Schlagwort: Google

  • Wenn die Maschine mitliest – warum Googles neue KI-Personalisierung so nützlich wie unheimlich ist

    Wenn die Maschine mitliest – warum Googles neue KI-Personalisierung so nützlich wie unheimlich ist

    Es beginnt harmlos. Ein freundlicher Hinweis, ein blau hinterlegter Button, ein Versprechen von Bequemlichkeit. Die neue Künstliche Intelligenz von Google möchte helfen. Wirklich helfen. Dafür allerdings verlangt sie Zugriff auf etwas, das bislang als privat galt: Ihre E-Mails, Ihre Fotos, Ihre Suchanfragen, kurz gesagt – Ihr digitales Gedächtnis.

    „Personal Intelligence“ nennt der Konzern diese Funktion, die derzeit in den USA testweise freigeschaltet ist. Sie soll den KI-Chatbot Gemini klüger machen, persönlicher, kontextsensibler. Die Maschine soll nicht mehr nur antworten, sondern verstehen. Doch genau an dieser Stelle beginnt das leise Unbehagen.

    Denn Verständnis hat einen Preis.

    Die Idee hinter Personal Intelligence wirkt auf den ersten Blick einleuchtend. Wer ohnehin täglich Gmail nutzt, Termine per E-Mail bestätigt, Rechnungen archiviert, Fotos speichert und Suchanfragen stellt, besitzt bei Google längst ein fein säuberlich geführtes digitales Ich. Warum also sollte eine KI dieses Wissen nicht nutzen, um bessere Antworten zu liefern? Warum immer wieder erklären, was längst bekannt ist?

    In der Praxis sieht das so aus: Fragt man die KI, wann der nächste Friseurbesuch ansteht, durchforstet sie alte Terminbestätigungen im Posteingang, erkennt Muster und schlägt einen passenden Zeitpunkt vor. Kein Hexenwerk, aber verdammt praktisch. Ein persönlicher Assistent? Noch nicht. Eher ein eifriger Praktikant mit erstaunlich gutem Gedächtnis.

    Solche Momente erzeugen ein leises Staunen. Endlich funktioniert Personalisierung nicht nur bei Werbung, sondern im Alltag. Die Suche wird kontextreicher, Empfehlungen passender, Antworten kürzer. Die KI weiß, was gemeint ist, ohne dass man es ausbuchstabieren muss. Wer viel organisiert, plant, jongliert, spürt schnell den Reiz.

    Doch genau hier kippt die Stimmung.

    Denn dieselbe Technik, die Termine erkennt, erkennt auch anderes. Gesundheitsinformationen in Mails. Private Fotos. Emotionale Korrespondenz. Arbeitsbezogene Dokumente. Alles existiert nebeneinander, fein sortiert in verschiedenen Lebensbereichen – zumindest aus menschlicher Sicht. Für die Maschine jedoch verschmilzt es zu einem einzigen Datenraum.

    Fachleute sprechen von „Datenüberlappung“. Informationen, die in einem Kontext sinnvoll sind, tauchen plötzlich in einem anderen auf. Die KI greift auf Inhalte zurück, die zwar verfügbar, aber nicht angebracht sind. Eine harmlose Frage kann so unbeabsichtigt Türen öffnen, die besser geschlossen geblieben wären.

    Man stelle sich vor, während einer beruflichen Recherche fließt plötzlich eine private Information ein, die mit dem Thema nichts zu tun hat, aber aus einer alten E-Mail stammt. Oder eine persönliche Suche wird von Annahmen geprägt, die auf längst überholten Daten beruhen. Die KI meint es gut, trifft aber daneben.

    Google selbst räumt ein, dass das System noch lernt. Kontext zu verstehen, Nuancen zu erkennen, Relevanz richtig zu gewichten – all das bleibt eine Herausforderung. Ein einmal erkannter Beruf kann zum dauerhaften Filter werden. Ein Konzertticket als Geschenk verwandelt sich in hartnäckige Musikempfehlungen. Die Maschine schließt, wo sie fragen müsste.

    Offiziell versichert der Konzern, sensible Daten wie Gesundheitsinformationen nicht proaktiv zu verwenden. Doch auch diese Grenze hängt am Verhalten der Nutzer. Wer explizit fragt, öffnet den Zugriff. Wer nicht fragt, verlässt sich auf technische Leitplanken, die im Alltag kaum sichtbar sind.

    Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, den man nicht unterschätzen sollte. Wenn eine KI beginnt, persönliche Zusammenhänge herzustellen, entsteht schnell der Eindruck von Vertrautheit. Man spricht offener, fragt direkter, verlässt sich stärker. Die Grenze zwischen Werkzeug und Gegenüber verschwimmt. Und plötzlich sitzt man da und denkt: Moment mal – wer hört hier eigentlich zu?

    Besonders heikel ist, dass Personalisierung zwar abschaltbar, aber nicht immer kontrollierbar ist. Zwar lässt sich festlegen, auf welche Dienste die KI zugreifen darf. Auch kann man Antworten nachträglich „entpersonalisieren“. Doch das geschieht erst, nachdem die Information bereits verarbeitet wurde. Ein Zurück in den Zustand davor gibt es nicht.

    Google betont die Freiwilligkeit. Personal Intelligence ist standardmäßig deaktiviert. Doch wer die Funktion ignoriert, wird freundlich, aber beharrlich daran erinnert. Ein kleiner Schubs hier, ein Hinweis dort. Es ist kein Zwang, eher ein ständiges Klopfen an der Tür.

    Was also tun?

    Die klügste Haltung liegt vermutlich zwischen Euphorie und Verweigerung. Wer Gemini ohnehin nutzt, sollte Personal Intelligence ausprobieren, bewusst, zeitlich begrenzt, mit wachem Blick. Ein Testlauf, kein Dauerabo. Ein Spielraum, kein Selbstläufer.

    Dabei lohnt sich ein ehrlicher Blick ins eigene digitale Archiv. Welche Informationen liegen im Postfach? Was schlummert in der Fotomediathek? Was davon dürfte eine Maschine sehen, was lieber nicht? Diese Fragen stellen sich nicht abstrakt, sondern ganz konkret.

