Kategorie: Gesellschaft

  • Hautes-Pyrénées: Papst wirft Priester wegen Missbrauchs und Veruntreuung aus der Kirche

    Hautes-Pyrénées: Papst wirft Priester wegen Missbrauchs und Veruntreuung aus der Kirche

    In einer Erklärung vom 15. Dezember 2022 teilt die Diözese Tarbes-Lourdes mit, dass „seine Heiligkeit Papst Franziskus den Abbé Jean-Claude Mercier aus dem Klerikerstand entlassen hat“. Der Abt von Tarasteix in den Hautes-Pyrénées steht unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs und der Veruntreuung von Geldern.

    Im März 2021 bereits war Abbé Jean-Claude Mercier nach einer kirchenrechtlichen Untersuchung verboten worden, die Sakramente zu spenden. Nunmehr schließt Papst Franziskus ihn endgültig aus der Kirche aus. Abbé Mercier, der seit 1977 in der Abtei Tarasteix im Departement Hautes-Pyrénées lebt, wird des sexuellen Missbrauchs und der Veruntreuung von Geldern verdächtigt.

    Abbé Mercier von Papst Franziskus aus der Kirche geworfen

    Am 9. Dezember 2022 unterzeichnete der Pontifex ein Dekret, mit dem Abbé Jean-Claude Mercier aus dem klerikalen Stand entlassen wurde.

    Die Unabhängige Kommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche (CIASE), die in Frankreich den Sauvé-Bericht erstellt hat, hatte den Staatsanwalt eingeschaltet, nachdem ein Einwohner ausgesagt hatte, dass er ein Opfer von Abbé Jean-Claude Mercier gewesen sei. Im Jahr 2021 entzog ihm das Bistum Tarbes-Lourdes die Berechtigung, Sakramente zu spenden. Angesichts der verschiedenen Untersuchungen schließt der Papst ihn nun endgültig aus der Kirche aus. In der Erklärung heißt es, dass „die bereits von den Bischöfen von Tarbes und Lourdes formulierten Hinweise bestätigt und verstärkt wurden“.

    Abbaye Notre Dame de l’Espérance

    Der seit 1977 in der Abtei Tarasteix ansässige Abt soll seit sehr langer Zeit keinen Auftrag der Kirche erhalten haben: „Herr Mercier hat seit mindestens 45 Jahren keinen Auftrag der katholischen Kirche (weder von seiner Heimatdiözese Djibouti noch von der Diözese Tarbes und Lourdes, in der er seit 1977 lebt) erhalten und kann die Kirche in keiner Weise vertreten. Er ist nicht mehr Mitglied. Die ehemalige Abtei von Tarasteix, in der er wohnt, ist ein privater Ort, für den allein sein Besitzer verantwortlich ist. Katholische Gläubige sollten den Ort nicht besuchen“.

    Jean-Claude Mercier ist also kein Kirchenmann mehr und die Abtei von Tarasteix ist kein Ort der christlichen Anbetung.

    Die Taten sind zwar verjährt, da sie bis in die 1970er Jahre zurückreichen, aber die Staatsanwaltschaft Tarbes hatte trotzdem eine Voruntersuchung wegen mutmaßlicher Vergewaltigung eingeleitet. Die Justiz und die Kirche haben den Priester auch wegen eines anderen Falls im Visier: Er wird der Veruntreuung und der Unterschlagung von Spenden, die für die Restaurierung der Abtei bestimmt waren, beschuldigt.

    Jean-Claude Mercier stammt aus der Bretagne und wurde 1970 in Dschibuti zum Priester geweiht. Er begann 1977 mit der Restaurierung des Klosters Tarasteix. Das Gebäude wurde auf den Namen „Notre Dame de l’Espérance“ getauft. Der Priester ist Vorsitzender des Restaurierungs-Vereins und soll Spenden von Gläubigen, die für die Restaurierung der Abtei bestimmt waren, zu seinen Gunsten veruntreut haben.

    Die 15 Minuten von Tarbes entfernte Abtei, die von einem Deutschen gegründet wurde, ist für Besucher geöffnet. Sie wird heute von der katholischen Kirche nicht mehr anerkannt.

