Schlagwort: Jordan Bardella

  • Facebook‑Skandal: RN‑Abgeordnete in rassistischen Chat-Gruppen – „Normalisierung“ vor Zerreißprobe

    Facebook‑Skandal: RN‑Abgeordnete in rassistischen Chat-Gruppen – „Normalisierung“ vor Zerreißprobe

    Die jüngsten Enthüllungen über das Verhalten von Mitgliedern des Rassemblement National in privaten Facebook‑Gruppen wiegen schwer: Offen rassistische, antisemitische und homophobe Kommentare innerhalb von Chat-Gruppen, denen auch Abgeordnete angehören, stören die Ambitionen der Partei, sich als gemässigtere politische Kraft zu positionieren. Hintergrund der Affäre Anfang Juni wurde eine Untersuchung über die Facebook‑Gruppe „La France avec Jordan Bardella“ veröffentlicht, die rund 11.500 Mitglieder hat. Ein erheblicher Anteil der Beiträge enthielt aggressive und hetzerische Inhalte, darunter Aufforderungen, «Araber» aus dem Land zu vertreiben, Aufrufe zu Gewalt gegen muslimische und jüdische Mitbürger, pauschale Hassparolen gegen LGBT‑Personen und offene Bezüge zum Nationalsozialismus. Erstaunlich: Neun Abgeordnete der RN-Fraktion – darunter bekannte Namen wie Caroline Colombier, Laurence Robert‑Dehault, Julien Rancoule, Nathalie Da Conceicao Carvalho, Nicolas Dragon, Pascale Bordes u…

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  • Trotz Verurteilung – Marine Le Pen hält an ihrer Kandidatur für 2027 fest

    Trotz Verurteilung – Marine Le Pen hält an ihrer Kandidatur für 2027 fest

    Marine Le Pen überlässt nichts dem Zufall: In einem Interview mit France Inter am Donnerstag, dem 12. Juni 2025, erklärte die Vorsitzende der französischen Rechten unmissverständlich, dass sie „selbstverständlich die einzige Kandidatin“ des Rassemblement National (RN) für die Präsidentschaftswahl 2027 sei. Diese klare Positionierung kommt zu einem politisch wie juristisch heiklen Zeitpunkt – denn gegen Le Pen liegt ein Urteil mit weitreichenden Konsequenzen vor. Das Berufungsverfahren wird zur Schlüsselentscheidung für die Zukunft der französischen Rechten. Ein politisches Comeback auf juristischem Minenfeld Im März 2025 verurteilte ein Pariser Gericht Marine Le Pen zu fünf Jahren Unwählbarkeit sowie einer Geldstrafe, weil sie EU-Gelder für Scheinbeschäftigungen von Parteimitarbeitern zweckentfremdet haben soll. Die Strafe ist sofort vollstreckbar, was eine Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2027 formal ausschließt. Le Pen hat Berufung eingelegt, das Urteil ist daher noch nicht rech…

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  • Kommentar: Populismus stürzt uns ins Chaos – ein persönlicher Aufschrei

    Kommentar: Populismus stürzt uns ins Chaos – ein persönlicher Aufschrei

    Manchmal gibt es politische Momente, die sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlen. Der 9. Juni 2025 in Mormant-sur-Vernisson war genau so ein Tag. Als Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal Schulter an Schulter mit Marine Le Pen und Jordan Bardella vor jubelnden Massen standen, war das kein gewöhnliches politisches Treffen. Es war ein Fanal. Ein düsteres Zeichen dafür, dass der Populismus sich nicht mehr versteckt. Er marschiert – selbstbewusst, organisiert und laut. Und wir schauen zu.

    Ich schreibe das nicht als neutraler Beobachter, nicht als Analyst. Ich schreibe das als Bürger Europas, als Sohn von Eltern, die wussten, was es bedeutet, gegen Diktatur und Ausgrenzung aufzustehen. Ich schreibe das als jemand, der Angst hat. Angst davor, was passiert, wenn aus Worten wieder Taten werden.

    Denn was in Mormant-sur-Vernisson geschah, war kein harmloses Volksfest. Es war die Inszenierung einer Weltanschauung, die Andersdenkende und Anderslebende als Bedrohung betrachtet. Eine Bühne für Männer (und eine Frau), die den Zerfall der EU, die Abschottung Europas und die Verklärung ethnischer Homogenität predigen – verpackt in die Sprache des „gesunden Menschenverstands“.

