Schlagwort: Gaza

  • Wird über das Schicksal der Ukraine in Alaska entschieden? Und andere World-News

    Wird über das Schicksal der Ukraine in Alaska entschieden? Und andere World-News

    Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich heute in Alaska, um über die Zukunft des Krieges in der Ukraine zu sprechen. Nicht anwesend: Vertreter der Ukraine und Europas.

    Die Frontlinien haben sich in den vergangenen Monaten nur wenig verschoben. Die Ziele Russlands und der Ukraine sind unverändert.

    Und dennoch ist alles möglich – denn niemand weiß, was Trump tun wird. In den letzten sieben Monaten hat er seine Positionen zu diesem Krieg mehrfach drastisch verändert. Er demütigte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office, kritisierte anschließend Putins „Bullshit“ und drohte Moskau mit Sanktionen.

    Vergangene Woche verkündete Trump überraschend es werde ein persönliches Treffen mit dem russischen Präsidenten geben – und strich Selenskyj prompt von der Gästeliste. In Kiew und unter den europäischen Staaten wächst nun die Sorge, Trump könne mit Putin einen „Deal“ schließen.

    Blick auf den Ukraine-Krieg:

    Wer gewinnt? Nachdem die Ukraine 2022 Russlands schlecht ausgerüstete Streitkräfte schwer getroffen hatte, hat Putin sein Land auf Kriegswirtschaft umgestellt. Russland zahlte enorme Summen, um neue Soldaten zu rekrutieren, und investierte in iranische Drohnen. Putin war bereit, hohe Verluste in Kauf zu nehmen – Russland beklagt etwa doppelt so viele Opfer wie die Ukraine. Allerdings entwickelte sich der zermürbende Abnutzungskrieg inzwischen zugunsten Russlands.

    Die Ukraine kann Russland weiterhin schaden: Sie hat bewiesen, dass der moderne Drohnenkrieg finanzielle und personelle Unterlegenheit ausgleichen kann. Beispiel „Operation Spinnennetz“ – ein Überraschungsangriff, der Russland Schäden in Milliardenhöhe tief im eigenen Territorium zufügte. Die eingesetzten Drohnen kosteten teils nur 600 Dollar.

    Die Beziehung Trump–Putin: Trump scheint Russlands Präsidenten weiterhin zu schätzen – im Einklang mit seiner generellen Bewunderung für autoritäre Führer. Er ist darüber hinaus noch immer sehr verärgert über den Vorwurf, russische Einflussnahme habe ihm 2016 zum Wahlsieg verholfen. Trumps Wut über das, was er als ‘Russland-Schwindel’ bezeichnet, gärt seit Jahren – ein so tief sitzender Groll, dass er Putin nun als Verbündeten in einer gemeinsamen Opferrolle sieht.

    Der Krieg, der Krieg verändert hat: Tausende Drohnen haben den Himmel über der Ukraine – und teils auch über Russland – in ein tödliches Versuchslabor verwandelt. Es ist ein regelrechter Wettstreit entstanden, wer das Gefecht beherrschen kann. Durch Drohnen – möglicherweise auch in allen künftigen Kriegen.

    Die menschlichen Kosten: Der Krieg hat die Weltpolitik verändert – ausgetragen wird er jedoch von Menschen. Mehr als eine Million russische und ukrainische Soldaten wurden inzwischen getötet oder schwer verletzt. Zivilisten leiden in hohem Maße. Bildjournalisten zeigen in aktuellen Reportagen Evakuierte auf der Flucht vor russischen Vorstößen, schwer verwundete ukrainische Soldaten, die an die Front zurückkehren, und das blutige Ausmaß der intensiven russischen Angriffe auf die Zivilgesellschaft.


    Mehr Hilfslieferungen für Gaza, aber zu wenig

    Die israelische Behörde zur Koordinierung von Hilfslieferungen nach Gaza erklärte, in den vergangenen Tagen seien täglich rund 300 Lastwagen in das Gebiet gelangt, was zu einem Rückgang einiger Lebensmittelenpässe geführt habe.

    Hilfsorganisationen und die Vereinten Nationen betonen jedoch, dass dies bei weitem nicht ausreiche. Viele Lkw würden von verzweifelten Menschen oder bewaffneten Gruppen abgefangen, bevor sie ihr Ziel erreichten. Weitere Hindernisse seien die begrenzten Zufahrtswege nach Gaza und lange Wartezeiten an israelischen Kontrollpunkten.

    Während die Weltöffentlichkeit auf Gaza blickt, verüben extremistische Siedler im Westjordanland eine der gewalttätigsten und effektivsten Einschüchterungs- und Landnahme-Kampagnen seit Beginn der israelischen Besatzung 1967. Recherchen zeigen, dass vermummte Siedler meist nachts in palästinensische Dörfer eindringen und Fahrzeuge sowie Gebäude in Brand setzen.


    Weitere Schlagzeilen:

    • Sudan: Krieg und Vertreibung verursachten den schlimmsten Choleraausbruch des Landes seit Jahren.
    • Syrien: Ein UN-Bericht kommt zu dem Schluss, dass Sicherheitskräfte der Regierung und andere bewaffnete Gruppen vermutlich Kriegsverbrechen begangen haben.
    • Indien: Sturzfluten auf einer Pilgerroute im von Indien kontrollierten Kaschmir haben Dutzende Menschen getötet. Hunderte werden noch vermisst.
    • Kanada: Air Canada hat gestern Flüge gestrichen, um sich auf einen möglichen Streik des Kabinenpersonals vorzubereiten.
    • Wissenschaft: Forschern gelang es, Sprache, die sich Patienten vorstellen, in hörbare Wörter zu übersetzen – eine Hilfe für gelähmte Patienten, um besser zu kommunizieren.
    • Handel: Trumps geplante Zölle bedrohen Irlands Pharmaindustrie, wo US-Pharmakonzerne seit Langem von Steuervorteilen profitieren.

