Schlagwort: Biodiversität

  • Rückkehr des iberischen Steinbocks: Ein Erfolg in den Pyrenäen

    Rückkehr des iberischen Steinbocks: Ein Erfolg in den Pyrenäen

    Die friedlichen Gipfel der Pyrenäen sind wieder Heimat für die vor zehn Jahren wiederangesiedelten iberischen Steinböcke, die dort seit einem Jahrhundert nicht mehr zu sehen waren.

    Nach hundert Jahren Abwesenheit kehrte der iberische Steinbock in die Pyrenäen zurück. Im Südwesten wieder angesiedelt, hat sich das Tier hervorragend an seine alte Umgebung angepasst. Es liebt es, die steilen Hänge zu erklimmen. „Die klassische Vorstellung vom Lebensraum des Steinbocks: Klippen, Hänge, Gras – also Nahrung“, erklärt Julien Canet, Leiter des Steinbockprogramms im regionalen Naturpark der Ariège-Pyrenäen.

    Eine Herausforderung mit Erfolg

    Vor zehn Jahren war es ein gewagtes Unterfangen, Steinböcke aus dem Zentrum Spaniens zu importieren und sie in den Pyrenäen auszusetzen. Mehrere Freilassungen fanden statt – mit durchschlagendem Erfolg. „Wir haben viele Geburten, Tiere, die am Ort bleiben, Weibchen, die hier geboren wurden und nun selbst Junge zur Welt bringen“, freut sich Julien Canet. Einige Weibchen finden Zuflucht in einer Felswand, in einer Höhle, die mit einer automatischen Kamera ausgestattet ist. Insgesamt wurden 2023 in der Ariège 46 Junge geboren – eine beeindruckende Vitalität, die an eine Jahrtausende alte Geschichte anknüpft.

    Vor 16.000 Jahren wagten sich prähistorische Menschen, die Magdalénier, in die steinernen Galerien der Höhle von Niaux (Ariège), um die emblematischen Tiere ihrer Zeit, Bisons und Steinböcke, zu malen. „Die ersten Naturforscher“, sagt Jacques Azema, Direktor der Höhle. Durch die moderne Jagd verschwanden die Pyrenäen-Steinböcke im Jahr 1910 vollständig. Um sie besser zu schützen, werden Wanderer heute gebeten, ihre Sichtungen zu melden und Fotos zu senden.

    Rückkehr und Anpassung: Eine Erfolgsgeschichte

    Es ist schon beeindruckend: Zehn Jahre nach der Wiederansiedlung der iberischen Steinböcke in den Pyrenäen sind sie nicht nur überlebensfähig, sondern gedeihen prächtig. Die Wiederansiedlung war eine logistische und ökologische Herausforderung – doch der Erfolg spricht Bände. Steinböcke, die seit Jahrhunderten als Symbole der Bergwildnis gelten, sind nun wieder fester Bestandteil der Fauna der Pyrenäen. Sie durchstreifen ihre alten Reviere und tragen zu einem ökologischen Gleichgewicht bei, das durch ihre Abwesenheit gestört war.

    Ein neues Kapitel in alter Umgebung

    Die Wiederansiedlung ist nicht nur ein Triumph für den Naturschutz, sondern auch ein bedeutendes Ereignis für die lokale Kultur und Geschichte. In den Pyrenäen wird wieder eine alte Geschichte geschrieben – eine Geschichte von Wildnis und Freiheit, von Überleben und Anpassung. Jeder neugeborene Steinbock steht symbolisch für das erneuerte Band zwischen Mensch und Natur, für den Erfolg der Naturschutzbemühungen und für die Hoffnung, dass verlorene Arten wieder heimisch werden können.

    Die Pyrenäen, mit ihren majestätischen Gipfeln und tiefen Tälern, sind wieder ein lebendiges Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit der Natur. Die Rückkehr der Steinböcke zeigt, dass es möglich ist, verlorenes Erbe wiederherzustellen und eine Zukunft zu schaffen, in der Mensch und Tier harmonisch zusammenleben können.

    Was bedeutet dies für die Zukunft?

