Schlagwort: Krawalle

  • Mein Sohn ist 16, er protestiert – und ich soll zahlen?

    Mein Sohn ist 16, er protestiert – und ich soll zahlen?

    Kommentar

    Mein Sohn ist 16. Sechzehn! In diesem Alter kann er morgens seine Sportsachen vergessen, mittags sein Handy verlieren und abends mit absoluter Gewissheit erklären, dass ich keine Ahnung vom Leben habe. Aber wenn er bei einer Demonstration mit den falschen Leuten herumsteht, soll plötzlich die finanzielle Verantwortung bis in die Familienkasse reichen?

    Willkommen bei «casseurs-payeurs».

    Natürlich klingt das wunderbar. Krawallmacher zahlen! Wer eine Bushaltestelle zerlegt, ein Auto anzündet oder einen Laden plündert, soll für den Schaden geradestehen. Darüber muss man nicht lange diskutieren. Wer etwas kaputtmacht, bezahlt es.

    Aber genau da beginnt das Problem: Der Gesetzentwurf richtet sich eben nicht nur gegen denjenigen, der den Pflasterstein wirft. Er kann unter bestimmten Voraussetzungen auch Menschen treffen, die selbst gar nichts zerstört haben.

    Mein Sohn also.

    Papa, ich war nur dabei!

    Nehmen wir an, 300 Schüler demonstrieren. Einige Chaoten zünden Mülltonnen an. Die Polizei fordert die Menge auf, sich aufzulösen. Mein Sohn bleibt.

    Warum?

    Vielleicht aus Protest. Vielleicht weil seine Freunde noch da sind. Vielleicht weil er mit 16 genau jene bemerkenswerte Mischung aus Selbstüberschätzung und Orientierungslosigkeit besitzt, die Jugendliche seit Erfindung der Pubertät auszeichnet.

    Und nun beginnt die juristische Feinarbeit: Hat er gewusst, dass andere randalieren? Hat er die Aufforderung zur Auflösung verstanden? Ist er freiwillig geblieben? Welche Schäden entstanden danach?

    Das muss ein Gericht klären.

    Immerhin!

    Denn andernfalls könnten wir das Verfahren erheblich vereinfachen: Polizist fotografiert Jugendlichen, Computer sucht Eltern heraus, und drei Wochen später kommt der Brief: «Herzlichen Glückwunsch! Ihr Sohn wurde am Rande einer brennenden Mülltonne gesehen. Macht 10 000 Euro.»

    Erziehung per Kontopfändung?

    Besonders pikant wird es, wenn Familienleistungen ins Spiel kommen. Der Gesetzentwurf eröffnet nach einer endgültigen Verurteilung Möglichkeiten, bestimmte Sozialleistungen zur Begleichung von Schadenersatz heranzuziehen.

    Da wird aus dem politischen Prinzip «Krawallmacher zahlen» schnell: Papa und Mama merken es auf dem Konto.

    Natürlich sollen Eltern Verantwortung übernehmen. Natürlich sollen Jugendliche lernen, dass Handlungen Konsequenzen haben.

    Aber Verantwortung funktioniert auch in die andere Richtung: Der Staat muss exakt beweisen, wer wofür verantwortlich ist.

    Das ist keine juristische Spitzfindigkeit. Das ist der Unterschied zwischen individueller Haftung und Sippenhaftung mit Verwaltungsformular.

    Der Conseil d’État hat deshalb wichtige Grenzen verlangt: blosse Anwesenheit reicht nicht. Es braucht Wissen um die Gewalt, freiwilliges Verbleiben trotz Aufforderung zur Auflösung und einen klaren zeitlichen und örtlichen Zusammenhang.

    Und das ist richtig so.

    Denn mein Sohn darf für seine eigenen Fehler bezahlen. Er darf auch lernen, dass Protest kein Freibrief für Gewalt ist.

    Aber wenn irgendein vermummter Idiot hundert Meter weiter eine Scheibe einschlägt, möchte ich doch eine etwas bessere Begründung hören als:

    «Ihr Sohn war halt auch da.»

    Daniel Ivers

  • Frankreichs «Krawallmacher-zahlen»-Gesetz: Zwischen Abschreckung und Beweisproblem

    Frankreichs «Krawallmacher-zahlen»-Gesetz: Zwischen Abschreckung und Beweisproblem

    Angesichts der Proteste französischer Gymnasiasten und der Ausschreitungen an mehreren Schulen beschleunigt die Regierung ihr umstrittenes Gesetzesprojekt «casseurs-payeurs» – sinngemäss: Krawallmacher sollen zahlen. Am 27. Oktober soll der Senat darüber beraten. Die politische Botschaft ist einfach. Juristisch ist das Vorhaben erheblich komplizierter. Bis zu 10 000 Euro Haftung Der Gesetzentwurf führt eine neue Form der solidarischen zivilrechtlichen Haftung ein. Wer wissentlich einer Gruppe angehört, die Gewalttaten oder Sachbeschädigungen vorbereitet, könnte künftig für Schäden anderer Gruppenmitglieder mithaften – bis zu 10 000 Euro pro Person. Für die gegenwärtigen Schülerproteste wichtiger ist eine zweite Regelung. Wer nach einer polizeilichen Aufforderung zur Auflösung freiwillig in einer Menschenansammlung verbleibt, obwohl er weiss, dass dort Gewalt, Diebstähle oder Sachbeschädigungen begangen werden, könnte ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Das bedeutet allerdings nicht, da…

