. Gleichzeitig wird Flexibilität zunehmend zum entscheidenden Faktor: Wer Reisedaten oder -ziele anpassen kann, hat bessere Chancen, günstige Angebote zu finden.

    Langfristig dürfte sich der Trend zu höheren Durchschnittspreisen fortsetzen, sofern die geopolitische Lage angespannt bleibt. Die aktuelle Entwicklung könnte zudem strukturelle Veränderungen in der Branche beschleunigen – etwa eine stärkere Konzentration auf profitable Strecken oder eine Reduktion von Kapazitäten Niedrigpreis-Segmenten.

    Die oft zitierte Marke von 100 Euro ist dabei weniger eine feste Größe als ein Symbol. Sie steht für die direkte Übersetzung geopolitischer Spannungen in ökonomische Realität. Der Krieg im Nahen Osten wirkt damit nicht nur auf diplomatischen und militärischen Ebenen, sondern greift tief in die Alltagsökonomie Europas ein – sichtbar auf den Buchungsseiten der Airlines und spürbar in den Reisebudgets der Bürger.

    Autor: P. Tiko