Schlagwort: Europäische Union

  • Drohnen über Europa: Warum Jean-Yves Le Drians „Intransigeanz“ mehr als nur ein Schlagwort ist

    Drohnen über Europa: Warum Jean-Yves Le Drians „Intransigeanz“ mehr als nur ein Schlagwort ist

    Ein paar Sekunden Lärm, ein Punkt am Himmel – und plötzlich ist das nächste politische Beben da. Im September 2025 haben gleich mehrere Drohnenflüge über europäischen Flughäfen und an der Grenze Polens eine Schwachstelle offengelegt, die vielen bis dahin nur theoretisch bewusst war: Europas Luftraum ist verletzlich, seine Abwehr gegen unbemannte Flugkörper löchrig, fragmentiert und uneinheitlich. Die Vorfälle reichen von kurzfristigen Sperrungen der dänischen Flughäfen Kopenhagen und Aalborg bis hin zu einem massiven Angriff mit bis zu 23 Drohnen über Polen. Einige wurden abgeschossen, andere drangen tief in polnisches Territorium ein. Warschau reagierte prompt: Artikel 4 der NATO wurde angerufen – ein Signal, dass man diese Eskalation nicht als Routine-Provokation abtun will. Und mitten hinein in diese Verunsicherung fällt ein Satz, der aufhorchen lässt. Jean-Yves Le Drian, Frankreichs ehemaliger Außenminister, soll gesagt haben: „Il faut être intraitable“ – man müsse unerbittlich sei…

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  • Finanzen am Limit: Droht Frankreich ein „griechisches Szenario“?

    Finanzen am Limit: Droht Frankreich ein „griechisches Szenario“?

    Frankreich steht im Jahr 2025 vor einer seiner heikelsten finanzpolitischen Phasen seit Einführung des Euro. Mit einer Staatsverschuldung von rund 3.300 Milliarden Euro, was 114 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht, und einem Defizit von über fünf Prozent des BIP hat die Republik die Maastricht-Kriterien weit hinter sich gelassen. Beobachter ziehen Parallelen zur griechischen Schuldenkrise der frühen 2010er-Jahre – ein genauerer Blick zeigt sowohl Unterschiede als auch bedrohliche Gemeinsamkeiten. Der Vergleich mit Griechenland Die Krise in Athen war durch eine extreme Überschuldung von mehr als 170 Prozent des BIP, zweistellige Defizite und den Verlust des Zugangs zu den Finanzmärkten gekennzeichnet. Griechenland wurde in eine Kette internationaler Hilfsprogramme gezwungen und musste drastische Sparmaßnahmen akzeptieren. Frankreich ist von solchen Extremwerten noch entfernt. Die Märkte gewähren Paris weiterhin Zugang zu Kapital, und die französische Wirtschaft verfügt über ein…

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  • Koalition der Willigen: Europas neue Sicherheitsarchitektur formiert sich in Paris

    Koalition der Willigen: Europas neue Sicherheitsarchitektur formiert sich in Paris

    Mit einem Signal der Geschlossenheit haben sich über 30 Staaten in Paris zur „Koalition der Willigen“ bekannt – einem sicherheitspolitischen Bündnis, das die militärische und politische Unterstützung für die Ukraine auf eine neue, eigenständige Grundlage stellen will. Das Gipfeltreffen in der französischen Hauptstadt, mit Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer als Gastgebern sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als Ehrengast, markiert eine strategische Weichenstellung: Die europäische Antwort auf die russische Aggression soll nicht länger von Washington abhängig sein. Eine Koalition jenseits der NATO Die „Koalition der Willigen“ wurde im März 2025 bei einem Londoner Gipfel ins Leben gerufen – als Reaktion auf die zunehmend erratische US-Außenpolitik und das Bedürfnis, militärische Unterstützung für die Ukraine auch unabhängig von der NATO zu organisieren. Zwar bleibt das transatlantische Bündnis ein sicherheitspolitischer Rahmen, doch agiert d…

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  • Frankreichs Fiskalwende: Will der Staat die Reichsten jetzt stärker zur Kasse bitten?

    Frankreichs Fiskalwende: Will der Staat die Reichsten jetzt stärker zur Kasse bitten?

