Kategorie: Wirtschaft

  • Tesla in der Klemme – herbe Rückschläge auf dem französischen Automarkt

    Tesla in der Klemme – herbe Rückschläge auf dem französischen Automarkt

    Tesla erlebt in Frankreich derzeit eine echte Durststrecke. Im März sind die Neuzulassungen der Elektroautos des US-Herstellers um satte 36,8 Prozent eingebrochen. Und das ist kein einmaliger Ausrutscher: Seit Jahresbeginn liegt das Minus sogar bei 41 Prozent – ein herber Rückschlag auf einem ohnehin schwächelnden Markt. Denn auch der Gesamtmarkt hatte keinen guten Monat. Mit rund 153.800 neu zugelassenen Fahrzeugen lag der März fast 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dieses Niveau erinnert an das Jahr 2022, als der Markt durch Chipmangel und den Beginn des Ukraine-Kriegs stark belastet war. Branchenriesen mit durchwachsenen Ergebnissen Doch nicht nur Tesla hat zu kämpfen. Stellantis – der Megakonzern hinter Marken wie Peugeot, Fiat und Citroën – rutschte im Jahresvergleich um 17 Prozent ab. Renault-Dacia hingegen hält sich fast stabil und ist mit einem Rückgang von nur 0,99 Prozent mittlerweile dicht an den Fersen von Stellantis. Volkswagen gibt ebenfalls nach – minus 4,8 Prozent, vo…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Trumps Zollpläne als Belastung für Europa – und eine Chance für China

    Trumps Zollpläne als Belastung für Europa – und eine Chance für China

    Donald Trump nennt es einen „Tag der Befreiung“ – doch für Europa, insbesondere für Frankreich und Deutschland, droht es ein Tag der wirtschaftlichen Belastung zu werden. Der ehemalige US-Präsident hat unlängst signalisiert, weitreichende Strafzölle auf Importe in die Vereinigten Staaten verhängen zu wollen. Ob es sich um eine pauschale Importabgabe oder um sogenannte reziproke Zölle handelt, die spiegelbildlich auf ausländische Handelsbarrieren reagieren, ist derzeit noch offen. Die Stoßrichtung ist jedoch klar: Trumps Ziel ist es, die US-Industrie zu stärken, Einnahmen zu generieren und zugleich die internationale Handelsordnung grundlegend zu erschüttern.

    Neue Zölle, alte Muster

    Für Beobachter in Paris und Berlin sind Trumps Pläne ein Déjà-vu mit potenziell schwerwiegenderen Folgen. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos aus der EU erhoben. Damals konnte ein umfassender Handelskrieg durch diplomatisches Lavieren und sektorale Zugeständnisse abgewendet werden. Nun aber mehren sich die Anzeichen, dass es diesmal zu einem systemischen Bruch kommen könnte. In den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit lässt Trump wenig Bereitschaft erkennen, transatlantische Kompromisse zu suchen. Vielmehr richtet sich seine Rhetorik offen gegen Europa, das er als unfairen Profiteur des globalen Handels betrachtet.

    Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, kündigte an, man sei „vorbereitet zurückzuschlagen“, sollte Washington tatsächlich neue Zölle verhängen. Die EU habe „einen starken Plan“ und werde diesen auch umsetzen. In Paris reagierte man ähnlich unversöhnlich. Ein Meinungsbild in Frankreich zeigt, dass eine Mehrheit der Bevölkerung amerikanische Produkte boykottieren würde, sollte Trump ernst machen. Die ablehnende Stimmung in Deutschland ist sogar noch deutlicher: Lediglich 16 Prozent der Befragten bezeichneten die USA im März noch als vertrauenswürdigen Partner.

    Frankreichs Industrie unter Druck

    Für Frankreich sind die möglichen Folgen vielfältig. Das Land exportiert jährlich Waren im Wert von rund 50 Milliarden Euro in die USA – darunter vor allem Flugzeugteile, Wein, Luxusgüter und pharmazeutische Erzeugnisse. Gerade die französische Luxusindustrie, die stark vom US-Markt abhängt, könnte durch neue Zölle empfindlich getroffen werden. Zudem ist Präsident Emmanuel Macron bemüht, Frankreich als globale Handelsmacht zu positionieren. Ein eskalierender Handelsstreit mit den USA würde dieses strategische Ziel gefährden – und zugleich innenpolitisch als Schwäche gewertet.

    Macrons Bemühungen um eine europäische Industriepolitik erhalten durch die US-amerikanische Abkehr vom Multilateralismus zusätzliche Dringlichkeit. Frankreich drängt bereits seit Jahren auf eine koordinierte europäische Antwort auf chinesische und amerikanische Subventionspolitik. Sollte Trump seine Pläne realisieren, dürfte dieser Impuls weiter verstärkt werden.

    Deutschlands Exportmodell in Gefahr

    Noch gravierender sind die Auswirkungen auf Deutschland. Als größte Volkswirtschaft Europas und weltweit drittgrößter Exporteur ist Deutschland in besonderem Maße von freien Märkten abhängig. Die USA sind Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb Europas. Der Fokus liegt auf Maschinenbau, Automobilindustrie und chemischen Produkten – allesamt Sektoren, die Trumps Politik ins Visier nimmt. Bereits 2018 drohte Trump mit Strafzöllen auf deutsche Autos, ein Schritt, der damals in letzter Minute abgewendet wurde. Eine Neuauflage dieses Szenarios würde das deutsche Exportmodell ins Mark treffen.

