Schlagwort: Kriegsverbrechen

  • Gaza: Der bislang brutalste Feldzug gegen Journalisten – tödlichste Zone für Medienarbeit

    Gaza: Der bislang brutalste Feldzug gegen Journalisten – tödlichste Zone für Medienarbeit

    Die bislang schwerwiegendste dokumentierte Gewalttat gegen Journalisten ereignete sich im November 2009 auf der südphilippinischen Insel Mindanao. 32 Medienschaffende, Teil eines Konvois zur Registrierung eines Oppositionskandidaten, wurden Opfer eines politischen Racheakts, der weltweit Entsetzen auslöste. Doch was derzeit im Gazastreifen geschieht, stellt selbst dieses historische Verbrechen in den Schatten: In weniger als einem Jahr sind dort nahezu 200 Journalistinnen und Journalisten ums Leben gekommen – mehr als in jedem anderen modernen Konflikt vergleichbarer Dauer. Die systematische Tötung von Medienvertretern durch israelische Luftangriffe hat eine neue Dimension der Bedrohung für die Pressefreiheit erreicht.


    Maguindanao: Ein düsterer Präzedenzfall

    Das sogenannte Maguindanao-Massaker offenbarte die tödliche Verbindung aus politischer Gewalt, medialer Verwundbarkeit und staatlicher Ohnmacht. Der Mord an 58 Menschen – darunter ein Drittel Journalisten – war nicht nur der schlimmste Angriff auf die Pressefreiheit in der Geschichte der Philippinen, sondern ein weltweiter Weckruf. Die juristische Aufarbeitung dauerte ein Jahrzehnt. Viele Beteiligte wurden nie verurteilt, Zeugen wurden eingeschüchtert oder ermordet. Der Fall steht bis heute symbolisch für die weltweite Straf- und Machtlosigkeit gegenüber Gewalt an Journalisten.


    Gaza: Die tödlichste Zone für Medienarbeit

    Eine erschütternde Bilanz

    Seit dem Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 sind dort beinahe 200 Journalistinnen und Journalisten getötet worden – fast ausschließlich Palästinenser. Diese Zahl übersteigt die Todesopferzahlen aus zwei Jahrzehnten Krieg in Afghanistan, dem Ukraine-Krieg seit 2014 sowie jenen in Syrien und dem Irak. Die Dimension ist beispiellos – sowohl in Tempo als auch in der Menge. Besonders tragisch ist: Die Betroffenen sind oft die einzigen Quellen für Informationen über die Situation vor Ort, da ausländische Pressevertreter von Israel am Zugang zur Enklave gehindert werden.

    Angriff auf das Nasser-Krankenhaus

    Ein aktuelles Beispiel der Eskalation war ein israelischer Luftschlag auf das Nasser-Krankenhaus in Khan Younis. Zwei Raketen trafen das Gelände in kurzem Abstand – ein sogenannter „Double Tap“-Schlag, bei dem Ersthelfer, Zivilisten und Journalistinnen getötet wurden. Mindestens fünf Medienschaffende starben, darunter Mitarbeiter internationaler Agenturen. Die israelische Armee sprach von einem Angriff auf eine „Hamas-Kamera“ auf dem Gelände – eine Begründung, die angesichts der Opferzahl und der Art des Zielorts heftige internationale Kritik auslöste.

    Al Jazeera-Korrespondent als Ziel

    Zuvor war einer der bekanntesten Gaza-Korrespondenten, Anas al-Sharif, bei einem gezielten Luftangriff getötet worden – zusammen mit drei Mitgliedern seines Teams. Israel rechtfertigte die Tat mit angeblichen Hamas-Verbindungen, ohne Belege zu liefern. Al Jazeera, Familienangehörige und internationale Beobachter wiesen die Vorwürfe zurück. Bereits Wochen zuvor war gewarnt worden, dass Sharif Ziel einer „militärischen Diffamierungskampagne“ werden könnte.


    Zwischen Propaganda und gezielter Ausschaltung

    Israels Regierung betont, man nehme zivile Opfer nicht leichtfertig in Kauf, und richte Angriffe ausschließlich gegen militärische Ziele. Doch immer wieder tauchen Aussagen prominenter israelischer Kommentatoren auf, die die Tötung von Journalisten offen begrüßen – als Maßnahme gegen „propagandistische Kriegsführung“. In der Öffentlichkeit scheint ein Klima zu herrschen, das kaum mehr zwischen Hamas-Kämpfern und der Zivilbevölkerung unterscheidet. Laut einer Umfrage glauben über drei Viertel der jüdischen Bevölkerung Israels, dass es „keine Unschuldigen in Gaza“ gebe. Das lässt kaum Raum für Differenzierung.


    Der Preis der Berichterstattung

    Die Besonderheit des Krieges in Gaza liegt auch darin, dass er unter vollständiger medialer Abschottung von außen stattfindet. Westliche Medien dürfen den Gazastreifen seit Oktober 2023 nicht mehr betreten. Die gesamte Dokumentation des Krieges basiert auf der Arbeit palästinensischer Reporter – mit dem paradoxen Effekt, dass diese sterben, während sie für eine Weltöffentlichkeit arbeiten, die ihnen zugleich Schutz und Anerkennung verweigert.

    Mit jedem weiteren getöteten Journalisten sinkt nicht nur die Qualität unabhängiger Berichterstattung, sondern auch die Transparenz über das Geschehen vor Ort. Der Krieg in Gaza ist längst nicht mehr nur ein militärischer Konflikt zwischen Israel und der Hamas. Er ist auch ein Kampf um Deutungshoheit, Wahrheit und Sichtbarkeit. Und dieser Kampf wird auf dem Rücken jener ausgetragen, die in anderen Kriegen als Augenzeugen und Chronisten galten – hier aber selbst zu Zielen werden.


