Schlagwort: hintergrundanalyse

  • Nach dem US-Einsatz in Venezuela: Macron sucht außenpolitisches Profil im Ukraine-Konflikt

    Nach dem US-Einsatz in Venezuela: Macron sucht außenpolitisches Profil im Ukraine-Konflikt

    Die militärische Intervention der Vereinigten Staaten in Venezuela zu Beginn des Jahres 2026 hat eine globale diplomatische Erschütterung ausgelöst. Während Washington den Einsatz mit dem Kampf gegen den internationalen Drogenhandel und der Anklage gegen Präsident Nicolás Maduro wegen Narco-Terrorismus rechtfertigt, tun sich europäische Regierungen – allen voran Paris – schwer, eine konsistente Linie zu finden. Der französische Präsident Emmanuel Macron sieht sich nun mit dem Vorwurf außenpolitischer Unentschlossenheit konfrontiert. In Reaktion darauf versucht er, über eine neue Initiative im Ukraine-Konflikt außenpolitisch Terrain zurückzugewinnen – und Frankreich als strategischen Akteur in Europa neu zu positionieren.

    Diplomatische Turbulenzen nach der Operation „Absolute Resolve“

    Die amerikanische Operation mit dem Codenamen „Absolute Resolve“, die zur Festnahme und Überstellung von Präsident Maduro auf US-amerikanischen Boden führte, hat nicht nur geopolitische Spannungen verschärft, sondern auch die Uneinigkeit unter westlichen Verbündeten offengelegt. Zahlreiche Staaten verurteilten das Vorgehen als völkerrechtswidrig und sahen darin eine Verletzung der Souveränität Venezuelas. Paris jedoch reagierte zögerlich: Macron erklärte, man nehme das Ende der „Diktatur Maduro“ zur Kenntnis – vermied es aber, das amerikanische Vorgehen klar zu bewerten.

    Diese anfängliche Zurückhaltung wurde in Frankreich selbst vielfach als Ausdruck außenpolitischer Schwäche interpretiert. Kritiker sahen in Macrons Haltung eine opportunistische Annäherung an Washington, die Frankreichs Anspruch auf eine eigenständige Stimme in der internationalen Ordnung untergrabe. Erst im Nachgang bemühte sich die Regierung um Klarstellung. Paris betonte, die Methode der US-Operation sei weder abgesprochen noch unterstützt worden – verbunden mit einem Verweis auf die Gültigkeit des Völkerrechts.

    Wachsende Sorge um die europäische Einflussnahme

    Die Affäre kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Nach vier Jahren Krieg in der Ukraine, dessen Frontlinien sich zunehmend verfestigt haben, ist die Frage nach der künftigen Sicherheitsarchitektur Europas aktueller denn je. Die Intervention in Venezuela wirft dabei auch ein Schlaglicht auf mögliche Verschiebungen im außenpolitischen Fokus der Vereinigten Staaten. In diplomatischen Kreisen wächst die Sorge, Washington könne künftig mehr Ressourcen auf Krisen außerhalb Europas konzentrieren – mit potenziell nachlassender Aufmerksamkeit für Osteuropa.

    In diesem Kontext sieht Macron die Notwendigkeit, die Initiative auf dem Ukraine-Dossier wieder zu übernehmen. Bereits am 6. Januar lud er zu einem Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ in den Élysée-Palast – ein informelles Format mit rund 35 Partnerstaaten. Ziel war es, über künftige Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu beraten – insbesondere mit Blick auf ein mögliches Waffenstillstandsabkommen. Im Zentrum stehen Überlegungen zur militärischen Absicherung, zur Überwachung eines künftigen Friedensprozesses sowie zur besseren Koordination europäischer Beiträge.

    Der französische Präsident verfolgt dabei zwei strategische Linien: Einerseits will er die europäische Handlungsfähigkeit stärken, um im sicherheitspolitischen Gefüge nicht vollständig von den USA abhängig zu bleiben. Andererseits sendet er ein Signal an Washington, dass Europa bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und eigene sicherheitspolitische Konzepte zu entwickeln.

    Zwischen transatlantischer Rücksichtnahme und strategischem Eigensinn

    Macrons Ansatz zielt auf eine ausgewogene Re-Positionierung Frankreichs. Paris bemüht sich darum, sowohl der engen sicherheitspolitischen Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten gerecht zu werden als auch dem wachsenden Bedürfnis nach strategischer Autonomie innerhalb Europas Ausdruck zu verleihen. Die Ukraine bietet hierfür eine geeignete Bühne: Sie ist nicht nur zentrales Thema der europäischen Sicherheitsordnung, sondern auch ein Testfall für die Fähigkeit der EU, handlungsfähig und glaubwürdig aufzutreten – unabhängig von amerikanischen Prioritäten.

    Im Élysée hofft man, dass die Kontroverse um Venezuela durch ein verstärktes Engagement im Ukraine-Konflikt überlagert werden kann. Es geht nicht zuletzt um symbolische Führung: Frankreich präsentiert sich als Architekt eines möglichen Nachkriegsrahmens, in dem europäische Interessen sichtbarer und eigenständiger vertreten werden.

    Der Erfolg dieser Strategie wird davon abhängen, ob es Macron gelingt, nicht nur diplomatische Treffen zu inszenieren, sondern auch konkrete Ergebnisse zu erzielen. Die Herausforderung besteht darin, zwischen Solidarität mit den USA und europäischem Gestaltungsanspruch zu vermitteln – in einer geopolitischen Lage, die sich zunehmend multipolar und instabil zeigt.

