Schlagwort: Migration

  • 700.000 Menschen ohne Papiere in Frankreich? Was hinter dieser Zahl steckt

    700.000 Menschen ohne Papiere in Frankreich? Was hinter dieser Zahl steckt

    Erst waren es 200.000 bis 300.000, dann plötzlich 700.000: Als Laurent Nuñez, der ehemalige Pariser Polizeipräfekt und neue Innenminister, Ende Oktober 2025 auf zwei großen französischen Nachrichtensendern über die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich sprach, sorgte er für Verwirrung. Woher stammt diese hohe Zahl – und ist sie überhaupt realistisch? Denn eines steht fest: Wer keinen legalen Aufenthaltsstatus hat, wird statistisch nicht erfasst. Der französische Staat führt kein Register über Menschen ohne Papiere. Wie also lässt sich ihre Zahl überhaupt schätzen? Unsichtbare Realität Der einzige halbwegs belastbare Anhaltspunkt ist ein unscheinbares, aber bedeutendes Sozialhilfesystem: die Aide médicale d’État, kurz AME – eine staatliche medizinische Hilfe für Menschen in prekären Verhältnissen ohne Aufenthaltspapiere. Voraussetzung für den Bezug: Man muss seit mindestens drei Monaten in Frankreich leben und über geringe Einkünfte verfügen. Ende 2024 bezogen rund…

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  • Zwei Tote in Nizza – und keiner weiß mehr, wie man zur Normalität zurückkehrt

    Zwei Tote in Nizza – und keiner weiß mehr, wie man zur Normalität zurückkehrt

    Ein neuer Abend der Gewalt im Viertel Les Moulins: Schüsse, Tote, Angst – und die große Frage, ob der Staat längst die Kontrolle verloren hat Freitagabend, 21 Uhr. Während anderswo das Wochenende beginnt, zerreißen im Westen Nizzas Schüsse die Luft. Zwei Menschen sterben, fünf weitere werden verletzt – einer davon ist erst 15 Jahre alt. Es geschieht auf der Place des Amaryllis, einem Platz, der längst seinen Charme verloren hat. Denn hier, im Viertel Les Moulins, ist Gewalt keine Ausnahme mehr. Sie ist ein wiederkehrender Besucher. Und dieses Mal ist er wiedergekommen, mit voller Wucht.

    Ein Blutbad mit Ansage Die Ermittler sprechen von einer gezielten Tat. Drogenhandel, sagen sie, spiele „sehr wahrscheinlich“ eine Rolle. Doch nicht alle Opfer gehörten zur Szene. Wie so oft in Les Moulins: Die Kugeln treffen nicht nur die, die im Schatten agieren – sondern auch jene, die schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Ein junger Mann um die 20 und eine Person in den Fünfzigern sterben…

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  • Nicht die Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem – sondern die Art, wie wir über sie sprechen

    Nicht die Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem – sondern die Art, wie wir über sie sprechen

    Ein 18-jähriger Junge ist tot. Brutal zusammengeschlagen, mitten am helllichten Tag, an einem Ort, an dem Menschen normalerweise Busse nehmen, Freunde treffen, ihr Leben leben. Sein Name: Mamadou. Sein Schicksal: erschüttert eine ganze Stadt, vielleicht ein ganzes Land.

    Und sofort, fast reflexartig, springt die öffentliche Debatte in ein altbekanntes Muster: “Die Täter sind bestimmt Migranten.” “Das zeigt doch, wohin die Massenzuwanderung führt.” “Man sieht ja, wie die Ghettos explodieren.”

    Doch Halt. Stopp. Genau hier liegt das Problem.

    Denn nicht Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem. Das Problem ist, dass wir sie nach jeder Gewalttat reflexartig unter Generalverdacht stellen. Als seien Herkunft oder Hautfarbe automatisch ein Nährboden für Brutalität.

    Das ist nicht nur falsch – es ist gefährlich.

    Gewalt hat viele Gesichter, aber kein einziges hat eine eindeutige Nationalität.