    Denn eines ist sicher: Die Entwicklung schreitet schneller voran als unser Bauchgefühl. Entscheidungen, die heute harmlos wirken, können morgen neue Bedeutungen erhalten. Wer jetzt experimentiert, sollte bereit sein, später neu zu entscheiden.

    Oder, um es salopp zu sagen: Man kann die Tür einen Spalt öffnen. Aber den Schlüssel sollte man besser in der eigenen Tasche behalten.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kampf des ökonomischen Drucks: Wie Europa auf Trumps Drohungen mit dem Anti-Koerzitionsinstrument reagieren kann

    Kampf des ökonomischen Drucks: Wie Europa auf Trumps Drohungen mit dem Anti-Koerzitionsinstrument reagieren kann

    Die jüngste Eskalation zwischen der Europäischen Union und den USA nimmt absurde Züge an. Donald Trump, der die internationale Bühne zunehmend als Plattform für Provokationen nutzt, hat erneut und mit aller Kraft die alte Idee einer US-Annexion Grönlands ins Spiel gebracht. Was einst als diplomatischer Fauxpas belächelt wurde, erhält in der gegenwärtigen geopolitischen Gemengelage eine neue Brisanz. Die EU sieht sich gezwungen, auf ökonomische Drohgebärden Washingtons mit einem ihrer schärfsten handelspolitischen Instrumente zu reagieren: dem sogenannten Anti-Koerzitionsinstrument.

    Handelskrieg als politisches Druckmittel

    Hinter Trumps martialischer Rhetorik steckt ein erprobtes Muster: die gezielte Instrumentalisierung wirtschaftlicher Abhängigkeiten zur Durchsetzung politischer Interessen. Bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit nutzte er Strafzölle, Sanktionsdrohungen und bilaterale Erpressung als Mittel einer transaktionalen Außenpolitik. Dass er nun erneut mit Sonderzöllen gegen europäische Produkte droht, zeigt, dass sich an dieser Grundhaltung wenig geändert hat – im Gegenteil: Die Zurückhaltung Chinas, der krisenhafte Zustand der WTO und die Zersplitterung multilateraler Foren begünstigen eine Rückkehr zur Politik der Machtprojektion mit wirtschaftlichen Mitteln.

    Grönland fungiert dabei weniger als konkretes Ziel denn als geopolitischer Hebel. Die rohstoffreiche Insel ist von strategischem Interesse für die USA – nicht zuletzt wegen ihrer Lage im arktischen Raum und der Nähe zu russischen Einflusszonen. Trumps rhetorische Angriffe auf Dänemark, die Schutzmacht Grönlands, ist daher nicht bloß skurrile Randnotiz, sondern Teil eines größeren Spiels um Einfluss und Ressourcen in der Arktis.

    Europas Antwort: Die „Handelsbazooka“

    Mit dem Anti-Koerzitionsinstrument verfügt die Europäische Union seit Ende 2023 über ein scharfes juristisches Instrument, das es ihr erlaubt, auf ökonomischen Druck mit gezielten Gegenmaßnahmen zu reagieren. Das Instrument ist so gestaltet, dass es nicht nur reagiert, sondern vor allem präventiv wirken soll – durch die Drohung mit Sanktionen auf Marktzugang, Zöllen, Investitionsstopps oder dem Ausschluss aus öffentlichen Ausschreibungen.

    Entscheidend ist dabei das Verfahren: Die Europäische Kommission kann den Mechanismus einleiten, benötigt für dessen Umsetzung jedoch eine qualifizierte Mehrheit unter den Mitgliedstaaten – mindestens 55 % der Staaten, die zugleich 65 % der EU-Bevölkerung repräsentieren. Dies macht das Instrument politisch durchsetzbar, aber auch anfällig für interne Differenzen.

    Uneinigkeit in der EU

    Während Frankreich unter Wirtschaftsminister Roland Lescure offen für eine Anwendung des Instruments plädiert und eine robustere Verteidigung europäischer Interessen fordert, mahnen andere Länder wie Deutschland und Italien zur Deeskalation. Diese Differenzen zeigen einmal mehr die Schwierigkeit einer kohärenten Außenwirtschaftspolitik im europäischen Kontext – insbesondere dann, wenn wirtschaftliche Interessen divergieren.

    Denn eine offensive Nutzung des Anti-Koerzitionsinstruments birgt Risiken: Sanktionen gegen US-Unternehmen wie Visa, Mastercard, Netflix oder Google würden zweifellos Wirkung zeigen – aber auch auf Seiten der europäischen Verbraucher empfindliche Konsequenzen nach sich ziehen. Der transatlantische Markt ist tief verflochten; jede Maßnahme könnte Gegenreaktionen provozieren, die europäische Unternehmen hart treffen würden. Die Instrumente sind stark – doch sie sind auch doppelschneidig.

    Wirtschaftlicher Selbstbehauptungswille

    Trotz aller Vorsicht steht hinter der Debatte um das Anti-Koerzitionsinstrument ein tiefer liegendes Selbstverständniswandel Europas. Die Vorstellung, ein geopolitisch handlungsfähiger Akteur zu sein, gewinnt in Brüssel wie in mehreren Hauptstädten an Bedeutung. Die COVID-19-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Spannungen mit China – all dies hat verdeutlicht, wie verletzlich offene Märkte in geopolitischen Auseinandersetzungen sind.

    Europa versucht, aus der reaktiven in eine strategische Position zu kommen. Das Anti-Koerzitionsinstrument ist Ausdruck dieses Wandels: Es zielt nicht nur auf kurzfristige Abschreckung, sondern auch auf langfristige Resilienz gegenüber ökonomischer Erpressung. Dass es nun erstmals im Kontext der USA zur Debatte steht, zeigt, wie ernst der geopolitische Systemwettbewerb geworden ist – auch unter vermeintlichen Partnern.

    Die Drohung mit der „Handelsbazooka“ ist dabei weniger als Einladung zur Eskalation zu verstehen, sondern als Botschaft der Abschreckung: Europa ist nicht länger bereit, wirtschaftliche Abhängigkeit mit politischer Erpressbarkeit zu bezahlen. Doch wie glaubwürdig diese neue europäische Stärke tatsächlich ist, wird sich erst zeigen, wenn der politische Wille zur Anwendung der Instrumente mit der wirtschaftlichen Realität konfrontiert wird.

