Schlagwort: Frankreich

  • Macron ruft zur «totalen Mobilisierung» auf: Frankreich kämpft gegen den neuen Benzinpreisschock

    Macron ruft zur «totalen Mobilisierung» auf: Frankreich kämpft gegen den neuen Benzinpreisschock

    Frankreichs Energiekrise erreicht erneut die Zapfsäulen. Präsident Emmanuel Macron hat die Regierung zu einer «totalen Mobilisierung» aufgefordert, um die Versorgung mit Treibstoffen zu sichern und den weiteren Anstieg der Preise einzudämmen. Rund jede zehnte Tankstelle meldet inzwischen Schwierigkeiten bei mindestens einer Kraftstoffsorte. Von einer landesweiten Versorgungskrise will die Regierung dennoch nichts wissen. Hinter der angespannten Lage steht vielmehr ein internationaler Energieschock, der Frankreichs begrenzten Einfluss auf den Ölpreis ebenso offenlegt wie die fortbestehende Abhängigkeit Europas von fossilen Importen. Benzin und Diesel werden zum politischen Problem Nach der Sitzung des Ministerrats am 16. September formulierte Regierungssprecherin und Energieministerin Maud Bregeon die Vorgaben des Präsidenten ungewöhnlich deutlich. In den kommenden Tagen und Wochen müsse Frankreich seine Versorgung absichern, zusätzliche Mengen auf den internationalen Märkten beschaffen…

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  • Frankreich entdeckt seine Rentner als Haushaltsposten

    Frankreich entdeckt seine Rentner als Haushaltsposten

    Kommentar Es gibt in der französischen Haushaltspolitik offenbar noch unerschlossene Rohstoffvorkommen. Man muss nur gründlich genug suchen. Unter jedem Kopfkissen könnte schließlich noch ein Sparbuch liegen, in irgendeiner Küchenschublade eine Lebensversicherung und auf irgendeinem Konto die Rente eines Menschen, der den bemerkenswerten Fehler begangen hat, jahrzehntelang zu arbeiten und anschließend nicht rechtzeitig zu verarmen. Nun also die Rentner. Bei der Vorbereitung des französischen Haushalts für 2027 wird darüber diskutiert, auch Pensionäre stärker an der Sanierung der Staatsfinanzen zu beteiligen. Wirtschaftsminister Roland Lescure spricht von einem Konsolidierungsbedarf von ungefähr 30 Milliarden Euro. Ministerpräsident Sébastien Lecornu hat eine Debatte darüber eröffnet, welchen Beitrag Rentner leisten könnten. Dabei geht es unter anderem um eine geringere Anpassung bestimmter Pensionen an die Inflation und um den steuerlichen Abschlag von 10 Prozent auf Renteneinkünfte. B…

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  • Frankreich erweitert seine nukleare Abschreckung nach Osten – Moskau warnt vor neuem Risiko

    Frankreich erweitert seine nukleare Abschreckung nach Osten – Moskau warnt vor neuem Risiko

    Russland betrachtet Frankreichs neue «vorgelagerte nukleare Abschreckung» zunehmend als strategische Herausforderung. Nachdem Finnland Mitte September der von Präsident Emmanuel Macron initiierten Zusammenarbeit beigetreten ist, warnte Moskau vor einem zusätzlichen «Risiko» für Russland. Hinter dem diplomatischen Schlagabtausch steht eine wesentlich grössere Frage: Beginnt Europa, neben dem amerikanischen Atomschirm eine eigenständige nukleare Sicherheitsarchitektur aufzubauen? Die französische Initiative gehört zu den bedeutendsten Veränderungen der europäischen Abschreckungspolitik seit dem Ende des Kalten Krieges. Sie verändert zwar nicht die Verfügungsgewalt über Frankreichs Atomwaffen. Diese bleibt ausschliesslich beim französischen Präsidenten. Doch Paris öffnet seine bisher ausgesprochen nationale Nuklearstrategie stärker für europäische Partner. Moskau verschärft den Ton Die russische Reaktion folgte auf den Beitritt Finnlands zur französischen Initiative. Maria Sacharowa, Spre…

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  • Frankreichs Tankstellen unter Druck: Warum Paris trotz leerer Zapfsäulen keine Benzinkrise sieht

    Frankreichs Tankstellen unter Druck: Warum Paris trotz leerer Zapfsäulen keine Benzinkrise sieht