    Wie geht es weiter? Die erfolgreiche Wiederansiedlung der Steinböcke wirft spannende Fragen auf: Können ähnliche Projekte auch an anderen Orten Erfolg haben? Was können wir aus der Geschichte der Steinböcke für den Schutz anderer gefährdeter Arten lernen? Die Antworten darauf werden die nächsten Jahre zeigen. Doch eines ist sicher – die Steinböcke sind zurück, und mit ihnen ein Stück lebendige Geschichte und Hoffnung für den Naturschutz.

    Die Pyrenäen sind lebendig wie eh und je – und die Steinböcke sind der beste Beweis dafür.

  • Die geheime Route der Insekten: Ein Mikrokosmos im Col de Bujaruelo (Pyrenäen)

    Die geheime Route der Insekten: Ein Mikrokosmos im Col de Bujaruelo (Pyrenäen)

    Im Herzen der imposanten Pyrenäen erstreckt sich ein bemerkenswerter Weg, der kaum bekannt ist – nicht für Menschen, sondern für Millionen von Insekten. Diese erstaunliche Entdeckung beleuchtet eine „Autobahn“ für Insekten, die sich durch den Col de Bujaruelo schlängelt und eine beeindruckende Biodiversität offenbart.

    Der faszinierende Entdeckung des Insektenkorridors

    Stell dir vor: Jeden Herbst machen sich etwa 17 Millionen Insekten auf den Weg über die Pyrenäen, genau durch den 30 Meter breiten Col de Bujaruelo an der spanischen Grenze. Diese unglaubliche Massenbewegung von Schmetterlingen, Libellen, Fliegen und Mücken wurde von britischen Wissenschaftlern der Universität Exeter entdeckt und bestätigt. Über vier Jahre hinweg beobachteten sie dieses Phänomen während der Herbstsaison. An manchen Tagen konnten sie drei Millionen Insekten zählen, die durch diesen engen Gebirgspass flogen.

    Eine Entdeckung aus Zufall

    Die Geschichte dieser Entdeckung beginnt mit einer glücklichen Fügung. Vor über 70 Jahren stießen zwei britische Ornithologen zufällig auf eine riesige Wolke von Insekten, die alle in die gleiche Richtung flogen. Doch erst jetzt, Jahrzehnte später, wurde das Phänomen systematisch untersucht und dokumentiert. Mit Hilfe einer Kamera, die an einer strategischen Stelle platziert wurde, erfassten die Forscher die Insekten, die aufgrund der Luftströmungen gezwungen waren, knapp über dem Boden zu fliegen. Die Dichte der Insekten wurde anhand der Aufnahmen geschätzt und dann hochgerechnet.

    Die ökologische Bedeutung der Insektenmigration

    Warum ist diese Entdeckung so bedeutsam? Insekten spielen eine entscheidende Rolle im ökologischen Gleichgewicht. Von den Millionen von Insekten, die diesen Pass überqueren, sind 90 % Bestäuber, ein Drittel sind effiziente Zersetzer von Abfallstoffen, und etwa 20 % fungieren als natürliche Schädlingsbekämpfer, indem sie beispielsweise Blattlauslarven verzehren. Natürlich gibt es auch schädliche Insekten, die Schäden in der Landwirtschaft anrichten können, doch ihr Anteil ist relativ gering.

    Der nächste Schritt: Der Frühjahrszug

    Nachdem die Herbstwanderung der Insekten dokumentiert wurde, steht nun die Untersuchung ihrer Rückkehr im Frühling auf der Agenda der Wissenschaftler. Wird der Weg zurück ähnlich spektakulär sein? Diese Frage bleibt spannend und könnte weitere Erkenntnisse über das Verhalten und die Routen der Insekten liefern.

    Eine lebendige Autobahn in den Bergen

    Der Col de Bujaruelo hat sich als lebendiger Korridor herausgestellt, ein schmaler Pass, der Millionen von Insekten eine sichere Passage ermöglicht. Dieses schmale Nadelöhr in den Pyrenäen ist ein Hotspot der Biodiversität und ein hervorragender Beobachtungspunkt für Wissenschaftler. Es ist ein lebendes Beispiel dafür, wie komplex und vernetzt unser Ökosystem ist – und wie viel wir noch zu entdecken haben.

