Schlagwort: Gletscherschmelze

  • Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Frankreichs Gletscher verschwinden – und jetzt muss sogar die Wanderkarte zum Therapeuten!

    Da muss man sich doch wirklich mal an den Kopf fassen! Früher ging man in die französischen Alpen, um Gletscher zu bestaunen. Heute braucht man offenbar einen Archäologen, um herauszufinden, wo die Dinger mal gelegen haben! Das Eis schmilzt, die Berge bröckeln, neue Seen entstehen – und beim französischen Geografieinstitut IGN sitzen die Kartografen und radieren sich die Finger wund. Willkommen im Klimawandel, meine Damen und Herren! Hier verschwindet die Landschaft schneller, als die Druckerei neue Wanderkarten ausspucken kann!

    Besonders hübsch ist ja diese Geschichte vom Glacier de la Blanche. Der heißt inzwischen offiziell „Ancien glacier de la Blanche“. EHEMALIGER GLETSCHER! Donnerwetter! Da fehlt eigentlich nur noch ein Schild: „Hier ruhte einst ein Gletscher. Er hinterlässt Geröll, Schmelzwasser und eine ziemlich beschissene Klimabilanz.“

    Bei rund 40 Gletschern musste das IGN bereits die Bezeichnungen ändern. Vierzig! Früher bekamen Straßen neue Namen, wenn irgendein Bürgermeister einen Anfall von Größenwahn hatte. Heute bekommen Gletscher neue Namen, weil sie schlichtweg den Abgang machen!

    Und dann entstehen auch noch neue Seen. In der Grande Sassière bei Tignes entdeckt jemand beim Biwakieren plötzlich ein Gewässer, das auf der Karte gar nicht existiert. Na, herzlichen Glückwunsch! Früher fand man beim Wandern vielleicht einen verlorenen Wanderstock. Heute entdeckt man gleich einen ganzen See! Demnächst steht auf französischen Wanderkarten vermutlich: „Geländeänderungen vorbehalten. Gletscher nur solange der Vorrat reicht.“

    Aber jetzt kommt der Teil, bei dem mir endgültig der Kragen platzt.

    Im Écrins-Massiv musste die Berghütte Refuge de la Pilatte schließen, weil der schwindende Gletscher dem Fels den Halt genommen hat. Die Hütte steht nicht mehr sicher, der Zugang ist gesperrt. Und da soll mir noch einer erzählen, der Klimawandel sei bloß ein bisschen wärmeres Badewetter!

    Die Alpengletscher haben seit 1900 ungefähr die Hälfte ihres Eisvolumens verloren. Der Ossoue-Gletscher büßte seit 1850 sogar 78 Prozent seiner Fläche ein. ACHTUNDSIEBZIG PROZENT! Wenn Ihr Bankkonto so zusammenschrumpfen würde, säßen Sie längst kreidebleich beim Finanzberater!

    Und was machen wir? Wir diskutieren munter weiter, ob der Klimawandel wirklich so schlimm ist. Währenddessen muss die Kartografie bereits hinter einer Realität herrennen, die schneller schmilzt als ein Eiswürfel auf dem Armaturenbrett.

    Besonders perfide: Die neuen Seen sehen vielleicht idyllisch aus, doch mit den Gletschern verschwindet ein gewaltiger natürlicher Wasserspeicher. Heute mehr Schmelzwasser, morgen weniger Reserven. Das ist keine wundersame Wasservermehrung, sondern ein Ausverkauf auf Kosten der Zukunft!

    Natürlich brauchen Wanderer aktuelle Karten, Wetterberichte und Informationen über gesperrte Wege. Aber mal ganz grundsätzlich: Wenn wir irgendwann sämtliche Gletscher nur noch auf historischen Karten bewundern, dann ist nicht die Kartografie gescheitert. Dann haben wir ein verdammt viel größeres Problem!

    Und das lässt sich nicht einfach mit einem neuen Ortsnamen wegradieren.