    Die Erinnerung an Maguindanao hätte ein warnendes Signal sein können. Doch die beispiellose Zahl getöteter Reporter im Gazastreifen zeigt, dass sich die internationale Gemeinschaft noch immer schwertut, solche Kriegsverbrechen als das zu benennen, was sie sind: gezielte Angriffe auf die freie Information und damit auf ein Grundprinzip jeder demokratischen Ordnung. Wo Wahrheit zum militärischen Ziel wird, steht nicht nur das Leben von Journalisten auf dem Spiel, sondern das Fundament der globalen Öffentlichkeit.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Israelische Luftangriffe auf Krankenhaus in Gaza töten fünf Journalisten – und weitere World-News

    Israelische Luftangriffe auf Krankenhaus in Gaza töten fünf Journalisten – und weitere World-News

    Zwei israelische Luftangriffe trafen gestern ein Krankenhaus in Khan Younis und forderten dabei 20 Todesopfer – unter ihnen fünf Journalisten. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einem „tragischen Fehler“ und kündigte eine Untersuchung durch das Militär an.

    Es war einer der tödlichsten Vorfälle mit Journalisten im Verlauf des seit bald zwei Jahren andauernden Kriegs. Das Gesundheitsministerium in Gaza, das die Opferzahlen veröffentlichte, berichtete zudem von Dutzenden Verletzten. Die getöteten Journalisten arbeiteten für Medien wie Reuters, Associated Press und Al Jazeera.

    „Double Tap“-Angriff: Zwei Schläge auf dasselbe Ziel

    Ein Live-Video des in Kairo ansässigen Senders Al-Ghad TV zeigte die unmittelbaren Folgen der ersten Explosion im Nasser-Krankenhaus. Die Aufnahmen, die von der New York Times verifiziert wurden, zeigen Rettungskräfte, die einen weißen Leichensack eine Treppe hinuntertragen. Kurz darauf wird eine zweite Explosion live übertragen. Ob es sich um einen sogenannten „Double Tap“ handelte – also eine gezielte zweite Attacke auf denselben Ort –, ließ das israelische Militär unbeantwortet. Menschenrechtsorganisationen verurteilen solche Taktiken regelmäßig scharf.

    Kontext: Journalisten unter Beschuss

    Der Gaza-Krieg ist für Medienschaffende besonders gefährlich. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists sind bislang mindestens 192 Journalistinnen und Journalisten ums Leben gekommen. Internationale Reporterinnen und Reporter dürfen nicht frei aus Gaza berichten – deshalb ist die Weltöffentlichkeit in hohem Maße auf palästinensische Journalisten vor Ort angewiesen.

    Die Opfer

    Unter den fünf getöteten Journalistinnen und Journalisten befanden sich unter anderem Mariam Dagga, eine 33-jährige Bildjournalistin und freie Mitarbeiterin der Associated Press, sowie Hussam al-Masri, Kameramann für Reuters.


    Trump empfängt Südkoreas Präsidenten – und lobt Nordkoreas Kim Jong-un

    Bei seinem ersten Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung im Weißen Haus überraschte US-Präsident Donald Trump mit demonstrativer Nähe zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Trump, der Kim bereits 2019 begegnet war, betonte erneut seine „gute Beziehung“ zu ihm, sprach von Nordkoreas „großem Potenzial“ und bot an, ein Treffen zwischen Kim und Lee zu vermitteln.

    Lee wiederum lobte zunächst die goldverzierte Einrichtung des Oval Office und bezeichnete Trump als Friedensstifter – obwohl sich in den US-südkoreanischen Bezihungen zuletzt starke Spannungen zeigten. Trump, der sich wiederholt wohlwollend über autoritäre Herrscher äußert, kündigte an, einer weiteren Begegnung mit Kim „in geeigneter Zukunft“ offen gegenüberzustehen.

    Kontext: Neue Töne aus Seoul – doch Pjöngjang blockt ab

    Seit seinem Amtsantritt im Juni betont Präsident Lee immer wieder seine Bereitschaft, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen. Doch Nordkorea hat erst im vergangenen Monat ein Gesprächsangebot aus Seoul abgelehnt.


    Das Ende von Chinas einst größtem Immobilienkonzern

    China Evergrande, einst der größte Immobilienentwickler des Landes, wurde gestern von der Börse in Hongkong genommen. Der Niedergang des Unternehmens hatte eine Immobilienkrise ausgelöst, die Chinas Wirtschaft nun schon seit fünf Jahren belastet – ein Ende ist nicht in Sicht.

    Evergrande war vor 16 Jahren an die Börse gegangen und geriet 2021 in die Schlagzeilen, als das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar nicht mehr nachkommen konnte. Der Fall offenbarte die strukturellen Schwächen der chinesischen Wirtschaft und die übermäßige Abhängigkeit vom Immobiliensektor als Wachstumsmotor.


    Weitere Schlagzeilen:

    • Vietnam: Wegen Taifun Kajiki ordnet die Regierung die Evakuierung von über 325.000 Menschen an – betroffen ist ein breiter Streifen zwischen Hanoi und Da Nang.
    • US-Notenbank: Präsident Trump hat Lisa Cook aus dem Board of Governors der Federal Reserve entfernt – ein rechtlich fragwürdiger Schritt, der die Unabhängigkeit der Notenbank infrage stellt.
    • Migration: Kilmar Abrego Garcia, ein zuvor abgeschobener Migrant, wurde in den USA erneut festgenommen und könnte nun nach Uganda deportiert werden.
    • Ukraine: Während andere Armeen schwangere Soldatinnen frühzeitig aus dem Dienst nehmen, dienen Frauen in der Ukraine oft bis zum siebten Schwangerschaftsmonat.
    • Technologie: Elon Musks KI-Unternehmen xAI verklagt Apple – es wirft dem Tech-Konzern vor, OpenAI bevorzugt zu behandeln.
    • Dänemark: Nach dem Stopp eines Offshore-Projekts vor Rhode Island durch die Trump-Regierung verliert der dänische Windkraftkonzern Ørsted massiv an Börsenwert.
    • Deutschland: Die Staatsanwaltschaft hat einen früheren US-Militärberater angeklagt – er soll versucht haben, geheime Informationen an China zu verkaufen.
    • Wirtschaft: Keurig Dr Pepper übernimmt das europäische Kaffeeunternehmen JDE Peet’s für rund 18 Milliarden US-Dollar.
    • Wissenschaft: Chinesische Forscher melden die erfolgreiche Transplantation einer Schweinelunge in einen hirntoten Menschen.
    • Musik: Die nordirische Rap-Gruppe Kneecap sagt ihre US-Tour ab – Hintergrund ist ein Rechtsstreit in Großbritannien sowie Kritik an israelkritischen Aussagen der Band.

