Schlagwort: Côte d’Azur

  • Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Kunstraub an der Côte d’Azur: Renoirs Familie spricht von einer Katastrophe

    Ein Museum als Erinnerungsort, ein berühmter Name und plötzlich leere Stellen dort, wo Kunstwerke hingen: Der Einbruch in das Renoir-Museum im südfranzösischen Cagnes-sur-Mer sorgt für Bestürzung. Besonders hart trifft die Nachricht Pauline Renoir, die Ururenkelin des großen Impressionisten Auguste …

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  • Gratis mit Bus und Tram: Nizza schenkt Senioren die Fahrkarte – und streitet über den Preis

    Gratis mit Bus und Tram: Nizza schenkt Senioren die Fahrkarte – und streitet über den Preis

    Seit dem 1. September 2026 fahren ältere Einwohner der Metropole Nice Côte d’Azur nahezu kostenlos mit Bus und Straßenbahn. Wer mindestens 65 Jahre alt ist und in einer der Gemeinden des Großraums lebt, darf das gesamte Netz von Lignes d’Azur nutzen – unabhängig von Einkommen und Vermögen. Ganz zum Nulltarif gibt es die Mobilität allerdings nicht. Einmalig fallen 15 Euro für das Abonnement an. Je nach Beantragung kommen zwei Euro für die Karte sowie bei einer Online-Bestellung 2,80 Euro Versandkosten hinzu. Politisch steckt hinter dem vermeintlich simplen Fahrschein eine deutlich größere Geschichte. Die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs gehörte zu den Wahlversprechen von Éric Ciotti. Pikant daran: Auch sein politischer Gegner Christian Estrosi hatte sich im Wahlkampf für kostenlose Fahrten älterer Menschen ausgesprochen. Der Grundsatz war somit weniger umstritten als die Frage, wem die öffentliche Hand diese Vergünstigung gewähren sollte. Bislang profitierten unter anderem nicht steue…

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  • Beißende Fische im Mittelmeer: Warum Badegäste an der Côte d’Azur plötzlich blutige Wunden melden

    Beißende Fische im Mittelmeer: Warum Badegäste an der Côte d’Azur plötzlich blutige Wunden melden

    Ein entspannter Schritt ins warme Mittelmeer, ein paar Meter durchs seichte Wasser – und plötzlich ein schmerzhafter Biss in Wade, Fuß oder Knöchel. Was derzeit an der Côte d’Azur und auf Korsika manchen Badegast erschreckt, klingt zunächst nach einer Szene, die eher in einen Abenteuerfilm gehört. Doch hinter den Attacken stecken weder Haie noch andere gefährliche Meeresräuber. Häufig ist ein Fisch verantwortlich, den viele Urlauber bislang kaum auf dem Schirm hatten: der Graue Drückerfisch.

    Der Balistes capriscus, im Französischen meist schlicht „Baliste“ genannt, erreicht eine Länge von etwa 30 bis 50 Zentimetern. Auffällig ist vor allem sein kräftiges Gebiss mit rund 20 Zähnen. Normalerweise dienen diese Werkzeuge dazu, Seeigel, Muscheln und Krebstiere zu knacken.

    Doch zur Fortpflanzungszeit versteht der Drückerfisch keinen Spaß.

    Dann bewacht er sein Nest und verteidigt das Gelege energisch gegen Eindringlinge. Schwimmt oder watet ein Mensch ausgerechnet über einem solchen Bereich, interpretiert der Fisch Füße und Beine offenbar als Bedrohung. Er nähert sich, schnappt zu und versucht damit, den vermeintlichen Störenfried zu vertreiben.

    Das erklärt auch, weshalb vor allem Füße, Knöchel und Waden betroffen sind. Die Tiere jagen Menschen nicht gezielt. Vielmehr handelt es sich um territoriales Verteidigungsverhalten – für den gebissenen Urlauber macht diese biologische Feinheit im ersten Moment freilich wenig Unterschied.

    Manche Wunden bluten deutlich.

    Neben dem vergleichsweise kräftigen Drückerfisch sorgen kleinere Mittelmeerbewohner wie Obladen und verschiedene Meerbrassen, sogenannte Sars, für Überraschungen. Sie knabbern mitunter an abgestorbenen Hautschuppen an Füßen und Beinen. Meist fühlt sich das lediglich wie ein kurzes Pieksen oder Kitzeln an. Unangenehm? Ja. Ein Grund, den Badeurlaub abzubrechen? Eher nicht.

    Bei einem kräftigen Biss des Balistes sieht die Sache etwas anders aus. Die Verletzungen bleiben zwar überwiegend oberflächlich, tiefere Bisse schmerzen jedoch und bluten unter Umständen stärker. Eine solche Wunde sollte nach dem Verlassen des Wassers gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Hält die Blutung an, entwickelt sich eine Entzündung oder verschlechtert sich die Wunde, empfiehlt sich ärztliche Hilfe.

    Bleibt die Frage, weshalb ausgerechnet jetzt häufiger über solche Begegnungen berichtet wird.

    Eine mögliche Rolle spielen die hohen Wassertemperaturen. Warmes Meerwasser steigert die Aktivität vieler Fischarten und begünstigt längere Aufenthalte in flachen Küstenzonen. Dort treffen Tiere und Menschen zwangsläufig häufiger aufeinander. Ein eindeutiger direkter Zusammenhang zwischen den aktuellen Bissvorfällen und dem Klimawandel ist für die französische Mittelmeerküste allerdings bislang nicht belegt.

