Schlagwort: Bordeaux

  • Fabrik im Risikogebiet: Warum ein Batteriewerk an der Garonne für Streit sorgt

    Fabrik im Risikogebiet: Warum ein Batteriewerk an der Garonne für Streit sorgt

    Ein geplanter Industriekomplex zur Nickelverarbeitung vor den Toren von Bordeaux sorgt in Frankreich für erbitterte Debatten. Zwar verspricht das Vorhaben hunderte Arbeitsplätze und eine Stärkung der europäischen Batterieindustrie. Doch Kritiker sehen in der Standortwahl ein ökologisches und sicherheitstechnisches Wagnis. Am Rande der kleinen Gemeinde Parempuyre, wenige Kilometer nördlich von Bordeaux, soll auf einem 32 Hektar großen Areal eine neue Raffinerie für Nickel und Kobalt entstehen. Das Werk, geplant von der Gesellschaft Electro Mobility Materials Europe (EMME), soll Rohstoffe für die Batterieproduktion liefern – ein Sektor, den Frankreich und die EU aus geopolitischen und strategischen Gründen massiv ausbauen wollen. Bis zu 500 direkte Arbeitsplätze werden erwartet, dazu ein Bedeutungsgewinn für den Hafen von Bordeaux, der mit bis zu 30 Prozent mehr Frachtverkehr rechnet. Ein Standort im Widerspruch zur Raumplanung So verheissungsvoll das Projekt aus wirtschaftlicher Sicht e…

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  • Schüsse in der Weihnachtszeit – tödliches Verbrechen erschüttert Bordeaux

    Schüsse in der Weihnachtszeit – tödliches Verbrechen erschüttert Bordeaux

    Die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember hat im Norden von Bordeaux eine Spur hinterlassen, die weit über das eigentliche Tatgeschehen hinausreicht. Während andernorts noch Lichterketten glühten und die letzten Reste des Weihnachtsessens auf den Tischen standen, fiel im Quartier der Aubiers ein junger Mann tödlichen Schüssen zum Opfer. Ein Verbrechen, das die Stadt aufschreckt, Fragen aufwirft und alte Wunden wieder aufreisst. Gegen 22.30 Uhr hallten auf der Place Ginette-Neveu mehrere Schüsse durch die kühle Dezemberluft. Augenzeugen berichten von einem kurzen Moment der Starre, dann von Schreien, hastigen Schritten, flackerndem Blaulicht. Der Getroffene, ein 2006 geborener Mann aus Trappes, war noch nicht einmal zwanzig. Zwei Kugeln hatten ihn getroffen. Schwer verletzt wurde er ins Krankenhaus gebracht. Dort erlag er wenige Stunden später, am Morgen des 26. Dezember, seinen Verletzungen. Dass dieser Tod kein zufälliges Unglück war, darauf deutete früh vieles hin. Die Ermittler gingen …

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  • Kommentar: Zwischen Reben und Beton – Wie Bordeaux’ „Raisins de la Solidarité“ neue soziale Wurzeln schafft

    Kommentar: Zwischen Reben und Beton – Wie Bordeaux’ „Raisins de la Solidarité“ neue soziale Wurzeln schafft

    Manchmal scheint es, als bestünde die Welt nur noch aus Katastrophenmeldungen, aus Eilmeldungen voller Lärm und Angst. Krieg, Klimakrise, Politikverdrossenheit – es ist leicht, den Eindruck zu bekommen, dass alles nur noch bergab geht. Doch dann tauchen Geschichten auf wie diese aus Bordeaux. Und plötzlich wird es still. Warm. Menschlich.

    Denn da stehen Jugendliche in den Reben, die sonst zwischen Beton, Asphalt und Vorurteilen groß geworden sind. Sie lachen, sie schwitzen, sie lernen. Sie erleben, dass man Teil von etwas sein kann, das wächst. Nicht virtuell, nicht auf Social Media, sondern ganz real – unter der Sonne, im Geruch der Erde, mit klebrigen Fingern vom Traubensaft.

    „Les raisins de la solidarité“ – schon der Name klingt wie ein Versprechen.
    Ein Versprechen darauf, dass Zusammenhalt keine Floskel ist, sondern etwas, das man buchstäblich mit den Händen erntet. Hier begegnen sich Welten, die sonst kaum miteinander sprechen: die Jugend der Stadt und die Winzer des Landes, die Hoffnung der Zukunft und die Erfahrung der Vergangenheit.