    Frankreich erlebt erneut jene nervöse Mischung aus steigenden Kraftstoffpreisen, lokalen Versorgungsengpässen und wachsendem sozialen Unmut, die Erinnerungen an frühere Energiekrisen weckt. Die Regierung bemüht sich deshalb um eine klare Botschaft: Von einer landesweiten Treibstoffknappheit könne keine Rede sein. Energieministerin Maud Brégeon erklärte am 15. September, 90 Prozent der französischen Tankstellen hätten keinerlei Schwierigkeiten bei der Versorgung. Doch hinter dieser beruhigenden Zahl verbirgt sich eine angespannte Lage – und ein Problem, das weit über einzelne leere Zapfsäulen hinausgeht. Zehn Prozent der Tankstellen melden Engpässe Die Zahlen der Regierung bestätigen zunächst Brégeons Darstellung. Am Morgen des 15. September waren 90 Prozent der französischen Tankstellen ohne Versorgungsschwierigkeiten. Umgekehrt bedeutete dies allerdings, dass etwa jede zehnte Station bei mindestens einer Benzin- oder Dieselsorte einen Engpass meldete. Noch am Vortag hatte der Anteil d…

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  • Russlands Druck auf Europa wächst – Paris warnt vor einer neuen Stufe der Konfrontation

    Russlands Druck auf Europa wächst – Paris warnt vor einer neuen Stufe der Konfrontation

    Russlands Krieg gegen die Ukraine bleibt das Zentrum der europäischen Sicherheitskrise. Doch aus Sicht Frankreichs reicht die Konfrontation inzwischen weit über das ukrainische Schlachtfeld hinaus. Sabotageakte, Cyberangriffe, Störungen kritischer Infrastruktur und Verletzungen des Luftraums bilden ein zunehmend dichtes Muster von Zwischenfällen. Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot spricht von «unverantwortlichen Handlungen» Moskaus und einer Aggressivität gegenüber Europa, die sich beschleunige. Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die für die Nato immer schwieriger zu beantworten ist: Wo endet hybride Einflussnahme – und wo beginnt ein Angriff? Paris sieht eine zunehmende russische Risikobereitschaft Die Wortwahl des französischen Aussenministers ist ungewöhnlich deutlich. Jean-Noël Barrot beschreibt Russland nicht allein als militärischen Aggressor gegen die Ukraine, sondern als Staat, dessen Konfrontation mit Europa zunehmend andere Schauplätze erfasst. Am 15. Septemb…

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  • Frankreich entdeckt wieder die gelbe Warnweste

    Frankreich entdeckt wieder die gelbe Warnweste

    Kommentar Es gibt Kleidungsstücke, die altern schlecht. Und es gibt die gelbe Warnweste. Sie liegt jahrelang im Kofferraum, zwischen Wagenheber und Verbandskasten, und wartet geduldig darauf, wieder französische Innenpolitik zu machen. Nun könnte es am 17. Oktober so weit sein. Der Sprit wird unbezahlbar, die Kaufkraft schmilzt – und plötzlich erinnert sich Frankreich daran, dass man soziale Probleme auch auf Kreisverkehren diskutieren kann. Die Politik reagiert darauf mit jener bemerkenswerten Mischung aus Verständnis und Panik, die man in Paris offenbar „Dialog“ nennt. Die Regierung beobachtet die Lage selbstverständlich „aufmerksam“. Das ist beruhigend. Wenn Bürger ihre Tankrechnung kaum noch bezahlen können, hilft es ungemein zu wissen, dass irgendwo in einem Ministerium jemand sehr aufmerksam schaut. Der Rassemblement national wiederum entdeckt erwartungsgemäss das leidende Volk. Marine Le Pen versteht dessen Zorn ganz ausgezeichnet – solange niemand auf die absurde Idee kommt, si…

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  • Wasserkrise: Liegt die Lösung unter unseren Füßen?

    Wasserkrise: Liegt die Lösung unter unseren Füßen?

    Dürresommer, sinkende Pegelstände, Bewässerungsverbote und Streit um eine knapper werdende Ressource: Europas Wasserproblem ist längst keine ferne Zukunftsfrage mehr. Die Debatte kreist meist um neue Speicherbecken, Meerwasserentsalzung oder die Wiederverwendung von Abwasser. Doch ein gewaltiger Wasserspeicher liegt dort, wo ihn kaum jemand sieht – unter unseren Füßen.