    Hinzu kommt die konjunkturelle Lage: Deutschland kämpft mit schwachem Wachstum, hoher Inflation und einem brüchigen industriellen Rückgrat. Neue US-Zölle könnten die fragile Lage verschärfen und eine Rezession auslösen. Die deutsche Wirtschaft stünde damit vor einem Dilemma: Einerseits ist sie auf internationale Märkte angewiesen, andererseits wird der politische Druck steigen, sich stärker autark und europäisch zu positionieren.

    Der lachende Dritte: China

    Während Europa um Schadensbegrenzung bemüht ist, beobachtet man in Peking die Entwicklungen mit Genugtuung. Chinesische Analysten sehen in Trumps Konfrontationskurs eine historische Chance. Wang Yiwei, Professor an der Renmin-Universität, sprach gegenüber der Zeitung El País von einem „historischen Bruch“ in den transatlantischen Beziehungen, der eine Annäherung Europas an China begünstigen könnte. Die monatelangen Bemühungen der Biden-Regierung, die EU auf einen härteren Kurs gegenüber China einzuschwören, drohen zunichtegemacht zu werden.

    Tatsächlich zeigt sich in den Hauptstädten Europas ein wachsendes Interesse an strategischer Autonomie. Der Bruch mit den USA könnte, so die Hoffnung in Peking, zu einer pragmatischeren Haltung Europas gegenüber China führen. Schon jetzt bemüht sich Peking, neue Gesprächskanäle zu öffnen – etwa in Form trilateraler Wirtschaftsforen mit Japan und Südkorea, an denen auch europäische Beobachter teilnehmen sollen.

    Der Rückzug Amerikas aus der multilateralen Ordnung

    Die USA selbst geben sich unterdessen unbeeindruckt vom Unmut ihrer Verbündeten. Trumps Regierung arbeitet an einer umfassenden Transformation des Staates – verbunden mit dem Rückbau föderaler Institutionen, Angriffen auf die Zivilgesellschaft und autoritären Tendenzen. Handels- und Außenpolitik sind dabei Ausdruck eines umfassenderen Paradigmenwechsels. In den Worten von Michael Froman, früherer US-Handelsbeauftragter und heutiger Präsident des Council on Foreign Relations: „Die Vereinigten Staaten betreiben eine Wirtschaftspolitik nach chinesischem Vorbild – nationalistisch, protektionistisch und staatszentriert.“

    Dieser Wandel ist für Europa von strategischer Bedeutung. Frankreich und Deutschland stehen vor der Aufgabe, den multilateralen Konsens neu zu definieren – notfalls auch ohne amerikanische Beteiligung. Das bedeutet nicht nur wirtschaftspolitische Umstellungen, sondern auch eine Neujustierung außenpolitischer Prioritäten.

    Während Washington sich abschottet, ist Europa gezwungen, sich als eigenständiger geopolitischer Akteur zu behaupten. Dies setzt jedoch eine klare Linie, wirtschaftlichen Mut und vor allem europäische Einigkeit voraus – Eigenschaften, die in den letzten Jahren nicht immer sichtbar waren.

    Von Andreas Brucker

  • Elon Musks Regierungsarbeit – Risiko für Teslas Börsenwert

    Elon Musks Regierungsarbeit – Risiko für Teslas Börsenwert

    Elon Musk, CEO von Tesla und laut aktuellen Rankings der reichste Mensch der Welt, sieht sich in einer ungewöhnlichen Doppelrolle: Als oberster Effizienzbeauftragter in der US-Regierung unter Präsident Donald Trump ist er verantwortlich für milliardenschwere Sparprogramme und den Abbau von Behördenstellen – eine Aufgabe, die ihn zunehmend auch in seiner Funktion als Unternehmenschef belastet. Während Musk öffentlich betont, dass sein Einsatz der Steuerzahler entlaste, leidet sein börsennotiertes Unternehmen Tesla spürbar unter den politischen Turbulenzen.

    Seit seiner Ernennung zum Leiter des neu geschaffenen Department of Government Efficiency (DOGE) Anfang des Jahres hat sich der Aktienkurs von Tesla nahezu halbiert. Von einem Allzeithoch von rund 480 US-Dollar im Dezember 2024 fiel der Kurs bis Ende März 2025 auf unter 260 Dollar. Musk selbst sieht den Kursverfall als direkte Folge der wachsenden Kritik an seiner Regierungsarbeit. Auf einer Veranstaltung in Wisconsin sprach er offen davon, dass man versuche, durch öffentlichen Druck seine Reformbemühungen zu sabotieren – und Tesla treffe es dabei in vollem Umfang.

    Politischer Spagat mit wirtschaftlichen Folgen

    Musk bewegt sich seit jeher an der Schnittstelle zwischen Technologie, Unternehmertum und Politik. Doch seine aktuelle Regierungsrolle markiert einen neuen Höhepunkt dieser Verbindung – mit spürbaren Folgen. Die öffentliche Wahrnehmung seiner Person ist gespalten: Einerseits gilt er als visionärer Innovator, andererseits als zunehmend polarisierende Figur im politischen Raum. Seine Nähe zur Trump-Administration, insbesondere die Unterstützung umfangreicher Kürzungsmaßnahmen, hat ihn zur Zielscheibe von Protesten gemacht – auch direkt gegen Tesla.

    So kam es in den letzten Wochen an mehreren Hundert Tesla-Niederlassungen weltweit zu Demonstrationen. Auch Berichte über Sachbeschädigungen mehren sich. Der wirtschaftliche Schaden bleibt nicht auf symbolischer Ebene: In Europa brachen die Verkaufszahlen im Januar um 45 Prozent ein, auch in China werden deutliche Rückgänge gemeldet. In Australien gingen die Neuzulassungen von Tesla-Fahrzeugen im Februar sogar um über 70 Prozent zurück – ein Indiz für ein beschädigtes Markenimage.

