Schlagwort: Marseille

  • Marseille abgeschnitten: Die A7 ist dicht – 36 Stunden Ausnahmezustand auf der „Autoroute du Soleil“

    Marseille abgeschnitten: Die A7 ist dicht – 36 Stunden Ausnahmezustand auf der „Autoroute du Soleil“

    Man hört es bis ins Herz von Marseille: das tiefe Dröhnen der Bagger, das Kreischen der Schneidbrenner, die dumpfen Schläge der Abrissmeißel.

    Die Autobahn A7, jene Lebensader, die Lyon mit Marseille verbindet, bleibt dieses Wochenende vom 4. bis 6. Juli 2025 komplett gesperrt – zwischen Les Pennes-Mirabeau und der Gare Saint-Charles. 36 Stunden lang ist Schluss mit Ferienverkehr in diesem Abschnitt.

    Was ist los auf der „Autoroute du Soleil“?

    Freitag um Mitternacht gingen die Sperrbalken runter, Sonntag um 12 Uhr sollen sie wieder verschwinden. Grund: Zwei Fußgängerbrücken aus den 1950er Jahren – „La Martine“ und „Mère de Dieu“ – sind so marode, dass ein bloßes Flicken nicht mehr ausreicht.

    Oder, wie Stéphane Maurone von der Präfektur Bouches-du-Rhône es formuliert:

    „Es geht nicht mehr darum, zu reparieren, sondern abzureißen und neu zu bauen. Würden wir die Brücken im aktuellen Zustand belassen, gefährdeten wir massiv die Sicherheit der Nutzer.“

    Wenn Beton bröselt, helfen keine Pflaster

    Die beiden Brücken überspannen die A7 in den nördlichen Vierteln Marseilles. Über Jahrzehnte trugen sie Generationen von Fußgängern, Radfahrern und Schulkindern – jetzt haben sie ihre Lebenszeit überschritten.

    Die Bauarbeiten laufen in drei Phasen ab: Erstens: Abriss der Brückentafeln an diesem Wochenende. Zweitens: Verstärkung der Pfeiler und Auflager. Drittens: Einbau der neuen Brückenteile bis spätestens Herbst.

    Dafür sind rund zwanzig Techniker und Ingenieure im Dauereinsatz – bei Tag, bei Nacht, bei drückender Hitze. Marseille schwitzt bei über 31 Grad, die Baukolonnen schwitzen mit.

    Mitten in den Ferien – wer plant sowas?

    Klar, dass diese Vollsperrung viele Reisende zur Weißglut treibt. Ausgerechnet zum Ferienauftakt, wenn das südfranzösische Verkehrsnetz ohnehin an seine Belastungsgrenzen stößt.

    Rund 100.000 Fahrzeuge rollen im Durchschnitt täglich über diesen Streckenabschnitt. Jetzt wird der gesamte Verkehr umgeleitet – vor allem über die A55 und die A50. Wer Marseille vom Norden her erreichen möchte, muss deutlich mehr Zeit einplanen.

    Doch warum gerade jetzt?

    Mathieu Canal, Projektleiter, weiß um die Kritik: „Es gibt nie einen guten Zeitpunkt, um eine Autobahn wie die A7 zu sperren. Aber angesichts der Tatsache, dass im Vélodrome-Stadion zur Zeit kein Großevent stattfindet, und der technischen Zwänge war dieses Wochenende die am wenigsten ungünstige Option.“

    Eine Aussage, die wenig tröstet, aber der Realität entspricht. Oder gibt es jemals einen perfekten Moment, um eine Hauptschlagader einer Millionenstadt lahmzulegen?

    Festivals, Konzerte, Wirtschaftsgipfel – Chaos vorprogrammiert

    Hinzu kommt: Marseille und Aix-en-Provence sind an diesem Wochenende Gastgeber zahlreicher Veranstaltungen. Neben Festivals finden auch die renommierten „Rencontres économiques d’Aix“ statt, ein wirtschaftspolitisches Spitzentreffen mit Teilnehmern aus ganz Europa.

