Schlagwort: Hauts-de-France

  • Schnee, Eis und diese trügerische Stille – warum der Norden Frankreichs den Fuß vom Gas nimmt

    Schnee, Eis und diese trügerische Stille – warum der Norden Frankreichs den Fuß vom Gas nimmt

    Der Morgen in Steenwerck beginnt mit einem Bild wie aus einem Wintermärchen. Dächer, Felder, Hecken – alles liegt unter einer dichten weißen Decke. Bis zu sieben Zentimeter Schnee, sagen die Messungen. Ein Wert, der in den Alpen bestenfalls ein Achselzucken auslöst, hier aber den Takt des Alltags bestimmt. Denn was schön aussieht, wird auf schmalen Landstraßen schnell zur gefährlichen Rutschbahn. Und zur Geduldsprobe.

    Schon früh stehen Menschen vor ihren Häusern, Schaufel in der Hand, der Atem dampft. Schnee knirscht unter den Stiefeln. Ein Geräusch, das Ruhe verspricht, aber Vorsicht einfordert. Auf den kleinen Straßen rund um Steenwerck sind Autos liegen geblieben, eines davon im Straßengraben. Der Fahrer steht daneben, sichtbar mitgenommen. Die Kontrolle verloren, ein kurzer Moment Unachtsamkeit, dann ging nichts mehr. Kein spektakulärer Unfall, eher ein leiser, umso ernsterer Hinweis darauf, wie schnell der Winter hier zuschlägt.

    Benoît Bourgois kennt diese Szenen nur zu gut. Der Fahrer eines Abschleppdienstes spricht ruhig, fast beiläufig, als er berichtet, dass es bereits der zweite Einsatz am Vormittag sei. Einer in der Nacht, einer am Morgen. Kein Aufsehen, keine Empörung, nur nüchterne Routine. Im Norden Frankreichs gehört das dazu. Wenn Schnee und Eis zusammenkommen, bleibt niemand überrascht, höchstens kurz erschrocken.

    In den Dörfern ringsum reagieren viele mit einer Mischung aus Gelassenheit und Vorsicht. Ein älterer Mann räumt den Gehweg vor seinem Haus frei. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Selbsterhaltungstrieb. Ein falscher Schritt, und man rutscht in den Straßengraben, sagt er. Dann liegt man da. Dann wird aus einem Weg zum Bäcker ein medizinischer Notfall. Also bleibt man besser zu Hause, außer es geht wirklich nicht anders. Diese Art von Pragmatismus hat hier Tradition.

    Das Eis ist der eigentliche Gegner. Der Schnee allein wäre beherrschbar, doch der Boden war bereits gefroren, bevor die Flocken fielen. Minusgrade am Vortag, erneuter Frost in der Nacht – eine Kombination, die jede Hoffnung auf schnelles Tauen zunichtemacht. Die weiße Schicht tarnt, was darunter lauert: blankes Eis. Besonders auf Nebenstrecken, auf jenen Achsen, die im Winterdienst gern einmal hinten anstehen.

    Romuald Creton kennt diese Straßen wie seine Westentasche. Der Schweinezüchter aus Steenwerck sitzt an diesem Morgen auf seinem Traktor und schiebt Schnee beiseite. Kein offizieller Auftrag, eher eine Selbstverständlichkeit. Die kleinen Wege seien besonders glatt, erklärt er, weil sich dort das Eis halte. Vergessen, nennt er sie, diese Straßen. Ein hartes Wort, aber nicht ohne Wahrheit. Wer hier unterwegs ist, weiß, dass Eigeninitiative manchmal schneller wirkt als jede Verwaltung.

    Und doch bleibt der Staat nicht untätig. Die Präfekturen von Nord und Pas-de-Calais schlagen Alarm, allerdings leise, ohne Pathos. Die Ansage lautet: Vorsicht. Schulbusse bleiben in den Depots, der Transport von Kindern gilt als zu riskant. Schwerlastverkehr wird eingeschränkt, um Unfälle und blockierte Straßen zu vermeiden. Maßnahmen, die den Alltag bremsen, aber Schlimmeres verhindern sollen.

    Für viele Familien bedeutet das Improvisation. Kinder bleiben zu Hause, Eltern organisieren sich neu. Homeoffice, wo es geht. Telefonate, kurze Absprachen, ein bisschen Chaos. Aber auch das gehört dazu. Man rückt näher zusammen, zumindest organisatorisch. Der Winter zwingt zur Entschleunigung. Und ehrlich gesagt – manchmal tut das sogar gut.