    Verunsicherte Investoren und skeptische Analysten

    Die Reaktion der Finanzmärkte auf Musks politisches Engagement fällt entsprechend deutlich aus. Zahlreiche Analysten senkten zuletzt ihre Prognosen für Tesla. Erwartet wird ein Rückgang der Fahrzeugauslieferungen im ersten Quartal 2025 um mindestens sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Umsatzzahlen blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück: Trotz eines Produktionsrekords von fast einer halben Million Fahrzeugen im vierten Quartal 2024 lag der Umsatz mit rund 25,7 Milliarden Dollar unter den prognostizierten 27 Milliarden.

    Die Unsicherheit über Musks Prioritäten – zwischen Regierungsamt, Tesla, dem Raumfahrtunternehmen SpaceX, seiner KI-Firma xAI sowie dem sozialen Netzwerk X – nährt Zweifel an seiner Führungsstärke. Investoren und Mitarbeiter würden sich, so ist aus Analystenkreisen zu hören, eine klarere Fokussierung auf Tesla wünschen. Musks jüngste Entscheidung, X an xAI in einem Aktientausch im Wert von 33 Milliarden Dollar zu übertragen, hat diese Debatte weiter angeheizt.

    Inszenierung und Aufmerksamkeit

    Musk ist bekannt für seinen unorthodoxen Umgang mit Öffentlichkeit. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wisconsin, bei der er den konservativen Kandidaten Brad Schimel unterstützte, verschenkte er symbolträchtig Schecks über je eine Million Dollar an zwei Unterstützer – als Dank für deren Teilnahme an einer Petition gegen „aktivistische Richter“. Das erklärte Ziel: maximale Medienwirkung bei minimalem Mitteleinsatz. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten, auch weil das Timing mit der angespannten Lage bei Tesla zusammenfiel.

    Zugleich bemühen sich Regierungsvertreter wie Handelsminister Howard Lutnick, das Vertrauen in Tesla zu stärken. In Interviews forderte er öffentlich zum Kauf der Aktie auf – sie sei derzeit „unglaublich günstig“. Dennoch bleibt fraglich, ob sich die Märkte von politisch motivierten Appellen beeindrucken lassen. Die Tesla-Aktie gehört im ersten Quartal 2025 zu den schwächsten Werten im S&P 500.

    Wie lange noch?

    Musk selbst hat angedeutet, seine Regierungsarbeit könnte bald enden. Nach eigenen Aussagen sei das Projekt „fast abgeschlossen“. Seine Bilanz: Einsparungen von über einer Billion Dollar im Bundeshaushalt. Beobachter werten diese Aussagen als mögliches Signal für einen Rückzug – spätestens im Sommer. Sollte Musk tatsächlich aus dem Regierungsdienst ausscheiden, könnte das auch als Versuch gewertet werden, sich wieder stärker auf Tesla zu konzentrieren und das ramponierte Markenimage zu reparieren.

    Inmitten all dessen bleibt Musk der Unternehmer, der mit einem einzigen Tweet Märkte bewegen kann – aber auch der politische Akteur, dessen Entscheidungen weitreichende Konsequenzen für ein börsennotiertes Unternehmen und Millionen von Aktionären haben. Ob Tesla sich langfristig von diesem Spannungsfeld erholt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob es Musk gelingt, beide Rollen klar voneinander zu trennen.

    Autor: MAB

  • Verlorenes Gehör – laute Arbeitswelt in Frankreich

    Verlorenes Gehör – laute Arbeitswelt in Frankreich

    Lärm kann müde machen, krank – sogar taub. Und doch arbeiten Millionen Franzosen tagtäglich in Umgebungen, die alles andere als leise sind. Laut einer aktuellen Studie von Santé publique France war im Jahr 2019 mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Frankreich dauerhaft einem Lärmpegel von über 70 Dezibel ausgesetzt – und das für mindestens acht Stunden täglich.

    Das entspricht etwa dem Lärmpegel einer vielbefahrenen Straße oder eines Staubsaugers in unmittelbarer Nähe. Klingt harmlos? Ist es nicht. Denn bei diesem Geräuschpegel muss man bereits die Stimme erheben, um sich normal zu unterhalten. Und wer so einem Umfeld dauerhaft ausgesetzt ist, riskiert mehr als nur ein Pfeifen im Ohr.

    Knapp fünf Millionen Menschen waren betroffen. Besonders gefährdet: Männer – sie machen fast 80 Prozent der Lärmexponierten aus. Aber auch Frauen trifft es, vor allem, wenn sie selbstständig in der Landwirtschaft, Industrie oder im Bau arbeiten. Und obwohl die Gesamtzahl der Lärmgeplagten seit 2007 leicht rückläufig ist, bleibt das Problem virulent.

    Ein Drittel dieser Betroffenen war sogar sogenannten „läsionalen“ Lärmpegeln ausgesetzt. Das heißt konkret: dauerhafte Schäden drohen. Schwerhörigkeit, chronische Ohrgeräusche (Tinnitus) oder gar vollständiger Hörverlust sind keine Seltenheit. Doch auch unterhalb dieser Schwelle sind die Auswirkungen spürbar – und zwar körperlich wie psychisch: Schlafprobleme, Herz-Kreislauf-Beschwerden, chronischer Stress und allgemeine Erschöpfung gehören zu den Begleiterscheinungen.