  • Häusliche Gewalt: in 2021 wurden 208.000 Opfer in Frankreich gezählt – 21% mehr

    Häusliche Gewalt: in 2021 wurden 208.000 Opfer in Frankreich gezählt – 21% mehr

    208.000 Opfer häuslicher Gewalt wurden im Jahr 2021 von den Strafverfolgungsbehörden registriert. Eine Zahl, die im Vergleich zu 2020 um 21% höher liegt.

    Die französischen Behörden registrierten 208.000 Opfer von Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner in Frankreich im Jahr 2021, was einem Anstieg von 21% im Vergleich zu 2020 entspricht, so ein Bericht des Innenministeriums, der am Donnerstag, dem 15. Dezember veröffentlicht wurde. Zwei Drittel dieser Gewalttaten waren physische Gewalt, etwas weniger als ein Drittel psychische oder verbale Gewalt, stellt der Bericht fest. Sexuelle Gewalt in der Ehe wurde nur sehr selten angezeigt.

    „Die Zahl der Anzeigen hat sich seit 2016 praktisch verdoppelt, vor dem Hintergrund einer Verbesserung der Bedingungen für die Aufnahme der Opferanzeigen durch die Polizei- und Gendarmeriedienste“, heißt es in dem Bericht. Wie in den Vorjahren war auch im Jahr 2021 die große Mehrheit der Opfer weiblich (87%).

    Die erfassten Straftaten konnten aufgrund einer Anzeige, einer Meldung durch Zeugen und auf Initiative der Ordnungskräfte festgestellt werden.

  • Hérault: Einwohnerin vermacht ihr Vermögen an alle Bewohner ihrer Gemeinde

    Hérault: Einwohnerin vermacht ihr Vermögen an alle Bewohner ihrer Gemeinde

    In einem Dorf im Departement Hérault erhielten die Einwohner jetzt ein Weihnachtsgeschenk: Einen Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro. Eine Frau, die ein Jahr zuvor verstorben war, vermachte den Bewohnern ihrer Gemeinde 40.000 Euro.

    In dem Dorf Les Plans (Hérault) verstarb vor einem Jahr die Einwohnerin Henriette Fieu, genannt „Nini“. Sie hat der Gemeinde 40.000 Euro vermacht. „Sie wurde am 1. Januar geboren, diese Dame. Und am Morgen eines jeden 1. Januar haben wir den Tag bei Frau Fieu begonnen oder den Abend bei Frau Fieu beendet“, erinnert sich Daniel Fabre, Bürgermeister von Les Plans (Hérault) an die Geburtstagsfeiern bei „Nini“.

    Der Gemeinderat beschloss jetzt, Ninis Erbe unter den 193 Einwohnern der Gemeinde aufzuteilen, und zwar in Form von Einkaufsgutscheinen im Wert von jeweils 100 Euro. „Wir haben diesen Einkaufsgutschein mit einer kleinen Notiz des Bürgermeisters bekommen“, berichtet Christian Jourdan, Nachbar von „Nini“, auf dem Sender France 3. Henriette Fieu hinterließ ihrem Dorf all ihre Ersparnisse, ohne jemandem davon zu erzählen, ein letztes Geschenk, das mit der gleichen Bescheidenheit übergeben wurde, die ihr ganzes Leben prägte.

  • „Pandora Papers“: Gegen Dominique Strauss-Kahn wird wegen Geldwäsche und schwerer Steuerhinterziehung ermittelt

    „Pandora Papers“: Gegen Dominique Strauss-Kahn wird wegen Geldwäsche und schwerer Steuerhinterziehung ermittelt

    Der ehemalige IWF-Chef wurde Ende des Sommers von Sonderermittlern der Finanzbehörden vorgeladen und in Polizeigewahrsam genommen, um seinen Steuerwohnsitz in Marokko zu erklären.