    Frankreichs umstrittener Haushaltsplan markiert einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel in der Fiskalpolitik: Zum ersten Mal seit der Abschaffung der Vermögenssteuer im Jahr 2017 geht die Regierung wieder gezielt gegen Steuerprivilegien für die Wohlhabendsten vor. Im Zentrum steht die Einführung einer Mindestertragsbesteuerung für hohe Einkommen, flankiert von einer Debatte über eine neue Vermögenssteuer für Ultrareiche. Diese Entwicklungen spiegeln den wachsenden fiskalischen Druck auf den französischen Staat ebenso wie eine gesellschaftliche Rückbesinnung auf das Prinzip der Steuerfairness wider – mit ungewissem wirtschaftlichem Ausgang. Eine Mindestertragssteuer für Top-Verdiener Kernstück des neuen Haushalts ist die sogenannte Contribution Différentielle sur les Hauts Revenus (CDHR) – eine differenzielle Zusatzabgabe auf hohe Einkommen. Sie verpflichtet rund 24 300 Haushalte mit einem Einkommen über 250 000 Euro (bzw. 500 000 Euro bei Paaren), mindestens 20 Prozent ihres Einkommens …

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  • Europäische Presse sieht Bayrous Vertrauensvotum als politisches Risiko

    Europäische Presse sieht Bayrous Vertrauensvotum als politisches Risiko

    Mit der Ankündigung eines Vertrauensvotums am 8. September 2025 hat Frankreichs Premierminister François Bayrou die politische Krise seines Landes weiter zugespitzt. Der Schritt, den er selbst initiiert hat, wird in der europäischen Presse einhellig als riskantes Manöver beschrieben – nicht zuletzt, weil seine Regierung über keine stabile Mehrheit im Parlament verfügt und das politische Klima in Paris ohnehin hochgradig polarisiert ist. Ein Sparhaushalt als Zündfunke Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Bayrous Haushaltsplan, der Einsparungen in Höhe von 44 Milliarden Euro vorsieht. Vorgesehen sind unter anderem die Abschaffung zweier Feiertage, Steuererhöhungen und Kürzungen bei Sozialleistungen. Für die Regierung argumentiert Bayrou, Frankreich müsse seine Staatsfinanzen in den Griff bekommen, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte zu sichern. Doch sowohl linke als auch rechte Oppositionsparteien lehnen den Plan ab. Bereits vor dem Vertrauensvotum haben sie angekündigt, g…

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  • Reformieren oder scheitern: François Bayrou und der riskante Haushalt 2026

    Reformieren oder scheitern: François Bayrou und der riskante Haushalt 2026

    Frankreichs Premierminister François Bayrou hat mit der Ankündigung gezielter Steuererhöhungen für Besserverdienende ein neues politisches Signal gesetzt. In einem von fiskalischem Druck und wachsender politischer Instabilität geprägten Umfeld plant die Regierung eine umfassende Haushaltskonsolidierung. Ziel ist es, das öffentliche Defizit bis 2026 auf 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken – ein ambitioniertes Vorhaben angesichts einer Staatsverschuldung, deren Schuldendienst 2025 mit voraussichtlich 66 Milliarden Euro höher ausfällt als die Ausgaben für Verteidigung oder Bildung. Der Vorstoß Bayrous, zusätzliche Einnahmen durch den Abbau von Steuervorteilen für Spitzenverdiener und Großunternehmen zu erzielen, ist dabei nicht nur fiskalpolitisch motiviert. Vielmehr markiert er auch eine strategische Neupositionierung im politischen Zentrum Frankreichs – mit ungewissem Ausgang. Ein „spezifischer Beitrag“ der Vermögenden Der von Bayrou angekündigte „spezifische Beitrag“ …

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  • Haushalt unter Druck: Frankreichs fiskalische Sonderrolle in Europa

    Haushalt unter Druck: Frankreichs fiskalische Sonderrolle in Europa

    Frankreich weist 2024 mit einem Haushaltsdefizit von 5,8 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) eine der höchsten Defizitquoten in der Eurozone auf – weit über dem europäischen Durchschnitt von 3,1 %. Während viele Nachbarstaaten ihre öffentlichen Finanzen konsolidieren, bleibt Paris auf einem haushaltspolitischen Sonderweg. Die anhaltende Schieflage wirft Fragen nach der fiskalischen Tragfähigkeit des französischen Modells auf – und nach den politischen Spielräumen der Regierung in einem zunehmend angespannten makroökonomischen Umfeld.

