Schlagwort: Biodiversität

  • Kommentar: Wenn weniger Naturschutz plötzlich die Landwirtschaft retten soll …

    Kommentar: Wenn weniger Naturschutz plötzlich die Landwirtschaft retten soll …

    Es ist schon erstaunlich. Jedes Mal, wenn die Landwirtschaft in Schwierigkeiten gerät, scheint die gleiche Lösung aus der politischen Schublade gezogen zu werden: weniger Umweltschutz. Weniger Auflagen. Mehr Pestizide. Schnellere Genehmigungen. Hauptsache, die Natur hält still und beschwert sich nicht.

    Die Geschichte müsste eigentlich längst gelehrt haben, dass genau dieses Rezept immer wieder gescheitert ist. Doch offenbar gilt auch in der Politik: Wer dieselben Fehler oft genug wiederholt, hofft irgendwann auf ein anderes Ergebnis.

    Da werden Insektizide rehabilitiert, deren Risiken seit Jahren bekannt sind. Wasserspeicher werden als Allheilmittel verkauft, obwohl das Wasser dadurch nicht vermehrt wird. Wölfe werden zum Sündenbock erklärt, während Dürre, Bodenerosion und Artensterben als lästige Randnotizen behandelt werden.

    Natürlich klingt es verlockend: Ein paar Umweltauflagen streichen, etwas Bürokratie abbauen und schon läuft der Laden wieder. Wenn die Realität doch nur so einfach wäre.

    Denn die Landwirtschaft lebt nicht trotz der Natur – sie lebt von ihr. Ohne gesunde Böden keine Ernten. Ohne Bestäuber kein Obst. Ohne ausreichend Grundwasser keine Bewässerung. Ohne Artenvielfalt keine widerstandsfähigen Ökosysteme. Wer diese Grundlagen schwächt, sägt an dem Ast, auf dem die Landwirtschaft selbst sitzt.

    Der eigentliche Widerspruch ist kaum zu übersehen: Dieselbe Politik, die den Klimawandel als größte Herausforderung für die Landwirtschaft bezeichnet, lockert gleichzeitig jene Regeln, die Böden, Wasser und Biodiversität schützen sollen. Das ist ungefähr so logisch, wie bei einem Hausbrand zuerst die Rauchmelder auszubauen, weil sie zu laut piepen.

    Ja, viele Landwirte stehen wirtschaftlich unter enormem Druck. Sie kämpfen mit niedrigen Preisen, internationalem Wettbewerb und immer extremeren Wetterlagen. Dafür verdienen sie Unterstützung – aber keine politischen Placebos. Wer glaubt, die Zukunft der Landwirtschaft liege in mehr Chemie und weniger Naturschutz, verwechselt kurzfristige Erleichterung mit nachhaltiger Politik.

    Die Natur lässt sich nicht verhandeln. Sie kennt keine Wahlperioden, keine Lobbygruppen und keine parlamentarischen Mehrheiten. Sie reagiert ausschließlich auf biologische und physikalische Gesetze. Und diese Gesetze waren noch nie besonders kompromissbereit.

    Vielleicht wird das neue Gesetz einigen Betrieben kurzfristig Luft verschaffen. Vielleicht steigen Erträge in einzelnen Kulturen. Doch wenn dafür Bestäuber verschwinden, Wasserressourcen übernutzt und Ökosysteme weiter geschwächt werden, bezahlt am Ende genau jene Branche den höchsten Preis, die man eigentlich schützen wollte.

    Die Wahrheit ist unbequem: Eine Landwirtschaft gegen die Natur hat noch nie dauerhaft funktioniert. Eine Landwirtschaft mit der Natur dagegen schon – auch wenn sie politisch anspruchsvoller und wirtschaftlich unbequemer ist.

    Man könnte daraus lernen. Man könnte.

    Oder man wartet einfach auf die nächste Agrarkrise – und erklärt dann erneut, ausgerechnet der Naturschutz sei das Problem.

