Kategorie: Kommentar

Kommentare unserer Redaktion zu aktuellen Gegebenheiten und wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.

  • Kommentar: Frankreich, wie gehst du mit deinen Schülern um?

    Kommentar: Frankreich, wie gehst du mit deinen Schülern um?

    Es gibt Momente, in denen ein Land sich in den Spiegel blicken muss – und was Frankreich jetzt sieht, ist erschütternd. Eine 31-jährige Frau, engagiert, hingebungsvoll, wurde in einem Schulflur von einem Kind erstochen. Nicht in einem Kriegsgebiet. Nicht auf offener Straße bei Nacht. Sondern am helllichten Tag, in einem Raum, der eigentlich Schutz und Bildung versprechen sollte: einer Schule.

    Und was tut die Republik? Sie zählt Messerarten. Sie spricht von Detektoren an Eingangstüren. Und sie vergießt Tränen, die – so scheint es – längst zur Routine geworden sind. Frankreich, wie gehst du mit deinen Schülern um? Wie konnte ein 14-jähriger Junge zum Messer greifen, als sei das ein reflexartiger Akt der Wut? Was haben wir versäumt, dass Kinder glauben, ein Küchenmesser sei ein legitimes Werkzeug zur Lösung eines Konflikts?

    Man kann und darf über Verbote sprechen. Man kann über Sicherheit diskutieren. Aber was wirklich ohrenbetäubend laut durch diesen Mord schreit, ist: Ihr habt eure Kinder verloren. Nicht im juristischen Sinne – sondern im menschlichen. Was bleibt von einer Nation, wenn ihre Kinder zu Tätern werden und ihre Schulen zu Schauplätzen von Gewalt?

    Die politische Klasse wirkt hilflos. Der neue Premierminister Bayrou wirkt bemüht, er will entschlossen wirken – aber seine Vorschläge sind reflexhaft, beinahe mechanisch. Detektorschleusen an den Toren, als würde man Flughäfen aus Schulen machen. Aber was ist mit den Klassenzimmern? Den Lehrerzimmern? Den Herzen? Frankreich hat ein gesellschaftliches Trauma – und niemand will es klar benennen.

    Die Rechte, allen voran Marine Le Pen, nutzt die Gelegenheit, um den „Zivilisationsbruch“ zu beklagen. Ja, es ist ein Bruch – aber nicht, weil unsere Kinder „barbarisch“ sind. Sondern weil wir Erwachsenen sie allein gelassen haben. Mit ihren Ängsten, ihrer Wut, ihrer Einsamkeit. Wir haben Schulen überladen, Lehrkräfte ausgelaugt, Familien unter Druck gesetzt. Und jetzt wundern wir uns?

    Wir haben Jugendlichen ein System hinterlassen, das mit Prüfungen, Noten und Leistungsdruck operiert, aber kaum noch Raum lässt für Nähe, Empathie, Halt. Was ist ein Leben in einem Land wert, in dem ein Kind glaubt, das Leben eines anderen sei nicht mehr als ein Hindernis? Das ist nicht nur ein pädagogisches Problem. Das ist ein moralisches.

    Nein, ein Messerverbot für Minderjährige wird dieses Land nicht retten. Auch nicht ein paar mehr Kameras oder ein Wachmann am Schultor. Frankreich muss aufhören, Symptome zu behandeln, während es die Wurzel des Schmerzes ignoriert. Und es muss sich endlich die unbequeme Frage stellen: Wie viel ist uns das Leben unserer Kinder wert?

    Denn wer glaubt, es handele sich hier um einen Einzelfall, der irrt. Nogent ist kein Einzelfall. Nogent ist das Echo dessen, was wir seit Jahren nicht hören wollen: dass eine Generation heranwächst, die sich an der Welt wundreibt – und die, wenn wir nichts tun, daran zerbricht. Und mit ihr die Hoffnung, dass Schule ein sicherer Ort bleiben kann.

    Frankreich, wie gehst du mit deinen Schülern um? Die Antwort entscheidet über deine Zukunft.

    Ein Kommentar von Andreas Brucker

  • Kommentar: Populismus stürzt uns ins Chaos – ein persönlicher Aufschrei

    Kommentar: Populismus stürzt uns ins Chaos – ein persönlicher Aufschrei

    Manchmal gibt es politische Momente, die sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlen. Der 9. Juni 2025 in Mormant-sur-Vernisson war genau so ein Tag. Als Viktor Orbán, Matteo Salvini und Santiago Abascal Schulter an Schulter mit Marine Le Pen und Jordan Bardella vor jubelnden Massen standen, war das kein gewöhnliches politisches Treffen. Es war ein Fanal. Ein düsteres Zeichen dafür, dass der Populismus sich nicht mehr versteckt. Er marschiert – selbstbewusst, organisiert und laut. Und wir schauen zu.

