Schlagwort: Justiz

  • Prozessauftakt: Acht Angeklagte im Mordfall Samuel Paty ab heute vor Gericht

    Prozessauftakt: Acht Angeklagte im Mordfall Samuel Paty ab heute vor Gericht

    In Paris beginnt der Gerichtsprozess, der in Frankreich erneut die Aufmerksamkeit auf die Bedrohung durch islamistischen Extremismus lenkt: Acht Erwachsene stehen ab dem 4. November 2024 vor der Cour d’Assises Spéciale, die auf Terrorismusfälle spezialisiert ist. Sie sind wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an der Ermordung von Samuel Paty im Oktober 2020 angeklagt – ein Verbrechen, das Frankreich tief erschüttert und landesweite Diskussionen über Meinungsfreiheit und die Gefahr des islamistischen Extremismus ausgelöst hat.

    Der Fall Samuel Paty – Ein Land in Schockstarre

    Samuel Paty, Geschichtslehrer in Conflans-Sainte-Honorine, hatte während seines Unterrichts bei einer Diskussion über Meinungsfreiheit eine Karikatur des Propheten Mohammed gezeigt. Wenige Tage später wurde er von Abdoullakh Anzorov, einem 18-jährigen radikalisierten Russen tschetschenischer Herkunft, brutal ermordet. Anzorov – der selbst den Prozess nicht erleben wird, da er unmittelbar nach der Tat von der Polizei erschossen wurde – beging eine Tat, die Frankreichs Verständnis von Sicherheit, Toleranz und Integration zutiefst erschütterte.

    Die Anklage: Acht Angeklagte im Fokus

    Unter den acht Angeklagten befinden sich sieben Männer und eine Frau, die durch Unterstützung und Anstiftung in dieses schreckliche Verbrechen verwickelt gewesen sein sollen. Zwei davon, Freunde des Attentäters Naïm Boudaoud (22) und Azim Epsirkhanov (23), stehen wegen „Beihilfe zu terroristischem Mord“ vor Gericht und müssen im schlimmsten Fall mit lebenslanger Haft rechnen. Sie sollen Anzorov nach Rouen begleitet haben, wo er das Messer erwarb, mit dem er später Paty ermordete. Boudaouds Anwälte bestreiten allerdings vehement, dass ihr Mandant von Anzorovs Mordplänen gewusst habe.

    Die übrigen sechs Angeklagten, darunter auch Brahim Chnina (52) und Abdelhakim Sefrioui (65), stehen unter dem Verdacht, an einer „kriminellen terroristischen Vereinigung“ teilgenommen zu haben. Chnina, Vater einer Schülerin, hatte fälschlicherweise behauptet, Paty habe muslimische Schüler angewiesen, den Raum zu verlassen, bevor er die Karikaturen zeigte. Diese falschen Behauptungen wurden auf sozialen Medien verbreitet und schürten eine Hetzkampagne gegen den Lehrer – laut Anklage bewusst und mit dem Ziel, Hass zu erzeugen.

    Die Mechanik des Hasses

    Die Ermittlungen zeigten, wie soziale Medien zur Verbreitung von Fehlinformationen genutzt werden können, um Menschen bewusst in Gefahr zu bringen. Durch gezielte und wiederholte Posts, Videos und Beiträge in sozialen Netzwerken war Samuel Paty in den Augen vieler als Feind dargestellt worden. Diese „Mechanik des Hasses“ – ein Prozess, bei dem durch wiederholte Aussagen eine Person zur Zielscheibe wird – soll im Verlauf des Prozesses eingehend untersucht werden. Die Aussagen der Angeklagten, aber auch von Zeugen, sollen Licht in die dunklen Netzwerke und das Umfeld von Hasskampagnen werfen, die letztlich zur Tat führten.

    Der einsame Kampf eines Lehrers

    Der Prozess ist nicht nur ein Akt der Justiz – er soll auch an das Opfer erinnern. Die tragische Geschichte Samuel Patys ist eine von Bedrohung, Isolation und letztlich auch von einem Gefühl der Ausweglosigkeit. Nach den ersten Drohungen im Umfeld der Karikaturen hatte Paty sich an Kollegen gewandt und seine Angst mit ihnen geteilt. Er fühlte sich allein gelassen und sah sich zunehmend einer bedrohlichen Umgebung gegenüber, die ihn letztlich schutzlos liess. Am Tag des Mordes hatte er keinen Begleiter für seinen Heimweg und trug nur einen kleinen Hammer zur Selbstverteidigung bei sich – eine hilflose Geste in einem Land, das von Werten wie Freiheit und Gleichheit geprägt ist und dessen Lehrer sich eigentlich sicher fühlen sollten.