    Der ehemalige Chef des internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, steht im Mittelpunkt eines Ermittlungsverfahrens, das von der Finanz-Staatsanwaltschaft wegen „Geldwäsche und schwerer Steuerhinterziehung“ eingeleitet wurde. Dies meldete Franceinfo am Mittwoch, dem 14. Dezember, unter Berufung auf Justizkreise und bestätigte damit eine Meldung von Le Monde. Die Ermittlungen folgen auf die Enthüllungen der sogenannten „Pandora Papers“, Millionen von Dokumenten, die auf Steuerbetrug in großem Stil hinweisen.

    Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde laut Franceinfo im Spätsommer unter strengster Geheimhaltung vernommen. Der 73-jährige Dominique Strauss-Kahn wurde von spezialisierten Ermittlern vorgeladen und in Polizeigewahrsam genommen. Er musste erklären, ob er tatsächlich seinen steuerlichen Wohnsitz in Marokko hat, wo er 2013 den Sitz seiner Beratungsfirma „Parnasse international“ eingerichtet hatte.

    Die Dokumente der Pandora Papers, die Radio France einsehen konnte, zeigen, dass Dominique Strauss-Kahn fünf Jahre lang von Steuersparmodellen profitierte und dadurch möglicherweise in Frankreich etwa 21 Millionen Euro Steuern nicht bezahlte.

    Strauss-Kahns Anwalt Jean Veil erklärte, dass der ehemalige sozialistische Minister und IWF-Chef sehr wohl in Marokko steuerlich ansässig sei, dass er weniger als sechs Monate im Jahr in Paris verbringe und dass sich sein Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Marokko befindet. Er hinterziehe also keine französischen Steuern und habe dies den Ermittlern auch beweisen können. Vor einem Jahr bereits hatte Dominique Strauss-Kahn sich auf Twitter erklärt, dass er seine Steuern in Marokko zahle. Für seinen Anwalt ist der Fall abgeschlossen.

  • Das waren die beliebtesten Google-Suchanfragen in Frankreich im Jahr 2022

    Das waren die beliebtesten Google-Suchanfragen in Frankreich im Jahr 2022

    Google hat wieder die Liste der beliebtesten Suchanfragen im Jahr 2022 bekannt gegeben. Auch in diesem Jahr wurden die Anfragen der Internetnutzer von nationalen und internationalen Nachrichten beeinflusst.

    Was suchten die Franzosen im Jahr 2022 am häufigsten auf Google? Der Digitalriese hat seine Hitliste für das Jahr 2022 in Frankreich bekannt gegeben. Das am häufigsten in die Suchmaschine eingegebene Wort in diesem Jahr war „Ukraine“, gefolgt von „Weltmeisterschaft 2022“.

    Google veröffentlichte mehrere Ergebnisse in verschiedenen Kategorien. Bei den Verstorbenen dieses Jahres steht der Schauspieler Gaspard Ulliel, der im Januar tragischerweise an den Folgen eines Skiunfalls starb, an erster Stelle, gefolgt von dem Journalisten Jean-Pierre Pernaut, der im März an Krebs starb. Königin Elisabeth II. steht an vierter Stelle.

    Bei den Politikern belegte Elisabeth Borne den ersten Platz, gefolgt von Marine Le Pen und Éric Zemmour. Bei den Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens führt Wladimir Putin, direkt vor Will Smith, der Chris Rock bei der Oscar-Verleihung im März eine Ohrfeige verpasst hatte.

    Florent Pagny führt die Kategorie Musiker/innen an, „Star Academy“ die Kategorie Shows und Serien und „Top Gun“ die Kategorie Filme.

    Die Fragen „Kontaktfall, was tun?“ und „Warum Krieg in der Ukraine?“ wurden „Wo bekomme ich Benzin her?“ steht ganz oben auf der Liste.

    Die von den Franzosen am häufigsten gesuchten Kochrezepte waren im Jahr 2022 „Clafoutis“ und „Taboulé“.