    Ich schreibe das nicht als neutraler Beobachter, nicht als Analyst. Ich schreibe das als Bürger Europas, als Sohn von Eltern, die wussten, was es bedeutet, gegen Diktatur und Ausgrenzung aufzustehen. Ich schreibe das als jemand, der Angst hat. Angst davor, was passiert, wenn aus Worten wieder Taten werden.

    Denn was in Mormant-sur-Vernisson geschah, war kein harmloses Volksfest. Es war die Inszenierung einer Weltanschauung, die Andersdenkende und Anderslebende als Bedrohung betrachtet. Eine Bühne für Männer (und eine Frau), die den Zerfall der EU, die Abschottung Europas und die Verklärung ethnischer Homogenität predigen – verpackt in die Sprache des „gesunden Menschenverstands“.

    Das ist der Kern des Populismus: Er klingt so einfach, so verführerisch. „Wir gegen die da oben“. „Das wahre Volk gegen die Eliten“. „Nationalstolz statt Multikulti“. Doch hinter diesen Phrasen steckt eine gefährliche Logik: Wer nicht dazugehört, wird ausgeschlossen. Wer widerspricht, wird zum Feind erklärt. Und wer warnt, gilt als Teil des Systems, das angeblich „zerstört werden muss“.

    Populismus ist keine Antwort auf die Krise – er ist die Krise. Er gießt Öl ins Feuer der Unsicherheit, hetzt Gruppen gegeneinander auf und erweckt den Anschein, komplexe Probleme ließen sich durch einfache Feindbilder lösen. Es ist kein Zufall, dass Orbán von „Bevölkerungsaustausch“ spricht – ein Begriff, der direkt aus den giftigen Theorien der extremen Rechten stammt. Es ist kein Zufall, dass Salvini von „Invasion“ spricht, wenn es um verzweifelte Menschen auf der Flucht geht.

    Und es ist kein Zufall, dass all das Applaus bekommt.

    Dieser Applaus erschüttert mich.

    Er zeigt: Die Brandmauer ist nicht gefallen – sie wurde nie gebaut.

    Es geht nicht mehr um konservativ oder progressiv, um links oder rechts. Es geht darum, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, die Vielfalt aushält – oder in einer, die sie bekämpft. Es geht um unsere Demokratie, unser Europa, unsere Verantwortung.

    Natürlich ist die EU nicht perfekt. Natürlich gibt es berechtigte Kritik an Bürokratie, Intransparenz und politischer Entfremdung. Aber der Populismus löst nichts – er zerstört nur. Wer glaubt, mit Le Pen, Orbán & Co. bekomme man die Kontrolle zurück, wird sich bald in einer Welt wiederfinden, in der Kontrolle nur noch eins bedeutet: Unterdrückung.

    Was mich so wütend macht: Wir wissen das alles. Wir kennen die Geschichte. Wir haben die Bilder gesehen – von Zügen, Lagern, Mauern. Und doch applaudieren Menschen in einem französischen Dorf einer Politik, die anscheinend alles vergessen hat.

    Wenn das der „Tag des Sieges“ ist, dann fürchte ich um unsere Zukunft.

    Und ich frage: Wann fangen wir endlich an, nicht nur zu reagieren, sondern zu kämpfen? Nicht mit Hass, sondern mit Haltung. Nicht mit Schweigen, sondern mit klarer, unmissverständlicher Sprache.

    Denn eines ist sicher: Wer in Zeiten wie diesen neutral bleibt, stellt sich auf die Seite der Zerstörer.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Nizza, Bühne der Ozeane – oder Zirkus des Greenwashings?

    Nizza, Bühne der Ozeane – oder Zirkus des Greenwashings?

    Nice – Nizza. Diese Stadt klingt nach Sommer, Croissants und Côte d’Azur. Doch in dieser Woche soll sie mehr sein: die Hauptstadt der Ozeane. Die dritte UN-Ozeankonferenz, UNOC-3, ist da. Eine Bühne für 20.000 Teilnehmende, Staatschefs, Wissenschaftlerinnen, NGO-Vertreter – und jede Menge Hoffnung. Hoffnung auf Schutz. Auf Rettung. Auf ein Signal. Doch was bleibt davon übrig, wenn die Kameras wieder aus sind?