    Die Auswirkungen auf die französische Gesellschaft

    Der Mord an Samuel Paty und die anschließende juristische Aufarbeitung sind für Frankreich mehr als ein Kriminalfall. Es ist ein Schlaglicht auf die angespannte gesellschaftliche Lage und die Frage nach dem Umgang mit Radikalisierung. Thibault de Montbrial, Anwalt der Familie Paty, betont, dass dieser Prozess auch zur „gesellschaftlichen Selbstreflexion“ beitragen soll – eine Reflexion über die Verantwortung der Gesellschaft, radikale Strömungen zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.

    Dieser Prozess, der im selben Gerichtssaal stattfindet wie der des Anschlags von Saint-Étienne-du-Rouvray und der Attentate vom 13. November, ist daher mehr als eine strafrechtliche Untersuchung: Er steht als Mahnmal für das Land. Die französische Regierung hat nach Patys Tod bereits weitreichende Reformen beschlossen, um solche Extremismustaten künftig zu verhindern. Es bleibt jedoch die Frage, ob diese Maßnahmen genügen – oder ob die islamistische Bedrohung, die tief in der Gesellschaft verankert scheint, weiterhin eine Gefahr darstellt.

    Der Weg zur Urteilsfindung

    Geleitet wird der Prozess von Franck Zientara, einem erfahrenen Richter, der bereits Prozesse zu anderen Terroranschlägen leitete. Die Justizbehörde wird durch zwei erfahrene Staatsanwälte vertreten, die die Bedeutung dieses Falls für die Öffentlichkeit unterstreichen. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum 20. Dezember dauern und umfasst eine intensive Untersuchung der Umstände, die zu Patys Tod führten.

    Es bleibt abzuwarten, wie das Urteil ausfallen und welche Auswirkungen es auf die gesellschaftliche Debatte in Frankreich haben wird.

  • Völkermord an den Tutsi: Ehemaliger Arzt aus Ruanda in Paris zu 27 Jahren Haft wegen Beihilfe verurteilt

    Völkermord an den Tutsi: Ehemaliger Arzt aus Ruanda in Paris zu 27 Jahren Haft wegen Beihilfe verurteilt

    Eugène Rwamucyo, ein ehemaliger ruandischer Arzt, wurde von einem Pariser Schwurgericht zu 27 Jahren Haft verurteilt – unter anderem wegen Beihilfe zum Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Verurteilung am Mittwoch, dem 30. Oktober, ist ein bedeutender Moment in der französischen Justiz, die seit Jahren gegen mutmaßliche Täter des Völkermords ermittelt, die nach Frankreich geflüchtet sind. Rwamucyos Anwalt Philippe Meilhac erklärte, dass das Urteil für seinen Mandanten „inakzeptabel“ sei und kündigte Berufung an. Nach Verkündung des Urteils wandte sich Rwamucyo, der heute 65 Jahre alt ist, an seine Angehörigen und Freunde im Gerichtssaal, bevor er in Haft genommen wurde. Ihm wurde Beihilfe zum Völkermord, die Teilnahme an einer Verschwörung zur Vorbereitung des Völkermords sowie Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Vom Vorwurf des direkten Völkermordes und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde er hing…

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  • Mazan-Prozess: Kann Frankreichs Gesetzgebung zum Thema Vergewaltigung dadurch revolutioniert werden?

    Mazan-Prozess: Kann Frankreichs Gesetzgebung zum Thema Vergewaltigung dadurch revolutioniert werden?

    Der Fall Mazan beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen: Im Prozess in Avignon, wo 50 Angeklagte beschuldigt werden, Gisèle Pelicot missbraucht zu haben, während sie betäubt im Tiefschlaf lag, geht es um weit mehr als die individuelle Schuldfrage. Vielmehr stellt der Fall ein massives Problem der französischen Rechtsprechung ins Rampenlicht – das Fehlen der Zustimmung als definierendes Kriterium bei sexuellen Übergriffen. „Es wird ein Vorher und ein Nachher geben“, sagen einige. Ist die Zeit für ein modernes Verständnis von Vergewaltigung reif? Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage des Einverständnisses. Während Länder wie Schweden und Kanada schon längst das Fehlen des „freien und informierten“ Einverständnisses als zentrales Kriterium für sexuelle Straftaten definiert haben, setzt Frankreich bisher auf eine andere Herangehensweise. Laut Artikel 222-23 des französischen Strafgesetzbuches gelten nur Gewalt, Zwang, Drohung oder Überrumplung als Anhaltspunkte für Vergewaltigung. D…