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  • Wenn der Asphalt bebt – und die Kontrolle verloren geht

    Wenn der Asphalt bebt – und die Kontrolle verloren geht

    Bourg-en-Bresse, ein eher beschaulicher Ort im Osten Frankreichs, wurde am Wochenende zum Schauplatz eines Spektakels, das alle Erwartungen sprengte – im negativen Sinne. Rund 800 getunte Fahrzeuge, etwa 3.000 Personen, Lichter, Motoren, Feuerwerk – und am Ende: Chaos. Die Nacht der Maschinen Es begann wie so viele Tuning-Treffen: mit viel Herzblut, glänzendem Blech und dem brummenden Stolz der Besitzer. Ab 22:30 Uhr rollten Fahrzeuge aus ganz Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz auf den riesigen Parkplatz des Einkaufszentrums Cap Émeraude. Der Ort war nicht zufällig gewählt – großflächig, nachts kaum überwacht und nahe an der Autobahn gelegen. Doch der Glanz wich schnell der Glut: Illegale Rennen, quietschende Drifts, ohrenbetäubende Hupkonzerte – eine Mischung aus Streetshow und Reviermarkierung. Die Stimmung war aufgeheizt, die Menschenmenge elektrisiert. Und dann explodierte die Situation. Die Eskalation Gegen halb drei morgens kippte das Event. Aus der Party wurde eine…

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  • Chaos beim Straßen-Theater: Aurillac kämpft mit Randalen

    Chaos beim Straßen-Theater: Aurillac kämpft mit Randalen

    Das Internationale Straßen-Theater-Festival von Aurillac gilt als Mekka der Freiluftkunst. Seit fast vier Jahrzehnten verwandelt es die Kleinstadt im Herzen der Auvergne in eine gigantische Bühne, auf der sich Schauspiel, Musik, Akrobatik und Straßenpoesie begegnen. Doch in diesem Sommer mischte sic…

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  • Béziers brennt: Warum die Gewalt in La Devèze ein Alarmsignal für ganz Frankreich ist

    Béziers brennt: Warum die Gewalt in La Devèze ein Alarmsignal für ganz Frankreich ist

    Es war eine dieser Nächte, in denen man das Gefühl hat, der Staat verliert den Boden unter den Füßen. Gegen 1 Uhr morgens, mitten im Hochsommer, loderten nicht nur Mülltonnen – sondern auch die angestaute Wut in einem der angespanntesten Viertel Südfrankreichs. La Devèze, Béziers. Ein Brennpunkt, ein Pulverfass, ein Symbol. Was sich in jener Nacht vom 19. auf den 20. Juli abspielte, war kein spontanes Aufbegehren. Es war ein gezielter Angriff.

    Der Funke im Pulverfass Polizei und Feuerwehr wurden wegen eines brennenden Müllcontainers in die Rue Jean Franco gerufen – eigentlich Routine. Doch was sie dort erwartete, war alles andere als das. Rund fünfzig vermummte Personen warteten bereits. Mit Mörsern bewaffnet – keine Kriegswaffen, aber die zivilen Verwandten: Feuerwerkskörper, zweckentfremdet zu gefährlichen Projektilen. Ein Polizist erlitt Verbrennungen zweiten Grades am Bein. Ein klares Zeichen: Hier ging es nicht nur …

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  • 14. Juli: 96 Personen festgenommen – Rückgang der Sachbeschädigungen im Vergleich zu 2022

    14. Juli: 96 Personen festgenommen – Rückgang der Sachbeschädigungen im Vergleich zu 2022

    Nach Angaben des französischen Innenministeriums wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag 255 Fahrzeuge in Brand gesetzt, im Vergleich zu 423 im Vorjahr. Zwei Wochen nach den Krawallen, die zahlreiche französische Städte erschütterten, begrüßte der französische Innenminister Darmanin am Samstag, dem 15. Juli, „einen deutlichen Rückgang der Sachbeschädigungen im Vergleich zu 2022“ bei und nach den Feierlichkeiten zum 14. Juli. „Das verdanken wir unseren Ordnungskräften, ihrer Präsenz und den zahlreichen durchgeführten Präventivkontrollen. Danke an sie“, schrieb Gérald Darmanin auf Twitter.