    Ein Blick auf die Branchen verrät wenig Überraschendes: Das Bauwesen und der Bereich der öffentlichen Arbeiten stehen ganz oben auf der Liste der lautesten Arbeitsplätze. Hier ist der Lärm meist nicht nur konstant, sondern auch besonders intensiv. Es folgen Berufe im Transportwesen, in der Logistik und im Tourismus. Besonders auffällig: In der Metallverarbeitung liegt der Anteil lärmexponierter Beschäftigter bei stolzen 78 Prozent – obwohl dieser Bereich vergleichsweise wenige Beschäftigte zählt.

    Doch warum ist das Thema trotz bekannter Risiken nach wie vor so präsent? Vielleicht, weil Lärm auf lange Sicht schleichend wirkt. Man gewöhnt sich daran, nimmt ihn irgendwann nicht mehr bewusst wahr – bis es zu spät ist. Und wer gibt schon zu, dass der ständige Lärm auf der Baustelle oder in der Werkshalle einem nachts den Schlaf raubt?

    Hinzu kommt: Viele Unternehmen investieren lieber in neue Maschinen als in wirksame Lärmschutzmaßnahmen. Dabei könnten bereits einfache Dinge helfen – Ohrschützer, leisere Geräte oder durchdachte Raumgestaltung. Doch oft scheitert es an der Priorisierung: Sichtbare Gefahren wie herabfallende Gegenstände oder rutschige Böden lassen sich einfacher kommunizieren als unsichtbare Risiken wie Lärm.

    Was ebenfalls auffällt: Der Beschäftigungsstatus spielt bei Männern offenbar keine große Rolle – sie sind unabhängig davon, ob sie angestellt oder selbstständig sind, gleichermaßen betroffen. Bei Frauen sieht das anders aus. Besonders selbstständige Frauen in klassischen „Männerbranchen“ wie Bau oder Industrie sind überdurchschnittlich stark gefährdet. Ein Spiegelbild der oft prekären Arbeitsbedingungen?

    Manche Expertinnen fordern längst ein Umdenken – mehr Bewusstsein, mehr Prävention, mehr Kontrolle. Denn gute Ohren sind kein Luxus, sondern Voraussetzung für ein gesundes Leben.

    Und mal ehrlich: Wer will schon in Rente gehen – mit Pfeifen im Ohr und permanentem Brummen im Kopf?

    Catherine H.

  • Neue Regel beim Krankengeld: Weniger Geld bei Krankheit ab April

    Neue Regel beim Krankengeld: Weniger Geld bei Krankheit ab April

    Ab dem 1. April greift in Frankreich eine Änderung, die vielen Arbeitnehmern zunächst kaum auffällt – langfristig aber große Auswirkungen haben kann. Die tägliche Krankengeldzahlung der gesetzlichen Krankenversicherung wird gesenkt. Damit spart der Staat rund 600 Millionen Euro. Doch was bedeutet das konkret für die Menschen? Neue Grenzen, neues Spiel Bislang lag das tägliche Krankengeld bei 50 Prozent des Bruttolohns, gedeckelt auf 1,8-fachen Mindestlohn (SMIC). Künftig wird diese Grenze auf den 1,4-fachen SMIC reduziert. Das klingt erstmal technisch – ist es auch. Aber der Unterschied zeigt sich deutlich im Geldbeutel: Der neue Höchstbetrag liegt nun bei 41,47 Euro brutto pro Tag, zuvor waren es bis zu 53,31 Euro. Macht bei längerer Krankheit schnell ein Minus von bis zu 250 Euro im Monat. Wer weniger als den 1,4-fachen SMIC verdient, merkt davon nichts. Die bisherige Deckelung war ohnehin schon außerhalb ihrer Reichweite. Doch für alle, die mehr verdienen, wird es ernst. Arbeitgeber…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…


     

     

  • Verlockung auf dem Bildschirm: TikTok wird zur Shopping-App – und sorgt für Unruhe im Einzelhandel

    Verlockung auf dem Bildschirm: TikTok wird zur Shopping-App – und sorgt für Unruhe im Einzelhandel

    Ab heute wird in Frankreich nicht nur gescrollt, sondern auch gekauft. TikTok, das soziale Netzwerk, das bislang vor allem für Tanzvideos, Beauty-Tipps und virale Trends stand, startet hierzulande seine Shopping-Funktion: TikTok Shop. Was in den USA, Großbritannien oder Spanien bereits Realität ist, erreicht nun auch Frankreichs 25 Millionen TikTok-Nutzer – und bringt den E-Commerce ins Wanken.

    Denn während User künftig direkt in der App shoppen, zahlen und sich Empfehlungen anzeigen lassen, schrillen bei Einzelhändlern und Fachverbänden die Alarmglocken.

    Kaufen, ohne nachzudenken?

    Im Prinzip funktioniert TikTok Shop wie ein Online-Marktplatz, eingebettet in den endlosen Feed der App. Nutzer können dort gezielt nach Produkten suchen, Rabatte entdecken, Bestellungen verwalten und sich durch interaktive Inhalte zum Kauf verleiten lassen – ohne die App auch nur eine Sekunde zu verlassen. Das klingt praktisch. Vielleicht sogar zu praktisch.

    „Die Leute haben dann gar nicht mehr richtig auf dem Schirm, wie viel Geld sie ausgeben“, meint Nicolas Oaolantonachi vom Beratungsunternehmen MC2I. Er warnt vor einem Anstieg an Impulskäufen. Und wer kennt es nicht: Erst ein schneller Klick auf ein vermeintliches Schnäppchen – und später das böse Erwachen beim Blick aufs Konto.

