Schlagwort: französische nachrichten

  • Kommentar: Frankreich, quo vadis – ein Land zwischen Hitzetod, Waldbränden und Hoffnung

    Kommentar: Frankreich, quo vadis – ein Land zwischen Hitzetod, Waldbränden und Hoffnung

    Frankreich brennt.

    Nicht nur im wörtlichen Sinne, wenn im Sommer wieder Flammen über die Pinienwälder der Gironde lecken, Bauern ihre Ziegen vor dem Feuertod retten und Touristen auf der Autobahn bei 45 Grad feststecken.

    Sondern auch im übertragenen Sinn.

    Denn dieses stolze, oft melancholische Land steht an einem Kipppunkt – zwischen Resignation und Resilienz, zwischen der bitteren Realität des Klimawandels und dem unerschütterlichen Glauben an seine Grandeur.

    Man spürt es in Paris, wenn Radfahrer bei 38 Grad mit FFP2-Maske im Smog schwitzen und die Stadtregierung gleichzeitig neue Baumkorridore pflanzen lässt.

    Man spürt es auf dem Land, wo Winzer ihre Trauben nachts ernten, weil sie tagsüber verbrennen würden – und gleichzeitig alte Rebsorten wiederentdecken, die seit Jahrhunderten an Hitze besser angepasst sind.

    Es ist, als wäre Frankreich hin- und hergerissen zwischen Endzeitstimmung und stillem Aufbruch.

    Doch manchmal frage ich mich: Reicht „Resilienz“ wirklich aus, wenn unser Planet gerade seine Existenzgrundlage verliert?

    Oder ist Resilienz nur ein nobles Wort für Passivität – weil es bequemer klingt, als sich einzugestehen, dass unsere Lebensweise längst bankrott ist? In Frankreich begegnet man beiden Haltungen.

    Jenen, die sagen „C’est foutu“ – es ist alles verloren. Und jenen, die im Garten Solarpanels aufstellen, ihr Wasser sammeln, den Asphalt aufreißen, um Platz für Bäume zu schaffen.

    Vielleicht liegt genau hier der Kern der französischen Seele: Ein fatalistischer Blick auf die Welt, gepaart mit der stoischen Bereitschaft, es trotzdem zu versuchen.

    Doch reicht das?

    Wenn ich morgens lese, dass neue Hitzerekorde in Lyon, Marseille oder Tours gebrochen wurden, wenn Menschen in ihren kleinen, heißen Appartements kollabieren, während Klimaanlagen noch immer als Luxus gelten – dann frage ich mich, ob diese Gesellschaft jemals ihren Stolz wird herunterschlucken und sagen kann:

    „Ja, wir müssen alles ändern. Nicht ein bisschen, sondern radikal.“

    Denn das wäre kein Verlust der Grandeur. Das wäre ihr größter Triumph. Resilienz ist schön. Aber Widerstand wäre besser.

    Quo vadis, Frankreich?

    Die Antwort liegt nicht in den schönen Klimazielen auf dem Papier, sondern in den schmutzigen Händen derer, die jetzt anfangen, ihre und unsere Welt neu zu bauen.

    Autor: C.H.

  • Kommentar: Subventionsentzug als Mittel zur Zensur – wohin geht es mit der Kulturszene in Frankreich?

    Kommentar: Subventionsentzug als Mittel zur Zensur – wohin geht es mit der Kulturszene in Frankreich?

    Hier geht es nicht nur um eine sprachliche Präferenz – hier steht die kulturelle Freiheit auf dem Spiel. Mit dem Entzug von Fördermitteln gegenüber Organisationen, die inklusive Sprache nutzen, nimmt die südfranzösische Region PACA ein Mittel in die Hand, das klar als Zensur bezeichnet werden muss. Eine Filmemacherschule wie Kourtrajmé verliert plötzlich 70 000 €, weil sie das gendernde „·e·“ in ihren Anträgen benutzt – nicht, weil sie schlecht arbeitet, sondern weil sie die „Ideologie“ der Machthabenden nicht teilt.

    Ich fühle mich persönlich angegriffen: Wenn Kultur und inklusive Sprache durch finanzielle Erpressung mundtot gemacht wird, verliert sie ihre Authentizität. Es droht ein Klima der Selbstzensur. Projekte, die sich für Diversität und Perspektivenvielfalt einsetzen, geraten ins Abseits – und das im Jahr 2025! Was sagt uns das über die Zukunft der französischen Kulturszene? Dass nur noch die Stimme zählt, die genehm ist?