    Autor: P. Tiko

  • Steuerstreit mit Washington: Wie Paris beim Thema GAFAM einknickte

    Steuerstreit mit Washington: Wie Paris beim Thema GAFAM einknickte

    Ende 2025 schien es, als würde Frankreich eine fiskalische Offensive gegen die großen US-Digitalkonzerne starten. Ein parteiübergreifender Vorschlag im Parlament sah vor, die sogenannte GAFAM-Steuer – benannt nach Google, Apple, Facebook (Meta), Amazon und Microsoft – von bislang 3 % auf 15 % zu erhöhen. Doch der Plan wurde nach massiver Intervention aus den USA zurückgezogen. Eine Recherche zeigt nun im Detail, wie Washington mit politischem Druck und wirtschaftlicher Drohkulisse eine Entscheidung des französischen Gesetzgebers ausbremste.

    Die Steuer auf digitale Dienstleistungen wurde in Frankreich 2019 eingeführt, um besonders profitable und unterbesteuerte Internetgiganten stärker an den öffentlichen Haushalten zu beteiligen. Erfasst werden unter anderem Werbeeinnahmen, der Verkauf personenbezogener Daten sowie die Nutzung digitaler Plattformen. Das französische Finanzministerium schätzt die Steuererträge bislang auf mehrere Hundert Millionen Euro jährlich – angesichts der Marktdominanz der betroffenen Unternehmen bleibt der Betrag jedoch bescheiden. Ziel der geplanten Erhöhung war es, mehr fiskalische Gerechtigkeit herzustellen und die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben.

    Alarm in Washington

    Kaum war der Vorschlag zur Steuererhöhung öffentlich, reagierte Washington ungewöhnlich scharf. Der Ausschuss für Wege und Mittel des US-Repräsentantenhauses – zuständig für Handels- und Steuerpolitik – veröffentlichte ein deutlich formuliertes Kommuniqué. Darin hieß es, die geplante Erhöhung sei eine „unfaire Attacke auf amerikanische Unternehmen“ und werde nicht unbeantwortet bleiben. Die Androhung konkreter wirtschaftlicher Vergeltungsmaßnahmen, insbesondere im Agrar- und Genussmittelsektor, ließ keinen Zweifel an der Entschlossenheit der US-Seite.

    Parallel dazu wurde eine offizielle Kongressnote an Präsident Donald Trump verfasst. Die Unterzeichner forderten ihn auf, im Rahmen der Handelsgesetzgebung – konkret durch Aktivierung der berüchtigten „Section 301“ – unilaterale Sanktionen gegen Frankreich zu prüfen. Diese Klausel erlaubt es den USA, bei als diskriminierend empfundenen Handelspraktiken mit Zöllen und anderen Maßnahmen zu reagieren, ohne vorherige internationale Konsultationen.

    Die französische Reaktion: Rückzug im Schatten der Drohung

    Noch am Tag nach der amerikanischen Erklärung warnte der französische Wirtschaftsminister Roland Lescure im Parlament eindringlich vor einem „Spiel mit dem Feuer“. In seiner Rede appellierte er an die Abgeordneten, realpolitisch zu denken: Mut sei gut, sagte er, aber ein Frontalzusammenstoß mit den USA wäre riskant und wirtschaftlich kontraproduktiv. Seine Äußerungen stießen auf heftigen Widerspruch, doch sie zeigten Wirkung. Der federführende Abgeordnete zog seinen Antrag auf eine Steuererhöhung auf 15 % zurück und schlug stattdessen eine moderate Anhebung auf 6 % vor, die vom Parlament auch angenommen wurde.

    Diese vermeintliche Kompromisslösung genügte Washington jedoch nicht. Einen Monat später erhielten die französischen Behörden ein weiteres Schreiben aus dem US-Kongress, das erneut vor „inakzeptablen einseitigen Maßnahmen“ warnte und Trump zu energischem Handeln aufforderte. Besonders brisant: Diese diplomatische Botschaft gelangte offenbar über informelle Kanäle an französische Wirtschaftsverbände – insbesondere an die Lobby der Wein- und Spirituosenindustrie, die in früheren Handelsstreitigkeiten bereits Ziel amerikanischer Zölle war.

    Lobbyismus im Inneren: Der Flaschenhals des Widerstands

    Die Verbände der französischen Genussmittelindustrie – darunter die mächtige Champagnerbranche – nutzten das Schreiben aus Washington, um gezielt Druck auf Parlamentarier auszuüben. In Briefen an ausgewählte Abgeordnete warnten sie eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen einer Eskalation mit den USA. Sollte die Steuer weiter erhöht werden, drohten neue Importzölle auf französische Spitzenprodukte, mit verheerenden Folgen für Absatzmärkte, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung.

    Diese indirekte Einflussnahme über wirtschaftliche Interessen zeigte Wirkung. Bei der zweiten Lesung des Haushaltsgesetzes verzichteten auch andere Oppositionsparteien darauf, neue Änderungsanträge zur Erhöhung der GAFAM-Steuer einzubringen. Der ursprüngliche Plan einer signifikanten Besteuerung der Digitalkonzerne war damit endgültig vom Tisch.

    Einige Abgeordnete äußerten im Nachhinein offen ihre Enttäuschung. Der Rückzug sei nicht sachlich begründet, sondern ein Akt politischer Erpressung. Der Staat habe seine fiskalische Souveränität dem Druck eines Drittstaates geopfert – mit langfristigen Folgen für die Glaubwürdigkeit der französischen Steuerpolitik. Andere, wie der Berichterstatter des Haushaltsausschusses, verteidigten den Schritt mit Blick auf die fragile Weltlage und die wirtschaftliche Verwundbarkeit bestimmter Branchen. Frankreich müsse realistisch bleiben, zumal die Reaktionen des US-Präsidenten schwer kalkulierbar seien.

