Schlagwort: Bildung

  • Schockwelle im US-Bildungssystem: Harvard darf keine ausländischen Studierenden mehr unterrichten

    Schockwelle im US-Bildungssystem: Harvard darf keine ausländischen Studierenden mehr unterrichten

    Ein Donnerschlag erschüttert die akademische Welt: Die Trump-Regierung hat der renommierten Harvard University das Recht entzogen, ausländische Studierende zu unterrichten. Diese Entscheidung betrifft mehr als ein Viertel der Studierenden dieser weltweit geachteten und bekannten Universität – rund 6.700 junge Menschen aus aller Welt, die für das Studienjahr 2025–2026 nun um ihre Zukunft bangen müssen.

    Ein beispielloser Schritt

    Mit einem Federstrich hat das US-Heimatschutzministerium unter Kristi Noem das SEVIS-Programm von Harvard annulliert. Dieses System ist die Lebensader für internationale Studierende in den USA – ohne SEVIS-Zertifizierung kein Visum, kein Studium, keine Zukunft in Harvard.

    Die Begründung? Harvard habe es versäumt, der Regierung bestimmte Informationen bereitzustellen. Gleichzeitig, so Noem, herrsche auf dem Campus ein „gefährliches Umfeld“ – angeblich feindlich gegenüber jüdischen Studierenden, mit Sympathien für Hamas-nahe Positionen und einer „rassistischen“ Politik von Vielfalt und Inklusion.

    Starke Worte – aber was steckt wirklich dahinter?

    Politisches Kalkül statt Sicherheitsbedenken?

    Die Maßnahme reiht sich ein in eine größere Kampagne der Trump-Regierung gegen die Eliteuniversitäten des Landes. Seit Monaten kritisieren konservative Kreise, dass diese Einrichtungen eine zu linke Agenda verfolgen würden – mit „woker“ Ideologie und einem Mangel an Unterstützung für jüdische Studierende, vor allem im Kontext der pro-palästinensischen Proteste nach der Eskalation des Gaza-Konflikts.

    Doch viele Beobachter vermuten einen anderen Grund: ein gezielter Angriff auf das liberale Herz der amerikanischen Bildung. Harvard, als Symbol für Elitedenken und globalen Austausch, steht dabei besonders im Fokus.

    Verlorene Milliarden und erzwungene Transfers

    Bereits vor dieser Entscheidung hatte die Regierung Harvard Subventionen in Höhe von über zwei Milliarden Dollar gestrichen. Jetzt folgt der nächste Schlag – und der trifft nicht nur die Universität, sondern vor allem die Studierenden. Wer derzeit ein F- oder J-Visum besitzt, soll sich eine andere Uni suchen – sonst droht der Verlust des Aufenthaltsstatus.

    Wie soll das gehen – inmitten eines laufenden Studiums, mit beschränkten Plätzen an anderen Hochschulen und oftmals engen finanziellen Ressourcen?

    Harvard schlägt zurück

    Ein Sprecher der Universität nennt die Entscheidung „illegal“. Man wolle alles daran setzen, die Rechte internationaler Studierender zu schützen und Harvard als weltoffene Bildungsstätte zu erhalten. In der Tat: Mehr als 140 Nationen sind unter den Studierenden vertreten – Harvard lebt vom internationalen Austausch, von kultureller Vielfalt, von der Begegnung mit der Welt.

    Diversität – Bedrohung oder Bereicherung?

    Die Kritik an Harvard entzündet sich unter anderem an der sogenannten „Diversity-, Equity- und Inclusion“-Politik. Für die einen ein Werkzeug zur sozialen Gerechtigkeit, für die anderen ein Angriff auf die traditionellen Werte des Landes.

    Die große Frage

    Was bedeutet es für ein Land wie die USA, wenn eine ihrer berühmtesten Bildungseinrichtungen in den kulturellen und politischen Kampf hineingezogen wird – und am Ende Tausende junge Menschen den Preis zahlen?

    Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Harvard diese massive Herausforderung überstehen kann. Klar ist: Die Entscheidung könnte das gesamte internationale Bildungssystem der USA ins Wanken bringen. Denn wer will künftig noch an eine Uni kommen, wenn das Aufenthaltsrecht jederzeit aus politischen Gründen entzogen werden kann?