    Autor: Andreas M. Bruccker

  • „Soigner, mais sous Protest“ – Frankreichs Ärzte im Streik gegen Sozialreform

    „Soigner, mais sous Protest“ – Frankreichs Ärzte im Streik gegen Sozialreform

    Frankreichs niedergelassene Ärzte sind am 5. Januar 2026 in einen zehntägigen Streik getreten – ein deutliches Zeichen wachsender Spannungen zwischen der medizinischen Basis und der Regierung in Paris. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen neue Regelungen im Haushaltsgesetz der Sozialversicherung, die viele Mediziner als Angriff auf ihre Autonomie und ihre Rolle im Gesundheitssystem werten. Gesundheitsministerin Stéphanie Rist bemühte sich derweil öffentlich um Deeskalation – doch der Konflikt offenbart ein tiefer liegendes Strukturproblem. Ein Warnsignal aus den Praxen Schon am ersten Streiktag blieben zahlreiche Praxen und einige private Kliniken geschlossen. Besonders betroffen sind nicht-akute Behandlungen – geplante Eingriffe, Routineuntersuchungen oder Facharzttermine werden verschoben. Lediglich Notfälle sollen weiterhin versorgt werden, teilweise auch durch behördlich angeordnete Bereitschaften. Rist versicherte im Interview, dass „alle Patienten mit medizinischen Notfällen …

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  • Kommunalwahlen 2026: Frankreichs politisches Barometer vor der Präsidentschaftswahl

    Kommunalwahlen 2026: Frankreichs politisches Barometer vor der Präsidentschaftswahl

    Im Frühjahr 2026 bereitet sich Frankreich auf einen Urnengang vor, der trotz seines lokalen Charakters längst zur landesweiten politischen Standortbestimmung avanciert ist. Am 15. März, mit möglichen Stichwahlen am 22. März, werden in über 34.000 Gemeinden sowie in zentralen Metropolen wie Paris, Lyon, Marseille, Toulouse und Nizza die Gemeinderäte und Kommunalverbände neu gewählt – lokale Bastionen mit nationaler Strahlkraft. Der Wahltermin fällt ein Jahr vor die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 und gilt unter Beobachtern als letzter flächendeckender Stimmungstest, bevor sich die politischen Kräfteverhältnisse im Elysée entscheiden. Entsprechend gross ist die Aufmerksamkeit, mit der Parteien, Medien und Analysten auf dieses scheinbar dezentrale Ereignis blicken. Wenn Lokalpolitik zur nationalen Projektionsfläche wird Warum gelten ausgerechnet Kommunalwahlen als Lackmustest für die nationale Politik? Drei zentrale Faktoren verleihen dem Urnengang eine übergeordnete Bedeutung: Erst…

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  • Frankreich zieht die digitale Notbremse: Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige und Handyverbot an Gymnasien ab Ende 2026

    Frankreich zieht die digitale Notbremse: Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige und Handyverbot an Gymnasien ab Ende 2026

    Ab dem Schuljahr 2026/27 sollen in Frankreich zwei weitreichende Maßnahmen in Kraft treten: Kinder unter 15 Jahren dürfen keine sozialen Netzwerke mehr nutzen, und an weiterführenden Schulen soll die Nutzung von Mobiltelefonen grundsätzlich untersagt werden. Der entsprechende Gesetzesentwurf der Regierung, bestehend aus lediglich zwei Artikeln, wird Anfang Januar dem Staatsrat vorgelegt und soll noch im Frühjahr parlamentarisch beschlossen werden. Die Initiative ist Teil eines umfassenderen politischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsels im Umgang mit digitalen Technologien und jugendlichen Nutzern. Während Frankreich bereits seit 2018 ein Handyverbot an Grundschulen und Collèges kennt, geht das neue Vorhaben deutlich weiter – sowohl in seiner Zielsetzung als auch in seinem Anspruch auf konsequente Durchsetzung. Eine Antwort auf die Risiken der digitalen Sozialisation Die Regierung begründet das Vorhaben mit einer wachsenden Zahl wissenschaftlicher Studien, die den übermäßigen Ko…

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  • Die vergessenen Geschichten des Jahres: Was 2025 wirklich bewegte – aber kaum jemand sah

    Die vergessenen Geschichten des Jahres: Was 2025 wirklich bewegte – aber kaum jemand sah

    Manchmal sind es nicht die lautesten Schlagzeilen, die am tiefsten blicken lassen. Im Schatten der dominierenden Debatten über Kriege, Wahlen und Wirtschaftskrisen entstanden auch 2025 Reportagen, Recherchen und Porträts, die ebenso relevant, aber kaum beachtet wurden. Sie erzählen von stillem Wandel, unbequemen Wahrheiten und menschlicher Ausdauer – und verdienen eine zweite Chance.

    Ein Rückblick auf das Übersehene.


    Guantánamo in Farbe – ein ungewohnter Blick auf das Gefangenenlager

    Das US-Gefangenenlager Guantánamo Bay ist in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute ein Symbol für Rechtsunsicherheit, Folter und das moralische Dilemma des Anti-Terror-Kampfes. Doch kaum jemand bemerkte die leisen Veränderungen: Im Rahmen eines humanitären Programms des Roten Kreuzes dürfen Häftlinge inzwischen Fotos von sich an ihre Familien schicken – in zivilen Kleidern, lächelnd, friedlich.