    Christine Macha

  • Was der Montblanc aus dem Eis zurückgibt

    Was der Montblanc aus dem Eis zurückgibt

    Zwei Flugzeugkatastrophen, 165 Tote und ein Gletscher, der die Vergangenheit nicht ruhen lässt. Am Montblanc tauchen Jahrzehnte nach den Abstürzen zweier Air India Maschinen immer neue Wrackteile auf. Zwischen Eis, Felsen und persönlichen Erinnerungsstücken suchen Männer wie Allan Tramontana nach den Spuren einer Tragödie, die bis heute nachwirkt.

    Ein Stück Metall liegt zwischen grauen Felsen und schmutzigem Gletschereis. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Vielleicht Schrott, den irgendein Bergsteiger verloren hat. Doch Allan Tramontana bleibt stehen, hebt das Fragment vorsichtig auf und betrachtet seine Form.

    „Das ist ein Stück vom Triebwerk“, vermutet er.

    Eine Identifikationsplakette fehlt. Gewissheit gibt es zunächst nicht. Aber der Fund könnte zu einer Boeing 707 gehören, die vor mehr als sechs Jahrzehnten am Montblanc zerschellte.

    Hier oben erzählt selbst ein rostiges Metallstück eine Geschichte.

    Zwei Katastrophen im ewigen Eis

    Der Montblanc gilt als Sehnsuchtsort der Alpinisten. Schneeweiße Gipfel, gewaltige Gletscher, eine Landschaft von beinahe unwirklicher Schönheit. Doch unter dieser majestätischen Kulisse schlummern Erinnerungen an zwei der schwersten Flugzeugunglücke der französischen Alpen.

    Am 3. November 1950 prallte die Malabar Princess, eine Lockheed Constellation der Air India, nahe dem Gipfel gegen den Berg. Alle 48 Menschen an Bord starben.

    Sechzehn Jahre später wiederholte sich die Tragödie.

    Am 24. Januar 1966 zerschellte die Kangchenjunga, eine Boeing 707 derselben Fluggesellschaft, nahezu an derselben Stelle. Diesmal verloren 117 Menschen ihr Leben. Unter ihnen befand sich der international bekannte indische Atomphysiker Homi Jehangir Bhabha.

    165 Menschen, zwei Flugzeuge, ein Berg.

    Wie viel menschliches Schicksal verbirgt sich unter einer einzigen Schneedecke?

    Die französischen Ermittler führten den zweiten Absturz vor allem auf eine falsche Einschätzung der Flugzeugposition zurück. Eine missverständliche Kommunikation mit der Flugkontrolle trug vermutlich dazu bei. Die Besatzung glaubte, den Gebirgskamm bereits überflogen zu haben, und begann den Sinkflug.

    Der Flugschreiber blieb verschollen.

    Ein Polizist auf den Spuren der Vergangenheit

    Allan Tramontana beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Unglücken. Der Kommunalpolizist und studierte Historiker entdeckte 2017 während einer sportlichen Tour erstmals Überreste am Gletscher.

    Seitdem lässt ihn die Geschichte nicht mehr los.

    Immer wieder steigt er zum Bossonsgletscher hinauf, untersucht Metallteile, sammelt Fundstücke und versucht, ihre Herkunft zu entschlüsseln.

    Dabei geht es längst nicht nur um Flugzeugtechnik.

    Zwischen den Trümmern tauchen Zeitungen, Banknoten, Sicherheitsgurte und Rettungswesten auf. Alltagsgegenstände, die plötzlich eine erschütternde Bedeutung erhalten.

    Eine Zeitung, die vielleicht jemand während des Fluges lesen wollte. Geldscheine für eine Reise, die niemals ihr Ziel erreichte.

    Kleine Dinge. Große Geschichten.

    Der Gletscher als unruhiges Archiv

    Der Bossonsgletscher bewegt sich langsam talwärts. Über Jahrzehnte transportiert das Eis eingeschlossene Gegenstände durch das Gebirge. Durch die Gletscherschmelze gelangen immer neue Überreste an die Oberfläche.

    Bereits 1975 tauchten Trümmer der Malabar Princess weit unterhalb der Absturzstelle auf. 2003 entdeckte man ein Rad der Boeing 707 an der Gletscherzunge.