    Es geht längst nicht mehr nur darum, ob „les étudiant·e·s“ gut lesbar ist. Es geht um ein Machtspiel, bei dem Sprache als Waffe instrumentalisiert wird. Und die Kultur? Die wird zum Spielball, solange Förderentscheidungen wie politische Zensur wirken. Mich macht das wütend.

    Die Frage, die wir uns stellen müssen: Wie viel Freiheit sind wir bereit zu opfern, damit Fördergelder fließen? Und vor allem: Welche Rolle spielt Kunst, wenn sie sich permanent an politischen Sprachvorgaben orientieren muss?

    Meine klare Haltung: Wir dürfen uns nicht anpassen. Wir müssen laut und sichtbar bleiben! Für jede Studienteilnehmerin, jede Filmemacherin, jede Initiative, die im Namen von Vielfalt und Ausdruckskraft arbeitet. Das hier ist keine harmlose Diskussion – hier geht es um unsere kulturelle Integrität. Und ich bin überzeugt: Kultur, die sich anpasst, ist keine Kultur mehr.

    Ein Kommentar von C. Hatty

  • Warum die Région PACA keine inklusive Sprache mehr fördert – und was das bedeutet

    Warum die Région PACA keine inklusive Sprache mehr fördert – und was das bedeutet

    Ein Sternchen, ein Doppelpunkt, ein Binnen-I – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Orthographie, sondern um Ideologie, Macht und Sichtbarkeit. Die Région PACA (Provence-Alpes-Côte d’Azur) hat beschlossen: Wer Fördergeld will, darf keine inklusive Sprache verwenden. Das hat Wellen geschlagen. Und…

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  • Alles trocken im Herzen Frankreichs –Wie die Region Centre-Val de Loire unter der Dürre des Sommers leidet

    Alles trocken im Herzen Frankreichs –Wie die Region Centre-Val de Loire unter der Dürre des Sommers leidet

    Die Sommerhitze brennt erbarmungslos – und sie kommt früher als sonst. In der Region Centre-Val de Loire, dem grünen Herzen Frankreichs, ist die Lage inzwischen kritisch. Felder verdorren, Wasserstände sinken, und die Behörden greifen zu drastischen Maßnahmen. Ein Sommer der Extreme Frankreich kämpft 2025 mit einer beispiellosen Trockenheit. Bereits seit Jahresbeginn verzeichnet das Land einen durchschnittlichen Niederschlagsmangel von 20 Prozent – in manchen Regionen des Nordostens sind es sogar 80 Prozent. Die Folge: 98 Prozent des französischen Bodens gelten inzwischen als von „landwirtschaftlicher Dürre“ betroffen. Auch die Region Centre-Val de Loire bleibt davon nicht verschont – im Gegenteil. Die Region, bekannt für ihre Flüsse, Wälder und Weinberge, erlebt eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wasser: plötzlich ein kostbares Gut Besonders angespannt ist die Lage im Département Loiret. Hier griff die Präfektur bereits am 11. Juni 2025 durch un…

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  • Glutofen Gard – Wie Südfrankreich unter einer extremen Hitzewelle ächzt

    Glutofen Gard – Wie Südfrankreich unter einer extremen Hitzewelle ächzt

    Im Département Gard brennt die Sonne wie ein Schweißbrenner.

    Schon am frühen Morgen kratzen die Temperaturen an der 30-Grad-Marke – und steigen im Laufe des Tages auf 36 °C. Météo-France hat eine Wetterwarnung der Stufe Gelb ausgegeben, gültig bis Freitag um Mitternacht: wegen extremer Hitze – und möglichen Gewittern als explosive Zugabe.

    Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?

    Schon beim Frühstück flirrt die Luft

    Der Tag beginnt, und die Luft steht schon still.

    Während in anderen Landesteilen noch Tau auf den Wiesen liegt, wirkt der Gard morgens um acht wie ein riesiger Backofen. Die Hitze schleicht sich in Häuser, Herzen und Köpfe. Besonders hart trifft sie die, die ohnehin schon geschwächt sind: Ältere Menschen, kleine Kinder, chronisch Kranke.

    Ein Spaziergang? Kaum denkbar. Einkaufen? Nur mit viel Wasser – und guten Nerven. Der Alltag verwandelt sich in eine Art Survival-Modus.

    Sechs Regeln gegen den Hitzekollaps

    Die Behörden im Département Gard schlagen Alarm – und liefern gleichzeitig klare Handlungsempfehlungen.