    Schaut man genauer hin, zeigt sich: Es sind nicht die Migranten. Es sind Jugendliche – manche mit französischem Pass seit Generationen, andere mit ausländischen Wurzeln – die in einem Klima von Perspektivlosigkeit, sozialem Abstieg, zerbrochenen Familien und fehlender Anerkennung aufwachsen.

    Natürlich ist das keine Entschuldigung für Mord und Totschlag. Aber es ist eine Erklärung für das Umfeld, das Gewalt hervorbringen kann.

    Und es ist ein Umfeld, das nicht “importiert” wurde, sondern in Frankreich selbst gewachsen ist.

    Warum also immer dieser Griff in die Schublade “Migration”? Weil es bequem ist. Weil es die eigentlichen Fragen verdrängt: Warum gibt es Stadtviertel, in denen Kinder schon mit 12 wissen, dass sie es nie aufs Gymnasium schaffen? Warum gibt es Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance bekommen – egal, wie sehr sie sich bemühen? Warum fühlen sich ganze Straßenzüge seit Jahrzehnten politisch abgehängt?

    Es ist leichter, mit dem Finger auf eine Hautfarbe oder einen Namen zu zeigen, als auf die Gesellschaft, die diese Zustände duldet.

    Natürlich gibt es Banden. Natürlich gibt es Aggressoren. Aber die Vorstellung, dass “die Migranten” per se gewalttätig seien, ist nichts anderes als ein bequemes Ablenkungsmanöver.

    Die unbequeme Wahrheit lautet: Nicht Migration erzeugt Gewalt, sondern Marginalisierung.

    Wer also ernsthaft etwas gegen urbane Gewalt tun will, muss in Schulen investieren, in Sozialarbeit, in Jugendzentren, in Familienhilfe. Muss Jugendliche sehen, bevor sie zu Tätern werden.

    Und er muss die Sprache ändern.

    Denn jedes Mal, wenn wir das Etikett “Migrationshintergrund” wie eine Brandmarke auf Täter kleben, stigmatisieren wir Millionen Menschen, die arbeiten, studieren, Familien gründen – und nie etwas mit Gewalt zu tun haben.

    Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der ein Nachname schwerer wiegt als ein Lebenslauf?

    Mamadous Tod ist ein Drama. Aber noch dramatischer wäre es, wenn er einmal mehr zum Treibstoff einer verkürzten, hasserfüllten Debatte wird. Denn die eigentliche Gewalt beginnt oft nicht mit einer Faust – sondern mit einem Wort.

    Ein Kommentar von M.A.B.

  • Polizei-Einsatz an der Côte d’Opale: Zwischen Ordnungspolitik und humanitärem Dilemma

    Polizei-Einsatz an der Côte d’Opale: Zwischen Ordnungspolitik und humanitärem Dilemma

    An der französischen Côte d’Opale spitzen sich die Spannungen zu. Migranten, die von dort aus nach Großbritannien übersetzen wollen, treffen auf eine Bevölkerung, die zunehmend erschöpft und verunsichert wirkt. Nun kündigt der Staat an, zusätzliche Polizeikräfte in den Norden zu schicken. Ein Schritt, der Ruhe bringen soll – und doch genauso gut Öl ins Feuer gießen könnte.

    Ein Küstenstreifen im Ausnahmezustand Wer an die Côte d’Opale denkt, sieht normalerweise Postkartenmotive vor sich: endlose Strände, kleine Badeorte, Dünenlandschaften. Doch seit einigen Jahren überlagert ein anderes Bild die Idylle: das der Schlauchboote, die nachts im Schutz der Dunkelheit ablegen. Seit 2018 haben die sogenannten small boats die alten Migrationsrouten über Lkw oder Fähren fast vollständig verdrängt. 2025 bricht die Zahl der Überfahrten alle Rekorde. Mehr als 20.000 Menschen haben den gefährlichen Weg über den Ärmelkanal gewagt – trotz der 1.200 Polizisten, die täglich am Küstenstreifen patrouillie…

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  • Tod auf der Überfahrt – Zwei Migrantinnen sterben bei Flucht über den Ärmelkanal