    Diese Bilder stehen nun auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie zeigen Männer, die seit Jahrzehnten inhaftiert sind, häufig ohne Anklage, aber mit einem Rest von Würde. Es ist ein fast surrealer Kontrast zur martialischen Vergangenheit des Lagers – und ein Beispiel dafür, wie selbst in starren Systemen Nuancen möglich sind.


    Späte Gerechtigkeit für syrische Folteropfer

    Während der Syrienkrieg medial zunehmend in den Hintergrund tritt, wurde im November 2025 ein bemerkenswerter juristischer Schritt getan: Ein hochrangiger syrischer Geheimdienstoffizier wurde in Europa wegen systematischer Folter angeklagt – nach jahrelanger Flucht, unterstützt durch ein Netzwerk ausländischer Geheimdienste.

    Der Fall steht exemplarisch für die zähe Arbeit internationaler Ermittler, die versuchen, dokumentierte Menschenrechtsverbrechen nicht im Nebel geopolitischer Interessen verschwinden zu lassen. Und er wirft ein Schlaglicht auf die Rolle westlicher Staaten, die sich im Anti-Terror-Kampf oft mit fragwürdigen Partnern eingelassen haben.


    Laufen oder Leben – Doping als Überlebensstrategie in Kenia

    In westlichen Ländern ist Doping im Spitzensport ein Skandal. In Kenia hingegen ist es für viele junge Läufer ein Mittel zum Überleben. Eine aufrüttelnde Reportage zeichnete das Bild eines Sportsystems, in dem Doping keine Ausnahme, sondern strukturelle Notwendigkeit ist. Wer gewinnt, kann seine Familie ernähren – wer verliert, fällt durch jedes soziale Raster.

    Diese Einsicht rückt moralische Bewertungen in ein anderes Licht: Wenn sportlicher Erfolg existenzielle Armut verhindert, wird auch medizinisches Risiko zur kalkulierten Strategie. Das wirft unbequeme Fragen an das globale Sportsystem auf – und an unsere Definition von Fairness.


    Wenn NFL-Stars zu Pflegern werden

    Was kommt nach dem Ruhm? Eine stille Bewegung ehemaliger NFL-Spieler beantwortet diese Frage mit Empathie: Immer mehr von ihnen steigen nach der Karriere in Pflegeberufe ein. Sie wollen etwas zurückgeben – und kämpfen zugleich gegen die psychischen und physischen Folgen ihrer eigenen Sportvergangenheit.

    Die Geschichte kontrastiert auf bewegende Weise das Bild des hypermaskulinen, körperlich unverwundbaren Football-Helden mit der realen Fragilität vieler Athleten. Und sie zeigt, wie aus persönlichen Krisen gesellschaftliches Engagement entstehen kann.


    Fossilienjagd in Jakutien – am kältesten bewohnten Ort der Welt

    Mitten in der sibirischen Eiswüste, in Jakutien, begibt sich ein internationales Forscherteam auf Tauchgänge in gefrorene Flüsse – auf der Suche nach Fossilien längst ausgestorbener Tierarten. Es ist archäologische Pionierarbeit unter extremen Bedingungen.

    Diese Expeditionen liefern nicht nur neue Einblicke in die Eiszeit, sondern auch in die Geschwindigkeit des aktuellen Klimawandels: Das Auftauen des Permafrosts legt immer häufiger prähistorische Überreste frei – mit bisher unbekannten biologischen und epidemiologischen Risiken.


    Häuser aus dem Drucker – technologische Utopie oder sozialpolitischer Irrweg?

    Ein texanisches Start-up hat es vorgemacht: Mit 3-D-Druckern lassen sich Häuser in Rekordzeit und zu minimalen Kosten bauen. In einem Land, das mit einer dramatischen Wohnungsnot kämpft, ist das ein potenzieller Gamechanger.

    Doch wie bei vielen technischen Lösungen liegt die Tücke im System: Wer besitzt das Land? Wer kontrolliert die Software? Und ersetzt Technologie soziale Investitionen? Die Diskussion um die „gedruckte Stadt“ ist ein Beispiel für eine breitere Debatte: Kann Innovation soziale Gerechtigkeit schaffen – oder wird sie zum Feigenblatt der Untätigkeit?


    Ein Leben für die Geisterjagd – Nachruf auf Joe Nickell

    Er war der Sherlock Holmes des Paranormalen: Joe Nickell, der sich selbst als „weltweit einzigen hauptberuflichen Geisterjäger“ bezeichnete, verstarb 2025 im Alter von 80 Jahren. Jahrzehntelang untersuchte er Spukhäuser, UFO-Sichtungen und Kryptiden wie das Ungeheuer von Loch Ness – und entzauberte sie mit rationaler Präzision.

    Seine Arbeit war nicht nur ein Plädoyer für Aufklärung in postfaktischen Zeiten, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Sehnsüchte nach dem Unbegreiflichen. In einer Ära der Verschwörungstheorien ist sein Tod ein stiller Verlust – und eine Erinnerung an die Kraft skeptischen Denkens.


    Ein Rätsel aus Holz – wenn Puzzle fast 9.000 Euro kosten

    Was ist ein Luxusgut? In einer kleinen, eingeschworenen Szene gelten handgefertigte Holzpuzzles als wahre Kunstwerke – und erzielen Preise von über 8.000 Euro. Ihre Käufer sind nicht bloß Sammler, sondern Menschen auf der Suche nach Entschleunigung, Konzentration und haptischer Erfahrung.

    Diese Leidenschaft für das Analoge ist mehr als ein exzentrischer Trend: Sie steht symptomatisch für eine Zeit, in der digitale Überflutung das Bedürfnis nach Greifbarem und Meditativem weckt. Die Puzzlewelt ist ein Mikrokosmos gegenwärtiger Kulturpsychologie – leise, aber vielsagend.