    Ein Survival-Guide für heiße Zeiten:

    • Wasser trinken – und zwar regelmäßig. Auch ohne Durst. Der Körper meldet sich oft zu spät.
    • Den Körper kühlen. Duschen, feuchte Tücher, nasse Haare – erlaubt ist, was erfrischt.
    • Ruhe bewahren. Wörtlich. Keine sportlichen Aktivitäten in der prallen Sonne.
    • Kühle Orte nutzen. Bibliotheken, Einkaufszentren, Kinos – ideal, um der Hitze für ein paar Stunden zu entkommen.
    • Wohnungen schützen. Tagsüber Fenster und Rollläden zu, nachts lüften – wenn es denn abkühlt.
    • Nachbarn nicht vergessen. Ein kurzer Anruf kann Leben retten. Besonders bei Alleinlebenden.

    Diese Maßnahmen sind keine Kür – sie sind Pflicht, wenn man die kommenden Tage gesund überstehen will.

    Diese Hitzewelle ist kein einmaliger Ausrutscher. Sie steht beispielhaft für eine Entwicklung, die inzwischen längst zur Normalität wird.

    Frankreich erlebt immer häufiger extreme Temperaturspitzen. Die Sommer werden länger, trockener, gnadenloser. Der Klimawandel zeigt sich hier nicht als ferne Bedrohung – sondern als tägliche Realität.

    Der Süden des Landes wird dabei zur Hitzehochburg. Eine Region, die sich neu erfinden muss, wenn sie lebenswert bleiben will.

    Ein Thermometer misst keine Menschlichkeit

    Was bleibt, ist nicht nur die Frage: Wie heiß wird es morgen? Sondern: Wie gehen wir miteinander um, wenn die Temperaturen uns an unsere Grenzen bringen? Eine SMS an die Oma. Ein Getränk für den Postboten. Ein Gespräch mit dem Nachbarn, der alleine wohnt.
    Das sind keine Heldentaten – aber sie machen den Unterschied.

    Denn gegen Hitze gibt es kein Allheilmittel.

    Aber es gibt Fürsorge. Und Gemeinschaft. Und die sind, wie wir wissen, die besten Sonnenschirme der Welt.

    Autor: C. Hatty

  • Kupferdiebstahl legt Europas Schienenknoten lahm – was steckt hinter dem Kabel-Klau in Lille?

    Kupferdiebstahl legt Europas Schienenknoten lahm – was steckt hinter dem Kabel-Klau in Lille?

    Ein gezielter Angriff, mitten ins Herz des europäischen Schienennetzes. Am 25. Juni 2025 kam es im Norden Frankreichs zu einem Vorfall, der nicht nur den TGV-Verkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Lille und den europäischen Hauptstädten durcheinanderwirbelte, sondern auch grundlegende Fragen zur Sicherheit unserer Infrastrukturen aufwarf. Mehr als 600 Meter Signalkabel wurden in der Nacht auf Mittwoch südlich des Bahnhofs Lille-Europe gestohlen oder zerschnitten – mit gravierenden Folgen für Tausende Reisende. Ein Angriff im Dunkeln – mitten auf einer Hauptschlagader Europas Der Tatort: ein strategisch hochsensibler Abschnitt des Schienennetzes, das Paris mit London, Brüssel und Amsterdam verbindet. Jedes der entwendeten Kabel enthielt 28 Kupferadern – vital für Weichensteuerung und Signalsysteme. Ohne sie geht buchstäblich nichts. Die Folge: komplette Funkstille auf der Schnellfahrstrecke. Züge wurden auf Nebenstrecken umgeleitet, Verspätungen von bis zu 90 Minuten waren…

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  • Backofen Beton: Wie Lyon unter der derzeitigen Hitzeglocke leidet

    Backofen Beton: Wie Lyon unter der derzeitigen Hitzeglocke leidet

    38,9 Grad. Noch kein Hitzerekord, aber nah dran.

    Und in den Betontürmen von Lyon fühlt sich das an wie ein tropisches Dampfbad – ohne Entkommen.

    Die „Capitale des Gaules“, wie Lyon sich gern nennt, steckt mitten in einer erbarmungslosen Hitzewelle. Besonders hart trifft es die Bewohnerinnen und Bewohner der städtischen Hochhäuser – vor allem in Vierteln wie Part-Dieu.