  • Genealogie: Ahnenforschung wurde zu einem der beliebtesten Hobbys der Franzosen

    Genealogie: Ahnenforschung wurde zu einem der beliebtesten Hobbys der Franzosen

    Die Genealogie findet in Frankreich immer mehr Anhänger: Mehr als 10 Millionen Franzosen haben mit der Suche nach ihren Vorfahren begonnen. Die Digitalisierung vieler Archivdokumente hat die Suche erleichtert.

    Bisher hat es so etwas noch nie gegeben. Rathäuser, Archive und mittlerweile auch Internetportale werden von neuen Fans belagert, die nach ihren Vorfahren suchen. Die Praxis ist sogar zu einer französischen Leidenschaft geworden, denn die Genealogie steht auf der Liste der Lieblingsbeschäftigungen der Franzosen an dritter Stelle, hinter den Hobbys Heimwerken und Gartenarbeit. Jean Legrand, Vizepräsident des französischen Genealogieverbands, wird von der Zeitung DDM zitiert: „Das ist ein Erfolg, der zweifellos das dringende Bedürfnis der Franzosen zeigt, sich mit ihren Wurzeln zu verbinden.“

    Die Zahlen belegen es: Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Ifop, die dieses Jahr für die spezialisierte Website Geneanet durchgeführt wurde, geben sieben von zehn Franzosen an, sich für ihre Herkunft zu interessieren, und landesweit haben bereits mehr als 10 Millionen Menschen begonnen, die Geschichte ihrer Familie zu erforschen.

    „Heute gibt es 40.000 Mitglieder in über 160 Vereinen“, erklärt Jean Legrand. „Einige Vereine arbeiten nur in bestimmten geografischen Gebieten. Andere führen umfangreiche Forschungen zu bestimmten Bevölkerungsgruppen durch, wie zum Beispiel zu bestimmten Berufen.“ Was das Profil der neuen Hobby-Genealogen betrifft: „Noch vor einigen Jahren waren 99% von ihnen Rentner. Wir haben jetzt jüngere Bevölkerungsgruppen – 40- oder 50-Jährige, die in das große Feld der Genealogie eintauchen.“

    Bedürfnis nach „familiären Bezugspunkten“
    Diese wachsende Begeisterung für die Genealogie wirft ein Licht auf unser heutiges Gesellschaftsmodell: „Vor 70 bis 80 Jahren gab es eine Zeit, in der die Familien im weitesten Sinne des Wortes – Brüder, Schwestern, Eltern, aber auch Onkel, Tanten und Cousins – relativ nahe beieinander lebten, zum Beispiel in einem Dorf“, kommentiert Jean Legrand. „Heute sind die Familien jedoch geografisch und in ihren Beziehungen zersplittert. Die Menschen leben in allen Ecken des Landes und sogar im Ausland. Dies begünstigt den Verlust familiärer Bezugspunkte und ich denke, dass unsere Gesellschaft heute darauf angewiesen ist, diese wiederzufinden.“

    Vor fast drei Jahren wirkte die Covid-19-Pandemie wie ein Beschleuniger. Viele Franzosen nutzten die Zeit, um in der Vergangenheit zu stöbern: „Während der Pandemie mussten sich die Franzosen beschäftigen. Viele dachten, dass dies die Gelegenheit sei, ihren Stammbaum zu erforschen“. Aber wie kann man eine solch komplexe Forschung durchführen, wenn man zu Hause sitzt? Indem man sich auf die Digitalisierung öffentlicher Dokumente stützt. Im Jahr 2003 begann Frankreich mit dem großen Projekt der Digitalisierung von Verwaltungsquellen, allen voran die Zivilstandsregister. Das Ergebnis: Mehr als 95% aller Dokumente, die früher in staubigen Archiven aufbewahrt wurden, sind heute online verfügbar.

    Mit nur wenigen Klicks kann man Vorfahren finden, die im 18. Jahrhundert gelebt haben. Aber: Nur etwa 2% der von Frankreich aufbewahrten Archive sind bis heute digitalisiert. Es gibt noch Millionen und Abermillionen von Dokumenten, die darauf warten, digitalisiert zu werden. Das lässt auf immer spannendere Entdeckungen in den kommenden Jahren hoffen.

