Schlagwort: Gesellschaft

  • Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der Saal des Schwurgerichts von Avignon war im Herbst 2024 über Wochen hinweg ein Brennpunkt französischer Justizgeschichte. Ein Prozess, der Maßstäbe setzte – durch sein Ausmaß, seine Dauer und die moralische Wucht, die von ihm ausging. 51 Männer wurden schuldig gesprochen, Gisèle Pelicot zwischen 2011 und 2020 mehrfach vergewaltigt zu haben. Sie war von ihrem eigenen Ehemann, Dominique Pelicot, über Jahre hinweg mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend von Dutzenden Männern missbraucht worden.Das Urteil: 20 Jahre Haft für Dominique Pelicot – das Maximum. Er akzeptierte die Strafe, sein Schuldspruch ist rechtskräftig. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

    Eine einzige Berufung: das Verfahren von 2025 Von den 51 Verurteilten legten zunächst 17 Berufung ein. Nach und nach zogen jedoch fast alle ihre Anträge zurück – aus Angst vor einer möglichen Verschärfung der Strafen, denn auch die Staatsanwaltschaft hatte einen sogenannten appel incident eingelegt.Am Ende bleibt nur einer ü…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Schiesserei in Nizza: Zwischen Schock, Wut und dem großen französischen Erschöpfungsgefühl

    Schiesserei in Nizza: Zwischen Schock, Wut und dem großen französischen Erschöpfungsgefühl

    Es war ein Morgen, an dem die Sonne über Nice aufging, als wolle sie vergessen machen, was in der Nacht geschehen war. Doch der Asphalt des Place des Amaryllis im Viertel des Moulins sprach eine andere Sprache: Einschusslöcher in den Fassaden, Blutspuren, Blumensträuße, die hastig niedergelegt wurden. Zwei Tote, drei Verletzte – eine weitere Schießerei in einem Viertel, das schon zu oft zum Tatort geworden ist.

    Die Menschen sind nicht nur erschüttert. Sie sind müde. Müde von Versprechen, von kurzzeitigem Aktionismus, von Politikern, die für Kameras kommen und dann wieder verschwinden. „Wir haben genug“, sagt eine Anwohnerin, und in diesen drei Worten liegt der ganze Zorn einer Gesellschaft, die sich abgehängt fühlt.


    Der immergleiche Albtraum

    Die Gewalt kommt nicht überraschend. In den Straßenschluchten des Viertels des Moulins leidet man schon lange unter Revierkämpfen, unter einer Stimmung, die jederzeit kippen kann. Und dann passiert es. Männer in Kapuzen, Schüsse aus einem Auto, Panik. Die Ermittler sprechen von Banden, von Drogen, von organisiertem Verbrechen. Doch hinter diesen Begriffen stehen Menschen, Nachbarn, Familien.

    Was früher Ausnahme war, ist Routine geworden. Das Entsetzen weicht der Gewohnheit, die Angst dem Pragmatismus. Wer dort lebt, hat gelernt, Waffen am Geräusch von Schüssen zu identifizieren – eine bittere Alltagskompetenz im Herzen der Côte d’Azur.


    Die Ohnmacht des Staates

    Die Polizei wird kommen, sie wird Präsenz zeigen, dann wieder abziehen. Zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Nicht, weil niemand sich kümmert, sondern weil das Kümmern zu episodisch, zu reaktiv ist. Es fehlt die Kontinuität, die Nähe, die Verlässlichkeit.

    Frankreichs Stadtviertel wie dieses in Nizza sind zu Versuchslaboren geworden – zwischen repressiver Polizeistrategie und überforderter Sozialarbeit. Hier zeigen sich die Risse einer Gesellschaft, die ihre Ränder längst aus dem Blick verloren hat. Wo staatliche Autorität schwindet, übernehmen andere Strukturen die Kontrolle. Und sie tun es mit Kalaschnikows und Pistolen statt mit Kompromissen.