    Hochhaus plus Sonne gleich Hitzefalle

    Was auf dem Papier modern klingt – Glasfassaden, Betonarchitektur, urbane Verdichtung –, wird in einem heissen Sommer zum Alptraum. Diese Bauten speichern Wärme wie ein Schwamm das Wasser. Und geben sie nachts nur zögerlich wieder ab. Das Phänomen ist bekannt: „Städtische Hitzeinseln“. In diesen dicht bebauten Gebieten ist es oft mehrere Grad wärmer als in den umliegenden, grüneren Gegenden.

    Ein Grund: Beton heizt sich auf wie eine Herdplatte. Und ohne Bäume, Rasenflächen oder Wasserflächen fehlt die natürliche Klimaanlage.

    Wohnungen wie Sauna-Kabinen

    Wer in diesen Hochhäusern wohnt, kennt das Problem: Trotz geschlossener Rollläden, trotz Ventilator – die Hitze kriecht durch die Wände. In vielen Wohnungen gibt es keine Klimaanlage. Oder sie ist im Dauerbetrieb zu teuer.

    Gerade ältere Menschen, kleine Kinder oder gesundheitlich angeschlagene Personen haben kaum Möglichkeiten, sich ausreichend zu schützen. Schlaf wird zur Herausforderung, der Alltag zur Qual.

    Eine Anwohnerin aus einem Wohnturm in der Nähe des Bahnhofs beschreibt es so: „Nachts fühlt sich mein Schlafzimmer an wie ein Backofen – ich schlafe inzwischen auf dem Boden, das ist der kühlste Ort.“

    Stadt reagiert mit Notmaßnahmen

    Lyon versucht gegenzusteuern: Bibliotheken, Kulturzentren und andere öffentliche Gebäude mit Klimaanlagen wurden als „Kühlräume“ geöffnet. Zudem wurden mobile Trinkwasserstellen eingerichtet – quer durch die Stadt. So soll zumindest die akute Gesundheitsgefahr etwas abgefedert werden.

    Doch diese Maßnahmen sind nur Pflaster auf einer tiefer liegenden Wunde.

    Urbaner Klimaschutz fängt beim Bauen an

    Die aktuelle Hitzewelle zeigt: Stadtplanung muss sich verändern. Begrünte Dächer, mehr Bäume, schattige Plätze, kühlende Wasserflächen – all das sind keine Luxuswünsche, sondern Überlebensstrategien für die Städte der Zukunft. Auch die Gebäudestruktur selbst gehört auf den Prüfstand: Wärmedämmung muss nicht nur im Winter schützen, sondern auch im Sommer isolieren. Das gilt für Neubauten ebenso wie für die Sanierung älterer Hochhäuser.

    Und wer soll das alles umsetzen?

    Politik, Stadtplaner:innen, Architekten – ja. Aber auch Bürgerinnen und Bürger, Vermieter, Wohnungsbaugesellschaften. Es braucht einen Schulterschluss.

    Klimaanpassung – oder Hitzeschock?

    Lyon ist kein Einzelfall. In vielen europäischen Städten treffen dieselben Probleme auf dieselben Schwachstellen. Aber Lyon zeigt exemplarisch, wie dringend eine klimaresiliente Stadtentwicklung wird.

    Die aktuelle Hitzewelle ist kein vorübergehender Ausrutscher – sie ist ein Vorbote dessen, was künftig häufiger kommt.

    Wer jetzt nicht reagiert, riskiert mehr als heisse Tage. Es geht um Lebensqualität – und in Extremfällen sogar um Leben.

    Autor: Andreas M. B.

  • Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Marseille und seine waghalsigen Klippenspringer: Zwischen Mut, Risiko und Verantwortung

    Wo das azurblaue Mittelmeer auf zerklüftete Kalksteinfelsen trifft, beginnt eine Welt, die gleichermaßen betört und beunruhigt. Die Calanques südlich von Marseille sind ein Naturparadies – rau, majestätisch, zerbrechlich. Und sie ziehen Menschen an, die das Extreme suchen.

    Denn was aussieht wie ein Postkartenidyll, ist längst zur Bühne für todesmutige Sprünge, brennende Wälder und einen Kampf um den Erhalt eines einzigartigen Ökosystems geworden.

    Loulou – der Lehrer der Furchtlosen

    Er ist eine Legende in Marseille: Lionel Franc, besser bekannt als „Loulou“. Der Mann, der sich kopfüber aus 36 Metern in die Tiefe stürzte – und dafür einen Weltrekord kassierte. Kein Seil, kein Netz, kein Spielraum für Fehler.