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  • Gérard Depardieu: Prozess ohne den Schauspieler – Anwalt beantragt Vertagung

    Gérard Depardieu: Prozess ohne den Schauspieler – Anwalt beantragt Vertagung

    Am Montag, den 28. Oktober 2024, sollte der bekannte französische Schauspieler Gérard Depardieu vor Gericht erscheinen – wegen der Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen ihn. Doch sein Anwalt, Jérémie Assous, ließ auf dem Sender franceinfo verlauten, dass Depardieu aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein wird. „Gérard Depardieu ist extrem mitgenommen, und leider verbieten ihm seine Ärzte, vor Gericht zu erscheinen“, erklärte Assous.

    Ursprünglich war geplant, dass Depardieu um 13:30 Uhr in der 10. Kammer des Pariser Strafgerichts vor Gericht erscheint, um sich den Anschuldigungen zu stellen, die zwei Frauen gegen ihn erhoben haben. Diese Vorfälle sollen sich im Rahmen eines Filmdrehs im Jahr 2021 ereignet haben. Doch der Schauspieler hofft nun auf eine Verschiebung des Termins. „Es ist ihm sehr wichtig, selbst anwesend zu sein“, betont sein Anwalt. Seit drei Jahren würden zahlreiche Vorwürfe gegen ihn in der Presse kursieren, die ihm sehr zusetzen.

    Eine überraschende Wende

    Noch am Freitag hatte derselbe Anwalt auf franceinfo erklärt, dass Gérard Depardieu vor Gericht erscheinen möchte. Er habe beabsichtigt, seine Unschuld zu beweisen, indem er Zeugen und Beweise vorlegt, die seine Version der Ereignisse stützen. „Er ist das Ziel falscher Anschuldigungen“, sagte Assous damals. Der Anwalt geht sogar so weit zu behaupten, dass es den Klägerinnen vor allem um Geld gehe. Inzwischen sei klar, dass die Zivilkläger Summen zwischen 6.000 und 30.000 Euro als Entschädigung fordern – für Assous ein Zeichen, dass finanzielle Interessen im Vordergrund stehen.

    Die gegen Depardieu erhobenen Vorwürfe sind schwerwiegend. Zwei Frauen beschuldigen den 75-jährigen Schauspieler, sie während der Dreharbeiten zum Film Les Volets Verts im Jahr 2021 sexuell belästigt zu haben. Eine von ihnen, eine Filmausstatterin, erstattete im Februar 2024 Anzeige und warf ihm sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe sowie sexistische Beleidigungen vor. Ihre Klage führte zur Eröffnung einer Untersuchung.

    Mehrere Anklagen, eine schwierige Verteidigung

    Neben diesen Vorwürfen steht noch eine weitere Anklage gegen den französischen Schauspieler im Raum. Eine zweite Frau, eine Regieassistentin, wirft ihm ebenfalls sexuelle Gewalt während desselben Drehs vor. Und das ist noch nicht alles: Gérard Depardieu ist bereits seit 2020 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und sexueller Übergriffe auf die Schauspielerin Charlotte Arnould angeklagt.

    Angesichts der Vielzahl an Vorwürfen ist Depardieus Abwesenheit beim Prozess ein deutlicher Rückschlag. Die Öffentlichkeit erwartet Antworten – und auch das Gericht dürfte daran interessiert sein, die Vorfälle umfassend aufzuklären. Warum bleibt der Schauspieler trotz der Schwere der Anschuldigungen fern? Könnte es wirklich nur an seinem gesundheitlichen Zustand liegen?

    Sein Anwalt versichert, dass die Entscheidung medizinisch begründet sei. Depardieu sei „sehr betroffen“, und das Ausmaß der gegen ihn erhobenen Vorwürfe belaste ihn stark. Doch eines steht fest: Die Medienberichte, die ihn seit Jahren verfolgen, sind für den Schauspieler ebenso schwer zu verkraften wie die gerichtlichen Auseinandersetzungen. Und genau deshalb sei es ihm so wichtig, an einem späteren Zeitpunkt persönlich vor Gericht zu erscheinen und sich den Vorwürfen zu stellen.