    Tod auf der Überfahrt – Zwei Migrantinnen sterben bei Flucht über den Ärmelkanal

    Die Nacht war schwarz, der Wind frischte auf, und die Wellen peitschten gegen ein überfülltes Boot. An Bord: rund hundert Menschen, die Hoffnung im Gepäck, aber kaum Sicherheit.Am Morgen des 27. September 2025 ist von dieser Hoffnung nicht viel übrig geblieben. Zwei Frauen verloren ihr Leben in der kalten See vor Neufchâtel-Hardelot, südöstlich von Boulogne-sur-Mer im Pas-de-Calais. Ihr Versuch, die gefährliche Route über den Ärmelkanal nach England zu nehmen, endete tödlich. Ihre Namen kennt noch niemand, ihre Gesichter ebenso wenig. Was bleibt, sind Zahlen – und eine weitere Schlagzeile über eine „Tragödie der Migration“.

    Rettungseinsatz mit bitterem Ausgang Das Boot, eine improvisierte, kaum seetaugliche Konstruktion, war mit schätzungsweise hundert Menschen besetzt. Während einige es an Land schafften, wurden andere von den französischen Rettungsdiensten aufgenommen. Etwa sechzig Personen gelangten in die Obhut der Schutz- und Katastrophendienste. Ein junges Paar mit Kind, geschw…

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  • Ahmed al-Shara: Vom Dschihadisten zum Staatsmann – und weitere World-News

    Ahmed al-Shara: Vom Dschihadisten zum Staatsmann – und weitere World-News

    Syriens neuer Präsident Ahmed al-Shara hat gestern als erster syrischer Staatschef seit 1967 an die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gesprochen – damals war Lyndon B. Johnson US-Präsident, und Leonid Breschnew führte die Sowjetunion.

    Für al-Shara, einen ehemaligen Rebellenführer mit früheren Verbindungen zu Al-Qaida, markiert dieser Auftritt eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch immer wird er offiziell von den USA und den Vereinten Nationen als Terrorist eingestuft.

    In seiner Rede schilderte al-Shara die jahrzehntelange Unterdrückung Syriens unter dem früheren Präsidenten Baschar al-Assad und betonte seine Bemühungen, das internationale Ansehen des Landes neu zu gestalten.

    „Syrien hat sich von einem Exporteur der Krise zu einer Chance für Frieden – für Syrien und die ganze Region – gewandelt“, sagte al-Shara, der im Dezember 2024 die Oppositionskräfte anführte, die die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie beendeten.

    Er erneuerte seinen jüngsten Aufruf zu Gesprächen mit Israel, das seit seinem Machtantritt Hunderte Luftangriffe in Syrien durchgeführt hat.

    „Die israelischen Angriffe auf mein Land halten an, und Israels Politik widerspricht der internationalen Haltung zugunsten Syriens – das bedroht die Region mit neuen Krisen und Konflikten“, sagte al-Shara.

    „Angesichts dieser Aggression“, fügte er hinzu, „setzt Syrien auf Dialog.“

    Zum Abschluss seiner nur etwa achtminütigen Rede – eine der kürzesten der diesjährigen UN-Versammlung – drückte al-Shara seine Solidarität mit der Bevölkerung im Gazastreifen aus: „Das Leid, das Syrien durchlebt hat, wünschen wir niemandem. Deshalb stehen wir fest an der Seite der Menschen in Gaza.“


    Selenskyjs Appell an die Welt

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte bei der UN-Versammlung die internationale Gemeinschaft auf, seine Streitkräfte mit weiterer militärischer Unterstützung gegen Russland auszustatten.

    „Völkerrecht funktioniert nicht, wenn es keine mächtigen Freunde gibt, die bereit sind, es zu verteidigen“, sagte er. „Und selbst Freunde reichen nicht – man braucht Waffen. Die einzige Sicherheitsgarantie sind Freunde und Waffen.“

    Selenskyjs Appell, den er mit Warnungen vor einer neuen Ära der drohnengestützten Kriegsführung verband, erfolgte nur einen Tag nach einer Kehrtwende von Präsident Trump, der plötzlich erklärte, die Ukraine könne ihr gesamtes Territorium von Russland zurückerobern. Viele Ukrainer reagierten verunsichert auf Trumps plötzlichen Meinungswechsel.