    Heute trainiert der 53-Jährige junge Klippenspringer aus Marseille. Die nennen sich selbst „têtes brûlées“ – Hitzköpfe. Und genau das sind viele von ihnen: junge Männer und Frauen, berauscht von Social-Media-Clips, Adrenalin und der Aussicht auf Ruhm.

    Loulou aber weiß, wie schnell der Traum zum Albtraum wird. Sein eigener Rekordsprung war das Ergebnis von zehn Jahren Training. Zehn Jahre – für ein paar Sekunden Flug.

    Sein Ziel heute? Aufklären, bremsen, schützen. „Ich fühle mich furchtbar verantwortlich“, sagt er in einem Interview. Denn trotz seiner Mahnungen, trotz seiner Kurse – die Unfälle nehmen nicht ab.

    Und die Frage steht im Raum: Wie viele müssen noch springen, bevor einer nicht mehr auftaucht?

    Wenn aus Sommerhitze Flammen werden

    Die Calanques sind nicht nur ein Ort für Extremsportler – sie sind auch ein Pulverfass. Am 31. Mai stand die Calanque de Samena in Flammen. Vier Hektar Vegetation – dahin. Binnen Minuten rückten die Marins-Pompiers aus, jene maritimen Feuerwehrleute, die in Marseille für die Sicherheit an Land und auf See sorgen. Sie hatten das Feuer schnell im Griff – diesmal.

    Doch das war nicht das erste Mal. Und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

    Seit 2012 gehören die Calanques zu einem Nationalpark – streng geschützt, einzigartig in ihrer biologischen Vielfalt. Doch gegen Zigarettenstummel, illegale Feuerstellen und sommerliche Trockenheit helfen auch Schutzschilder wenig.

    Die Realität: Ein unachtsamer Moment genügt – und die Natur steht in Flammen.

    Wandern, Klettern, Baden, Tauchen – die Calanques sind ein Magnet für Erholungssuchende. Bis zu zwei Millionen Menschen strömen jedes Jahr in das Gebiet zwischen Marseille und Cassis. Eine Belastung, die Spuren hinterlässt.

    Um das fragile Gleichgewicht zwischen Natur und Nutzung zu erhalten, greift der Nationalpark inzwischen zu drastischeren Mitteln. Besucherlimits etwa – besonders in der überlaufenen Calanque de Sugiton. Wer im Sommer dort hin will, muss vorher reservieren.

    Aber nicht alle halten sich daran. Einige ignorieren die Regeln. Andere wissen es gar nicht besser.

    Und doch: Es gibt Hoffnung.

    Einer dieser Hoffnungsschimmer trägt den Namen „Clean My Calanques“. Eine Initiative, die mit Greifzangen, Müllsäcken und guter Laune regelmäßig aufräumt, was andere liegen lassen – Zigaretten, Plastik, Dosen, Flaschen.

    Gegründet von jungen Menschen aus der Region, bringt „Clean My Calanques“ hunderte Freiwillige zusammen. Beim Aufräumen. Beim Informieren. Beim Bewusstmachen. Sie machen das, was sonst keiner macht: Sie zeigen, dass Umweltschutz nicht abstrakt ist – sondern greifbar.

    Ein Vorbild, das Schule machen könnte.

    Was also bleibt von diesem Ort, an dem Natur, Mensch und Risiko so dicht aufeinandertreffen?

    Zum einen: Die unbändige Anziehungskraft einer Landschaft, die zum Träumen einlädt. Zum anderen: Eine alarmierende Zunahme von Gefahren – seien sie sportlich oder ökologisch.

    Die Calanques sind schön. Aber sie sind kein Spielplatz.

    Wer dort springt, wandert oder einfach nur die Sonne genießt, übernimmt Verantwortung – für sich, für andere und für das, was bleibt. Denn in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät, ist der Schutz solcher Orte keine Option mehr.

    Er ist Pflicht.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn Bildung in der Hitze versiegt – ein Aufschrei aus dem Klassenzimmer

    Kommentar: Wenn Bildung in der Hitze versiegt – ein Aufschrei aus dem Klassenzimmer

    38 Grad im Schatten. Kein Windhauch. Kein Baum. Kein Erbarmen.

    So sieht in Marseille der Alltag für Tausende Kinder aus, die eigentlich lernen sollten – nicht leiden. Schulen, die einst als Orte der Hoffnung galten, verwandeln sich im Sommer in Hitzefallen, in stickige Betonkäfige, in Räume der Resignation.

    Ich schreibe diesen Text nicht als Beobachter.