  • Eltern finden ihre Tochter über 50 Jahre nach ihrer Entführung wieder

    Eltern finden ihre Tochter über 50 Jahre nach ihrer Entführung wieder

    Melissa hat ihre Eltern wiedergefunden, 51 Jahre nachdem sie im Alter von 22 Monaten von ihrem Babysitter in Texas entführt worden war.

    Es ist ein Weihnachtswunder für eine Familie in Fort Worth, Texas, USA. Ein Ehepaar hat seine Tochter 51 Jahre nach ihrer Entführung wiedergefunden, berichtet der US-Fernsehsender CBS.

    Melissa Highsmith blieb verschwunden, nachdem sie 1971 von ihrem Babysitter aus dem Haus ihrer Eltern entführt worden war. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war sie erst 22 Monate alt.

    Über 50 Jahre lang hatten ihre Familie und die Polizei die Suche nicht aufgegeben. Schließlich wurde sie dank eines DNA-Tests gefunden. Melissa lebte unter dem Namen Melanie Walden in Fort Worth. Ihr Vater Jeffrie trat daraufhin über Facebook mit ihr in Kontakt.

    „Ich konnte es nicht glauben“
    Melissa, die inzwischen 53 Jahre alt ist, dachte zunächst, dass es sich um einen Betrug handele. Dann befragte sie die Person, die sie aufgezogen hatte und die sie für ihre Mutter hielt: „Sie hat mir bestätigt, dass ich die kleine Melissa bin“, berichtete sie. Ein DNA-Test bestätigte dann die Verwandtschaftsverhältnisse.

    Am Samstag, dem 26. November, trafen sich Melissas Eltern zum ersten Mal mit ihr. Die Familie will nun die verlorene Zeit nachholen und sich besser kennenlernen. „Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte, ich würde sie nie wieder sehen“, erzählte ihre Mutter auf dem Sender CBS.

  • Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige: Zivilgericht verurteilte einen Mann 30 Jahre nach der Tat

    Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige: Zivilgericht verurteilte einen Mann 30 Jahre nach der Tat

    Jeremy Garamond, der in seiner Kindheit Opfer sexueller Übergriffe geworden war, wandte sich an die Zivilgerichtsbarkeit, um eine Entschädigung für strafrechtlich verjährte Taten zu erhalten.

    Eine Verurteilung für Taten, die bis in die frühen 1990er Jahre zurückreichen. Ein Mann wurde am 17. November, von der vierten Kammer des Pariser Zivilgerichts wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige verurteilt, dreißig Jahre nach den Taten. Die Verurteilung durch die Ziviljustiz, über die der Sender BFMTV berichtete, erfolgte obwohl die Taten in den Augen der Strafjustiz verjährt waren. Die Nebenkläger bezeichneten die Entscheidung als „beispiellos“.

    Der heute 46-jährige Jeremy Garamond war zwischen seinem 12. und 15. Lebensjahr wiederholt Opfer sexueller Übergriffe geworden. Der Missbrauch wurde José Bruneau de la Salle angelastet, einem engen Vertrauten der Familie und einer bekannten Figur aus der Welt des französischen Pferdesports. Jérémy Garamond beschuldigt ihn eines Dutzends sexueller Übergriffe in einem Auto sowie eines nächtlichen sexuellen Übergriffs im Jahr 1990. Gegen den Pferdezüchter liegt noch eine weitere Klage wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige vor.

    Unterschiedliche Verjährungsfristen im Straf- und Zivilrecht
    Das Opfer hatte seinem Vater damals davon erzählt, die Vorfälle dann aber jahrelang verdrängt. Das Opfer beschliesst 2018, sich an die Justiz zu wenden, fast dreißig Jahre nach den Ereignissen.

    Ein zu großer Zeitraum für das französische Strafrecht, da die Taten strafrechtlich verjährt sind, was bedeutet, dass dort keine gerichtlichen Schritte mehr möglich sind. Angesichts dieser Verjährung gingen Jeremy Garamond und sein Anwalt in ein Zivilverfahren und bekamen Recht, wodurch der Angeklagte schlussendlich doch zur Verantwortung gezogen werden konnte.