    Für Badegäste bedeutet das vor allem eines: aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik geraten. Wer im flachen Wasser einen Drückerfisch entdeckt oder bereits einen Biss gespürt hat, sollte ruhig Richtung Strand gehen und das Tier nicht bedrängen. Gerade ein Fisch, der sein Gelege verteidigt, lässt sich kaum durch Diskussionen umstimmen.

    Das Mittelmeer ist schließlich kein Swimmingpool, sondern ein Lebensraum. Und manchmal erinnert seine tierische Bevölkerung ziemlich nachdrücklich daran.

    Andreas M. Brucker

  • „Ich schlafe nachts nicht mehr“: Wie die Dauerhitze den Menschen im Var die Kraft raubt

    „Ich schlafe nachts nicht mehr“: Wie die Dauerhitze den Menschen im Var die Kraft raubt

    „Es ist einfach viel zu heiß.“ Kaum ein Satz fällt im Département Var derzeit häufiger. Was zunächst wie die typische Klage über einen besonders warmen Sommer klingt, beschreibt längst eine Realität, die viele Menschen an ihre Grenzen bringt. Seit Tagen klettern die Temperaturen auf 37 bis 39 Grad, an der Küste bleibt das Thermometer ebenfalls deutlich über der 35-Grad-Marke. Noch belastender als die glühenden Nachmittage sind jedoch die Nächte. Sie bringen kaum noch Abkühlung – und genau das macht die Hitzewelle zu einer echten Belastungsprobe.

    Während der August weiter unter der Canicule leidet, speichern Häuser, Straßen und Plätze die Wärme wie riesige Heizkörper. Selbst nach Sonnenuntergang strahlen Mauern und Asphalt die Hitze zurück. Wer am Abend die Fenster öffnet, hofft auf eine frische Brise – stattdessen strömt oft nur warme Luft in die Wohnung.

    Besonders problematisch sind die sogenannten tropischen Nächte. Von ihnen sprechen Meteorologen, wenn die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken. Im Var lagen die nächtlichen Werte in diesem Sommer mehrfach deutlich darüber. An vielen Küstenorten herrschten selbst mitten in der Nacht noch 24 bis 26 Grad. Für den Körper bedeutet das Dauerstress.

    Der Mensch benötigt kühlere Temperaturen, damit die Körperkerntemperatur leicht absinkt und er in einen erholsamen Schlaf findet. Bleibt die Umgebung zu warm, fällt das Einschlafen schwer, die Schlafphasen verkürzen sich und viele wachen immer wieder auf. Am nächsten Morgen beginnt der Tag mit einem Schlafdefizit, das sich von Nacht zu Nacht weiter aufbaut. Viele Bewohner berichten inzwischen, sie fühlten sich schon beim Frühstück erschöpft.

    Diese Müdigkeit bleibt nicht ohne Folgen. Konzentration fällt schwerer, die Geduld schwindet schneller und selbst kleine Alltagsprobleme wirken plötzlich deutlich größer. Wer tagelang schlecht schläft und anschließend erneut stundenlang der Hitze ausgesetzt ist, merkt schnell, dass die Belastung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zunimmt. Die sprichwörtliche Gelassenheit des Südens bekommt unter diesen Bedingungen spürbare Risse.

    Der Alltag im Var hat sich längst den Temperaturen angepasst. Frühmorgens herrscht reges Treiben auf den Wochenmärkten, während viele Straßen zur Mittagszeit nahezu menschenleer wirken. Einkäufe, Arztbesuche oder Gartenarbeiten finden möglichst in den frühen Morgenstunden statt. Zwischen Mittag und dem späten Nachmittag ziehen sich viele Menschen in ihre Wohnungen zurück – sofern diese überhaupt etwas Kühlung bieten.

    Auch die Städte reagieren. In Hyères wurden während der jüngsten Hitzewarnung klimatisierte öffentliche Räume geöffnet, damit besonders gefährdete Menschen der größten Hitze entkommen können. Gleichzeitig kümmern sich soziale Dienste verstärkt um ältere oder alleinlebende Einwohner. Solche Maßnahmen zeigen, dass extreme Hitze längst nicht mehr nur als Wetterereignis betrachtet wird. Sie entwickelt sich zunehmend zu einer gesellschaftlichen Herausforderung.

    Besonders hart trifft die Hitzewelle jene, die ihr beruflich kaum entkommen können. Bauarbeiter, Lieferfahrer, Beschäftigte in der Gastronomie, Pflegekräfte oder Marktverkäufer verbringen viele Stunden im Freien oder in schlecht gekühlten Arbeitsbereichen. Während Urlauber im Meer Abkühlung suchen oder in klimatisierte Geschäfte flüchten, bleibt die Hitze für sie Teil des Arbeitsalltags. Jeder zusätzliche Tag mit Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke verlangt enorme körperliche Reserven.

    Auch ältere Menschen, kleine Kinder und chronisch Kranke gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. Doch selbst gesunde Erwachsene spüren inzwischen die Auswirkungen. Wer über Wochen kaum noch tief schläft, verliert einen Teil seiner Regenerationsfähigkeit. Müdigkeit begleitet den gesamten Tag, körperliche Leistungsfähigkeit sinkt und viele berichten von einer anhaltenden Gereiztheit.

    Gerade darin liegt die eigentliche Besonderheit dieser Hitzewelle. Nicht einzelne Spitzenwerte machen den Sommer außergewöhnlich, sondern die Dauer. Ein heißer Tag lässt sich verkraften. Mehrere Wochen mit fast ununterbrochen hohen Temperaturen und warmen Nächten verändern dagegen den gesamten Lebensrhythmus. Der Körper erhält kaum Gelegenheit, sich vollständig zu erholen.