    Der Ozean stirbt – und wir applaudieren dabei

    Es ist bizarr. Während Meeresökosysteme kollabieren, veranstaltet man in der Baie des Anges eine Drohnenshow und lädt zu DJ-Konzerten. Ja, es gibt Ausstellungen. Ja, es gibt Gespräche. Doch über all dem schwebt ein bitterer Beigeschmack: Ist das echte Veränderung oder nur ein aufwändig inszeniertes Schauspiel?

    Was bringt uns ein UN-Ziel auf dem Papier, wenn gleichzeitig immer noch illegal gefischt wird? Wenn Plastikmüll sich durch Meeresströmungen frisst wie ein Parasit durchs Herz des Planeten?

    Nizza will „Zéro Plastique“ bis 2025, 55 % weniger CO₂ bis 2030 – das klingt gut. Aber klingt es auch glaubwürdig? Wie viel davon ist tatsächlich im Alltag spürbar? Wo sind die Daten, die zeigen, dass sich die Situation verbessert? Und: Wer übernimmt Verantwortung, wenn Versprechen wie Seifenblasen platzen?

    Von Meeresschutz reden – und im selben Atemzug Bodenschleppnetze zulassen?

    Die Bodenschleppnetzfischerei ist eines der grausamsten Verbrechen an den Ozeanen. Ein Bulldozer über Korallen, der alles niederwalzt – Leben, Arten, ganze Ökosysteme. Wenn diese Praxis verboten wird: Bravo. Aber wenn sie bloß „stärker reguliert“ wird, heißt das doch nur, dass der Tod der Meere langsamer verläuft. Nicht, dass er aufhört.

    Und dann stehen da große Namen, Spitzenköche, politische Führungspersonen und sagen: „Wir müssen handeln!“ Aber wo ist dieses Handeln denn? Im Sektglas beim Gala-Dinner? Im Auftritt auf der Bühne vor Blitzlichtern?

    Lasst uns ehrlich sein.

    Diese Konferenzen sind ein zweischneidiges Schwert. Ja, sie bieten Raum für Dialog, für Austausch, für Diplomatie. Aber sie verführen auch zur Show, zum Greenwashing, zum „Wir tun ja was“, ohne dass sich etwas Grundlegendes ändert. Die „Accords de Nice“ – ein schönes Etikett. Doch werden diese Abkommen mehr sein als ein weiteres Papiertiger-Dokument? Wer kontrolliert, wer sanktioniert, wer setzt durch?

    Der Ozean ist kein Dekor – er ist unser Überleben

    Unsere Meere regulieren das Klima. Sie geben uns Sauerstoff, Nahrung, Kühlung. Und doch behandeln wir sie wie Müllschlucker. Wie weit muss es kommen, bis wir begreifen, dass wir ohne gesunde Ozeane keine Zukunft haben?

    Ich frage mich: Was werden wir unseren Kindern sagen? Dass wir tatenlos zugesehen haben, wie das größte lebendige System der Erde kollabierte? Oder dass wir endlich aufgestanden sind – gegen politische Untätigkeit, gegen industrielle Gier, gegen die Lüge vom ewigen „Weiter so“?

    Nizza ist ein Symbol. Ein Brennpunkt. Aber auch ein Prüfstein. Wird es gelingen, dort nicht nur zu reden, sondern auch zu liefern? Werden aus Versprechen Gesetze? Aus PR-Momenten echter Wandel?

    Der Planet wartet nicht

    Während wir diskutieren, schmelzen Gletscher, versauern Meere, sterben Fische. Die Zeit der Konferenzen als Wohlfühlzonen für Entscheidungsträger ist vorbei. Wer heute Verantwortung trägt – in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft –, muss liefern. Kein „Vielleicht“, kein „Irgendwann“, kein „Wir prüfen das“.

    Es ist unsere verdammte Pflicht.

    Denn der nächste Sturm, das nächste Fischsterben, der nächste verlorene Korallenriff-Abschnitt – sie alle werden nicht fragen, ob wir ein schönes Event in Nizza gefeiert haben.

