Der schwere Waldbrand in der Forêt de Fontainebleau südöstlich von Paris hat sich in der Nacht auf Montag dramatisch verschärft. Fast 200 Menschen mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen, nachdem sich die Flammen gefährlich nah an mehrere Wohngebiete herangearbeitet hatten. Besonders betroffen sind die Gemeinden Vaudoué und Noisy-sur-École, wo Einsatzkräfte zahlreiche Anwohner in Sicherheit brachten.
Für viele Familien kam die Evakuierung völlig unerwartet. Innerhalb weniger Minuten blieb lediglich Zeit, wichtige Dokumente, Medikamente und einige persönliche Gegenstände zusammenzupacken. Die Ungewissheit über den Zustand der eigenen Wohnung oder des Hauses belastet viele Betroffene. Noch steht nicht fest, wann eine Rückkehr möglich sein wird.
Das Feuer war am Sonntagnachmittag im Waldgebiet des Massivs Trois Pignons ausgebrochen. Begünstigt durch anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen und zeitweise kräftigen Wind entwickelte sich daraus einer der größten Waldbrände, den die Region Île-de-France seit Jahren erlebt hat. Inzwischen fielen rund 800 Hektar Wald den Flammen zum Opfer.
Die Forêt de Fontainebleau zählt zu den bekanntesten Naturgebieten Frankreichs. Millionen Besucher schätzen jedes Jahr die ausgedehnten Wälder, markanten Sandsteinfelsen und zahlreichen Wanderwege. Umso größer ist die Sorge, dass der Brand nicht nur wertvolle Natur zerstört, sondern auch dauerhaft Spuren in einem der bedeutendsten Naherholungsgebiete des Landes hinterlässt.
Mit einem Großaufgebot kämpfen rund 400 Feuerwehrleute gegen die Flammen. Unterstützung erhalten sie von Löschflugzeugen, Hubschraubern und einem Aufklärungsflugzeug. Während der Nacht konzentrierten sich die Einsatzkräfte am Boden darauf, die Ausbreitung des Feuers einzudämmen und Wohnhäuser zu schützen. Der Einsatz von Löschflugzeugen in der Region rund um Paris gilt als außergewöhnlich, da solche Maschinen bislang fast ausschließlich in den besonders brandgefährdeten Mittelmeerregionen zum Einsatz kamen.
Auch der Verkehr blieb von den Auswirkungen nicht verschont. Die Autobahn A6 musste zeitweise teilweise gesperrt werden, da dichter Rauch die Sicht erheblich beeinträchtigte. Gleichzeitig informierten die Behörden die Bevölkerung per Warnmeldung auf Mobiltelefonen über die Gefahrenlage und mögliche weitere Evakuierungen.
Der Waldbrand fällt in eine Phase außergewöhnlicher Hitze. Frankreich erlebt bereits die dritte Hitzewelle seit Mai, viele Regionen leiden unter extremer Trockenheit. Die ausgedörrte Vegetation wirkt wie Zunder und erhöht das Risiko großflächiger Vegetationsbrände erheblich. Der Brand bei Fontainebleau zeigt eindrucksvoll, dass sich diese Gefahr längst nicht mehr auf den Süden des Landes beschränkt, sondern zunehmend auch die Umgebung der Hauptstadt erreicht.
Autor: Daniel Ivers