    Sondern als Vater. Als Mensch. Und als jemand, der sich weigert, das als „neue Normalität“ hinzunehmen.

    Denn was da in Marseille – und möglicherweise bald überall in Frankreich – passiert, ist ein stiller, aber systematischer Bildungsbruch. Und er beginnt mit einem Hitzestau im Klassenzimmer.

    Wenn Kinder Nasenbluten bekommen, sich übergeben, weinen vor Erschöpfung, dann ist das kein Wetterphänomen. Dann ist das Politikversagen in Reinform.

    Wie kann es sein, dass Schulen – unsere wichtigste gesellschaftliche Institution nach Krankenhäusern – schlechter gegen die Hitze geschützt sind als Supermärkte?

    Wie kann es sein, dass es für Fleisch eine Kühlpflicht gibt, aber für Kinder in Schulen keine Temperaturgrenze?

    Wollen wir wirklich zusehen, wie ganze Jahrgänge zwischen Schweiß und Sauerstoffmangel aufwachsen?

    „Wir haben doch Ventilatoren verteilt.“ Dieser Satz, so oft gehört aus dem Mund von Kommunalpolitikern, ist ein Hohn. Ein Ventilator in einem 35-Quadratmeter-Klassenzimmer mit 28 Kindern ist keine Lösung. Es ist eine Verhöhnung.

    Es zeigt: Wer so entscheidet, sitzt nicht in der Hitze. Wer so entscheidet, schwitzt nicht. Wer so entscheidet, hat in seiner Schulzeit wahrscheinlich nie einen Sommer wie diesen erlebt.

    Wenn wir über Chancengleichheit reden, über gerechte Bildung und Zukunftskompetenzen – dann fängt das alles beim Raumklima an. Wörtlich. Denn wer in einem 38 Grad heißen Klassenzimmer sitzt, lernt nicht mehr – er überlebt.

    Und während die Eltern in Marseille ihre Kinder mit feuchten Tüchern zur Schule schicken, stellen sich im Bildungsministerium die Pressesprecher die Frage, ob das Thema „vermittelbar“ sei.

    Ich sage: Nein, nicht vermittelbar – sondern unaushaltbar.

    Muss erst ein Kind kollabieren? Muss erst ein Lehrer ins Krankenhaus? Müssen wir warten, bis wieder einmal „nach der Katastrophe“ alles besser werden soll? Oder begreifen wir endlich, dass Klimaanpassung nicht nur eine Umweltfrage ist – sondern eine soziale, eine moralische, eine bildungspolitische?

    Marseille ist erst der Anfang

    Was heute in Marseille passiert, kann morgen in Lyon, Toulouse, Bordeaux zur Regel werden.

    Wenn wir nicht radikal umdenken. Wenn wir nicht sofort und ernsthaft in Hitzeschutz investieren – in Dämmung, Begrünung, Lüftungssysteme. Nicht in drei Jahren. Jetzt.

    Denn Bildung, die in der Hitze versiegt, ist keine Bildung mehr.

    Es ist ein Staatsversagen auf leisen Sohlen.

    Und es schreit nach Veränderung.

    Ein Kommentar von Daniel Ivers

  • Schulen als Hitzefallen – Wie Marseilles Klassenzimmer zur Gesundheitsgefahr werden

    Schulen als Hitzefallen – Wie Marseilles Klassenzimmer zur Gesundheitsgefahr werden

    Wenn das Thermometer über 35 Grad klettert und der Schulalltag zur schweißtreibenden Tortur wird, ist nicht nur der Lernerfolg in Gefahr – sondern auch die Gesundheit von Kindern und Lehrkräften. In Marseille ist genau das zur Zeit traurige Realität. Brutkasten Klassenzimmer Viele Schulen der südfranzösischen Metropole gleichen im Sommer einem Backofen. In manchen schulischen Einrichtungen steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 35 °C – im Schatten. Einzelne Räume erreichen sogar 38 °C. Das hat Folgen: Kinder klagen über Kopfschmerzen, erleiden Kreislaufzusammenbrüche, übergeben sich – und manche bekommen sogar Nasenbluten. Lehrerinnen und Lehrer berichten von erschöpften Schülern, die kaum noch konzentriert am Unterricht teilnehmen können. Ein Problem mit System. Denn viele Schulgebäude sind alt, schlecht isoliert und baulich nicht für die heutigen klimatischen Bedingungen ausgelegt. Die Höfe sind oft versiegelt, schattenlos und ohne jede Begrünung – sie heizen sich auf wie eine …

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