    Dabei wirkt der Kontrast beinahe paradox. Die Côte d’Azur gilt weltweit als Synonym für unbeschwerte Sommertage, lange Abende auf den Terrassen und mediterrane Lebensfreude. Doch wenn selbst nach Sonnenuntergang keine angenehme Kühle mehr einsetzt, verliert dieser Sommer einen Teil seines Zaubers. Viele Bewohner sprechen inzwischen weniger vom Genießen als vom Durchhalten.

    Der August 2026 macht deutlich, dass extreme Hitze weit mehr bedeutet als beeindruckende Zahlen auf dem Thermometer. Sie beeinflusst Schlaf, Gesundheit, Arbeitsleben und Stimmung gleichermaßen. Die Folgen schleichen sich langsam in den Alltag ein und summieren sich von Tag zu Tag.

    Vielleicht beschreiben deshalb gerade die einfachen Sätze die Lage am treffendsten. „Ich schlafe nachts nicht mehr.“ „Ich bin ständig müde.“ „Es ist einfach zu heiß.“ Hinter diesen Worten verbirgt sich weit mehr als eine beiläufige Beschwerde über das Wetter. Sie erzählen von einer Region, deren Bewohner unter einer Dauerbelastung leben – und von einem Sommer, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.

    Von C. Hatty

    Après près de trois semaines de canicule, les effets se font lourdement sentir chez les habitants de Flayosc, petite commune du Var. Ils sont à bout, fatigués et irritables. Tous réfléchissent à s’adapter pour les années qui viennent.Après près de trois semaines de canicule, les effets se font lourdement sentir chez les habitants de Flayosc, petite commune du Var. Ils sont à bout, fatigués et irritables. Tous réfléchissent à s’adapter pour les années qui viennent.

  • Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Das steinerne Geheimnis vor Cannes

    Nur wenige Kilometer trennen zwei Welten. Auf der Croisette von Cannes glänzen Luxushotels, Yachten und Strandclubs in der Mittelmeersonne. Eine kurze Bootsfahrt entfernt bestimmen dagegen Pinien, Weinberge, Felsen und jahrhundertealte Mauern das Bild.

    Auf der Île Saint-Honorat öffnet nun eines der außergewöhnlichsten Bauwerke der Côte d’Azur wieder seine Türen: die mittelalterliche Tour Monastère der Abtei von Lérins. Sechs Jahre dauerte ihre Restaurierung. Jetzt lässt sich dieser steinerne Zeuge einer mehr als tausendjährigen Geschichte wieder erkunden.

    Eine Festung für Mönche

    Die Geschichte Saint Honorats reicht rund 1600 Jahre zurück. Um das Jahr 410 gründete Honoratus von Arles auf der damals weitgehend unbewohnten Insel eine Klostergemeinschaft. Lérins entwickelte sich bald zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum des westlichen Mittelmeerraums.

    Doch das kleine Paradies besaß eine gefährliche Seite.

    Über Jahrhunderte bedrohten Angriffe und Plünderungen die Insel. Die Mönche brauchten Schutz vor Piraten und anderen Eindringlingen. Direkt am Meer entstand deshalb ein befestigtes Kloster, dessen mächtiger Turm bis heute über der Südküste Saint Honorats wacht.

    Die Tour Monastère verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen: Festung und Kloster, Verteidigung und Gebet. Hinter den dicken Mauern liegen Kreuzgänge, Kapellen und ehemalige Wohnräume.

    Wer hier Treppen hinaufsteigt und durch schmale Durchgänge geht, besucht also nicht bloß ein altes Gemäuer. Er wandert durch Jahrhunderte.

    Und welche Mauern könnten wohl mehr Geschichten erzählen als jene, die Mönche, Angreifer, Stürme und Generationen von Reisenden erlebt haben?

    Sechs Jahre zwischen Stein und Meer

    Im Juli 2020 begann die umfangreiche Restaurierung. Rund 7,1 Millionen Euro flossen in das Projekt.

    Eine zentrale Aufgabe bestand darin, das historische Gebäude besser gegen Wasser und Witterung zu schützen. Zwei unterschiedliche Dachkonstruktionen entstanden, eine traditionelle und eine zeitgenössische. Handwerker restaurierten außerdem Mauern, Türen, Fenster und Gitter.

    Dabei sollte der Turm keineswegs wie frisch aus dem Mittelalter aussehen.

    Zum Glück.

    Denn gerade seine Unebenheiten, Verfärbungen und sichtbaren Spuren verleihen ihm Charakter. Alte Steine dürfen schließlich alt aussehen. Moderne Technik kam dort zum Einsatz, wo Sicherheit, Beleuchtung und Erhaltung sie verlangten. Der besondere Charakter des Monuments blieb dabei erhalten.

    Moderne Kunst hinter alten Mauern

    Eine Überraschung wartet im Inneren: zeitgenössische Kunst.

    Elf moderne Glasfenster treten in einen ungewöhnlichen Dialog mit der mittelalterlichen Architektur. Hinzu kommt ein Werk der französisch ungarischen Künstlerin Vera Molnar, einer Pionierin der digitalen und algorithmischen Kunst und Teil ihres späten Schaffens.

    Geometrische Formen treffen auf groben Stein, moderne Gestaltung auf jahrhundertealte religiöse Räume. Klingt nach einem gewagten Mix? Genau darin liegt sein Reiz.

    Saint Honorat ist schließlich kein erstarrtes Freilichtmuseum. Bis heute leben Zisterziensermönche auf der Insel. Sie bewirtschaften Weinberge, produzieren Wein und Liköre und führen eine Tradition fort, deren Wurzeln bis in die Spätantike reichen.