    Weitere Entwicklungen bei den Vereinten Nationen

    – Chinas Präsident Xi Jinping kündigte erstmals konkrete Zielvorgaben zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen seines Landes an.

    – Irans Präsident Masoud Pezeshkian verurteilte die Angriffe Israels und der USA und betonte, dass sein Land keine Atombombe anstrebe.


    Weitere wichtige Meldungen

    – In der südchinesischen Provinz Guangdong mussten eine Million Menschen evakuiert werden, bevor Taifun Ragasa auf Land traf. Mindestens 18 Menschen kamen durch den Sturm ums Leben. In Taiwan geb es heftige Zerstörungen nach dem Bruch eines Staudamms.

    – Ein bewaffneter Angreifer eröffnete das Feuer in einer US-Einwanderungseinrichtung in Texas, tötete einen Inhaftierten und verletzte zwei weitere. Der Täter erschoss sich danach selbst.

    – Bei einem israelischen Luftangriff in der Nähe eines Marktes in Gaza-Stadt wurden laut einem palästinensischen Rettungsdienst fast zwei Dutzend Menschen getötet. Die israelische Armee erklärte, zwei „Hamas-Terroristen“ getroffen zu haben.

    – Die US-Regierung unter Donald Trump plant, Visa zu entziehen und Menschen auszuweisen, die sich aus ihrer Sicht abschätzig über die Ermordung des rechten Aktivisten Charlie Kirk äußern.

    – Deutschland bemüht sich verstärkt um indische Fachkräfte, die durch die neuen US-Visagebühren abgeschreckt sein könnten.

    – Dänemarks Premierministerin reiste nach Grönland, um sich persönlich bei grönländischen Frauen für jahrzehntelange Zwangsverhütungspraktiken ihres Landes zu entschuldigen.

    – Malawis Präsident Lazarus Chakwera erkannte seine Wahlniederlage an und machte damit den Weg frei für eine Rückkehr von Peter Mutharika an die Macht.

    – Nachdem chinesische und thailändische Behörden Druck auf ein Museum in Thailand ausübten, um eine regierungskritische Kunstausstellung zu zensieren, floh der Kurator nach London.

    – Der chinesische Architekt Kongjian Yu, bekannt für das Konzept der „Schwammstädte“, kam bei einem Flugzeugabsturz in Brasilien ums Leben – zusammen mit drei weiteren Personen.

    – Die NASA hat eine neue Mission gestartet, um die gigantische Magnetblase zu erforschen, die unser Sonnensystem umgibt.

    Autor: P. Tiko

  • Trump vor der UNO: Rhetorischer Großangriff statt diplomatisches Angebot

    Trump vor der UNO: Rhetorischer Großangriff statt diplomatisches Angebot

    Donald Trumps Rückkehr vor die Generalversammlung der Vereinten Nationen war ein Paukenschlag. Sechs Jahre nach seiner letzten Rede vor dem UN-Plenum nutzte der US-Präsident die weltpolitische Bühne nicht zur diplomatischen Annäherung, sondern als Kulisse für eine programmatische Kampfansage gegen Globalismus, Migration und Klimapolitik. Inhaltlich wie stilistisch war der Auftritt keine klassische Staatenrede, sondern ein kalkuliertes Manifest – inszeniert für maximale Wirkung unter seinen Anhängern, auf internationaler Bühne und in den Medien.


    Ein Auftritt gegen den Strom

    Trumps Rede fiel in eine Zeit zunehmender Spannungen: geopolitisch, klimatisch, migrationspolitisch. Die internationale Ordnung ist unter Druck, multilaterale Institutionen geraten in die Defensive. In diesem Kontext präsentierte sich Trump als dezidierter Gegenpol zur liberal-internationalen Ordnung. Er vermied konsensuale Töne und appellierte stattdessen an nationale Selbstbehauptung, wirtschaftliche Interessen und kulturelle Abgrenzung.