    Autor: P. Tiko

  • Schweizer Balanceakt zwischen Völkerrecht und Neutralität – Immunität für Wladimir Putin bei Friedenskonferenz

    Schweizer Balanceakt zwischen Völkerrecht und Neutralität – Immunität für Wladimir Putin bei Friedenskonferenz

    Die Schweiz hat ein völkerrechtlich heikles, politisch jedoch wohlkalkuliertes Zeichen gesetzt: Präsident Wladimir Putin könnte, trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), zu einer möglichen Friedenskonferenz in die Schweiz einreisen – ohne Festnahme. Dies wäre allerdings nur unter engen Voraussetzungen möglich. Die Entscheidung verdeutlicht den diplomatischen Spagat zwischen rechtlicher Verpflichtung und dem Selbstverständnis der Schweiz als neutraler Vermittlerin.


    Völkerrechtliche Verpflichtung und politischer Spielraum

    Seit März 2023 besteht gegen den russischen Präsidenten ein internationaler Haftbefehl. Die Anklage des IStGH stützt sich auf mutmaßliche Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der Deportation ukrainischer Kinder. Als Vertragsstaat des Römischen Statuts ist die Schweiz grundsätzlich zur Festnahme Putins verpflichtet, sollte er ihr Territorium betreten.

    Gleichzeitig sieht die Schweizer Rechtsordnung in Einzelfällen die Möglichkeit vor, von dieser Pflicht abzuweichen – etwa wenn es um eine hochoffizielle Teilnahme an einer Friedenskonferenz geht. Diese Ausnahme stützt sich auf eine völkerrechtlich anerkannte Praxis, die diplomatischen Immunitätsschutz unter eng definierten Bedingungen erlaubt, um politische Prozesse wie Verhandlungen oder Gipfeltreffen nicht zu gefährden.


    Cassis’ Klarstellung: Keine Immunität für Privatreisen

    Außenminister Ignazio Cassis betonte kürzlich, dass die Regierung bereits im Vorjahr eine Regelung verabschiedet habe, die Immunität unter bestimmten Umständen zulässt – jedoch ausschließlich im Rahmen offizieller diplomatischer Missionen. Ein solcher Anlass könnte etwa eine internationale Friedenskonferenz zur Ukraine darstellen. Eine Einreise aus privaten oder bilateralen Gründen dagegen würde keinen Schutz vor Festnahme gewähren.

    Mit dieser Klarstellung reagiert der Bundesrat auch auf Spekulationen, die Schweiz könnte sich ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung entziehen. Vielmehr signalisiert die Regierung, dass jede Ausnahmeentscheidung rechtlich fundiert und politisch begründet sein muss.


    Der IStGH und die umstrittene Frage der Immunität

    Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt seit seiner Gründung einen grundsätzlichen Ansatz: Auch amtierende Staatschefs genießen keine Immunität, wenn sie mutmaßlich schwere Verbrechen begangen haben. Dieses Prinzip wurde etwa im Fall des früheren sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir angewandt. Die Praxis hat jedoch wiederholt für Spannungen gesorgt – vor allem, wenn betroffene Staaten mit dem Dilemma zwischen völkerrechtlicher Verpflichtung und diplomatischem Kalkül konfrontiert wurden.

    In der Schweiz hat man sich bemüht, genau diesen Zielkonflikt institutionell aufzufangen. Die Regelung, die nun Anwendung finden könnte, soll sicherstellen, dass die Teilnahme an einer Friedenskonferenz nicht durch juristische Automatismen verunmöglicht wird, ohne jedoch den völkerrechtlichen Rahmen zu sprengen.


    Neutralität als politisches Leitmotiv

    Die Position der Schweiz ist nicht zuletzt auch durch ihr außenpolitisches Selbstverständnis geprägt. Seit Jahrzehnten pflegt Bern eine diplomatische Rolle als Gastgeberin für internationale Verhandlungen – ob bei den Genfer Abrüstungsgesprächen, der Syrien-Friedenskonferenz oder beim historischen Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow. Die Bereitschaft, als neutraler Boden für Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine zu fungieren, ist damit nicht nur Ausdruck außenpolitischer Aktivität, sondern Teil einer bewährten Tradition.

    Gleichzeitig signalisiert die Schweiz mit der nun diskutierten Immunitätsregel, dass Neutralität nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden darf: Die rechtliche Dimension bleibt bestehen, doch politische Realitäten erfordern manchmal flexiblere, pragmatische Antworten.