    Die stille Seite der Côte d’Azur

    Vom Hafen von Cannes dauert die Überfahrt nur wenige Minuten. Dennoch fühlt sich Saint Honorat erstaunlich weit entfernt an.

    Keine Autos, keine großen Hotelkomplexe, kein ständiger Verkehrslärm. Wege führen unter Pinien und Aleppokiefern entlang, vorbei an Weinbergen, Kapellen und felsigen Buchten. Das Meer begleitet den Spaziergänger fast überall.

    Von den oberen Bereichen der Tour Monastère schweift der Blick über das Mittelmeer und die Lérins Inseln. Cannes liegt gegenüber, sichtbar nah und zugleich wie aus einer anderen Welt.

    Die Restaurierung spielt zudem eine Rolle für ein großes Ziel: Saint Honorat strebt die Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste an. Der Klosterturm zählt dabei zu den bedeutendsten Zeugnissen der außergewöhnlich langen monastischen Geschichte der Insel.

    Vielleicht liegt darin das eigentliche Wunder dieses Ortes. Nur eine kurze Bootsfahrt vom roten Teppich des Filmfestivals entfernt stehen Mauern, die aus einer Epoche stammen, in der vom heutigen Cannes noch keine Rede war.

    Manchmal reichen ein paar Minuten auf dem Mittelmeer, um mehr als tausend Jahre zurückzureisen.

    M. Legrand

  • Frankreichs Tourismus im Juli: Viele Gäste, aber immer weniger Umsatz

    Frankreichs Tourismus im Juli: Viele Gäste, aber immer weniger Umsatz

    Frankreichs Tourismusbranche blickt auf einen Juli zurück, der auf den ersten Blick erfreulich erscheint, bei genauerem Hinsehen jedoch zahlreiche Probleme offenbart. Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen melden in vielen Regionen eine gute Auslastung. Dennoch bleibt der wirtschaftliche Ertrag vieler Betriebe hinter den Erwartungen zurück. Die Zahl der Urlauber steigt, doch ihre Ausgaben sinken spürbar – mit Folgen für Restaurants, Geschäfte und Freizeitunternehmen.

    In der Provence verlief der Saisonstart zunächst verhalten. Erst nach dem französischen Nationalfeiertag am 14. Juli zog die Nachfrage deutlich an. In Marseille erreichten einige Hotels inzwischen Auslastungsquoten von bis zu 95 Prozent. Auch der Ausblick auf den August stimmt viele Gastgeber nur vorsichtig optimistisch.

    Die gut belegten Unterkünfte spiegeln nur einen Teil der Realität wider. Während die Kosten für Übernachtungen oft kaum gesenkt werden können, sparen viele Reisende bei allem, was darüber hinausgeht. Familien kaufen häufiger im Supermarkt ein, bereiten Mahlzeiten selbst zu oder greifen tagsüber lieber zu einem einfachen Sandwich, anstatt im Restaurant zu essen. Auch kostenpflichtige Ausflüge oder größere Einkäufe stehen seltener auf dem Urlaubsprogramm.

    Hinzu kommt die außergewöhnliche Sommerhitze, die den Tagesablauf vieler Gäste verändert. Zwischen Mittag und dem späten Nachmittag bleiben Straßen, Terrassen und Geschäfte oft erstaunlich leer. Urlauber verlegen ihre Aktivitäten auf die kühleren Morgenstunden oder in den Abend. Dieser mediterrane Rhythmus sorgt dafür, dass Festivals, Konzerte und Abendveranstaltungen profitieren, während Geschäfte und Gastronomiebetriebe mit klassischen Öffnungszeiten deutlich weniger Laufkundschaft verzeichnen.

    Für etwas Stabilität sorgt die internationale Nachfrage. Besucher aus Deutschland, Belgien und Italien reisen wieder zahlreicher nach Frankreich. Auch Gäste aus den Vereinigten Staaten und Kanada sind häufiger anzutreffen und verfügen vielfach über eine höhere Kaufkraft. Dennoch reicht ihr Beitrag nicht aus, um die geringeren Ausgaben vieler französischer Urlauber vollständig auszugleichen.

    Ein ähnliches Bild zeigt sich an der bretonischen Atlantikküste. Im Morbihan profitieren Ferienorte zwar davon, dass manche Reisende der großen Hitze im Süden ausweichen. Strände, Campingplätze und Ferienanlagen sind gut besucht. Gleichzeitig berichten zahlreiche Betriebe von geringeren Umsätzen als erwartet. Schon vor Beginn der Hauptsaison lagen viele Reservierungen hinter dem Vorjahr zurück. Zudem buchen Urlauber ihre Reisen immer kurzfristiger, was Personalplanung und Einkauf erheblich erschwert.

    Gerade in der Bretagne zeigt sich besonders deutlich, dass hohe Besucherzahlen nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg bedeuten. Ferienwohnungen und Campingplätze können nahezu ausgebucht sein, während Restaurants, Ausflugsanbieter, Märkte und Einzelhändler deutlich weniger Einnahmen erzielen als in früheren Jahren.

    Der Hauptgrund liegt in der angespannten finanziellen Lage vieler Haushalte. Steigende Lebenshaltungs- und Kraftstoffkosten zwingen zahlreiche Familien dazu, ihren Urlaub genauer zu kalkulieren. Auf Ferien verzichten möchten die wenigsten. Stattdessen verkürzen sie ihren Aufenthalt, wählen günstigere Unterkünfte oder sparen konsequent bei Verpflegung und Freizeitaktivitäten.