    „Es ist das erste Mal, dass eine solche Entscheidung in einem Zivilverfahren getroffen wurde“. (Olivier Pardo, Anwalt des Opfers gegenüber Franceinfo)

    Der Rechtsverstoss im Zivilrecht wird ab dem sogenannten „Konsolidierungsdatum“ des Zustands des Opfers festgestellt, d. h. ab dem Zeitpunkt, an dem die persönlichen Folgen festgestellt sind und einen dauerhaften Charakter annehmen. In Frankreich tritt die Verjährung im Strafrecht zwanzig Jahre nach der Tat ein, wenn die Gewalt an einem Minderjährigen begangen wurde. In der Ziviljustiz tritt die Verjährung für denselben Sachverhalt zwanzig Jahre nach dem Zeitpunkt der „Konsolidierung“ ein und nicht zwanzig Jahre nach den Ereignissen. Von diesem Zeitpunkt an ist es möglich, den Grad der Folgen oder der Behinderung zu schätzen, der durch die in der Kindheit erlittenen sexuellen Übergriffe verursacht wurde.

    Im vorliegenden Fall wurde die Schädigung bei Jeremy Garamond erst 2018 „konsolidiert“, dem Jahr, in dem er sich zum ersten Mal an die Justiz wandte. „Man kann einen Schaden nicht quantifizieren, solange er sich noch im Aufbau befindet“, wird Audrey Darsonville, Professorin für Strafrecht an der Universität Paris Nanterre, von Franceinfo zitiert.

    Fast 103.000 Euro Entschädigung gefordert.
    Um das Datum zu bestimmen, wurde ein Gutachten erstellt, das vom Opfer bezahlt werden musste. Der psychiatrische Sachverständige urteilte, dass sich der Schaden erst 2018 endgültig verfestigte und zeigte, dem Jahr, in dem sich das Opfer an die Justiz wandte. Die Taten sind daher zivilrechtlich nicht verjährt. Eine weitere Besonderheit dieses Prozesses war, dass die Fakten, die in der Gerichtsverhandlung verhandelt wurden, auf keiner vorherigen polizeilichen Untersuchung beruhten. „Es handelt sich um eine von uns selbst durchgeführte Untersuchung“, räumt der Anwalt ein.

    Eine Anhörung zur Festlegung der Höhe des Schadensersatzes, der dem Opfer zu zahlen ist, soll in knapp zwei Monaten stattfinden, erklärt sein Anwalt gegenüber Franceinfo. Für die verschiedenen sexuellen Übergriffe, die er in seiner Kindheit erlitten hatte, forderte Jeremy Garamond eine Entschädigung von fast 103.000 Euro. Die bei der Gerichtsverhandlung festgelegte Summe werde an Vereine gespendet, versichert das Opfer. Da der Prozess in einem Zivilverfahren stattfand, zieht die Verurteilung keine Gefängnisstrafe nach sich. „Was mein Mandant wollte, war in erster Linie ein Gerichtsverfahren und die Anerkennung der Schuld des Schädigers“, erklärte Rechtsanwalt Olivier Pardo.

    Diese Entscheidung, die in der Berufung und anschließend in der Kassation noch aufgehoben werden kann, ist für die Rechtsexpertin Audrey Darsonville „besonders interessant“. „Es ist eine Anerkennung der Existenz eines Schadens durch die Justiz. „Wenn die Taten im Strafrecht verjährt sind, kann dies eine Lösung für Opfer sein, die trotzdem eine Verurteilung wollen“, betont sie. Die Juristin schränkt aber ein: „Das kann nur von Fall zu Fall so sein, man darf nicht hoffen, dass es für alle und in allen Gerichtsbarkeiten anwendbar ist“.

  • Roman Polanski wird 2024 wegen Verleumdung vor Gericht erscheinen müssen

    Roman Polanski wird 2024 wegen Verleumdung vor Gericht erscheinen müssen

    Der Filmemacher wurde verklagt, weil er die Wahrheit der von der Schauspielerin Charlotte Lewis gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsanschuldigungen in Frage gestellt hat.