    Das ist der Kern des Populismus: Er klingt so einfach, so verführerisch. „Wir gegen die da oben“. „Das wahre Volk gegen die Eliten“. „Nationalstolz statt Multikulti“. Doch hinter diesen Phrasen steckt eine gefährliche Logik: Wer nicht dazugehört, wird ausgeschlossen. Wer widerspricht, wird zum Feind erklärt. Und wer warnt, gilt als Teil des Systems, das angeblich „zerstört werden muss“.

    Populismus ist keine Antwort auf die Krise – er ist die Krise. Er gießt Öl ins Feuer der Unsicherheit, hetzt Gruppen gegeneinander auf und erweckt den Anschein, komplexe Probleme ließen sich durch einfache Feindbilder lösen. Es ist kein Zufall, dass Orbán von „Bevölkerungsaustausch“ spricht – ein Begriff, der direkt aus den giftigen Theorien der extremen Rechten stammt. Es ist kein Zufall, dass Salvini von „Invasion“ spricht, wenn es um verzweifelte Menschen auf der Flucht geht.

    Und es ist kein Zufall, dass all das Applaus bekommt.

    Dieser Applaus erschüttert mich.

    Er zeigt: Die Brandmauer ist nicht gefallen – sie wurde nie gebaut.

    Es geht nicht mehr um konservativ oder progressiv, um links oder rechts. Es geht darum, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, die Vielfalt aushält – oder in einer, die sie bekämpft. Es geht um unsere Demokratie, unser Europa, unsere Verantwortung.

    Natürlich ist die EU nicht perfekt. Natürlich gibt es berechtigte Kritik an Bürokratie, Intransparenz und politischer Entfremdung. Aber der Populismus löst nichts – er zerstört nur. Wer glaubt, mit Le Pen, Orbán & Co. bekomme man die Kontrolle zurück, wird sich bald in einer Welt wiederfinden, in der Kontrolle nur noch eins bedeutet: Unterdrückung.

    Was mich so wütend macht: Wir wissen das alles. Wir kennen die Geschichte. Wir haben die Bilder gesehen – von Zügen, Lagern, Mauern. Und doch applaudieren Menschen in einem französischen Dorf einer Politik, die anscheinend alles vergessen hat.

    Wenn das der „Tag des Sieges“ ist, dann fürchte ich um unsere Zukunft.

    Und ich frage: Wann fangen wir endlich an, nicht nur zu reagieren, sondern zu kämpfen? Nicht mit Hass, sondern mit Haltung. Nicht mit Schweigen, sondern mit klarer, unmissverständlicher Sprache.

    Denn eines ist sicher: Wer in Zeiten wie diesen neutral bleibt, stellt sich auf die Seite der Zerstörer.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Der neue Schulterschluss der europäischen Rechten – Marine Le Pen trotzt ihrer Verurteilung

    Der neue Schulterschluss der europäischen Rechten – Marine Le Pen trotzt ihrer Verurteilung

    Am 9. Juni 2025 inszenierte sich der Rassemblement National (RN) als führende Kraft der europäischen Rechten. Auf einem ländlichen Gelände bei Mormant-sur-Vernisson im französischen Département Loiret versammelten sich über 5.000 Anhänger des RN, flankiert von prominenten Vertretern der europäischen Rechtsaußenparteien. Anlass war das einjährige Jubiläum des Wahlerfolgs bei den Europawahlen 2024, bei denen der RN mit 31,37 Prozent der Stimmen sein bisher bestes Ergebnis erzielte.

    Im Mittelpunkt des Treffens stand die öffentlich zur Schau gestellte Geschlossenheit der Parteiführung. Marine Le Pen, obwohl seit März 2025 aufgrund einer Verurteilung wegen Veruntreuung europäischer Gelder für fünf Jahre von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, trat als zentrale Figur auf. Ihre Botschaft war eine klare Kampfansage an das politische und juristische Establishment Frankreichs und der Europäischen Union.

    Le Pen als Symbolfigur – trotz politischem Bann

    Die dreifache Präsidentschaftskandidatin verurteilte ihre Ineligibilitätsstrafe als politisch motiviert. Die Justiz sei, so Le Pen, „instrumentalisiert worden“, um ihre Teilnahme an der Präsidentschaftswahl 2027 zu verhindern. In ihrer Rede zeichnete sie ein düsteres Bild der EU, die sie als „wokistisches, ultraliberales Imperium“ beschrieb, das im Begriff sei, Europa in einen Krieg zu führen. Mit dieser Rhetorik positionierte sie sich erneut als Stimme des Protests gegen das politische Zentrum, verbunden mit einer klaren Ablehnung der EU-Institutionen.