    Genau hier liegt die Crux: Die Zahlungsabwicklung läuft komplett über TikTok. Das verschleiert für viele den Bezug zum echten Geld. Besonders junge Nutzer, die sich tagtäglich stundenlang in der App aufhalten, könnten hier den Überblick verlieren.

    Shopping trifft Social Media

    Für andere wiederum ist genau das der Reiz. Maël, ein junger Mode-Fan, findet es „einfacher, direkt über TikTok zu bestellen“, vor allem wenn es um Produkte kleiner, unabhängiger Marken geht. Und Victoria, 18 Jahre alt und TikTok-süchtig, hat ohnehin schon einen mentalen Einkaufszettel: „Beauty, Fashion, Tech – das wird spannend.“

    Kein Wunder, dass TikTok auch aus Influencer-Sicht Goldgrube und Bühne zugleich ist. Wer Produkte empfiehlt, kassiert künftig Provision – ein System, das Verkaufsdruck und Reichweite effektiv kombiniert. Fast schon zu effektiv?

    Eine Plattform mit Schattenseiten

    Auch wenn Minderjährige keinen Zugang zu den direkten Verkaufslinks bekommen sollen – TikTok betont „proaktive Moderation“ –, bleibt die Sorge groß. Vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive.

    Viele französische Händler fürchten um ihre Existenz. Die Plattform kommt mit Wucht und ohne Umwege auf den Markt, unterstützt von bekannten Marken wie Cabaïa oder Izipizi. Doch mit der Macht des Mutterkonzerns Bytedance im Rücken spielt TikTok in einer anderen Liga – eine, die lokale Händler kaum mitgehen können.

    Einzelhandelsverbände in Frankreich sprechen offen von „unlauterem Wettbewerb“. Gemeinsam mit Temu und Shein wird TikTok Shop nun zu einer Art Dreigestirn des Onlinehandels, das die klassischen Spielregeln ins Wanken bringt. Frankreichs Regierung wurde bereits aufgefordert, „sofortige Maßnahmen“ zum Schutz heimischer Unternehmen zu ergreifen. Der Druck wächst – nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch auf der Straße.

    Zwischen Komfort und Kontrollverlust

    TikTok Shop ist zweifellos clever. Es vereint Unterhaltung, soziale Interaktion und Kaufanreize auf eine Weise, die herkömmlichen Online-Plattformen den Rang ablaufen könnte. Doch wie weit darf eine App gehen, bis sie mehr schadet als nützt?

    Eine Frage, die sich nicht nur Konsumenten, sondern auch Gesellschaft und Gesetzgeber stellen müssen. Denn inmitten von Algorithmus-Magie und Verkaufspsychologie geht manchmal etwas Entscheidendes verloren: die bewusste Kaufentscheidung.

    Was, wenn wir irgendwann gar nicht mehr wissen, ob wir gerade unterhalten oder manipuliert werden?

    Von C. Hatty

  • Verborgener Aufschwung: Wie Bourges vom globalen Krisenmodus profitiert

    Verborgener Aufschwung: Wie Bourges vom globalen Krisenmodus profitiert

    In Bourges, wo noch vor wenigen Jahren eine Rezession drohte, blüht heute ein Industriezweig auf, der anderswo Sorgenfalten hinterlässt: die Rüstungsindustrie. Die Waffenproduzenten MBDA und KNDS bringen der Stadt nicht nur neue Jobs – sie haben auch das Image des Ortes gründlich gewandelt.

    „Was willst du denn in Bourges?“ Diese Frage hörte Sara, als sie ihren Pariser Kollegen von ihrem Umzug in die Provinz erzählte. Sie lächelte nur. Weniger Lärm, niedrigere Mieten – und ein besserer Job bei MBDA. Ihre Entscheidung? Ein Volltreffer.

    Rüstungsboom schafft neue Lebenswelten

    Inzwischen ist sie eine von rund 250 Menschen, die 2024 neu bei MBDA in Bourges angefangen haben. Dort produziert der Konzern unter anderem den Flugabwehrraketen-Klassiker Aster. Seit Beginn des Ukrainekriegs haben sich die Bestellungen vervielfacht. Das Orderbuch ist mit 37 Milliarden Euro prall gefüllt. Und die Produktion soll 2025 verdoppelt werden.

    Auch bei KNDS, dem Produzenten der Caesar-Geschütze, läuft das Geschäft glänzend. Vor dem Krieg verließen zwei dieser Artilleriesysteme monatlich das Werk. Heute sind es sechs – Tendenz steigend. 600 Millionen Euro flossen bereits in die Produktionsausweitung.

    Das alles bedeutet: Jobs, Jobs, Jobs.

    Mehr als nur Arbeitsplätze

    Der Bürgermeister von Bourges, Yann Galut, sieht in dieser Entwicklung nicht weniger als eine Zeitenwende: „Wir haben hier Arbeit für die nächsten 30 Jahre.“ Die Stadt, die einst unter dem Rückbau der Streitkräfte litt und deren Einwohnerzahl von 75.000 (1990) auf 63.700 (2021) schrumpfte, erlebt einen kaum für möglich gehaltenen Aufschwung.

    Und der betrifft nicht nur die großen Konzerne. Rund 6.000 Menschen in der Region arbeiten heute in der Verteidigungsbranche. Schulen, Ausbildungszentren und kleine Betriebe profitieren mit. Die Ecole militaire préparatoire technique (EMPT) und der Pyrotechnik-Campus wurden gegründet, um Fachkräfte auszubilden, die längst rar geworden sind.

    Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Verteidigungssektor zur Kaderschmiede für den Nachwuchs wird?