    Dabei wurde deutlich: Die Rede war weniger außenpolitisches Positionspapier als strategische Selbstdarstellung – adressiert nicht nur an die diplomatische Gemeinschaft, sondern auch an die eigene politische Basis. Wer sich von Trumps Rückkehr eine Annäherung an internationale Standards erhofft hatte, wurde enttäuscht. Sein Auftritt war der Versuch, jene Narrative wiederzubeleben, mit denen er einst ins Weiße Haus gewählt wurde.


    Migration, Klima, Globalismus – die drei Säulen der Provokation

    Abschottung statt Integration

    Im Zentrum stand eine harte Rhetorik zur Migration. Trump forderte Staaten explizit auf, ihre Grenzen zu schließen und illegale Einwanderer auszuweisen. Migration sei, so seine These, kein humanitäres Phänomen, sondern ein Werkzeug zur Unterwanderung nationaler Identität. Er zeichnete ein Bild vom „Zerfall westlicher Nationen“, das durch offene Grenzen und moralische Schwäche befördert werde.

    Klimapolitik als Täuschung

    Auch der Klimawandel wurde nicht als globale Herausforderung, sondern als ideologisches Konstrukt dargestellt. Trump sprach von einem „Schwindel“, der Wirtschaftskraft und nationale Souveränität untergrabe. Ambitionierte Klimaziele seien Teil eines globalen Plans zur Umverteilung von Wohlstand – von produktiven Nationen zu ideologisch motivierten Eliten. Die wirtschaftlichen Kosten grüner Energiepolitik, insbesondere für Industriestaaten, stellte er in den Vordergrund.

    Angriff auf die Institutionen

    Ein weiterer Schwerpunkt galt der Fundamentalkritik an internationalen Institutionen. Die UNO wurde als ineffizient, politisiert und realitätsfern beschrieben. Trump warf der Organisation vor, nicht mehr dem Frieden, sondern einer globalistischen Agenda zu dienen. Dabei bediente er sich bewusst sarkastischer und symbolischer Bilder: selbst technische Pannen – etwa ein defekter Teleprompter oder eine stillstehende Rolltreppe – wurden zu Allegorien institutionellen Versagens überhöht.


    Stilistisch kalkulierte Provokation

    Trump zeigte sich in seiner Rede stilistisch unverändert. Rhetorisch setzte er auf dramatische Überzeichnungen, Wiederholungen zentraler Schlagwörter und bewusste Brüche mit diplomatischem Protokoll. Seine Sprache war drastisch, emotional, oft konfrontativ.

    Begriffe wie „Invasion“, „Zerfall“ oder „Monster“ dienten nicht der Differenzierung, sondern der Mobilisierung. Sie schufen klare Feindbilder – gegen Migranten, gegen Klimapolitiker, gegen internationale Bürokraten. Inhaltliche Komplexität wurde durch starke Vereinfachung ersetzt, Verantwortung externalisiert.

    Zugleich ließ Trump kaum Zweifel daran, dass diese Provokation gewollt war. Der Bruch mit diplomatischen Konventionen, die bewusste Inszenierung von Störungen und der Verzicht auf Konsenstöne verstärkten das Bild eines Außenseiters, der gegen ein vermeintlich gescheitertes Establishment auftritt.


    Strategie hinter der Konfrontation

    Mobilisierung der Anhänger

    Der unmittelbare Zweck der Rede lag in der innenpolitischen Wirkung. Die Themen – Migration, Klimakritik, Angriff auf supranationale Institutionen – adressieren gezielt die Kernwählerschaft Trumps. Sie bieten einfache Antworten auf komplexe Herausforderungen und bedienen das Narrativ vom „System“, das gegen den Bürger arbeite.

    Internationale Signale

    Zugleich richtete sich Trumps Auftritt auch an die internationale Bühne – allerdings nicht im Sinne klassischer Diplomatie. Vielmehr signalisierte er, dass unter seiner erneuten Führung ein Amerika zu erwarten sei, das sich stärker auf nationale Interessen konzentriert und bereit ist, auch langjährige Partnerschaften infrage zu stellen.