    Die Entscheidung, Putin unter bestimmten Bedingungen Immunität zu gewähren, ist weder Kapitulation noch Opportunismus. Vielmehr verdeutlicht sie das diplomatische Spannungsverhältnis zwischen normativem Anspruch und realpolitischer Vermittlung. In einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen bietet sich der Schweiz damit erneut die Chance, eine konstruktive Rolle im internationalen System zu spielen – ohne ihre völkerrechtliche Integrität zu verlieren.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • UN warnt Israel und Russland – nur ein Schritt vor der offiziellen „Blacklist“

    UN warnt Israel und Russland – nur ein Schritt vor der offiziellen „Blacklist“

    Die Vereinten Nationen haben Israel und Russland in ihrem jüngsten Bericht über sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten unter verschärfte Beobachtung gestellt. Beide Staaten stehen damit kurz davor, in eine Liste aufgenommen zu werden, die weltweit jene Regierungen und bewaffneten Gruppen aufführt, denen der systematische Einsatz sexueller Gewalt als Kriegsinstrument zur Last gelegt wird. Die Warnung markiert einen sensiblen diplomatischen Moment – sie ist weder Anklage noch Freispruch, sondern Ausdruck wachsender internationaler Besorgnis.

    Die Liste, die jährlich vom UN-Generalsekretariat veröffentlicht wird, umfasst aktuell 63 Staaten oder Organisationen, darunter zahlreiche Rebellengruppen und Milizen. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der militärische Arm der Hamas, deren Kämpfer im Zuge des Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 unter anderem wegen sexueller Gewalt gegen Geiseln angeklagt werden. In Bezug auf Israel und Russland jedoch bleibt es bislang bei einer Vorwarnung – ein Novum im Umgang mit zwei international stark beachteten Akteuren.

    Dokumentierte Gewalt in Gefangenschaft

    Dem Bericht zufolge liegen der UNO glaubhafte Hinweise auf sexuelle Misshandlungen in Gewahrsamssituationen vor – sowohl durch russische Kräfte an ukrainischen Kriegsgefangenen als auch durch israelische Sicherheitskräfte an palästinensischen Inhaftierten. In beiden Fällen ist von wiederholten Fällen sexueller Erniedrigung, Genitalgewalt und erzwungener Nacktheit die Rede. Die dokumentierten Vorfälle betreffen insbesondere Gefängnisse, Militärbasen und Untersuchungshaftzentren.

    Dabei macht die UNO deutlich, dass es sich bei sexueller Gewalt nicht um ein Nebenprodukt bewaffneter Konflikte handelt, sondern um eine gezielt eingesetzte Methode der Einschüchterung, Demütigung oder Informationsbeschaffung. Das lässt sich auch an der Sprache des Berichts ablesen, der von sexueller Gewalt als Mittel der Folter, Repression und Terrorisierung spricht.

    Israelische und russische Reaktionen

    Die Reaktionen aus Tel Aviv und Moskau fielen unterschiedlich aus, aber beide Regierungen wiesen die Vorwürfe zurück. Israel betonte, seine Sicherheitskräfte handelten im Einklang mit dem Völkerrecht, und warf der UNO vor, sich einseitig auf fragwürdige Quellen zu stützen, statt die dokumentierten Kriegsverbrechen der Hamas ins Zentrum zu rücken. Russland äußerte sich nicht öffentlich, verweigerte allerdings nach Angaben der UN jede Kooperation mit dem zuständigen Sonderbeauftragten.

    Die russische Haltung dürfte als Teil einer breiteren Strategie verstanden werden, internationale Institutionen zu delegitimieren – ein Muster, das sich bei Russland bereits in anderen Gremien wie dem Internationalen Strafgerichtshof beobachten lässt.

    Der politische Mechanismus hinter der Liste

    Die Liste selbst ist Teil eines umfassenderen Mechanismus, der in den UN-Resolutionen 1820 und 1888 verankert ist. Diese sehen neben der Ächtung sexueller Kriegsverbrechen auch konkrete Maßnahmen zur Prävention und Ahndung vor. Staaten und Organisationen, die auf der Liste stehen, sind aufgefordert, glaubhafte Schutzmechanismen zu schaffen, Untersuchungen einzuleiten und ihre Sicherheitskräfte entsprechend zu schulen. Wer dem nicht nachkommt, riskiert diplomatische Isolierung und mögliche Sanktionen.

    Allerdings ist der Mechanismus nicht bindend – die Aufnahme auf die Liste hat vor allem symbolischen und reputationspolitischen Charakter. Für Demokratien wie Israel, die international auf Legitimität und Allianzen angewiesen sind, kann schon die Androhung eines Eintrags erheblichen Druck erzeugen. Für autoritäre Systeme wie Russland hingegen ist der Effekt geringer, doch auch dort dürfte die öffentliche Sichtbarkeit solcher Berichte innenpolitische Reibung erzeugen.

    Ein sich verschärfendes globales Problem

    Der UN-Bericht verweist zudem auf eine besorgniserregende Entwicklung: Weltweit nahm der dokumentierte Einsatz sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten im vergangenen Jahr um ein Viertel zu. 92 Prozent der Betroffenen waren Frauen oder Mädchen. In zahlreichen Kontexten – von Myanmar über die Demokratische Republik Kongo bis Sudan – bleibt sexuelle Gewalt ein systematisch eingesetztes Machtinstrument, oft ohne Konsequenzen für die Täter.

    Diese Zahlen unterstreichen, dass das Thema weit über einzelne Konflikte hinausreicht. Die Debatte um Israel und Russland zeigt dabei exemplarisch, wie schwierig der Umgang mit Vorwürfen ist, wenn geopolitisch mächtige Staaten betroffen sind. Doch gerade deshalb kommt dem Mechanismus der UN eine besondere Rolle zu: Er dient nicht der Schuldzuweisung, sondern dem Aufbau internationaler Normen.

    Die nächste Ausgabe des Berichts ist für Sommer 2026 angekündigt. Bis dahin haben Israel und Russland Gelegenheit, interne Ermittlungen zu dokumentieren, Präventionsmaßnahmen zu verstärken und gegenüber den UN Transparenz herzustellen. Ob sie diese Chance nutzen, bleibt offen. Klar ist nur: Das öffentliche Anprangern durch die UNO setzt ein Zeichen – und es stellt die Frage, wie ernst es der internationalen Gemeinschaft mit dem Schutz vor sexueller Gewalt wirklich ist.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Hiroshima mahnt – und ihr droht immer noch mit Atombomben? Shame on you.

