Kategorie: Wirtschaft

  • Verpatzter Höhenflug: Frankreichs größtes Windparkprojekt gestoppt

    Verpatzter Höhenflug: Frankreichs größtes Windparkprojekt gestoppt

    Mitten im Herzen der Ardennen, südlich von Rethel, sollte ein Prestigeprojekt entstehen – der Windpark „Mont des Quatre Faux“. Geplant waren 63 Windräder mit einer Gesamtleistung von 226 Megawatt. Genug Energie, um rund 250.000 Menschen zu versorgen. Ein echtes Kraftpaket der Energiewende. Doch nun ist Schluss mit den hochfliegenden Plänen.

    Die Cour administrative d’appel de Nancy hat die bereits erteilten Genehmigungen kurzerhand einkassiert. Ein juristischer Paukenschlag, der weit über die Grenzen der Region hinaus hallt. Warum? Weil es sich nicht nur um ein einzelnes Projekt handelt – sondern um ein Symbol.

    Wenn die Windräder zum Streitfall werden

    Eigentlich sollte der Windpark ein Musterbeispiel für grüne Energie sein. Doch schon während der Planung regte sich Widerstand. Viele Anwohner fühlten sich übergangen – und vor allem: gestört. Sie sorgten sich um das Landschaftsbild, den Schutz der Tierwelt und die Lärmbelastung. „Wir sind nicht gegen Windkraft – aber nicht vor unserer Haustür“, lautete der Tenor.

    Diese Haltung ist kein Einzelfall. Studien, wie jene der Chaire Energy for Society der Grenoble École de Management, zeigen ein klares Muster: Die Zustimmung zur Windkraft nimmt rapide ab, sobald es um konkrete Projekte in der Nähe des eigenen Wohnortes geht.

    Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Und dennoch menschlich.

    Was bedeutet das für Frankreichs Energiewende?

    Frankreich steht – wie viele Länder – unter Druck, seine Klimaziele zu erreichen. Erneuerbare Energien gelten als Schlüssel dazu. Doch was auf dem Papier gut aussieht, entpuppt sich in der Praxis als Kraftakt. Denn: Der Teufel steckt im Detail – und im Genehmigungsverfahren.

    Laut der Union Nationale des Propriétaires Immobiliers wird derzeit rund jeder zweite Windpark in Frankreich vor Gericht angefochten. Genauer gesagt: Sieben von zehn Projekten landen in der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Der Weg von der Idee bis zur Inbetriebnahme ist also lang, steinig – und voller juristischer Fallstricke.

    David gegen Goliath – oder doch eher Bürger gegen Bürokratie?

    Der Fall „Mont des Quatre Faux“ bringt ein grundsätzliches Problem ans Licht: Es fehlt nicht an Plänen, sondern an Akzeptanz. Die Energiewende wird oft als nationale Notwendigkeit verkauft, ohne die lokale Realität mitzudenken. Das Resultat? Frust, Verzögerung – und in diesem Fall sogar der komplette Stopp.

    Doch wie ließe sich dieser gordische Knoten lösen?

    Eine Möglichkeit: echte Bürgerbeteiligung von Anfang an. Nicht als Pflichtübung, sondern als zentrales Element der Planung. Wenn die Menschen spüren, dass sie gehört werden – und dass ihre Bedenken ernst genommen werden – wächst auch die Bereitschaft, solche Projekte mitzutragen.

    Windkraft ja – aber wie?

    Niemand stellt infrage, dass Windenergie ein wichtiger Pfeiler der Energiewende ist. Doch wenn neue Anlagen gebaut werden, muss auch geklärt werden: Wer profitiert? Und wer trägt die Last? Eine faire Verteilung von Chancen und Belastungen wäre ein erster Schritt in Richtung Versöhnung.

    Vielleicht braucht es auch mehr kreative Lösungen – etwa Bürgerwindparks, bei denen die lokale Bevölkerung direkt beteiligt wird. Oder spezielle Fonds, die die Kommunen vor Ort unterstützen. Es geht darum, nicht nur Windräder zu bauen – sondern auch Brücken.

    Und jetzt?

    Der Windpark „Mont des Quatre Faux“ wird nicht gebaut. Zumindest vorerst. Ein Projekt, das einst als Meilenstein galt, ist zum Mahnmal geworden. Für eine verpasste Chance – aber auch für die dringende Notwendigkeit, neue Wege zu gehen.