    Was mich daran so berührt, ist diese Schlichtheit. Niemand tut hier etwas für Schlagzeilen oder Imagepflege. Es geht um Begegnung, um Würde, um Lernen.
    Und während überall sonst Schlagzeilen von Spaltung und Hass erzählen, zeigen diese jungen Menschen, dass man Brücken auch anders bauen kann – aus Vertrauen, Respekt und Neugier.

    Vielleicht liegt genau darin die Zukunft: nicht in den großen politischen Parolen, sondern in kleinen Gesten, in echten Momenten der Nähe. Ein Korb Trauben kann zum Symbol werden, wenn er gemeinsam getragen wird.

    Solche Projekte erinnern uns daran, dass Hoffnung keine naive Idee ist, sondern eine Tat. Eine Tat, die Erde unter den Fingern hat und Sonne im Herzen.

    Und ja – es gibt sie noch, die guten Nachrichten.
    Die, die nicht laut sind, aber lange nachhallen.
    Die, die uns wieder an das glauben lassen, was wir fast vergessen hätten: dass Menschen, wenn man sie lässt, füreinander da sein können.

    Vielleicht ist das der schönste Jahrgang, den Bordeaux je hervorgebracht hat – einer, der nicht nach Reichtum schmeckt, sondern nach Menschlichkeit.

    🍇✨ Es gibt sie wirklich: die schönen und guten Nachrichten. Man muss nur hinschauen – und manchmal, ganz leise, auch ein bisschen daran glauben.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Französische Weinberge im Umbruch: Hybride Rebsorten gegen Pestizide

    Französische Weinberge im Umbruch: Hybride Rebsorten gegen Pestizide

    Die Weinberge Frankreichs stehen unter Druck. Krankheiten, Klimawandel, steigende Umweltauflagen – alles drängt die Winzer, neue Wege zu gehen. Eine der spannendsten Entwicklungen trägt den unscheinbaren Namen „hybride Rebsorten“. Doch hinter diesem Begriff steckt nichts weniger als ein kleines Erdbeben für die Weinwelt.

    Was sind hybride oder resistente Rebsorten? Hybride Rebsorten, auch PIWI genannt, entstehen aus einer Kreuzung der klassischen europäischen Vitis vinifera mit wilden Arten aus Nordamerika oder Asien. Ziel ist ein doppelter Gewinn: die aromatische Finesse der europäischen Weine und die natürliche Abwehrkraft der Wildarten.So entstehen Sorten, die sich gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Oidium deutlich robuster zeigen. Weniger Behandlungen mit Kupfer und Schwefel, weniger Traktorfahrten durch die Rebzeilen – und damit weniger Belastung für Böden, Grundwasser und Menschen.

    Frankreich tastet sich vor In der Gironde hat die Winzergenossenschaft Tutiac begonnen, resist…

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  • Gefährliche Verwechslung: Wie ein Versehen in Bordeaux das Vertrauen in den Strafvollzug erschüttert

    Gefährliche Verwechslung: Wie ein Versehen in Bordeaux das Vertrauen in den Strafvollzug erschüttert

    Manchmal entscheidet ein einziger Buchstabe über Sicherheit oder Chaos. So geschehen im Mai 2025, als ein Häftling aus der Justizvollzugsanstalt Bordeaux-Gradignan nicht durch Gnade oder Haftprüfung, sondern durch einen simplen Namensfehler auf freien Fuß kam. Ein gefährlicher Täter – irrtümlich entlassen, fast wie in einem schlechten Krimi. Vier Monate später ist die Geschichte noch nicht vorbei, aber die Fragen lauter denn je. Ein fataler Buchstabendreher Der Mann, gerade einmal 25 Jahre alt, saß wegen eines schweren Raubüberfalls mit Todesfolge. Zehn Jahre Haft, das Urteil war noch frisch, gesprochen im November 2024. Doch im Mai 2025 verließ er das Gefängnis – nicht, weil er seine Strafe verbüßt hatte, sondern weil jemand im Verwaltungsapparat Namen verwechselte. Zwei Gefangene mit ähnlichem Nachnamen, eine Akte, die falsch zugeordnet wurde – und plötzlich war ein verurteilter gefährlicher Gewalttäter draußen. Vier Monate im Schatten Die Behörden brauchten fast vier Monate, um die …