    „Ras-le-bol“ – das erschöpfte Land

    „L’émotion est grande, le ras-le-bol également“ – der Satz, den man nun überall hört, ist mehr als nur eine Schlagzeile. Er beschreibt ein nationales Gefühl. Frankreich ist erschöpft, mürbe, zornig. Die Bürgerinnen und Bürger trauen dem Staat nicht mehr zu, das Leben in ihren Straßen zu schützen.

    In dieser Erschöpfung steckt jedoch auch ein Rest Hoffnung. Denn wer müde ist, ist nicht apathisch. Er will Veränderung. Und vielleicht ist genau dieses kollektive „Ras-le-bol“ die einzige Kraft, die etwas bewegen kann – wenn sie gehört wird.


    Die tiefere Frage

    Wie viel Sicherheit schuldet der Staat jenen, die am Rand der Städte leben? Und wie viel Vertrauen darf er von ihnen erwarten? Diese Frage stellt sich in Nizza mal wieder mit brutaler Klarheit. Sie ist nicht lokal, sie ist national.

    Frankreich diskutiert über Polizeigewalt, über Integration, über die „Peripherie“ – doch selten darüber, was es eigentlich heißt, in einem Land zu leben, das die Gleichheit seiner Bürger beschwört und zugleich ganze Stadtviertel aufgibt. Das Viertel des Moulins in Nizza ist nicht nur ein Tatort, sondern ein Symbol für diese Entfremdung.


    Was bleiben muss

    Die Schießerei in Nizza ist ein weiterer Schrei im französischen Lärm aus Krisen und Empörung. Doch sie erinnert auch an etwas Grundlegendes: Sicherheit ist nicht nur eine Frage der Ordnung, sondern des Respekts. Wer die Bewohner von des Moulins ernst nimmt, muss ihnen mehr bieten als Polizeipatrouillen. Bildung, Arbeit, öffentliche Präsenz – kurz: ein Stück Zukunft.

    Die Menschen in Nizza haben keine Geduld mehr für symbolische Politik. Und vielleicht, ja vielleicht, ist das der Beginn einer neuen Ehrlichkeit. Einer, die sich nicht mit Betroffenheit zufriedengibt.

    Autor: Andreas M. B.

  • Die Feuer der Einsamkeit – wie eine 77-jährige Großmutter ihr Dorf in Angst versetzte

    Die Feuer der Einsamkeit – wie eine 77-jährige Großmutter ihr Dorf in Angst versetzte

    Castelmayran, Tarn-et-Garonne.Ein Sommerabend, still, warm, friedlich. Doch in den Feldern rund um das 1.200-Seelen-Dorf Castelmayran lodert plötzlich eine Flamme auf. Dann noch eine. Und noch eine.Elf Mal insgesamt. Die Täterin? Keine Jugendliche auf der Suche nach Nervenkitzel, kein Mann mit Benzinkanister.Sondern Evelyne C., 77 Jahre alt, Rentnerin, Großmutter – und seit Kurzem verurteilte Brandstifterin. Was treibt eine Frau, die ein Leben lang unauffällig war, dazu, mitten in der Nacht Feuer zu legen?

    Die Spur der Flammen Die Serie von Bränden begann im Sommer 2022 und setzte sich bis ins Frühjahr 2025 fort. Immer derselbe Ablauf, fast ritualhaft: Evelyne C. fuhr mit ihrem Auto durch die Feldwege rund um Castelmayran, öffnete das Fenster, warf zwei Grillanzünder in ein Stück Küchenpapier gewickelt aus dem Wagen – und beobachtete, wie sich das trockene Gras entzündete.Manchmal, wenn das Feuer nicht zündete, drehte sie um und versuchte es erneut. Die Feuerwehr rückte immer wieder a…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Montbéliard im Ausnahmezustand – Nächtliche Angriffe auf Polizei nach Festnahme eines 18-Jährigen

    Montbéliard im Ausnahmezustand – Nächtliche Angriffe auf Polizei nach Festnahme eines 18-Jährigen