    Was erwartet Depardieu?

    Sollte der Gerichtstermin vertagt werden, wird Depardieu in einer weiteren, öffentlichen Verhandlung mit den Zeugen und den Beweisen der Kläger konfrontiert werden. Sein Anwalt bleibt optimistisch und ist überzeugt, dass die gesammelten Beweise seine Unschuld belegen werden. Doch wird dies reichen, um das Bild des „monstre sacré“ des französischen Kinos wiederherzustellen, das durch diese Anklagen stark beschädigt wurde?

    Das Leben von Gérard Depardieu war stets von Höhen und Tiefen geprägt – sowohl privat als auch beruflich. Doch diese Anschuldigungen werfen einen dunklen Schatten auf seine jahrzehntelange Karriere. Die Frage, ob er je wieder unbelastet vor die Kamera treten kann, bleibt derzeit offen.

    Mit jeder neuen Anklage wird das Bild komplexer. In der Öffentlichkeit kämpfen nun zwei Narrative gegeneinander: Auf der einen Seite die Behauptungen der Klägerinnen, die klare und erschreckende Details schildern. Auf der anderen Seite die Verteidigung Depardieus, die alles als Lügen und finanzielle Motivation abtut.

    Eines ist sicher: Der Fall Gérard Depardieu wird Frankreich noch eine Weile beschäftigen. Die Öffentlichkeit wird weiterhin gespannt beobachten, wie sich der Fall entwickelt. Und auch wenn der heutige Prozess nicht stattfindet – die Fragen, die dieser aufwirft, bleiben bestehen.

    Vielleicht kommt dann irgendwann die Zeit, in der Gérard Depardieu sich der Justiz stellen muss – ohne Ausflüchte, ohne Vertagungen, sondern mit klarem Blick in die Augen seiner Anklägerinnen.

  • „Schuld haben nur sie“: Gisèle Pelicots leidenschaftlicher Appell im Prozess um die Vergewaltigungen von Mazan

    „Schuld haben nur sie“: Gisèle Pelicots leidenschaftlicher Appell im Prozess um die Vergewaltigungen von Mazan

    Am 23. Oktober 2024 erschallte eine klare, unerschütterliche Stimme im Gerichtssaal von Avignon. Gisèle Pelicot, die Hauptzeugin und das Opfer in einem der aufsehenerregendsten Vergewaltigungsprozesse Frankreichs, sprach erneut vor Gericht. Es war ein kraftvolles Plädoyer – nicht nur gegen ihre Peiniger, sondern auch gegen das verzerrte gesellschaftliche Bild von Vergewaltigung. „Es ist nicht meine Scham. Es ist ihre“, sagte sie, und ihre Worte hallten im Saal wider wie ein Schlag gegen jahrzehntelang verkrustete Vorstellungen. Seit dem 2. September steht ihr Ex-Mann, Dominique Pelicot, 71 Jahre alt, zusammen mit 50 weiteren Männern vor Gericht. Sie alle sind angeklagt, Gisèle Pelicot betäubt und sie wiederholt missbraucht zu haben, während sie bewusstlos war – ein Verbrechen, das in seiner Brutalität und in seiner systematischen Organisation fassungslos macht. Ein Leben in Trümmern – und doch die Kraft zur Wahrheit Gisèle Pelicot blickt auf 50 Jahre Ehe zurück. 50 Jahre mit einem Mann…

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  • Marine Le Pen vor Gericht: Ein erneuter Wendepunkt für die französische Politik?

    Marine Le Pen vor Gericht: Ein erneuter Wendepunkt für die französische Politik?

    Die französische Politik erlebt derzeit schon wieder eine spannende Phase. Marine Le Pen, die dreifache Präsidentschaftskandidatin und Anführerin der Rassemblement National (RN), steht ab heute für drei Tage vor dem Pariser Strafgericht. Der Grund? Ein Prozess wegen angeblich fiktiver Anstellungen von EU-Parlamentsassistenten, bei dem Le Pen drohende Konsequenzen wie eine mögliche Gefängnisstrafe, eine hohe Geldstrafe und – besonders brisant – eine bis zu zehnjährige Nichtwählbarkeit erwarten könnte. Sollte diese Strafe verhängt werden, wäre ihre politische Karriere und ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2027 abrupt beendet. Der Vorwurf: Veruntreuung von EU-Geldern Le Pen wird verdächtigt, ein System zur Veruntreuung von EU-Geldern auf die Beine gestellt zu haben, bei dem Assistenten des EU-Parlaments für andere Zwecke beschäftigt wurden – und nicht für ihre eigentliche Aufgabe als Parlamentsmitarbeiter. Dies weist sie vehement zurück. Der Ausgang dieses Prozesses könnte ni…