    Grundwasser macht außerhalb der Gletscher rund 99 Prozent des flüssigen Süßwassers der Erde aus. Lange galt dieser Vorrat beinahe als selbstverständlich. Inzwischen rückt eine andere Sichtweise in den Vordergrund: Grundwasserleiter, sogenannte Aquifere, müssten nicht nur geschützt, sondern gezielter als natürliche Speicher genutzt werden.

    Der entscheidende Vorteil liegt buchstäblich im Boden.

    Während Wasser in Stauseen und offenen Rückhaltebecken bei Hitze verdunstet, lagert es unterirdisch weitgehend geschützt. In Frankreich gelangen mehr als 60 Prozent der Niederschläge durch Verdunstung und die Transpiration der Pflanzen wieder in die Atmosphäre. Nur ein Teil versickert tief genug, um Grundwasservorkommen zu erreichen. Dort bleibt das Wasser je nach geologischer Beschaffenheit Monate oder sogar Jahre gespeichert.

    Diese Reserven speisen Flüsse während trockener Perioden, sichern die Trinkwasserversorgung und dienen der Landwirtschaft. Gleichzeitig zeigt sich ein zunehmend absurdes Bild: Heftige Niederschläge nehmen zu, doch große Wassermengen rauschen über versiegelte Flächen und Flüsse Richtung Meer. Wasser gibt es plötzlich reichlich – nur am falschen Ort und zur falschen Zeit.

    Genau hier setzt die sogenannte gesteuerte Grundwasseranreicherung an. Statt überschüssiges Regenwasser oder geeignetes aufbereitetes Wasser abfließen zu lassen, wird es über Versickerungsbecken, begrünte Gräben oder spezielle Brunnen in den Untergrund geleitet.

    Neu ist die Idee keineswegs. In trockenen Regionen existieren vergleichbare Verfahren seit Jahrhunderten. Moderne Mess- und Aufbereitungstechnik erlaubt allerdings eine wesentlich genauere Kontrolle darüber, welche Wasserqualität in den Untergrund gelangt und welchen Weg das Wasser dort nimmt.

    Auch Frankreich untersucht solche Verfahren. Ziel ist nicht, fehlenden Regen künstlich zu ersetzen. Vielmehr sollen winterliche Wasserüberschüsse gespeichert werden, damit sie in trockenen Sommermonaten zur Verfügung stehen. In Tunesien gehen Projekte noch einen Schritt weiter: Dort dient teilweise gereinigtes Abwasser zur Wiederauffüllung von Aquiferen. Solche Verfahren verlangen allerdings eine äußerst strenge Überwachung der Wasserqualität.

    Die Vorteile unterirdischer Speicher liegen auf der Hand. Die Verdunstungsverluste bleiben gering, der Flächenverbrauch fällt gegenüber großen Stauseen kleiner aus und der Boden besitzt eine gewisse natürliche Filterwirkung. Zudem verschwinden die Anlagen weitgehend aus dem Landschaftsbild – kein unwesentlicher Punkt, wenn neue Wasserprojekte regelmäßig politische Konflikte auslösen.

    Ein Wundermittel ist die Methode trotzdem nicht.

    Wo Landwirtschaft, Industrie und Haushalte mehr Grundwasser entnehmen, als sich langfristig neu bildet, kuriert zusätzliche Einspeisung lediglich die Symptome. Hinzu kommt das Risiko von Schadstoffen. Verunreinigtes Wasser in einen Aquifer einzuleiten wäre ungefähr so klug, wie den eigenen Trinkwasservorrat neben dem Farbeimer zu lagern – kann man machen, sollte man lieber lassen.

    Der eigentliche Wandel reicht deshalb tiefer. Wasserexperten sprechen zunehmend davon, Wasser in der Landschaft zu „bremsen“. Entsiegelte Städte, wiederhergestellte Feuchtgebiete, Hecken, durchlässigere Böden und eine angepasste Landwirtschaft fördern die natürliche Versickerung.

    Der Untergrund könnte damit zum unsichtbaren Wasserspeicher des 21. Jahrhunderts avancieren. Denn wenn Niederschläge infolge des Klimawandels unregelmäßiger und heftiger auftreten, entscheidet nicht allein die Menge des Regens über Wasserknappheit. Entscheidend ist, wie viel davon für trockene Zeiten erhalten bleibt.