    Schuldenstand auf Rekordhöhe, Defizit ohne Kurskorrektur Nach einem Defizit von 5,4 % im Jahr 2023 ist das französische Haushaltsloch 2024 weiter auf 5,8 % des BIP angewachsen – trotz einer robusten Konjunktur in großen Teilen Europas. In anderen großen Volkswirtschaften sieht der Trend anders aus: Deutschland liegt mit einem Defizit von 2,5 % deutlich unter dem französischen Niveau, ebenso Spanien (3,2 %) und selbst das traditionell hochverschuldete Italie…

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  • Europa und die USA konkretisieren ihr Handelsabkommen – und weitere World-News

    Europa und die USA konkretisieren ihr Handelsabkommen – und weitere World-News

    Die EU und die USA sind im vergangenen Monat einem Handelskrieg ausgewichen, als sie ein Abkommen über gegenseitige Zölle ankündigten. Bislang handelte es sich dabei jedoch lediglich um eine Absichtserklärung. In den darauffolgenden Wochen feilten Unterhändler beider Seiten an den Details – nun wurden die konkreten Vereinbarungen veröffentlicht.

    Das Grundgerüst des Deals bleibt dabei unverändert: Die USA erheben einen Zollsatz von 15 Prozent auf die meisten Waren aus der EU. Dies betrifft auch Arzneimittel – Europas wichtigstes Exportgut in die Vereinigten Staaten –, die weiterhin mit 15 Prozent verzollt werden. Dies gilt auch dann, wenn Washington wie erwartet ein neues Zollpaket für ausländisch produzierte Medikamente verabschiedet, das Abgaben von bis zu 200 Prozent vorsieht.

    Komplexer gestaltet sich die Lage bei Autos. Laut den nun veröffentlichten Details bleiben die hohen US-Zölle auf europäische Fahrzeuge zunächst bestehen. Erst wenn die EU ein Gesetz zur Senkung der Zölle auf zahlreiche US-Produkte einführt, sollen diese Zölle auf 15 Prozent festgelegt werden. Europäische Autobauer sehen sich derzeit mit einem geltenden US-Zollsatz von 27,5 Prozent konfrontiert.

    Erste Reaktionen
    Europäische Beamte haben mit „verhaltener Erleichterung“ auf das Abkommen reagiert. Es entspreche im Wesentlichen den Erwartungen, und die nun schriftlich fixierten Vereinbarungen gäben den Unternehmen in der EU ein Mindestmaß an Planungssicherheit.

    Folgewirkungen auf den transatlantischen Handel

    Die Zölle unter Präsident Trump werden vielfältige Auswirkungen auf den Handel zwischen Europa und den USA haben.

    • Einige US-Kleinunternehmen sehen sich durch die Zölle gezwungen, in den „Überlebensmodus“ zu wechseln.
    • Trumps Drohung, kommende Woche 50 Prozent Zölle auf Importe aus Indien zu erheben, wird große Belastungen für US-Unternehmen im Bereich Dienstleistungen mit sich bringen.

    Ukraine identifiziert gefallene Soldaten

    Seit Juni sind in der südukrainischen Region Odesa die sterblichen Überreste von rund 6.000 Soldaten eingetroffen – Teil eines Austauschabkommens mit Russland. Forensische Teams arbeiten nun daran, die Toten zu identifizieren und ihren Angehörigen zu übergeben.

    Dieser massive Rücktransport Verstorbener ist eines der wenigen greifbaren Ergebnisse dreier Runden von Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Diese Zahl gibt jedoch nur einen Bruchteil des Gesamtbildes wieder: Über 70.000 Menschen gelten in der Ukraine seit Beginn des Krieges als vermisst.