    Andreas M. Brucker

  • Frankreich beschließt umstrittenes Agrargesetz: Mehr Freiheiten für Landwirte, scharfe Kritik von Umweltschützern

    Frankreich beschließt umstrittenes Agrargesetz: Mehr Freiheiten für Landwirte, scharfe Kritik von Umweltschützern

    Die französische Nationalversammlung hat das Notfallgesetz zum Schutz und zur Stärkung der landwirtschaftlichen Souveränität endgültig verabschiedet. Es enthält mehrere Maßnahmen, die von Teilen der Landwirtschaft seit Langem gefordert wurden und zugleich zu den umstrittensten Reformen der vergangenen Jahre zählen. Während die Befürworter darin einen notwendigen Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit französischer Betriebe sehen, warnen Kritiker vor einer Schwächung des Umwelt- und Naturschutzes. Wiedereinführung von Acetamiprid Den größten politischen Streit löste die befristete Wiedereinführung des Insektizids Acetamiprid aus. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Neonicotinoide und war in Frankreich seit mehreren Jahren verboten, obwohl er auf europäischer Ebene weiterhin zugelassen ist. Nach Auffassung der Regierung und der Befürworter des Gesetzes existieren für bestimmte Kulturen wie Haselnüsse oder Zuckerrüben bislang keine gleichwertigen Alternativen. Ohne den Wirkstoff dr…

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  • Große Solidarität für den Wald von Fontainebleau: Mehr als 600.000 Euro für die Wiederherstellung nach den Bränden

    Große Solidarität für den Wald von Fontainebleau: Mehr als 600.000 Euro für die Wiederherstellung nach den Bränden

    Die Hilfsbereitschaft fällt außergewöhnlich groß aus. Innerhalb weniger Tage kamen mehr als 600.000 Euro für die Wiederherstellung des Waldes von Fontainebleau zusammen, der Mitte Juli von verheerenden Bränden schwer getroffen wurde. Die Spendenaktion übertraf die ursprünglichen Erwartungen deutlich und zeigt, welchen Stellenwert dieses traditionsreiche Naturgebiet für viele Menschen besitzt.

    Ins Leben gerufen wurde die Sammlung von der Fondation du patrimoine gemeinsam mit dem französischen Forstamt, der Stadt Fontainebleau, dem Département Seine-et-Marne sowie der Region Île-de-France. Das eingeworbene Geld fließt in zahlreiche Maßnahmen, die den Wald nicht nur wiederherstellen, sondern langfristig widerstandsfähiger machen sollen.

    Dabei geht es um weit mehr als das Pflanzen neuer Bäume. Zunächst stehen umfassende ökologische Untersuchungen auf dem Programm, um das Ausmaß der Schäden genau zu erfassen. Ebenso wichtig ist die Sicherung der besonders stark betroffenen Flächen, damit keine Gefahren für Besucher oder Einsatzkräfte entstehen. Erst danach beginnt die eigentliche Renaturierung, die sich über viele Jahre erstrecken dürfte.

    Ein Schwerpunkt liegt auf der Wiederaufforstung mit Baumarten, die besser an die Folgen des Klimawandels angepasst sind. Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen setzen den europäischen Wäldern zunehmend zu. Deshalb sollen künftig Arten zum Einsatz kommen, die mit Hitze und Wassermangel besser zurechtkommen. Ergänzend sind Maßnahmen vorgesehen, die das Risiko künftiger Waldbrände verringern und die Widerstandskraft des gesamten Ökosystems stärken.

    Die Dimension der Katastrophe ist enorm. Mehr als 2.000 Hektar Wald fielen den Flammen zum Opfer. Das entspricht nahezu zehn Prozent des gesamten Waldgebiets südlich von Paris und zählt zu den schwersten ökologischen Schäden, die Fontainebleau seit Jahrzehnten erlebt hat. Besonders tragisch ist die Tatsache, dass zahlreiche besonders artenreiche Bereiche betroffen sind. Viele geschützte Tier- und Pflanzenarten verloren ihren Lebensraum in einem Gebiet, das sowohl zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 als auch zum UNESCO-Biosphärenreservat gehört.

    Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass sich ein Wald nicht einfach ersetzen lässt. Ein funktionierendes Ökosystem entsteht nicht über Nacht. Manche Flächen bleiben deshalb bewusst sich selbst überlassen. Dort erhält die Natur Gelegenheit, sich auf eigene Weise zu regenerieren. An anderen Stellen greifen Experten gezielt ein, um die Entwicklung zu unterstützen und den Wald an die klimatischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte anzupassen.

    Die hohe Spendensumme spiegelt zugleich die enge Verbundenheit vieler Franzosen mit dem Wald von Fontainebleau wider. Das Gebiet zählt zu den beliebtesten Naturzielen des Landes. Seine markanten Felsen, weit verzweigten Wanderwege und außergewöhnliche Artenvielfalt locken Jahr für Jahr Millionen Besucher an. Für viele ist der Wald weit mehr als ein Ausflugsziel – er gilt als Stück nationales Naturerbe.