    Die Präfektur rät daher dringend, Reisen frühzeitig zu planen, auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen und – wer kann – einfach den Zug zu nehmen. Besonders für Fluggäste mit Ziel Aeroport Marseille-Provence bietet sich die Anreise in die Stadt per Bahn an, um nicht im Blechlawinenchaos zu stranden.

    Digital informiert statt analog genervt

    Für alle, die trotz Sperrung mit dem Auto unterwegs sind, gilt: Augen auf und Ohren gespitzt.

    Die Verantwortlichen haben Ausweichrouten ausgeschildert, Radio Vinci Autoroutes sendet ständige Updates, Verkehrstafeln zeigen aktuelle Infos, und natürlich hilft auch die App Waze, durch den Asphaltdschungel zu navigieren.

    Wer nicht vorbereitet ist, steht im Stau – wer vorbereitet ist, steht vielleicht etwas weniger lang im Stau.

    Ein Knochenjob mit Zukunftsperspektive

    So ärgerlich die Sperrung auch sein mag, sie ist unumgänglich. Schließlich sollen Brücken nicht nur tragen, sondern vor allem sicher sein. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Modernisierungsstrategie des französischen Autobahnnetzes, um marode Bauwerke zu ersetzen, bevor es zu Tragödien kommt. Denn niemand möchte erleben, was Italien 2018 mit dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua erlebt hat.

    Sicherheit hat ihren Preis.

    Und der wird in Marseille gerade in Form von Geduld, Umwegen und Zeitverlust bezahlt.

    Ein kurzer Blick nach vorne

    Im Herbst sollen die neuen Brückentafeln eingehoben und fertig montiert werden. Dann fließt der Verkehr wieder ungehindert und sicher. Bis dahin gilt: Durchhalten.

    Denn so sehr die Sonne auf dem Asphalt brennt – eine intakte Brücke ist allemal wichtiger als eine freie Fahrt ohne Umleitung.

    Und wer weiß – vielleicht wird diese kleine Geduldsprobe für manche Autofahrer oder manche Reisende zur unerwarteten Lektion in Entschleunigung.

    Autor: C.H.

  • Großbrand legt TGV-Strecke zwischen Paris und Marseille lahm

    Großbrand legt TGV-Strecke zwischen Paris und Marseille lahm

    Ein Feuer, das gestern Nachmittag im südfranzösischen Département Gard ausgebrochen ist, sorgt für Chaos auf einer der wichtigsten Hochgeschwindigkeitsstrecken Frankreichs.

    Nahe der TGV-Südost-Linie, die Paris mit Marseille verbindet, loderten dichte Rauchwolken – und legten den Bahnverkehr praktisch lahm.

    Die Folge? Ein Reisechaos, wie es die Reisenden in der Region seit vielen Monaten nicht mehr erlebt haben.

    Der Brand wütete unweit der Gleise, auf dem Streckenabschnitt, der als Lebensader zwischen Nord und Süd gilt. Denn wer von Paris an die Mittelmeerküste fährt, sitzt meistens genau hier im TGV – in knapp 3 Stunden raus aus dem Pariser Großstadtdschungel, rein ins provenzalische Licht.

    Doch gestern stand alles still.

    Die Züge aus und nach Marseille verspäteten sich massiv, viele Verbindungen wurden komplett gestrichen. Besonders hart traf es Reisende zu den Urlaubszielen an der Mittelmeerküste.

    Einige Passagiere harrten stundenlang in überfüllten Bahnhöfen aus. Andere standen irritiert vor Anzeigetafeln, auf denen ständig neue Verspätungen aufblinkten, um Sekunden später wieder zu verschwinden.

    Die Szene: Menschen, die mit ihrem Rollkoffer auf dem Bahnsteig hockten, eine Mutter, die ihrem Kind auf dem Schoss Croissants reichte, während sie immer wieder auf ihr Handy starrte – vergeblich auf der Suche nach einer neuen Zugverbindung oder zumindest irgendeinem Hoffnungsschimmer im SNCF-Ticker.