    Kurz nachdem Ex-Präsident Trump Gespräche im Weißen Haus zur Beendigung des Krieges mit em ukrainischen Präsidenten Selenskyj und europäischen Spitzenpolitikern geführt hatte, startete Russland laut Angaben der ukrainischen Luftwaffe einen massiven Angriff mit fast 600 Drohnen und 40 Raketen auf ukrainische Städte.

    Trotz demonstrativer Rhetorik aus Washington ist ein echter Durchbruch in Richtung Frieden derzeit nicht absehbar.


    WEITERE NACHRICHTEN

    • Migration: Erstmals seit Jahrzehnten verlassen mehr Migranten die USA, als neu einwandern, wie eine aktuelle Studie zeigt. Abschiebungen unter Trump erreichten ein neues Rekordhoch.
    • Trump: Ein Berufungsgericht in New York hob eine Geldstrafe in Höhe von 500 Millionen Dollar gegen den US-Präsidenten auf, bestätigte jedoch seine Verurteilung wegen Betrugs.
    • Wahlpolitik: In Texas und Kalifornien stimmten die Staats-Parlamente über neue Zuschnitte von Wahlkreisen ab, die den Ausgang der Kongresswahlen 2026 maßgeblich beeinflussen könnten.
    • Gaza: Das israelische Militär stationierte Bodentruppen in etwa einem Viertel von Gaza-Stadt. Unklar bleibt, ob und wann eine großangelegte Offensive beginnt.
    • Nord-Stream-Attentat: In Italien wurde ein Ukrainer festgenommen, der als Drahtzieher des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022 gilt.
    • Seltene Erden: Die USA verhandelten über eine Partnerschaft zum Abbau strategisch wichtiger Mineralien in Brasilien – bevor die neuen Zölle angekündigt wurden.
    • Spionage: Der US-Matrose Jinchao Wei wurde verurteilt, weil er Informationen über amerikanische Kriegsschiffe an China verkauft hatte.

    Autor: P. Tiko

  • Schwieriger Balanceakt: Wo könnten sich Selenskyj und Putin treffen?

    Schwieriger Balanceakt: Wo könnten sich Selenskyj und Putin treffen?

    Eine mögliche direkte Begegnung zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dem russischen Staatschef Wladimir Putin würde ein geopolitisches Signal von höchster Tragweite darstellen. Sie könnte der Beginn ernsthafter Friedensgespräche sein – oder lediglich ein symbolischer Akt ohne konkrete Wirkung. Derzeit laufen die Vorbereitungen für ein Treffen, das nach Angaben aus Kiew und Washington in den kommenden zwei Wochen stattfinden soll. Offen bleibt jedoch der Ort – und gerade diese Frage offenbart die ganze Komplexität der diplomatischen Lage.


    Moskau: Symbolische Dominanz des Kremls

    Der Vorschlag Wladimir Putins, das Treffen in Moskau abzuhalten, stieß umgehend auf Ablehnung. Für Selenskyj wie auch für die anwesenden europäischen Staats- und Regierungschefs bei der Unterredung in Washington wäre ein solcher Rahmen kaum tragbar gewesen. In der russischen Hauptstadt aufzutreten, würde nicht nur erhebliche Sicherheitsrisiken bergen, sondern auch als symbolische Unterwerfung unter den Kreml gedeutet werden. Historisch betrachtet haben Friedensverhandlungen in den Hauptstädten aggressiver Mächte selten die nötige Legitimität entfaltet. Die Erinnerung an die sowjetische Inszenierung internationaler Gipfel im Kalten Krieg ist in Europa noch präsent – und erklärt auch die kategorische Ablehnung Kiews.


    Genf: Tradition der Neutralität

    Als neutraler Boden mit langer Tradition bei diplomatischer Vermittlung erscheint Genf vielen Akteuren als die plausibelste Option. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte die Stadt ins Spiel – wohl auch in der Absicht, die Rolle Europas als vermittelnde Kraft zu betonen. Die Schweiz hat bereits signalisiert, dass sie Wladimir Putin trotz des laufenden Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs temporäre Immunität gewähren könnte, solange der Aufenthalt strikt an Friedensverhandlungen gebunden wäre. Völkerrechtlich wäre dies heikel, politisch aber ein gangbarer Weg, um Gespräche überhaupt zu ermöglichen.