    Die Bilder aus dem Norden zeigen keinen Ausnahmezustand, sondern eine Region, die gelernt hat, mit solchen Momenten umzugehen. Keine Panik, kein dramatisches Vokabular. Stattdessen Schaufeln, Traktoren, vorsichtige Schritte. Und die stille Erkenntnis, dass Natur sich nicht verhandeln lässt. Man passt sich an oder bleibt stehen.

    Der Norden Frankreichs ist kein klassisches Schneeland. Gerade deshalb reagieren Infrastruktur und Verkehr empfindlicher. Was in Gebirgsregionen eingeübt ist, muss hier jedes Mal neu organisiert werden. Streudienste, Prioritäten, Personal. Und immer wieder die gleiche Frage: Wie viel Risiko ist vertretbar? Die Antwort fällt an solchen Tagen oft sehr konservativ aus.

    Man spürt in diesen Stunden eine besondere Form von Solidarität. Nachbarn helfen einander, Maschinen werden geteilt, Wege freigeräumt. Kein großes Gerede, einfach machen. So läuft das hier. Der Winter als kollektive Aufgabe, nicht als Spektakel.

    Natürlich gibt es auch jene, die das alles unterschätzen. Ein bisschen Schnee, denken sie, wird schon gehen. Meist sind es genau diese Fahrten, die im Straßengraben enden. Der Norden vergisst nicht, aber er verzeiht auch nicht sofort. Er fordert Respekt. Wer ihn aufbringt, kommt durch. Wer nicht, bleibt stehen.

    Und so liegt Steenwerck an diesem Mittwochmorgen still unter seinem weißen Mantel. Schön, gefährlich, eindrucksvoll. Ein Winterbild mit doppeltem Boden. Man schaut es sich an, atmet die kalte Luft ein – und setzt den nächsten Schritt ganz bewusst.

    Autor: Daniel Ivers

  • Plastikkugeln vor der Küste – eine unsichtbare Gefahr bedroht die Strände Nordfrankreichs

    Plastikkugeln vor der Küste – eine unsichtbare Gefahr bedroht die Strände Nordfrankreichs

    Noch ist die Idylle ungetrübt. Sanfte Dünen, der ewige Klang der Wellen, Möwen am Himmel. Doch wer genauer hinsieht, könnte bald auf etwas stoßen, das nicht hierher gehört – kleine, unscheinbare Kügelchen, schwarz oder transparent, kaum größer als ein Stecknadelkopf. Was aussieht wie Strandgut, ist in Wahrheit der Vorbote einer internationalen Umweltkrise.

    Die Präfektur des französischen Départements Nord hat Alarm geschlagen. In einer aktuellen Mitteilung warnt sie vor einer möglichen Ankunft sogenannter „billes de plastique“ – industrieller Kunststoffgranulate – an den Küsten der Hauts-de-France. Die Kügelchen stammen aus Großbritannien, wo sie Ende Oktober infolge eines Lecks in einer Kläranlage in Südengland ins Meer gelangten. Seither treiben sie mit den Strömungen des Ärmelkanals – und könnten nun auch Frankreich erreichen.

    Der unsichtbare Feind im Sand

    Diese Partikel, oft als nurdles oder poetischer als „Tränen der Meerjungfrau“ bezeichnet, sind keine zufälligen Abfälle. Sie sind industriell hergestellte Kunststoffrohstoffe, die weltweit zur Produktion von Verpackungen, Rohren, Flaschen oder Spielzeugen dienen. In diesem Fall kamen sie in einer britischen Kläranlage zum Einsatz – als Filtermaterial.

    Ein Zwischenfall, ein technisches Versagen, ein Leck. Mehr braucht es nicht. Die Folge: Tonnen dieser Perlen landeten im Meer. Der Wind und die Gezeiten übernahmen den Rest.

    Für die Behörden ist die Lage bislang noch eine Warnung, kein akuter Notfall. Auf französischem Boden wurden bislang keine der Kunststoffkügelchen entdeckt. Doch die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Auftauchens ist hoch. Das Meer kennt keine Grenzen, und Plastik kennt keine Eile. Es reist langsam – aber zielstrebig.

    Was so klein ist, kann doch nicht gefährlich sein?