    Von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Frankreichs große Meereslüge – Zwischen Hochglanzversprechen und zerstörerischer Realität

    Kommentar: Frankreichs große Meereslüge – Zwischen Hochglanzversprechen und zerstörerischer Realität

    Frankreich, das sich gern als Hüterin der Meere aufspielt, trägt ein schimmerndes Gewand aus Sonntagsreden, ambitionierten Zielen und internationalen Initiativen – doch dahinter brodelt ein Abgrund voller Widersprüche. Ja, Frankreich besitzt die zweitgrößte Wirtschaftszone im Meer weltweit. Und ja, es ist Mitgastgeber der UN-Ozeankonferenz in Nizza. Aber ist das genug, um sich selbstgefällig auf die Schulter zu klopfen?

    Denn die Wahrheit sieht anders aus. Beängstigend anders.

    Während Präsident Macron und seine Minister auf den Weltmeeren glänzen wollen, sieht es in französischen Gewässern düster aus. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache – und sie schreien geradezu nach Ehrlichkeit: 33 % der Meeresflächen gelten als „geschützt“, doch was bedeutet das konkret? Ganze 0,03 % unterliegen einer tatsächlichen, strikten Schutzregelung. Der Rest? Ein schlechter Scherz. In 98 % dieser sogenannten Schutzgebiete wird nach wie vor mit Grundschleppnetzen gefischt – einer der zerstörerischsten Methoden überhaupt. Wie bitte soll das „Schutz“ sein?

    Ein Paradoxon, das jeden Meeresschützer zur Verzweiflung treiben muss.

    Diese Diskrepanz ist kein Betriebsunfall, sie ist System. Denn Frankreich wählt lieber den bequemen Weg der symbolischen Politik, statt ernsthaft durchzugreifen. Warum? Die Antwort ist unbequem, aber glasklar: Die politische Führung traut sich nicht, den Konflikt mit der Fischereilobby wirklich auszutragen. Und so sitzt man zwischen den Stühlen – oder besser gesagt: lässt die Meere weiter sterben, um Wählerstimmen an der Küste nicht zu verlieren.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich dürfen wir die Sorgen der Fischer nicht ignorieren. Wer wie Laurent Mevel in Saint-Malo täglich auf See ist, hat ein Recht auf Gehör. Doch genau das wäre ja möglich – mit echten Hilfsprogrammen, nachhaltiger Umstellung, regionalen Partnerschaften. Stattdessen? Wird mit Placebos operiert. Und das Meer bezahlt den Preis.

    Doch es gibt sie, die kleinen Lichtblicke. Frankreich beteiligt sich am Moratorium gegen Tiefseebergbau, schützt Küstenökosysteme im Rahmen der „blauen Kohlenstoff“-Initiative. Auch lokale Initiativen, etwa zur Rettung der Korallenriffe in der Mittelmeerregion, zeigen: Es gibt Menschen, die es ernst meinen. Menschen, die nicht nur reden – sondern handeln.

    Aber reicht das?

    Frankreich spielt international die Umwelthüterin und duldet zugleich zerstörerische Praktiken vor der eigenen Haustür. Das ist nicht bloß inkonsequent – es ist zynisch. Was bringt ein feierlich unterzeichneter Vertrag auf UN-Ebene, wenn in der Bretagne weiterhin der Meeresboden aufgerissen wird wie ein Acker?

    Und genau hier müssen wir uns alle fragen: Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der Schutzgebiete nur auf dem Papier existieren? In der politische Rhetorik das Einzige ist, was blubbert, während das Leben unter Wasser verstummt?

    Frankreich muss endlich liefern – und zwar nicht in Pressemitteilungen, sondern in Taten. Es braucht einen radikalen Kurswechsel: Verbindliche Schutzmaßnahmen. Verbot der Grundschleppnetzfischerei. Finanzielle Hilfen für kleine Fischer, die umstellen wollen. Und eine echte Kontrolle der Schutzgebiete, damit sie diesen Namen auch verdienen.

    Denn die Meere brauchen nicht noch mehr Reden – sie brauchen eine Revolution des Handelns.

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Staatsversagen auf Kosten der Natur – Wie lange lassen wir uns das noch gefallen?

    Staatsversagen auf Kosten der Natur – Wie lange lassen wir uns das noch gefallen?

    Fünf Umweltverbände, fünf mutige Stimmen – und ein Staat, der es einfach nicht kapiert. Während Bienen sterben, Böden veröden und Vögel verstummen, schaut die Regierung seelenruhig zu. Wäre sie ein Gärtner, würde man ihr längst den Spaten wegnehmen. Aber hier geht es nicht um ein Beet – hier geht es um unser aller Lebensgrundlage!