    Besonders spektakulär geriet ein Fund im Jahr 2013: Ein Mann entdeckte zahlreiche Edelsteine, darunter Smaragde, die vermutlich aus der 1966 abgestürzten Maschine stammten.

    Ein Teil gelangte später an die Gemeinde Chamonix, die ihre Steine im Kristallmuseum präsentieren wollte.

    Doch die Suche birgt erhebliche Gefahren. Steinschlag, instabile Eisflächen und herabstürzende Eisblöcke machen jeden Ausflug zum Risiko.

    Und mal ehrlich: Kein Fundstück ist ein Menschenleben wert.

    Wenn Erinnerung wichtiger als Metall ist

    Am 1. September 2026 organisierten Naturschützer, Archäologen und örtliche Einrichtungen eine gemeinsame Bergungsaktion am Bossonsgletscher. Rund eine Tonne Trümmer kam dabei zusammen.

    Vier Archäologen dokumentierten die Fundstücke, bevor sie abtransportiert wurden.

    Die Aktion diente zugleich dem Schutz der empfindlichen Berglandschaft. Denn Flugzeugwracks gehören zur Geschichte, aber nicht dauerhaft in die Natur.

    Was bleibt von einem Menschen, wenn seine letzte Reise Jahrzehnte zurückliegt?

    In Chamonix steht darauf eine stille Antwort: Auf dem Friedhof erinnert ein Herz aus Flugzeugtrümmern an die Opfer.

    Aus zerstörtem Metall entstand ein Zeichen menschlicher Verbundenheit.

    Der Montblanc gibt seine Geheimnisse nur langsam preis. Mal ein Stück Triebwerk, mal eine Banknote, mal einen unscheinbaren Gegenstand, der einst jemandem gehörte.

    Und jedes Mal erinnert das schmelzende Eis daran, dass hinter den Zahlen einer Katastrophe Menschen stehen — mit Hoffnungen, Familien und Geschichten, die nicht einfach verschwinden.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • 2026 könnte zu den schlimmsten Jahren für Gletscher in der Geschichte zählen

    2026 könnte zu den schlimmsten Jahren für Gletscher in der Geschichte zählen

    Die Zeichen stehen auf Alarm. Fachleute schlagen angesichts der Entwicklung in den Alpen und den Pyrenäen ungewöhnlich deutliche Töne an. Nach den bisherigen Beobachtungen könnte das Jahr 2026 zu den verheerendsten Jahren gehören, die für die europäischen Gletscher jemals dokumentiert wurden. Besonders betroffen sind die französischen und Schweizer Alpen sowie die Pyrenäen, wo sich mehrere ungünstige Wetterbedingungen in kurzer Zeit überlagert haben.

    Schon der Winter verlief in vielen Gebirgsregionen deutlich schneearmer als gewöhnlich. Was zunächst wie eine gewöhnliche Wetterschwankung wirkte, entwickelte sich im Frühjahr zu einem ernsthaften Problem. Außergewöhnlich hohe Temperaturen sorgten dafür, dass die ohnehin dünne Schneedecke deutlich früher schmolz als üblich. Bereits im Mai und Juni folgten mehrere intensive Hitzewellen, während selbst in großen Höhen dauerhaft Temperaturen über dem Gefrierpunkt gemessen wurden.

    Für Gletscher ist genau diese Entwicklung besonders kritisch. Normalerweise schützt eine dicke Schneeschicht das Eis in den ersten Sommermonaten vor direkter Sonneneinstrahlung. Sie wirkt wie eine natürliche Isolierung und verlangsamt das Abschmelzen erheblich. Verschwindet diese Schneedecke jedoch Wochen früher als üblich, liegt das blanke Eis frei. Dunkleres Gletschereis absorbiert wesentlich mehr Sonnenenergie als frischer Schnee und beginnt dadurch deutlich schneller zu schmelzen.