    Der Filmemacher Roman Polanski wird am 5. März 2024 in Frankreich wegen Verleumdung vor Gericht stehen, wie das Pariser Strafgericht bekannt gab. Er wurde angeklagt, weil er die Aufrichtigkeit der von der Schauspielerin Charlotte Lewis gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe angezweifelt hatte. Die britische Schauspielerin hatte 1986 unter der Regie von Roman Polanski in dem Film Pirates gedreht. Im Jahr 2010 behauptete sie, dass sie Anfang der 1980er Jahre von dem Regisseur in seiner Pariser Wohnung „sexuell missbraucht“ worden sei, als sie erst 16 Jahre alt war.

    In einem Interview, das Paris Match im Dezember 2019 veröffentlichte, hatte Roman Polanski diese Aussage in Frage gestellt. „Sehen Sie, die wichtigste Eigenschaft eines guten Lügners ist ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Man erwähnt Charlotte Lewis immer in der Liste meiner Anklägerinnen, ohne jemals auf ihre Widersprüche hinzuweisen“, hatte der Regisseur gesagt. Er bezog sich auf Aussagen, die der Schauspielerin in einem Interview zugeschrieben wurden, das 1999 von der britischen Boulevardzeitung News of the World veröffentlicht wurde. Charlotte Lewis sagte darin: „Ich wusste, dass Roman in den USA etwas Falsches getan hatte, aber ich wollte seine Geliebte sein (…). Ich wollte ihn wahrscheinlich mehr als er mich wollte“. Die Schauspielerin hatte jedoch 2010 den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen nachträglich bestritten. „Viele der Zitate, die mir in dem Artikel von News of the World zugeschrieben werden, sind nicht korrekt“, hatte sie versichert.

    Nach dem Interview mit Roman Polanski in Paris Match reichten die Anwälte von Charlotte Lewis im März 2020 eine Verleumdungsklage ein, die dazu führte, dass der Filmemacher vor das Strafgericht verwiesen wurde. Im französischen Presserecht erfolgt die Verweisung an das Gericht in einem solchen Verfahren quasi automatisch. Die Substanz der Anschuldigungen wird erst in der Verhandlung geprüft.

  • Eine Uhr soll es Eltern ermöglichen, ihre Kinder zu geolokalisieren

    Eine Uhr soll es Eltern ermöglichen, ihre Kinder zu geolokalisieren

    Es gibt jetzt eine Uhr mit Geolokalisierung, die Eltern immer zeigen soll, wo sich ihre Kinder gerade befinden. Eine Innovation, die Kindern und jungen Teenagern mehr Autonomie bieten soll.

    „Du schreibst mir eine Nachricht, wenn du angekommen bist.“ Eine Bitte, die Eltern immer wieder äussern. Den Eltern des achtjährigen Samuel geht es nicht anders und Samuel muss immer wieder Nachrichten schicken. Dass er jetzt allein und in aller Ruhe in seinem Heimatdorf unterwegs sein kann, verdankt er einer etwas speziellen Uhr. Diese Uhr schickt den Standort ihres Trägers an eine App. „Sie aktualisiert sich auf die Minute genau“, erklärt die Mutter des kleinen Samuel gegenüber France Télévisions. „Sie ist genau genug, um zu sehen, wo er ist“.

    Für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren
    Eine erste Erfahrung mit Selbstständigkeit, die Samuel begeistert: „Früher habe ich gefragt, ob ich irgendwo rausgehen kann, und sie haben immer nein gesagt. Jetzt, wo ich die Uhr habe, sagen sie fast immer ja“, freut er sich. „Die App ist sehr reaktionsschnell und ich sehe sofort, dass er gut in der Schule angekommen ist“, freut sich seine Mutter. Die Uhr kostet etwa 100 Euro und ist für Kinder gedacht, die noch nicht alt genug für ihr erstes Mobiltelefon sind, d. h. zwischen 6 und 13 Jahren, so Matthieu Lim, der die Kiwipwatch-Uhren entworfen hat.