    Für Frankreichs Tourismusbranche entsteht damit eine neue Herausforderung. Das Land bleibt eines der beliebtesten Reiseziele Europas und zieht weiterhin Millionen Besucher an. Gleichzeitig sinkt die Wertschöpfung vieler touristischer Betriebe. Nun richten sich alle Hoffnungen auf den August, traditionell der stärkste Reisemonat des Jahres. Doch selbst ein erfolgreicher Saisonabschluss dürfte kaum darüber hinwegtäuschen, dass sich das Reiseverhalten dauerhaft verändert: Urlaub besitzt weiterhin einen hohen Stellenwert – allerdings unter deutlich strengeren finanziellen Rahmenbedingungen.

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Willkommen im neuen Süden – nur eben im Norden

    Kommentar: Willkommen im neuen Süden – nur eben im Norden

    Es ist schon eine bittere Pointe der Geschichte: Jahrzehntelang galt der Süden Frankreichs als Inbegriff des perfekten Sommerurlaubs. Lavendelfelder, Mittelmeer, Zikaden, Sonne satt. Wer etwas auf sich hielt, fuhr an die Côte d’Azur oder in die Provence. Heute fährt man dorthin, um festzustellen, dass sich Asphalt in Kaugummi verwandelt und der Spaziergang am Nachmittag ungefähr den Charme eines Saunagangs mit Sonnenbrand besitzt.

    Herzlichen Glückwunsch. Der Klimawandel hat den Reiseführer neu geschrieben.

    Während der Süden unter Temperaturen ächzt, bei denen selbst die Klimaanlage kapituliert, packen immer mehr Franzosen ihre Strandtasche und flüchten ausgerechnet in die Normandie. Ja, genau dorthin, wo früher jeder zweite Urlauber vorsorglich einen Regenschirm einpackte. Plötzlich gilt Nieselwetter fast schon als Luxusgut. Wer hätte gedacht, dass 23 Grad, eine frische Brise und ein Pullover für den Abend einmal zum Sehnsuchtsziel eines französischen Sommers werden?

    Die Ironie könnte kaum größer sein.

    Jahrelang wurde über Klimaziele gestritten, über Emissionsgrenzen debattiert und jeder neue Hitzerekord mit einem kollektiven Schulterzucken quittiert. Schließlich war schönes Wetter doch etwas Positives. Ein paar Grad mehr – na und? Heute suchen dieselben Menschen verzweifelt nach Orten, an denen man mittags überhaupt noch einen Kaffee auf einer Terrasse trinken kann, ohne das Gefühl zu haben, man sitze direkt vor dem geöffneten Backofen.

    Natürlich profitiert die Normandie wirtschaftlich davon. Hotels sind ausgebucht, Restaurants freuen sich über volle Terrassen, Campingplätze melden Rekordzahlen. Das ist verständlich und niemand wird den Menschen dort ihren Erfolg missgönnen. Aber dieser Boom ist kein Geschenk der Natur. Er ist das Symptom einer Entwicklung, die niemand ernsthaft als Erfolg feiern sollte.

    Man stelle sich den Werbeslogan vor: „Besuchen Sie die Normandie – hier ist der Klimawandel noch ein bisschen langsamer.“ Sarkastischer lässt sich Tourismus kaum vermarkten.

    Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit, mit der sich Gewohnheiten verändern. Noch vor wenigen Jahren galt die Normandie vielen als hübsches Ausflugsziel für ein verlängertes Wochenende. Heute avanciert sie zum Sommer-Refugium eines ganzen Landes. Nicht, weil sich ihre Strände verändert hätten. Nicht, weil plötzlich Palmen wachsen würden. Sondern weil der Rest Frankreichs im Hochsommer vielerorts schlicht zu heiß geworden ist.

    Das eigentliche Drama liegt jedoch darin, wie schnell sich der Ausnahmezustand als neue Normalität tarnt. Man freut sich über zehn Grad weniger, als wäre das ein glücklicher Zufall. Dabei zeigt dieser Temperaturunterschied vor allem eines: Etwas läuft gewaltig schief.

    Und trotzdem wird munter weiter diskutiert, ob der Klimawandel wirklich so dramatisch sei. Als müssten erst Kamele über die Champs-Élysées spazieren, bevor auch der letzte Zweifler einsieht, dass sich das Klima verändert. Vielleicht genügt inzwischen schon der Blick auf die Landkarte der Sommerferien. Wenn Millionen Menschen ihre Urlaubsplanung völlig neu ausrichten, weil traditionelle Ferienregionen zur Hitzefalle werden, braucht es keine komplizierten Diagramme mehr. Die Realität übernimmt die Argumentation.

    Natürlich bleibt die Normandie wunderschön. Ihre Kreidefelsen, die historischen Hafenstädte und die langen Sandstrände besitzen seit jeher ihren eigenen Zauber. Doch auch dort ist niemand vor den Folgen der Erderwärmung sicher. Steigende Meerestemperaturen, Küstenerosion und häufigere Extremwetterereignisse machen vor regionalen Gewinnern keinen Halt. Wer heute glaubt, der Norden habe das große Los gezogen, verwechselt einen kurzfristigen Vorteil mit langfristiger Sicherheit.

    Vielleicht ist genau das die bitterste Erkenntnis dieser Entwicklung: Selbst dort, wo der Klimawandel momentan wirtschaftliche Gewinner hervorbringt, basiert dieser Erfolg auf den Problemen anderer Regionen. Das ist ungefähr so erfreulich, wie sich über den Verkauf von Feuerlöschern während eines Großbrandes zu freuen.