    Abseits der Hauptschlagzeilen verdichten sich solche Geschichten zu einem Panorama unserer Zeit. Sie erzählen vom beharrlichen Ringen um Wahrheit, vom kreativen Umgang mit Krisen und vom menschlichen Bedürfnis, im Großen wie im Kleinen Sinn zu finden. Es lohnt sich, hinzusehen – gerade dort, wo sonst niemand hinschaut.


    TOP-NACHRICHTEN

    Proteste in Iran breiten sich auf Universitäten aus
    Menschen gingen diese Woche in Teheran und anderen Städten auf die Straße, um ihrer Frustration über die extrem hohe Inflation und den Zusammenbruch der Landeswährung Ausdruck zu verleihen. Gestern schlossen sich auch Studierende den Protesten an; in sozialen Netzwerken veröffentlichte Videos zeigen teils Zusammenstöße mit Sicherheitskräften.

    Die iranische Führung steht unter Druck – sowohl wegen der massiven Währungsabwertung als auch wegen der Drohungen militärischer Schläge durch Israel und die USA im Zusammenhang mit Teherans Atomprogramm. In der Vergangenheit hat die Regierung Protestwellen mit tödlicher Gewalt und Verhaftungen niedergeschlagen. Dieses Mal scheint sie bisher einen versöhnlicheren Kurs zu versuchen.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Die Besatzungsmitglieder eines Öltankers, der von der US-Küstenwache festgesetzt wurde, behaupten laut zwei US-Beamten, russische Staatsangehörige zu sein.
    • China hat seine Militärübungen in der Nähe Taiwans ausgeweitet und Langstreckenraketen in die Gewässer rund um die Insel abgefeuert.
    • Unsere Reporter haben dokumentiert, wie Baschar al-Assad und andere syrische Funktionäre Beweise für Folter und Todesfälle in Gewahrsam während des langen syrischen Krieges systematisch vertuschten.
    • Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten mit, dass sie ihre Truppen aus dem Jemen abziehen, nachdem ein von Saudi-Arabien geführter Luftangriff eine emiratische Lieferung ins Visier genommen hatte.
    • Der Eurostar-Zugverkehr zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland war stundenlang unterbrochen, nachdem es im Kanaltunnel zu einem größeren Stromausfall kam.
    • In ganz Afrika verändert günstige Solarenergie aus chinesischen Solarpaneelen Leben und Volkswirtschaften.
    • Khaleda Zia, Bangladeschs erste Premierministerin, ist gestorben. Sie wurde etwa 80 Jahre alt.

    Autor: P. Tiko

  • Zelensky kündigt Referendum über künftigen Friedensplan an

    Zelensky kündigt Referendum über künftigen Friedensplan an

    Ein möglicher Friedensschluss im Ukrainekrieg rückt näher, aber Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt klare Bedingungen: Ein künftiger Friedensplan mit Russland soll zunächst dem ukrainischen Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Diese Ankündigung erfolgte am 29. Dezember in einer Online-Pressekonferenz, kurz nach einem symbolträchtigen Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Florida. Selenskyj betont damit einmal mehr, dass jede Lösung des Krieges nicht nur auf diplomatischen Kanälen verhandelt, sondern auch demokratisch legitimiert werden müsse.

    Friedensverhandlungen mit demokratischer Rückbindung

    Die Idee eines Referendums über einen möglichen Friedensvertrag ist nicht neu, erhält aber durch die jüngsten diplomatischen Entwicklungen neue Brisanz. Für Selenskyj steht fest: Ein so tiefgreifender Einschnitt in die Zukunft des Landes darf nicht ohne breite gesellschaftliche Zustimmung erfolgen. Die ukrainische Führung will sich damit offenbar gegen mögliche Vorwürfe wappnen, territoriale Zugeständnisse oder Neutralitätsversprechen hinter verschlossenen Türen zu verhandeln. Die ukrainische Verfassung kennt zwar kein obligatorisches Referendum für internationale Abkommen, doch in Fragen von nationaler Souveränität und territorialer Integrität ist ein solches Votum politisch kaum vermeidbar.

    Unklar bleibt indes, unter welchen Bedingungen ein solches Referendum durchgeführt werden könnte. Die seit Februar 2022 geltende Kriegsrechtsordnung – die unter anderem Männern im wehrfähigen Alter das Verlassen des Landes verbietet – bleibt laut Selenskyj in Kraft, bis der Krieg formell beendet ist. In einem Land, in dem Millionen Menschen vertrieben wurden oder im Ausland leben, wäre die Organisation eines fairen Urnengangs eine riesige logistische und rechtliche Herausforderung.

    Sicherheitsgarantien aus Washington

    Neben der Ankündigung eines Referendums stellte Selenskyj auch neue Elemente eines möglichen Sicherheitsrahmens vor. Die USA haben der Ukraine nach seinen Angaben umfassende Sicherheitsgarantien für eine Dauer von 15 Jahren angeboten – mit der Option auf Verlängerung. Ziel dieser Garantien sei es, eine erneute militärische Eskalation durch Russland zu verhindern und gleichzeitig eine verlässliche Perspektive für den Wiederaufbau und die politische Stabilisierung der Ukraine zu schaffen.