    Steuerplus und Wachstum – aber zu welchem Preis?

    Die positiven Effekte zeigen sich auch bei den Steuereinnahmen. Die gesamte Region profitiert. Rund 100 Zulieferbetriebe hängen inzwischen an den beiden großen Rüstungsschmieden. Serge Richard von der Handelskammer des Cher bringt es auf den Punkt: „Ein Job in der Rüstung schafft viele weitere drumherum.“

    Gleichzeitig wächst die Stadt in einem Tempo, das auch Herausforderungen mit sich bringt. Neue Wohnungen, Kitas, Schulplätze – der Alltag muss mit dem industriellen Aufschwung Schritt halten. Der Bürgermeister hat MBDA und KNDS bereits um genaue Angaben zu ihren Expansionsplänen gebeten. Denn klar ist: Ohne Vorbereitung läuft hier bald gar nichts mehr.

    Schon jetzt sichern sich die Konzerne neue Flächen. MBDA hat kürzlich das alte Handelskammergebäude sowie ein 50 Hektar großes Gelände gekauft – die Expansion schreitet voran.

    Kritik? Vereinzelt. Und oft überhört

    Während Minister regelmäßig zu Besuchen ein- und ausfliegen, bleiben kritische Stimmen bislang leise – aber es gibt sie. Bei einem Besuch von François Bayrou im März gingen immerhin 100 Menschen auf die Straße. Die CGT-Gewerkschaft warnt vor einem „kriegerischen Diskurs“ und fürchtet, dass der Boom in der Rüstung anderen Branchen das Personal entzieht – von der Autoindustrie bis zur Luftfahrt.

    Sébastien Martineau von der CGT formuliert es drastisch: „Was passiert, wenn das alles plötzlich zusammenbricht?“ Es klingt wie ein mahnender Ruf in einem Chor des Optimismus.

    Sicherheit als neues Geschäftsmodell?

    Für den Abgeordneten François Cormier-Bouligeon ist die Antwort klar: Diese Industrie schütze nicht nur Frankreich – sie verteidige Europa. Die Caesar-Geschütze, sagt er, seien mitverantwortlich dafür, dass die Ukraine standhalten kann. Und auch im Roten Meer, wo französische Raketen gegen Huthi-Rebellen eingesetzt werden, zeige sich die sicherheitspolitische Relevanz dieser Waffen.

    Er deutet den alten Satz neu: Wer Frieden will, muss sich wappnen.

    In Bourges bedeutet das vor allem eins: Jobs und Zukunft. Für viele eine willkommene Überraschung. Für andere ein moralisches Dilemma. Doch in der Stadt selbst überwiegt die Euphorie. „Es ist traurig“, sagt Serge Richard, „aber das Unglück der einen ist das Glück der anderen.“

    Vielleicht ist das die bittere Wahrheit in einer Welt, die nicht zur Ruhe kommt.

    Von C. Hatty

  • Trumps Zollpolitik: Abschottung um jeden Preis

    Trumps Zollpolitik: Abschottung um jeden Preis

    Am 3. April tritt in den USA ein neuer, einschneidender Schritt in der Handelspolitik in Kraft: Präsident Donald Trump hat einen zusätzlichen Zollsatz von 25 Prozent auf ausländische Autos und leichte Nutzfahrzeuge angekündigt. Es ist ein weiterer Vorstoß seiner „America First“-Strategie, die die inländische Industrie stärken soll – ungeachtet möglicher negativer Auswirkungen auf Konsumentenpreise und internationale Handelsbeziehungen. Trumps Haltung dazu ist unmissverständlich: „Ich hoffe, die Preise steigen. Dann kaufen die Leute amerikanische Autos.“

    Abschottung als Wirtschaftspolitik

    Donald Trumps wirtschaftspolitischer Kurs setzt seit Jahren auf Protektionismus. Die jüngste Ankündigung eines 25-prozentigen Aufschlags auf importierte Fahrzeuge reiht sich ein in eine Reihe von Maßnahmen, die auf die Stärkung der US-amerikanischen Industrie abzielen – und dabei gezielt auf Handelsbarrieren setzen. Trump begründet dies mit dem Ziel, Arbeitsplätze im eigenen Land zu sichern und die nationale Produktion zu fördern. In seinem Interview mit dem US-Sender NBC zeigte er sich demonstrativ unbeeindruckt von den möglichen Folgen für die Verbraucher: „Ich hoffe, die Preise steigen.“

    Der Eingriff betrifft nicht nur komplette Fahrzeuge, sondern auch einzelne Bauteile. Zwar sind Teilelieferungen aus Mexiko und Kanada vorerst ausgenommen – sie unterliegen dem USMCA-Freihandelsabkommen –, doch auch hier herrscht Unsicherheit. Viele Hersteller verfügen über komplexe, grenzüberschreitende Lieferketten, die auf Just-in-Time-Logistik und günstige Komponentenimporte angewiesen sind. Diese könnten durch neue Zölle empfindlich gestört werden.

    Auswirkungen auf die Automobilbranche

    Die Reaktion der Märkte ließ nicht lange auf sich warten. Die Aktienkurse großer US-Hersteller wie General Motors und Ford verzeichneten unmittelbar nach der Ankündigung Kursverluste. Obwohl die Maßnahme ostensiv darauf abzielt, gerade diesen Konzernen zu helfen, erzeugt sie Unsicherheit. Unternehmen, die bereits stark im Ausland produzieren oder auf internationale Zulieferer angewiesen sind, stehen vor höheren Kosten, möglichen Lieferverzögerungen und dem Zwang zur Umstrukturierung ihrer Produktionsketten.