    Die Normandie erlebt gerade ihren touristischen Höhenflug. Doch gefeiert wird hier kein neuer Traumurlaub, sondern die Tatsache, dass man im Sommer wieder normal atmen, spazieren gehen und draußen sitzen kann. Dass solche Selbstverständlichkeiten inzwischen als Luxus gelten, sagt mehr über unseren Umgang mit der Klimakrise aus als jede politische Sonntagsrede.

    Der neue Lieblingsurlaubsort Frankreichs ist deshalb weniger ein Grund zur Freude als ein stilles Warnsignal. Wer genau hinschaut, erkennt hinter der frischen Meeresbrise keine Postkartenidylle, sondern den Preis eines Klimas, das sich unaufhaltsam verändert.

    C. Hatty

  • Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Versteckte Traumstrände vor Cannes: Die Lérins Inseln als stilles Paradies

    Nur wenige Minuten trennen die mondäne Promenade der Croisette von einer völlig anderen Welt. Während in Cannes Luxushotels, elegante Boutiquen und beeindruckende Yachten das Bild prägen, erwartet Besucher vor der Küste eine Landschaft voller Ruhe und Ursprünglichkeit. Nach einer kurzen Bootsfahrt eröffnen die Lérins Inseln eine Seite der Côte d’Azur, die viele Urlauber zunächst gar nicht erwarten. Statt dichter Strandreihen, lauter Musik und regem Treiben bestimmen glasklares Wasser, schattige Pinien und kleine, versteckte Buchten das Bild.

    Der kleine Archipel besteht vor allem aus zwei Inseln: Sainte Marguerite und Saint Honorat. Beide besitzen ihren ganz eigenen Charakter, doch eines verbindet sie. Sie laden dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen und die Natur in ihrer schönsten Form zu genießen.

    Sainte Marguerite ist die größere der beiden Inseln und ein echtes Paradies für Badegäste. Bereits unweit des Anlegers liegt der Strand Sainte Anne. Sein flach abfallendes Ufer und das ruhige Wasser machen ihn besonders für Familien attraktiv. Kinder planschen hier sicher im Meer, während Erwachsene den Blick auf das türkisblaue Wasser genießen.

    Wer lieber etwas mehr Abgeschiedenheit sucht, entdeckt entlang der Küste zahlreiche kleine Buchten. Besonders beeindruckend präsentieren sich die Dragon Buchten im Westen der Insel. Helle Kalkfelsen ragen dort direkt aus dem Meer empor, dazwischen wachsen Pinien, deren Äste bis fast ans Wasser reichen. Die Sicht unter Wasser fällt außergewöhnlich klar aus. Kein Wunder also, dass Schnorchler diesen Abschnitt besonders schätzen. Bunte Fische, Seegraswiesen und die faszinierenden Lichtspiele unter der Wasseroberfläche machen jeden Badestopp zu einem kleinen Erlebnis.

    Doch Sainte Marguerite bietet weit mehr als schöne Badeplätze.

    Ein Netz gut ausgebauter Wanderwege führt durch duftende Pinienwälder und vorbei an Eukalyptusbäumen bis zu den ruhigeren Spitzen der Insel. Besonders die Pointe du Batéguier und die Pointe Carbonel gelten als Geheimtipps. Selbst mitten im Sommer findet sich dort oft ein stilles Plätzchen, an dem nur das Rauschen der Wellen und das Zirpen der Zikaden zu hören sind. Wer früh am Morgen unterwegs ist, erlebt die Insel fast für sich allein. Genau das macht ihren besonderen Reiz aus.

    Auch geschichtlich besitzt Sainte Marguerite einen außergewöhnlichen Stellenwert. Hoch über der Küste erhebt sich das Fort Royal, dessen Mauern eng mit einer der geheimnisvollsten Figuren Frankreichs verbunden sind. Hier soll einst der berühmte Gefangene mit der eisernen Maske eingesperrt gewesen sein. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um seine wahre Identität. Der Besuch der Festung verbindet Natur und Geschichte auf eindrucksvolle Weise.

    Nicht weit davon entfernt wartet eine weitere Besonderheit. Vor der Küste befindet sich ein Unterwasser Skulpturenpark. Mehrere monumentale Kunstwerke ruhen auf dem Meeresboden und lassen sich bereits mit Schnorchel und Taucherbrille entdecken. Zwischen den Skulpturen tummeln sich Fische und andere Meeresbewohner. Kunst und Natur verschmelzen hier auf überraschende Weise miteinander.

    Noch ruhiger wirkt die kleinere Nachbarinsel Saint Honorat.

    Hier bestimmt seit Jahrhunderten das Leben der Zisterziensermönche den Rhythmus des Tages. Das Kloster prägt die Insel bis heute. Weinberge, alte Kapellen und schmale Wege führen durch eine Landschaft, in der die Zeit scheinbar langsamer vergeht. Besucher begegnen immer wieder stillen Orten, die zum Verweilen einladen.

    Die Küsten unterscheiden sich deutlich von denen der größeren Nachbarinsel. Statt ausgedehnter Sandstrände dominieren flache Felsen und kleine Badeplätze direkt am Wasser. Viele Gäste kommen nicht wegen großer Strände hierher, sondern wegen der besonderen Atmosphäre. Wer sich auf einen der warmen Felsen setzt und über das glitzernde Meer blickt, versteht schnell, warum diese Insel als Ort der Ruhe gilt.

    Luxus sucht man auf beiden Inseln vergeblich und genau darin liegt ihr besonderer Charme. Große Hotelanlagen oder Einkaufsstraßen fehlen ebenso wie ausgedehnte Strandpromenaden. Stattdessen empfiehlt es sich, ausreichend Trinkwasser, ein kleines Picknick und festes Schuhwerk mitzubringen. Ein Schnorchel gehört ebenfalls ins Gepäck, denn die Unterwasserwelt zählt zu den schönsten der gesamten Region.