    Denn eines steht fest: Die Energiewende ist kein Selbstläufer. Sie verlangt mehr als Technik und Zahlen. Sie braucht Vertrauen, Mut – und vor allem: Menschen, die mitziehen.

    Und Hand aufs Herz: Würden wir ein 180 Meter hohes Windrad direkt vor unserem Wohnzimmerfenster wirklich willkommen heißen?

    Von Andreas M. Brucker

  • „Kein Geld, kein Gewissen“: Vater und Sohn prellen 40 Restaurants in Toulon

    „Kein Geld, kein Gewissen“: Vater und Sohn prellen 40 Restaurants in Toulon

    In Toulon ist ein unglaublicher Fall von systematischem Betrug ans Licht gekommen – fast schon filmreif, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Ein Vater und sein 17-jähriger Sohn wurden festgenommen, nachdem sie über drei Jahre hinweg rund 40 Restaurants besucht hatten – gekommen immer mit leerem Geldbeutel, aber gegangen mit vollem Magen. Die Masche? Einfach, dreist und effektiv. Der Trick mit der kaputten Karte Das Duo wählte stets die gleiche Taktik: Nach dem Essen – oft ohne jede Scheu – gaben sie vor, dass ihre Kreditkarte „leider“ gerade nicht funktioniere. Als „Sicherheit“ ließen sie ein offizielles Ausweisdokument zurück, verbunden mit dem Versprechen, Bargeld zu holen und bald zurückzukehren. Was nie geschah. Stattdessen meldeten sie die Dokumente später als verloren oder gestohlen – und besorgten sich neue. Eine Masche, die nicht nur dreist klingt, sondern auch ziemlich kaltblütig durchgezogen wurde. Délit de filouterie – ein unterschätztes Delikt In Frankreich wird dieses Ver…

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  • Saint-Pierre und Miquelon unter Druck: US-Zölle bringen französischen Inselarchipel ins Wanken

    Saint-Pierre und Miquelon unter Druck: US-Zölle bringen französischen Inselarchipel ins Wanken

    Saint-Pierre und Miquelon – zwei kleine Inseln unter französischer Flagge, malerischen Fischerdörfern und einer großen Geschichte. Doch nun geraten sie ungewollt ins Zentrum eines weltweiten Handelskonflikts. Die USA unter Präsident Donald Trump verhängen aus heiterem Himmel Strafzölle von 50 Prozent auf ihre Produkte. Die Folge? Empörung, Fassungslosigkeit – und große Sorge um die wirtschaftliche Zukunft des Archipels.

    Eine Zollkeule aus Washington Dass die US-Regierung derzeit mit Zöllen um sich wirft, ist nichts Neues. Doch dass es ausgerechnet Saint-Pierre und Miquelon derart hart trifft, überrascht viele – auch in Paris. Während die EU insgesamt mit 20 Prozent belastet wird, schlägt man bei dem französischen Überseegebiet besonders kräftig zu: 50 Prozent auf alle Importe. Eine Maßnahme, die auf dem Archipel wie ein Donnerschlag eingeschlagen ist.

    Wirtschaft am seidenen Faden Saint-Pierre und Miquelon leben traditionell von der Fischerei. Kabeljau, Hummer, Meeresfrüchte – das ist…

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  • Sonnenwunder im Norden: März brachte südliches Flair an Frankreichs nördliche Küsten

    Sonnenwunder im Norden: März brachte südliches Flair an Frankreichs nördliche Küsten

    Es war ein März, der in die Wettergeschichten des Nordens eingehen dürfte – und in die Herzen seiner Bewohner. Während der Süden Frankreichs unter Regenfluten ächzte, genoss der Norden eine Sonne, wie man sie sonst eher an der Côte d’Azur vermutet. Cafés öffneten ihre Terrassen Wochen früher als üblich, Boulogne-sur-Mer fühlte sich plötzlich wie Biarritz an – nur ohne Palmen.

    Ein meteorologisches Kuriosum? Vielleicht. Eine kleine Auszeit vom Alltag? Ganz sicher.


    Rekorde, die aufhorchen lassen

    In Valenciennes regnete es im März gerade einmal 3,2 Millimeter – ein Wert, der fast surreal wirkt, wenn man bedenkt, wie grau und nass sich diese Region üblicherweise präsentiert. Météo-France sprach von einem der trockensten Märzmonate seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959.