    Die Entdeckung des Insektenkorridors am Col de Bujaruelo könnte den Weg für weitere Forschungen und Schutzmaßnahmen ebnen. Wie beeinflusst der Klimawandel diese Routen? Welche Rolle spielen diese Migrationspfade in der globalen Biodiversität? Und vor allem, wie können wir diese natürlichen Autobahnen schützen, um das fragile Gleichgewicht der Natur zu bewahren?

    Die Natur hält noch viele Geheimnisse bereit – und manchmal führen uns Zufälle zu den erstaunlichsten Entdeckungen. Der Col de Bujaruelo ist mehr als nur ein Gebirgspass; er ist eine Lebensader für Millionen von Insekten und ein Symbol für die Wunder der Natur, die es zu erforschen gilt. Wer hätte gedacht, dass so viele kleine Flügel in den Bergen ein so großes Abenteuer erleben?

  • Wasserbüffel als Landschaftsingenieure in den Sümpfen der Gironde

    Wasserbüffel als Landschaftsingenieure in den Sümpfen der Gironde

    In einem bemerkenswerten Schritt zur Förderung der Biodiversität und Landschaftspflege wurden acht Wasserbüffel aus der Bretagne in das Naturschutzgebiet am Étang de Cousseau in Lacanau, Gironde, gebracht. Diese Tiere, bekannt für ihre Fähigkeit, als „Landschaftsingenieure“ zu wirken, haben die Aufgabe, das ganze Jahr über in den Sümpfen zu weiden und damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des Ökosystems zu leisten.

    Ankunft aus der Bretagne

    Nach einer langen Reise aus der Bretagne haben die Wasserbüffel ihr neues Zuhause erreicht, wo sie unter den Augen der Öffentlichkeit in ihre neue Umgebung entlassen wurden. Diese beeindruckenden Tiere, die bis zu drei Meter lang werden und etwa 350 Kilogramm wiegen können, sind für ihre Rolle in der Erhaltung und Gestaltung von Feuchtgebieten bekannt.

    Natürliche Landschaftspflege

    Die Wasserbüffel werden in Lacanau eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, indem sie die Vegetation fressen und den Boden festtreten. Diese natürliche Art der Landschaftspflege hilft, das Gebiet offen zu halten und fördert die Gesundheit des Ökosystems. François Sargos, der Konservator des Reservats, erklärt: „Sie werden dazu beitragen, diese offene Landschaft zu erhalten und unsere mechanischen Mähaktionen schrittweise zu reduzieren.“

    Koexistenz mit einheimischen Arten

    Die Büffel werden sich das Gebiet mit 30 Exemplaren von schon seit 1990 eingeführten Sumpfvieh teilen müssen. Dies ist nicht das erste Mal, dass Wasserbüffel in Frankreich für solche Zwecke eingesetzt werden. Bereits vor zwei Jahren wurden vier Büffel in ein normannisches Reservat gebracht, wo sie erfolgreich zur Wiederherstellung der Biodiversität beitrugen.

    Ein Modell für nachhaltige Landschaftsgestaltung

    Dieses Projekt zeigt ein fortschrittliches Modell für die nachhaltige Verwaltung und Erhaltung von Naturschutzgebieten. Durch die Nutzung der natürlichen Verhaltensweisen der Wasserbüffel als Landschaftspfleger bietet sich eine umweltfreundliche Alternative zu mechanischen Eingriffen, die oft mit Lärm, Emissionen und anderen Störungen verbunden sind. Der Einsatz dieser Tiere kann helfen, die biologische Vielfalt zu erhöhen und gleichzeitig die natürliche Schönheit und Funktion der Feuchtgebiete zu erhalten.