    Auch kleine Beiträge entfalten eine spürbare Wirkung. Nach Schätzungen der Stiftung reichen bereits 40 Euro aus, um rund 100 Quadratmeter Wald zu renaturieren. Eine Spende von 4.000 Euro ermöglicht die Wiederherstellung eines ganzen Hektars. Die beeindruckende Beteiligung zeigt: Wenn ein bedeutender Naturraum Hilfe benötigt, steht die Gesellschaft zusammen und setzt ein deutliches Zeichen für den Schutz ihrer Landschaften.

    Von C. Hatty

  • Forêt de Fontainebleau: Naturjuwel durch verheerenden Waldbrand schwer gezeichnet

    Forêt de Fontainebleau: Naturjuwel durch verheerenden Waldbrand schwer gezeichnet

    Die Forêt de Fontainebleau südöstlich von Paris zählt seit Jahrhunderten zu den bedeutendsten Waldlandschaften Europas. Generationen von Künstlern, Wanderern und Naturliebhabern zog das weitläufige Waldgebiet mit seinen markanten Sandsteinfelsen, uralten Bäumen und einer außergewöhnlichen Artenvielfalt in seinen Bann. Nun erlebt dieses einzigartige Naturerbe einen historischen Einschnitt: Ein verheerender Waldbrand im Juli 2026 hinterließ tiefe Wunden in einer Landschaft, die als Symbol französischer Natur- und Kulturgeschichte gilt.

    Auf rund 25.000 Hektar erstreckt sich der Staatswald in der Region Île-de-France. Jahr für Jahr suchen bis zu 18 Millionen Menschen Erholung zwischen Kiefern, Eichen und Buchen. Die spektakulären Felsformationen locken Bouldersportler aus aller Welt an, während Dünen, Moore und Feuchtgebiete seltenen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Rückzugsräume bieten. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht Fontainebleau zu einem der ökologisch bedeutendsten Waldgebiete Frankreichs.

    Doch innerhalb weniger Stunden verwandelten Flammen weite Teile dieser idyllischen Landschaft in eine verkohlte Fläche. Mehr als 2.000 Hektar Wald fielen dem Feuer zum Opfer. Hunderte Einsatzkräfte kämpften mit Löschflugzeugen, Hubschraubern und schwerem Gerät gegen die Flammen. Zahlreiche Anwohner mussten ihre Häuser vorsorglich verlassen, während sich das Feuer immer weiter durch das dichte Waldgebiet fraß. Für viele Menschen in der Region war schnell klar: Das ist kein gewöhnlicher Waldbrand, sondern eine Katastrophe historischen Ausmaßes.

    Die schwierigen Bedingungen machten den Einsatzkräften schwer zu schaffen. Der lockere Sandboden speicherte die Hitze, unterirdische Glutnester entzündeten sich immer wieder neu, und starke Winde trieben die Flammen unaufhaltsam voran. Mehrere Hitzewellen und anhaltende Trockenheit hatten den Wald zuvor bereits stark belastet. Was früher als Ausnahme galt, entwickelt sich inzwischen immer häufiger zur bitteren Realität.

    Auch die Ursache des Feuers beschäftigt die Ermittlungsbehörden. Weil nahezu gleichzeitig an mehreren Stellen Brände gemeldet wurden, prüfen die Ermittler neben technischen Ursachen auch den Verdacht vorsätzlicher Brandstiftung. Zwei junge Männer rückten in den Fokus der Untersuchungen. Ob sie tatsächlich Verantwortung tragen, muss nun die Justiz klären.

    Die Bedeutung Fontainebleaus reicht weit über die Region hinaus. Bereits im Mittelalter nutzten französische Könige den Wald als Jagdrevier. Im 19. Jahrhundert entdeckten Maler der Schule von Barbizon und später die Impressionisten seine einzigartige Atmosphäre. Ihr Protest gegen umfangreiche Abholzungen führte bereits 1853 zur Ausweisung der weltweit ersten künstlerischen Naturschutzgebiete – ein Meilenstein des internationalen Naturschutzes.

    Der Brand zeigt zugleich, wie stark sich die Waldbrandgefahr verändert hat. Große Feuer galten lange als Problem des Mittelmeerraums. Inzwischen geraten auch Wälder im Norden und Zentrum Frankreichs zunehmend unter Druck. Klimatische Veränderungen, längere Trockenperioden und häufigere Hitzewellen schaffen Bedingungen, die selbst traditionsreiche Waldgebiete verwundbar machen.