    Und dann war da noch Calais – die eigentliche Sensation: Mit 222 Sonnenstunden ließ die Hafenstadt sogar Nizza hinter sich. Calais, sonniger als die Hauptstadt der Riviera? Klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, war aber Realität.


    Die nördliche Küste blüht auf

    In Städten wie Dunkerque, Boulogne-sur-Mer oder Calais wurde das Wetterwunder sofort genutzt. Gastronomen, die normalerweise im März noch ihre Heizpilze polieren, richteten plötzlich die Sonnenschirme aus. „Wir haben nicht damit gerechnet, unsere Terrasse so früh im Jahr zu öffnen“, erzählt ein Restaurantbesitzer aus Boulogne-sur-Mer. „Aber bei diesem Wetter wäre es schade, die Gelegenheit nicht zu nutzen.“

    Und die Gäste? Die kamen in Scharen. Kaffee, Crêpes und kühler Rosé wurden unter freiem Himmel serviert – begleitet vom Klingen der Gläser und dem Flirren ungewohnter Wärme.


    Ein Frühling, der wie Sommer schmeckt

    Ein Besucher in Dunkerque fasste das Lebensgefühl so zusammen: „Es fühlt sich fast wie Sommer an.“ Wer nach Monaten voller grauer Himmel plötzlich im T-Shirt draußen sitzt, spürt diese Leichtigkeit, die sonst eher in Urlaubskatalogen zu finden ist. Es war, als hätte der Himmel persönlich eine Einladung verschickt: Kommt raus, Leute, es ist euer Tag.


    Mehr als nur ein Wetterphänomen

    Doch bei aller Freude schwingen auch leise Töne mit. Meteorologen betrachten solche Abweichungen mit Sorge. Ein Experte von Météo-France erklärte: „Diese extremen Wetterbedingungen könnten ein Hinweis auf größere klimatische Veränderungen sein.“

    Eine Phase außergewöhnlicher Trockenheit – so angenehm sie auch erscheint – ist Teil eines Musters, das langfristig problematisch sein könnte. Waldbrandgefahr, Wasserknappheit, veränderte Vegetationszyklen: Die Auswirkungen solcher Entwicklungen sind komplex und oft erst Jahre später voll sichtbar.


    Zwischen Sonnenbad und Nachdenklichkeit

    Die Menschen vor Ort genießen den Moment. Und wer wollte es ihnen verdenken? Es war eine Einladung zum Durchatmen, zum Lachen, zum Teilen – mitten im Frühling, der plötzlich nach Urlaub schmeckt. Gleichzeitig schwingt die Erkenntnis mit: So schön das Wetter auch ist, es wirft Fragen auf. Und vielleicht ist genau das die neue Realität – eine Mischung aus Freude und Verantwortung, Leichtigkeit und Nachdenklichkeit.


    Ein Geschenk, das zum Nachdenken anregt

    Was bleibt, ist dieses Bild: volle Terrassen, entspannte Gesichter, Sonne im Gesicht – und ein leichtes Unbehagen im Hinterkopf. Denn so sehr der Norden Frankreichs dieses goldene Märzkapitel auch genossen hat, so deutlich wird, dass es kein gewöhnliches war. Sondern eines, das uns zum Innehalten einlädt. Vielleicht auch zum Umdenken.

    Doch bis dahin: genießen die Menschen jeden Sonnenstrahl – und heben die Gläser auf das Hier und Jetzt.

    Von M.A.B.

  • Macrons klare Kante: Europa soll bei US-Investitionen den Stecker ziehen

    Macrons klare Kante: Europa soll bei US-Investitionen den Stecker ziehen

    Mit deutlichen Worten hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Debatte entfacht, die den transatlantischen Handel noch mehr durcheinanderwirbeln könnte. Als Reaktion auf die jüngsten Strafzölle der US-Regierung unter Donald Trump forderte Macron europäische Unternehmen dazu auf, ihre Investitionen in den USA vorerst zu stoppen. Für ihn steht fest: Wer von Zöllen getroffen wird, sollte nicht gleichzeitig Milliarden in das Land pumpen, das sie verhängt. Eine klare Botschaft, nicht nur an die amerikanische Regierung – sondern auch an Europas Wirtschaftsbosse.