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  • Feuer am Schienenstrang: Wie vier Brände den Zugverkehr bei Bordeaux lahmlegten

    Feuer am Schienenstrang: Wie vier Brände den Zugverkehr bei Bordeaux lahmlegten

    Ein Sonntagmorgen im September, eigentlich ein gewöhnlicher Reisetag – doch südlich von Bordeaux verwandelte sich die Normalität in ein Verkehrschaos. Vier Brände entlang der Bahnstrecke legten einen der wichtigsten Zugkorridore Südwestfrankreichs stundenlang lahm. Die Ermittler gehen von gezielter Brandstiftung aus. Vier Brände in einer Stunde Zwischen acht und neun Uhr morgens schlugen die Flammen hoch. Gleich vier Brandherde wurden in drei Nachbargemeinden entdeckt, keine 15 Kilometer südlich von Bordeaux. Zufall? Wohl kaum. Die Feuer zerstörten Kabel, die für die Steuerung der Züge unverzichtbar sind. Innerhalb von Minuten verwandelte sich die Hochgeschwindigkeitsstrecke Bordeaux–Toulouse in eine Problemzone. Für die Passagiere bedeutete das: endlose Verspätungen, Ausfälle, hektische Umbuchungen. Ermittlungen wegen „Brandstiftung mit Sachbeschädigung“ Renaud Gaudel, Staatsanwalt von Bordeaux, ließ keinen Zweifel: Vier Brände zur selben Zeit – die Wahrscheinlichkeit für ein technisc…

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  • Tragödie von Lormont: Zwei junge Mädchen verlieren ihr Leben auf den Gleisen

    Tragödie von Lormont: Zwei junge Mädchen verlieren ihr Leben auf den Gleisen

    Ein Sommerabend, der hätte unbeschwert enden sollen, mündet in einer Katastrophe, die eine ganze Gemeinde erschüttert. In Lormont, einem Vorort von Bordeaux, sind in der Nacht vom 27. auf den 28. August zwei Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren von einem Zug erfasst und getötet worden. Die Umstände – noch immer rätselhaft, noch immer schwer zu begreifen. Ein Vater auf der Suche – und die grausame Wahrheit Am frühen Morgen, kurz nach halb sechs, findet ein Vater das, was niemand jemals finden möchte: die leblosen Körper seiner Tochter und ihrer Freundin. Er hatte die Nacht wach verbracht, voller Sorge. Denn seine Tochter war nicht nach Hause gekommen. Eine Freundin schickte ihm schließlich ein Foto – aufgenommen am Eingang eines Eisenbahntunnels. Der Vater machte sich sofort auf den Weg dorthin. Am Tunnel von Lormont endete seine Suche. Ermittlungen zwischen Rätsel und Realität War es ein Unfall? Ein unglücklicher Streich? Oder etwas anderes? Die Polizei hält sich bedeckt, spricht derz…

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  • Der magische Spiegel von Bordeaux – Wo Wasser, Stein und Licht verschmelzen

    Der magische Spiegel von Bordeaux – Wo Wasser, Stein und Licht verschmelzen

    Direkt vor der ehrwürdigen Place de la Bourse liegt ein Ort, der seit fast zwei Jahrzehnten wie ein Magnet Menschen aus aller Welt anzieht: der Miroir d’eau. Er ist kein gewöhnlicher Brunnen, kein stilles Wasserbecken, sondern ein modernes Stadtsymbol – eine Mischung aus technischer Meisterleistung, poetischer Inszenierung und öffentlichem Wohnzimmer am Ufer der Garonne. Seit seiner Eröffnung 2006 hat sich der „Wasserspiegel“ in die Liste der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Frankreichs katapultiert und ist heute so sehr Teil der Identität von Bordeaux wie der Wein oder die historischen Fassaden.