    Ein weiterer Schatz verbirgt sich unter der Wasseroberfläche. Rund um die Inseln wachsen ausgedehnte Posidonia Seegraswiesen. Sie dienen unzähligen Meerestieren als Lebensraum, produzieren Sauerstoff und schützen die Küsten vor Erosion. Aus diesem Grund stehen weite Bereiche unter besonderem Schutz. Für Boote gelten strenge Regeln beim Ankern, damit dieses empfindliche Ökosystem langfristig erhalten bleibt. So bleibt die außergewöhnliche Artenvielfalt auch für kommende Generationen bestehen.

    Wer bislang nur die bekannten Strände von Cannes kennt, erlebt auf den Lérins Inseln einen überraschenden Perspektivwechsel. Kaum legt das Boot ab, verschwinden Hochhäuser und Hotels langsam am Horizont. Wenige Minuten später bestimmen Pinienwälder, schroffe Küsten und das intensive Blau des Mittelmeers die Szenerie. Ist es nicht erstaunlich, wie nah zwei so unterschiedliche Welten beieinander liegen?

    Gerade diese Nähe macht den Reiz eines Ausflugs aus. Vormittags durch die eleganten Straßen von Cannes schlendern und wenig später in einer einsamen Bucht baden – schöner lässt sich die Vielfalt der Côte d’Azur kaum erleben. Wer einmal dort war, erzählt oft nicht zuerst vom roten Teppich oder den Luxusyachten, sondern von den stillen Buchten zwischen den Pinien. Und mal ehrlich, gibt es einen besseren Ort, um einfach die Seele baumeln zu lassen?

    Die Lérins Inseln beweisen eindrucksvoll, dass die französische Riviera weit mehr bietet als Glamour und internationale Filmfestivals. Nur einen Steinwurf von Cannes entfernt bewahrt sich die Natur ihre ursprüngliche Schönheit. Wer die Küste einmal von ihrer stillen Seite erleben möchte, findet hier ein kleines Paradies, das lange in Erinnerung bleibt.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Eklat in Nizza: Ciotti fordert Rücktritt von Verkehrsminister Tabarot

    Eklat in Nizza: Ciotti fordert Rücktritt von Verkehrsminister Tabarot

    Der politische Konflikt zwischen dem Nizzaer Bürgermeister Éric Ciotti und dem französischen Verkehrsminister Philippe Tabarot ist zu einer Affäre von nationaler Tragweite geworden. Nach einem Vorfall am Rande des Wirtschafts- und Innovationsforums „Bharat Innovates“ am 14. Juni hat Ciotti öffentlich den Rücktritt seines ehemaligen Parteikollegen gefordert. Die Auseinandersetzung wirft Fragen über den Umgangston in der französischen Politik auf und könnte weit über die Côte d’Azur hinaus Folgen haben. Nach Angaben mehrerer Augenzeugen soll Tabarot den Bürgermeister von Nizza während der Veranstaltung zunächst als „Nabot“ bezeichnet haben – ein im Französischen abwertender Ausdruck für eine kleinwüchsige oder unbedeutende Person. Noch schwerer wiegt jedoch eine weitere Äußerung, die Ciotti als offene Drohung interpretiert. Demnach soll der Minister erklärt haben: „Ich werde dich verschwinden lassen, indem ich dir Georgier schicke.“ Die genaue Bedeutung dieser Aussage bleibt bislang unkl…

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  • Nizza und die Kreuzfahrtriesen: Zwischen Wohlstand und Überdruss

    Nizza und die Kreuzfahrtriesen: Zwischen Wohlstand und Überdruss

    Wenn in der Bucht von Villefranche-sur-Mer ein Kreuzfahrtschiff auftaucht, richtet sich der Blick vieler Menschen automatisch aufs Meer. Die einen sehen wirtschaftliche Chancen. Die anderen erkennen vor allem ein Symbol für Massentourismus. Genau dieser Gegensatz prägt derzeit die Diskussion an der französischen Riviera.

    In Nizza und den umliegenden Küstenorten sorgen die schwimmenden Giganten erneut für hitzige Debatten. Nachdem 2025 verschiedene Vorstöße auf eine stärkere Begrenzung der größten Kreuzfahrtschiffe abzielten, zeigt sich die Politik inzwischen etwas flexibler. Der wirtschaftliche Nutzen wiegt für viele Entscheidungsträger schwer. Gleichzeitig gelten neue Regeln, die die Zahl der Passagiere begrenzen und die Häufigkeit bestimmter Anläufe einschränken sollen.

    Doch reicht das aus?

    Für viele Geschäftsleute liegt die Antwort auf der Hand. Jedes Kreuzfahrtschiff bringt Tausende potenzielle Kunden. Cafés füllen sich, Restaurants servieren zusätzliche Menüs, Souvenirläden verzeichnen höhere Umsätze und Taxifahrer freuen sich über gut gefüllte Arbeitstage. Gerade in einer Region, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, zählt nahezu jeder Besucher.

    Ein Cafébesitzer in der Altstadt von Nizza beschrieb die Situation einmal treffend: „Wenn ein großes Schiff kommt, spürt man das sofort. Die Straßen leben auf.“ Tatsächlich verwandeln sich die Gassen an manchen Tagen in ein buntes Mosaik aus Sprachen, Kameras und Sonnenhüten.

    Für viele Betriebe sind solche Tage Gold wert.