    Bis sich das komplexe Ökosystem von Fontainebleau erholt, dürften Jahrzehnte vergehen. Alte Baumbestände, empfindliche Lebensräume und seltene Pflanzen gingen unwiederbringlich verloren. Gleichzeitig eröffnet der Wiederaufbau die Möglichkeit, widerstandsfähigere Mischwälder zu entwickeln und den Brandschutz an die neuen klimatischen Herausforderungen anzupassen.

    Der Wald von Fontainebleau steht heute sinnbildlich für die Verletzlichkeit selbst der wertvollsten Naturlandschaften Europas. Seine Geschichte reicht viele Jahrhunderte zurück – die kommenden Jahrzehnte entscheiden darüber, in welcher Form dieses einzigartige Naturerbe an zukünftige Generationen weitergegeben wird.

    Autor: C.H.

  • Bärennachwuchs in den Pyrenäen macht Hoffnung auf das Überleben einer bedrohten Art

    Bärennachwuchs in den Pyrenäen macht Hoffnung auf das Überleben einer bedrohten Art

    Die ersten Sichtungen des Jahres sorgen bei Naturschützern für Zuversicht. Mehrere Braunbärinnen streifen in verschiedenen Regionen der Pyrenäen gemeinsam mit ihren Jungen durch die Berglandschaft. Der Nachwuchs zeigt, dass sich die Population weiterhin erfolgreich vermehrt – ein erfreuliches Signal für eine Tierart, die vor wenigen Jahrzehnten in diesem Gebirge beinahe verschwunden war.

    Noch Anfang der 1990er-Jahre galt die Lage als dramatisch. Lediglich wenige einheimische Braunbären lebten damals in abgelegenen Tälern der Pyrenäen. Um das Aussterben zu verhindern, startete Frankreich ein Wiederansiedlungsprogramm. Mehrere Bären aus Slowenien fanden ein neues Zuhause im Grenzgebirge. Ihr genetischer Hintergrund ähnelt jenem der einst heimischen Pyrenäenbären und trug dazu bei, die Population zu stabilisieren.

    Heute leben wieder mehr als 80 Braunbären in den Pyrenäen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Frankreich, Spanien und Andorra. Jeder neue Wurf liefert wertvolle Hinweise darauf, dass sich die Bestände weiter entwickeln und die Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen.

    Die Jungtiere kommen meist mitten im Winter zur Welt. Während die Mutter ihre Wurfhöhle kaum verlässt, wachsen die anfangs nur wenige hundert Gramm schweren Bären heran. Erst im Frühjahr oder Frühsommer verlassen sie gemeinsam mit der Mutter die Höhle und tauchen erstmals vor den Augen von Forschern oder Wanderern auf. Dennoch bleibt ihr Start ins Leben schwierig. Harte Wetterbedingungen, ein knappes Nahrungsangebot oder natürliche Gefahren sorgen dafür, dass längst nicht alle Jungbären die ersten Lebensjahre überstehen.

    Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Rückkehr des Braunbären umstritten. Vor allem Schafhalter beklagen immer wieder Risse an ihren Herden, besonders während der Sommermonate auf den Hochweiden. Herdenschutzhunde, zusätzliche Hirten, nächtliches Zusammenführen der Tiere sowie Entschädigungen für entstandene Schäden entschärfen manche Konflikte, lösen sie jedoch nicht vollständig.

    Aus Sicht des Naturschutzes besitzt der Braunbär eine wichtige Funktion im Ökosystem der Berge. Als Allesfresser verbreitet er Samen, verwertet Aas und trägt so zum natürlichen Stoffkreislauf bei. Gleichzeitig warnen Wissenschaftler davor, die Erholung der Population zu überschätzen. Die Zahl der Tiere bleibt vergleichsweise klein, ihre genetische Vielfalt begrenzt. Hinzu kommen Veränderungen des Lebensraums durch Tourismus, Infrastrukturprojekte und den Klimawandel.

    Der diesjährige Bärennachwuchs steht deshalb nicht nur für einen erfreulichen Erfolg im Artenschutz. Er symbolisiert zugleich die Hoffnung, dass bedrohte Wildtiere mit langfristigem Engagement und grenzüberschreitender Zusammenarbeit dauerhaft ihren Platz in Europas Natur zurückgewinnen.

    Autor: C.H.