    Aquifere bieten dafür einen gewaltigen natürlichen Tresor. Doch auch der größte Tresor ist irgendwann leer, wenn ständig mehr herausgenommen als hineingelegt wird.

    Die Lösung der Wasserkrise liegt deshalb möglicherweise tatsächlich unter unseren Füßen – vorausgesetzt, über der Erde beginnt ein sparsamerer und klügerer Umgang mit Wasser.

    Andreas M. Brucker

  • Frankreichs Küsten unter Druck: Die Grünen machen die Klimaanpassung zum Wahlkampfthema

    Frankreichs Küsten unter Druck: Die Grünen machen die Klimaanpassung zum Wahlkampfthema

    Frankreich besitzt rund 20 000 Kilometer Küste – und ein wachsender Teil davon wird zum politischen Problem. Erosion, steigende Meeresspiegel und Überflutungsrisiken zwingen Staat und Kommunen zu Entscheidungen, die weit über klassischen Küstenschutz hinausgehen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027 wollen Les Écologistes um Marine Tondelier daraus eine zentrale Frage staatlicher Vorsorge machen. Ihr Programm setzt weniger auf immer höhere Mauern gegen das Meer als auf natürliche Schutzräume, eine andere Raumplanung und langfristig auch auf den Rückzug aus besonders gefährdeten Gebieten. Damit greifen die französischen Grünen ein Problem auf, das längst nicht mehr abstrakt ist. Nach Angaben des französischen Umweltministeriums befinden sich rund 20 Prozent der Küstenabschnitte im Rückzug. Innerhalb von fünf Jahrzehnten gingen durch Küstenerosion etwa 30 Quadratkilometer Land verloren. Zugleich lebt jeder achte Franzose in einer Küstengemeinde. Dort befinden sich rund 5,5 Millionen …

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  • Frankreich vor der Wahl der Extreme: Ein Duell Le Pen gegen Mélenchon ist plötzlich realistisch

    Frankreich vor der Wahl der Extreme: Ein Duell Le Pen gegen Mélenchon ist plötzlich realistisch

    Frankreich nähert sich einer Präsidentschaftswahl, die das politische Koordinatensystem der Fünften Republik grundlegend verändern könnte. Gut sieben Monate vor dem ersten Wahlgang zeichnet sich ein Szenario ab, das vor wenigen Jahren noch als fast undenkbarer Ausnahmefall gegolten hätte: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon könnten sich im zweiten Wahlgang gegenüberstehen. Unvermeidlich ist dieses Duell keineswegs. Doch die jüngsten Umfragen machen deutlich, dass es nicht länger als theoretische Möglichkeit abgetan werden kann. Bemerkenswert ist dabei weniger der Aufstieg zweier politischer Persönlichkeiten, die Frankreich seit vielen Jahren kennt. Bemerkenswert ist vielmehr die Schwäche jener Kräfte, die den Staat während der vergangenen Jahrzehnte regiert haben. Die eigentliche Botschaft der Umfragen lautet deshalb: Frankreichs politisches Zentrum verliert seine Fähigkeit, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen zu bündeln. Das Zentrum hinterlässt ein Vakuum Emmanuel Mac…

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  • Frankreichs Fischer schlagen Alarm: Der Treibstoffpreis treibt die Branche an ihre Grenzen

    Frankreichs Fischer schlagen Alarm: Der Treibstoffpreis treibt die Branche an ihre Grenzen

    Mit der Blockade eines Erdöldepots in Fos-sur-Mer haben französische Fischer ihren Protest gegen die hohen Treibstoffpreise erheblich verschärft. Seit den frühen Morgenstunden des 15. September blockieren mehrere Dutzend Fischer die Ausfahrt des Terminals nahe Marseille. Rund 50 Tanklastwagen waren nach Angaben der Behörden zeitweise betroffen. Hinter der Aktion steht jedoch mehr als ein Streit über Dieselpreise: Frankreichs Mittelmeerfischerei sieht ihr wirtschaftliches Modell zunehmend gefährdet.

    Protest an einem strategischen Ort

    Die Blockade begann gegen drei Uhr morgens. Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet. Die Demonstranten verlangen Gespräche mit Catherine Chabaud, der für Meer und Fischerei zuständigen Ministerin.

    Bereits am Montag hatten Fischer in Sète und Port-Vendres protestiert. Hinter der Mobilisierung stehen regionale Fischereiverbände aus Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d’Azur und Korsika sowie Erzeugerorganisationen und Berufsverbände. Damit erhält der Konflikt eine Dimension, die über einzelne Häfen hinausgeht.