    Ein folgenschwerer Trugschluss. Obwohl chemisch weitgehend inert – also nicht giftig im klassischen Sinn – bergen die Kügelchen immense ökologische Risiken. Im Wasser ähneln sie Futterpartikeln und werden daher von Meeresvögeln, Fischen und anderen Tieren verschluckt. Einmal im Körper, blockieren sie Verdauungsorgane, führen zu inneren Verletzungen oder langfristig zum Hungertod. Noch schlimmer: Die Oberfläche der Partikel wirkt wie ein Magnet für Schadstoffe – Pestizide, Schwermetalle, Hormone. Gelangen solche mit Giftstoffen angereicherten Kügelchen in die Nahrungskette, können sie bis auf unsere Teller wandern.

    Die Reinigung solcher Mikroplastikpartikel ist nahezu aussichtslos. Einmal im Sand oder zwischen Algen angekommen, lassen sich die Perlen nur schwer entdecken, geschweige denn vollständig entfernen. Sie sind zu klein, zu zahlreich, zu mobil.

    Stürme als Spediteure

    Besonders jetzt, zum Winteranfang, ist die Wahrscheinlichkeit eines Anschwemmens sehr hoch. Die kalte Jahreszeit bringt stärkere Winde, höhere Wellen und stärkere Strömungen. Genau das, was Plastik braucht, um hunderte Kilometer zurückzulegen. Was an der Küste von Cornwall ins Wasser fällt, kann zwei Wochen später an einem Strand in der Picardie auftauchen.

    Das ist kein neues Phänomen. Wissenschaftler beobachten seit Jahren, wie sich Plastikpartikel durch Meeresströmungen global verteilen. Doch selten ist ein solcher Fall so konkret, so greifbar – mit einem bekannten Ursprung, einer bekannten Route und einer konkreten Gefahr für eine bestimmte Region.

    Reaktionen und Verantwortung

    Die französischen Behörden reagieren rasch, aber mit Bedacht. Kommunen entlang des Ärmelkanals wurden angewiesen, ihre Küstenabschnitte genau zu beobachten. Bei Sichtung solcher Partikel ist eine sofortige Meldung an die zuständigen Präfekturen erforderlich. Freiwillige und Kommunalbedienstete könnten bald aufgerufen werden, erste Sammelaktionen zu organisieren.

    Gleichzeitig richtet sich der Appell auch an die Bevölkerung. Spaziergänger, Hundebesitzer, Besucher der winterlichen Strände – sie alle könnten die Ersten sein, die auf die „Tränen der Meerjungfrau“ stoßen. Das Problem: Sie sind schwer zu erkennen. Zwischen Muscheln, Sandkörnern und kleinen Steinen wirken sie fast unsichtbar. Umso wichtiger ist ein geschärfter Blick und die Bereitschaft, zu handeln – ohne Panik, aber mit Achtsamkeit.

    Eine Frage politischer Konsequenz

    Letztlich ist dieser Fall mehr als nur ein lokales Umweltproblem. Er wirft grundsätzliche Fragen auf. Wie ist es möglich, dass solch umweltkritische Materialien ohne strenge Auflagen durch internationale Gewässer treiben dürfen? Warum gibt es bis heute keine verpflichtende internationale Kontrolle über den Umgang mit industriellen Kunststoffgranulaten?

    Zwar gibt es in einigen Ländern freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie – etwa das „Operation Clean Sweep“-Programm. Doch wie jeder freiwillige Kodex zeigt sich auch hier: Ohne Druck, keine Wirkung. Der Vorfall in Großbritannien, der die derzeitige Bedrohung ausgelöst hat, macht das deutlich. Fehler passieren. Aber die Folgen solcher Fehler dürfen nicht grenzüberschreitende Umweltkatastrophen sein.

    Ein Weckruf, der angeschwemmt wird

    Was also bleibt? Ein Bild, das sich festsetzt: Ein Kind spielt am Strand, greift in den Sand – und hat plötzlich die industrielle Rückseite unserer Konsumgesellschaft in der Hand. Ein kleiner schwarzer Punkt. Leicht, kalt, bedeutungsvoll.

    Die Strände der Hauts-de-France sind (noch) sauber. Doch das Meer bewegt sich. Und mit ihm alles, was hineinfällt. Die „billes de plastique“ aus England sind unterwegs. Sie reisen langsam, aber unbeirrt.