    Zudem ist nicht ausgemacht, dass sich die heimische Produktion kurzfristig ausweiten lässt. Der Aufbau neuer Fabriken ist kapitalintensiv und langwierig. Auch der Fachkräftemangel in der US-Industrie stellt eine Hürde dar. In der Praxis könnten höhere Importkosten schlichtweg an die Konsumenten weitergegeben werden – mit der Folge steigender Autopreise.

    Die Konsumenten zahlen den Preis

    Die Folgen dieser Zölle werden insbesondere US-amerikanische Verbraucher zu spüren bekommen. Laut aktuellen Schätzungen könnte ein Mittelklassewagen im Schnitt um 1.500 bis 2.000 Dollar teurer werden. Besonders betroffen sind Modelle, die aus Europa oder Asien importiert werden, aber auch viele Fahrzeuge, die in Mexiko montiert werden. Zwar mag der durchschnittliche Käufer patriotisch eingestellt sein – ob er jedoch bereit ist, mehrere tausend Dollar mehr zu zahlen, nur um ein in den USA gefertigtes Fahrzeug zu erwerben, ist fraglich.

    Die Erwartung, dass Konsumenten automatisch zu „amerikanischen“ Marken greifen, könnte sich als Fehleinschätzung erweisen. Viele der meistverkauften Fahrzeuge in den USA, wie der Toyota Camry oder der Honda CR-V, werden bereits zum Teil oder vollständig in US-Werken gefertigt. Umgekehrt lassen auch US-Hersteller einen Teil ihrer Produktion im Ausland abwickeln. Die Grenzen zwischen „amerikanisch“ und „ausländisch“ verlaufen zunehmend verschwommen.

    Internationale Reaktionen und mögliche Gegenmaßnahmen

    Die Entscheidung Washingtons dürfte auch auf internationaler Ebene für neue Spannungen sorgen. Die Europäische Union und Länder wie Japan oder Südkorea, deren Automobilkonzerne stark auf den US-Markt angewiesen sind, könnten mit eigenen Gegenmaßnahmen reagieren. Bereits während der ersten Runde von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium im Jahr 2018 hatte die EU mit Gegenzöllen auf US-Produkte wie Motorräder und Whiskey geantwortet.

    Eine Eskalation im Automobilbereich hätte deutlich weitreichendere wirtschaftliche Folgen. Der internationale Autohandel ist ein empfindliches Geflecht globaler Wertschöpfungsketten. Eine Fragmentierung dieser Strukturen durch einseitige nationale Maßnahmen könnte zu einer dauerhaften Verlagerung von Handelsströmen und Investitionsentscheidungen führen – nicht unbedingt zugunsten der Vereinigten Staaten.

    Politisches Kalkül hinter ökonomischer Härte

    Trump setzt mit seiner jüngsten Zollpolitik auch ein innenpolitisches Signal. In seiner zweiten Amtszeit will er sich erneut als kompromissloser Verfechter amerikanischer Interessen präsentieren. Seine Botschaft an die Industrie ist unmissverständlich: „Wenn ihr nicht in den USA produziert, habt ihr ein Problem.“ Es ist eine Mischung aus Druck und Anreiz, die auf kurzfristige Effekte und Schlagzeilen setzt – ungeachtet langfristiger Risiken.

    Dass Trump mit dieser Haltung auch innerhalb der republikanischen Partei polarisiert, ist kein Geheimnis. Wirtschaftsliberale Flügel kritisieren seine Abschottungspolitik als innovationshemmend und wachstumsfeindlich. Auch viele konservative Ökonomen zweifeln daran, dass ein solcher Protektionismus die strukturellen Probleme der US-Industrie lösen kann. Doch Trumps Strategie ist primär politischer Natur – wirtschaftliche Rationalität steht dabei nicht im Vordergrund.

    Autor: MAB

  • Sternefieber und Sternenflucht: Der neue Michelin-Guide spaltet die Haute Cuisine

    Sternefieber und Sternenflucht: Der neue Michelin-Guide spaltet die Haute Cuisine

    Die Spannung steigt – zumindest für manche. Am Montag, dem 31. März, lüftet der Guide Michelin das Geheimnis seiner Auszeichnungen für das Jahr 2025. Für viele Spitzenköche ist es der wichtigste Tag des Jahres. Für andere hingegen der Moment, an dem sie sich bewusst von diesem System verabschieden.

    Ein Kontrast, der kaum größer sein könnte.

    Da ist zum Beispiel Frédéric Doucet, ein Koch mit Feuer im Herzen und Sternen im Blick. Inmitten des sanften Hügellands von Charolais hat er sich mit elf Köchen umgeben – eine kulinarische Kompanie, die in perfektem Gleichklang arbeitet. Alles ist vorbereitet, alles optimiert. Das Ziel: endlich die zweite Michelin-Stern. Der Countdown läuft, die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Denn wer einmal im Rennen ist, will nicht nur mitlaufen – er will gewinnen.

    Doch nicht alle wollen noch mithalten.

    Nur rund 100 Kilometer südlich, nahe Roanne, hat Thierry Fernandes für sich eine ganz andere Entscheidung getroffen. Nach 15 Jahren als stolzer Sterneträger reicht es ihm. Der Druck? Zu groß. Die Erwartungen? Zu einengend. Der Preis? Nicht nur finanziell, sondern auch menschlich hoch. Menüs für 90 Euro, die sich selbst seine Familie kaum leisten konnte. Er zog die Reißleine – und schrieb dem Guide persönlich. Er gibt seinen Stern zurück.

    Ein Schritt, den manch einer für radikal hält – und der doch viel mit Freiheit zu tun hat.