    Was ist das eigentlich für ein absurder Zustand, in dem sich zivilgesellschaftliche Organisationen an Gerichte wenden müssen, um den Staat dazu zu zwingen, seinen verdammten Job zu machen? Biodiversität ist kein Hobbythema für Biologen mit Fernglas – sie ist das Rückgrat unseres Ökosystems. Und dieses Rückgrat knickt gerade ein. Unter der Last von Pestiziden, Gier, Lobbyismus und – am schlimmsten – Gleichgültigkeit.

    „Carence fautive“ nennen das die Juristen. Schuldhafte Untätigkeit. Klingt fast noch zu höflich für das, was da abläuft. Die Regierung lässt zu, dass Pestizide wieder zugelassen werden, deren Wirkung kaum vollständig geprüft ist. Man weiß um die Gefahr – und gibt trotzdem grünes Licht. Oder besser gesagt: ein tödliches Rot.

    Das ist kein Versäumnis. Das ist ein Verbrechen – wenn auch (noch) kein strafbares.

    Die fünf Organisationen, die jetzt klagen, sind die eigentlichen Helden dieser Republik. Sie kämpfen nicht für Ideale oder Statistiken, sondern für Leben – für das Brummen, Singen, Summen, für das Flattern der Falter, das Plätschern der Bäche und das Krabbeln unter unseren Füßen. Für all das, was still und bescheiden unser Überleben sichert.

    Und was macht der Staat? Der vergibt weiterhin Ausnahmeregelungen für längst verbotene Gifte, redet sich auf technische Hürden heraus oder verliert sich in halbherzigen Programmen wie „Écophyto“, die mehr PR sind als Politik.

    Wie viele Warnungen braucht es noch?

    Wie viele Studien, wie viele toten Bienen, wie viele Kinder, die in einer Welt aufwachsen, in der die Natur langsam zur Erinnerung wird?

    Die Wahrheit ist: Wenn die Politik beim Klimaschutz versagt, stirbt die Zukunft. Wenn sie beim Artenschutz versagt, stirbt die Gegenwart. Und sie stirbt still – leise, fast unbemerkt. Ein verschwundener Schmetterling, ein leeres Vogelnest, ein stummer Sommerabend.

    Diese Klage ist kein Angriff auf den Staat – sie ist seine letzte Chance. Die letzte Gelegenheit, sich nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung zu zeigen.

    Aber mal ehrlich: Trauen wir diesem Staat noch zu, das Ruder herumzureißen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Die Seine bekommt Rechte – und höchste Zeit wird’s!

    Kommentar: Die Seine bekommt Rechte – und höchste Zeit wird’s!

    Na endlich!

    Manchmal braucht es anscheinend ein bisschen Theater, damit wir begreifen, was längst überfällig ist. Die Seine – dieses lebendige Band, das sich durch das Herz von Paris schlängelt, das Dichter, Maler und Touristen seit Jahrhunderten inspiriert – soll nun juristische Rechte bekommen. Und ja: Das ist gut so. Nein, es ist nicht nur gut – es ist ein verdammter Meilenstein!

    Natürlich schäumen jetzt wieder die „Realisten“ über. Man höre sie seufzen: „Ein Fluss mit Rechten? Was kommt als Nächstes – ein Wald mit Anwalt?“ Ja. Genau. Warum eigentlich nicht?

    Denn ganz ehrlich: Wie blind und abgestumpft muss man sein, um nicht zu erkennen, dass unsere Umwelt endlich echten Schutz braucht – nicht bloß warmherzige Sonntagsreden und pseudo-grüne PR-Kampagnen?

    Seit Jahrzehnten behandeln wir Flüsse wie Müllhalden auf Durchreise. Wir vergiften sie, stauen sie, leiten sie um, klauen ihnen das Leben – und wundern uns, wenn sie sterben. Und jetzt, wo ein Fluss vielleicht mal zurückkläffen darf, fühlen sich einige Politiker und Industrievertreter auf den Schlips getreten? Herrje.

    Natürlich ist das ungewohnt. Natürlich muss man neu denken. Aber ganz ehrlich: Wer in Zeiten von Mikroplastikregen, Klimakollaps und Artensterben noch glaubt, man könne die Natur weiter als bloße „Ressource“ behandeln, hat nicht nur die Zeichen der Zeit verpennt – der sollte vielleicht mal eine Woche ohne Wasser, Luft und Bäume überleben müssen.