    Die Integration von Wasserbüffeln in das Ökosystem von Lacanau könnte als Vorbild für andere Regionen dienen, die ähnliche ökologische Herausforderungen bewältigen müssen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese neuen Mitglieder der Gemeinschaft in ihrer Rolle als Öko-Ingenieure sein werden, doch die Hoffnungen sind hoch, dass sie einen positiven und langfristigen Einfluss auf die Landschaft der Gironde haben werden.

  • Pilze in Gefahr: Frankreichs unsichtbare Biodiversitätskrise

    Pilze in Gefahr: Frankreichs unsichtbare Biodiversitätskrise

    Wenn wir über den Artenschutz sprechen, denken wir oft an majestätische Tiere oder farbenfrohe Pflanzen. Doch jüngst rücken Organismen in den Fokus, die im Verborgenen wirken und dennoch Grundpfeiler unserer Ökosysteme sind – die Pilze.

    Ein alarmierender Befund

    Zum ersten Mal in Frankreich wurden Pilze auf die Rote Liste der bedrohten Arten gesetzt. Unter den kritischen Blicken der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN), des Naturhistorischen Museums und des Französischen Büros für Biodiversität, wurden 319 Pilzarten unter die Lupe genommen. Ergebnis: 9% dieser stillen Ökosystem-Ingenieure sind vom Aussterben bedroht. Die Täter? Menschliche Aktivitäten wie Urbanisierung, intensive Forstwirtschaft, Einsatz von Fungiziden und Düngemitteln sowie der Klimawandel.

    Die stummen Helden der Natur

    Pilze sind nicht nur für Feinschmecker und Naturfreunde von Interesse. Sie spielen eine unschätzbare Rolle in der Natur. Als Partner der Bäume, mit denen sie eine Symbiose eingehen, tragen sie entscheidend zur Nährstoffversorgung und zum Abbau toter organischer Substanz bei. Doch trotz ihrer Bedeutung für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts fehlt es an gezielten Schutzmaßnahmen.

    Betroffene Arten

    Unter den bedrohten Arten finden sich nicht nur Speisepilze, sondern vor allem solche, die für die breite Öffentlichkeit unsichtbar bleiben. Darunter sind der Lactaire des saules réticulés, der Lactaire jaune et lilas, der Bolet de plomb und der Tricholome brûlé – allesamt Zeugen einer reichen, aber gefährdeten Biodiversität.

    Ein Aufruf zum Handeln

    Die Erstellung dieser ersten Liste ist ein entscheidender Schritt, um auf die prekäre Lage der Pilze aufmerksam zu machen. Die 319 untersuchten Arten bilden nur einen Bruchteil des französischen Pilzreichtums, der insgesamt 25.000 Arten umfasst. Es ist ein Weckruf, die Pilze nicht als selbstverständlichen Teil unserer Natur zu betrachten, sondern als Wesen, die unseren Schutz und unsere Anerkennung benötigen.

    Warum sollten wir uns also um Pilze kümmern? Ganz einfach: Ohne sie würden unsere Wälder, unsere Böden und unsere gesamte natürliche Welt nicht funktionieren. Sie sind die stillen Architekten der Natur, deren Verlust wir uns nicht leisten können. Es ist höchste Zeit, das Bewusstsein für ihre Bedeutung zu schärfen und konkrete Schritte zum Schutz dieser unsichtbaren, aber unverzichtbaren Lebensformen zu unternehmen. Die Uhr tickt – können wir es uns leisten, diese stillen Helden zu ignorieren?

  • Biodiversität: Im französischen Departement La Réunion sind mehr als 40% der Pflanzen vom Aussterben bedroht

    Biodiversität: Im französischen Departement La Réunion sind mehr als 40% der Pflanzen vom Aussterben bedroht

    Die Insel galt lange Zeit als ein Naturparadies, doch die dort lebenden Pflanzen sind zunehmend bedroht. Premierministerin Elisabeth Borne will am Montag eine neue Strategie Frankreichs zum Schutz der Artenvielfalt vorstellen.

    Élisabeth Borne stellt am Montag, dem 27. November, die neue französische Biodiversitätsstrategie vor. Dabei handelt es sich um ein detailliertes Programm mit Maßnahmen, die Frankreich bis 2030 umsetzen oder fortführen will, um die biologische Vielfalt zu schützen und das Artensterben an Land und im Meer einzudämmen. Wie schlecht es um die Biodiversität in Frankreich bestellt ist, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie über die Flora des Überseedepartements La Réunion.