    Kommentar: Hiroshima mahnt – und ihr droht immer noch mit Atombomben? Shame on you.

    1. August 1945. Es war ein sonniger Morgen in Hiroshima. Kinder auf dem Schulweg, Mütter beim Kochen, Arbeiter auf dem Weg in die Fabrik. Um 8:15 Uhr verwandelte sich die Stadt in ein Inferno. Innerhalb von Sekunden verdampften Menschen, wurden Schatten in Beton gebrannt. Häuser, Körper, Erinnerungen – alles zerfiel in Licht und Feuer. Über 70.000 Tote an diesem einen Tag. Zehntausende folgten, langsam und qualvoll, durch Strahlung, Verbrennungen, Krebs.

    Und wofür?

    Für ein Zeichen der Macht. Für ein „Ende des Krieges“. Für ein Experiment am lebenden Menschen.

    Wer heute noch mit Atomwaffen droht, hat nichts – gar nichts – aus der Geschichte gelernt. Keine Lektion, keine Demut, keine Menschlichkeit. Stattdessen hören wir 80 Jahre später auch wieder das gefährliche Säbelrasseln: In Moskau. In Pjöngjang. In Washington. Und, ja – auch in NATO-Dokumenten. Die Drohung mit nuklearer Vernichtung ist wieder salonfähig geworden. Als ob Hiroshima ein Unfall der Geschichte gewesen wäre, ein notwendiges Übel. Nein. Es war ein Verbrechen. Punkt.

    Die Überlebenden – die Hibakusha – tragen noch heute die Narben. Auf der Haut, in der Lunge, im Gedächtnis. Sie erzählen von Kindern mit verbrannter Haut, von Männern, deren Augen geschmolzen sind, von einer Stadt, in der die Luft selbst zur Waffe wurde. Und doch hören ihnen zu wenige zu. Schon wieder.

    Atomwaffen sind keine „Versicherung“. Sie sind keine „Abschreckung“. Sie sind die logische Endstufe menschlicher Hybris. Sie garantieren nicht Sicherheit – sie garantieren das Ende. Wer sie besitzt, ist nicht stärker. Wer mit ihnen droht, ist nicht rational. Wer ihren Einsatz rechtfertigt, hat die Kontrolle über das eigene moralische Koordinatensystem verloren.

    Die Menschheit hat nur zweimal eine Atombombe im Krieg eingesetzt. Beides Mal gegen Zivilisten. Wer heute ernsthaft an nukleare Erstschläge denkt, spielt nicht mit Macht, sondern mit der völligen Auslöschung menschlichen Lebens. Hiroshima war keine „historische Notwendigkeit“. Es war ein Menschheitsversagen. Und jedes erneute Spiel mit der Bombe ist ein Schritt zurück in die Barbarei.

    Schande über euch, die ihr noch immer mit dem Feuer spielt.
    Shame on you.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Justiz und das Völkerrecht: Warum das Urteil zu Assad ein Präzedenzfall ist

    Frankreichs Justiz und das Völkerrecht: Warum das Urteil zu Assad ein Präzedenzfall ist

    Die französische Cour de cassation hat am 25. Juli 2025 den internationalen Haftbefehl gegen Syriens Ex-Präsident Baschar al-Assad aufgehoben. Die Entscheidung fußt auf der völkerrechtlich anerkannten Immunität amtierender Staatsoberhäupter – auch wenn die politische und moralische Brisanz des Falls unübersehbar ist. Doch das Urteil hat eine doppelte Bedeutung: Es bestätigt einerseits die Schutzwirkung diplomatischer Immunität, öffnet andererseits aber auch Tür und Tor für eine künftige strafrechtliche Verfolgung Assads – nunmehr nicht mehr als Staatschef. Immunität über Verantwortung? Der Haftbefehl gegen Assad war im November 2023 von französischen Ermittlungsrichtern erlassen worden. Er bezog sich auf die mutmaßliche Mitverantwortung des damaligen Präsidenten für Chemiewaffenangriffe auf Ghouta bei Damaskus im August 2013, bei denen laut UN-Angaben mehr als 1.000 Zivilisten ums Leben kamen – ein mutmaßliches Kriegsverbrechen und Verstoß gegen das Chemiewaffenverbot. Frankreich hatte…

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  • Französisch-israelische Soldaten in Israels Armee: Klage wegen Völkermord und Kriegsverbrechen in Paris

    Französisch-israelische Soldaten in Israels Armee: Klage wegen Völkermord und Kriegsverbrechen in Paris

    Die Schlagzeile klingt wie aus einem düsteren Roman, doch sie ist bittere Realität:

    Zwei Soldaten mit französisch-israelischer Staatsbürgerschaft, Sasha A. und Gabriel B., werden von mehreren internationalen Menschenrechtsorganisationen verklagt – wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sogar Völkermord.

    Tatort: Gaza.

    Tatzeit: zwischen November 2023 und März 2024.

    Am 1. Juli 2025 reichten unter anderem die Fédération internationale pour les droits humains (FIDH), die Ligue des droits de l’homme (LDH) sowie drei palästinensische Organisationen – Al-Haq, Al-Mezan Center for Human Rights und das Palestinian Centre for Human Rights – eine Klage beim Pariser Pôle Crimes contre l’Humanité ein. Sie treten dabei als Zivilklägerinnen auf, was in Frankreich eine automatische Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens ermöglicht.

    Was wirft man Sasha A. und Gabriel B. konkret vor?

    Exekutionen, gefilmt und dokumentiert

    Die beiden sollen Mitglieder einer Eliteeinheit des israelischen Militärs gewesen sein, der sogenannten „Ghost Unit“. Ihr Spezialgebiet: Präzisionsschüsse.