    Es bleibt eine Hoffnung: Dass diese Geschichte – bevor sie sich auf einem Sandstrand manifestiert – zum politischen Druckmittel wird. Für schärfere Regeln, mehr internationale Kooperation, bessere Kontrollen. Denn eines zeigt sich einmal mehr: Die Umwelt fängt nicht an der eigenen Küstenlinie an. Und sie endet auch nicht dort.

    Von C. Hatty

  • Zwischen Klima und Traube: Wie der Pas-de-Calais zum Weinland wird

    Zwischen Klima und Traube: Wie der Pas-de-Calais zum Weinland wird

    Wenn im Herbst die Reben lesebereit stehen, richten sich die Blicke meist gen Süden: nach Bordeaux, in die Champagne, ins Burgund. Dort, wo Weinbau zur DNA gehört. Doch seit Kurzem wächst im Norden Frankreichs ein leiser, aber kühner Gegenentwurf heran — im Pas-de-Calais. Ein Landstrich, eher bekannt für seine Industriegeschichte, entdeckt die Rebe neu. Und das mit erstaunlicher Konsequenz. Ein Weinwunder im hohen Norden? Was auf den ersten Blick wie eine Anekdote klingt — Chardonnay auf einem alten Kohleberg — ist längst mehr als nur ein PR-Gag. Es ist Ausdruck eines strukturellen Wandels. Die Region Hauts-de-France, zu der der Pas-de-Calais gehört, setzt vermehrt auf Weinbau. Nicht aus romantischer Schwärmerei, sondern als Antwort auf den Klimawandel, auf agrarische Herausforderungen und die Suche nach Zukunftsperspektiven. Inmitten dieser Bewegung steht ein Projekt mit Symbolkraft: „Les 130“. 130 Landwirte, vereint durch eine Vision — ihre Böden neu denken, ihre Produktion diversifi…

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  • Heiliges im Fadenkreuz: Wie Kirchen im Norden Frankreichs zum Ziel organisierter Diebe werden

    Heiliges im Fadenkreuz: Wie Kirchen im Norden Frankreichs zum Ziel organisierter Diebe werden

    Wenn Stille zur Einladung für Täter wird, dann ist es genau das, was derzeit viele Kirchen im Norden Frankreichs erleben. Orte des Gebets und der Sammlung, Symbolorte des Glaubens – und doch zunehmend Tatorte. In der Region Hauts-de-France, insbesondere im Département Nord, rollt derzeit eine beunruhigende Serie von Kircheneindiebstählen durch kleine Gemeinden und ländliche Pfarreien. Abr, es geht nicht nur um Diebstahl. Es geht um Verletzungen, die tiefer sitzen. Sechs Kirchen in zwei Wochen – und kein Ende in Sicht Hasnon. Valenciennes. Cambrai. Namen kleiner Städte, die kaum in den Schlagzeilen auftauchen – es sei denn, wenn etwas aus der Ordnung fällt. In nur wenigen Tagen wurden mindestens sechs Kirchen Opfer von Einbruch, Diebstahl oder Profanation. Besonders betroffen: liturgisches Gerät wie Kelche, Patene, Monstranzen. Manche aus edlen Metallen, andere rein symbolisch wertvoll. In gleich drei Fällen wurden Tabernakel aufgebrochen, die geweihten Hostien entwendet – für gläubige …

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  • Cyberangriff auf französische Kliniken: Wenn Patientendaten ins Visier Krimineller geraten

    Cyberangriff auf französische Kliniken: Wenn Patientendaten ins Visier Krimineller geraten

    Ein Angriff auf die digitale Flanke des Gesundheitssystems – so lässt sich die jüngste Cyberattacke auf öffentliche Krankenhäuser in der Normandie und den Hauts-de-France zusammenfassen. Die Attacke traf nicht die medizinischen Akten, aber doch etwas fast ebenso Sensibles: die Identität der Patientinnen und Patienten. Der Einbruch über gestohlene Identitäten Cyberkriminelle verschafften sich Ende letzter Woche Zugang zu den Servern mehrerer Kliniken, indem sie sich als medizinisches Fachpersonal ausgaben. Mit dieser Täuschung gelang es ihnen, in administrative Systeme einzudringen und dort personenbezogene Daten abzugreifen. Betroffen sind Informationen wie Namen, Vornamen, Alter, E-Mail-Adressen und Telefonnummern.Die regionalen Gesundheitsagenturen (ARS) reagierten schnell: kompromittierte Konten wurden gesperrt, Schutzmaßnahmen verstärkt. Ein klassischer digitaler Wettlauf – zwischen Angreifern, die Lücken suchen, und Verteidigern, die sie schließen müssen. Phishing – die zweite Wel…