    Doch warum führte ein einzelner Brand zu so drastischen Folgen?

    Ganz einfach: Die TGV-Südost-Trasse ist eine der meistbefahrenen Strecken Frankreichs. Schon kleinste Zwischenfälle reichen aus, um den Fahrplan wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen. Bei einem Brand in unmittelbarer Gleisnähe gilt erst recht höchste Vorsicht – aus Sicherheitsgründen wird der Verkehr großräumig eingestellt, bis die Feuerwehr Entwarnung gibt und Techniker die Schienen kontrolliert haben.

    Die französische Bahngesellschaft SNCF riet allen Reisenden, vor Abfahrt den Status ihres Zuges zu prüfen. Wer es kann, solle alternative Routen in Betracht ziehen oder seine Reise ganz verschieben.

    Doch was bedeutet das konkret?

    Für manche Reisende: mehrere Stunden Verspätung. Für andere: gar keine Fahrt. Denn zahlreiche Züge wurden annulliert, besonders in den Stoßzeiten am Nachmittag und frühen Abend, wenn Berufspendler und Urlauber die Züge gleichermaßen verstopfen.

    Die SNCF versuchte, betroffene Passagiere umzubuchen oder auf spätere Verbindungen zu verteilen – doch bei einem derartigen Nadelöhr bleibt selbst der kreativste Kundenservice am Ende machtlos.

    Was bleibt, ist die Frage: Wie kann Frankreichs wichtigste Bahnverbindung so schnell in die Knie gezwungen werden?

    Vielleicht liegt die Antwort in der extrem hohen Auslastung, gepaart mit der großen Trockenheit in Südfrankreich. Denn bereits in den Vorjahren sorgten Böschungsbrände, ausgelöst durch Zigarettenreste, Glasscherben oder schlicht die Gluthitze, immer wieder für Streckensperrungen.

    Die Feuerwehr im Département Gard meldete am frühen Abend, der Brand sei unter Kontrolle. Ob und wann der TGV-Verkehr vollständig wieder aufgenommen wird, stand zunächst jedoch nicht fest.

    Bis dahin gilt für alle Südreisenden: Geduld, Wasserflasche im Gepäck – und ein wacher Blick auf die SNCF-App, um nicht doch noch vom Sommer-Chaos überrascht zu werden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Private Züge rollen an: Transdev übernimmt erstmals eine TER-Linie zwischen Marseille und Nizza

    Private Züge rollen an: Transdev übernimmt erstmals eine TER-Linie zwischen Marseille und Nizza

    Es ist ein Moment, der in Frankreichs Eisenbahngeschichte wohl lange nachhallen wird. Am 29. Juni 2025 hat erstmals ein privater Betreiber, Transdev, den Betrieb einer TER-Regionalzuglinie übernommen – und zwar auf der Strecke Marseille–Nizza, die bisher fest in der Hand der SNCF war. Ein symbolischer Tag, der nicht nur für Pendler entlang der Côte d’Azur, sondern für ganz Frankreich eine neue Ära einläutet. Die Ausschreibung dafür lief schon 2018, ausgelöst durch die von der EU verordnete Marktöffnung im Bahnverkehr. Nun hat Transdev den Zuschlag für zehn Jahre erhalten, ein Auftrag im Wert von rund 800 Millionen Euro. Ein sattes Paket.