    Selenskyj selbst zeigte sich mit der vorgeschlagenen Dauer indes unzufrieden und forderte deutlich längere Zusagen – von „dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren“. Dies ist ein Hinweis auf das tiefsitzende Misstrauen Kiews gegenüber Moskau, aber auch auf das Bemühen, den Westen dauerhaft in die sicherheitspolitische Verantwortung für die Ukraine einzubinden. Die genaue Ausgestaltung dieser Garantien – ob sie militärische Beistandspflichten beinhalten oder eher politische und wirtschaftliche Unterstützung vorsehen – ist noch nicht öffentlich bekannt.

    Neue Dynamik durch US-Diplomatie

    Das diplomatische Momentum, in dem diese Vorschläge entstehen, ist bemerkenswert. Erst an diesem Wochenende hatte sich Donald Trump persönlich mit Selenskyj in Florida getroffen. Vorausgegangen war ein Telefongespräch Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, das beide Seiten als „konstruktiv“ bezeichneten. Die Abfolge dieser Gespräche lässt darauf schließen, dass Washington hinter den Kulissen intensiv an einer diplomatischen Lösung arbeitet – mit Trump als zentralem Akteur.

    Zudem hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine internationale Geberkonferenz für Anfang Januar in Paris angekündigt. Ziel ist es, die konkreten Beiträge der Partnerstaaten zur Sicherheitsarchitektur für die Ukraine zu koordinieren. Dabei soll auch eine überarbeitete Fassung des amerikanischen Friedensplans diskutiert werden.

    Anpassungen am US-Friedensplan

    Laut ukrainischen Angaben liegt bereits eine neue Version des US-Friedensplans auf dem Tisch. Die Erstfassung war aus ukrainischer Sicht zu stark an russische Forderungen angelehnt. Nun soll unter anderem die Bedingung entfallen, dass sich die Ukraine völkerrechtlich zur Nichtmitgliedschaft in der NATO verpflichtet. Auch der vollständige Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass sei in der neuen Fassung nicht mehr vorgesehen.

    Stattdessen wird offenbar ein eingefrorener Frontverlauf entlang der aktuellen Linien diskutiert – ein Konzept, das vielen Ukrainern als stillschweigende Anerkennung russischer Gebietsgewinne gilt. Ob ein solcher „Waffenstillstand ohne Lösung“ in einem Referendum Zustimmung fände, ist fraglich. Die ukrainische Bevölkerung hat sich in Umfragen wiederholt klar gegen territoriale Zugeständnisse ausgesprochen.

    Der politische Balanceakt ist offensichtlich: Ein tragfähiger Kompromiss mit Russland, der gleichzeitig den ukrainischen Souveränitätsanspruch wahrt, scheint kaum erreichbar. Dennoch mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Kriegsmüdigkeit auf beiden Seiten wächst – und dass das internationale Umfeld, insbesondere Washington und Paris, auf einen politischen Durchbruch drängt. Die Entscheidung, das ukrainische Volk in die letzte Phase dieses Prozesses einzubeziehen, markiert nicht nur einen demokratischen, sondern auch einen strategischen Schritt: Die politische Verantwortung für Frieden und Kompromiss soll gemeinschaftlich getragen werden.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Verkaufserfolge rechter Politiker-Bücher in Frankreich: Symptom oder Strategie?

    Verkaufserfolge rechter Politiker-Bücher in Frankreich: Symptom oder Strategie?

    Kurz vor Weihnachten avancierten mehrere Bücher französischer Rechts- und Rechtspopulisten zu Bestsellern. Laut den Verkaufszahlen der Plattform Edistat, die von France Inter ausgewertet wurden, haben die Bücher von Nicolas Sarkozy, Philippe de Villiers und Jordan Bardella teils deutlich die Marke von 100.000 verkauften Exemplaren überschritten. Diese kommerzielle Dynamik ist bemerkenswert – doch was sagt sie über die politische Landschaft Frankreichs aus?

    Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy veröffentlichte mit Journal d’un prisonnier eine Art persönliche Abrechnung und Selbstrechtfertigung nach seiner Verurteilung wegen illegaler Wahlkampffinanzierung. Philippe de Villiers, Gründer der souveränistischen Partei Mouvement pour la France und langjähriger Akteur der französischen Rechten, publizierte unter dem Titel Populicide eine kulturpessimistische Kampfschrift gegen die angebliche „Zerstörung des Volkes“. Jordan Bardella, derzeit Vorsitzender des Rassemblement National (RN), bringt sich mit seinem Buch Ce que veulent les Français als legitimer Nachfolger Marine Le Pens in Stellung – eine Position, die zunehmend als Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahl 2027 gedeutet wird.

    Verkaufszahlen mit politischer Schlagkraft?

    Nach Angaben von Edistat wurden bis zum 21. Dezember 161.504 Exemplare von de Villiers‘ Buch, 142.764 von Sarkozys Werk und 89.797 von Bardellas Publikation verkauft. Die tatsächlichen Zahlen dürften noch höher liegen, da Direktverkäufe bei Lesungen und Signierstunden nicht berücksichtigt wurden. Rein wirtschaftlich handelt es sich dabei um beachtliche Erfolge – insbesondere auf einem ansonsten rückläufigen französischen Buchmarkt.

    Doch was bedeuten diese Zahlen politisch? Der Politologe Christian Le Bart von der Universität Rennes warnt vor vorschnellen Rückschlüssen: „Das Wählerpotenzial ist etwas anderes als das Leserpotenzial“, betont er. Selbst ein Publikum von mehreren hunderttausend Lesern stelle, in absoluten Zahlen, keine relevante Wählerbasis dar. Vielmehr sei dieser Bucherfolg ein Medienphänomen, das die Sichtbarkeit und Relevanz bestimmter politischer Akteure erhöhe – besonders in einem Umfeld, das sich bereits auf den Wahlkampf 2027 vorbereitet.