    In Montbéliard, im Südosten Frankreichs, brodelt es. Seit der Festnahme eines jungen Mannes am Donnerstagabend hat sich die Stimmung im Viertel Petite-Hollande gefährlich aufgeheizt. Am Freitagabend kam es dort erneut zu massiven Ausschreitungen – ein regelrechter Hinterhalt, wie es der Staatsanwalt nennt. Etwa fünfzig Personen, ganz in Schwarz gekleidet und mit Masken vermummt, griffen die Polizei mit Steinen und Feuerwerkskörpern an. Die Szenen erinnerten an urbane Guerillakämpfe: lodernde Barrikaden, dumpfe Explosionen von Feuerwerksmörsern, Sirenen, die durch die Nacht schrillen.

    Ein Funke, der das Pulverfass entzündete Auslöser der Gewalt war die Festnahme eines 18-Jährigen am Donnerstagabend. Der junge Mann, den die Polizei bereits aus früheren Ermittlungen kannte, wurde wegen „Beleidigung einer Amtsperson“ und eines „motorisierten Rodeos“ – einer gefährlichen, illegalen Raserei auf öffentlichen Straßen – in Gewah…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Marokkos Jugend erhebt sich: „Wir wollen keine Stadien, wir wollen Krankenhäuser“

    Marokkos Jugend erhebt sich: „Wir wollen keine Stadien, wir wollen Krankenhäuser“

    Seit Mitte September 2025 erlebt Marokko eine Protestwelle, wie sie das Land seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Tausende junge Menschen gehen auf die Straßen, ihre Stimmen hallen von Casablanca bis Tanger, von Fès bis Agadir. Ihr Slogan ist simpel und kraftvoll: „Das Volk will Gesundheit und Bildung.“

    Dieser Satz ist mehr als eine Parole. Er ist ein Weckruf.


    Der Funke von Agadir

    Der Auslöser der Proteste war ein Drama, das die Nation erschütterte: In einem Krankenhaus in Agadir starben acht schwangere Frauen, die für Kaiserschnitte eingeliefert worden waren. Die Familien der Opfer machen das öffentliche Gesundheitssystem verantwortlich – fehlendes Personal, marode Strukturen, Mangel an Medikamenten.

    Ein trauriger, fast schon symbolischer Vorfall, der das Fass zum Überlaufen brachte.

    Die Empörung schlug schnell hohe Wellen. Was lange Zeit nur ein stiller Frust war, bekam plötzlich ein Gesicht, eine Geschichte, einen Auslöser, den niemand ignorieren konnte.


    Eine Bewegung aus der digitalen Welt

    Die Proteste sind nicht das Werk klassischer Parteien oder Gewerkschaften. Sie sind organisch, digital und jung.

    Auf TikTok, Instagram und Discord vernetzen sich Jugendliche, posten Videos, teilen Aufrufe. Der Katalysator trägt einen modernen Namen: GenZ 212 – ein kollektives Sprachrohr einer Generation, die sich selbst „frei“ nennt, ohne Parteibindung, ohne Hierarchie, dafür mit einer klaren Botschaft.

    Allein auf Discord sollen es inzwischen Hunderttausende sein. Junge Stimmen, junges Vokabular, aber mit einer Wucht, die selbst die Regierung nicht überhören kann.


    Von Stadien und Krankenhäusern

    „Wir wollen keine Weltmeisterschaft, wir wollen Krankenhäuser.“

    Dieser Satz, der in den Demonstrationen immer wieder ertönt, zeigt das Kernproblem: ein Missverhältnis zwischen staatlichen Investitionen und den realen Bedürfnissen der Bevölkerung.

    Während Milliarden in die Vorbereitung auf die Fußball-WM 2030 fließen, klagen viele über überfüllte Klassenzimmer, fehlende Ärzte, baufällige Schulgebäude und Krankenhäuser. Der Kontrast könnte größer kaum sein – und er nagt am sozialen Frieden.

    Denn die Botschaft ist klar: Glanzprojekte machen sich gut im Fernsehen, aber sie füllen keine Medikamentenschränke.