    Destabilisierung der multilateralen Ordnung

    Nicht zuletzt war die Rede auch ein Angriff auf die Legitimität internationaler Governance. Durch die Delegitimierung der UNO und globaler Klimaabkommen setzt Trump auf ein weltpolitisches Klima der bilateralen Interessenwahrung – fernab gemeinsamer Regeln. Seine Strategie ist nicht Kooperation, sondern Konfrontation auf Augenhöhe – oder darunter.


    Wirkung und Grenzen

    Die unmittelbare Wirkung der Rede war erheblich – zumindest in medialer Hinsicht. Internationale Beobachter zeigten sich irritiert, Diplomaten reagierten reserviert, Kommentatoren warfen Trump vor, mit populistischen Argumenten eine globale Bühne zu missbrauchen.

    Doch zugleich stellt sich die Frage, wie groß der tatsächliche Einfluss solcher Auftritte ist. Internationale Institutionen sind träge, multilaterale Verträge schwer veränderbar, geopolitische Interessen komplexer als einfache Narrative. Die meisten Staaten dürften Trumps Rede als Wahlkampfveranstaltung betrachten – nicht als Wendepunkt der internationalen Politik.

    Dennoch markiert der Auftritt eine Richtungsentscheidung: Sollte man gehofft haben, dass die USA unter Trump in absehbarer Zeit erneut zentrale außenpolitische Verantwortung übernehmen könnten, wird diese Rede als negativer Referenzpunkt gelten. Sie definiert die Linien seines egozentrischen Weltbilds – souveränistisch, unversöhnlich, medial kalkuliert.

    Autor: MAB

  • «Ein Stück Stoff, ein politisches Beben» – Streit um palästinensische Fahnen vor französischen Rathäusern

    «Ein Stück Stoff, ein politisches Beben» – Streit um palästinensische Fahnen vor französischen Rathäusern

    Es ist ein Akt von schlichter Symbolkraft: das Hissen einer Fahne. Doch als dutzende französische Bürgermeister nach der offiziellen Anerkennung des Staates Palästina durch die französische Regierung die palästinensische Flagge an ihren Rathäusern aufziehen ließen, entfachten sie einen Streit über Rechtsprinzipien, politische Symbolik und die Balance zwischen Zentralstaat und Kommunen.

    Symbolik und Rechtsbruch Mehr als achtzig Städte – darunter Lyon, Nantes, Rennes oder Saint-Denis – entschieden sich, am Tag nach der Erklärung von Präsident Emmanuel Macron in New York die palästinensische Fahne zu zeigen. Für viele dieser Rathäuser sollte es ein einmaliges Zeichen sein, ein symbolischer Gruß zum Zeitpunkt eines historischen Moments. Das Innenministerium wies die Präfekten jedoch an, dies strikt zu untersagen. Begründet wurde das mit drei Argumenten: dem Neutralitätsgebot öffentlicher Gebäude, der fehlenden außenpolitischen Zuständigkeit der Kommunen und der Gefahr von Störungen der öf…

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  • Frankreich holt Frauen und Kinder aus syrischen Dschihadistenlagern zurück – Zwischen Verantwortung und Risiko

    Frankreich holt Frauen und Kinder aus syrischen Dschihadistenlagern zurück – Zwischen Verantwortung und Risiko

    Am Dienstag, dem 16. September 2025, landete in Frankreich mal wieder ein Flugzeug mit einer heiklen Fracht: drei Frauen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren und zehn Kinder, die zuvor in Lagern und Gefängnissen im Nordosten Syriens gelebt hatten. Die Operation verlief diskret, aber ihre Wirkung reicht weit über die Landebahn hinaus. Sie wirft alte Fragen neu auf – Fragen nach Sicherheit, Verantwortung und dem Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit. Zwei der Frauen wurden nach der Ankunft direkt in Gewahrsam genommen. Das Parquet national antiterroriste, also die nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft, ermittelt. Die dritte Frau sieht einer formellen Anklage entgegen. Die Kinder dagegen kamen in die Obhut der französischen Jugendämter. Sie sollen medizinisch, psychologisch und sozial betreut werden – ein langwieriger Weg zurück in ein normales Leben.