    Der Bolloré-Effekt: Medienmacht und politische Agenda

    Ein zentrales Element beim Erfolg dieser Bücher ist laut Le Bart das Verlags- und Medienumfeld. Alle drei Titel erschienen im renommierten Verlag Fayard, der inzwischen Teil der Bolloré-Gruppe ist – einem Medienimperium mit klar konservativem bis rechtspopulistischem Kurs. Fayard gehört seit 2021 zum Verlagskonzern Editis, der wiederum unter dem Dach des Mischkonzerns Vivendi von Vincent Bolloré steht.

    Der Einfluss dieser Medienmacht ist nicht zu unterschätzen. Bolloré kontrolliert neben Fayard unter anderem auch Fernsehsender wie CNews, der sich stilistisch und inhaltlich an amerikanische Formate wie Fox News anlehnt, sowie Magazine und Radiostationen. Die omnipräsente Sichtbarkeit der genannten Bücher – etwa in Bahnhofsfilialen, TV-Talkshows oder konservativen Leitmedien – folgt einer durchdachten Kommunikationsstrategie, die politische Botschaften über kulturelle Kanäle verbreitet.

    Politisches Buch als Wahlkampfinstrument

    Der Erfolg dieser Werke lässt sich nicht losgelöst vom politischen Kalender interpretieren. Die französische Präsidentschaftswahl 2027 wirft bereits jetzt ihren Schatten voraus. Marine Le Pen hat angedeutet, nicht mehr kandidieren zu wollen – Jordan Bardella, derzeit Vorsitzender des RN und EU-Parlamentsabgeordneter, gilt als ihr designierter Nachfolger. Sein Buch versteht sich dabei weniger als inhaltliches Manifest denn als rhetorisches Positionierungspapier. Mit platten, aber wirkmächtigen Slogans wie „Ce que veulent les Français“ zielt Bardella auf Emotionalisierung und Identifikation – ein Spiel, das in sozialen Medien und TV-Debatten zunehmend dominiert.

    Auch Nicolas Sarkozy verfolgt mit seiner Publikation eigene Ziele. Zwar ist eine Rückkehr in ein politisches Amt unwahrscheinlich, doch seine Sichtbarkeit im öffentlichen Diskurs bleibt hoch. In Journal d’un prisonnier inszeniert sich Sarkozy als Opfer der Justiz – ein Narrativ, das bei Teilen des bürgerlichen Lagers verfängt, die in den Institutionen der Republik zunehmend Misstrauen sehen.

    De Villiers wiederum bedient mit Populicide ein intellektuelles Milieu, das sich vom politischen Mainstream entfremdet hat. Seine Thesen zur kulturellen Auflösung der Nation reihen sich ein in einen größeren Trend von Anti-Globalismus, anti-liberaler Kritik und der Sehnsucht nach nationaler Wiedergeburt – Themen, die auch außerhalb Frankreichs Konjunktur haben.

    Kulturkampf durch Bestseller

    Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, in den Buchverkäufen lediglich ein Randphänomen zu sehen. In Zeiten wachsender Fragmentierung der Öffentlichkeit und steigender Skepsis gegenüber klassischen Institutionen entwickeln Bücher – und speziell politische Autobiografien oder Kampfschriften – eine neue Rolle: Sie sind zugleich Projektionsfläche, Identifikationsangebot und strategisches Kommunikationsinstrument.

    Der politische Buchmarkt in Frankreich wird damit selbst zum Teil des Wahlkampfs – nicht als direkter Stimmenfänger, wohl aber als Mittel zur Agenda-Setzung. Der Verkaufserfolg wird zum Signal an Journalisten, Parteien und potenzielle Bündnispartner: Diese Stimmen haben Reichweite, ihre Themen besitzen Resonanz.

    Gleichzeitig zeigt sich, wie wirkungsvoll eine medienübergreifende Struktur genutzt werden kann, um politische Narrative zu verankern. Die Koordination zwischen Verlag, Medien und Autoren – insbesondere im Umfeld der Bolloré-Gruppe – illustriert, wie sich kulturelle Produkte in politische Strategien einfügen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Journalismus, Literatur und Propaganda zunehmend.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Blick in die Welt – 24. Dezember 2025

    Blick in die Welt – 24. Dezember 2025

    Ausgewählte Hintergrundartikel zu den wichtigsten internationalen Entwicklungen


    Supreme Court setzt Trump Grenzen – Kein Militäreinsatz in Chicago

    Der Versuch von Präsident Donald Trump, mehrere Hundert Angehörige der Nationalgarde in der Metropolregion Chicago einzusetzen, ist vorerst gescheitert. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten verweigerte am Vortag die Zustimmung zu einem entsprechenden Antrag der Regierung. Damit folgt das Gericht der Argumentation, dass ein solcher Einsatz ohne eindeutige gesetzliche Grundlage und außerhalb eines außergewöhnlichen Notstands verfassungswidrig sei.

    Die Entscheidung markiert einen weiteren Wendepunkt in der seit Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus verschärften Debatte über föderale Eingriffe in lokale Sicherheitsangelegenheiten. Trump hatte erklärt, gegen angebliche „Unruhen“ in der Stadt vorgehen zu wollen. Doch weder der Bundesstaat Illinois noch lokale Behörden hatten einen Hilferuf an Washington gerichtet – ein Umstand, der juristisch wie politisch von zentraler Bedeutung ist. Mehrere Richter äußerten in abweichenden Meinungen zwar Verständnis für den sicherheitspolitischen Impuls, betonten jedoch die Notwendigkeit klarer rechtsstaatlicher Grenzen.