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  • Wildschwein-Alarm in Saint-Maximin: Wenn die Natur vor der Haustür steht

    Wildschwein-Alarm in Saint-Maximin: Wenn die Natur vor der Haustür steht

    In Saint-Maximin, einem charmanten Ort im Département Oise zwischen Chantilly und Creil, ist das Idyll getrübt. Wo früher nur Vogelgezwitscher und das Rauschen des Waldes zu hören waren, wühlen heute Wildschweine die Vorgärten um. Und das nicht als Ausnahme – sondern immer häufiger. Die Einwohner sind beunruhigt. Nicht nur wegen der Schäden. Sondern weil die Grenze zwischen Natur und Zivilisation zu verschwimmen droht. Plötzlich stehen sie da – mitten im Garten Was klingt wie ein Ausflug in ein Tiergehege, ist für viele zur täglichen Realität geworden. Die Wildschweine, eigentlich Waldbewohner, dringen bis in Wohngebiete vor. Rasenflächen werden umgepflügt, Zäune beschädigt, Mülltonnen durchwühlt. Ein Chaos auf vier Hufen – mit Borsten und Stoßzähnen. Der Bürgermeister von Saint-Maximin, Serge Macudzinski, bestätigt: Einige Anwohner füttern die Tiere sogar. Gut gemeint – aber fatal. Denn wer Wildschweine anlockt, erzieht sie zum Bleiben. Jäger im Wohngebiet – eine Entscheidung mit Folg…

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  • Braderie de Lille 2025: Europas größter Flohmarkt

    Braderie de Lille 2025: Europas größter Flohmarkt

    Wer Anfang September durch Lille spaziert, erlebt ein Spektakel, das seinesgleichen sucht. Am Wochenende des 6. und 7. September 2025 verwandelt sich die nordfranzösische Hauptstadt der Flandern in einen riesigen Basar, ein Volksfest und eine kulinarische Pilgerstätte zugleich. Mehr als 2,5 Millione…

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  • Fère-en-Tardenois: Ein Dorf sagt Nein zur Fast-Food-Flut

    Fère-en-Tardenois: Ein Dorf sagt Nein zur Fast-Food-Flut

    Wer Fère-en-Tardenois besucht, erwartet Idylle. Kopfsteinpflaster, kleine Läden, eine Handvoll Cafés – und plötzlich: Fast-Food-Buden an jeder Ecke. Für eine Gemeinde mit gerade einmal 2.900 Einwohnern wirkt das grotesk. Sechs Schnellrestaurants drängen sich hier bereits, als wäre man mitten in einer Großstadt. Nun zieht Bürgermeister Jean-Paul Roseleux die Notbremse und verhängt ein Verbot für weitere Fast-Food-Restaurants. Eine kleine Revolution? Oder nur ein symbolischer Akt gegen den übermächtigen Trend?

    Ein Dorf im Fast-Food-Fieber Man stelle sich das vor: Sechs Schnellrestaurants in einer Kleinstadt, die kaum drei Kilometer lang ist. Döner, Pizza, Burger – das Menü der Globalisierung. Für Jugendliche ist es praktisch, für Familien oft die günstige Lösung. Doch für viele Bewohner hat sich das Gesicht des Dorfes verändert. Der Marktplatz riecht nach frittierten Kartoffeln statt nach frisch gebackenem Brot. Bürgermeister Roseleux spricht Klartext: „Dieses Verbot wird vielleicht gek…

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  • Sommeralarm im Norden Frankreichs: 20 Fälle von bakterieller Ruhr nach Badeausflug im See

    Sommeralarm im Norden Frankreichs: 20 Fälle von bakterieller Ruhr nach Badeausflug im See

    Es klingt nach einem idyllischen Sommernachmittag: Sonne, Wasser, Kinderlachen am Ufer. Doch ausgerechnet im beliebten Badesee „Lac des Vieilles Forges“ in den französischen Ardennen hat sich ein unsichtbarer Feind breitgemacht – Bakterien der Gattung Shigella. Seit dem 16. August wurden 20 Infektionsfälle gemeldet, vor allem bei Menschen, die kurz zuvor dort schwimmen waren. Die regionale Gesundheitsbehörde ARS Grand Est hat eine offizielle Warnung herausgegeben und die sofortige Schließung der Badestelle veranlasst.