    Alter Konflikt, neue Dynamik

    Es ist nicht das erste Mal, dass die GAFAM-Steuer zum transatlantischen Zankapfel wird. Bereits 2019 hatten die Vereinigten Staaten eine Untersuchung auf Basis von Section 301 eingeleitet, als Frankreich die Steuer einführte. Damals hielt Paris dem Druck stand – auch, weil die Administration in Washington die Drohkulisse letztlich nicht in konkrete Maßnahmen umsetzte. Dass Frankreich sich diesmal schneller geschlagen gab, deutet auf eine veränderte politische Konstellation hin: eine konfliktreiche geopolitische Lage, ein aggressiv auftretender US-Präsident und eine französische Regierung, die innenpolitisch unter Reformdruck steht.

    Die Episode wirft grundlegende Fragen auf: Wie souverän ist nationale Steuerpolitik im Zeitalter globalisierter Konzerne und asymmetrischer Handelsbeziehungen? Welche Handlungsspielräume haben einzelne Staaten wie Frankreich gegenüber Wirtschaftsmächten wie den USA? Und inwieweit lassen sich demokratisch legitimierte Beschlüsse gegen ökonomischen Gegendruck behaupten?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Wenn sogar Google verwundbar ist: Was der ShinyHunters-Hack über die neue Realität der Cybersicherheit verrät

    Wenn sogar Google verwundbar ist: Was der ShinyHunters-Hack über die neue Realität der Cybersicherheit verrät

    Im Juni 2025 wurde Google Ziel eines koordinierten Hackerangriffs – verübt von einer Gruppe, die sich selbst zu den ShinyHunters zählt. Obwohl die entwendeten Daten laut Google primär öffentlich zugängliche Geschäftsinformationen umfassten, stellt der Vorfall eine Zäsur dar: Selbst eines der mächtigsten Technologieunternehmen der Welt ist nicht immun gegen die wachsende Professionalisierung der Cyberkriminalität. Die betroffenen Daten stammen aus einer externen Salesforce-Instanz, wie der Konzern am 5. August öffentlich machte. Zuvor hatte Google selbst vor Angriffen gewarnt, die auf ebendiese Software abzielten. Der Fall wirft grundlegende Fragen zur Resilienz digitaler Infrastrukturen auf – und zum politischen Umgang mit einer Bedrohung, die nicht an Landesgrenzen Halt macht. Ein Klassiker im neuen Gewand: Die Methode „Vishing“ Laut Google Threat Intelligence erfolgte der Angriff mittels sogenanntem „Vishing“ – einer Kombination aus Voice und Phishing. Dabei geben sich die Angreifer …

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Frankreich wird zur digitalen Drehscheibe – Wie Google das Land zum Hotspot für Rechenzentren macht

    Frankreich wird zur digitalen Drehscheibe – Wie Google das Land zum Hotspot für Rechenzentren macht

    Frankreich mausert sich zum neuen Silicon-Valley-Knotenpunkt Europas – nicht für Start-ups, sondern für die gewaltigen Rechenzentren der Tech-Giganten. Und Google ist ganz vorn mit dabei. Seit einigen Jahren wächst das digitale Rückgrat Frankreichs im Eiltempo: Clouds, Datenfarmen, Serverparks – alles unter Strom, alles lokal, alles strategisch. Warum gerade Frankreich? Cloud mit Eiffelturm-Flair Im Juni 2022 hat Google seine erste „Cloud-Region“ in Frankreich eröffnet – direkt in Paris. Das klingt erst mal abstrakt, meint aber: lokale Infrastruktur für Cloud-Dienste, die Unternehmen in Frankreich nutzen können, ohne dass ihre Daten durchs halbe Internet wandern. Diese Nähe ist kein Zufall. Denn in Europa gelten strenge Datenschutzregeln, Stichwort: DSGVO. Unternehmen brauchen Lösungen, bei denen Daten im Land bleiben. Google reagiert – und investiert. Und Paris war nur der Anfang. Demnächst könnten 195 Hektar französischen Bodens zum Herz eines neuen Google-Campus für Rechenzentren we…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Die Welt nimmt Abschied von Papst Franziskus – und weitere World-News

    Die Welt nimmt Abschied von Papst Franziskus – und weitere World-News

    Gestern versammelten sich trauernde Gläubige, manche mit Tränen in den Augen, auf dem Petersplatz, nachdem der Vatikan den Tod von Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren bekannt gegeben hatte. Nun steht die Führung der römisch-katholischen Kirche vor einer wegweisenden Entscheidung: Wird der nächste Papst den weltoffenen und globalen Kurs von Franziskus fortsetzen oder den strengeren, lehramtlichen Weg seiner Vorgänger einschlagen?

    Weltweit würdigten Staats- und Regierungschefs das Wirken von Franziskus. José Ramos-Horta, Präsident von Osttimor, nannte den Tod des Papstes den „größten Verlust für die Menschheit in einer Zeit, in der es an kluger und mitfühlender Führung fehlt“.

    Ein Bericht über die letzten Tage von Franziskus sowie ein vollständiger Nachruf beleuchten sein Leben und Wirken.

    Laut eines Berichts des Vatikans waren ein Schlaganfall, gefolgt von einem Koma und einem „irreversiblen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch“ die Todesursachen. Bis zum Tag vor seinem Tod hielt Franziskus trotz ärztlicher Anordnung zur Ruhe einen vollen Terminkalender ein – ein Mann, der bis zuletzt seinen Aufgaben nachging.

    Das Datum der Beisetzung wurde noch nicht bekannt gegeben. Der Vatikan teilte jedoch mit, dass eine öffentliche Aufbahrung möglicherweise schon morgen beginnen könnte.

    Wie geht es weiter?

    Kaum war die Nachricht vom Tod des Papstes verkündet, machten sich Kardinäle aus aller Welt auf den Weg nach Rom, um seine Beisetzung zu organisieren und die Wahl seines Nachfolgers vorzubereiten. Bereits heute wird das erste Treffen im Synodensaal erwartet – und die Frage steht im Raum: Wer könnte der nächste Pontifex werden?


    Indien empfängt JD Vance mit offenen Armen

    Der US-Vizepräsident JD Vance startete gestern einen viertägigen Besuch in Indien und traf Premierminister Narendra Modi – genau zu einer Zeit, in der Indien hofft, hohen US-Zöllen zu entgehen.