    Dass Paris jetzt vorangeht, ist ein starkes Zeichen. Es zeigt: Das Bewusstsein wächst. Vielleicht nicht so schnell, wie es müsste – aber es wächst. Und wenn ein Fluss durch Paris der Türöffner für eine neue Beziehung zur Natur sein kann – dann soll er diesen verdammten Türrahmen eintreten!

    Der Schutz unserer Umwelt war nie ein Wohlfühlprojekt. Er ist unbequem, streitbar, manchmal sogar lästig. Aber vor allem ist er notwendig. Wer heute gegen Rechte für die Seine wettert, wettert eigentlich gegen die Zukunft unserer Kinder.

    Also ja, gebt der Seine Rechte. Gebt dem Fluss eine Stimme. Und zeigt den ewigen Zweiflern, dass Fortschritt nicht heißt, Natur zu dominieren – sondern endlich zu begreifen, dass wir ohne sie keine Zukunft haben.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Frankreich schiebt Gefangene aufs demokratische Abstellgleis – und nennt das Fortschritt?

    Kommentar: Frankreich schiebt Gefangene aufs demokratische Abstellgleis – und nennt das Fortschritt?

    Ach Frankreich, du Land der Revolution, der Menschenrechte und der liberté. Was ist nur los mit dir? Während du dir auf die Trikolore schreibst, für Gleichheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, stampfst du ganz nonchalant das Wahlrecht tausender Gefangener ein – und das mit stolz geschwellter Brust.

    Jetzt mal ehrlich: Was ist das für ein Demokratieverständnis?

    Da wurde 2019 – mit viel Mühe und politischem Feingefühl – endlich ermöglicht, dass auch Menschen hinter Gittern ihre Stimme per Briefwahl abgeben dürfen. Ein kleiner, aber feiner Fortschritt für eine Gruppe, die in unserer Gesellschaft ohnehin schon kaum gesehen wird. Und jetzt? Zack, soll dieser Fortschritt wieder kassiert werden – weil’s angeblich logistisch zu kompliziert ist. Oder weil in ein paar Kommunen die Gefängnisstimmen plötzlich das Wahlergebnis verändern könnten.

    Ja hallo – nennt man das nicht Wählen?

    Wenn das Ergebnis durch neue Stimmen anders ausfällt, dann liegt das nicht an einem Fehler im System, sondern daran, dass mehr Menschen mitbestimmen. Das ist Demokratie in Reinform, Leute! Aber nein, lieber versucht man mit bürokratischem Hokuspokus das Ganze wieder zurückzudrehen. Begründung? Zu viel Aufwand, zu viele Stimmen, zu wenig Kontrolle.

    Mal ganz zynisch gefragt: Wären diese Stimmen mehrheitlich konservativ oder bürgerlich, würde dann auch so ein Theater gemacht?

    Denn genau darum geht’s hier doch im Kern: Kontrolle. Man fürchtet sich vor dem politischen Willen einer marginalisierten Gruppe, die – oh Wunder – nicht so wählt, wie es dem Establishment passt. Dabei hat niemand das Recht, irgendwem das Wählen zu erschweren, nur weil einem das Ergebnis nicht schmeckt. So funktioniert Demokratie nicht. Und wenn doch, dann sollten wir das Kind beim Namen nennen: Demokratie auf Abruf – und nur für bestimmte Bürger.

    Die Alternativen, die jetzt angeboten werden – Vollmachten, Ausgangserlaubnisse – sind reine Augenwischerei. Wer schon mal mit Justizbehörden zu tun hatte, weiß: Das dauert Wochen, geht durch zig Hände und endet meist im Papierkorb. Die meisten Gefangenen werden so de facto vom Wählen ausgeschlossen – und genau das ist auch das Ziel.

    Es ist eine Schande. Und ein Symbol für eine Gesellschaft, die sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren schwächsten Mitgliedern entledigen will. Nach dem Motto: „Sollen die doch erstmal wieder brav sein, bevor sie wieder mitreden dürfen.“

    Wer so denkt, hat das Prinzip von Bürgerrechten nicht verstanden. Die gelten immer. Auch – und gerade – dann, wenn es unbequem ist. Wer Menschen inhaftiert, darf ihnen nicht auch noch die Stimme nehmen. Sonst sind wir nicht besser als jene Systeme, von denen wir uns ach so gerne abgrenzen.