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  • Marine Le Pen und der Prozess um die EU-Assistenten: Ein politischer Drahtseilakt

    Marine Le Pen und der Prozess um die EU-Assistenten: Ein politischer Drahtseilakt

    Am Montag, dem 30. September, begann in Paris der Prozess gegen Marine Le Pen, 24 weitere Personen und das Rassemblement National (ehemals Front National). Der Vorwurf: Veruntreuung von Geldern des Europäischen Parlaments, um Parteimitarbeiter zu bezahlen. Diese Affäre könnte weitreichende politische Folgen haben, insbesondere für Marine Le Pen, die sich bereits auf die Präsidentschaftswahl 2027 vorbereitet. Die Anschuldigungen Marine Le Pen und ihre Mitangeklagten, darunter neun ehemalige Front National Abgeordnete wie Louis Aliot, Bruno Gollnisch und Julien Odoul, stehen vor Gericht, weil sie mutmaßlich mit EU-Geldern Assistenten des Europäischen Parlaments bezahlt haben sollen, die aber tatsächlich nur für die Partei gearbeitet haben. Diese Praxis verstößt gegen die Regeln der EU, da parlamentarische Assistenten ausschließlich für die Arbeit im Parlament eingesetzt werden dürfen. Die Untersuchung begann 2015 nach einem Hinweis von Martin Schulz, dem damaligen Präsidenten des Europäi…

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  • Haute-Savoie: Tagesmutter zu 12 Jahren Haft verurteilt, weil sie in  ein Baby geschüttelt hat

    Haute-Savoie: Tagesmutter zu 12 Jahren Haft verurteilt, weil sie in ein Baby geschüttelt hat

    Die Strafe ist scharf – und der Fall sorgt weiterhin für Bestürzung. Am Mittwoch, dem 25. September, wurde eine Tagesmutter von dem Schwurgericht in Chambéry (Savoie) zu 12 Jahren Haft verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, ein sechs Monate altes Baby so heftig geschüttelt zu haben, dass es lebenslange Behinderungen davontrug. Diese Entscheidung verschärft das ursprüngliche Urteil aus dem Jahr 2022, in dem die Frau zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Nun wurden zwei weitere Jahre hinzugefügt. Die 36-Jährige aus Brenthonne, Haute-Savoie, wurde für schuldig befunden, dem Kleinkind, das sie betreute, durch Gewalteinwirkung eine dauerhafte Behinderung zugefügt zu haben. Die erschütternden Ereignisse von 2014 Der Vorfall ereignete sich vor mittlerweile zehn Jahren, am 27. März 2014. Die damals 26-jährige Tagesmutter hatte das Baby den Tag über in ihrer Obhut. Als die Mutter ihr Kind am Abend abholte, bemerkte sie sofort, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmte. Besorgt brachte sie ihn di…

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  • New Yorks Bürgermeister Eric Adams unter Anklage – und andere World-News

    New Yorks Bürgermeister Eric Adams unter Anklage – und andere World-News

    Gestern zeigte sich der New Yorker Bürgermeister Eric Adams unbeeindruckt angesichts der fünf gegen ihn erhobenen Anklagen wegen Bestechung, Betrug und der Annahme illegaler ausländischer Wahlkampfspenden. Trotz Forderungen zahlreicher Politiker, auch von mehreren demokratischen Konkurrenten bei der nächsten Vorwahl, dass er zurücktreten solle, erklärte Adams, er werde sein Amt behalten und sich gegen die Vorwürfe wehren.

    Ein Richter hat Adams für heute zur Anhörung vorgeladen, doch sein Anwalt beantragte, die Anhörung auf Anfang nächster Woche zu verschieben. Bei der Anhörung wird Adams offiziell über seine Rechte informiert und muss eine Erklärung zu den Anklagen abgeben.

    Netanjahu weist Waffenstillstand ab

    Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu machte gestern bei seiner Ankunft in New York, wo er vor der UN-Generalversammlung sprechen wird, deutlich, dass er keinen neuen Waffenstillstandsvorschlag annehmen möchte.