    An ihrer Seite stand Jordan Bardella, der junge Parteichef und designierte Nachfolger. In seinen Ausführungen übernahm er zentrale Narrative Le Pens, geißelte die EU als „bürokratisches Monster“ und stellte insbesondere den europäischen Migrationspakt als Bedrohung für die nationale Souveränität Frankreichs dar. Seiner Darstellung zufolge zwingt Brüssel Frankreich, Migranten gegen den Willen der lokalen Bevölkerung in ländliche Regionen umzusiedeln – eine Interpretation, die die Ängste eines Teils der Bevölkerung gezielt bedient.

    Orbán, Salvini, Abascal – das internationale Netzwerk der Rechten

    Ein bemerkenswertes Zeichen war die Anwesenheit internationaler Verbündeter. Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal verliehen dem Treffen den Anschein einer paneuropäischen Mobilisierung der Rechten. Orbán griff auf seine bekannte Argumentation des „Großen Austauschs“ zurück, nach der europäische Migrationspolitik zur Ersetzung der traditionellen Bevölkerung führe. Salvini wiederum beschwor das Bild einer „von Brüssel finanzierten Invasion islamistischer Illegaler“. Abascal sprach gar von einer historischen Notwendigkeit, dass „Marine kommt“ und „Frankreich zu Europa zurückkehrt“.

    Die Symbolik war eindeutig: Der RN inszeniert sich nicht mehr nur als französische Oppositionskraft, sondern als Teil eines europaweiten Projekts der konservativen Wende. Die nationale Bühne wurde damit zur Kulisse für eine größere ideologische Allianz.

    Zwischen Mobilisierung und Polarisierung

    Der Event stieß nicht nur auf Zustimmung. Zeitgleich fand in Montargis eine Gegenkundgebung statt, organisiert von linken Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Rund 3.000 Teilnehmer protestierten gegen das Auftreten des RN und seiner Gäste, warnten vor einem „Rückfall in autoritäre Ideologien“ und sprachen von einer „neuen Gefahr für die Demokratie“. Die Polarisierung zwischen Anhängern und Gegnern des RN war greifbar – und sie dürfte sich im Vorfeld der kommenden Wahlen weiter zuspitzen.

    Die Nachfolgefrage – Bardella rückt in den Fokus

    Mit dem Ausschluss Le Pens von künftigen Wahlen steht Bardella nun mehr denn je im Zentrum der Parteistrategie. Der 29-jährige Parteivorsitzende verfügt über solide Zustimmungswerte, insbesondere bei jungen Wählern. Umfragen zufolge erreicht er in der Altersgruppe unter 35 fast die gleiche Unterstützung wie Le Pen. Seine politische Linie ist bislang eine Gratwanderung: Er versucht, die rebellische Grundhaltung des RN mit einem präsidialeren Habitus zu verbinden – eine Strategie, die sowohl das Erbe Le Pens wahrt als auch eine gewisse Modernisierung signalisiert.

    Die Herausforderung besteht darin, die in den letzten Jahren betriebene „Dédiabolisation“ – also die Normalisierung und Entradikalisierung des Parteibilds – mit der engen Anbindung an Figuren wie Orbán oder Salvini zu vereinen. Letztere gelten vielen Franzosen nach wie vor als Inbegriff eines autoritären, illiberalen Konservatismus. Die Frage ist, ob sich der RN langfristig als Partei mit Regierungsperspektive oder als dauerhafte Protestbewegung positionieren will.

    Ein strategischer Kraftakt mit offenem Ausgang

    Die „Fête de la victoire“ war mehr als ein Jubiläum. Sie war ein strategisch inszenierter Moment, in dem der RN seine Wandlung zur europäischen Schlüsselpartei der Rechten vorführen wollte. Mit Marine Le Pen als Märtyrerin des Systems, Bardella als Hoffnungsträger der Jugend und einem Netzwerk internationaler Unterstützer präsentiert sich der RN als geschlossen, zukunftsorientiert – und gefährlich einflussreich.

    Doch der Weg zur Macht ist steinig. Die Polarisierung der französischen Gesellschaft schreitet voran, und die Legitimität des RN bleibt umstritten. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Partei in der Lage ist, aus der aktuellen Dynamik einen echten politischen Durchbruch zu machen – oder ob der Schulterschluss mit den europäischen Rechtsnationalisten letztlich mehr schreckt als begeistert.