    Für viele indische Regierungsvertreter und Analysten ist Vances Besuch ein positives Zeichen dafür, dass die USA an einem Handelsabkommen festhalten wollen. Noch vor wenigen Wochen standen indische Exporte vor Zöllen von bis zu 27 Prozent, bevor Präsident Trump die wechselseitigen Strafzölle vorerst aussetzte.

    Ein kleines, aber brisantes Detail am Rande: Peking warnte, dass Länder, die ihren Handel mit China einschränken, um sich die Gunst der USA zu sichern, mit Vergeltungsmaßnahmen rechnen müssten.


    Israels Sicherheitschef erhebt schwere Vorwürfe gegen Netanyahu

    Ronen Bar, Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes, beschuldigte Premierminister Benjamin Netanyahu in einer eidesstattlichen Erklärung, ihn mehrfach gedrängt zu haben, gegen israelische Bürger zu spionieren, die regierungskritische Proteste organisiert oder finanziert haben. Zudem habe Netanyahu persönliche Loyalität über die Urteile des Obersten Gerichtshofs gestellt – für den Fall einer Verfassungskrise.

    Ein brisanter Vorwurf mit potenziell weitreichenden Konsequenzen.


    Weitere Top-Nachrichten weltweit

    Syrien: Die antike Stadt Palmyra hat 2.000 Jahre überdauert – und sieht nach 13 Jahren Bürgerkrieg erschütternd verändert aus.

    Technologie: Das US-Justizministerium argumentierte vor Gericht, dass die Zerschlagung von Google der beste Weg sei, um das Monopol des Unternehmens auf Internetsuchen zu brechen.

    Jemen: Ein US-Luftangriff traf ein dicht besiedeltes Viertel in der Hauptstadt Sanaa – zwölf Menschen starben, 30 wurden verletzt.

    USA: Donald Trump bezeichnete die Aufregung über Verteidigungsminister Pete Hegseths Entscheidung, militärische Pläne in einem zweiten Signal-Chat zu teilen, als „Zeitverschwendung“.

    Kanada: Seit Meta Nachrichtenorganisationen kurz vor den Wahlen auf Facebook blockierte, füllen hyperparteiische und irreführende Seiten das entstandene Informationsvakuum.

    Thailand: Die Behörden verhafteten einen chinesischen Funktionär im Zusammenhang mit dem Bau des einzigen Gebäudes, das beim Erdbeben letzten Monat in Bangkok einstürzte.

    Südkorea: In Seoul fahndet die Polizei nach einem Mann, der offenbar ein Wohnhaus in Brand gesetzt hat – ein Mensch starb.

    Korruption: Die Ehefrau des ehemaligen US-Senators Robert Menendez wurde wegen ihrer Beteiligung an einem Bestechungsskandal verurteilt – es geht um Gold, Bargeld und ein Mercedes-Benz.

    Technologie: CATL, der weltgrößte Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge, kündigte technologische Durchbrüche an, die E-Autos wettbewerbsfähiger machen sollen.

    Luftfahrt: Ein Video zeigte Passagiere, die über Notrutschen aus einem Delta-Flugzeug evakuiert wurden, nachdem es auf dem Rollfeld des Flughafens Orlando in Brand geraten war.

    Von Andreas M. B.

  • Trump verspricht ein Handelsabkommen mit der EU – und andere World-News

    Trump verspricht ein Handelsabkommen mit der EU – und andere World-News

    Am Donnerstag traf Donald Trump im Weißen Haus eine europäische Regierungschefin, für die er ungewöhnlich warme Worte fand: Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Beim Empfang erklärte Trump, es werde „zu 100 Prozent ein Handelsabkommen mit der EU geben“, noch bevor die 90-tägige Aussetzung einiger Zölle auslaufe.

    Meloni stellte zwar klar, dass sie kein Mandat habe, im Namen der EU zu verhandeln. Dennoch sieht die Trump-Regierung in der konservativen Politikerin eine mögliche Vermittlerin mit Europa. Die Europäische Zentralbank senkte unterdessen die Zinsen – ein Schritt, der angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten, auch als Folge von Trumps erratischer Handelspolitik, erwartet worden war.

    Auch mit Blick auf China äußerte sich Trump optimistisch: „Wir werden ein sehr gutes Abkommen mit China machen“, erklärte er. China ist derzeit mit US-Zöllen in Höhe von 145 Prozent konfrontiert. Konkrete Fortschritte in den Verhandlungen sind bislang jedoch kaum erkennbar. Auch japanische Regierungsvertreter reisten am Mittwoch ohne Abkommen aus Washington ab. Trump meinte jedoch, man sei „auf einem guten Weg“.


    US-Gericht: Google hat illegal seine Monopolstellung im Werbemarkt ausgebaut

    Ein US-Bundesrichter entschied am Donnerstag, dass Google Gesetze verletzt hat, um seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der Onlinewerbung zu sichern. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für den Technologiekonzern und dessen Einfluss auf das Internet haben.

    Das Justizministerium hatte Google im vergangenen September verklagt. Es warf dem Unternehmen vor, ein Monopol auf drei zentralen Ebenen des digitalen Werbemarktes aufgebaut zu haben: bei den Werkzeugen für Publisher, um Werbeflächen anzubieten; bei den Tools, mit denen Werbekunden diese Flächen kaufen; und bei der Software, die die Transaktionen zwischen beiden Seiten ermöglicht.

    Der Richter befand, dass Google seine Marktstellung bei den Publisher-Tools und dem Transaktionssystem illegal aufgebaut habe. Den Vorwurf in Bezug auf die Werbekunden-Tools wies das Gericht jedoch zurück.

    Google und das Justizministerium haben nun sieben Tage Zeit, einen Zeitplan für die nächste Phase des Verfahrens vorzulegen. Die Regierung hat bereits angekündigt, dass sie möglicherweise eine Zerschlagung von Googles Werbetechnologiesparte fordern werde.

    Unabhängig davon hatte ein anderer Richter im August entschieden, dass Google auch im Bereich der Internetsuche ein illegales Monopol halte. Hier plant das Justizministerium ebenfalls eine Aufspaltung des Konzerns. Eine erste Anhörung dazu beginnt am kommenden Montag.