  • Trump ordnet Übernahme der Polizei in Washington an – und andere World-News

    Trump ordnet Übernahme der Polizei in Washington an – und andere World-News

    Präsident Trump erklärte gestern, er werde vorübergehend die Kontrolle über die Polizeibehörde in Washington übernehmen und 800 Soldaten der Nationalgarde einsetzen, um die Kriminalität in der US-Hauptstadt zu bekämpfen.

    Auf einer Pressekonferenz zeichnete der Präsident ein düsteres Bild von Washington, einer Stadt, die nach seinen Worten von „blutrünstigen Kriminellen“ und „umherziehenden Horden wilder Jugendlicher“ übernommen worden sei. Seine Darstellung steht im Kontrast zu offiziellen Statistiken, denen zufolge die Gewaltkriminalität in der Stadt ein 30-Jahres-Tief erreicht hat. Trump fügte hinzu, er sei bereit, „falls nötig“ auch das Militär nach Washington zu entsenden.

    Trump droht seit Wochen damit, die Hauptstadt unter föderale Kontrolle zu stellen, und wettert seit Jahrzehnten gegen Kriminalität in überwiegend liberal geprägten Städten. Der Einsatz in Washington ist das jüngste Beispiel für Trumps Nutzung des Militärs zur Erreichung innenpolitischer Ziele; Anfang dieses Jahres hatte er 4.700 Nationalgardisten und Marines nach Los Angeles geschickt und rund 10.000 Soldaten an die US-Grenze zu Mexiko verlegt.

    Der Generalstaatsanwalt von Washington kritisierte Trumps Vorgehen als „beispiellos, unnötig und rechtswidrig“. Während Trump seine Pläne darlegte, versammelten sich Demonstranten in der Nähe des Weißen Hauses. Ein Regierungsvertreter teilte mit, die föderale Übernahme der Polizeibehörde solle voraussichtlich 30 Tage dauern.


    Tötung von Al-Jazeera-Journalisten verschärft Spannungen

    Ein israelischer Luftangriff, bei dem am Sonntag gezielt fünf Journalisten des Senders Al Jazeera getötet wurden, hat die Spannungen zwischen Katar und Israel verschärft. Katar finanziert Al Jazeera und ist ein zentraler Vermittler in den Bemühungen, den Krieg im Gazastreifen zu beenden. Der katarische Premierminister bezeichnete die gezielte Tötung von Journalisten in Gaza als ein Verbrechen „jenseits jeder Vorstellungskraft“.

    Bei dem Angriff wurden der Korrespondent Anas al-Sharif, ein weiterer Korrespondent, zwei Fotografen sowie ein Assistent getötet. Das israelische Militär hatte al-Sharif beschuldigt, ein Hamas-Kämpfer zu sein – ein Vorwurf, den er selbst und Al Jazeera stets zurückgewiesen hatten.

    Die Tötungen verdeutlichen die komplexe Beziehung Israels zu Katar. Die israelische Führung nutzt Katar als verdeckten Kommunikationskanal zur Hamas, begegnet dem Land jedoch gleichzeitig mit Misstrauen. Es wird erwartet, dass Katar auch weiterhin zwischen Israel und der Hamas vermittelt.

    Weitere Nachrichten zu Gaza:

    • Premierminister Benjamin Netanjahu hat bislang kaum erläutert, wie lange die Besetzung von Gaza-Stadt dauern oder wann sie beginnen wird.
    • Australien kündigte an, Palästina als Staat anzuerkennen – in Anlehnung an ähnliche Schritte Frankreichs, Großbritanniens und Kanadas.

    Trump verlängert Handelsfrieden mit China

    Trump unterzeichnete gestern eine Verfügung, mit der der Handelsfrieden zwischen den USA und China um weitere drei Monate – bis zum 10. November – verlängert wird. Er deutete an, dass es Fortschritte in den Verhandlungen gebe.

    Die Verlängerung verschafft beiden Ländern mehr Zeit, ihre Differenzen auszuräumen, und ebnet den Weg für einen möglichen Gipfel zwischen Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping noch in diesem Jahr. Das erste Abkommen wäre ursprünglich heute ausgelaufen.

    Trump hat Zölle wiederholt als Druckmittel eingesetzt, um andere Länder zu Zugeständnissen in Fragen zu bewegen, die teils nichts mit Handel zu tun haben, und um sie zu bestrafen, wenn sie seinen Forderungen nicht nachgeben.