    Glaziologen sprechen in diesem Zusammenhang von einem außergewöhnlich hohen Masseverlust. Gemeint ist die Menge an Eis, die ein Gletscher innerhalb eines Jahres verliert. Erste Berechnungen deuten darauf hin, dass die Verluste im Jahr 2026 ähnlich hoch oder sogar höher ausfallen könnten als im Rekordjahr 2022. Damals gingen in vielen Gebieten enorme Eismengen innerhalb weniger Monate verloren.

    Die Folgen reichen weit über das sichtbare Schrumpfen der Gletscher hinaus. In den Hochgebirgen verliert der Permafrost zunehmend seine stabilisierende Wirkung. Dieser dauerhaft gefrorene Untergrund hält Felswände zusammen wie ein natürlicher Mörtel. Schmilzt er, lockern sich Gesteinsmassen. Das Risiko für Felsstürze, Steinschläge und Hangabbrüche steigt dadurch erheblich. Wanderwege, Berghütten und alpine Verkehrswege geraten zunehmend in gefährdete Bereiche.

    Auch die Wasserversorgung verändert sich schleichend. Gletscher speichern über Jahrzehnte gewaltige Mengen Süßwasser und geben es während der warmen Sommermonate langsam an Flüsse und Bäche ab. Diese Funktion gleicht natürliche Schwankungen aus und sichert vielerorts die Wasserversorgung von Landwirtschaft, Industrie und Haushalten. Verschwinden die Gletscher, fließen zunächst größere Wassermengen ab. Langfristig nimmt dieser natürliche Wasserspeicher jedoch immer weiter ab, sodass Flüsse in trockenen Sommern deutlich weniger Wasser führen können.

    Spürbare Auswirkungen zeigen sich ebenfalls im Tourismus. Zahlreiche bekannte Hochtouren verändern sich von Jahr zu Jahr. Eisflächen werden kleiner, Gletscherspalten öffnen sich früher, und manche Routen gelten inzwischen als deutlich gefährlicher. Bergführer müssen ihre Touren regelmäßig anpassen oder ganz streichen. Für viele Regionen, die wirtschaftlich stark vom Alpinismus und vom Sommertourismus leben, entwickelt sich diese Veränderung zu einer wachsenden Herausforderung.

    Die Wissenschaft betrachtet diese Entwicklung längst nicht mehr als außergewöhnliche Einzelerscheinung. Vielmehr fügt sich das aktuelle Jahr in einen langfristigen Trend ein, der seit Jahrzehnten beobachtet wird. Die steigenden Durchschnittstemperaturen beschleunigen den Rückzug der Gletscher kontinuierlich. In den französischen Alpen sind innerhalb von nur 25 Jahren bereits rund 40 Prozent des gesamten Gletschervolumens verschwunden.

    Besonders kritisch erscheint die Zukunft kleinerer Gletscher unterhalb von etwa 3.500 Metern Höhe. Bleiben die weltweiten Treibhausgasemissionen auf einem hohen Niveau, könnten viele dieser Eisriesen bereits vor der Mitte des Jahrhunderts vollständig verschwunden sein. Damit ginge nicht nur ein prägendes Landschaftsbild verloren. Auch ein bedeutender Teil des natürlichen Wasserhaushalts und eines empfindlichen Hochgebirgsökosystems stünde vor tiefgreifenden Veränderungen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Mont Blanc im Wandel: Gletscherschmelze verändert den Alpinismus grundlegend

    Mont Blanc im Wandel: Gletscherschmelze verändert den Alpinismus grundlegend

    Der Tod zweier Bergsteiger am Mont Blanc hat eine alte Debatte mit neuer Dringlichkeit zurück auf die Tagesordnung gebracht. Nach einem Felssturz im berüchtigten Goûter-Korridor verloren zwei tschechische Alpinisten ihr Leben, als ihre Dreierseilschaft in der Nacht abstürzte. Der Unfall ereignete sich ausgerechnet zu einer Zeit, in der Fachleute seit Tagen vor außergewöhnlich hohen Temperaturen und einem deutlich erhöhten Steinschlagrisiko gewarnt hatten.