    Doch laut Anklage ging es nicht nur um gezielte militärische Angriffe, sondern um Exekutionen unbewaffneter palästinensischer Zivilist:innen – mitten in als sicher geltenden Gebieten in Gaza-Stadt und Khan Yunis.

    Herzstück der Beweisführung ist ein 38-minütiger Dokumentarfilm des unabhängigen palästinensischen Journalisten Younis Tirawi, veröffentlicht im Oktober 2024. Darin zu sehen: Videos, die palästinensische Zivilisten heimlich aufgenommen haben, aber auch Aufnahmen israelischer Soldaten selbst.

    Die Bilder zeigen angeblich gezielte Tötungen, Misshandlungen und weitere Verstöße gegen internationales Recht.

    Man spürt beim Lesen der Vorwürfe die ganze Schwere dieser Szenen – und gleichzeitig die Ohnmacht, die solche Bilder oft hinterlassen.

    Juristische Hebel der Extraterritorialität

    Warum Paris? Warum Frankreich?

    Die Antwort liegt in der französischen Staatsbürgerschaft der beiden Beschuldigten. Diese ermöglicht es der französischen Justiz, aufgrund des Prinzips der extraterritorialen Zuständigkeit tätig zu werden. Konkret bedeutet das: Auch wenn die mutmaßlichen Taten nicht auf französischem Boden stattfanden, kann Frankreich seine Bürger dafür strafrechtlich verfolgen.

    Eine Möglichkeit, die besonders dann relevant wird, wenn es vor Ort – in diesem Fall in Israel – keine Ermittlungen gibt.

    Teil einer europäischen Rechtsbewegung

    Interessant ist, dass diese Klage kein isolierter Einzelfall ist.

    In mehreren europäischen Ländern laufen ähnliche Verfahren gegen Soldaten mit doppelter Staatsbürgerschaft, die in der israelischen Armee dienen oder dienten. Belgien, Deutschland und Italien prüfen ebenfalls Anklagen.

    Ein juristischer Flächenbrand? Nicht unbedingt – eher ein Zeichen wachsender Bemühungen, internationale Rechtslücken zu schließen.

    Die Frage der nationalen Verantwortung

    Frankreich sieht sich nun mit einer unbequemen Tatsache konfrontiert: Nach Schätzungen der FIDH dienen derzeit rund 4.000 französische Staatsbürger in den israelischen Streitkräften. Was bedeutet das für die französische Verantwortung? Wie lässt sich sicherstellen, dass Staatsbürger bei Auslandseinsätzen keine Kriegsverbrechen begehen – oder dass sie dafür belangt werden, wenn sie es doch tun?

    Hier steht nicht nur ein moralisches Prinzip auf dem Spiel. Frankreich ist als Unterzeichnerstaat der UN-Völkermordkonvention verpflichtet, die Tatbestände von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit weltweit zu verfolgen.

    Durch die Klage mit Zivilbeteiligung ist die Einleitung einer richterlichen Untersuchung nahezu zwingend. Dadurch könnte die Justiz nicht nur die beiden Beschuldigten, sondern auch weitere mögliche Täter mit französischer Staatsbürgerschaft ins Visier nehmen.

    Man darf nicht vergessen: Für die Opfer und ihre Familien ist diese Klage ein erster Schritt – vielleicht der einzige – zu Anerkennung und Gerechtigkeit.

    Ein Ende der Straflosigkeit?

    Die zentrale Frage bleibt: Kann dieser juristische Vorstoß die Kette der Straflosigkeit durchbrechen, die sich wie ein Schutzschild um Kriegsverbrechen legt? Viele hoffen darauf. Denn solange Täter glauben, jenseits jeder Gerichtsbarkeit zu agieren, bleibt das Völkerrecht ein zahnloser eingesperrter Tiger. Doch sobald ein nationales Gericht wagt, diesen Tiger loszulassen, verändert sich das Gleichgewicht.

    Und genau hier könnte Paris ein Signal setzen.

    Autor: Daniel Ivers

  • Amnesty International wirft Israel „Genozid in Echtzeit“ in Gaza vor

    Amnesty International wirft Israel „Genozid in Echtzeit“ in Gaza vor

    Während die Welt zusieht, stirbt Gaza – so die erschütternde Anklage von Amnesty International in ihrem neuen Jahresbericht über die Menschenrechtslage weltweit. Die renommierte Organisation erneuert ihre schweren Vorwürfe gegen Israel und spricht offen von einem „Genozid in Echtzeit“, der seit dem 7. Oktober 2023 in der palästinensischen Enklave verübt werde.


    „Ein Völkermord vor den Augen der Welt“

    Der Bericht mit dem Titel „Am Abgrund“ wurde am Dienstag, 29. April 2025, veröffentlicht. Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, findet darin klare Worte: „Seit dem 7. Oktober sehen wir live mit an, wie ein Genozid geschieht.“ Sie verweist auf die Angriffe Israels auf die Zivilbevölkerung in Gaza – darunter gezielte Bombardierungen, die ganze Familien auslöschten, Häuser, Krankenhäuser und Schulen zerstörten.

    Die internationale Gemeinschaft habe weitgehend tatenlos zugesehen, wie die israelischen Streitkräfte systematisch Palästinenserinnen und Palästinenser töteten und ganze Lebensgrundlagen vernichteten, so Callamard.


    Israel weist die Vorwürfe entschieden zurück

    Schon Ende 2024 hatte Amnesty International Israel erstmals des Völkermords beschuldigt – eine Anschuldigung, die die israelische Regierung kategorisch zurückwies. Auch jetzt werden die schweren Vorwürfe von Tel Aviv erneut als „unbegründet“ und „politisch motiviert“ abgelehnt.

    Amnesty International betont dagegen, dass ihre Untersuchungen klar belegten, dass Israel Handlungen begehe, die laut der Völkermordkonvention ausdrücklich verboten seien – mit dem Ziel, die palästinensische Bevölkerung in Gaza zu zerstören.