    Besonders kleinere Geschäfte profitieren davon, dass zahlreiche Passagiere nur wenige Stunden an Land verbringen und diese Zeit möglichst intensiv nutzen möchten. Ein Kaffee auf der Terrasse, ein Mitbringsel für die Familie oder ein kurzer Besuch in einer Parfümerie summieren sich schnell zu beachtlichen Einnahmen.

    Entsprechend groß fiel die Sorge aus, als über drastische Einschränkungen diskutiert wurde. Wirtschaftsvertreter warnten vor erheblichen Verlusten. In Villefranche-sur-Mer kursierten Berechnungen, die bei einer starken Reduzierung der Kreuzfahrtschiffe von Millioneneinbußen ausgingen. Für manche Unternehmen würde das einen spürbaren Einschnitt bedeuten.

    Auf der anderen Seite wächst jedoch der Unmut vieler Anwohner.

    Sie erleben die Situation aus einer völlig anderen Perspektive.

    Wer morgens aus dem Fenster blickt und statt des Horizonts eine mehrere hundert Meter lange Schiffswand sieht, entwickelt oft einen anderen Bezug zum Thema als ein Ladenbesitzer in der Einkaufsstraße. Für zahlreiche Bewohner verkörpern die Kreuzfahrtriesen die Schattenseiten des modernen Tourismus.

    Da ist zunächst die Umweltfrage.

    Die Schiffe transportieren mehrere Tausend Menschen und benötigen enorme Energiemengen. Obwohl moderne Technologien die Emissionen reduzieren sollen, bleibt die Belastung für Luft und Umwelt ein zentrales Streitthema. Umweltverbände weisen seit Jahren auf die Folgen des Kreuzfahrtverkehrs hin und fordern strengere Regeln.

    Hinzu kommt die Belastung der Infrastruktur.

    Plötzlich strömen Tausende Besucher gleichzeitig durch Straßen und Plätze. Busse pendeln im Minutentakt zwischen Hafen und Sehenswürdigkeiten. Beliebte Aussichtspunkte füllen sich innerhalb kürzester Zeit. Für Urlauber mag das nach lebendiger Atmosphäre klingen. Für Anwohner fühlt es sich häufig nach Dauerstress an.

    Manche sprechen sogar von einem Tourismus, der die Stadt nur streift, statt sie wirklich kennenzulernen.

    Der Vorwurf lautet: Viele Kreuzfahrtgäste verbringen lediglich wenige Stunden vor Ort. Sie fotografieren die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, trinken einen Kaffee und kehren anschließend aufs Schiff zurück. Die wirtschaftlichen Vorteile seien vorhanden, stünden aber nicht immer im Verhältnis zu den Belastungen.

    Diese Diskussion beschränkt sich längst nicht auf Nizza.

    Von Venedig über Barcelona bis nach Dubrovnik ringen zahlreiche Mittelmeerstädte mit ähnlichen Fragen. Überall geht es um denselben Balanceakt: Wie viel Tourismus verträgt eine Stadt, ohne ihren Charakter zu verlieren?

    Die Antwort fällt selten eindeutig aus.

    Schließlich lebt die Côte d’Azur seit Jahrzehnten von ihrer Anziehungskraft. Das Meer, das milde Klima und die berühmte Küstenlandschaft locken Menschen aus aller Welt an. Viele Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Hotels, Restaurants, Freizeitbetriebe und Einzelhändler profitieren von den Gästen.

    Gleichzeitig wünschen sich die Einwohner lebenswerte Städte statt Freilichtkulissen für Besucherströme.

    Genau hier liegt der Kern des Problems.

    Ein vollständiges Verbot großer Kreuzfahrtschiffe würde viele Umweltaktivisten erfreuen. Doch eine solche Maßnahme hätte wirtschaftliche Folgen, die kaum zu ignorieren wären. Eine uneingeschränkte Rückkehr der schwimmenden Riesen wiederum würde den Ärger vieler Bewohner weiter anheizen.

    Deshalb gewinnt ein Mittelweg zunehmend an Zustimmung.

    Statt auf spektakuläre Verbote setzen viele Experten auf gezielte Steuerung. Kleinere Schiffe, strengere Obergrenzen für Passagierzahlen und eine bessere Verteilung der Ankünfte über das Jahr hinweg gelten als vielversprechende Ansätze. Auch die Elektrifizierung der Hafenanlagen spielt eine wichtige Rolle. Liegen Schiffe am Kai und beziehen ihren Strom direkt vom Land, sinken Lärm und Emissionen deutlich.

    Klingt vernünftig, oder?

    Dennoch bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Reedereien, Kommunen, Hafenbehörden und Anwohner verfolgen unterschiedliche Interessen. Jeder Kompromiss erzeugt neue Diskussionen. Das macht die Debatte so emotional.

    Während die Kreuzfahrtschiffe draußen auf dem glitzernden Mittelmeer ihre Bahnen ziehen, sucht Nizza nach einer Lösung, die wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität miteinander verbindet. Die Stadt steht stellvertretend für viele europäische Küstenorte, die sich dieselbe Frage stellen.

    Wie viel Tourismus ist gut für eine Stadt, und ab welchem Punkt verliert sie ein Stück ihrer Seele?

    Eine endgültige Antwort gibt es bislang nicht. Doch eines zeigt die aktuelle Diskussion sehr deutlich: Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich längst nicht mehr allein an den Buchungszahlen. Sie entscheidet sich dort, wo Besucher, Wirtschaft und Einwohner denselben Raum teilen müssen.

    Und genau dort beginnt die eigentliche Herausforderung.

    Ein Artikel von M. Legrand