    Die am 21. November veröffentlichte Studie des französischen Komitees der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) zeigt, dass von den fast 1.000 auf La Réunion beheimateten Pflanzenarten heute 41% bedroht sind. Bei der letzten Bilanz vor 13 Jahren waren es noch 30%. Inzwischen stehen 395 Arten auf La Réunion auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

    Die Autoren der Studie, die unter anderem für das Conservatoire botanique national de la Réunion arbeiten, betonen, dass die Situation umso besorgniserregender ist, als die Insel mehrere hundert Pflanzen beherbergt, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Und einige sind bereits vollständig verschwunden, wie zum Beispiel die Angrec Palmiforme, eine Pflanze aus der Familie der Orchideen.

    Trotz der bereites eingeleiteten Erhaltungs- und Präventionsmaßnahmen Verbessert sich die Situation nicht. Verantwortlich sind insbesondere invasive gebietsfremde Arten, die mit den einheimischen Arten konkurrieren, die Zerstörung von Lebensräumen durch Landwirtschaft sowie Entwaldung und Urbanisierung. Gefährlich ist auch voranschreitende Verschwinden von Bestäubern, hervorgerufen unter anderem durch den Klimawandel. Die Studie will daran erinnern: Der Kampf für das Klima und für die biologische Vielfalt sind untrennbar miteinander verbunden.

    Wälder zum Beispiel binden einen Teil des CO2 aus der Atmosphäre, sie sind sogenannte Kohlenstoffsenken, auf die wir Menschen angewiesen sind, um das Klima in einem erträglichen Rahmen zu halten. Aber diese Kohlenstoffsenken ermüden, wie es in Frankreich der Fall ist, aufgrund ihrer Übernutzung und des bereits veränderten Klimas, das oft die Entwicklung von Krankheiten oder Schädlingen begünstigt. Ein weiteres Beispiel: Feuchtgebiete, die in den vergangenen Jahrzehnten großflächig trocken gelegt wurden, sind wirksame Schutzsysteme gegen Überschwemmungen, die sich in Zukunft immer häufiger wiederholen könnten. Es kann keinen globalen Kampf gegen den Klimawandel geben, ohne den Kampf für den Erhalt der Biodiversität und umgekehrt…

  • Exotische Tier- und Pflanzenarten machen sich wegen der globalen Erwärmung in Südfrankreich breit

    Exotische Tier- und Pflanzenarten machen sich wegen der globalen Erwärmung in Südfrankreich breit

    Aufgrund der globalen Erwärmung besiedeln Hunderte von invasiven, exotischen Arten die Flora und Fauna Frankreichs. Wissenschaftler beobachten das Phänomen und versuchen, zu verhindern, dass eine dieser Arten alle anderen überrollt. 

    „Seit zehn Jahren werden wir von Quallen überschwemmt. Warum?“ Fragt sich der Fischer Roland Guerrero in einer Reportage von Radio France, als er sein Fischnetz einholt. Eine invasive Art, die mit der Qualle verwandt ist, hat sich im Étang de l’Or in der Nähe von Montpellier eingeschlichen und wiegt schwer im Netz des Fischers. Es sind sogenannte Meerjohannisbeeren, kleine, durchscheinende, gallertartige Kugeln, die in großer Zahl vorhanden sind. „Selbst zu zweit können wir die Netze nicht mehr mit der Hand einholen. Statt 100 Kilo sind es jetzt drei Tonnen, weil es so viele sind. Man muss zwei Stunden lang arbeiten. Sie vermehren sich rasend schnell“.