    Doch was bedeutet das konkret für Fahrgäste? Mehr Verbindungen, mehr Komfort Transdev plant nichts Geringeres als eine Verdopplung der täglichen Fahrten. Statt bisher sieben werden wochentags 14 Hin- und Rückfahrten angeboten, am Wochenende sogar 16. Die Züge sollen stündlich verkehren – e…

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  • Marseille ächzt unter der Hitze – Stadt öffnet alle Schwimmbäder kostenlos

    Marseille ächzt unter der Hitze – Stadt öffnet alle Schwimmbäder kostenlos

    36 Grad im Schatten.

    Schulhöfe flirren, Klimaanlagen ächzen, die Stadt vibriert unter der brennenden Sonne. In Marseille wurde nun ein Entschluss gefasst, der vielen Bewohnern wortwörtlich Kühlung verschafft. Die Stadtverwaltung hat beschlossen, alle städtischen Schwimmbäder kostenlos zugänglich zu machen, solange die aktuelle Hitzewarnung von Météo France in Kraft bleibt.

    Ein kühler Zug in glühender Zeit.

    Die Maßnahme soll den Bewohnern einen sicheren Ort bieten, um sich zu erfrischen und vor den extremen Temperaturen zu schützen. Seit Tagen zeigt das Thermometer über 36 Grad Celsius an – ein Wert, der für ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke schnell lebensgefährlich werden kann.

    Doch ist ein Sprung ins Wasser wirklich genug?

    Die Stadt hat weitergedacht. Neben der Freigabe der Schwimmbäder wurden auch die Öffnungszeiten aller Parks und Gärten erweitert: Bis zum 31. August sind sie nun täglich von 7 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Damit können Spaziergänge oder Aufenthalte im Grünen ohne die Mittagshitze besser geplant werden.

    Zusätzlich hat die Stadt eine interaktive Karte aller klimatisierten öffentlichen Orte veröffentlicht. Ein Klick – und schon wissen die Menschen, wo sie sich abkühlen können. Bibliotheken, Kulturzentren, Verwaltungsgebäude mit Klimaanlage: alles übersichtlich verzeichnet.

    Hinter diesen Entscheidungen steht der nationale Hitzeaktionsplan Frankreichs. Sein Ziel: die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen zu begrenzen und vor allem vulnerable Gruppen zu schützen.

    Erinnerungen an frühere Sommer tauchen auf.

    Wie etwa 2003, als eine Hitzewelle in Frankreich über 15.000 Todesopfer forderte. Seitdem wurde der Umgang mit Extremtemperaturen systematisch in Notfallplänen verankert. Die Stadt Marseille ruft ihre Bürger auf, sich über alle aktuellen Maßnahmen und die Öffnungszeiten der Schwimmbäder auf der offiziellen Website zu informieren.

    Denn wer nicht genug trinkt, wer sich nicht abkühlen kann, der wird im schlimmsten Fall zur stillen Zahl in einer traurigen Statistik.

    Doch für viele bedeutet diese Entscheidung zunächst etwas anderes: Ein Moment unbeschwertes Plantschen im Becken, ein paar Stunden ohne brennende Hitze, ein Lächeln hinter beschlagenen Schwimmbrillen.

    Solche kleinen Inseln der Erholung inmitten glühender Großstadtbetonwüsten sind so wichtig…

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Marseille Saint-Charles: Evakuierung wegen verdächtigem Paket legt Bahnhof lahm

    Marseille Saint-Charles: Evakuierung wegen verdächtigem Paket legt Bahnhof lahm

    Es ist kurz nach acht an diesem sonnigen Freitagmorgen in Marseille. Pendler eilen durch die weitläufigen Hallen von Saint-Charles, als plötzlich – alles stillsteht. Ein herrenloses Gepäckstück reicht aus, um das pulsierende Herz des südfranzösischen Bahnverkehrs für Stunden zum Stillstand zu bringen. Drei Stunden Ausnahmezustand Gegen 8:30 Uhr entdeckten Sicherheitskräfte den verdächtigen Koffer im Bahnhofsgebäude. Die Reaktion folgte prompt. Polizei und Entschärferteams rückten an, ein Sicherheitsperimeter wurde eingerichtet, und die Evakuierung begann – zügig, umfassend, alternativlos. Innerhalb kurzer Zeit war Saint-Charles menschenleer. Keine Züge fuhren mehr. Auch die Busse, die den Bahnhof normalerweise anfahren, mussten ihre Routen ändern.