    WEITERE WICHTIGE NACHRICHTEN

    • Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Wladimir Putin werde versuchen, „Amerika zu täuschen“ bei den Gesprächen mit Trump am Freitag in Alaska.
    • USA: Ein Schütze tötete vor einer Target-Filiale in Austin (Texas) drei Menschen, stahl anschließend nacheinander mehrere Fahrzeuge und wurde schließlich von der Polizei gefasst.
    • Indien: Die Polizei nahm zeitweise Hunderte Abgeordnete fest, die nach Vorwürfen des Wahlbetrugs gegen die Regierungspartei von Premierminister Narendra Modi protestierten.
    • Syrien: Die neue Regierung versprach, pluralistische Freiheiten zu respektieren; viele Bewohner von Damaskus berichteten jedoch, die Hauptstadt sei konservativer geworden.
    • Jemen: Chinesische Autohersteller verschiffen ihre Fahrzeuge nach Europa weiterhin durch das Rote Meer, während andere Schiffe aus Angst vor Angriffen der Huthi-Miliz den Weg um Afrika herum wählen.
    • Finnland: Kapitän und zwei Crewmitglieder eines Öltankers der russischen Schattenflotte wurden wegen Verdachts auf Sabotage an Unterseekabeln in der Ostsee angeklagt.
    • Großbritannien: Feuerwehrkräfte bekämpften einen Waldbrand auf einem Hügel über Edinburgh; Touristen und Passanten mussten evakuiert werden. Es gab keine Verletzten.
    • Krypto: Das Krypto-Start-up der Familie Trump kündigte einen Digitalwährungs-Deal in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar mit dem Technologieunternehmen ALT5 Sigma an.

  • Macron fordert UN-Mission zur Stabilisierung Gazas – Scharfe Kritik an israelischem Vorgehen

    Macron fordert UN-Mission zur Stabilisierung Gazas – Scharfe Kritik an israelischem Vorgehen

    Am 11. August 2025 hat der französische Präsident Emmanuel Macron den von der israelischen Regierung beschlossenen Plan zur Ausweitung der Militäroperationen im Gazastreifen mit ungewöhnlich deutlichen Worten verurteilt. Die geplante Besetzung zentraler Teile Gazas, darunter Gaza-City und des Küstenstreifens von Mawasi, sei ein „Desaster von beispielloser Tragweite“. Statt einer dauerhaften Befriedung drohe eine „Flucht nach vorn in den permanenten Krieg“. Französische Warnung vor Eskalationsspirale Der Zeitpunkt der Äußerungen ist brisant. Nur Tage zuvor hatte Israels Sicherheitskabinett den Vorstoß beschlossen, zentrale urbane Zonen Gazas militärisch zu kontrollieren – de facto eine Okkupation. Offiziell begründet wurde der Schritt mit der Zerschlagung verbliebener Hamas-Strukturen und der Sicherung israelischer Geiseln. Macron hingegen warnte, dass gerade Geiseln und Zivilbevölkerung auf beiden Seiten die ersten Opfer einer solchen Eskalation sein würden. „Eine militärische Dauerlös…

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  • Luftangriff in Gaza: Tödlicher Schlag gegen die Pressefreiheit

    Luftangriff in Gaza: Tödlicher Schlag gegen die Pressefreiheit

    Der Tod von fünf Journalisten des Senders Al Dschasira bei einem israelischen Luftangriff am 10. August 2025 hat international Empörung ausgelöst und die Debatte über den Schutz von Medienschaffenden in Kriegsgebieten neu entfacht. Der Angriff traf ein Zelt vor dem Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt, in dem sich die Reporter aufhielten. Unter den Opfern war der prominente Korrespondent Anas al-Scharif, eine der bekanntesten Stimmen der palästinensischen Kriegsberichterstattung.

    Der Angriff und seine Opfer

    Nach Angaben von Al Dschasira befanden sich die Journalisten im Einsatz, um über die humanitäre Lage rund um das Krankenhaus zu berichten. Neben al-Scharif kamen die Kameraleute Mohammed Qreiqeh, Ibrahim Zaher, Moamen Aliwa und Mohammed Noufal ums Leben. Insgesamt wurden laut medizinischen Quellen sieben Personen getötet.

    Der 28-jährige al-Scharif war seit Beginn des Gaza-Krieges 2023 zu einer zentralen Figur in der internationalen Berichterstattung geworden. Seine Videos und Live-Schalten dokumentierten die Zerstörung in den nördlichen Gebieten und fanden weltweite Beachtung. Für viele war er ein Symbol für journalistische Beharrlichkeit unter Lebensgefahr.

    Israelische Rechtfertigung und internationale Kritik

    Die israelische Armee (IDF) übernahm die Verantwortung für den Angriff und erklärte, al-Scharif sei ein führendes Mitglied der Hamas gewesen, das Raketenangriffe koordiniert habe. Nach Angaben der IDF stütze sich dieser Vorwurf auf im Gazastreifen sichergestellte Dokumente.

    Al Dschasira wies die Anschuldigungen als „gefälschte Beweise“ zurück und sprach von einem „vorsätzlich geplanten Angriff auf die Pressefreiheit“. Internationale Medienrechtsorganisationen wie das Committee to Protect Journalists (CPJ) und Reporter ohne Grenzen fordern unabhängige Untersuchungen. Die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, Irene Khan, bezeichnete die israelischen Behauptungen als bislang unbelegt.

    Gefährdete Berichterstattung aus Gaza

    Der Fall unterstreicht die zunehmend prekäre Lage für Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen. Seit Beginn der Eskalation im Oktober 2023 wurden nach CPJ-Angaben mindestens 186 Medienschaffende getötet, nahezu alle palästinensischer Herkunft. Das Gaza Media Office spricht sogar von über 230 Todesopfern unter Journalistinnen und Journalisten.

    Internationale Korrespondenten haben seit 2023 kaum Zugang zum Gazastreifen; die Berichterstattung beruht nahezu vollständig auf lokalen Reportern, die unter ständiger Bedrohung durch Luftangriffe und ohne Schutzgarantien arbeiten. Diese prkäre Informationslage erhöht die Gefahr von Propaganda und erschwert unabhängige Wahrheitsfindung.