  • Vom Pazifik bis zum Ärmelkanal: Die Erwärmung der Meere verändert Frankreichs Küsten

    Vom Pazifik bis zum Ärmelkanal: Die Erwärmung der Meere verändert Frankreichs Küsten

    Die Folgen des Klimawandels reichen längst weit über Hitzewellen und Waldbrände hinaus. Auch unter der Wasseroberfläche vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel. Von den tropischen Lagunen Französisch Polynesiens bis zu den kühlen Gewässern des Ärmelkanals messen Forschende seit Jahren steigende Meerestemperaturen. Was früher als außergewöhnlich galt, tritt heute immer häufiger auf und verändert ganze Ökosysteme.

    Frankreich nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Dank seiner Überseegebiete erstreckt sich das französische Meeresgebiet über mehrere Ozeane und zählt zu den größten der Welt. Dadurch zeigen sich die Auswirkungen der Erwärmung in ganz unterschiedlichen Klimazonen – und doch folgt die Entwicklung überall demselben Muster.

    Marine Hitzewellen treten inzwischen deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dabei erwärmt sich das Wasser über Tage oder sogar Wochen weit über den langjährigen Durchschnitt. Anders als an Land bleibt diese Wärme oft lange erhalten, weil Wasser seine Temperatur wesentlich langsamer verändert als Luft. Die Folge: Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht, Strömungen verändern sich und der Sauerstoffgehalt sinkt. Wer hätte gedacht, dass wenige zusätzliche Grad ein ganzes Meer verändern?

    Besonders empfindlich reagieren die Korallenriffe Französisch Polynesiens. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unseres Planeten und bieten Tausenden Tierarten Schutz und Nahrung. Steigt die Wassertemperatur jedoch dauerhaft um nur ein bis zwei Grad, beginnt häufig die Korallenbleiche. Die Korallen verlieren ihre lebenswichtigen Algen, verblassen und sterben bei anhaltender Hitze ab.

    Mit ihnen verschwindet nicht nur ein einzigartiger Lebensraum. Auch der natürliche Schutz der Küsten vor Wellen und Erosion nimmt ab. Für viele Inseln im Pazifik besitzt das erhebliche Bedeutung, denn gesunde Korallenriffe bilden dort eine wichtige Grundlage für Fischerei und Tourismus.

    Doch die Veränderungen beschränken sich keineswegs auf die Tropen. Auch im Ärmelkanal registrieren Meeresbiologen auffällige Verschiebungen. Wärmeliebende Fischarten breiten sich zunehmend nach Norden aus, während typische Kaltwasserarten unter Druck geraten. Dadurch verändern sich Nahrungsketten und traditionelle Fanggebiete. Für die Fischerei bedeutet das eine ständige Anpassung an neue Bedingungen. Manche Fischer fangen heute Arten, die vor wenigen Jahrzehnten in diesen Gewässern kaum vorkamen. Verrückt, oder?

    Zusätzlich leiden viele Küstenlebensräume unter der anhaltenden Erwärmung. Seegraswiesen, Muschelbänke und Algenbestände reagieren empfindlich auf hohe Temperaturen. Da warmes Wasser weniger Sauerstoff bindet als kaltes, geraten zahlreiche Fische und wirbellose Meerestiere unter Stress. Gleichzeitig breiten sich Krankheitserreger sowie invasive Arten leichter aus. Auch Quallen treten an manchen französischen Küsten inzwischen häufiger auf als früher.

    Die wirtschaftlichen Folgen bleiben ebenfalls nicht aus. Muschel und Austernzüchter kämpfen vermehrt mit Hitzeschäden und Krankheiten. Der Tourismus spürt die Auswirkungen durch Algenblüten oder größere Quallenvorkommen. Besonders in den Überseegebieten hängen viele Arbeitsplätze unmittelbar von gesunden Meeresökosystemen ab.

    Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Deshalb gewinnt neben der Verringerung der Treibhausgasemissionen auch die Anpassung an die neuen Bedingungen an Bedeutung. Fachleute setzen auf den Schutz empfindlicher Küstenräume, die Wiederherstellung von Seegraswiesen, nachhaltige Fischereikonzepte sowie moderne Messsysteme. Satelliten und automatische Messstationen liefern heute nahezu in Echtzeit Daten über Temperatur und Veränderungen der Ozeane.