    Die Entscheidung dürfte Signalwirkung für ähnliche Konflikte in anderen Bundesstaaten entfalten – insbesondere dort, wo konservative Gouverneure mit dem Weißen Haus kooperieren, liberale Stadtregierungen aber auf Distanz gehen.


    Russland reagiert mit Gewalt auf Friedensinitiative – Angriffswelle in der Ukraine

    Die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch im russisch-ukrainischen Krieg hat einen herben Rückschlag erlitten. Nur wenige Stunden nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine neue Friedensinitiative als „ziemlich solide“ bezeichnet hatte, starteten russische Streitkräfte eine umfassende Angriffswelle mit Raketen und Drohnen auf Infrastrukturziele in der Ukraine.

    Die Offensive scheint gezielt als politische Botschaft verstanden zu werden: Moskau lehnt offenbar jegliche Friedenslösung ab, die mit westlicher Vermittlung erfolgt oder ukrainische Eigenständigkeit betont. Die jüngsten diplomatischen Bemühungen – eine US-gestützte Gesprächsstruktur, die sowohl Moskau als auch Kiew einbinden sollte – blieben wirkungslos. Russland führte zwar technische Gespräche mit US-Vertretern, verweigerte jedoch eine direkte Beteiligung der Ukraine.

    Die Eskalation zeigt, wie festgefahren die geopolitischen Fronten mehr als drei Jahre nach Kriegsbeginn geblieben sind. Russland fordert faktisch die Anerkennung seiner Gebietsgewinne, während die Ukraine auf die vollständige Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität besteht – ein Widerspruch, der sich in immer neuen Zyklen von Gewalt entlädt. Für die Zivilbevölkerung bedeutet dies vor allem eins: ein weiterer Winter im Ausnahmezustand.


    Bundesstaaten gegen Washington – Rechtsstreit um geschlechtsbezogene Gesundheitsversorgung

    Ein neuer Konflikt zwischen Bundesstaaten und der Trump-Administration hat die amerikanische Innenpolitik erfasst. 19 demokratisch regierte Bundesstaaten haben Klage gegen eine Richtlinie des Gesundheitsministeriums eingereicht, die Bundesmittel für Krankenhäuser streichen will, sofern diese geschlechtsangleichende Behandlungen bei Minderjährigen anbieten. Die Kläger sehen darin nicht nur einen politischen Angriff auf Transrechte, sondern auch einen gravierenden Eingriff in die medizinische Autonomie und föderale Zuständigkeiten.

    Die Bundesregierung argumentiert, dass solche Behandlungen nicht ausreichend wissenschaftlich abgesichert seien – eine Position, die in Fachkreisen heftig umstritten ist. Die klagenden Staaten verweisen darauf, dass die Richtlinie ohne öffentliche Anhörung durchgesetzt wurde und somit gegen geltendes Verwaltungsrecht verstoße. Zudem werfen sie Washington vor, ideologische Vorgaben in die medizinische Praxis hineinzutragen und vulnerable Gruppen gezielt zu diskriminieren.

    Das Verfahren hat das Potenzial, zu einem Grundsatzurteil über den Umgang mit geschlechtlicher Identität im amerikanischen Gesundheitswesen zu werden. Bereits jetzt mobilisieren konservative wie progressive Akteure auf nationaler Ebene – das Thema dürfte 2026 zu einem Wahlkampfschlager bei den US-Zwischenwahlen werden.


    Greta Thunberg festgenommen – Großbritannien kriminalisiert Solidaritätsaktionen

    In London ist die schwedische Aktivistin Greta Thunberg unter Berufung auf Antiterrorgesetze verhaftet worden. Anlass war ihre Teilnahme an einer Protestaktion, bei der sie sich mit inhaftierten Mitgliedern der Gruppierung „Palestine Action“ solidarisch erklärte. Diese Organisation wurde in Großbritannien vor Kurzem wegen mutmaßlicher Verbindungen zu gewaltsamen Angriffen auf Rüstungsfirmen verboten.

    Thunberg hatte öffentlich betont, dass ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel sei, um auf die Komplizenschaft westlicher Staaten in internationalen Konflikten aufmerksam zu machen – eine Position, die sie auch im Kontext des Nahostkriegs vertritt. Die britischen Behörden hingegen bewerten ihre Aussagen als Unterstützung einer verbotenen Vereinigung.

    Die Festnahme hat international Empörung ausgelöst. Kritiker werfen London vor, das Antiterrorrecht zur Unterdrückung politischer Meinungsäußerung zu missbrauchen. Unterstützer der Regierung verweisen auf die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Ordnung. Der Fall zeigt, wie schmal der Grat geworden ist zwischen sicherheitspolitischer Vorsorge und Einschränkung demokratischer Freiheiten – besonders dann, wenn prominente Stimmen betroffen sind.


    Yemen – Hoffnungsschimmer im Schatten des Konflikts

    Erstmals seit Jahren haben sich die international anerkannte jemenitische Regierung und die Huthi-Rebellen auf einen groß angelegten Gefangenenaustausch geeinigt. Es handelt sich um den größten Austausch seit Beginn des Bürgerkriegs vor über zehn Jahren. Die Vereinbarung wurde unter Vermittlung der Vereinten Nationen und regionaler Akteure wie Oman und Saudi-Arabien getroffen und könnte den Weg für weitere vertrauensbildende Maßnahmen ebnen.