    Frankreich hat hier gerade die Chance, zu zeigen, wie ernst es die Demokratie nimmt. Schützt es sie nicht, dann verkommt das ganze Gerede von Gleichheit und Freiheit endgültig zur hohlen Phrase.

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Wann lernen wir endlich, dass Rechtspopulismus tödlich ist?

    Kommentar: Wann lernen wir endlich, dass Rechtspopulismus tödlich ist?

    Es passiert immer wieder – und trotzdem tun wir jedes Mal überrascht. Entsetzt. Fassungslos. Diesmal heißt das Opfer Hichem Miraoui, Friseur, Vater, Mensch. Er wurde in Puget-sur-Argens ermordet – kaltblütig, mit Ansage, mitten in einem Land, das sich gern „zivilisiert“ nennt.

    Der Täter? Christophe B., 53, Franzose, Sportschütze, Nachbar, Alltagsrassist mit Terrorpotenzial. Einer, den man oft findet: in Facebook-Kommentaren, am Stammtisch, in gewissen Telegram-Gruppen. Einer, der laut denkt, was viele still nicken – und dem irgendwann der Finger am Abzug nicht mehr zittert.

    Und jetzt? Jetzt fangen wieder alle an zu stottern. Politiker werfen sich mit Worthülsen um sich: „Einzelfall“, „Schock“, „unfassbar“. Nein, Freunde. Das war kein Einzelfall – das war ein Ergebnis. Die Folge eines Klimas, das sich seit Jahren verdüstert. Ein Klima, in dem rechte Hetze als Meinung gilt, in dem „Remigration“ im Wahlprogramm steht und rassistische Sprüche zur Folklore verkommen.

    Rechtspopulismus ist nicht nur eine Meinungsrichtung. Er ist ein Brandbeschleuniger. Wer gegen Migranten hetzt, gegen Muslime polemisiert, gegen Diversität schäumt, legt das Fundament für genau solche Taten. Er schafft den Nährboden – und irgendwer greift irgendwann zur Waffe.

    Doch statt dieser Wahrheit ins Gesicht zu blicken, flüchten wir uns in Euphemismen. Da wird nicht von Terror gesprochen, sondern von „Tatverdächtigen“. Als wären Worte gefährlicher als Kugeln.

    Wollen wir wirklich so weiterleben?

    Wollen wir weiter diskutieren, ob jemand „das ja vielleicht gar nicht so gemeint“ hat, während Menschen erschossen werden? Wollen wir wirklich darauf warten, dass der nächste Hichem stirbt, bevor wir ernsthaft etwas unternehmen?

    Die sogenannte Mitte der Gesellschaft muss sich entscheiden. Will sie weiter schweigen, wenn rechte Parolen durch Talkshows wabern? Will sie weiter in ihrer Komfortzone hocken und hoffen, dass der Hass sich irgendwann selbst erledigt?

    Oder sagt sie endlich: Schluss damit.

    Denn wer Rassismus duldet, macht sich mitschuldig. Wer Rechtspopulismus mit demokratischer Vielfalt verwechselt, hat nichts verstanden. Und wer jetzt noch glaubt, dass diese Ideologie harmlos sei – der soll sich bitte den Tatort in Puget-sur-Argens anschauen.

    Die Kugeln von Christophe B. wurden nicht nur durch Waffen abgefeuert. Sie wurden geladen durch Worte. Worte, die zu oft ungestraft bleiben.

    Wann lernen wir endlich, dass das tödlich ist?

    Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

  • Kommentar: Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – wie viele Beweise braucht ihr noch?

    Kommentar: Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – wie viele Beweise braucht ihr noch?

    Da brennt ein halber Kontinent – und manche zucken immer noch mit den Schultern. Kanada erlebt gerade eine beispiellose Feuerwalze, und es sind nicht nur ein paar Bäume, die da lodern. Es sind ganze Landstriche, die im Flammenmeer verschwinden. Der Rauch? Der kennt keine Grenzen. Der zieht inzwischen bis nach Washington D.C., verdunkelt die Sonne über New York, bringt den Flugverkehr durcheinander und legt Städte lahm, in denen man eigentlich glaubt, weit weg vom Geschehen zu sein.

    Und trotzdem gibt es immer noch Menschen, die sich fragen, ob das mit dem Klimawandel vielleicht nur Panikmache sei. Wirklich jetzt?