    USA beginnen Truppenabzug aus dem Nordosten Syriens

    Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember haben die Vereinigten Staaten mit dem Rückzug ihrer Truppen aus dem Nordosten Syriens begonnen. Drei der acht kleinen US-Stützpunkte in der Region wurden bereits geschlossen, wie US-Behörden mitteilten. Die Truppenstärke sei von rund 2.000 auf etwa 1.400 Soldaten reduziert worden.

    Beobachter warnen, dass ein weiterer Abzug die Stabilität der neu eingesetzten syrischen Regierung gefährden könnte. Besonders im Nordosten sei der sogenannte Islamische Staat weiterhin eine reale Bedrohung.


    Weitere Schlagzeilen

    • Gaza: Israel bombardierte ein Lager für kriegsvertriebene Palästinenser im Süden des Gazastreifens. Nach palästinensischen Angaben kamen dabei mindestens ein Dutzend Menschen ums Leben.
    • USA: Bei einer Schießerei auf dem Campus der Florida State University in Tallahassee wurden mindestens zwei Menschen getötet. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen.
    • Italien: Eine Seilbahn stürzte südlich von Neapel ab und zerschellte. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben.
    • Gesundheit: Das Pharmaunternehmen Eli Lilly veröffentlichte Studienergebnisse, wonach eine tägliche Tablette ähnlich wirksam beim Gewichtsverlust sein könnte wie injizierbare Medikamente wie Ozempic.
    • Frankreich: Präsident Emmanuel Macron forderte eine Kommission, die die Folgen einer Schuldenlast Haitis von vor 200 Jahren untersuchen soll.
    • Ukraine: Ein Geschichtslehrer erreicht mit Videos, in denen er Kreml-Propaganda entkräftet, ein Millionenpublikum im Netz.
    • Australien: Eine Modedesignerin namens Katie Perry verklagt die Sängerin Katy Perry wegen Markenrechtsverletzung.
    • Niederlande: Angesichts steigender Zahlen von Verkehrstoten unter Radfahrern wirbt eine neue Kampagne für das Tragen von Helmen – doch viele bleiben skeptisch.
    • Mode: Jonathan Anderson, früher bei Loewe (LVMH), wird neuer künstlerischer Leiter für die Herrenmode bei Dior.
    • Tiere: In Kenia bekannten sich vier Männer schuldig, Tausende lebende Ameisen illegal gehandelt zu haben. Sie wollten sie als Haustiere verkaufen.

    Autor: MAB

  • Google rüstet auf: Mit Wiz in eine neue Ära der Cybersicherheit

    Google rüstet auf: Mit Wiz in eine neue Ära der Cybersicherheit

    32 Milliarden Dollar – so viel ist Google-Mutter Alphabet die Zukunft wert. In einem bislang beispiellosen Deal schluckt der Tech-Riese das junge, aber hochangesehene Cybersicherheitsunternehmen Wiz. Damit setzt Alphabet nicht nur ein klares Zeichen in Richtung Wettbewerber wie Microsoft und Amazon – es geht auch um nichts Geringeres als das Sicherheitsversprechen der digitalen Welt.

    Wiz: Vom Newcomer zum Big Player

    Wiz wurde 2020 gegründet – ein Jahr, das viele eher mit globaler Unsicherheit verbinden. Für das israelische Start-up jedoch war es der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs. Die Gründer, einst Teil des von Microsoft übernommenen Sicherheitsunternehmens Adallom, brachten Erfahrung, Vision und eine ordentliche Portion Ehrgeiz mit.

    Innerhalb kürzester Zeit konnte sich Wiz als feste Größe im Cloud-Sicherheitsmarkt etablieren. Und das nicht irgendwo – Kunden wie BMW, Morgan Stanley oder der Luxuskonzern LVMH zeugen von einem Ruf, den sich viele in Jahrzehnten nicht erarbeiten.

    Ein zweiter Anlauf mit mehr Biss

    Schon 2023 versuchte Google, sich Wiz zu schnappen – damals für 23 Milliarden US-Dollar. Doch die Sorge um kartellrechtliche Stolpersteine ließ den Deal platzen. Jetzt, mit satten 9 Milliarden mehr auf dem Tisch, war der Weg frei. Manchmal muss man eben zweimal anklopfen, bevor sich die Tür öffnet.

    Cloud first, Security always

    Warum diese Summe? Warum jetzt?

    Die Antwort liegt in der strategischen Ausrichtung von Alphabet. Die Cloud-Sparte von Google wächst, doch sie hinkt den Platzhirschen AWS und Azure noch hinterher. Wer dort aufholen will, braucht ein starkes Argument – und das ist heute mehr denn je: Sicherheit.

    Cyberattacken, Datenlecks, KI-Risiken – Unternehmen stehen unter Druck, ihre digitalen Vermögenswerte zu schützen. Wiz bringt das nötige Know-how mit, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren – direkt in der Cloud-Umgebung.

    Sundar Pichai, CEO von Alphabet, bringt es auf den Punkt: „Sicherheit ist eine fundamentale Priorität… die Landschaft verändert sich.“ Recht hat er – und mit Wiz will Google ganz vorne mitmischen, wenn es um die Sicherheit von morgen geht.

    Große Chancen – und einige Stolpersteine

    Doch so vielversprechend die Übernahme klingt, so anspruchsvoll ist auch die Umsetzung. Wiz ist ein agiles, schnell wachsendes Start-up mit einer ganz eigenen Kultur. Google, obwohl für Innovation bekannt, ist eben doch ein Riese mit gewachsenen Strukturen.

    Die große Herausforderung? Die Eigenständigkeit und Dynamik von Wiz zu bewahren, ohne die Synergieeffekte zu verschenken.

    Hinzu kommt die Beobachtung durch die Kartellbehörden. Auch wenn der Deal im zweiten Anlauf durchgewunken wurde – bei Summen in dieser Größenordnung wird genau hingeschaut.

    Ein Signal an die Konkurrenz

    Was bedeutet das alles für den Markt? Klar ist: Google will nicht mehr nur mitspielen, sondern mitgestalten. Die Integration von Wiz könnte sich als echter Gamechanger erweisen, vor allem für Unternehmen, die nach umfassenden Sicherheitslösungen aus einer Hand suchen.