    Denn der Glanz der Michelin-Sterne hat auch Schattenseiten. Was einst als Ritterschlag galt, ist für viele längst zur Last geworden. Hohe Kosten, Personalmangel, ständige Bewertungen, der Druck zur Perfektion – für einige Gastronomen ist das kaum noch tragbar. Die Entscheidung, auszusteigen, ist oft ein Akt der Selbstbehauptung.

    Fernandes jedenfalls blickt nach vorn. Gemeinsam mit seiner Frau will er ein neues Lokal eröffnen – ganz ohne Stern und Prestige. Einfach, ehrlich, bodenständig. Kochen ohne Korsett. Genuss ohne Etikett.

    Und dann stellt sich unweigerlich die Frage: Was zählt mehr – die Anerkennung von außen oder das eigene Glück?

    Natürlich: Der Guide Michelin bleibt eine Institution. Seine Bewertungen prägen Karrieren, füllen Restaurants, bringen internationale Aufmerksamkeit. Eine Auszeichnung gleicht einem Ritterschlag, einer Eintrittskarte in den Olymp der Gastronomie. Doch die Sterne sind nicht für jeden leuchtend – manche empfinden sie längst als Fessel.

    Die Debatte ist nicht neu. Immer mehr Köche in Frankreich und weltweit kehren dem Michelin-System den Rücken. Einige freiwillig, andere unfreiwillig. Die Geschichte kennt Beispiele von Küchenchefs, die sogar psychisch daran zerbrachen. Ein Stern kann Auftrieb geben – oder erdrücken.

    Und doch: Für Talente wie Doucet bleibt der Traum bestehen. Der zweite Stern wäre für ihn nicht nur Bestätigung, sondern auch Ansporn. Ein Beweis dafür, dass sich Leidenschaft und Perfektion lohnen. Dass der Weg in den Himmel der Gastronomie möglich ist – auch wenn er hart ist.

    Zwei Köche, zwei Wege – und dazwischen eine Branche, die sich neu sortiert.

    Die Haute Cuisine steht an einem Wendepunkt. Der Wandel ist spürbar: weg von Statussymbolen, hin zu Menschlichkeit, Regionalität, Nachhaltigkeit. Sterne allein genügen nicht mehr. Es geht um Identität, um Haltung, um das, was man Gästen wirklich mitgeben möchte.

    Und vielleicht ist das die schönste Entwicklung: Dass Kochkunst wieder mehr mit Herz als mit Hochglanz zu tun hat.

    Von Catherine H.

  • Transatlantischer Wertekonflikt: Frankreich weist US-Einmischung in Unternehmenspolitik zurück

    Transatlantischer Wertekonflikt: Frankreich weist US-Einmischung in Unternehmenspolitik zurück

    Die französische Regierung hat deutlich Stellung bezogen gegen den Versuch der Vereinigten Staaten, Einfluss auf die internen Inklusionsprogramme französischer Unternehmen zu nehmen. Auslöser der diplomatischen Verstimmung ist ein Schreiben der US-Botschaft in Paris, das an mehrere große französische Firmen verschickt wurde. Darin werden die Unternehmen aufgefordert, Auskunft darüber zu geben, ob sie interne Programme zur Förderung von Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) unterhalten – Maßnahmen, die unter der neuen US-Regierung als potenziell diskriminierend betrachtet werden. Der französische Protest fällt scharf aus: Es handle sich um eine unzulässige Einmischung in nationale Angelegenheiten. Die Reaktion kam prompt. Das Ministerium für Außenhandel erklärte, die französischen und europäischen Unternehmen würden nicht nur wirtschaftlich verteidigt, sondern auch in ihren Werten gestärkt. Diese Werte, so die implizite Botschaft, seien mit den derzeitigen Leitlinien der US-Reg…

    [wtr-time]

    Der weitere Text ist unseren Abonnenten vorbehalten.


    Warum ein Abo? Weil guter Journalismus seinen Preis hat.

    Information mag frei zugänglich sein – aber Journalismus ist kein Selbstläufer. Recherchen, Interviews, Faktenchecks und Einordnungen erfordern Zeit, Expertise und Verantwortung.

    Wer unabhängige, fundierte Berichterstattung will, muss sie ermöglichen. Werbefinanzierung allein reicht nicht – sonst entscheiden Klickzahlen über Inhalte.

    Ein Abonnement ist kein Eintrittsgeld, sondern ein Bekenntnis: zur Qualität, zur Unabhängigkeit und zu einer informierten Öffentlichkeit.

    Information ist frei. Journalismus kostet. Und genau deshalb lohnt sich ein Abo.


    Abo-Light – das Monatsabonnement zum schlanken Preis

    Alle Artikel für 0,50 € pro Woche. Das Abo wird monatlich mit 2 € abgerechnet und ist monatlich kündbar.

    Monatsabonnement buchen…


    Premium-Abo – das Jahresabonnement mit wertvollen Add-Ons

    Alle Artikel für 0,38 € pro Woche. Das Abo wird jährlich mit 20 € abgerechnet und ist jährlich kündbar.

    Das Premium-Jahres-Abo bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    Jahresabonnement buchen…


    Lebenslang – das Premium-Abo für immer

    Für eine einmalige Zahlung für nur 36 €. Unbegrenzter Zugriff – ein Leben lang.

    Das Premium-Abo-Lebenslang bietet unbegrenzten Zugriff auf unseren individuellen Reiseplaner.

    Und regelmässig wechselnde ausgewählte E-Books zum kostenlosen Download.


    „Abo-Lebenslang“ buchen…