    Völkerrechtliche Fragen

    Der gezielte Angriff auf eine Person, die als Journalist tätig ist, wirft komplexe völkerrechtliche Fragen auf. Die Genfer Konventionen verpflichten Kriegsparteien, Zivilpersonen – darunter ausdrücklich auch Journalistinnen und Journalisten – zu schützen, sofern sie nicht aktiv an Feindseligkeiten teilnehmen. Die Beweislast für eine direkte Kampfteilnahme liegt bei der angreifenden Partei.

    Ohne transparente, unabhängige Prüfung der israelischen Vorwürfe bleibt unklar, ob der Angriff als legitimer militärischer Schlag oder als Verletzung des humanitären Völkerrechts zu werten ist. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) untersucht seit 2021 mögliche Kriegsverbrechen in den palästinensischen Gebieten – der Vorfall könnte Teil dieser Ermittlungen werden.

    Symbol für einen Informationskrieg

    Der Tod von Anas al-Scharif und seinen Kollegen ist nicht nur ein menschliches Drama, sondern auch ein schwerer Schlag für die ohnehin fragile Informationslage im Gazastreifen. In modernen Konflikten sind Journalisten nicht nur Beobachter, sondern häufig selbst Zielscheiben – sei es durch militärische Aktionen oder durch gezielte Diskreditierung.

    Der Angriff vom 10. August 2025 verdeutlicht, wie sehr sich die Fronten zwischen physischem Krieg und Informationskrieg vermischen. Je stärker unabhängige Stimmen verstummen, desto leichter können Narrative einseitig geprägt werden – mit Folgen weit über den aktuellen Konflikt hinaus.

    Autor: P. Tiko

  • Israels Scherheitskabinett billigt militärische Übernahme Gazas – und weitere World-News

    Israels Scherheitskabinett billigt militärische Übernahme Gazas – und weitere World-News

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich mit einem umstrittenen Plan durchgesetzt: Wie sein Büro mitteilte, billigte das Sicherheitskabinett am Donnerstag einen Vorschlag des Regierungschefs zur schrittweisen kompletten militärischen Übernahme des Gazastreifens. Der Plan widerspricht der Empfehlung des israelischen Militärs und könnte den fast zweijährigen Krieg in bislang unerforschtes Terrain führen.

    Demnach soll das israelische Militär zunächst das Zentrum von Gaza-Stadt einnehmen und in einer späteren Phase in alle zentralen Gebiete des Gazastreifens vordringen – dorthin, wo sich nach Einschätzung des Militärs israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas befinden. Bislang hatte sich das Militär in diesen Gebieten weitgehend zurückgehalten.

    Ziel der Operation sei laut Mitteilung ein „entscheidender Sieg über die Hamas“. Gleichzeitig soll die Versorgung der Zivilbevölkerung mit humanitärer Hilfe „außerhalb der Kampfzonen“ sichergestellt werden.

    Zeithorizont: Es werde mindestens einige Tage dauern, so die Einschätzung, bis Reservetruppen einberufen, Truppenverlegungen für den Vorstoß nach Gaza-Stadt abgeschlossen und zehntausende palästinensische Zivilisten aus den neuen Kampfzonen evakuiert werden können.

    Widerstand gegen den Plan: Das israelische Militär warnt seit Längerem vor einer vollständigen Besetzung des Gazastreifens. Sicherheitsexperten zufolge könnte dies bis zu fünf Jahre andauernde Kampfhandlungen erfordern. Auch Angehörige der Geiseln äußern massive Bedenken – sie befürchten entweder eine Tötung ihrer Liebsten durch die Hamas oder deren versehentlichen Tod durch israelisches Feuer.

    Lage vor Ort: Nach Angaben des Militärs hat Israel derzeit etwa 75 Prozent des Gazastreifens unter Kontrolle. Nicht kontrolliert wird insbesondere ein Küstenstreifen, der sich von Gaza-Stadt im Norden bis Khan Younis im Süden zieht. Viele der rund zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen leben inzwischen in Zelten, Notunterkünften oder überfüllten Wohnungen in genau diesen Gebieten.


    Trumps neue Zölle versetzen Weltwirtschaft in Unruhe

    Mit dem Inkrafttreten umfassender US-Zölle auf Importe aus rund 90 Ländern hat Präsident Donald Trump erneut ein wirtschaftspolitisches Beben ausgelöst. Weltweit bemühen sich Staats- und Regierungschefs um Schadensbegrenzung. Die Maßnahmen, die am Vortag in Kraft traten, dürften nicht nur die Preise für amerikanische Verbraucher steigen lassen, sondern sorgen bereits jetzt für massive Turbulenzen an den Märkten.

    Nur wenige US-Handelspartner wurden verschont. Brasilien und Indien kündigten an, gemeinsame Schritte zum Schutz ihrer Volkswirtschaften einzuleiten. In der Schweiz hat das Scheitern einer Einigung mit der US-Regierung in letzter Minute eine neue Debatte darüber entfacht, ob das Land der EU beitreten sollte.

    Einige Staaten konnten sich indes Sonderregelungen sichern: Die EU sowie Länder wie Japan, Südkorea und Vietnam handelten Zollvereinbarungen mit Raten zwischen 15 und 20 Prozent aus. Mexiko und China erhielten Aufschub, bevor weitere Strafzölle auf ihre Exporte in Kraft treten.


    Der Kreml bestätigt Treffen zwischen Putin und Trump

    Der russische Präsident Wladimir Putin wird sich „in den kommenden Tagen“ mit Donald Trump treffen, wie ein hochrangiger Berater des Kremls am Donnerstag bestätigte. Ein konkretes Datum wurde noch nicht genannt. Auch über die Möglichkeit eines trilateralen Treffens mit den Staatschefs der USA, Russlands und der Ukraine wollte sich der Kremlvertreter nicht äußern.