    Ingenieurskunst unter der Wasserhaut

    Was für Spaziergänger wie eine hauchdünne Pfütze aussieht, ist in Wirklichkeit ein perfekt getaktetes System. Entworfen vom Fontainier Jean-Max Llorca, dem Architekten Pierre Gangnet und dem Landschaftsplaner Michel Corajoud, erstreckt sich die Anlage über 3.450 Quadratmeter – fast so groß wie ein halbes Fußballfeld.

    Das Geheimnis liegt unter den Granitplatten: Ein Reservoir mit 800 Kubikmetern Fassungsvermögen lagert das Wasser, filtert und recycelt es in einem geschlossenen Kreislauf. Gerade einmal zwei Zentimeter hoch steht das Wasser auf der Fläche, doch genau dies sorgt für die perfekten Spiegelbilder der Place de la Bourse.

    Der Ablauf folgt einem festen Rhythmus. Etwa 15 Minuten lang ruht das Wasser – makellos glatt, wie poliertes Glas. Dann zieht es sich durch unsichtbare Ritzen zurück, und 900 Düsen verwandeln den Platz in eine sanfte Nebelzone. Die feinen Wassertröpfchen steigen bis zu zwei Meter hoch, um sich dann in der Sommerluft aufzulösen. Gesteuert wird dieses Schauspiel per Computer, von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend.


    Bühne für Stadtleben und Tagträume

    Technik allein macht den Miroir d’eau nicht zu dem, was er ist. Sein Zauber liegt darin, dass er die Menschen zusammenbringt.

    An heißen Tagen toben Kinder barfuß über die spiegelnde Fläche, Jugendliche inszenieren Selfies im perfekten Sonnenuntergang, Paare lassen den Blick über die erleuchteten Fassaden schweifen. Für viele ist es ein Ort zum Durchatmen – mitten in der Stadt und doch in einer eigenen Welt.

    Abends legt sich ein besonderer Zauber über den Platz. Die Beleuchtung der Place de la Bourse spiegelt sich im Wasser, als hätte jemand die Stadt in ein Gemälde getaucht. Wer hier verweilt, merkt schnell: Dieser Ort erzählt Geschichten – ohne Worte, nur mit Licht, Stein und Wasser.


    Hinter den Kulissen – ein Blick ins Herz der Anlage

    Für Neugierige gibt es regelmäßig geführte Touren. Sie führen hinab in die „unsichtbare Etage“ unter dem Platz, wo Pumpen, Filter und Ventile das Herz des Miroir d’eau bilden. Dort wird klar, wie viel Präzision und Wartung nötig ist, damit oben alles mühelos wirkt.

    Die Führungen zeigen nicht nur Technik, sondern auch die Vision dahinter: einen öffentlichen Raum zu schaffen, der so einfach und zugänglich wirkt, dass man die Komplexität fast vergisst.


    Teil einer größeren Stadterzählung

    Der Miroir d’eau ist kein Einzelprojekt, sondern Teil einer umfassenden Transformation. Anfang der 2000er-Jahre begann Bordeaux, seine Uferbereiche neu zu gestalten. Wo früher Lagerhallen und vernachlässigte Industriezonen standen, entstanden breite Promenaden, Grünflächen und Orte zum Verweilen.

    Das Ziel: Die Stadt sollte sich wieder ihrem Fluss zuwenden – und die Menschen sollten sich den öffentlichen Raum zurückerobern. Der Miroir d’eau steht sinnbildlich für dieses neue Selbstverständnis: zeitgenössisches Design, das sich harmonisch in das historische Erbe einfügt.


    Ein Spiegel, der mehr als Bilder zeigt

    Heute ist der Miroir d’eau längst mehr als eine Sehenswürdigkeit. Er ist Treffpunkt, Kunstwerk, Spielplatz, Fotostudio und Sommeroase zugleich. Er spiegelt nicht nur die Fassaden, sondern auch das Leben und die Vielfalt der Stadt.

    Wer hier steht, merkt, wie sich Vergangenheit und Gegenwart begegnen – und wie Bordeaux es geschafft hat, eine Jahrhunderte alte Kulisse mit einem Hauch von 21. Jahrhundert zu füllen.

    Manchmal reicht eine Pfütze von zwei Zentimetern, um eine ganze Stadt zu spiegeln.

    Autor: C.H.