    TGV und TER stark betroffen Für die SNCF begann ein schwieriger Vormittag. Der TGV INOUI Nr. 6805 von Lyon nach Nizza fuhr in Marseille kurzerhand ohne Halt durch. Weitere TGV-Verbi…

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  • Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Wo das azurblaue Mittelmeer auf zerklüftete Kalksteinfelsen trifft, beginnt eine Welt, die gleichermaßen betört und beunruhigt. Die Calanques südlich von Marseille sind ein Naturparadies – rau, majestätisch, zerbrechlich. Und sie ziehen Menschen an, die das Extreme suchen.

    Denn was aussieht wie ein Postkartenidyll, ist längst zur Bühne für todesmutige Sprünge, brennende Wälder und einen Kampf um den Erhalt eines einzigartigen Ökosystems geworden.

    Loulou – der Lehrer der Furchtlosen

    Er ist eine Legende in Marseille: Lionel Franc, besser bekannt als „Loulou“. Der Mann, der sich kopfüber aus 36 Metern in die Tiefe stürzte – und dafür einen Weltrekord kassierte. Kein Seil, kein Netz, kein Spielraum für Fehler.

    Heute trainiert der 53-Jährige junge Klippenspringer aus Marseille. Die nennen sich selbst „têtes brûlées“ – Hitzköpfe. Und genau das sind viele von ihnen: junge Männer und Frauen, berauscht von Social-Media-Clips, Adrenalin und der Aussicht auf Ruhm.

    Loulou aber weiß, wie schnell der Traum zum Albtraum wird. Sein eigener Rekordsprung war das Ergebnis von zehn Jahren Training. Zehn Jahre – für ein paar Sekunden Flug.

    Sein Ziel heute? Aufklären, bremsen, schützen. „Ich fühle mich furchtbar verantwortlich“, sagt er in einem Interview. Denn trotz seiner Mahnungen, trotz seiner Kurse – die Unfälle nehmen nicht ab.

    Und die Frage steht im Raum: Wie viele müssen noch springen, bevor einer nicht mehr auftaucht?

    Wenn aus Sommerhitze Flammen werden

    Die Calanques sind nicht nur ein Ort für Extremsportler – sie sind auch ein Pulverfass. Am 31. Mai stand die Calanque de Samena in Flammen. Vier Hektar Vegetation – dahin. Binnen Minuten rückten die Marins-Pompiers aus, jene maritimen Feuerwehrleute, die in Marseille für die Sicherheit an Land und auf See sorgen. Sie hatten das Feuer schnell im Griff – diesmal.

    Doch das war nicht das erste Mal. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

    Seit 2012 gehören die Calanques zu einem Nationalpark – streng geschützt, einzigartig in ihrer biologischen Vielfalt. Doch gegen Zigarettenstummel, illegale Feuerstellen und sommerliche Trockenheit helfen auch Schutzschilder wenig.

    Die Realität: Ein unachtsamer Moment genügt – und die Natur steht in Flammen.

    Wandern, Klettern, Baden, Tauchen – die Calanques sind ein Magnet für Erholungssuchende. Bis zu zwei Millionen Menschen strömen jedes Jahr in das Gebiet zwischen Marseille und Cassis. Eine Belastung, die Spuren hinterlässt.

    Um das fragile Gleichgewicht zwischen Natur und Nutzung zu erhalten, greift der Nationalpark inzwischen zu drastischeren Mitteln. Besucherlimits etwa – besonders in der überlaufenen Calanque de Sugiton. Wer im Sommer dort hin will, muss vorher reservieren.

    Aber nicht alle halten sich daran. Einige ignorieren die Regeln. Andere wissen es gar nicht besser.

    Und doch: Es gibt Hoffnung.

    Einer dieser Hoffnungsschimmer trägt den Namen „Clean My Calanques“. Eine Initiative, die mit Greifzangen, Müllsäcken und guter Laune regelmäßig aufräumt, was andere liegen lassen – Zigaretten, Plastik, Dosen, Flaschen.