    Obwohl der Bürgerkrieg im Jemen längst in eine Phase relativer militärischer Stabilisierung eingetreten ist, bleiben politische Lösungen rar. Der neue Austausch wird als symbolischer Schritt gewertet – und als Indiz dafür, dass hinter den Kulissen neue Gesprächskanäle etabliert wurden. Insbesondere Saudi-Arabien scheint bemüht, sich diplomatisch zu rehabilitieren, nachdem es jahrelang als treibende Kraft hinter der jemenitischen Militärkoalition galt.

    Noch bleibt offen, ob sich daraus mehr entwickelt als eine humanitäre Geste. Doch angesichts der humanitären Katastrophe, die das Land seit Jahren prägt, ist jedes Zeichen von Kooperation ein vorsichtiger Schritt in Richtung Frieden.


    Flugzeugunglück in Texas – Fünf Tote bei Crash einer mexikanischen Militärmaschine

    Ein medizinischer Evakuierungsflug der mexikanischen Marine ist beim Anflug auf Houston im texanischen Galveston Bay abgestürzt. An Bord befanden sich neben einem Patienten auch medizinisches Personal und die Crew. Fünf Menschen kamen ums Leben, darunter die zu transportierende Person. Die genaue Ursache ist noch unklar; die US-amerikanische Flugaufsichtsbehörde ermittelt gemeinsam mit mexikanischen Stellen.

    Der Unfall wirft erneut Fragen nach den Sicherheitsstandards grenzüberschreitender Notfalltransporte auf. Mexiko hat in den vergangenen Jahren verstärkt auf militärische Ressourcen zurückgegriffen, um medizinische Infrastruktur in entlegenen Regionen zu ersetzen – eine Maßnahme, die mit dem Rückbau ziviler Kapazitäten in Verbindung steht.


    Elon Musk und die Bürokratie – Effizienzministerium sorgt für Chaos, aber ohne Einsparung

    Das eigens unter Elon Musk geschaffene US-Ministerium für Regierungseffizienz hat ein Jahr nach seiner Gründung eine ernüchternde Bilanz vorzuweisen. Interne Analysen zeigen, dass zahlreiche Verwaltungsprozesse durcheinandergerieten, Systeme inkompatibel wurden und Fachpersonal das Ministerium reihenweise verließ. Die versprochenen Einsparungen blieben aus, während die Produktivität vieler Behörden messbar sank.

    Das Projekt war von Anfang an ein politisches Symbol: Bürokratieabbau als Prestigevorhaben einer technokratischen Vision. Doch statt schlanker Prozesse produzierte das „Department of Government Efficiency“ vor allem Unruhe – eine klassische Leerstelle zwischen technologischem Anspruch und institutioneller Realität. Der politische Schaden könnte sich noch verstärken, wenn staatliche Dienstleistungen dauerhaft beeinträchtigt bleiben.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich ohne Staatshaushalt: Ein gefährlicher Drahtseilakt

    Frankreich ohne Staatshaushalt: Ein gefährlicher Drahtseilakt

    Frankreich steuert auf das Jahr 2026 zu – ohne beschlossenen Staatshaushalt. Erstmals seit Jahrzehnten greift die Regierung in Paris zu einer Notlösung: einer Sonderregelung, um den staatlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Doch der politische Stillstand wirft nicht nur Fragen zur Handlungsfähigkeit des Staates auf, sondern gefährdet auch das Vertrauen der Märkte. Was steckt hinter der verfahrenen Lage – und welche Folgen drohen den Bürgerinnen und Bürgern? Ausnahmezustand im Haushaltsrecht Am Montag, dem 22. Dezember 2025, berät das französische Parlament über ein Sondergesetz, das die Grundfunktionen des Staates sichern soll. Hintergrund ist das Scheitern der Haushaltsverhandlungen für 2026. Ohne beschlossenen Etat wäre Frankreich ab dem 1. Januar im haushaltspolitischen Niemandsland. Die geplante Maßnahme erlaubt es dem Staat, Steuern zu erheben, Gehälter zu zahlen, Schulden aufzunehmen und zentrale Ausgaben zu tätigen – ein „service minimum“ der öffentlichen Finanzen. Die gesetzliche…

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  • Putins Gesprächsangebot an Macron – Öffnung oder Strategie?

    Putins Gesprächsangebot an Macron – Öffnung oder Strategie?

    Mitten in einer Phase stockender Verhandlungen über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges hat der Kreml überraschend Gesprächsbereitschaft gegenüber Frankreich signalisiert. Präsident Wladimir Putin sei „bereit zum Dialog“ mit Emmanuel Macron, ließ Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag verlauten. Aus dem Elysée hieß es, man begrüße diese Offenheit – ein Signal, das über rein diplomatische Höflichkeit hinausweist. Frankreich und Russland hatten ihre bilateralen Kontakte im Sommer weitgehend eingefroren. Die neue Geste aus Moskau erfolgt nur wenige Tage nach einer Rede Macrons im Europäischen Rat, in der er sich für eine europäische Gesprächsinitiative mit Russland aussprach. Der französische Präsident warnte davor, den diplomatischen Raum allein den Amerikanern oder einzelnen Drittstaaten zu überlassen: Europa müsse, so Macron, selbst mit am Verhandlungstisch sitzen – und nicht nur zusehen, wie andere über seine sicherheitspolitische Zukunft bestimmten. Europas Platz am Verhandlungsti…

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