  • Frankreich glüht – Rekordhitze legt Süden lahm

    Frankreich glüht – Rekordhitze legt Süden lahm

    Frankreichs Süden steht derzeit unter einer Hitzeglocke, die ihresgleichen sucht. 42 Départements haben Alarmstufe Orange – das ist nicht einfach nur „Sommer“, das ist die offizielle Warnung: Vorsicht, hier wird es lebensgefährlich heiß. Bordeaux, Toulouse, Marseille, Lyon – allesamt Städte, die aktuell wie unter einem gigantischen Brennglas liegen. Das Thermometer? Klettert oft bis an die 43 °C.

    Wer dort jetzt an Urlaub denkt, hat vermutlich noch nie erlebt, wie sich Asphalt bei diesen Temperaturen anfühlt. Er weicht auf, als wolle er gleich Blasen werfen. Die Luft flimmert, selbst der Wind kommt heiß wie aus einem Fön.


    Alarmstufe Orange – wenn Hitze zur Gefahr wird

    Orange heißt in Frankreich: Hier geht es um ernste Gesundheitsrisiken. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, kleine Kinder, chronisch Kranke – und alle, die draußen arbeiten müssen. Météo-France mahnt, sich zwischen 11 und 21 Uhr nicht der direkten Sonne auszusetzen, regelmäßig zu trinken und kühle Rückzugsorte aufzusuchen. Denn Hitzschlag und Dehydrierung lauern schneller, als man denkt.

    Ganze Stadtviertel geraten unter Stress, wenn Häuser die Hitze speichern und sich nachts nicht mehr abkühlen. Das macht Schlaf zur Glückssache – und Erholung fast unmöglich.


    Bordeaux, Toulouse, Marseille, Lyon – unter der Hitzehaube

    Bordeaux: 43 °C, und selbst nachts bleibt das Thermometer oft über 25 °C hängen.
    Toulouse: ähnlich gnadenlos, mit tagelangem Hochtemperatur-Dauerfeuer.
    Marseille: mehr als 40 °C und kaum Wind, der Linderung bringt.
    Lyon: eine Hitzewelle, die auch hier das Stadtleben lähmt.

    Die Prognosen? Trostlos für alle, die auf schnelle Abkühlung hoffen. Die Hitze bleibt – mindestens die nächsten Tage.


    Wenn nicht nur Menschen schwitzen

    Die Hitze frisst sich in alle Bereiche. Krankenhäuser melden steigende Zahlen hitzebedingter Notfälle. Stromnetze ächzen, weil Klimaanlagen und Ventilatoren im Dauereinsatz sind. Bauern fürchten um ihre Ernten – Weinstöcke und Getreidefelder leiden unter Trockenstress, und für manche Früchte ist die Saison wohl vorzeitig vorbei.

    Selbst der Verkehr leidet: Schienen können sich verziehen, Asphalt kann aufbrechen. Frankreichs Infrastruktur steht unter derselben Hitzeglocke wie seine Bewohner.


    Ein Blick in die Zukunft – und der macht nicht kühler

    Klimaforscher sehen solche Hitzewellen nicht mehr als Ausnahme, sondern als Vorgeschmack. Wenn der CO₂-Ausstoß nicht drastisch sinkt, könnten Städte wie Paris bis 2050 im Sommer regelmäßig 50 °C erleben. Das ist keine dystopische Science-Fiction – es ist eine berechnete Wahrscheinlichkeit.

    Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie unvorbereitet selbst entwickelte Länder auf extreme Wetterereignisse reagieren. Mehr Bäume in Städten, bessere Isolierung von Gebäuden, hitzeresistente Pflanzen in der Landwirtschaft – das alles wird künftig kein „nice to have“ mehr sein, sondern Überlebensstrategie.


    Frankreichs Hitzesommer – ein Weckruf

    Was bleibt? Eine Lektion in glühender Klarheit: Wir stehen mitten im Klimawandel. Schutzmaßnahmen müssen jetzt greifen – kurzfristig, um Leben zu retten, und langfristig, um das Klima zu stabilisieren.
    Sonst ist dieser Sommer nur der Anfang einer neuen Normalität, die niemand genießen wird.