    Ob an den türkisfarbenen Lagunen des Pazifiks oder an den felsigen Küsten der Normandie – die Erwärmung der Meere verbindet Regionen, die Tausende Kilometer voneinander entfernt liegen. Der Zustand der Ozeane entwickelt sich immer mehr zu einem Spiegel des globalen Klimawandels. Wie gut dieser empfindliche Lebensraum geschützt wird, entscheidet nicht nur über die Zukunft vieler Tierarten, sondern auch über die Lebensgrundlage kommender Generationen.

    Ein Artikel von M. Legrand

  • Zwei kanadische Wolfswelpen begeistern Besucher im Tierpark Espace Rambouillet

    Zwei kanadische Wolfswelpen begeistern Besucher im Tierpark Espace Rambouillet

    Tierfreunde und Familien dürfen sich über einen ganz besonderen Nachwuchs freuen: Im Espace Rambouillet, westlich von Paris, sind zwei kanadische Wolfswelpen zur Welt gekommen. Seit die beiden Jungtiere ihre schützende Höhle verlassen haben, sorgen sie bei den Besuchern für große Begeisterung. Mit ihrer neugierigen Art und ihrem verspielten Verhalten zählen sie schon jetzt zu den beliebtesten Bewohnern des Wildparks.

    Die beiden männlichen Welpen erblickten bereits am 13. Mai das Licht der Welt. Bekannt gemacht wurde ihre Geburt allerdings erst einige Wochen später. Die Tierpfleger wollten zunächst sicherstellen, dass die empfindliche erste Lebensphase ohne Komplikationen verläuft. Beim tierärztlichen Gesundheitscheck Mitte Juni zeigte sich schließlich, dass beide Jungtiere kerngesund sind. Sie wurden gründlich untersucht, gewogen und zur eindeutigen Identifikation mit einem Mikrochip versehen.

    Die Wolfsfamilie lebt erst seit dem Frühjahr 2025 im Espace Rambouillet. Zum Rudel gehören die Wölfin Sessi sowie vier männliche kanadische Wölfe. Vater der beiden Welpen ist Amarok. Für den Wildpark besitzt diese erste erfolgreiche Geburt eine besondere Bedeutung. Sie gilt als Zeichen dafür, dass sich die Tiere in ihrer weitläufigen Waldanlage eingelebt haben und sich ein stabiles Rudel entwickeln konnte.

    Mit etwas Geduld lassen sich die kleinen Wölfe inzwischen beobachten. Noch suchen sie häufig die Nähe ihrer Mutter, wagen sich jedoch immer öfter auf kleine Erkundungstouren. Dabei raufen sie miteinander, jagen sich spielerisch zwischen den Bäumen und entdecken Schritt für Schritt ihre Umgebung. Gerade diese natürlichen Szenen vermitteln einen faszinierenden Einblick in das Leben eines Wolfsrudels und machen jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

    Der Espace Rambouillet setzt seit Jahren auf naturnahe Begegnungen mit heimischen und internationalen Wildtieren. Besonders gefragt sind die sogenannten Wolfs-Biwaks. Dabei verbringen Gäste die Nacht in unmittelbarer Nähe des Wolfsgeheges und erleben die besondere Atmosphäre des Waldes in den Abend- und Morgenstunden. Seit der Geburt der Welpen ist das Interesse an diesem außergewöhnlichen Angebot noch einmal deutlich gestiegen.

    Passend dazu feiert der Park in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Die Verantwortlichen sehen in den Wolfswelpen weit mehr als eine Besucherattraktion. Sie möchten die Gelegenheit nutzen, Wissen über die Bedeutung der Wölfe für natürliche Ökosysteme zu vermitteln und bestehende Vorurteile abzubauen. Als Spitzenprädatoren tragen Wölfe maßgeblich zum Gleichgewicht in der Natur bei und spielen eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt.

    Wer den Espace Rambouillet in den kommenden Wochen besucht, hat die seltene Chance, die Jungtiere in einer besonders lebhaften Entwicklungsphase zu erleben. Schon bald verlieren sie ihren typischen Welpencharme und wachsen in die Hierarchie des Rudels hinein. Bis dahin sorgen ihre ersten Abenteuer im Wald für viele unvergessliche Augenblicke.

    Autor: Andreas M. Brucker

    C’est un événement rare : à peine plus d’un an après l’installation d’une meute de loups dans un parc animalier des Yvelines, de nouveaux petits pensionnaires sont venus agrandir la famille, pour le plus grand bonheur des soigneurs et des visiteurs.C’est un événement rare : à peine plus d’un an après l’installation d’une meute de loups dans un parc animalier des Yvelines, de nouveaux petits pensionnaires sont venus agrandir la famille, pour le plus grand bonheur des soigneurs et des visiteurs.