    Gegründet von jungen Menschen aus der Region, bringt „Clean My Calanques“ hunderte Freiwillige zusammen. Beim Aufräumen. Beim Informieren. Beim Bewusstmachen. Sie machen das, was sonst keiner macht: Sie zeigen, dass Umweltschutz nicht abstrakt ist – sondern greifbar.

    Ein Vorbild, das Schule machen könnte.

    Was also bleibt von diesem Ort, an dem Natur, Mensch und Risiko so dicht aufeinandertreffen?

    Zum einen: Die unbändige Anziehungskraft einer Landschaft, die zum Träumen einlädt. Zum anderen: Eine alarmierende Zunahme von Gefahren – seien sie sportlich oder ökologisch.

    Die Calanques sind schön. Aber sie sind kein Spielplatz.

    Wer dort springt, wandert oder einfach nur die Sonne genießt, übernimmt Verantwortung – für sich, für andere und für das, was bleibt. Denn in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, ist der Schutz solcher Orte keine Option mehr.

    Er ist Pflicht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn Bildung in der Hitze versiegt – ein Aufschrei aus dem Klassenzimmer

    Kommentar: Wenn Bildung in der Hitze versiegt – ein Aufschrei aus dem Klassenzimmer

    38 Grad im Schatten. Kein Windhauch. Kein Baum. Kein Erbarmen.

    So sieht in Marseille der Alltag für Tausende Kinder aus, die eigentlich lernen sollten – nicht leiden. Schulen, die einst als Orte der Hoffnung galten, verwandeln sich im Sommer in Hitzefallen, in stickige Betonkäfige, in Räume der Resignation.

    Ich schreibe diesen Text nicht als Beobachter.

    Sondern als Vater. Als Mensch. Und als jemand, der sich weigert, das als „neue Normalität“ hinzunehmen.

    Denn was da in Marseille – und möglicherweise bald überall in Frankreich – passiert, ist ein stiller, aber systematischer Bildungsbruch. Und er beginnt mit einem Hitzestau im Klassenzimmer.

    Wenn Kinder Nasenbluten bekommen, sich übergeben, weinen vor Erschöpfung, dann ist das kein Wetterphänomen. Dann ist das Politikversagen in Reinform.

    Wie kann es sein, dass Schulen – unsere wichtigste gesellschaftliche Institution nach Krankenhäusern – schlechter gegen die Hitze geschützt sind als Supermärkte?

    Wie kann es sein, dass es für Fleisch eine Kühlpflicht gibt, aber für Kinder in Schulen keine Temperaturgrenze?

    Wollen wir wirklich zusehen, wie ganze Jahrgänge zwischen Schweiß und Sauerstoffmangel aufwachsen?

    „Wir haben doch Ventilatoren verteilt.“ Dieser Satz, so oft gehört aus dem Mund von Kommunalpolitikern, ist ein Hohn. Ein Ventilator in einem 35-Quadratmeter-Klassenzimmer mit 28 Kindern ist keine Lösung. Es ist eine Verhöhnung.

    Es zeigt: Wer so entscheidet, sitzt nicht in der Hitze. Wer so entscheidet, schwitzt nicht. Wer so entscheidet, hat in seiner Schulzeit wahrscheinlich nie einen Sommer wie diesen erlebt.

    Wenn wir über Chancengleichheit reden, über gerechte Bildung und Zukunftskompetenzen – dann fängt das alles beim Raumklima an. Wörtlich. Denn wer in einem 38 Grad heißen Klassenzimmer sitzt, lernt nicht mehr – er überlebt.

    Und während die Eltern in Marseille ihre Kinder mit feuchten Tüchern zur Schule schicken, stellen sich im Bildungsministerium die Pressesprecher die Frage, ob das Thema „vermittelbar“ sei.

    Ich sage: Nein, nicht vermittelbar – sondern unaushaltbar.