    Im Einzelnen wurden 96 Personen festgenommen, so eine vorläufige Bilanz des Innenministeriums. Insgesamt wurden in ganz Frankreich 255 Fahrzeuge angezündet, im Vergleich zu 423 im Vorjahr, „ein Rückgang um 40%“, wie das Ministerium feststellte. Darüber hinaus wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag sieben Polizisten, Gendarmen und Feuerwe…

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  • Tod des 17-jährigen Nahel: Rathäuser und Autos in Brand gesteckt – 2. Nacht der Auseinandersetzungen in Frankreich

    Tod des 17-jährigen Nahel: Rathäuser und Autos in Brand gesteckt – 2. Nacht der Auseinandersetzungen in Frankreich

    Zwei Tage nach dem Tod des 17-jährigen Nahel, der bei einer Verkehrskontrolle von einem Polizisten erschossen wurde, wurden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Frankreich 150 Personen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen festgenommen, wie Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter mitteilte. Zwei Tage nach dem Tod des 17-jährigen Nahel, der am Dienstag in Nanterre (Hauts-de-Seine) bei einer Verkehrskontrolle von einem Polizisten erschossen wurde, kam es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in mehreren französischen Städten erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften. Bei diesen Auseinandersetzungen wurden in ganz Frankreich 150 Personen festgenommen, wie Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter mitteilte. Der Minister bedauert „eine Nacht unerträglicher Gewalt gegen Symbole der Republik“ und spricht von „Rathäusern, Schulen und Polizeistationen, die in Brand gesteckt oder angegriffen wurden“. Gérald Darmanin sprach den Polizisten, Gendarmen und Fe…

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  • Gewalt im Departement Orne: Mörserschüsse auf Sicherheitskräfte und angezündete Autos in Alençon

    Gewalt im Departement Orne: Mörserschüsse auf Sicherheitskräfte und angezündete Autos in Alençon

    In der Nacht von Dienstag, dem 27. September, auf Mittwoch, 28. September, kam es im Stadtteil Perseigne in Alençon im Departement Orne zu mehrstündigen Ausschreitungen. In der Nacht von Dienstag, dem 27. September, auf Mittwoch, 28. September, kam es im Stadtteil Perseigne in Alençon (Orne) zu gewalttätigen Ausschreitungen. Insgesamt wurden 24 Fahrzeuge und Mülltonnen in Brand gesetzt, wie France Bleu Normandie und Franceinfo am Mittwoch unter Berufung auf Polizeikreise melden. Rund 50 Personen feuerten etwa 40 Feuerwerkskörper auf Ordnungskräfte ab. Auch Autos wurden umgeworfen. Die Gewalt begann am Dienstag gegen 23.30 Uhr. 35 Polizisten und Gendarmen waren bis 2 Uhr morgens vor Ort im Einsatz. Mit Fahrzeugen wurden Straßensperren in den Straßen des Viertels errichtet. Die Ordnungskräfte wurden mit Feuerwerkskörpern beschossen, glücklicherweise wurde niemand verletzt. Ausschreitungen nach einer Festnahme Das Stadtviertel konnte gesichert werden, um wegen der brennenden Fahrzeuge und Mülltonnen den Einsatz der Feuerwehr zu ermöglichen. Um 2 Uhr morgens am Mittwoch war wieder Ruhe eingekehrt. Wie Franceinfo aus Polizeikreisen erfuhr, folgten die Ausschreitungen auf die gewaltsame Festnahme eines Mannes, der sich am Dienstagnachmittag gegen seine Verhaftung zur Wehr setzte. Der Mann hatte die Jugendlichen des Viertels zu Krawallen angestiftet. Schon am 27. Oktober 2021 war es in dem Viertel zu Ausschreitungen gekommen, bei denen Fahrzeuge in Brand gesetzt und Polizisten mit Feuerwerkskörpern beschossen wurden.
  • Krawalle vor Fussball-Match Nizza-Köln: Fan nach Sturz aus 5 Metern Höhe in Lebensgefahr

    Krawalle vor Fussball-Match Nizza-Köln: Fan nach Sturz aus 5 Metern Höhe in Lebensgefahr

    Ein Fan, der sich auf der Tribüne des 1. FC Köln befand, wurde in Lebensgefahr ins Krankenhaus transportiert, nachdem er am frühen Abend bei Krawallen aus 5 Metern Höhe in das Allianz-Riviera-Stadion in Nizza gestürzt war. Der Anpfiff des ersten Gruppenspiels der Conference League, des „dritten“ Europapokals, musste um 55 Minuten verschoben werden.

    Bereits vorher kam es am Donnerstag, dem 8. September, im Stadtzentrum von Nizza zu Zwischenfällen mit Hooligans. Anschliessend kam es auf dem Stadiongelände zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Fans der beiden Mannschaften. Laut ersten Zeugenaussagen sollen die Kölner „Fans“ die Fans des OGCN angegriffen haben. Laut Präfektur gab es bei den Auseinandersetzungen 31 Verletzte.

    Bei den gewalttätigen Rangeleien stürzte ein Mann von der oberen auf die untere Ebene der Tribünen, erklärt die Präfektur. Der Mann sei stark alkoholisiert gewesen und wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus transportiert. Nach einer Krisensitzung wurde beschlossen, das Spiel trotzdem stattfinden zu lassen. Es sollte jedoch beim ersten neuen Zwischenfall abgebrochen werden.

    Etwa hundert vermummte Mitglieder des FC Köln, von den mehr als 8.000, die sich im Stadion aufhielten, stürmten die Tribüne der OGCN-Fans, um sich mit Hooligans aus Nizza zu prügeln.