    Der Goûter-Korridor gilt seit Jahrzehnten als der gefährlichste Abschnitt der Normalroute auf den höchsten Berg der Alpen. Steinschläge gehören dort zum Alltag. Doch in diesem Sommer zeigt sich das Risiko früher und heftiger als gewohnt. Die Bedingungen Mitte Juli erinnern bereits an die Verhältnisse, die sonst erst gegen Ende des Sommers auftreten.

    Der Grund liegt tief im Berg verborgen.

    Das sogenannte Permafrost-Eis wirkt in hochalpinen Felswänden wie ein natürlicher Klebstoff. Solange der dauerhaft gefrorene Untergrund stabil bleibt, hält er Gesteinsblöcke zusammen. Schmilzt dieses Eis, verlieren die Felsen ihren Halt. Die Folge sind immer häufigere Felsabbrüche und Steinschläge – oft ohne jede Vorwarnung. Genau diese Entwicklung beobachten Glaziologen seit Jahren in den Alpen. Der Klimawandel verändert die Hochgebirge nicht schleichend, sondern zunehmend sichtbar.

    Die beiden tödlich verunglückten Bergsteiger befanden sich in einer Seilschaft mit einer dritten Person, als sich gegen halb drei Uhr morgens ein Steinschlag löste. Obwohl viele Alpinisten bewusst in den frühen Morgenstunden unterwegs sind, um den Gefahren der Tageswärme auszuweichen, reichen inzwischen selbst die kühlen Nachtstunden häufig nicht mehr aus. Bleiben die Temperaturen über viele Stunden hoch, verliert das Gestein auch nachts weiter an Stabilität.

    Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.

    Lange Zeit galten Frühjahr und Sommer als klassische Saison für eine Besteigung des Mont Blanc. Inzwischen verschieben sich diese Zeitfenster spürbar. Viele Bergführer passen ihre Touren bereits an und bevorzugen das Frühjahr oder den frühen Sommer, wenn Schnee und gefrorener Untergrund den Fels noch besser stabilisieren. Das reduziert zwar nicht jedes Risiko, verbessert die Bedingungen aber deutlich.

    Auf der italienischen Seite des Mont Blanc wurden einzelne Anstiege wegen der außergewöhnlichen Hitze bereits zeitweise ausgesetzt. In Frankreich gestaltet sich die Situation komplizierter. Der Gipfel bleibt grundsätzlich erreichbar, doch die Verantwortung für eine Tour liegt stärker denn je bei Bergführern und Alpinisten selbst. Wetterberichte allein reichen längst nicht mehr aus. Entscheidend ist die Entwicklung der Temperaturen über mehrere Tage hinweg und deren Einfluss auf Gletscher und Fels.

    Erfahrene Bergsteiger berichten schon seit Jahren, dass sich vertraute Routen verändern. Gletscher ziehen sich sichtbar zurück, Firnfelder verschwinden und Wege, die früher als vergleichsweise sicher galten, verlangen heute deutlich mehr Aufmerksamkeit. Mancher schaut auf eine Route, die er vor zehn Jahren problemlos begangen hat, und erkennt sie kaum wieder. Das ist schon ziemlich krass – und zugleich Realität in den Alpen.

    Die aktuellen Ereignisse zeigen deshalb mehr als einen tragischen Einzelfall. Sie stehen für einen grundlegenden Wandel im Hochgebirge. Objektive Gefahren verändern sich schneller als viele Gewohnheiten und Tourenpläne. Wer heute einen Viertausender besteigen möchte, muss nicht nur körperlich fit sein, sondern auch die neuen klimatischen Bedingungen sorgfältig einschätzen.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb längst nicht mehr, ob eine Besteigung des Mont Blanc grundsätzlich möglich ist. Vielmehr rückt der richtige Zeitpunkt in den Mittelpunkt. Mit jeder ungewöhnlich warmen Saison verkürzt sich das Zeitfenster, in dem eine Tour unter vertretbaren Sicherheitsbedingungen stattfinden kann. Der höchste Berg der Alpen bleibt ein faszinierendes Ziel – doch er verlangt heute mehr Respekt, mehr Flexibilität und vor allem ein neues Verständnis für eine Bergwelt, die sich schneller verändert als je zuvor.

    Von C. Hatty