    Muss erst ein Kind kollabieren? Muss erst ein Lehrer ins Krankenhaus? Müssen wir warten, bis wieder einmal „nach der Katastrophe“ alles besser werden soll? Oder begreifen wir endlich, dass Klimaanpassung nicht nur eine Umweltfrage ist – sondern eine soziale, eine moralische, eine bildungspolitische?

    Marseille ist erst der Anfang

    Was heute in Marseille passiert, kann morgen in Lyon, Toulouse, Bordeaux zur Regel werden.

    Wenn wir nicht radikal umdenken. Wenn wir nicht sofort und ernsthaft in Hitzeschutz investieren – in Dämmung, Begrünung, Lüftungssysteme. Nicht in drei Jahren. Jetzt.

    Denn Bildung, die in der Hitze versiegt, ist keine Bildung mehr.

    Es ist ein Staatsversagen auf leisen Sohlen.

    Und es schreit nach Veränderung.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Schulen als Hitzefallen – Wie Marseilles Klassenzimmer zur Gesundheitsgefahr werden

    Schulen als Hitzefallen – Wie Marseilles Klassenzimmer zur Gesundheitsgefahr werden

    Wenn das Thermometer über 35 Grad klettert und der Schulalltag zur schweißtreibenden Tortur wird, ist nicht nur der Lernerfolg in Gefahr – sondern auch die Gesundheit von Kindern und Lehrkräften. In Marseille ist genau das zur Zeit traurige Realität. Brutkasten Klassenzimmer Viele Schulen der südfranzösischen Metropole gleichen im Sommer einem Backofen. In manchen schulischen Einrichtungen steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 35 °C – im Schatten. Einzelne Räume erreichen sogar 38 °C. Das hat Folgen: Kinder klagen über Kopfschmerzen, erleiden Kreislaufzusammenbrüche, übergeben sich – und manche bekommen sogar Nasenbluten. Lehrerinnen und Lehrer berichten von erschöpften Schülern, die kaum noch konzentriert am Unterricht teilnehmen können. Ein Problem mit System. Denn viele Schulgebäude sind alt, schlecht isoliert und baulich nicht für die heutigen klimatischen Bedingungen ausgelegt. Die Höfe sind oft versiegelt, schattenlos und ohne jede Begrünung – sie heizen sich auf wie eine …

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  • Verschwundene Beweise im Fall El Khalfaoui – Frankreichs Justiz unter Druck

    Verschwundene Beweise im Fall El Khalfaoui – Frankreichs Justiz unter Druck

    Der rätselhafte Verlust zentraler Beweismittel im Todesfall von Souheil El Khalfaoui wirft ein grelles Licht auf strukturelle Schwächen innerhalb der französischen Justizverwaltung. Die politische Reaktion folgte prompt – doch ob sie geeignet ist, das erschütterte Vertrauen in staatliche Institutionen wiederherzustellen, bleibt offen. Ein Fall, der Fragen aufwirft Am 4. August 2021 wurde der 19-jährige Souheil El Khalfaoui bei einem Polizeieinsatz in Marseille erschossen. Die Polizei sprach von Notwehr – der junge Mann soll mit seinem Fahrzeug rückwärts auf einen Beamten zugefahren sein. Angehörige bezweifeln diese Darstellung. Inmitten dieses ohnehin umstrittenen Falles wird nun bekannt: Neun zentrale Beweisstücke, darunter die tödliche Kugel, eine Überwachungsvideoaufnahme und die auf Video dokumentierte Vernehmung des betroffenen Beamten, sind aus den Akten verschwunden. Die zuständige Ermittlungsrichterin informierte die Familie Anfang Juni über den Verlust – nach ihren Angaben sei…

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  • Marseille im Goldglanz: Wie die „Bonne Mère“ dank Tausender Spender wieder erstrahlt

    Marseille im Goldglanz: Wie die „Bonne Mère“ dank Tausender Spender wieder erstrahlt

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