    Von Andreas M. Brucker

  • Machtkampf in Lyon: Gelder für Universität wegen „Islamo-Gauchismus“-Vorwürfen gekürzt

    Machtkampf in Lyon: Gelder für Universität wegen „Islamo-Gauchismus“-Vorwürfen gekürzt

    An der Universität Lyon 2 braut sich ein Sturm zusammen – und mittendrin steht Laurent Wauquiez. Der streitbare Republikaner hat ein Exempel statuiert: Rund 19 Millionen Euro an regionalen Fördermitteln sind seit wenigen Tagen eingefroren. Der Grund? Wauquiez sieht an der Hochschule eine „islamo-gauchistische“ Tendenz. Ein Vorwurf, der viele Fragen aufwirft – und eine Debatte entfacht, die weit über Lyon hinausreicht.

    Zwischen Masken, Vorwürfen und Rücktritten Alles begann mit einem Zwischenfall, der sich am 1. April im Hörsaal abspielte. Der Geografie-Professor Fabrice Balanche hielt wie gewohnt seine Vorlesung – bis plötzlich maskierte Personen auftauchten. Lautstark, anklagend, aggressiv. Sie beschimpften ihn als „Rassisten“ und „Zionisten“, unterbrachen den Kurs. Die Szene verbreitete sich schnell in den sozialen Medien und sorgte für Empörung. Die Universität leitete eine Untersuchung ein. Balanche erhielt Polizeischutz. Doch damit nicht genug. Willy Beauvallet-Haddad, damals Viz…

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  • Macrons Bildungs-Offensive: Aufbruch oder Ablenkungsmanöver?

    Macrons Bildungs-Offensive: Aufbruch oder Ablenkungsmanöver?

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bringt frischen Wind ins Bildungssystem – zumindest auf dem Papier. Im Juni 2025 startet eine sogenannte Bürgerkonvention, die nichts Geringeres als den schulischen Tagesrhythmus von Millionen Kindern und Jugendlichen neu gestalten soll. Von Kita bis Abitur, von Unterrichtszeiten bis Ferienplanung – alles steht auf dem Prüfstand. Aber ist das der große Wurf, den das Schulsystem jetzt braucht? Oder doch nur ein politisches Theaterstück, das von tieferliegenden Problemen ablenken soll?

    Ferien kürzen, Tage entzerren? Der Präsident selbst findet: Die Sommerferien sind viel zu lang. Auch die frühen Schulanfänge für Teenager seien nicht ideal. Stattdessen möchte er ein Konzept, das sowohl dem kindlichen Biorhythmus als auch den organisatorischen Bedürfnissen der Eltern besser entspricht. Eine Umstellung der Tagesstruktur, eventuell auch eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns für ältere Schüler, liegt auf dem Tisch. Klingt erstmal vernünftig. Kinderfre…

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  • Messerangriff in Nantes: Eine Tragödie erschüttert Frankreichs Bildungseinrichtungen

    Messerangriff in Nantes: Eine Tragödie erschüttert Frankreichs Bildungseinrichtungen

    Es war ein gewöhnlicher Donnerstagmittag am Lycée privé catholique Notre-Dame-de-Toutes-Aides im ruhigen Viertel Doulon in Nantes – bis plötzlich Schreie durch die Gänge hallten. Ein 16-jähriger Schüler, Justin P., stürmte in zwei Klassenräume und beendete mit einem Messer das Leben einer 15-jährigen Schülerin, in der Mitte ihrer Mitschüler. Drei weitere Jugendliche wurden verletzt, einer davon schwer. Ein Moment, der die Stadt und das ganze Land in Schockstarre versetzte. Der Tathergang: ein gezielter Angriff Gegen 12:15 Uhr betrat der Täter einen Klassenraum – offenbar gezielt auf der Suche nach Lorène, seinem späteren Opfer. Er verließ den Raum, kehrte zurück – und stach fast vierzig Mal auf das 15-jährige Mädchen ein. Danach zog er weiter in einen weiteren Raum, wo er drei weitere Schüler verletzte. Ein Blutbad, das nur durch das beherzte Eingreifen der Lehrkräfte gestoppt werden konnte. Sie überwältigten den Angreifer, bevor die Polizei eintraf. Doch die tiefergehenden Fragen begi…

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  • Gericht hebt Entscheidung der Präfektur auf: Lycée Averroès erhält wieder staatliche Unterstützung

    Gericht hebt Entscheidung der Präfektur auf: Lycée Averroès erhält wieder staatliche Unterstützung

    Das Verwaltungsgericht in Lille hat am 23. April 2025 die Entscheidung der Präfektur Nord aufgehoben, den Vertrag zwischen dem französischen Staat und dem muslimischen Lycée Averroès zu beenden. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der Debatte über die Rolle konfessioneller Schulen in Frankreich.