    Ein Thema, das Frankreich nicht loslässt Die Rückführungen sind kein Novum. Seit 2019 organisiert Frankreich immer wieder Flüg…

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  • Sudan und Afghanistan kämpfen zugleich mit Zerstörung, Hunger und internationaler Gleichgültigkeit

    Sudan und Afghanistan kämpfen zugleich mit Zerstörung, Hunger und internationaler Gleichgültigkeit

    Naturkatastrophen im Schatten eines Krieges

    Die jüngsten Katastrophenmeldungen aus Afrika und Asien wirken wie Schlaglichter auf einen globalen humanitären Kollaps. Ende August wurde das Dorf Tarasin in den sudanesischen Marrah-Bergen durch einen gewaltigen Erdrutsch ausgelöscht – möglicherweise starben über tausend Menschen. Fast zeitgleich erschütterte ein starkes Erdbeben die ostafghanische Provinz Konar und forderte nach offiziellen Angaben mehr als 2200 Todesopfer. In beiden Fällen wurden die Rettungsmaßnahmen durch zerstörte Infrastruktur, fehlende Ressourcen und politische Rahmenbedingungen massiv behindert. Doch so tragisch diese Ereignisse sind, sie geraten in den Hintergrund einer viel größeren Notlage: dem permanenten Ausnahmezustand in zwei Ländern, die seit Jahrzehnten zwischen Krieg, Armut und internationaler Isolation gefangen sind.

    Darfur – eine Katastrophe im Bürgerkrieg

    Im Sudan hat der Erdrutsch von Tarasin vor allem symbolische Bedeutung: Er zeigt die extreme Verwundbarkeit einer Gesellschaft, die seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im April 2023 zerfällt. Laut Schätzungen sind seither mehr als 150.000 Menschen ums Leben gekommen. Zugleich verzeichnen die Vereinten Nationen die größte Vertreibungskrise der Welt: Rund zwölf Millionen Menschen haben ihre Heimat verlassen, Hunderttausende sind nach Darfur geflüchtet – ausgerechnet in eine Region, die selbst seit Jahrzehnten ein Synonym für ethnische Gewalt und Milizenherrschaft ist.

    Die humanitäre Bilanz ist verheerend: Cholera-Ausbrüche, Hungersnöte und die systematische Zerstörung von Krankenhäusern prägen das Bild. Nach UN-Angaben sind mehr als sieben Millionen Frauen und Mädchen von grundlegender Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Die Internationale Strafgerichtshof in Den Haag sieht hinreichende Belege für Kriegsverbrechen der berüchtigten Rapid Support Forces, die in Darfur ganze Ortschaften niedergebrannt und Massaker an Zivilisten verübt haben sollen.

    Afghanistan – Naturgewalt trifft fragile Strukturen

    Auch in Afghanistan hat die Naturkatastrophe eine Gesellschaft getroffen, die seit Jahrzehnten keine Stabilität kennt. Die Provinz Konar im Osten des Landes liegt in einem schwer zugänglichen Gebirgsgebiet, wo traditionelle Landwirtschaft und Viehzucht die einzige Lebensgrundlage darstellen. In manchen Dörfern sollen laut Hilfsorganisationen bis zu 98 Prozent der Häuser zerstört worden sein. „Nicht einmal eine Wand ist stehen geblieben“, klagte ein Bauer gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

    Die Taliban-Regierung, international isoliert und unter westlichen Sanktionen stehend, wandte sich nach dem Erdbeben um Hilfe an China, Usbekistan und internationale Hilfswerke. Doch die Mittel reichen kaum aus. Rund die Hälfte der afghanischen Bevölkerung – etwa 20 Millionen Menschen – ist laut UN eigentlich von humanitärer Unterstützung abhängig. Gleichzeitig leidet das Land unter massiven Rückführungen: Allein aus Pakistan und Iran mussten in den vergangenen Monaten mehr als zwei Millionen Afghanen zurückkehren.