    Und während AWS und Azure mit etablierten Sicherheitsangeboten punkten, bringt Google jetzt frischen Wind in die Szene – mit Technologie, die auf Innovation statt Tradition setzt.

    Mehr als nur ein Zukauf

    Es geht hier nicht einfach um den Kauf eines Unternehmens. Es geht um ein Statement. Alphabet zeigt, dass Sicherheit nicht nur ein technisches, sondern ein strategisches Thema ist. Wer im Cloud-Geschäft erfolgreich sein will, muss Vertrauen schaffen – und genau das will Google mit Wiz.

    Wie gut das gelingt? Die Zeit wird’s zeigen. Doch eines ist sicher: Die Karten im Cloud-Sicherheitsmarkt wurden gerade neu gemischt.

    Catherine H.

  • US-Regulierer fordern Aufspaltung von Google: Verkauf von Chrome im Fokus

    US-Regulierer fordern Aufspaltung von Google: Verkauf von Chrome im Fokus

    Die US-Regierung macht Ernst: Google steht im Zentrum eines umfassenden Kartellverfahrens, das weitreichende Konsequenzen haben könnte. Die Kartellrechtsabteilung des Justizministeriums fordert in einem kürzlich eingereichten 23-seitigen Dokument die Zerschlagung von Google. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehört der Verkauf des Chrome-Browsers und Einschränkungen für das Android-Betriebssystem. Diese Schritte sollen den Suchmaschinenmarkt wieder wettbewerbsfähig machen.

    Warum Chrome im Visier steht

    Google Chrome, der weltweit meistgenutzte Webbrowser, ist laut den Regulierern ein „kritischer Zugangspunkt“ zum Internet. Der Verkauf von Chrome würde laut Justizministerium anderen Suchmaschinen ermöglichen, gleichberechtigt im Markt zu agieren. „Es geht darum, Googles Kontrolle über diesen zentralen Zugangspunkt zu beenden“, heißt es im Antrag. Der Browser wurde 2008 eingeführt und hat heute einen Marktanteil von über 60 % – ein entscheidender Vorteil für Google, um die eigene Suchmaschine zu dominieren.

    Einschränkungen für Android

    Die Regulierer verlangen zudem, dass Android keine Bevorzugung von Googles eigener Suchmaschine mehr erlauben darf. Dies könnte bedeuten, dass Hersteller von Android-Geräten alternative Standards festlegen oder andere Suchmaschinen als Standardoption integrieren können.

    Obwohl das Justizministerium Android nicht direkt zum Verkauf fordert, warnen die Behörden: Sollte Google weiterhin gegen Wettbewerbsgesetze verstoßen, könnte eine solche Forderung in Zukunft gestellt werden.

    Zusätzliche Maßnahmen: Transparenz und Datenfreigabe

    Zu den weiteren Strafen gehört ein Verbot von milliardenschweren Abkommen, durch die Google seine Suchmaschine als Standardoption auf Geräten wie iPhones absichert. Google gibt jährlich über 26 Milliarden Dollar aus, um diese Vorinstallationen zu gewährleisten. Die Behörde will solche Verträge künftig verbieten.

    Darüber hinaus soll Google verpflichtet werden, die von Nutzern gesammelten Suchdaten auch Rivalen zugänglich zu machen, um diesen eine bessere Marktposition zu ermöglichen. Auch die Preisgestaltung für Werbeanzeigen in den Suchergebnissen soll transparenter werden, um Wettbewerbern und Werbetreibenden mehr Fairness zu bieten.

    Googles Reaktion: „Radikaler Eingriff“

    Kent Walker, Chief Legal Officer von Google, kritisierte die Vorschläge scharf. In einem Blog-Beitrag bezeichnete er die Forderungen als „radikalen Eingriff“, der nicht nur Google, sondern auch Innovationen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) bedrohe. Google sieht sich als Vorreiter in der KI-Entwicklung und warnt, dass Einschränkungen bei der Nutzung von KI für Suchanfragen negative Auswirkungen auf Nutzer und Technologie haben könnten.

    Parallelen zu Microsoft: Ein Präzedenzfall

    Die vorgeschlagenen Maßnahmen erinnern an den Versuch, Microsoft in den 1990er-Jahren zu zerschlagen. Damals wurde Microsoft vorgeworfen, seine Marktstellung mit dem Windows-Betriebssystem ausgenutzt zu haben, um Konkurrenz im Browser-Markt zu unterdrücken. Zwar entschied ein Gericht zunächst auf eine Aufspaltung, doch ein Berufungsgericht hob die Entscheidung später auf. Dieser Fall wird voraussichtlich auch das Google-Verfahren beeinflussen.

    Rechtsexperten wie Shubha Ghosh von der Syracuse University sehen die vorgeschlagenen Maßnahmen als weitreichend, möglicherweise über das Ziel hinausgehend. „Die Strafe sollte dem Vergehen entsprechen, und das scheint hier etwas über das Ziel hinauszuschießen“, so Ghosh.

    Was bedeutet das für Google und den Markt?

    Sollte das Gericht die Empfehlungen umsetzen, müsste Google Chrome innerhalb von sechs Monaten verkaufen – ein massiver Einschnitt in das Geschäftsmodell des Unternehmens. Doch Google könnte in Berufung gehen, was den Prozess weiter in die Länge ziehen würde. Bereits jetzt dauert der Rechtsstreit über vier Jahre an.

    Die Maßnahmen könnten auch Signalwirkung für andere Tech-Giganten haben. Unternehmen wie Apple, Amazon und Meta beobachten das Verfahren genau, da ähnliche Kartellvorwürfe gegen sie erhoben wurden.

    Das politische Umfeld

    Ein Machtwechsel im Weißen Haus könnte die Richtung des Verfahrens beeinflussen. Unter der Biden-Administration hatte Jonathan Kanter, Chef der Kartellrechtsabteilung, eine harte Linie gegen Big Tech gefahren. Doch mit dem Amtsantritt von Donald Trump im kommenden Jahr könnte es zu einer Neuausrichtung kommen. Trump äußerte sich zuletzt skeptisch gegenüber einer Zerschlagung von Google und sprach von der Notwendigkeit, „fairere Bedingungen“ zu schaffen, ohne das Unternehmen zu zerstören.

