Kategorie: Südwest

  • Wenn der Wald zur Zündschnur wird: Die strukturelle Brandgefahr im Südwesten Frankreichs

    Wenn der Wald zur Zündschnur wird: Die strukturelle Brandgefahr im Südwesten Frankreichs

    Die Rauchschwaden über der Gironde sind längst mehr als ein sommerliches Extremereignis. Sie stehen für eine strukturelle Verwundbarkeit, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat und nun unter veränderten klimatischen Bedingungen offen zutage tritt. Die Evakuierung zehntausender Menschen rund um das Bassin d’Arcachon ist kein isolierter Ausnahmefall, sondern Ausdruck eines Systems, das an seine Grenzen stösst.

    Es wäre politisch bequem, einen einzelnen Schuldigen auszumachen – den Klimawandel, die Forstwirtschaft oder menschliche Fahrlässigkeit. Doch die Realität ist komplexer. Die Grossbrände im Südwesten Frankreichs entstehen aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Gerade diese Kombination macht sie so schwer beherrschbar.

    Ein künstlicher Wald mit historischen Wurzeln

    Der Wald der Landes de Gascogne gilt als eines der grössten zusammenhängenden Waldgebiete Europas. Sein Erscheinungsbild suggeriert Ursprünglichkeit, doch tatsächlich handelt es sich weitgehend um ein menschengemachtes System. Im 19. Jahrhundert wurde die Region gezielt aufgeforstet, um sandige Böden zu stabilisieren, Sümpfe trockenzulegen und wirtschaftlich nutzbares Holz zu produzieren.

    Die Wahl fiel auf die Strandkiefer – eine Baumart, die sich ideal an karge, trockene Standorte anpasst. Sie wuchs schnell, war wirtschaftlich verwertbar und liess sich effizient in grossen Beständen organisieren. So entstand eine Forstlandschaft, die über Jahrzehnte als Erfolgsgeschichte galt.

    Doch diese Effizienz hat ihren Preis. Die grossflächige Gleichförmigkeit der Bestände führt dazu, dass sich brennbares Material über weite Strecken nahezu ununterbrochen erstreckt. Unterschiedliche Altersstrukturen, natürliche Unterbrechungen oder feuchtere Zonen sind vergleichsweise selten. Was unter normalen Bedingungen wirtschaftliche Vorteile bringt, wird im Ernstfall zur Schwäche.

    Die Logik des Feuers: Kontinuität statt Zufall

    Waldbrände beginnen selten spektakulär. Ein Funke genügt – oft ausgelöst durch menschliche Unachtsamkeit. Entscheidend ist nicht die Zündung, sondern die Frage, ob sich das Feuer ausbreiten kann.

    Im Südwesten Frankreichs trifft ein solcher Funke auf eine Landschaft, die ihm ideale Bedingungen bietet. Am Waldboden sammeln sich Nadeln, Zweige und trockene Vegetation, die bei Hitze rasch zu hochentzündlichem Material werden. Diese Schicht wirkt wie Zunder. Von dort aus können die Flammen über Büsche und tief hängende Äste in die Baumkronen aufsteigen.

    Sobald das Feuer die Kronen erreicht, verändert sich seine Dynamik grundlegend. Es breitet sich schneller aus, entwickelt höhere Temperaturen und wird für Einsatzkräfte schwer kontrollierbar. Die gleichförmige Struktur der Kiefernwälder erleichtert dabei die Ausbreitung: Das Feuer findet kaum natürliche Barrieren.

    Ein Boden, der Trockenheit beschleunigt

    Die besondere Beschaffenheit der Böden verstärkt das Risiko zusätzlich. Die Region ist von sandigen, durchlässigen Substraten geprägt, die Wasser kaum speichern. Nach Regenfällen wirkt die Landschaft kurzfristig feucht, doch die obersten Schichten trocknen schnell wieder aus.

    Dies bedeutet, dass nicht erst monatelange Dürreperioden notwendig sind, um gefährliche Bedingungen zu schaffen. Bereits wenige Wochen ohne nennenswerten Niederschlag reichen aus, um die Vegetation in einen hochentzündlichen Zustand zu versetzen.