    Putin strebt seit Langem ein persönliches Gespräch mit Trump an. Analysten sehen darin vor allem den Versuch Moskaus, geopolitisch Terrain zu gewinnen: Weniger gehe es Russland derzeit um die militärische Kontrolle bestimmter Gebiete, sondern um eine diplomatische Lösung, die zentrale Ziele sichert – etwa die dauerhafte Blockade eines NATO-Beitritts der Ukraine.


    WEITERE MELDUNGEN

    Waldbrände: In Frankreich kämpfen Hunderte Feuerwehrleute gegen den größten Flächenbrand seit Jahrzehnten. Auch in Kanada wurden Tausende evakuiert, das Militär wurde zur Unterstützung herangezogen.

    Kanada: Die Masern breiten sich in der Provinz Alberta derart rasant aus, dass Gesundheitsbehörden von Reisen dorthin abraten.

    Philippinen: Der Senat unterbrach das Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte.

    Großbritannien: Die Regierung hat die gewaltfreie Protestbewegung Palestine Action als terroristische Organisation eingestuft.

    OpenAI: Das Unternehmen präsentierte mit GPT-5 ein neues Flaggschiff-Modell, das schneller, präziser und weniger anfällig für sogenannte „Halluzinationen“ sei.

    Novo Nordisk: Der dänische Pharmahersteller von Ozempic galt lange als Börsenliebling – jetzt ist der Aktienkurs stark gefallen.

    Antarktis: Die neuseeländische Luftwaffe hat eine riskante Rettungsmission durchgeführt, um drei Forscher von einer US-Forschungsstation zu evakuieren.

    China: Ein virales Video, das ein junges Mädchen zeigt, das von anderen Teenagern brutal misshandelt wird, hat landesweite Proteste und ein hartes Vorgehen der Polizei ausgelöst.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreichs moralisches Dilemma: Wenn eine Entscheidung zu viele Leben kostet

    Frankreichs moralisches Dilemma: Wenn eine Entscheidung zu viele Leben kostet

    Manchmal genügt ein einzelner Fall, um eine ganze Politik zum Einsturz zu bringen. Genau das erlebt Frankreich gerade – mit einem humanitären Programm, das eigentlich Leben retten sollte. Seit dem 1. August 2025 sind die Evakuierungen von Palästinensern aus dem Gazastreifen ausgesetzt. Grund dafür: Antisemitische Aussagen einer jungen Frau, die erst vor Kurzem nach Frankreich gebracht wurde.

    Nour A., eine Studentin aus Gaza, sollte an der renommierten Sciences Po in Lille studieren. Nun wird gegen sie wegen Verteidigung des Terrorismus und Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt. Die Empörung war groß – die Reaktion des französischen Außenministeriums noch größer: Evakuierungsstopp. Auf unbestimmte Zeit.

    Ein symbolischer Akt? Sicherlich. Aber mit verheerenden Folgen.

    Was ein Facebook-Post auslösen kann

    Dass Frankreich ausgerechnet jetzt die Reißleine zieht, überrascht. Seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 hatte das Land Hunderte Palästinenser aufgenommen – Verwundete, Studenten, Kinder, Forscher. Eine stille, aber bemerkenswerte Geste der Menschlichkeit, angesichts der katastrophalen Lage in Gaza: Hungersnot, zerstörte Infrastruktur, kaum medizinische Versorgung.

    Nun steht dieses Rettungsprogramm still. Und zwar nicht wegen eines strukturellen Sicherheitsversagens oder neuer Bedrohungslagen, sondern wegen der fragwürdigen Social-Media-Aktivitäten einer einzelnen Person. Eine fatale Gleichsetzung, bei der das Kollektiv für das Individuum haftet.

    Das Leben anderer – plötzlich ausgesetzt

    Man stelle sich vor: Man sitzt in Rafah, Khan Yunis oder Gaza-Stadt. Ein Visum wäre das rettende Ticket, ein Flugzeug in eine neues Leben. Und dann: alles eingefroren. Ausgesetzt. Ungewiss.

    Genau das geschieht jetzt. Für Dutzende, wenn nicht Hunderte Palästinenser, die bereits auf Ausreise warteten, ist die Entscheidung aus Paris ein Schock. Hilfsorganisationen wie La Cimade schlagen Alarm. Auch französische Politiker wie Arthur Delaporte sprechen von einem „Mangel an Augenmaß“ und einem „Versagen unserer gemeinsamen Menschlichkeit“. Starke Worte – und bittere Wahrheiten.

    Zwischen Wachsamkeit und Verantwortung

    Natürlich steht der französische Staat in der Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. Antisemitische Hetze darf nicht verharmlost werden – gerade nicht im Schatten des 7. Oktober 2023. Es ist nachvollziehbar, dass die Behörden ihre Prüfmechanismen hinterfragen, insbesondere wenn offensichtliche Lücken zum Vorschein kommen.

    Doch hier stellt sich eine viel grundlegendere Frage: Darf man ein humanitäres Rettungsprogramm vollständig pausieren, weil eine Person die Regeln bricht?

    Oder anders gesagt: Wie viele Unschuldige darf man auf dem Altar der politischen Symbolik opfern?

    Das fragile Gleichgewicht

    Jean-Noël Barrot, Frankreichs Außenminister, sprach von „notwendiger Revision“ der Sicherheitsprozeduren. Ein Schritt zurück – um zwei vorwärts zu machen? So zumindest die Hoffnung. Aber in der Realität ist der Schaden längst angerichtet. Vertrauen zerstört. Leben gefährdet. Existenzen auf Eis gelegt.