    In den 40 Jahren, in denen Roland Guerrero am Étang de l’Or fischt, hat er diese exotischen invasiven Arten kommen, bleiben und manchmal auch wieder gehen sehen. Als Beispiel zeigt er kleinwüchsige weiße Krabben. „Das sind amerikanische Krabben mit weißen Beinen. Sie sind nicht groß. Sie sind seit mindestens drei oder vier Jahren hier“. Diese Art ist wie die meisten exotischen Arten hierher gekommen: mit dem Menschen, an ein Boot hängend und von anderen Kontinenten. Ein anderes Beispiel ist der amerikanische Flusskrebs, der inzwischen hier ebenfalls häufig vorkommt. Der Fischer bestätigt, dass er „recht reichliche Fänge“ mit diesen Krebsen macht.

    Eine Gefahr für lokale Arten

    Experten machen keinen Hehl aus ihrer Besorgnis über diese invasiven Arten. Sie haben Angst vor eingewanderten Arten, die das Gleichgewicht aller anderen Arten stören.

    Mit der globalen Erwärmung beginnen viele exotischen Tiere, sich in unseren Breitengraden wohlzufühlen. Es gibt immer häufiger Winter, die nicht sehr streng sind, und das ermöglicht es exotischen Arten, auch in unseren Breitengraden zu gedeihen und im Winter nicht von Frösten getötet zu werden, was früher regelmäßig der Fall war.

    Die globale Erwärmung beschleunigt ausserdem den Vermehrungszyklus der Tiere, insbesondere den der invasiven Blaukrabbe. Diese Art sorgt in Südfrankreich für Angst, weil sie alle anderen Arten zu fressen scheint. Nathalie Barré, Spezialistin für die Blaukrabbe am Conservatoire d’espaces naturels, sieht ernsthaften Grund zur Sorge: „Der Fortpflanzungszyklus der Blaukrabbe kann durch die Klimaerwärmung dazu gebracht werden, schneller zu laufen. Dies konnte man zum Beispiel in Sizilien beobachten. Weibliche Blaukrabben können relativ früh in der Saison und auch mehrmals im Jahr eiertragend sein.“

    Blaukrabben legen sehr viele Eier, manche sogar mehr als 2,5 Millionen. Und um die Anwesenheit der Blaukrabbe, die Fischer regelmäßig im Étang de l’Or sehen, zu überwachen, wollen Wissenschaftler des Ministeriums für den ökologischen Übergang in einigen Tagen Umwelt-DNA-Proben aus dem Wasser entnehmen.

  • Biodiversität: Goldschakal in der Bretagne formell identifiziert

    Biodiversität: Goldschakal in der Bretagne formell identifiziert

    Das Verbreitungsgebiet dieser Art verändert sich. Aber wie ist es zu erklären, dass ein solches Tier ausgerechnet im Departement Finistère gesichtet wird?

    Alles begann mit einem automatischen Schnappschuss, der im letzten Frühjahr auf einem pädagogischen Bauernhof im südlichen Finistère aufgenommen wurde. Eine Fotofalle überraschte ein erstaunliches Tier: Es war etwas zu groß für einen Fuchs, aber zu klein für einen Wolf. Außerdem hatte es keine dunklen Pfoten wie ein Fuchs aber die gleichen Ohren und den gleichen Schwanz wie ein Wolf. Das Foto wurde daher genau analysiert. Spezialisten haben nun bestätigt, dass es sich um einen Goldschakal handelt, der auf diesem Bauernhof in der Bretagne gesichtet wurde.

    Sein Vorkommen in der Bretagne ist eine Premiere, aber es bestätigt, was das französische Amt für Biodiversität seit mehreren Jahren ahnt: Diese Art neigt dazu, ihr Territorium vom Balkan und Mitteleuropa nach West- und Nordeuropa auszudehnen. Schakalpopulationen haben sich bereits in Italien oder der Schweiz angesiedelt. Und in den letzten fünf Jahren wurden in Frankreich etwa 15 Beobachtungen von Einzeltieren gemacht, unter anderem in den Departements Haute-Savoie, Deux-Sèvres, Bouches-du-Rhône und Essonne. Es ist jedoch nicht bekannt, wie viele Schakale insgesamt bereits in Frankreich leben.