    Genf hat bereits mehrfach als Kulisse für geopolitische Gespräche gedient: vom Reagan-Gorbatschow-Gipfel 1985 bis zu den Syrien-Verhandlungen unter UN-Ägide. Insofern wäre die Stadt nicht nur neutraler Boden, sondern auch mit symbolischer Legitimität aufgeladen.


    Budapest: Orbáns Brückenangebot

    Eine weitere Option ist Budapest. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat mehrfach seine Bereitschaft erklärt, die beiden Staatschefs zu empfangen. Orbán pflegt seit Jahren enge Beziehungen zu Moskau und steht zugleich in gespannter Partnerschaft zur Europäischen Union. Ein Treffen in Ungarn würde eine geopolitische Ambivalenz spiegeln: Einerseits EU-Mitglied, andererseits ein Staat, der oft als „Trojanisches Pferd“ russischer Interessen in Brüssel gesehen wird.

    Orbáns Rolle als Gastgeber könnte einerseits den Weg für Gespräche ebnen, da er das Vertrauen Moskaus genießt. Andererseits birgt sie das Risiko, dass ein Gipfel in Budapest als Legitimierung einer Politik wahrgenommen würde, die den Konsens der EU häufig untergräbt. Damit bliebe offen, ob ein solcher Rahmen der angestrebten Glaubwürdigkeit zuträglich wäre.


    Washington: Juristische Hürden und politische Brisanz

    Donald Trump, der seine internationale Vermittlerrolle unterstreichen will, hat Washington ebenfalls als möglichen Treffpunkt ins Spiel gebracht. Doch ein solches Szenario gilt aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich. Zum einen müsste sich die amerikanische Regierung mit der Frage auseinandersetzen, wie der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Putin auf amerikanischem Boden zu handhaben wäre. Zum anderen wäre die innenpolitische Brisanz enorm: Ein Empfang Putins im Weißen Haus könnte auch in den USA selbst wie ein Affront gegenüber der Ukraine und deren europäischen Unterstützern wirken.

    Auch in historischer Perspektive erscheint Washington wenig plausibel. Zwar fanden dort Gipfel zwischen Supermächten statt, doch meist in einem Kontext, in dem die USA selbst unmittelbare Konfliktpartei waren. In diesem Fall würde ein Treffen in Washington eine zu enge Verflechtung mit der US-Regierung signalisieren.


    Diplomatische Mathematik

    Die Entscheidung über den Austragungsort ist mehr als eine logistische Frage. Sie ist Ausdruck einer politischen Gleichung, in der Symbole, Völkerrecht, Sicherheitserwägungen und geopolitische Allianzen miteinander verrechnet werden. Ein Ort wie Moskau würde dem Kreml symbolisches Kapital zuspielen, Washington hingegen den Anschein einer parteiischen Vermittlung erwecken. Budapest könnte eine Brücke bieten, aber mit hohem Risiko für die Glaubwürdigkeit der EU. Genf hingegen erscheint derzeit als die einzige Bühne, die Neutralität, Erfahrung und völkerrechtliche Machbarkeit miteinander verbindet.

    Ob es tatsächlich zu einem Treffen kommt – und ob dieses mehr als ein diplomatisches Schauspiel sein wird –, hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der beiden Präsidenten ab, den symbolischen Rahmen für konkrete Zugeständnisse zu nutzen. Sollte es dazu kommen, könnte der Ort des Treffens später als erster Schritt auf einem langen Weg zum Frieden in der Ukraine in die Geschichtsbücher eingehen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • „Flammenmeer ohne Gnade“ – Spanien und Portugal kämpfen gegen die größten Waldbrände des Jahres

    „Flammenmeer ohne Gnade“ – Spanien und Portugal kämpfen gegen die größten Waldbrände des Jahres

    Ein Waldbrand brennt nicht einfach. Er lodert, er tobt, er frisst sich durch Land, Leben, Hoffnung.

    Im Nordwesten Spaniens und im Zentrum Portugals haben sich in den letzten zwei Wochen gewaltige Brände entfacht, wie sie die Region seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Ganze Dörfer liegen in Asche, Menschen fliehen in Panik, und während sich ein dichter, grauer Rauchschleier über die Landschaft legt, fragen sich die Menschen: Wie lange noch?