    Zu den dokumentierten Verbrechen gehören:

    • gezielte Tötungen von Zivilisten,
    • schwere körperliche und psychische Gewalt,
    • Zwangsvertreibungen,
    • Verschwindenlassen von Menschen,
    • sowie die bewusste Schaffung von Lebensbedingungen, die auf eine physische Vernichtung abzielen.

    Die Eskalation nach der gescheiterten Waffenruhe

    Nach einer knapp zweimonatigen Waffenruhe, die im Januar ausgehandelt worden war, eskalierte der Konflikt erneut: Am 18. März nahm Israel seine Offensive wieder auf. Als Grund nannte die israelische Regierung die Weigerung der Hamas, die letzten verbliebenen Geiseln freizulassen.

    In der Nacht auf Dienstag kam es zu einem weiteren schweren Angriff auf ein Zeltlager für Vertriebene im Süden Gazas. Mindestens vier Menschen verloren dabei ihr Leben – ein weiterer Tropfen in einem Ozean des Leids, der sich Tag für Tag ausweitet.


    Eine Welt, die zusieht

    Die Worte von Amnesty International lassen keinen Raum für Beschönigungen: Der Nahe Osten stehe am Rand einer Katastrophe, während viele Staaten entweder schweigen oder ihre Reaktionen auf diplomatische Floskeln beschränken.

    Es bleibt die Frage: Wie viele Beweise braucht es noch, bevor die Weltgemeinschaft handelt?

    Von Catherine H.

  • Massaker in Sumy – Frankreich zeigt klare Kante gegen Putins Terror

    Massaker in Sumy – Frankreich zeigt klare Kante gegen Putins Terror

    Während Christen in aller Welt den Palmsonntag begehen, trifft eine der schwersten Raketenangriffe seit Monaten das ukrainische Soumy. Mindestens 34 Menschen sterben, darunter zwei Kinder. Über 100 weitere werden verletzt. Eine Straße wird zum Schlachtfeld, mitten im Alltag. Die internationale Empörung ist groß – und Frankreich? Positioniert sich deutlich.


    Ein Sonntag im Flammenmeer

    Sonntag, 13. April 2025 – während in Kirchen gesungen und gebetet wird, detonieren zwei Raketen mitten in der nordostukrainischen Stadt Soumy. 250.000 Menschen leben hier, eine normale Provinzstadt mit Schulen, Wohnhäusern, Bushaltestellen. Und genau dort schlagen die Geschosse ein.

    „Eine gewöhnliche Straße, ein gewöhnliches Leben – und plötzlich die Hölle“, so beschreibt Präsident Selenskyj die Szenen. Die Zahl der Toten: 34. Darunter zwei Kinder. 117 Verletzte, 15 davon ebenfalls Kinder. Viele sind schwer verletzt. Die Rettungskräfte sprechen von einem Bild des Grauens: brennende Autos, schreiende Passanten, zerstörte Gebäude – und mittendrin die blanke Panik.

    Ein Feuerwehrsprecher sagt nur: „Ich dachte, ich hätte schon alles gesehen – aber das hier…“ Er bricht ab.


    Gezielter Schlag an einem heiligen Tag

    Der Angriff erfolgte nicht zufällig. Palmsonntag, der feierliche Auftakt der Karwoche, ist für viele Ukrainer ein bedeutender religiöser Tag. Menschen sind unterwegs, auf dem Weg zur Kirche, treffen Familie, Freunde. Gerade deshalb trifft diese Attacke doppelt: als militärischer und symbolischer Schlag.

    Der Menschenrechtskommissar der Ukraine berichtet, dass das regionale Zentrum zum Schutz der Menschenrechte völlig zerstört wurde – es lag im Epizentrum der Explosionen. Die Botschaft ist klar: Auch Einrichtungen des zivilen Schutzes sind keine Tabuzonen mehr.


    Frankreich spricht Klartext

    Emmanuel Macron reagiert umgehend. Auf X (ehemals Twitter) schreibt er: „Dieser Krieg – wir wissen, wer ihn gewollt hat. Russland, ganz allein.“ Er fordert „starke Maßnahmen“, um Russland zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Frankreichs Position ist eindeutig: Diese Eskalation darf nicht unbeantwortet bleiben.

    Die französische Öffentlichkeit steht solidarisch zur Ukraine. Hilfslieferungen, Flüchtlingshilfe, politische Rückendeckung – all das gehört zur Tagesordnung. Doch dieser Angriff markiert einen neuen Tiefpunkt. Dass Paris hier scharf Stellung bezieht, zeigt, dass man nicht müde wird, die Stimme gegen das Unrecht zu erheben – trotz diplomatischer Erschöpfung in Teilen Europas.


    Auch andere Länder reagieren – aber mit unterschiedlichen Tönen

    Während Donald Trump den Angriff als „schrecklich“ bezeichnet, spricht er gleichzeitig davon, dass „man ihm gesagt habe“, es sei ein Versehen gewesen. So etwas sei einfach „furchtbar“. Worte, die vor allem ausweichend wirken – diplomatisch verpackt, aber ohne Konsequenz.

    Ganz anders Emmanuel Macron: Seine Worte sind deutlich, sein Ton fest. Auch Olaf Scholz nennt die Attacke „barbarisch“. Die italienische Ministerpräsidentin Meloni spricht von „Feigheit“. Internationale Solidarität? Ja. Doch Frankreich setzt mit seiner Entschlossenheit ein klares Zeichen.


    Ein vergeblicher Dialog?

    Dabei laufen aktuell Verhandlungen zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Russland. Doch bislang ohne Erfolg. Russland fordert Unmögliches – Gebietsabtretungen, Verzicht auf die NATO-Mitgliedschaft. Für Kiew inakzeptabel. Und während am Verhandlungstisch diskutiert wird, fliegen Raketen – wie eben in Soumy.