    Kein bekannter Fall von Goldschakal-Angriffen auf Menschen

    Beobachtungen in Osteuropa zufolge greift der Schakal weniger Viehzuchtbetriebe an als der Fuchs oder der Wolf. In freier Wildbahn gelingt es ihm sehr gut, sich von kleinen Beutetieren zu ernähren, der Schakal ernährt sich aber auch von Wildkadavern oder von Abfällen in Mülltonnen. Bisher ist kein Fall bekannt, in dem ein Goldschakal einen Menschen angegriffen hat.

    In Frankreich ist der Schakal derzeit weder geschützt noch jagdbar. Er hat keinen Status, da er offiziell (noch) nicht existiert. Wenn seine Anwesenheit offiziell bestätigt wird, muss diese unklare Rechtslage geändert werden und es muss geprüft werden, wie er sich in unser Ökosystem einfügt und wie er insbesondere mit dem Wolf und dem Fuchs zusammenleben kann.

  • Biodiversität: Vogelschutzgebiet auf Firmengelände

    Biodiversität: Vogelschutzgebiet auf Firmengelände

    In Frankreich hat eine bekannte Baumarktkette in Templemars im Norden des Landes gerade das Gütesiegel „Refugium“ der Liga für Vogelschutz erhalten.

    Es ist nur Brachland zwischen einer Straße und einem Lagerhaus. Doch das Gebiet in Templemars (Nordfrankreich) ist eine Goldgrube für die Artenvielfalt der Region. Das Gelände gehört der Kingfisher-Gruppe, der Muttergesellschaft von Castorama. Damien Villotta arbeitet für die Liga für Vogelschutz (LPO) und setzt sich für den Schutz dieser Naturinseln ein. „Hier gibt es eine natürliche Speisekammer, viele Insekten, die sich in der Nähe der niedrigen Vegetation, des Bodens und der Samen befinden, die noch auf den Blumen sitzen“, erklärt er auf dem Sender France 3.

    Verschiedene Blumen, Sträucher und dornige Pflanzen bedecken das verwahrloste Grundstück. Auf dem Gelände sind 10 Hektar so konzipiert, dass sich die Natur uneingeschränkt entwickeln kann. Es darf nicht näher als 10 cm über dem Boden gemäht werden und 2011 wurden hier Bienenstöcke aufgestellt. „Wir haben auf dem gesamten Gelände eine Bestandsaufnahme gemacht. Wir haben über dreißig Vogelarten entdeckt (…), von denen 19 geschützt sind“, berichtet Sandrine Lefebvre, Managerin in der Immobilienabteilung der KingFisher-Gruppe. Der Firmenstandort ist seit diesem Sommer als Vogelschutz-Refugium klassifiziert.

  • Biodiversität: Das Mittelmeer ist in Gefahr

    Biodiversität: Das Mittelmeer ist in Gefahr

    Um zu versuchen, das zu retten, was von den Lebewesen neben uns noch übrig ist, begann am Mittwoch, dem 7. Dezember, in Montreal die COP15. Um die Dringlichkeit der Herausforderungen dieser neuen COP zu veranschaulichen, blickt France Télévisions auf den heißen Sommer zurück, der die Temperatur des Mittelmeers lokal auf bis zu 30 Grad ansteigen ließ.

    Das Mittelmeer steht vor einer neuen Bedrohung, die heimtückisch und still heranschleicht. In diesem Sommer waren die Unterwasserfauna und -flora Rekordtemperaturen von 30 Grad ausgesetzt. Welche konkreten Auswirkungen haben solche Hitzewellen im Mittelmeer? Um das herauszufinden, nimmt das Team von France Télévisions Kurs nach Süden, auf die Halbinsel Giens (Var). Inmitten von Schwärmen von Schwarzkopfbrassen, einer verspielten Muräne befinden sich Gorgonien (den Korallen des Mittelmeers), die ihre schönen roten Verzweigungen verloren haben. Die Polypen, die Tentakel, mit denen sie sich ernähren, sind fast verschwunden.