    Ein Leuchtturm der Bildung seit 2008 Das 2003 gegründete Lycée Averroès war das erste muslimische Gymnasium in Frankreich, das 2008 einen Vertrag mit dem Staat abschloss. Dieser Vertrag ermöglichte staatliche Subventionen, insbesondere für Lehrergehälter, und verpflichtete die Schule zur Einhaltung des nationalen Lehrplans. Das Lycée Averroès wurde regelmäßig für seine hervorragenden schulischen Leistungen gelobt, mit konstant hohen Erfolgsquoten beim Baccalauréat.

    Umstrittene Vorwürfe und gerichtliche Entscheidung Im Dezember 2023 kündigte die Präfektur Nord den Vertrag mit der Begründung, dass die Schule schwerwiegende Verstöße gegen die Grundprinzipien der Republik …

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  • Harvard gegen Washington: Ein Kampf um die akademische Freiheit

    Harvard gegen Washington: Ein Kampf um die akademische Freiheit

    Am 21. April 2025 reichte die Harvard University Klage gegen die Trump-Regierung ein. Die Universität wirft der Regierung vor, ihre akademische Freiheit durch die Androhung von Milliardenkürzungen bei Forschungsfördermitteln zu untergraben. Diese rechtliche Auseinandersetzung markiert einen neuen Höhepunkt im eskalierenden Konflikt zwischen der US-Regierung und führenden akademischen Institutionen.

    Politischer Druck auf die Wissenschaft

    Die Trump-Administration hatte zuvor angekündigt, über 2,2 Milliarden US-Dollar an Fördermitteln für Harvard einzufrieren. Als Begründung wurden angebliche Versäumnisse der Universität bei der Bekämpfung von Antisemitismus auf dem Campus genannt. Darüber hinaus forderte die Regierung umfassende Eingriffe in die akademische Selbstverwaltung Harvards, darunter die Überprüfung von Lehrplänen, die Kontrolle von Einstellungen und Zulassungen sowie die Einrichtung von Regierungsbeauftragten innerhalb der Universität. Diese Forderungen stießen auf breite Kritik und wurden als Versuch gewertet, die Unabhängigkeit der Hochschulen zu beschneiden.

    Verteidigung der akademischen Freiheit

    In ihrer 51-seitigen Klageschrift argumentiert Harvard, dass die Maßnahmen der Regierung gegen die verfassungsmäßigen Rechte der Universität verstoßen, insbesondere gegen die im Ersten Verfassungszusatz garantierte Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Die Universität sieht in den Forderungen der Regierung eine unzulässige politische Einflussnahme auf ihre internen Angelegenheiten. Zudem wird kritisiert, dass die Regierung ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, etwa gemäß Title VI des Civil Rights Act, gehandelt habe. Die Klage richtet sich gegen mehrere Bundesbehörden, darunter das Bildungsministerium, das Gesundheitsministerium und die NASA.

    Reaktionen und Unterstützung

    Die Auseinandersetzung hat landesweit Aufmerksamkeit erregt. Ehemaliger Präsident Barack Obama lobte Harvards Widerstand gegen die Regierung und rief andere Universitäten dazu auf, dem Beispiel zu folgen. Auch zahlreiche Professoren und Studierende haben ihre Solidarität mit der Universität bekundet. Gleichzeitig haben sich andere Hochschulen, darunter die University of Michigan und das MIT, ebenfalls gegen ähnliche Maßnahmen der Regierung gewehrt und rechtliche Schritte eingeleitet.

    Auswirkungen auf die Forschung

    Die eingefrorenen Fördermittel haben bereits konkrete Auswirkungen auf laufende Forschungsprojekte. Wissenschaftler warnen, dass wichtige Studien, etwa im Bereich der Tuberkuloseforschung, gefährdet sind. In einigen Fällen droht sogar die Euthanasie von Versuchstieren aufgrund fehlender Mittel. Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die weitreichenden Konsequenzen politischer Entscheidungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft.

    Ein Präzedenzfall mit Signalwirkung

    Der Rechtsstreit zwischen Harvard und der Trump-Regierung könnte weitreichende Folgen für das Verhältnis zwischen Staat und Wissenschaft in den USA haben. Sollte die Universität erfolgreich sein, würde dies ein starkes Signal für die Verteidigung der akademischen Freiheit senden. Andernfalls könnte es zu einer verstärkten politischen Einflussnahme auf Hochschulen kommen. In jedem Fall steht viel auf dem Spiel – nicht nur für Harvard, sondern für das gesamte amerikanische Bildungssystem.

    Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Gerichte über diesen bedeutenden Fall entscheiden und welche Auswirkungen dies auf die Zukunft der akademischen Freiheit in den Vereinigten Staaten haben wird.

    Autor: P.T.

  • Ein sicherer Hafen für kluge Köpfe – Frankreichs neues Konzept für bedrohte Wissenschaftler

    Ein sicherer Hafen für kluge Köpfe – Frankreichs neues Konzept für bedrohte Wissenschaftler

    Wenn Wissen zur Gefahr wird, braucht es Zufluchtsorte – Orte, an denen Forscher weiterdenken dürfen, ohne Angst vor Verfolgung zu haben. Genau das will Frankreich nun bieten. Der frühere Präsident François Hollande hat am 14. April eine Gesetzesinitiative ins Rollen gebracht, die weltweit für Aufsehen sorgen dürfte. Ziel: ein spezieller Status für sogenannte „wissenschaftliche Flüchtlinge“. Damit sollen Forscher, deren Arbeiten in ihren Heimatländern unerwünscht oder sogar gefährlich sind, in Frankreich Schutz und eine neue Perspektive erhalten. Warum gerade jetzt? Hollande lässt keinen Zweifel daran, dass der Zeitpunkt bewusst gewählt ist. In Zeiten, in denen die Vereinigten Staaten unter Donald Trump einen Kurs der Abschottung fahren und autoritäre Regime kritisches Denken unterdrücken, will Frankreich ein Zeichen setzen – als weltoffenes Land, das Freiheit und Wissenschaft schützt. Sein Vorhaben: Ein beschleunigtes Aufnahmeverfahren, das betroffenen Wissenschaftlern ein spezielles V…

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  • Kommentar: Amerikas geistige Selbstzerstörung – Europas historische Chance

    Kommentar: Amerikas geistige Selbstzerstörung – Europas historische Chance

    Was einst das stolze Aushängeschild der Vereinigten Staaten war, wird nun systematisch demontiert – die Universitäten, das Rückgrat intellektuellen Fortschritts, werden von innen heraus angegriffen. Nicht durch Haushaltskürzungen allein. Sondern durch etwas viel Gefährlicheres: die ideologisch motivierte Kontrolle über Denken, Forschung und Bildung.

    Die Trump-Regierung führt mit eiskaltem Kalkül einen Kulturkampf gegen alles, was kritisch, differenziert und weltoffen ist. Und trifft dabei mit voller Wucht die Hochschulen – gerade jene, die den Ruf Amerikas als Wissenschaftsnation einst begründet haben. Harvard, Columbia, Princeton – sie alle stehen am Pranger. Fördermittel gestrichen, internationale Studierende verfolgt, kritische Diskurse kriminalisiert. Plötzlich scheint es nicht mehr erwünscht, Fragen zu stellen. Wo früher Debatten stattfanden, wird heute Denunziation gefördert.

    Es ist, als würde man einen Leuchtturm mit Absicht löschen – und sich dann wundern, wenn man im Nebel der Ahnungslosigkeit auf Grund läuft.

    Für die Vereinigten Staaten ist das ein intellektueller Suizid auf Raten. Für Europa – so paradox es klingen mag – birgt das jedoch eine historische Gelegenheit. Denn wo ein geistiges Vakuum entsteht, entsteht auch Raum für neue Ideen, neue Stimmen und neue Allianzen. Genau jetzt kann Europa zeigen, dass es nicht nur der politische, sondern auch der moralische und wissenschaftliche Gegenpol zu einer zerfallenden US-Bildungslandschaft ist.

    Stell dir vor: Ein junger Klimaforscher aus Boston, eine brillante Neurologin aus Kalifornien oder ein exzellenter Philosoph aus New York – alle verlieren ihre Fördermittel, ihre Forschungsfreiheit oder schlicht die Möglichkeit, in Frieden zu arbeiten. Wohin werden sie sich wenden? Dorthin, wo man sie mit offenen Armen empfängt, wo ihre Expertise gefragt ist und wo man ihnen nicht vorschreibt, was sie denken dürfen.

    Diese Chance darf Europa nicht verpassen.