    Ein See im Fokus der Ermittler Der Lac des Vieilles Forges gilt als einer der beliebtesten Sommer-Hotspots im Département Ardennes. Familien picknicken am Ufer, Jugendliche springen von den Stegen, Touristen leihen sich Tretboote. Umso größer ist nun die Verunsicherung: Der See, ein Ort der Erholung, ist plötzlich Entstehungsort einer Gesundheitskrise.Die Mehrzahl der Erkrankten hatte vor Ausbruch der Symptome hier gebadet. Die ARS ließ daraufhin umgehend die Wasserprobe…

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  • Ein-Euro-Zug: Wie die Sommeraktion „éTER“ in Hauts-de-France Impulse für Tourismus und Nachhaltigkeit setzt

    Ein-Euro-Zug: Wie die Sommeraktion „éTER“ in Hauts-de-France Impulse für Tourismus und Nachhaltigkeit setzt

    Seit dem 5. Juli bis zum 24. August 2025 bietet die Region Hauts-de-France in Kooperation mit der SNCF wieder die Sommeraktion „éTER“ an: Einfache Zugfahrten kosten lediglich einen Euro. In der ersten Verkaufsphase wurden bereits weit über 100.000 Tickets abgesetzt; eine zweite Verkaufsrunde mit zusätzlichen Kontingenten startete am 22. Juli. Die Initiative zeigt, wie gezielte Mobilitätsangebote den regionalen Tourismus beleben und zugleich umweltpolitisch wirksam sein können.


    Förderung des regionalen Tourismus – preisgünstig und attraktiv

    Die klar umrissene Preisaktion senkt die Hürde für spontane Ausflüge erheblich – ob ans Meer, in die Natur oder in die Städte. Badeorte wie Calais, Berck und Le Touquet, Naturziele wie Amiens oder Saint-Quentin sowie urbane Ziele wie Lille oder Arras profitieren gleichermaßen.

    Zusätzliche Shuttlebusse, die kostenfrei vom Bahnhof zu Stränden oder Sehenswürdigkeiten verkehren, machen die Anreise besonders komfortabel und erhöhen die touristische Reichweite des Angebots.


    Starke Nachfrage als Erfolgsindikator

    Bereits kurz nach Verkaufsstart waren große Teile des Kontingents vergriffen. Die Nachfrage verdeutlicht, dass Preisreduktionen in Verbindung mit attraktiven Zielen eine unmittelbare Wirkung auf das Reiseverhalten entfalten. Durch die Limitierung der täglichen Ticketzahl wird zudem eine Überlastung der Züge vermieden.


    Verkehr und Umwelt: Eine strategische Verbindung

    Die Aktion illustriert, wie regionale Mobilitätsförderung und Klimaschutz ineinandergreifen können. Wer statt mit dem Auto mit dem Zug reist, vermeidet Staus und senkt die individuellen CO₂-Emissionen erheblich. Für die Region bedeutet das weniger Verkehrsbelastung, gerade in der Ferienzeit, und eine bessere Verteilung der Besucherströme.


    Modell für andere Regionen?

    „éTER“ ist nicht nur ein regionales Sommerhighlight, sondern hat auch Modellcharakter. Andere Regionen könnten ähnliche Konzepte entwickeln, um den Schienenverkehr zu stärken, Tourismuszentren zu entlasten und gleichzeitig klimafreundliche Reiseoptionen zu fördern. Entscheidend ist dabei die enge Abstimmung zwischen Verkehrsunternehmen, regionaler Politik und touristischen Akteuren, um Angebot, Kapazität und Nachfrage in Einklang zu bringen.


    Die Sommeraktion „éTER“ in Hauts-de-France zeigt: Mit wohlüberlegten Anreizen lassen sich touristische Attraktivität, soziale Zugänglichkeit und ökologische Verantwortung verbinden. Der Ein-Euro-Preis macht Bahnreisen im Nahverkehr nicht nur konkurrenzfähig, sondern setzt ein deutliches Signal für nachhaltige Mobilität.

    Autor: Andreas M. Brucker