    Etwa 50 Arten sind bereits vollständig aus dem Mittelmeer verschwunden
    Taucher hatten bereits 2003, während der vorangegangenen Hitzewelle, ein großes Gorgoniensterben beobachtet, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Seit Anfang August müssen die Berufstaucher hilflos mit ansehen, wie sich vor ihren Augen eine ökologische Katastrophe abspielt. „Die Sorge um alles, was an Fauna an den Felsen befestigt ist, ist dadurch begründet, dass es der Anfang der Nahrungskette ist“, betont der Taucher Jérôme Palmer. Gorgonien, Fische, Algen und Mollusken – etwa 50 Arten sind bereits aus dem Mittelmeer verschwunden. Aber die fast tropischen Temperaturen des Meeres ziehen auch neue Arten an, die oft durch das Ballastwasser von Schiffen eingebracht werden.

  • „Wir müssen die Regenwürmer retten“: Warum wir uns über ihr Verschwinden Sorgen machen müssten

    „Wir müssen die Regenwürmer retten“: Warum wir uns über ihr Verschwinden Sorgen machen müssten

    Am Freitag, dem 21. Oktober, wurde der Tag des Regenwurms begangen. Und das mit gutem Grund: Die Spezies, deren Population gerade zusammenbricht, ist wichtig für das Leben in unseren Böden. Seit mehreren Jahren bereits schlagen Experten Alarm.

    Die Menge der Regenwürmer ist von 2 Tonnen pro Hektar im Jahr 1950 auf heute weniger als 200 kg pro Hektar zurückgegangen. Und nach den neuesten Erkenntnissen des IPCC wird ihre Population weiter sinken. Die Art spielt jedoch eine wesentliche Rolle für die Biodiversität.

    Regenwürmer verbessern die Porosität des Bodens, er kann dadurch den Regen besser aufnehmen – allein dank der Gänge, die sie bauen. Ihr Hin und Her zwischen tieferen Schichten und der Bodenoberfläche durchmischt den Boden und verjüngt ihn auf ganz natürliche Weise und ohne einen Cent auszugeben. Da der Regenwurm für die Fruchtbarkeit des Bodens unerlässlich ist, verdient er nach Meinung der Experten seinen „Tag des Regenwurms“.

    Doch leider ist seine Existenz heute größtenteils durch die Landwirtschaft bedroht, die offensichtlich lieber auf die Fähigkeiten des Regenwurms verzichtet: Die intensivierte konventionelle Landwirtschaft berücksichtigt keine lebenden Böden. Ihre Düngemittel bringen das Leben der Regenwürmer in Gefahr, mahnen Agrarwissenschaftler. Aber: Nicht nur Pestizide töten die Regenwürmer, sondern auch die mechanischen Werkzeuge. Schätzungen gehen davon aus, dass die Pflüge der Bauern 95% aller Würmer zerstört, die ihnen in den Weg geraten.

    Die Folge: 2019 zeigte ein Bericht, dass bereits mehr als 60% der Böden weltweit als Folge menschlicher Aktivitäten geschädigt seien. „Ein Phänomen, das sich verschärft und das sich mit dem Klimawandel noch verschärfen könnte“, stellte die Umweltagentur Ademe fest. Ein Prozentsatz, der erheblich reduziert werden könnte, „wenn man das Ökosystem sich selbst regenerieren ließe“, so die Experten.

    Im Dezember 2021 erkannte der französische Staat an, dass Pestizide die Böden verarmen lassen und Regenwürmer töten, aber es gab keine Entscheidung, die positive Auswirkungen auf die Regenwürmer hatte. dazu muss gesagt werden, dass der Regenwurm im Gegensatz zu anderen Arten keine rechtliche Anerkennung findet. In dem Moment, in dem er von den Gesetzgebern als schützenswerte Art anerkannt wird, kann man ihm Rechte einräumen.

    Bis dahin kann man nur hoffen, dass die Bevölkerung sich bewusst wird, dass der Boden ein lebendiger Lebensraum ist, in dem sich 3/4 der terrestrischen Biodiversität befindet, so Agrarwissenschaftler.

    Man muss schon die Jüngsten für die Bedeutung der Regenwürmer sensibilisieren, ihre Anatomie erklären, was sie zum Leben brauchen und wie sie sich vermehren…