    Von Andreas Brucker

  • Ein Dorf als Bühne: Europas extreme Rechte feiert in Frankreich ihre Macht

    Ein Dorf als Bühne: Europas extreme Rechte feiert in Frankreich ihre Macht

    Am 9. Juni 2025 wurde das 133-Seelen-Dorf Mormant-sur-Vernisson im Département Loiret zum symbolträchtigen Schauplatz eines internationalen Treffens der europäischen Rechten. Eingeladen vom französischen Rassemblement National (RN), versammelten sich hochrangige Vertreter der europäischen Rechten wie Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal, um den ersten Jahrestag ihres Erfolgs bei den Europawahlen 2024 zu feiern. Unter dem martialischen Motto „Tag des Sieges“ mobilisierte die Veranstaltung zwischen 5.000 und 6.000 Anhänger – ein Kraftakt, der weit über die französischen Landesgrenzen hinausstrahlt. Ein symbolträchtiger Ort, eine klare Botschaft Die Wahl des Veranstaltungsortes war alles andere als zufällig. Mormant-sur-Vernisson verkörpert das, was der RN als „vergessene Frankreich“ beschreibt – die ländliche, abgehängte Bevölkerung fernab der urbanen Zentren. Thomas Ménagé, Abgeordneter des RN und Gastgeber, erklärte, es sei an der Zeit, „die Stimme der Provinz zu erheben, …

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  • Frankreichs Rechte formiert sich – Symbolpolitik im ländlichen Raum

    Frankreichs Rechte formiert sich – Symbolpolitik im ländlichen Raum

    Am 9. Juni 2025 wird das 144-Seelen-Dorf Mormant-sur-Vernisson im französischen Département Loiret zur Bühne eines politisch aufgeladenen Spektakels: Die Führungsspitze des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN), Marine Le Pen und Jordan Bardella, lädt zur „Fête de la victoire“ – einer Feier des Wahlsiegs bei den Europawahlen 2024. Es ist ein sorgfältig inszeniertes Ereignis, das über bloße Parteiselbstvergewisserung hinausgeht. Die Wahl des Ortes, die internationale Gästeliste und die politischen Botschaften deuten auf strategische Ambitionen hin, die weit über Frankreich hinausreichen.

    Ein ländliches Symbol politischer Verankerung

    Mormant-sur-Vernisson steht nicht zufällig im Zentrum der Feierlichkeiten. Mit einem Stimmenanteil von beinahe 90 % bei den Europawahlen ist die Gemeinde ein Paradebeispiel für den Erfolg des RN im ländlichen Raum. Diese Regionen, die sich von der politischen Elite in Paris häufig übergangen fühlen, bieten dem RN eine ideale Bühne zur Inszenierung seiner volksnahen Rhetorik. Der lokale RN-Abgeordnete Thomas Ménagé, ein enger Vertrauter Le Pens, betont die symbolische Kraft des Austragungsortes: „Hier manifestiert sich der patriotische Geist unserer Bewegung.“

    Diese bewusste Rückbindung an ländliche Regionen ist Teil einer langfristigen Strategie, mit der der RN seine traditionelle urbane Schwäche ausgleichen will. Dabei geht es nicht nur um Wählerstimmen, sondern um kulturelle Deutungshoheit in einer Republik, die zunehmend zwischen Stadt und Land gespalten ist.

    Europäische Netzwerke der Rechten

    Besondere Aufmerksamkeit verdient die Liste der internationalen Gäste: Viktor Orbán aus Ungarn, Matteo Salvini aus Italien, Santiago Abascal aus Spanien und Tom Van Grieken aus Belgien – sie alle folgen der Einladung von Bardella, der seit der Europawahl 2024 die Fraktion „Patriotes pour l’Europe“ im Europäischen Parlament anführt. Diese neue rechte Allianz tritt in Konkurrenz zur „Identität und Demokratie“-Fraktion und reflektiert die Bemühungen, das europäische Rechtsaußen-Lager zu konsolidieren.

    Dabei geht es weniger um eine einheitliche Ideologie als um gemeinsame Narrative: Anti-Migration, Euroskepsis, Verteidigung nationaler Souveränität. Der Austausch in Mormant dient dazu, diese Koordinaten zu bekräftigen und dem RN den Anschein einer paneuropäischen Führungsrolle zu verleihen. Die Europäische Rechte agiert nicht mehr isoliert, sondern zunehmend koordiniert – ein Umstand, der auch die politische Architektur der EU unter Druck setzt.