    Internationale Gleichgültigkeit und schrumpfende Hilfsbudgets

    Das eigentliche Drama im Sudan wie in Afghanistan liegt nicht allein in den Naturkatastrophen, sondern in der Abwesenheit internationaler Solidarität. Die US-Regierung hat seit Beginn der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps drastische Kürzungen bei USAID durchgesetzt. In Afghanistan führte dies zur Schließung von hunderten kleinen Kliniken, im Sudan zu einem drastischen Rückgang der Nahrungsmittelhilfe. Auch die EU und andere Geberländer haben ihre Beiträge zurückgefahren – nicht zuletzt wegen der innenpolitisch zunehmend ablehnenden Haltung gegenüber Flüchtlingen.

    Cindy McCain, die Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms (WFP), warnte jüngst vor einer „tiefen Finanzierungslücke“, die Millionen Menschen von lebensnotwendiger Nahrungsmittelhilfe abschneidet. Die Hilfswerke stehen vor einer unlösbaren Aufgabe: global steigender Bedarf trifft auf sinkende Budgets.

    Flüchtlingspolitik zwischen Abschottung und Not

    Während in Europa und den USA migrationspolitische Debatten immer stärker auf Abschottung und Grenzkontrolle hinauslaufen, droht in den Krisenregionen die humanitäre Lage weiter zu eskalieren. Sudan und Afghanistan stehen exemplarisch für die „permanente Katastrophe“, wie sie der Direktor des Norwegischen Flüchtlingsrats beschrieb: Kriege und Naturereignisse überlagern sich, verschärfen Armut und Hunger und treiben Millionen Menschen in die Flucht.

    Der politische Wille, diese Dynamik zu durchbrechen, scheint gering. In Washington ist nicht erkennbar, dass die Regierung – trotz vereinzelter humanitärer Hilfspakete – ihre restriktive Haltung gegenüber den Taliban oder ihre zurückhaltende Sudan-Politik revidieren will. Auch andere westliche Staaten konzentrieren sich stärker auf geopolitische Prioritäten wie die Ukraine oder den Indopazifik, während afrikanische und zentralasiatische Krisen an den Rand gedrängt werden.

    Die Katastrophen von Tarasin und Konar zeigen, wie sehr Naturereignisse in fragilen Staaten als Katalysator von Elend wirken. Doch sie machen auch deutlich, dass das eigentliche Versagen auf einer höheren Ebene liegt: im Auseinanderklaffen von globalem Hilfsbedarf und politischem Willen. So drohen Sudan und Afghanistan, in einer Spirale aus Gewalt, Armut und internationaler Vernachlässigung gefangen zu bleiben – mit unabsehbaren Folgen für ihre Bevölkerungen und die Stabilität ganzer Regionen.


    TOP-NACHRICHTEN

    Ukraine: Russland hat den bislang größten Drohnenangriff des Krieges gestartet, bei dem fünf Menschen getötet und ein Regierungsgebäude in Kiew beschädigt wurden, in dem sich auch das Büro der Premierministerin befindet. Es war das erste Mal seit Beginn des Krieges, dass ein zentrales Gebäude im Regierungsviertel – das von mehreren Ringen der ukrainischen Luftverteidigung geschützt wird – getroffen wurde. Trump erklärte gestern, er sei bereit, eine neue Runde von Sanktionen gegen Russland einzuleiten.

    Japan: Premierminister Shigeru Ishiba kündigte an, nach weniger als einem Jahr im Amt zurückzutreten. Seine Liberaldemokratische Partei hatte im Juli bei den Parlamentswahlen eine schwere Niederlage erlitten, während neue rechtsextreme Gruppierungen an Zustimmung gewannen.

    Gaza: Israels Plan, Palästinenser vor einer großangelegten Invasion der Stadt Gaza nach Süden zu drängen, hat die Spannungen mit Ägypten verschärft, das befürchtet, Israel könnte Menschen in sein Territorium abzuschieben versuchen. Das israelische Militär greift Hochhäuser in Gaza-Stadt an, die nach eigenen Angaben von der Hamas genutzt werden.

    Autor: P. Tiko