    Frankreich steht an einem Scheideweg. Der Schutz jüdischen Lebens und das konsequente Vorgehen gegen jede Form von Hass sind nicht verhandelbar – ebenso wenig wie die Pflicht, Menschen in akuter Not beizustehen. Es braucht keinen Kompromiss, sondern kluges Abwägen.

    Die Logik des Ausnahmefalls darf nicht zur Regel werden

    Es wäre fatal, wenn ausgerechnet ein humanitärer Skandal dazu führt, dass Humanität selbst auf der Strecke bleibt. Die Welt schaut auf Europa – und auf Frankreich. Was jetzt nötig ist, sind klare Kriterien, robuste Kontrollen, aber auch ein kühler Kopf.

    Die Aussetzung der Evakuierungen war ein Reflex. Die Wiederaufnahme sollte eine bewusste Entscheidung sein – schnell, differenziert, verantwortungsvoll.

    Denn der moralische Kompass eines Landes zeigt sich nicht in den Reaktionen auf Skandale, sondern im Umgang mit den Schwächsten, wenn niemand hinsieht.

    Von C. Hatty

  • Netanjahu erwägt weitere Schritte im Gazastreifen – und andere World-News

    Netanjahu erwägt weitere Schritte im Gazastreifen – und andere World-News

    Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat sich gestern mit dem Generalstabschef der Streitkräfte, Generalleutnant Eyal Zamir, über das weitere Vorgehen im Gaza-Krieg beraten. Zamir legte laut dem Büro des Premierministers „die Optionen für die Fortsetzung der Militäroperation im Gazastreifen“ dar – ohne nähere Angaben zu deren Inhalt zu machen.

    Gleichzeitig teilte das Büro Netanjahus mehreren israelischen Journalisten mit, dass der Premierminister eine Ausweitung der Militäreinsätze auf das gesamte Gebiet des Gazastreifens in Erwägung ziehe. Drei mit dem Vorgang vertraute Beamte sagten jedoch, dass bislang keine endgültige Entscheidung getroffen worden sei.

    Israel steht angesichts der wachsenden internationalen Kritik an der Hungersnot in Gaza zunehmend unter Druck. Inzwischen erlaubt die Regierung einzelnen Privatunternehmen, Warenlieferungen in das Gebiet zu organisieren. Zudem versucht Jerusalem, die Aufmerksamkeit verstärkt auf das Schicksal der von der Hamas festgehaltenen Geiseln zu lenken.

    Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York verurteilten die Teilnehmer zwar die Hamas, forderten zugleich aber auch, dass Israel mehr zur Linderung der humanitären Not im Gazastreifen unternehme.


    Hiroshima – 80 Jahre danach

    Am 6. August 1945, vor genau 80 Jahren, warf die US-Luftwaffe eine Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Drei Tage später folgte der Abwurf auf Nagasaki. Beide Angriffe vernichteten in diesen Städten auf einen Schlag jede Farbe und jedes Leben.


    Weitere wichtige Meldungen

    China: In der Stadt Foshan kämpfen Behörden derzeit gegen das Chikungunya-Virus, das durch Mücken übertragen wird – mit Maßnahmen, die an die strikte Corona-Politik der Regierung erinnern.

    Afrika: Ruanda hat sich bereit erklärt, 250 aus den USA abgeschobene Migranten aufzunehmen – als drittes afrikanisches Land, das mit der Regierung Trump bei Ausweisungen kooperiert.

    Medizin: US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat Fördermittel und Verträge in Höhe von fast 500 Millionen US-Dollar zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gestrichen.

    Handel: Setzt Japan jetzt auf amerikanische Autos? Die Trump-Regierung drängt auf Abkommen, die Handelsbarrieren für US-Exportgüter senken sollen.

    USA: Ausländische Besucher der USA müssen künftig unter bestimmten Bedingungen bis zu 15.000 Dollar Kaution hinterlegen, um eine Visa-Überziehung zu verhindern.

    Großbritannien: Laut Totenschein starb der Musiker und Sänger Ozzy Osbourne an einem Herzinfarkt.

  • Israel öffnet Gaza partiell für private Hilfslieferungen – ein Strategiewechsel unter internationalem Druck

    Israel öffnet Gaza partiell für private Hilfslieferungen – ein Strategiewechsel unter internationalem Druck

    Israels Entscheidung, die teilweise Einfuhr privater Waren in den Gazastreifen zu genehmigen, markiert einen neuen taktischen Schritt in einem festgefahrenen Krieg – und eine Reaktion auf internationalen Druck angesichts wachsender Hungersnot und diplomatischer Isolierung.

    Am Dienstag, dem 5. August, gab das israelische Verteidigungsministerium über die für die Koordination in den Palästinensischen Gebieten zuständige Behörde COGAT bekannt, dass ein „kontrollierter Mechanismus“ zur Einfuhr von Waren über den Privatsektor geschaffen wurde. Ziel sei es, „die Menge der Hilfe zu erhöhen und die Abhängigkeit von internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen zu verringern“, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.

    Politisches Kalkül und humanitäre Not

    Diese Maßnahme kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem in Gaza eine sich rapide verschärfende Hungersnot droht. Laut Daten des Welternährungsprogramms (WFP) leben rund eine halbe Million Menschen in „katastrophalen“ Bedingungen (IPC-Stufe 5). Die israelische Armee hatte nach dem 7. Oktober 2023 den Gazastreifen nahezu vollständig abgeriegelt, was zu einer drastischen Reduktion des Warenflusses geführt hatte. Selbst UN-Hilfslieferungen, die über Grenzübergänge wie Rafah oder Kerem Shalom laufen sollten, wurden häufig verzögert oder gänzlich blockiert.