  • Seltene Geburt in Frankreich: Bedrohter Bambuslemur schenkt Artenschützern neue Hoffnung

    Seltene Geburt in Frankreich: Bedrohter Bambuslemur schenkt Artenschützern neue Hoffnung

    Im Zoologischen Park der Zitadelle von Besançon sorgt eine außergewöhnliche Geburt für große Freude. Bereits am 6. Mai kam dort ein Jungtier des Großen Bambuslemuren zur Welt – einer der seltensten Primaten der Erde. Öffentlich machte der Zoo die Nachricht jedoch erst einige Wochen später. Die Tierpfleger wollten zunächst sicherstellen, dass sich das Jungtier gesund entwickelt und die ersten empfindlichen Lebenswochen problemlos übersteht.

    Noch ist nicht bekannt, ob es sich um ein Männchen oder ein Weibchen handelt. Das kleine Tier verbringt seine gesamte Zeit eng an seine Mutter Tsingy geklammert. Für die erst drei Jahre alte Lemuren-Dame handelt es sich um den ersten Nachwuchs, und sie zeigt sich ausgesprochen aufmerksam und fürsorglich. Auch der Vater Dakari sowie eine weitere weibliche Verwandte leben im selben Gehege. Dennoch hält Tsingy ihr Jungtier bislang bewusst auf Abstand und lässt nur wenig Kontakt zu den anderen Tieren zu – ein Verhalten, das bei frisch gebackenen Lemurenmüttern durchaus typisch ist.

    Der Große Bambuslemur zählt zu den am stärksten bedrohten Säugetieren weltweit. Wegen seiner Vorliebe für Bambus trägt er gelegentlich den Beinamen „Kleiner Panda Madagaskars“, obwohl beide Tierarten nicht miteinander verwandt sind. Sein Speiseplan besteht überwiegend aus Bambus, dessen Blätter und Triebe er selbst dann frisst, wenn diese Stoffe enthalten, die für viele andere Tiere giftig wären.

    In freier Wildbahn existieren Schätzungen zufolge lediglich noch zwischen 1.000 und 1.500 Tiere. Ihr Lebensraum beschränkt sich auf ein kleines Gebiet im zentralen Osten Madagaskars. Außerhalb der Natur leben lediglich rund 40 Große Bambuslemuren in europäischen Zoos. Jede erfolgreiche Geburt besitzt deshalb enormes Gewicht für den internationalen Artenschutz.

    Die Gründe für den dramatischen Rückgang der Population sind vielfältig. Abholzung zerstört den Lebensraum der Tiere, Wilderei setzt den Beständen zusätzlich zu. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels sowie immer stärkere tropische Wirbelstürme, die große Teile der Wälder verwüsten. Dadurch schrumpfen die ohnehin kleinen Rückzugsgebiete der Lemuren Jahr für Jahr weiter.

    Europäische Erhaltungszuchtprogramme verfolgen das Ziel, eine möglichst große genetische Vielfalt innerhalb der Zoopopulation zu bewahren. Gleichzeitig liefern die Tiere wertvolle Erkenntnisse über Verhalten, Fortpflanzung und Aufzucht. Dieses Wissen hilft langfristig dabei, Schutzmaßnahmen für die verbliebenen Wildbestände gezielter zu gestalten.

    Für den Zoo von Besançon besitzt die Geburt eine ganz besondere Bedeutung. Seit 2005 kamen dort lediglich sieben Große Bambuslemuren zur Welt. Die letzte erfolgreiche Geburt lag bereits mehr als ein Jahrzehnt zurück und datierte aus dem Jahr 2013. Das neue Jungtier steht deshalb für weit mehr als nur einen erfreulichen Nachwuchs im Zoo. Es symbolisiert die Hoffnung, dass selbst stark bedrohte Arten mit konsequentem Schutz und internationaler Zusammenarbeit noch eine Zukunft besitzen.

    Autor: C.H.

  • Kommentar: Und ewig grüßt das Murmeltier

    Kommentar: Und ewig grüßt das Murmeltier

    Kaum glaubt man, die Debatte sei endlich entschieden, beginnt das gleiche Schauspiel von vorn. Wieder wird darüber abgestimmt, ob Pestizide, die aus guten Gründen verboten wurden, nicht vielleicht doch plötzlich eine brillante Idee sein könnten. Als hätten sich Chemie, Biologie oder die Naturgesetze über Nacht geändert.