    115.000 Hektar in Spanien – das ist mehr als nur Wald

    Spanien zählt zu den am härtesten betroffenen Regionen. Besonders im Nordwesten toben die Brände ungebremst. 115.000 Hektar sind bereits den Flammen zum Opfer gefallen – das entspricht etwa der Fläche von Berlin und Hamburg zusammen. Mit jedem Tag steigt die Zahl.

    Der Morgen des 15. August beginnt mit einem dichten Nebel aus Rauch, der die aufgehende Sonne verdeckt. Die Luft ist kaum zu atmen. Die Vegetation? Verkohlt. Der Boden? Schwarz wie Kohle. Selbst die Polizei muss umkehren – die Straßen sind von Flammen blockiert, Fluchtwege abgeschnitten. In einem Dorf erzählt eine weinende Frau, was sie gesehen hat: brennende Häuser, brennende Menschen. Sie lebt seit 40 Jahren dort – und hat so etwas noch nie erlebt.

    „Freiwillige! Wir brauchen Wasser!“

    Mit bloßen Händen und Gartenschläuchen versuchen Bewohner verzweifelt, ihre Häuser zu retten. Manche stemmen sich dem Feuer entgegen, um eine Gas-Zisterne zu schützen, die jederzeit explodieren könnte. Es ist ein Kampf David gegen Goliath – nur ohne Schleuder, ohne Schutz, ohne Pause.

    Die Feuerwehren arbeiten rund um die Uhr. Aber gegen einen „Feuersturm“, angetrieben von extremer Trockenheit, Hitze und starken Winden, wirken selbst professionelle Löschzüge oftmals machtlos. Spanien hat nun offiziell die Europäische Union um Hilfe gebeten. Ein Hilferuf – nicht nur für Technik und Menschen, sondern auch für Hoffnung.

    Auch Portugal steht in Flammen

    Nur wenige hundert Kilometer weiter südwestlich bietet sich in Portugal ein ähnliches Bild. Auch hier wüten die Brände unkontrolliert. 60.000 Hektar Wald sind bereits zerstört. Im Zentrum des Landes fressen sich die Flammen durch Pinienwälder, springen von Baumkrone zu Baumkrone – bis sie plötzlich in ein Dorf einbrechen. Haus für Haus wird Opfer der Glut.

    Ein Mann steht neben seinem Auto, das noch qualmt. Er schaut, ob er etwas retten kann – einen Koffer, ein Fotoalbum, ein Stück Leben. In der Nacht zuvor starb ein Mensch im Osten des Landes. Es ist nicht das erste Opfer. Und es wird nicht das letzte sein, wenn das Feuer nicht bald eingedämmt wird.

    Klimakrise trifft Iberische Halbinsel mit voller Wucht

    Die klimatischen Bedingungen sind ideal für Katastrophen: monatelange Trockenheit, hohe Temperaturen, heftige Winde. Die Wälder der Iberischen Halbinsel sind seit Jahren überlastet – ökologisch, klimatisch und organisatorisch. Viele Brände entstehen durch Fahrlässigkeit oder Brandstiftung, doch der eigentliche Brandbeschleuniger ist ein anderer: die Klimakrise.

    Wie soll man einen Flächenbrand löschen, wenn er fast so groß ist wie ein Bundesland?

    Eine ganze Region in Alarmbereitschaft

    Die Brände haben nicht nur ökologische und soziale Folgen – sie gefährden auch die Energieversorgung, den Tourismus, die Landwirtschaft. Inzwischen rücken europäische Löschflugzeuge und Hilfskräfte an. Frankreich, Italien, Deutschland – alle senden Unterstützung. Und doch scheint das Feuer oft schneller als jede Hilfe.

    Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die Natur, die hier keine Gnade kennt.

    Und die Menschen mittendrin?

    Sie kämpfen mit allem, was sie haben: mit Eimern, mit Mut, mit Tränen. Mit ihrer Wut darüber, dass zu lange zu wenig getan wurde. Und mit ihrer Angst, dass das erst der Anfang ist.

    Wie viele Sommer wie diesen wird es noch geben?

    Autor: Daniel Ivers