    Die Öffnung für private Hilfskonvois stellt daher nicht nur einen Schritt zur Verbesserung der humanitären Lage dar, sondern auch eine politische Antwort auf internationale Kritik. Die USA, Ägypten, Katar und andere Staaten haben Israel in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck gesetzt, angesichts der humanitären Lage Zugeständnisse zu machen – auch, um neue Verhandlungsspielräume für einen Waffenstillstand zu eröffnen.

    UN-Sicherheitsrat und die Geiselfrage

    Parallel zur Ankündigung der Lockerung tagte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in einer Dringlichkeitssitzung zur Lage der israelischen Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 vom Hamas-Flügel in Gaza festgehalten werden. Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan forderte von der internationalen Gemeinschaft „maximalen Druck“ auf die Hamas, während zugleich Berichte zunehmen, dass viele der Geiseln unter prekären Bedingungen festgehalten werden – ohne Zugang zu medizinischer Versorgung oder unabhängigen Beobachtern wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK).

    Letzteres lehnt der Hamas-Ableger, die Qassam-Brigaden, bislang mit Verweis auf die fehlende Öffnung humanitärer Korridore ab. In einem Statement betonte die Gruppierung, die Geiseln erhielten dieselbe Verpflegung wie die übrige Bevölkerung – eine Aussage, die sich angesichts der bekannten Notlage kaum verifizieren lässt.

    Netanyahu unter Druck: Strategiewechsel oder Machterhalt?

    Die Entscheidung, private Lieferungen nach Gaza zuzulassen, fällt auch in eine Phase zunehmender innenpolitischer Turbulenzen für Premierminister Benjamin Netanyahu. Seit Wochen fordern Angehörige der Geiseln, Reservisten und Oppositionelle eine klar definierte Strategie für das weitere Vorgehen in Gaza. Netanyahus Ankündigung vom Montag, noch in dieser Woche „Instruktionen“ für die Fortsetzung des Krieges bekanntzugeben, wird in israelischen Medien als Versuch gewertet, die Kontrolle über die politische Agenda zu behalten.

    Zugleich verstärkt sich der Eindruck, dass Israel auf eine neue Phase des Konflikts zusteuert: weg von großflächigen Offensiven hin zu punktuellen Operationen und einer stärkeren Einbindung internationaler Akteure in die Verwaltung des Gazastreifens – ein Modell, das bereits in verschiedenen Think-Tanks diskutiert wurde, etwa beim israelischen Institute for National Security Studies (INSS) oder der Brookings Institution.

    Privatwirtschaft als Hilfsakteur: Chancen und Risiken

    Die Öffnung für private Wareneinfuhren bedeutet außerdem, dass lokale Händler unter bestimmten Auflagen wieder Waren nach Gaza liefern dürfen – etwa über Kontrollpunkte wie Kerem Shalom. Unklar bleibt bislang, welche Produkte zugelassen werden, wie Preisaufschläge kontrolliert werden sollen und ob die Logistik im zerstörten Gazastreifen überhaupt funktioniert. Kritiker befürchten, dass der israelische Staat so die Verantwortung für das humanitäre Minimum an die Privatwirtschaft auslagert – ohne jedoch ausreichende Regulierung und Transparenz zu gewährleisten.

    Gleichzeitig könnte die Maßnahme aber auch ein erster pragmatischer Schritt hin zu einer stabileren Versorgungslage sein. Denn während UN-Organisationen und NGOs zunehmend unter Finanzierungsdruck stehen und ihre Konvois immer wieder Ziel von Angriffen wurden, verfügen private Händler über bestehende Netzwerke und Anreize, um Waren schnell zu vertreiben – sofern ihnen dies logistisch möglich ist.

    Ob Israels partielles Entgegenkommen lediglich taktischer Natur ist oder den Auftakt zu einer grundlegenderen Neuausrichtung der Gaza-Politik darstellt, bleibt abzuwarten. Die Rückkehr des Privatsektors als Versorgungskanal könnte kurzfristig zur Linderung der Not beitragen – doch ohne politische Lösung, ohne Waffenstillstand und ohne eine internationale Verwaltungsperspektive für Gaza dürfte sich die humanitäre Krise kaum dauerhaft kontrollieren lassen.

    Von Andreas Brucker

  • Frankreichs diplomisches Dilemma im Gaza-Krieg: Zwischen Moral und Realpolitik

    Frankreichs diplomisches Dilemma im Gaza-Krieg: Zwischen Moral und Realpolitik

    Die Forderung des linken Abgeordneten Hadrien Clouet, Frankreich solle eine internationale Koalition gegen Israels Militäreinsatz im Gazastreifen anführen, legt den Finger auf die politische und diplomatische Zerrissenheit Europas im Nahostkonflikt. In einem emotional aufgeladenen Appell vom 4. August 2025 forderte Clouet nicht weniger als einen fundamentalen Kurswechsel der französischen Nahostpolitik – einschließlich der Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel und der Umsetzung internationaler Haftbefehle gegen die israelische Führung. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage in Gaza katastrophale Ausmaße angenommen hat – und zugleich die außenpolitischen Spielräume Europas enger denn je geworden sind. Ein Appell im Schatten humanitärer Katastrophe Die Zahlen sind erschütternd: Über 60.000 Todesopfer, darunter mehr als 15.000 Kinder, und fast 120.000 Verletzte seit Beginn der israelischen Operationen im Oktober 2023, so die UN-Nothilfebehörde OCHA. Allein …