    Spoiler: Haben sie nicht.

    Acetamiprid bleibt ein Pestizid. Flupyradifuron bleibt ein Pestizid. Und Pestizide werden nicht harmloser, nur weil eine parlamentarische Mehrheit die Hand hebt. Sie verlieren weder ihre Wirkung auf Insekten noch ihre möglichen Risiken für Umwelt und Artenvielfalt, weil man sie in ein neues Gesetz schreibt oder mit wohlklingenden Begriffen wie „Ausnahmeregelung“ versieht.

    Wie oft wollen wir dieses Spiel eigentlich noch spielen?

    Seit Jahren wird über das Insektensterben diskutiert. Wissenschaftler warnen vor dem Verlust der Biodiversität. Bienen verschwinden, Wildinsekten gehen dramatisch zurück, ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig beklagen wir den Rückgang der Artenvielfalt, investieren Millionen in Naturschutzprogramme und pflanzen Blühstreifen. Und dann kommt zuverlässig der nächste Vorschlag, genau jene Stoffe wieder einzusetzen, die zu diesem Problem beitragen können.

    Das ist ungefähr so, als würde man ein Feuer löschen wollen – und zwischendurch immer wieder Benzin nachgießen.

    Natürlich stehen viele Landwirte unter enormem wirtschaftlichem Druck. Dafür tragen sie nicht allein die Verantwortung. Politik, Handel und Verbraucher verlangen höchste Umweltstandards, erwarten gleichzeitig aber Lebensmittel zu Preisen, die oft kaum die Produktionskosten decken. Dieses Dilemma ist real und verdient Lösungen.

    Doch die Antwort kann doch nicht ernsthaft lauten: Dann holen wir eben die alten Pestizide zurück.

    Was kommt als Nächstes? Asbest, weil moderne Dämmstoffe teurer sind? Oder verbleites Benzin, weil der Motor damit so schön rund läuft?

    Immer wieder wird argumentiert, andere europäische Länder würden diese Mittel schließlich ebenfalls einsetzen. Seit wann ist „Die anderen machen es auch“ ein tragfähiges politisches Konzept? Nach dieser Logik müsste man jede Umwelt- oder Gesundheitsvorschrift infrage stellen, solange irgendwo auf der Welt niedrigere Standards gelten.

    Fortschritt bedeutet nicht, alte Fehler zu wiederholen. Fortschritt bedeutet, bessere Lösungen zu entwickeln – resistente Sorten, biologische Pflanzenschutzmethoden, moderne Forschung und eine Landwirtschaft, die wirtschaftlich tragfähig ist, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen weiter zu belasten.

    Manchmal drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass manche Entscheidungsträger nur bis zur nächsten Ernte denken – während die Folgen für Böden, Gewässer und Artenvielfalt den kommenden Generationen überlassen werden.

    Deshalb eine einfache Frage:

    Wann kapiert ihr eigentlich endlich, dass Pestizide nicht besser werden, nur weil immer wieder jemand dafür stimmt?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Französischer Senat entfacht Pestizidstreit neu: Verbotene Insektizide könnten zurückkehren

    Französischer Senat entfacht Pestizidstreit neu: Verbotene Insektizide könnten zurückkehren

    Der französische Senat hat in der Nacht zum 30. Juni 2026 einen der umstrittensten agrarpolitischen Beschlüsse der vergangenen Jahre gefasst. Mit 183 gegen 129 Stimmen billigte die Parlamentskammer einen Änderungsantrag zum Gesetz über den landwirtschaftlichen Notfallplan, der unter strengen Auflagen die befristete Wiedereinführung zweier in Frankreich verbotener Insektizide ermöglicht: Acetamiprid und Flupyradifuron. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das deutliche Abstimmungsergebnis, sondern auch die Tatsache, dass die Regierung die Maßnahme ausdrücklich ablehnte. Die Entscheidung verdeutlicht den tiefen Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft und den Zielen des Umwelt- und Artenschutzes. Gleichzeitig zeigt sie, wie schwierig es für Frankreich geworden ist, nationale Umweltstandards mit den Wettbewerbsbedingungen innerhalb des europäischen Binnenmarktes in Einklang zu bringen. Ein neuer Anlauf nach dem Scheitern der Duplomb-Regelung Die Abstimmung knüpft an e…

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