    Statt auf Abschottung, Bürokratie und halbherzige Programme zu setzen, muss der Kontinent jetzt ein klares Zeichen setzen: Die Zukunft des Wissens lebt hier. In Berlin, Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Zürich – überall dort, wo Forschung noch frei ist und Denken nicht unter Verdacht steht. Europa kann zur Arche der Wissenschaft werden – ein sicherer Hafen für alle, die in den USA unter ideologischem Druck stehen.

    Natürlich, das ist kein Selbstläufer. Es braucht Investitionen, Mut zur Reform und vor allem die Bereitschaft, sich gegen den Trend der akademischen Ökonomisierung zu stellen. Bildung darf kein Nebenprodukt der Wirtschaftspolitik sein – sondern ihr Fundament. Denn was nützen uns die besten Ingenieure, wenn niemand mehr fragt, warum wir etwas tun und nicht nur wie?

    Der Bruch, den Amerika mit seiner Universitätstradition vollzieht, ist tief. Und er schmerzt. Nicht nur Amerikaner. Sondern jeden, der jemals an das Ideal geglaubt hat, dass Wissen frei, unabhängig und für alle zugänglich sein sollte. Doch aus diesem Schmerz kann auch Neues entstehen.

    Wenn Europa bereit ist, mehr zu sein als ein Zuschauer. Wenn Europa sich erinnert, dass Aufklärung, Humanismus und Wissenschaft hier einst ihren Ursprung hatten – und dass sie hier auch eine Zukunft haben.

    Denn eines ist sicher: Die klügsten Köpfe der Welt suchen nach einem Ort, an dem sie in Freiheit forschen können.

    Warum also nicht hier?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Harvard im Visier – Trumps Kampf gegen akademische Autonomie

    Harvard im Visier – Trumps Kampf gegen akademische Autonomie

    Ein bislang beispielloser Konflikt zwischen der US-Regierung und der traditionsreichen Harvard University wirft ein grelles Licht auf die zunehmende politische Instrumentalisierung von Bildungseinrichtungen. Mit der Blockade von über 2,2 Milliarden US-Dollar an Bundesmitteln hat die Regierung von Donald Trump einen offenen Schlag gegen eine der angesehensten Universitäten des Landes geführt – und damit eine Grundsatzdebatte über Freiheit und Einflussnahme in der akademischen Welt neu entfacht.

    Am Ursprung des Konflikts steht eine Liste weitreichender Forderungen, die das Bildungsministerium unter Trump an die Universität stellte. Diese reichten von der Abschaffung diversitätsbezogener Programme über die Überarbeitung von Zulassungskriterien bis hin zum Verbot bestimmter studentischer Gruppen. Harvard wies die Forderungen mit Nachdruck zurück – mit Verweis auf die verfassungsmäßig garantierte akademische Freiheit.

    Die neue Linie Washingtons

    Die Entscheidung, Bundesmittel für Harvard einzufrieren, ist Teil einer breit angelegten Kampagne der Trump-Administration, die sich gezielt gegen die ideologischen Strukturen an Eliteuniversitäten richtet. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Kritik an sogenannten DEI-Programmen – Initiativen zur Förderung von Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion. Diese Programme seien, so das Argument aus Washington, zunehmend zu Vehikeln einer „woken Ideologie“ geworden, die politische Neutralität und akademische Exzellenz untergrabe.

    Das Bildungsministerium begründete die Maßnahme mit der Notwendigkeit, Antisemitismus auf dem Campus zu bekämpfen. Tatsächlich verweist ein Teil der Forderungen auf den Umgang mit pro-palästinensischen Gruppen und antisemitischen Vorfällen, die im Zuge des Gaza-Kriegs verstärkt an US-Campusse gemeldet wurden. Doch die Liste reicht weit darüber hinaus – sie umfasst auch Aufforderungen zur Zusammenarbeit mit Einwanderungsbehörden, zur Einschränkung studentischer Versammlungsfreiheit und zur Kontrolle von Meinungsäußerungen.

    Harvards entschlossene Gegenwehr

    Harvard-Präsident Alan Garber reagierte mit ungewöhnlicher Deutlichkeit. In einer öffentlichen Erklärung verteidigte er die institutionelle Unabhängigkeit der Universität und warf der Regierung vor, mit ihren Maßnahmen eine politische Agenda durchsetzen zu wollen. „Unsere Lehrfreiheit und unsere akademischen Standards stehen nicht zur Disposition“, erklärte Garber. Es sei nicht Aufgabe des Staates, über Zulassungsrichtlinien oder Forschungsprogramme zu bestimmen.