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  • Israels Sicherheitseliten rebellieren: 550 Ex-Offizielle fordern Waffenstillstand und Appellieren an Trump

    Israels Sicherheitseliten rebellieren: 550 Ex-Offizielle fordern Waffenstillstand und Appellieren an Trump

    In einem beispiellosen Schritt haben sich 550 ehemalige hochrangige israelische Sicherheitsbeamte – darunter Generäle, Geheimdienstchefs und Diplomaten – öffentlich gegen die derzeitige Gaza-Strategie der Regierung Netanjahu gestellt. Mit einem offenen Brief und einer Videobotschaft wenden sie sich am 4. August direkt an Donald Trump, in der Hoffnung, der US-Präsident könne als Vermittler Einfluss auf die Regierung in Jerusalem nehmen.

    Israels militärisch-intellektuelles Establishment, versammelt unter dem Banner der Gruppe Commanders for Israel’s Security (CIS), verlangt nicht weniger als einen sofortigen Stopp der Kampfhandlungen in Gaza – nach über zwanzig Monaten Krieg. Vor allem jedoch verlangen sie eine diplomatische Lösung zur Heimkehr der israelischen Geiseln.

    Strategischer Kurswechsel von innen

    „Diese Krieg hat aufgehört, ein gerechter Krieg zu sein und führt dazu, dass Israel seine Identität verliert“, warnt Ami Ayalon, ehemaliger Direktor des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, in einem Video, das die Erklärung begleitet. Seine Worte fassen die zentrale Sorge der CIS-Initiative zusammen: der anhaltende Krieg sei strategisch ausgereizt, moralisch bedenklich und politisch gefährlich.

    Die Unterzeichner – darunter drei Ex-Chefs des Mossad, fünf des Shin Bet und drei ehemalige Generalstabschefs – vertreten eine seltene Einigkeit im sicherheitspolitischen Establishment Israels. Ihre Einschätzung: Die israelische Armee habe die beiden militärisch erreichbaren Ziele bereits erfüllt – die Zerschlagung der Hamas-Regierung in Gaza sowie die weitgehende Zerschlagung ihrer militärischen Infrastruktur.

    „Der wichtigste Kriegszweck ist ungelöst – und lässt sich nur diplomatisch erreichen“

    Was aus ihrer Sicht jedoch weiterhin ungelöst bleibt, ist die Rückführung der Geiseln, die am 7. Oktober 2023 bei dem beispiellosen Hamas-Terrorüberfall verschleppt wurden. „Die Geiseln können nicht warten“, heißt es im Brief wörtlich. Die Zeit dränge, so der Appell, und die Jagd auf die verbliebenen Hamas-Kommandeure könne auch später fortgeführt werden – nicht aber das Leben der Entführten.

    Hinter diesem Argument steht auch eine strategische Neubewertung des Hamas-Risikos. Die CIS hält fest: Die radikalislamische Organisation sei militärisch und politisch entmachtet und stelle „keine strategische Bedrohung“ mehr für Israel dar. Ein gezielter Kurswechsel in Richtung Diplomatie sei daher nicht nur moralisch geboten, sondern auch sicherheitspolitisch vertretbar.

    Der Appell an Donald Trump – Kalkül oder Verzweiflung?

    Bemerkenswert ist, an wen sich die Initiative richtet: an den republikanischen Präsidenten Donald Trump. Man appelliere an dessen „Glaubwürdigkeit bei der Mehrheit der Israelis“ und erinnere an seinen diplomatischen Einfluss während seiner ersten Amtszeit – etwa beim Rückzug Israels aus Südlibanon im Jahr 2000, auf den sie sich indirekt beziehen.

    Dieser Adressat deutet auf eine komplexe politische Gemengelage hin: Während Premier Netanjahu zunehmend isoliert ist, genießt Trump bei weiten Teilen des rechten und national-religiösen Lagers in Israel nach wie vor hohes Ansehen. Die CIS hofft offenbar, Trump könnte in der innenpolitischen Pattsituation Druck auf den Premier ausüben – oder zumindest ein rhetorisches Gegengewicht zu dessen Linie bilden.

    Wachsende Kritik auch im Inland

    Die Initiative der CIS ist kein isolierter Ausbruch. Seit Monaten wächst in der israelischen Öffentlichkeit die Kritik am Fortgang des Krieges, insbesondere an der mangelnden Priorisierung der Geiselrückführung. Die Proteste der Angehörigen nehmen zu, auch aus dem Militär selbst werden kritische Stimmen laut.

    Doch die Intervention von 550 ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen markiert eine neue Eskalationsstufe – nicht zuletzt, weil sie die grundsätzliche strategische Erzählung der Regierung Netanjahu in Frage stellt: dass der Krieg gegen die Hamas bis zur „totalen Zerschlagung“ fortgeführt werden müsse, koste es, was es wolle.

    Ob dieser Weckruf zu einer Kehrtwende in Israels Gaza-Politik führt, bleibt offen. Klar ist: Wenn selbst führende Architekten der israelischen Sicherheitsdoktrin einen Kurswechsel fordern, steht mehr auf dem Spiel als eine kurzfristige militärische Entscheidung. Es geht um die moralische und strategische Selbstvergewisserung des Staates Israel – und seine Fähigkeit, Sicherheit mit Maß und politischer Weitsicht zu verbinden.

    Autor: P. Tiko