    Europa, zieh die Handbremse! Macron wählte keine diplomatischen Floskeln, sondern sprach Klartext. Während eines Treffens im Élysée-Palast mit Vertretern wichtiger Branchen machte er unmissverständlich klar: Investitionen in den USA sollten ausgesetzt werden, „bis die Lage geklärt ist“. Dahinter steckt ein klares Kalkül – Investitionen als Druckmittel. Denn, so fragte er provokant: „Welches Signal senden wir, wenn große europä…

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  • Verlustgeschäft mit Ansage: Französische Winzer schlagen Alarm wegen US-Zöllen

    Verlustgeschäft mit Ansage: Französische Winzer schlagen Alarm wegen US-Zöllen

    Was wie ein Déjà-vu klingt, ist für Frankreichs Weinbauern ein bitterer Rückschlag – und ein handfester wirtschaftlicher Albtraum. 20 Prozent Zoll – und ein Milliardenverlust Mit einem Federstrich hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump erneut hohe Strafzölle auf Produkte aus der Europäischen Union verhängt. Diesmal trifft es unter anderem die französischen Weine mit voller Wucht: Ein Einfuhrzoll von 20 Prozent soll künftig auf sämtliche EU-Weine erhoben werden. Die Branche ist empört – und in großer Sorge. Jérôme Bauer, Winzer aus dem Elsass und Präsident der Confédération nationale des producteurs de vins à appellations d’origine contrôlées (CNAOC), beziffert die erwarteten Verluste auf rund eine Milliarde Euro. Eine gewaltige Summe, die man nicht einfach wegstecken kann. Vor allem, weil der amerikanische Markt einer der wichtigsten für französische Weine ist. Erinnerungen an alte Wunden Bauer weiß genau, wovon er spricht – denn das ist nicht das erste Mal, dass Trump den französ…

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  • „Eine Katastrophe für die Weltwirtschaft“ – François Bayrou warnt vor den Folgen der US-Zölle

    „Eine Katastrophe für die Weltwirtschaft“ – François Bayrou warnt vor den Folgen der US-Zölle

    Mit deutlichen Worten reagierte François Bayrou, Premierminister Frankreichs, auf die jüngsten protektionistischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten. Am Rande eines wirtschaftspolitischen Kolloquiums im Senat bezeichnete er die von US-Präsident Donald Trump verhängten Importzölle als „Katastrophe für die Weltwirtschaft“ und sprach von einer „immensen Schwierigkeit für Europa“. In einer Zeit geopolitischer Instabilität und wirtschaftlicher Unsicherheit kommt diese Maßnahme einem Frontalangriff auf das multilaterale Handelssystem gleich – mit weitreichenden Folgen für Europa, die USA und die globale Ordnung. Die von Trump angekündigten Zölle sollen mindestens 10 Prozent auf sämtliche Einfuhren in die USA betragen. Für Importe aus der Europäischen Union wurde ein Aufschlag von 20 Prozent festgelegt. China trifft es mit 34 Prozent, Japan mit 24 Prozent, Vietnam mit 46 Prozent, die Schweiz mit 31 Prozent. Diese Zölle gelten ab sofort und erfassen nahezu alle Warengruppen. Trump begründete d…

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  • Trump und das Primat des Profits: Wie der Mercantilismus die amerikanische Außenpolitik formt

    Trump und das Primat des Profits: Wie der Mercantilismus die amerikanische Außenpolitik formt

    Die Außenpolitik Donald Trumps erscheint auf den ersten Blick erratisch und sprunghaft. Entscheidungen werden oft ad hoc verkündet, langjährige Bündnisse infrage gestellt, diplomatische Konventionen ignoriert. Doch unter der Oberfläche dieses scheinbaren Chaos erkennt der französische Politikwissenschaftler Frédéric Encel eine stringente Logik: „Le Nord de la boussole de Trump, c’est le mercantilisme“ – die Richtschnur von Trumps geopolitischer Orientierung sei der wirtschaftliche Nutzen für die Vereinigten Staaten. Mit dieser These eröffnet Encel eine Perspektive, die Trumps Handeln im internationalen Raum als konsequente Umsetzung eines neo-merkantilistischen Weltbildes interpretiert.