    Interne Spannungen trotz öffentlicher Geschlossenheit

    Das Event in Mormant ist zugleich Ausdruck interner Unsicherheiten. Marine Le Pen, unangefochtene Führungsfigur des RN über zwei Jahrzehnte, wurde im März 2025 von einem Pariser Gericht wegen Veruntreuung von EU-Geldern zu einer fünfjährigen politischen Sperre verurteilt. Die Berufung läuft, doch die Entscheidung hat die Parteistrategie verändert: Jordan Bardella rückt ins Zentrum. Der 29-Jährige wird in Medien und parteiintern zunehmend als Nachfolger aufgebaut – moderner, wirtschaftsaffiner und weniger polarisierend als Le Pen.

    Diese Rollenverschiebung geht nicht reibungslos vonstatten. Le Pen betont weiterhin öffentlich ihre Ambitionen für die Präsidentschaftswahl 2027, während Bardella versucht, sich als Brückenfigur zwischen dem traditionellen rechten Milieu und jüngeren, urbaneren Wählerschichten zu etablieren. Der heutige Tag soll die Geschlossenheit demonstrieren – doch unter der Oberfläche bleibt die Zukunftsfrage des RN offen.

    Polarisierung und gesellschaftliche Gegenreaktion

    Parallel zur Veranstaltung im Loiret formieren sich in Montargis Gegenproteste. Gewerkschaften, linke Parteien und Bürgerrechtsorganisationen warnen vor der Normalisierung nationalistischer Diskurse. Die Demonstrationen und Kundgebungen sind nicht nur symbolischer Widerspruch, sondern Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung. Während der RN seine Hochburgen in ländlichen und periurbanen Räumen konsolidiert, gelingt es linken Kräften bislang kaum, eine kohärente Gegenstrategie zu formulieren.

    Die Proteste verweisen zudem auf einen europäischen Trend: Die Rechten profitieren von struktureller Unzufriedenheit, wirtschaftlicher Prekarität und einem diffusen Sicherheitsbedürfnis. Die Linke hingegen ringt vielerorts mit internen Zerwürfnissen, Milieugrenzen und ideologischer Orientierung.

    Ein politisches Labor der Zukunft

    Die „Fête de la victoire“ markiert mehr als ein parteiinternes Jubiläum. Sie ist ein Experimentierfeld für Symbolpolitik, internationale Vernetzung und strategische Weichenstellungen. Mit Mormant als Kulisse sendet der RN ein doppeltes Signal: nationale Verankerung und europäische Reichweite. Der Auftritt von Bardella an der Seite internationaler Verbündeter zeigt, wie die Rechte ihre Kommunikationsstrategien professionalisiert hat – mit sozialen Medien, jungen Gesichtern und einem gezielten Kulturkampf um Begriffe wie Souveränität, Identität und Volk.

    Ob diese Strategie von Dauer ist, hängt nicht zuletzt von der Fähigkeit ab, innerparteiliche Spannungen zu managen und gleichzeitig Anschlussfähigkeit an die gesellschaftliche Mitte zu gewinnen. Der RN bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat – zwischen radikaler Opposition und staatstragender Verantwortung.

    Autor: P. Tiko

  • Rassemblement national: Zwischen Wahlerfolg und politischer Stagnation

    Rassemblement national: Zwischen Wahlerfolg und politischer Stagnation

    Ein Jahr nach der überraschenden Auflösung der französischen Nationalversammlung durch Präsident Emmanuel Macron steht das Rassemblement National (RN) an einem Wendepunkt. Trotz eines historischen Erfolgs bei den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2024 ist es der rechtspopulistischen Partei unter der Führung von Marine Le Pen und Jordan Bardella nicht gelungen, ihre ehrgeizige Reformagenda in die Tat umzusetzen. Interne Konflikte, strategische Fehlentscheidungen und strukturelle Schwächen haben das politische Projekt des RN ins Stocken gebracht – und werfen grundlegende Fragen über die Zukunft der Partei auf. Im Zentrum des damaligen Wahlkampfs stand das Versprechen eines politischen und sozialen Kurswechsels. Die Realität des Parlamentsbetriebs hat diese Ambitionen jedoch weitgehend ausgebremst. Von ambitionierten Reformen zur haushaltspolitischen Realität Mit klaren Botschaften hatte der RN im Wahlkampf gepunktet: Die Rücknahme der umstrittenen Rentenreform Macrons, die Abschaffun…