    Ein Wendepunkt für Big Tech

    Die anstehenden Gerichtsverhandlungen, die im April beginnen sollen, könnten eine entscheidende Wende in der Regulierung von Technologiegiganten markieren. Sollten die Maßnahmen umgesetzt werden, würde dies nicht nur Google, sondern den gesamten Suchmaschinen- und Browser-Markt nachhaltig verändern. Die Frage bleibt: Ist eine Zerschlagung wirklich der richtige Weg, um fairen Wettbewerb herzustellen, oder schafft sie nur neue Probleme?

  • Google setzt auf Atomkraft: Ein Schritt Richtung nachhaltiger Cloud-Energieversorgung?

    Google setzt auf Atomkraft: Ein Schritt Richtung nachhaltiger Cloud-Energieversorgung?

    Der technologische Riese Google hat sich erneut als Vorreiter in der Energiewende positioniert – diesmal durch einen richtungsweisenden Schritt in die Atomkraft. Google plant, von dem amerikanischen Start-up Kairos Power Energie aus sogenannten Small Modular Reactors (SMR) zu beziehen. Diese kleinen, modularen Reaktoren gelten als eine vielversprechende Technologie der nächsten Generation in der Atomenergie. Sie sollen bis 2030 betriebsbereit sein und ab 2035 in großem Umfang Strom für Google liefern. Doch was bedeutet dieser Schritt für den globalen Energiemarkt und die Klimawende?

    Die Gründe für diesen strategischen Wechsel sind klar: Googles gigantische Cloud- und Datenverarbeitungszentren benötigen immense Mengen an Energie, um die explosionsartig wachsenden Datenmengen und KI-Anwendungen zu bewältigen. Insbesondere generative Künstliche Intelligenz erfordert riesige leistungsfähige Rechenzentren, die wiederum enorme Strommengen verschlingen. Die Kombination aus Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz hat die Energiebedarfe von Unternehmen wie Google, Microsoft und Amazon in die Höhe schnellen lassen. Diese Unternehmen sind nun auf der Suche nach stabilen, kohlenstoffarmen Energiequellen, um sowohl ihre Energieversorgung zu sichern als auch ihre ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen.

    Die SMR-Technologie, auf die Kairos Power setzt, bietet Google eine verlockende Lösung. Diese Reaktoren sind kleiner, flexibler und potenziell günstiger als herkömmliche Atomkraftwerke. Sie sollen in Serie hergestellt werden können, was ihre Kosten im Vergleich zu den gigantischen Anlagen der Vergangenheit deutlich senken könnte. Zudem sind SMRs in der Lage, kohlenstofffreie Energie konstant bereitzustellen – ein großer Vorteil gegenüber Solar- oder Windkraft, die von Wetterbedingungen abhängig sind. Google wird mit dem neuen Vertrag rund 500 Megawatt Energie von mehreren SMR-Anlagen erhalten, was etwa sechs bis sieben Reaktoren entspricht. Dies könnte Googles Energiehunger für seine fortschrittlichsten Anwendungen und die KI decken.

    Jedoch birgt dieser Plan auch Herausforderungen. Erstens sind SMRs noch eine weitgehend experimentelle Technologie. Bisher gibt es in den USA keinen vollständig in Betrieb befindlichen Reaktor dieser Art. Kairos hat zwar die Genehmigung für den Bau eines ersten Demonstrationsreaktors in Tennessee erhalten, doch es bleibt abzuwarten, ob diese Technologie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Der Weg zur Genehmigung und zum Bau solcher Anlagen ist in den USA bekanntlich langwierig, da strikte Sicherheits- und Umweltnormen eingehalten werden müssen.

    Ein weiteres großes Thema ist die öffentliche Wahrnehmung von Atomenergie. Obwohl SMRs als sicherer und effizienter gelten als herkömmliche Atomkraftwerke, bleibt Atomenergie in vielen Teilen der Welt umstritten. Fragen der Entsorgung radioaktiver Abfälle und das Risiko von Unfällen sind nach wie vor präsent in der öffentlichen Debatte. Allerdings argumentieren viele Experten, dass die globale Energiewende ohne Atomenergie schwer umsetzbar sein wird – insbesondere, wenn erneuerbare Energien wie Wind und Solar nicht schnell genug skaliert werden können, um den globalen Energiebedarf zu decken.

    Es stellt sich also die Frage: Ist dies der Beginn eines neuen Atomzeitalters – zumindest im Bereich der sauberen, modularen Reaktoren? Google folgt hier einem klaren Trend: Auch Microsoft und Amazon haben kürzlich ähnliche Verträge zur Nutzung von Atomenergie abgeschlossen. Microsoft etwa hat sich mit Constellation Energy zusammengetan, um den zweiten Reaktor der Three Mile Island-Anlage in Pennsylvania wieder in Betrieb zu nehmen. Der Bedarf an stabiler, kohlenstoffarmer Energie wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, und Atomkraft könnte, trotz ihrer kontroversen Geschichte, eine wichtige Rolle dabei spielen.

    Dieser Schritt von Google zeigt, dass der Technologieriese die Herausforderungen des Klimawandels nicht nur durch den Einsatz erneuerbarer Energien wie Solar und Wind angeht, sondern auch auf langfristige, kohlenstofffreie Optionen wie Atomkraft setzt. Die Zukunft der Energieversorgung – gerade für hochenergetische Industrien wie Cloud-Computing und KI – wird wahrscheinlich aus einem Mix verschiedener Technologien bestehen. SMRs könnten hier ein Schlüssel zur Lösung sein, insbesondere, wenn sie so flexibel und kosteneffizient sind, wie ihre Befürworter behaupten.

    Die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet: Werden diese innovativen Reaktoren tatsächlich die Hoffnungen erfüllen und eine neue Ära der sicheren, sauberen Atomenergie einleiten? Für Google und die gesamte Tech-Industrie steht viel auf dem Spiel. Sollte diese Wette aufgehen, könnte der SMR-Ansatz die Energieversorgung der Zukunft revolutionieren – und gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten.

    Quellen:

    • Connaissance des Énergies (2024)
    • Yahoo Finance (2024)
    • Investing.com (2024)