    Der Ort der jüngsten Aktion ist bewusst gewählt. Fos-sur-Mer gehört zu den bedeutendsten Energie- und Industriestandorten Frankreichs. Die dortige Société du Pipeline Sud-Européen betreibt 40 Tanks mit einer nominalen Lagerkapazität von 2,26 Millionen Kubikmetern. Über Pipelines ist der Standort unter anderem mit Anlagen in Lyon und Ostfrankreich verbunden.

    Wer hier Tanklastwagen aufhält, erzeugt erheblich mehr Aufmerksamkeit als mit einer Demonstration in einem Fischereihafen.

    Diesel wird zur Existenzfrage

    Auslöser der Proteste ist der Preis für Schiffsdiesel. Die seit dem Frühjahr verschärfte Krise im Nahen Osten hat die internationalen Energiemärkte belastet. Für die Fischerei ist dies besonders problematisch, weil Treibstoff einen erheblichen Anteil der Betriebskosten ausmacht.

    Bereits im Frühjahr überschritt der Preis für Marinediesel zeitweise die Marke von einem Euro je Liter. Im französischen Senat wurde im Juni auf die dramatische Kalkulation der Branche hingewiesen: Ein Preis von etwa 60 Cent gilt für manche Betriebe als wirtschaftlich tragfähig. Bei 80 Cent verschlechtert sich die Rentabilität deutlich; bei einem Euro können einzelne Ausfahrten mehr kosten, als der Verkauf des Fangs einbringt.

    Die Konsequenz ist ungewöhnlich für eine Branche, deren Geschäftsmodell traditionell auf möglichst intensiver Nutzung der verfügbaren Fangtage beruht: Schiffe bleiben im Hafen, weil Auslaufen Verluste produzieren würde.

    Staatliche Hilfen reichen nicht aus

    Paris hat auf die Krise reagiert. Für April erhielten Fischereiunternehmen eine Unterstützung von 20 Cent je Liter, für Mai waren es 35 Cent. Allein für diese beiden Monate stellte die Regierung 13 Millionen Euro bereit. Weitere Hilfen für Juni, Juli und August wurden angekündigt.

    Doch die Subventionen lösen das strukturelle Problem nicht. Die Fischer argumentieren, dass sich steigende Energiepreise mit höheren Wartungs-, Personal- und Finanzierungskosten sowie zunehmenden regulatorischen Anforderungen überlagern. Gerade kleinere Betriebe verfügen kaum über Reserven, um solche Belastungen über längere Zeit auszugleichen.

    Hinzu kommt ein grundsätzlicher Zielkonflikt. Frankreich und die Europäische Union wollen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren. Die bestehende Fischereiflotte ist jedoch weiterhin stark auf Diesel angewiesen. Alternative Antriebe erfordern erhebliche Investitionen und lassen sich bei vielen vorhandenen Schiffen nicht kurzfristig einsetzen.

    Ein Konflikt mit politischem Potenzial

    Damit wird Fos-sur-Mer zum Symbol eines größeren Problems. Kurzfristig verlangen die Fischer Entlastung beim Treibstoff. Langfristig geht es um die Frage, ob traditionelle Fischereibetriebe unter den veränderten wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen noch ausreichend rentabel arbeiten können.

    Für die Regierung besteht das Dilemma darin, akute Hilfen zu gewähren, ohne eine dauerhafte Subventionsabhängigkeit von fossilem Treibstoff zu schaffen. Gleichzeitig ist die Fischerei wirtschaftlich mit Häfen, Fischauktionen, Verarbeitung und Handel verflochten. Bleiben Schiffe im Hafen, trifft dies deshalb nicht nur deren Eigentümer.

    Entscheidend wird nun sein, ob sich die Proteste ausweiten. Bleibt Fos-sur-Mer eine punktuelle Blockade, dürfte die Wirkung vor allem politisch und symbolisch sein. Schließen sich weitere Häfen oder Fischerverbände an und geraten zusätzliche Energieinfrastrukturen ins Visier, steigt der Druck auf Paris erheblich. Die Forderung nach «konkreten Antworten» könnte dann rasch zu einer neuen wirtschafts- und sozialpolitischen Bewährungsprobe für die französische Regierung werden.

    P.T.