    Die Rückkehr eines ökonomisch dominierten Außenpolitikkonzepts ist dabei kein rein amerikanisches Phänomen, doch unter Trump erreichte es eine neue Radikalität. Die Vereinigten Staaten verstanden sich in der Nachkriegsordnung lange Zeit als Schutzmacht der freien Welt, als Garantiemacht des Multilateralismus. Diese Haltung wich in der Präsidentschaft Trumps einer Haltung, in der die Außenpolitik primär als Geschäft betrachtet wurde – ein Tauschhandel, bei dem militärische, diplomatische oder wirtschaftliche Zugeständnisse stets an eine direkte Gegenleistung geknüpft sind.

    Bilateralismus statt Bündnistreue

    Trump misstraute von Anfang an multilateralen Institutionen. Die NATO, die UNO, selbst die WTO galten ihm als Mechanismen, durch die die USA wirtschaftlich und sicherheitspolitisch ausgenutzt würden. Seine Außenpolitik zielte daher auf bilaterale Arrangements, in denen Machtasymmetrien direkter ausgenutzt werden konnten. Besonders deutlich wurde dies im Verhältnis zu Ländern wie der Ukraine: In Gesprächen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj bot Trump ein bilaterales Abkommen zur Ausbeutung seltener Erden an – ein Deal, der sich klar an amerikanischen Interessen orientierte, losgelöst von moralischen oder sicherheitspolitischen Erwägungen.

    Auch gegenüber europäischen Partnern zeigte sich Trumps nüchterne Haltung. Die Verteidigungsausgaben europäischer NATO-Staaten wurden zur wiederkehrenden Klage. Der Nutzen des Bündnisses wurde von ihm einzig unter dem Gesichtspunkt der Kosten-Nutzen-Rechnung betrachtet. „Die Europäer profitieren, die Amerikaner zahlen“ – so lautete das unausgesprochene, aber konsequent vertretene Credo. Encel fasst dies pointiert zusammen: Für Trump sei der Schutz Europas zu teuer – zumal ohne sichtbaren Gegenwert für die USA.

    Wirtschaftliche Logik als außenpolitische Maxime

    Diese Position steht in der Tradition des Merkantilismus, einer wirtschaftspolitischen Lehre des 17. und 18. Jahrhunderts, die nationale Stärke in direkter Abhängigkeit vom Handelsbilanzüberschuss sah. In Trumps Denken spiegelt sich diese Logik in der Fokussierung auf Handelsdefizite, die er als Zeichen nationaler Schwäche betrachtete. Ob gegenüber China, Mexiko oder Deutschland – überall dort, wo die USA ein Handelsdefizit aufwiesen, sah Trump unfairen Wettbewerb oder gar bewusste Ausbeutung.

    Die Zölle gegen China, die Neuaushandlung des NAFTA-Abkommens zu USMCA, die Drohungen gegen deutsche Autobauer – all dies sind Manifestationen dieser ökonomischen Maxime. Außenpolitik, so Trump, müsse sich rechnen. Militärische Präsenz, diplomatische Unterstützung, Entwicklungszusammenarbeit – alles steht unter dem Vorbehalt eines positiven Saldenausgleichs zugunsten Amerikas.

    Diese Haltung erklärt auch Trumps Nähe zu autoritären Regimen wie Russland oder Saudi-Arabien. Anstelle normativer Kriterien zählte allein der bilaterale Nutzen: Waffenverkäufe, Investitionen, Marktöffnungen. Die Menschenrechte oder demokratische Werte werden zur vernachlässigbaren Größe, wenn sie dem Geschäft im Wege stehen.

    Konsequenzen für die transatlantischen Beziehungen

    Für Europa bedeutet diese Politik eine fundamentale Herausforderung. Die traditionelle transatlantische Partnerschaft basierte auf gemeinsamen Werten, strategischen Interessen und einer multilateralen Ordnung. Trumps Haltung jedoch zwang die europäischen Staaten, ihre sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA zu überdenken. Der Ruf nach „strategischer Autonomie“ wurde unter Trumps Präsidentschaft lauter – insbesondere in Frankreich, aber auch zunehmend in Deutschland.

    Gleichzeitig offenbarte sich die strukturelle Schwäche Europas: die Abhängigkeit von amerikanischer Technologie, Sicherheitsgarantien und Wirtschaftsbeziehungen. Trump nutzte diese Hebel offen und ohne diplomatische Zurückhaltung. Die EU wurde nicht als Partner, sondern als wirtschaftlicher Rivale betrachtet. In dieser Perspektive stehen europäische Exportüberschüsse nicht für Wettbewerbsfähigkeit, sondern für Ausbeutung der USA.