    Warum gerade jetzt?

    Ein Leben ohne Perspektive

    Der Frust der Jugend hat auch ökonomische Wurzeln. Über 35 % der 15- bis 35-Jährigen Marokkaner sind arbeitslos. Viele haben studiert, viele haben Abschlüsse – aber keine Jobs. Statt Stabilität gibt es Praktika, befristete Verträge und Warten.

    Für viele bedeutet das: kein eigenes Zuhause, keine finanzielle Sicherheit, kaum Zukunftsperspektiven.

    Ein Staat mit fragwürdigen Prioritäten

    Die Proteste richten sich nicht nur gegen Mängel im Alltag, sondern auch gegen die grundsätzliche Haushaltspolitik. Warum werden Milliarden in Prestigeprojekte investiert, wenn ganze Regionen nicht einmal über eine funktionierende Klinik verfügen?

    Die Wut richtet sich deshalb nicht nur gegen das Kabinett, sondern gegen eine gesamte politische Logik.

    Der Druck einer neuen Generation

    Die Generation Z ist global vernetzt, sie vergleicht. Sie sieht, was Gleichaltrige in Europa oder Asien fordern und erreichen. Transparenz, soziale Sicherheit, funktionierende Schulen und Krankenhäuser.

    Sie will nicht länger warten.


    Die Risiken auf der Straße

    Die Bewegung wirkt kraftvoll, doch sie ist verletzlich.

    Ihre Forderungen sind bislang klar: Gesundheit und Bildung verbessern, die Regierung in die Pflicht nehmen. Aber je länger die Proteste dauern, desto stärker droht eine Radikalisierung.

    Denn was passiert, wenn die Regierung nur kosmetische Maßnahmen verspricht? Wird die Jugend sich mit kleinen Zugeständnissen abspeisen lassen? Oder eskaliert die Lage, wenn Polizei und Sicherheitskräfte härter durchgreifen?

    Schon jetzt berichten Beobachter von Verhaftungen und gewaltsamen Auflösungen von Kundgebungen.

    Die Frage ist: Hört die Politik zu – oder greift sie durch?

    Zwischen Reformchance und Vertrauenskrise

    Für die Regierung ist die Lage heikel. Ignoriert sie die Proteste, droht eine tiefe Spaltung zwischen Jugend und Staat. Reagiert sie nur halbherzig, riskiert sie, das Vertrauen vollends zu verlieren.

    Es könnte aber auch eine historische Chance sein: den Protest nicht als Bedrohung, sondern als Anstoß für echte Reformen zu begreifen.

    Gesundheit und Bildung sind nicht nur Forderungen. Sie sind Grundrechte, die den Kitt einer Gesellschaft ausmachen.


    Eine Generation, die nicht mehr schweigt

    Marokkos Jugend tritt aus dem Schatten. Sie ist laut, sie ist digital, sie ist entschlossen.

    „Le peuple veut la santé et l’éducation“ – dieser Satz ist mehr als ein Echo aus den Straßen. Er klingt wie ein Entwurf für einen neuen Gesellschaftsvertrag.

    Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Regierung diese Stimme hört oder ob sie versucht, sie zu übertönen. Doch eins ist klar: Diese Generation hat gelernt, sich Gehör zu verschaffen.

    Und sie wird nicht mehr so leicht verstummen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Generalstreik: Zwischen Symbolkraft und sinkender Mobilisierung