    Die Wissenschaft hat längst klipp und klar gesagt: Diese Feuer sind keine Zufälle. Es ist nicht nur „ein heißer und trockener Frühling“, nicht „so wie früher, nur ein bisschen mehr“. Es ist das neue Normal. Temperaturen, die durch die Decke gehen, Böden, die knochentrocken sind, Wälder, die bei der kleinsten Funkenbildung in die Luft gehen. Es ist ein Teufelskreis, der sich selbst antreibt – und wir alle sitzen mittendrin.

    Der Rauch, der jetzt über dem Weißen Haus hängt, ist kein Nebel der Ahnungslosigkeit. Er ist ein Rauchzeichen. Ein letzter Gruß aus der Natur: „Schaut endlich hin! Handelt!“

    Aber was passiert? Kaum mehr als Lippenbekenntnisse, schwammige Versprechen, politische Spielchen. Oder einfach nur Leugnen. Währenddessen brennt es weiter, stirbt Natur, verlieren Menschen ihre Heimat – und wir reden über Bagatellen, als ginge uns das alles nichts an.

    Ist es wirklich so schwer zu begreifen? Müssen erst noch die Alpen rauchen oder der Rhein verdampfen, bevor wir handeln?

    Die Zeit der Diskussionen ist vorbei. Wir stecken schon mittendrin. Und wer jetzt noch immer behauptet, das sei alles übertrieben, der hat entweder Tomaten auf den Augen oder ruht sich auf seiner Ignoranz aus wie auf einem Liegestuhl am Abgrund.

    Klimawandel ist nicht mehr das, was vielleicht irgendwann kommt. Er ist da – laut, brutal und real.

    Wenn der Rauch bis nach Washington zieht – was muss noch passieren, damit ihr aufwacht?

    Von C. Hatty

  • Kommentar: Antisemitismus war noch nie eine Lösung – Antisemitismus ist nur grausam und dumm!

    Kommentar: Antisemitismus war noch nie eine Lösung – Antisemitismus ist nur grausam und dumm!

    Man muss es in aller Klarheit sagen: Wer nachts jüdische Einrichtungen mit grüner Farbe beschmiert, hat keinen „Protest“ formuliert, sondern seine eigene moralische Bankrotterklärung abgegeben. Antisemitismus war nie ein Weg zur Wahrheit – er war immer nur ein Weg in den Abgrund.

    Was da kürzlich in Paris passiert ist, ist kein „Akt des Widerstands“. Es ist feige. Es ist menschenverachtend. Und ja – es ist unfassbar dumm.

    Denn wer glaubt, mit Farbdosen an den Mauern des Holocaust-Mahnmals oder an Synagogen „ein Zeichen zu setzen“, der hat Geschichte nicht nur nicht verstanden – er tritt sie mit Füßen. Solche Menschen wissen nichts vom Leid, das diese Orte verkörpern. Sie kennen keine Scham, nur ihren selbstgerechten Wahn. Und sie überschätzen sich gewaltig, wenn sie denken, sie könnten die Erinnerung an 75.000 aus Paris deportierte und insgesamt etwa 6 Millionen getötete jüdische Menschen mit ein paar Farbspritzern auslöschen.

    Was ist das für ein armseliger Mut, um 4:30 Uhr morgens mit Kapuze über dem Kopf gegen wehrlose Gebäude zu „kämpfen“? Heldentum sieht anders aus. Diese Täter sind keine Rebellen – sie sind Symbole einer intellektuellen Bankrotterklärung. Wer andere aufgrund ihrer Religion angreift, hat keine politische Haltung, sondern ein empathisches Vakuum im Kopf.

    Es gibt keinen klugen Antisemitismus. Es gibt nur dummen, gefährlichen, zerstörerischen Antisemitismus. Und es wird Zeit, dass wir aufhören, solchen Angriffen mit Betroffenheitsfloskeln und Appellen zu begegnen. Die Gesellschaft braucht keine neuen Hashtags – sie braucht Haltung, Konsequenz und klare Kante.

    Warum? Weil jedes Graffiti auf einer Synagoge ein stiller Applaus für die bösen Geister der Vergangenheit ist – für die, die einst Bücher verbrannten, Menschen deportierten, Familien auslöschten. Wer da schweigt oder relativiert, macht sich mitschuldig.

    Die Geschichte hat uns gelehrt, wohin Antisemitismus führt. Wer diese Lektion noch nicht begriffen hat, sollte besser nochmal ganz von vorne anfangen – und diesmal zuhören.

    Ein Kommentar von M.A.B.