    Eine neue Form geopolitischer Pragmatik?

    Encel argumentiert, dass Trumps Politik nicht als irrational, sondern als Ausdruck einer neuen geopolitischen Rationalität verstanden werden müsse – einer Rationalität, die nationale Stärke nicht aus normativen Prinzipien, sondern aus unmittelbarem wirtschaftlichen Gewinn ableitet. Diese Sichtweise mag für liberale Demokratien verstörend sein, sie findet jedoch weltweit Nachahmer. Der globale Trend zu Autarkie, Protektionismus und geopolitischem Kalkül folgt ähnlichen Mustern.

    Gleichzeitig zeigt sich, dass Trumps Politik durchaus Wirkung zeigt. Seine wirtschaftliche Fokussierung zwang andere Staaten zu Zugeständnissen: China akzeptierte neue Handelskonditionen, Mexiko intensivierte Grenzschutzmaßnahmen, Europa diskutiert ernsthaft über höhere Rüstungsausgaben. In dieser Hinsicht war Trumps außenpolitischer Stil nicht ineffektiv – er war nur radikal anders.

    Wie nachhaltig diese Strategie ist, bleibt indes offen. Die Abkehr von multilateralen Strukturen schwächt langfristig die globale Ordnung, von der auch die USA profitieren. Zudem bleibt unklar, ob diese Politik von der US-Regierung zukünftig fortgesetzt oder doch korrigiert wird. Derzeit bestätigt sich Trumps Motto: America first, im wörtlichsten Sinne.

    Autor: P. Tiko

  • US-Zölle, Werksschließungen und Strukturwandel: Frankreichs Autobranche unter Druck

    US-Zölle, Werksschließungen und Strukturwandel: Frankreichs Autobranche unter Druck

    Die französische Automobilindustrie steckt in einer ihrer schwersten Krisen – und die Folgen spüren ganze Regionen wie die Sarthe besonders heftig. Die Schließung von Fabriken in La Suze-sur-Sarthe und La Verrière, von der Gewerkschaft CGT als „menschliches Massaker“ bezeichnet, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Neben internen Strukturproblemen setzt nun auch die internationale Handelspolitik der Branche zu – allen voran durch neue US-Zölle auf französische Autos. Eine Branche im Wandel – und im Würgegriff Die Automobilbranche befindet sich in einem fundamentalen Umbruch. Elektromobilität, Umweltauflagen und ein verändertes Konsumverhalten lassen die Nachfrage nach klassischen Fahrzeugen schrumpfen. Laut der Stiftung Jean-Jaurès handelt es sich beim aktuellen Einbruch des europäischen Automobilsektors vorrangig um eine Nachfragekrise, die Produktionsvolumina dramatisch einbrechen lässt. Doch als wäre das nicht genug, verschärfen externe Faktoren die Lage zusätzlich – allen voran d…

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  • Trumps Zollhammer trifft französische Wirtschaft ins Mark

    Trumps Zollhammer trifft französische Wirtschaft ins Mark

    Donald Trump macht Ernst mit seinem protektionistischen Kurs – und diesmal trifft es direkt die französische Wirtschaft. Der frühere US-Präsident kündigte neue Strafzölle in Höhe von 20 Prozent auf Produkte aus der Europäischen Union an. Unter dem Motto „Make America Rich Again“ entfesselt er eine neue Runde im globalen Handelskrieg – mit bitteren Folgen für Frankreich. Wein, Käse und Parfüm im Visier Besonders hart trifft der Schlag die französische Weinbranche. Die USA sind nicht nur ein wichtiger Partner, sondern der größte Exportmarkt für französische Weine – mit einem Volumen von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2024. Jetzt rechnen Winzer und Konzerne wie LVMH, Pernod Ricard oder Rémy Cointreau mit einem Absatzrückgang von mindestens 20 Prozent. Ein wirtschaftlicher Kater, den man nicht so leicht wegtrinkt. Und damit nicht genug. Auch Frankreichs Fromagerie-Industrie zieht die Stirn kraus. Bereits frühere Handelskonflikte hatten Exporteinbußen von rund 14 Millionen Euro verursacht – di…

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