    Das Misstrauen gegenüber Putins Russland wächst. Auch in Frankreich wird immer klarer, dass Worte allein nicht genügen. „Reden stoppen keine Raketen“, mahnt Selenskyj. Wer Frieden wolle, müsse Russland wie einen Terrorstaat behandeln.


    Frankreichs Rolle im europäischen Sicherheitsgefüge

    Die Attacke auf Soumy rückt Frankreich einmal mehr in den Mittelpunkt europäischer Verantwortung. Nicht nur als Vermittler, sondern als klare Stimme der Menschlichkeit. Paris will nicht tatenlos zusehen, wenn ein europäisches Land gezielt von Raketen getroffen wird – an einem Feiertag, inmitten von Kindern und Familien.

    Die Frage, die sich stellt: Wie lange will Europa noch zusehen, wie ein Aggressor gezielt zivilgesellschaftliche Strukturen zerstört?


    Ein Ruf, der gehört wird

    Frankreich zeigt Haltung – und das nicht erst seit gestern. In der Ukraine weiß man, wer echte Partner sind. Und trotz aller geopolitischen Herausforderungen: Die Empörung über Soumy schweißt zusammen. Vielleicht ist das die bittere Ironie dieses Schreckens – dass er die Entschlossenheit des Westens neu entfacht.

    Von Andreas M. Brucker

  • Tödlicher Raketenschlag auf Sumy – Russland trifft ukrainische Stadt am Palmsonntag

    Tödlicher Raketenschlag auf Sumy – Russland trifft ukrainische Stadt am Palmsonntag

    Mitten am Palmsonntag, einem der höchsten kirchlichen Feiertage in der Ukraine, hat Russland erneut zugeschlagen – mit verheerenden Folgen. Ein gezielter Raketenangriff auf das Stadtzentrum von Sumy forderte am 13. April mindestens 21 Todesopfer und hinterließ 83 Verletzte, darunter auch sieben Kinder. Der Angriff fällt nicht nur durch seine Brutalität auf, sondern auch durch das gezielte Timing – eine Straße voller Menschen, Familien, Gläubiger.

    Raketen auf eine normale Straße

    Nach Angaben des ukrainischen Innenministers Ihor Klymenko schlugen zwei ballistische Raketen mitten im belebten Zentrum ein. „Die Raketen trafen eine ganz normale Straße – Wohnhäuser, Schulen, Autos auf der Fahrbahn“, berichtete Präsident Wolodymyr Selenskyj. In seiner Rede sprach er von „Dutzenden Toten und Verletzten“ und nannte den Angriff eine „gezielte Tat des Schreckens“.

    Wer bei diesem Satz nicht innehält, hat nicht zugehört: Eine normale Straße, ein normales Leben – plötzlich ausgelöscht. Zwischen Alltagslärm und Gebeten, Schulkindern und Senioren – treffen russische Raketen.

    Ein Tag der Trauer statt des Glaubens

    Artem Kobzar, der Bürgermeister von Sumy, sprach in einem offiziellen Statement von einer „schrecklichen Tragödie“ – ausgerechnet an einem Tag, der für viele Ukrainer voller Hoffnung und Gemeinschaft steht. Der Palmsonntag, an dem traditionell der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert wird, wurde durch die Einschläge zu einem Symbol der Verwundbarkeit und des unstillbaren Leids.

    Ein Angriff auf Leben, Freiheit – und Rechte

    Wie Dmitro Lubinets, ukrainischer Ombudsmann und Verteidiger der Bürgerrechte, erklärte, wurde bei dem Angriff auch das regionale Zentrum für Menschenrechte vollständig zerstört. Das Gebäude lag exakt im Zentrum des Einschlags – es ist mehr als nur ein symbolischer Verlust. In unmittelbarer Umgebung verloren Menschen ihr Leben: in Bussen, in Autos, auf dem Gehweg und in ihren Wohnungen.

    Lubinets betont: „Es war ein gezielter Angriff auf Zivilisten – an einem Wochenende, an dem die Menschen draußen unterwegs sind, die Sonne genießen, Familie leben.“

    Selenskyj fordert entschlossene Reaktion

    In seiner eindringlichen Botschaft fordert der ukrainische Präsident erneut eine klare internationale Reaktion. Die Zeit der Gespräche sei vorbei. „Diskussionen haben noch nie Raketen gestoppt oder Bombardements verhindert“, so Selenskyj. Er ruft die USA, Europa und alle Unterstützer des Friedens dazu auf, Russland wie einen Terrorstaat zu behandeln. „Wir müssen handeln – nicht diskutieren.“

    Was wird nötig sein, bis diese Forderung nicht nur gehört, sondern umgesetzt wird?

    Ein erschütternder Moment in einem langen Krieg

    Seit über zwei Jahren hält der russische Angriffskrieg die Ukraine in Atem. Doch Angriffe wie dieser in Sumy zeigen, wie tiefgreifend sich der Krieg in das zivile Leben einschneidet. Schulen, Wohnhäuser, Menschenrechtszentren – es gibt keine „sicheren Orte“ mehr.

    Ein Raketenangriff auf eine religiöse Feier – das ist nicht nur ein militärischer Akt, sondern eine gezielte Attacke auf Kultur, Identität und Menschlichkeit.

    Das Bild einer Gesellschaft im Ausnahmezustand

    Die Bilder aus Sumy erinnern an die dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte – an Trümmer, an schreiende Kinder, an verzweifelte Angehörige. Sie machen aber auch sichtbar, wie notwendig und dringend internationale Solidarität ist. Doch Worte und Gesten reichen nicht aus. Der Terror braucht Konsequenzen.

    Während die Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen bereits laufen, hoffen die Menschen in Sumy auf mehr – auf Gerechtigkeit, Schutz und Frieden.

    Catherine H.