    Frankreichs Generalstreik: Zwischen Symbolkraft und sinkender Mobilisierung

    Am 2. Oktober hallen erneut die Sprechchöre durch französische Städte. Lehrerinnen, Lehrer und zahlreiche andere Beschäftigte des Bildungswesens legten ihre Arbeit nieder, während landesweit Demonstrationszüge die Straßen füllten. Doch die Zahlen erzählen eine Geschichte von Ambivalenz – einerseits breite Wut über die Regierungspolitik, andererseits ein sichtbarer Rückgang der Mobilisierung. Laut dem französischen Bildungsministerium beteiligten sich 6,42 % der Lehrkräfte an den Arbeitsniederlegungen. In den Grundschulen lag die Quote bei 6,95 %, in den weiterführenden Schulen bei 6,13 %. Das klingt nach wenig, zumal das mächtige Lehrergewerkschaftsbündnis Snes-FSU deutlich höhere Werte meldete: 27 % Streikbeteiligung in den collèges und lycées, wenn man neben Lehrkräften auch Psychologen, Schulassistenten und Begleitkräfte mitrechnet. Zwischen offizieller Statistik und gewerkschaftlichen Zahlen klafft also eine große Lücke – nicht untypisch bei französischen Streiktagen.

    Die politisc…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Nicht die Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem – sondern die Art, wie wir über sie sprechen

    Nicht die Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem – sondern die Art, wie wir über sie sprechen

    Ein 18-jähriger Junge ist tot. Brutal zusammengeschlagen, mitten am helllichten Tag, an einem Ort, an dem Menschen normalerweise Busse nehmen, Freunde treffen, ihr Leben leben. Sein Name: Mamadou. Sein Schicksal: erschüttert eine ganze Stadt, vielleicht ein ganzes Land.

    Und sofort, fast reflexartig, springt die öffentliche Debatte in ein altbekanntes Muster: “Die Täter sind bestimmt Migranten.” “Das zeigt doch, wohin die Massenzuwanderung führt.” “Man sieht ja, wie die Ghettos explodieren.”

    Doch Halt. Stopp. Genau hier liegt das Problem.

    Denn nicht Menschen mit Migrationshintergrund sind das Problem. Das Problem ist, dass wir sie nach jeder Gewalttat reflexartig unter Generalverdacht stellen. Als seien Herkunft oder Hautfarbe automatisch ein Nährboden für Brutalität.

    Das ist nicht nur falsch – es ist gefährlich.

    Gewalt hat viele Gesichter, aber kein einziges hat eine eindeutige Nationalität.

    Schaut man genauer hin, zeigt sich: Es sind nicht die Migranten. Es sind Jugendliche – manche mit französischem Pass seit Generationen, andere mit ausländischen Wurzeln – die in einem Klima von Perspektivlosigkeit, sozialem Abstieg, zerbrochenen Familien und fehlender Anerkennung aufwachsen.

    Natürlich ist das keine Entschuldigung für Mord und Totschlag. Aber es ist eine Erklärung für das Umfeld, das Gewalt hervorbringen kann.

    Und es ist ein Umfeld, das nicht “importiert” wurde, sondern in Frankreich selbst gewachsen ist.

    Warum also immer dieser Griff in die Schublade “Migration”? Weil es bequem ist. Weil es die eigentlichen Fragen verdrängt: Warum gibt es Stadtviertel, in denen Kinder schon mit 12 wissen, dass sie es nie aufs Gymnasium schaffen? Warum gibt es Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance bekommen – egal, wie sehr sie sich bemühen? Warum fühlen sich ganze Straßenzüge seit Jahrzehnten politisch abgehängt?

    Es ist leichter, mit dem Finger auf eine Hautfarbe oder einen Namen zu zeigen, als auf die Gesellschaft, die diese Zustände duldet.

    Natürlich gibt es Banden. Natürlich gibt es Aggressoren. Aber die Vorstellung, dass “die Migranten” per se gewalttätig seien, ist nichts anderes als ein bequemes Ablenkungsmanöver.

    Die unbequeme Wahrheit lautet: Nicht Migration erzeugt Gewalt, sondern Marginalisierung.

    Wer also ernsthaft etwas gegen urbane Gewalt tun will, muss in Schulen investieren, in Sozialarbeit, in Jugendzentren, in Familienhilfe. Muss Jugendliche sehen, bevor sie zu Tätern werden.

    Und er muss die Sprache ändern.

    Denn jedes Mal, wenn wir das Etikett “Migrationshintergrund” wie eine Brandmarke auf Täter kleben, stigmatisieren wir Millionen Menschen, die arbeiten, studieren, Familien gründen – und nie etwas mit Gewalt zu tun haben.

    Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der ein Nachname schwerer wiegt als ein Lebenslauf?

    Mamadous Tod ist ein Drama. Aber noch dramatischer wäre es, wenn er einmal mehr zum Treibstoff einer verkürzten, hasserfüllten Debatte wird. Denn die eigentliche Gewalt beginnt oft nicht mit einer Faust – sondern mit einem Wort.

    Ein Kommentar von M.A.B.

  • Streit um ein Lächeln: Wie ein Plakat mit einer verschleierten Frau Straßburg spaltet

    Streit um ein Lächeln: Wie ein Plakat mit einer verschleierten Frau Straßburg spaltet

    Ein Lächeln, das verbinden sollte, sorgt in Straßburg für eine Welle der Entrüstung. Eigentlich wollte die Stadt mit ihrer neuen Kampagne ältere Menschen ins Rampenlicht rücken, ihnen Sichtbarkeit und Anerkennung schenken. Doch eine der acht Plakatwände hat die Debatte um Religion, Laizität und politische Symbolik neu entfacht – und plötzlich steht nicht mehr das Glück der Senioren im Vordergrund, sondern ein Stück Stoff. Ein Porträt, das alles veränderte Auf dem Plakat ist Nacera zu sehen. 66 Jahre alt, seit Jahrzehnten in Straßburg zu Hause, engagiert, fröhlich. Sie trägt ein Kopftuch. Für viele Passanten nur ein Gesicht unter anderen – für manche aber ein Affront. Während Nachbarn wie der Rentner André Moreau darin nichts Anstößiges erkennen („Sie lächelt, sie sieht glücklich aus – was soll daran falsch sein?“), kochte die Stimmung im Netz schnell hoch. Eine Lokalpolitikerin der Republikaner (LR) griff das Bild auf, postete es mit dem Vorwurf, die Stadt missachte das Prinzip der Lai…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Polizei-Einsatz an der Côte d’Opale: Zwischen Ordnungspolitik und humanitärem Dilemma

    Polizei-Einsatz an der Côte d’Opale: Zwischen Ordnungspolitik und humanitärem Dilemma

    An der französischen Côte d’Opale spitzen sich die Spannungen zu. Migranten, die von dort aus nach Großbritannien übersetzen wollen, treffen auf eine Bevölkerung, die zunehmend erschöpft und verunsichert wirkt. Nun kündigt der Staat an, zusätzliche Polizeikräfte in den Norden zu schicken. Ein Schritt, der Ruhe bringen soll – und doch genauso gut Öl ins Feuer gießen könnte.

    Ein Küstenstreifen im Ausnahmezustand Wer an die Côte d’Opale denkt, sieht normalerweise Postkartenmotive vor sich: endlose Strände, kleine Badeorte, Dünenlandschaften. Doch seit einigen Jahren überlagert ein anderes Bild die Idylle: das der Schlauchboote, die nachts im Schutz der Dunkelheit ablegen. Seit 2018 haben die sogenannten small boats die alten Migrationsrouten über Lkw oder Fähren fast vollständig verdrängt. 2025 bricht die Zahl der Überfahrten alle Rekorde. Mehr als 20.000 Menschen haben den gefährlichen Weg über den Ärmelkanal gewagt – trotz der 1.200 Polizisten, die täglich am Küstenstreifen patrouillie…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Le Boogie Van – Wenn ein rollender Dancefloor die Occitanie zum Tanzen bringt

    Le Boogie Van – Wenn ein rollender Dancefloor die Occitanie zum Tanzen bringt

    Es ist ein Bild wie aus einem Musikclip: Ein alter Van fährt vor, die Türen öffnen sich, und schon wummern weltbekannte Hits über den Platz. Kinder stürmen als Erste auf die kleine, blinkende Tanzfläche, Eltern folgen lachend hinterher, Nachbarn bleiben stehen – und tanzen schließlich mit. Das ist d…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…