    Garbers Stellungnahme traf auf breite Unterstützung. Ehemalige US-Präsidenten, darunter Barack Obama und George W. Bush, prominente Alumni, Bürgerrechtsgruppen sowie zahlreiche Hochschulrektoren anderer Universitäten äußerten ihre Solidarität mit Harvard. Die American Association of University Professors reichte unterdessen Klage beim Bundesgericht ein – mit dem Argument, dass der Entzug von Bundesmitteln eine Verletzung des First Amendment der US-Verfassung darstelle.

    Eine politisierte Hochschulpolitik

    Dass der Vorfall kein Einzelfall ist, zeigt der Blick auf weitere Eliteuniversitäten: Auch Columbia, Princeton und Cornell wurden in den letzten Monaten mit ähnlichen Maßnahmen konfrontiert. Die Regierung scheint gezielt Hochschulen ins Visier zu nehmen, die für liberale Werte, Internationalität und progressive Studiengänge stehen. Diese Entwicklung ist eingebettet in eine breitere konservative Offensive gegen das, was rechte Politiker als „linke Indoktrination“ an Universitäten bezeichnen.

    Doch Kritiker warnen vor den Folgen. Die Verbindung staatlicher Förderung an ideologische Vorgaben untergrabe nicht nur die Freiheit der Lehre, sondern auch die Innovationskraft der amerikanischen Hochschullandschaft insgesamt. In einer Stellungnahme der Association of American Universities heißt es: „Wenn politische Machthaber entscheiden, welche Inhalte gelehrt werden dürfen, verlieren Universitäten ihre gesellschaftliche Funktion als Orte freier Debatte und kritischen Denkens.“

    Juristische und gesellschaftliche Brisanz

    Die Auseinandersetzung könnte bald die höchsten Gerichte des Landes beschäftigen. Beobachter erwarten, dass sich der Supreme Court früher oder später mit der Frage auseinandersetzen wird, inwieweit die Regierung Bedingungen an Bundesfördermittel knüpfen darf, ohne gegen verfassungsmäßige Prinzipien zu verstoßen. Bereits 1987 hatte das Gericht im Fall South Dakota v. Dole entschieden, dass solche Bedingungen nicht „unangemessen druckvoll“ sein dürfen.

    Auch international stößt der Fall auf Aufmerksamkeit. Europäische Universitäten beobachten mit Sorge, wie sich politische Macht und Bildungsinstitutionen in den USA zunehmend gegenüberstehen. In einem Kommentar der britischen „Times Higher Education“ heißt es: „Die Entwicklung in den Vereinigten Staaten könnte eine Blaupause für ähnliche Bestrebungen in anderen Ländern liefern – insbesondere dort, wo populistische Regierungen versuchen, Wissenschaft unter ideologische Kontrolle zu bringen.“

    Währenddessen geht das Ringen in Cambridge weiter. Auf dem Campus haben sich Studierende und Fakultätsangehörige zu Protesten und Diskussionsforen zusammengeschlossen. Es geht dabei längst nicht mehr nur um Finanzen, sondern um die grundlegende Frage, was eine Universität in einer freien Gesellschaft ausmacht – und wer darüber entscheidet.

    Autor: MAB

  • Frankreichs Gesundheitsminister will Zugang zum Medizinstudium weiter liberalisieren

    Frankreichs Gesundheitsminister will Zugang zum Medizinstudium weiter liberalisieren

    Frankreich steht vor einem strukturellen Mangel an medizinischem Personal – ein Problem, das nicht nur ländliche Regionen betrifft, sondern sich zunehmend auch in städtischen Ballungsräumen bemerkbar macht. Gesundheitsminister Yannick Neuder hat nun eine weitreichende Reform angekündigt: Die letzten Reste der Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium – bekannt unter dem Begriff „numerus apertus“ – sollen abgeschafft werden. Ziel ist es, mehr Ärztinnen und Ärzte im Land auszubilden und insbesondere französische Studierende, die gegenwärtig im Ausland Medizin studieren, zur Rückkehr zu bewegen. Von numerus clausus zu numerus apertus Über Jahrzehnte hinweg war das französische Medizinstudium durch den numerus clausus geprägt – eine strikte Zugangsbeschränkung, die ab 1971 eingeführt wurde. Die Zahl der Studierenden, die nach dem ersten Studienjahr in die zweite Phase übergehen durften, war staatlich festgelegt. Dieses System wurde 2020 durch den numerus apertus ersetzt, der die Zahl der S…

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