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  • Verstrickt in Hass: RN-Abgeordnete mit einem rechtsextremen Facebook-Netzwerk in Verbindung gebracht

    Verstrickt in Hass: RN-Abgeordnete mit einem rechtsextremen Facebook-Netzwerk in Verbindung gebracht

    Was wie ein digitales Randphänomen begann, hat nun das politische Paris erreicht: Neun Abgeordnete des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) sind als Mitglieder einer geschlossenen Facebook-Gruppe mit menschenverachtendem Inhalt enttarnt worden. Die Enthüllung erschüttert das ohnehin fragile Image der Partei und wirft einmal mehr die Frage auf: Wie ernst meint es der RN mit seiner angeblichen politischen Mäßigung? Hass im Verborgenen – Ein Netzwerk mit System Die Facebook-Gruppe „La France avec Jordan Bardella“ zählt rund 11.500 Mitglieder und wird von ehemaligen Parteimitgliedern und Mitarbeitern des RN betrieben. Auf den ersten Blick: eine Unterstützergruppe für den Parteichef. Doch hinter dem offiziellen Mantel der Patriotismus-Rhetorik verbirgt sich ein toxisches Sammelbecken für rassistische, antisemitische, islamophobe und homophobe Inhalte. Beiträge wie „Les Arabes dehors“ („Araber raus“) oder Verschwörungstheorien über eine jüdische Weltverschwörung erinnern mehr an …

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  • Riss im RN: Marine Le Pen stichelt gegen Bardella – Machtkampf im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027

    Riss im RN: Marine Le Pen stichelt gegen Bardella – Machtkampf im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027

    Marine Le Pen sorgt erneut für Aufsehen – diesmal mit einem Seitenhieb, der die ganze Partei erschüttert. Bei einem Besuch Ende Mai 2025 in Neukaledonien ließ sie, angesprochen auf die Rolle ihres Nachfolgers Jordan Bardella bei den dortigen institutionellen Konsultationen, beiläufig fallen: „Ich bin nicht sicher, ob Jordan die Problematiken Neukaledoniens wirklich gut kennt. Wir teilen unsere Talente, sagen wir mal so.“ Ein Satz, der sich wie ein Nadelstich durch das politische Gefüge des Rassemblement National zieht. War das nur eine flapsige Bemerkung – oder steckt mehr dahinter? Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bardella, Präsident des RN und inoffiziell als Le Pens Erbe für die Präsidentschaft 2027 gehandelt, spielte den Kommentar herunter. Keine Lust auf ein „Wettrennen um die bessere Spitzelei“, sagte er, und versicherte, mit den „ultramarinen Dossiers“ bestens vertraut zu sein. Doch die Fassade der Einigkeit bröckelt. Die Atmosphäre innerhalb des Rassemblement …

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  • Mormant-sur-Vernisson im Fokus: Europas radikale Rechte feiert ihren Aufstieg

    Mormant-sur-Vernisson im Fokus: Europas radikale Rechte feiert ihren Aufstieg

    Am 9. Juni 2025 wird das französische Dorf Mormant-sur-Vernisson, mit nur etwa 130 Einwohnern ein Symbol der ländlichen Abgeschiedenheit, zum Zentrum der europäischen Politik. Der Rassemblement National (RN) lädt zu einer „Siegesfeier“, mit der an das Ergebnis der Europawahl 2024 erinnert werden soll – 32 Prozent der Stimmen in Frankreich, ein historischer Erfolg für die Partei von Marine Le Pen und Jordan Bardella. Doch der Anlass ist mehr als nur eine Feier. Er markiert die ideologische und strategische Verfestigung eines europäischen Netzwerks der äußersten Rechten. Gäste wie Viktor Orbán aus Ungarn, Matteo Salvini aus Italien, Geert Wilders aus den Niederlanden und Santiago Abascal aus Spanien – sie alle haben ihr Kommen angekündigt. Gemeinsam mit dem RN wollen sie in Mormant eine neue Etappe auf dem Weg zur paneuropäischen Zusammenarbeit nationalistischer und rechtspopulistischer Kräfte beschreiten. Die Wahl des Ortes folgt dabei einer kalkulierten Symbolik. Ein symbolträchtiger O…

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