    „Wir greifen Hisbollah mit aller Härte an“, erklärte Netanyahu in einer Mitteilung bei seiner Ankunft in New York. „Das bleibt unsere Politik.“

    Mehrere hochrangige Mitglieder der israelischen Regierung haben den Vorschlag, der von den USA, deren europäischen Verbündeten und arabischen Nationen unterbreitet wurde, bereits zurückgewiesen. Eine Antwort der Hisbollah blieb bisher aus.

    Während Netanyahu auf dem Weg nach New York war, führte das israelische Militär neue Angriffe durch, darunter einen in Beirut, der auf den Kommandeur der Drohneneinheit der Hisbollah abzielte.

    US-Beamte warnen vor ausländischer Wahlkampfeinmischung

    US-Sicherheitsbehörden warnen vor zunehmender Gefahr durch ausländische Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2024, insbesondere in den kritischen Wochen im Oktober, in denen die Wahrscheinlichkeit für Manipulationen am höchsten ist.

    Russland macht keinen Hehl aus seiner Unterstützung für Donald Trump. China scheint noch unsicher, welchen Kandidaten es mehr ablehnt, und beeinflusst eher lokale Wahlkämpfe. Iran hingegen, der unbedingt Trump verhindern will, greift aktiv in Trumps Wahlkampf ein, hackt in dessen Kampagnenkonten und plant offenbar sogar Attentate auf ihn.

    Das US-Justizministerium könnte bereits morgen die Anklage gegen eine iranische Gruppe erheben, die mit den Revolutionsgarden in Verbindung steht. Diese Gruppe wird beschuldigt, Trumps Wahlkampfteam gehackt und auch Journalisten sowie andere Zielpersonen in Washington angegriffen zu haben.

    Weitere Schlagzeilen

    Pakistan: Zwei Männer, die der Blasphemie beschuldigt wurden, wurden von der Polizei in der vergangenen Woche getötet.
    Sudan: Das sudanesische Militär startete eine Offensive zur Rückeroberung der Hauptstadt Khartum.
    Japan: Iwao Hakamada, der nach 44 Jahren die längste Zeit weltweit in der Todeszelle verbracht hat, wurde nun freigesprochen.
    Hongkong: Zwei Journalisten, die im August wegen Verschwörung zur Veröffentlichung aufrührerischer Artikel verurteilt wurden, erhielten in dem wegweisenden Fall jetzt ihre Strafe.
    Indien: In Bihar kamen mindestens 46 Menschen, darunter 37 Kinder und sieben Frauen, bei einem religiösen Bade-Ritual ums Leben.
    Wetter: Ein Kategorie-4-Sturm trifft auf Florida, mit Risiken von Überschwemmungen und weitreichenden Schäden an der Stromversorgung.
    Schweiz: Behörden untersuchen einen assistierten Suizid mit einer sarggroßen, luftdichten Kapsel, die Sauerstoff durch Stickstoff ersetzt.
    USA: Über 700 Kinder und Jugendliche wurden in den letzten drei Wochen wegen Drohungen gegen Schulen festgenommen, nach einer Schießerei an einer Schule in Georgia.

  • Erster Genozid-Prozess seit dem Zweiten Weltkrieg: Französische Rückkehrerin aus Syrien angeklagt

    Erster Genozid-Prozess seit dem Zweiten Weltkrieg: Französische Rückkehrerin aus Syrien angeklagt

    Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird in Frankreich eine Person wegen „Genozid“ vor Gericht gestellt. Im Mittelpunkt des Prozesses steht Sonia M., eine 35-jährige Französin, die im Jahr 2015 eine Jesidin in Syrien in die Sklaverei gezwungen haben soll. Dieser Fall markiert ein wichtiges Kapitel in der juristischen Aufarbeitung der Gräueltaten, die während der Herrschaft des sogenannten Islamischen Staates (IS) verübt wurden. Wer ist Sonia M.? Sonia M., geboren im Süden Frankreichs, war mit Abdelnasser Benyoucef verheiratet – einem der führenden Köpfe des Islamischen Staates und mutmaßlich Mitverantwortlichen für den Anschlag auf den jüdischen Supermarkt Hyper Cacher in Paris. Benyoucef war maßgeblich an der Planung von Anschlägen beteiligt, darunter der vereitelte Anschlag in Villejuif. Im Jahr 2015 lebten die beiden in Raqqa, Syrien, der damaligen Hochburg des IS. Dort kaufte Benyoucef eine 16-jährige Jesidin, die als Sklavin im Haushalt von Sonia M. arbeiten musste. Di…

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