    Von C. Hatty

  • Wie US-Zölle auf europäische Weine amerikanische Händler und Genießer treffen

    Wie US-Zölle auf europäische Weine amerikanische Händler und Genießer treffen

    Georgetown, Washington D.C., ein Viertel wie aus dem Bilderbuch: mondäne Häuser, gepflegte Gärten, charmante Boutiquen – und eine kleine, feine Weinhandlung, die seit einem Vierteljahrhundert ihre Stammkundschaft mit Bordeaux, Chablis und Saint-Émilion verwöhnt. Doch drinnen, zwischen den Regalen voller Flaschen, wächst die Unsicherheit. Denn seit dem 7. August gilt: Auf europäische Produkte, darunter auch Weine, wird in den USA ein pauschaler Zoll von 15 % erhoben.

    Ein Paukenschlag aus dem Weißen Haus, der nicht nur französische Winzer, sondern auch amerikanische Händler trifft – mit voller Wucht.

    „Es trifft uns alle“ – ein Händler in Sorge

    Bassam Al-Kahouaji lehnt an der Glasfront seines Geschäfts, die Arme verschränkt, der Blick nachdenklich. „Ich liebe dieses Viertel, ich liebe meine Kunden. Die sind uns seit 25 Jahren treu – hoffentlich bleibt das so.“ Doch sein Ton verrät: Er rechnet mit schwierigeren Zeiten.

    Mit dem Zollaufschlag, eingeführt auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump, verteuern sich seine französischen Weine um bis zu 40 %. „Eine Flasche, die bisher 25 Dollar gekostet hat, liegt bald bei 35 oder 40. Klar, dass da weniger gekauft wird.“ Seine nüchterne Einschätzung: „Es wird hart – für alle. Für Konsumenten, Importeure, Händler. Einfach für alle.“

    Vorgeschmack auf eine bittere Wahrheit

    Die Zahlen sprechen für sich: 40 % seiner Umsätze macht Al-Kahouaji mit französischem Wein – Bordeaux, Burgunder, Loire-Weine. Produkte, die seine Kundschaft nicht nur schätzt, sondern regelrecht zelebriert. Doch was passiert, wenn der Genuss plötzlich deutlich teurer wird?

    John, Immobilienmakler und Stammkunde, hat darauf eine klare Antwort: „Ich liebe französische Weine – aber wenn die Preise steigen, wechsle ich zurück zu Kalifornischen. Ich zahl doch nicht mehr für das Gleiche. Das wäre nicht fair.“ Seine Worte klingen nicht trotzig, sondern resigniert – als hätte er das längst entschieden.

    Hamsterkäufe im Weinregal

    Bassam hat gehandelt, bevor es zu spät war. „Wir haben uns eingedeckt. Ein paar Monate reicht unser Vorrat noch – vielleicht bis Dezember.“ Danach? „Dann sehen wir weiter.“

    Mit dieser Strategie ist er nicht allein. Viele kleine Händler in den USA haben versucht, sich durch Vorabbestellungen über Wasser zu halten. Doch der Spielraum ist begrenzt – vor allem, wenn die Preise weiter steigen und keine politische Lösung in Sicht ist.

    Ein Handelsstreit mit Nachgeschmack

    Die Strafzölle sind Teil eines umfassenderen Handelskonflikts, der längst nicht nur die Weinbranche betrifft. Ursprünglich als Druckmittel im Streit um Subventionen und Marktzugänge gedacht, entfalten sie nun ihre Wirkung auf ganz anderer Ebene: beim Abendessen, beim Gespräch über einen guten Jahrgang, beim Griff zur Weinflasche im Supermarktregal.

    Was nach großer Politik klingt, trifft letztlich den Alltag der Menschen – und deren Geschmack.

    Rückschritt statt Genusskultur

    Frankreichs Winzer hoffen noch auf diplomatische Lösungen, die Regierung in Paris verhandelt hinter verschlossenen Türen. Auf der anderen Seite des Atlantiks hoffen Händler wie Bassam, dass dieser Konflikt nicht zur dauerhaften Belastung wird. Denn sie wissen: Ist die Kundschaft einmal weg, kommt sie nicht so schnell zurück.

    Was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht. Und ein leiser Abschied von einer kulinarischen Brücke zwischen den Kontinenten, die jahrzehntelang funktioniert hat – Schluck für Schluck.

    Und – wie viel Zoll darf ein Glas Geschmack eigentlich kosten?

    Autor: C.H.