    In Kombination mit steigenden Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung entsteht ein Umfeld, in dem selbst kleine Zündquellen grosse Brände auslösen können.

    Wind als Brandbeschleuniger

    Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der oft unterschätzt wird: der Wind. Die flache Topografie der Region bietet ihm kaum Widerstand. Gleichzeitig sorgen die Nähe zum Atlantik und lokale Temperaturunterschiede für wechselhafte Luftströmungen.

    Wind kann ein Feuer nicht nur anfachen, sondern auch unberechenbar machen. Glühende Partikel werden über grosse Distanzen getragen und entzünden neue Brandherde – oft weit vor der eigentlichen Feuerfront. Dadurch entstehen mehrere Brandlinien, die sich gegenseitig verstärken.

    Für die Feuerwehr bedeutet dies eine enorme Herausforderung. Strategien müssen ständig angepasst werden, vermeintlich gesicherte Bereiche können innerhalb kürzester Zeit wieder gefährlich werden.

    Der Klimawandel als Multiplikator

    Der Klimawandel wirkt in diesem Gefüge nicht als unmittelbare Ursache, sondern als Verstärker. Häufigere Hitzewellen, längere Trockenperioden und steigende Verdunstung führen dazu, dass Wälder schneller austrocknen und länger in einem kritischen Zustand verbleiben.

    Zugleich verschiebt sich die zeitliche Dimension der Gefahr. Die Waldbrandsaison beginnt früher im Jahr und endet später. Perioden mit extremem Risiko treten häufiger auf und dauern länger an.

    Besonders problematisch sind aufeinanderfolgende trockene Jahre. Sie schwächen die Bäume, erhöhen den Anteil abgestorbener Biomasse und schaffen zusätzliche Brennstoffe. Die Landschaft gerät in einen Kreislauf wachsender Verwundbarkeit.

    Der Mensch als Auslöser

    Trotz aller strukturellen und klimatischen Faktoren bleibt der Mensch in den meisten Fällen der Auslöser eines Brandes. Zigaretten, Maschinenfunken, schlecht kontrollierte Feuer oder Fahrlässigkeit im Alltag – die Liste möglicher Ursachen ist lang.

    Im Südwesten verschärft sich dieses Risiko durch die enge Verzahnung von Wald und Siedlung. Rund um das Bassin d’Arcachon treffen Ferienhäuser, Campingplätze und Verkehrswege direkt auf Waldflächen. In der Hochsaison steigt die Zahl der Menschen – und damit die Wahrscheinlichkeit eines Brandes – erheblich.

    Gleichzeitig wird die Brandbekämpfung komplexer. Es geht nicht mehr nur um den Schutz von Wald, sondern um den Schutz von Leben, Infrastruktur und Eigentum. Evakuierungen, Verkehrslenkung und Gebäudeschutz binden Ressourcen, die dann an anderer Stelle fehlen.

    Zwischen Wirtschaft und Sicherheit

    Die Kritik an der Kiefernmonokultur ist nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz. Der Wald der Landes ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Eine radikale Umstellung wäre weder kurzfristig umsetzbar noch ökonomisch sinnvoll.

    Gleichzeitig ist klar, dass die bestehende Struktur unter veränderten klimatischen Bedingungen anfälliger wird. Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftliche Interessen mit sicherheitspolitischen Notwendigkeiten zu verbinden.

    Ein möglicher Weg liegt in einer schrittweisen Diversifizierung: mehr Laubholzinseln, unterschiedlich alte Bestände, breitere Schneisen und gezielte Unterbrechungen der Waldkontinuität. Solche Massnahmen können die Ausbreitung von Bränden verlangsamen, ohne das gesamte System infrage zu stellen.

    Raumplanung als unterschätzter Hebel

    Mindestens ebenso wichtig ist die Frage der Bebauung. Häuser in unmittelbarer Waldnähe erhöhen das Risiko – nicht nur für ihre Bewohner, sondern auch für die Einsatzkräfte.

    Strengere Bauvorschriften, grössere Sicherheitsabstände und eine konsequente Pflege der Vegetation rund um Gebäude könnten die Gefährdung erheblich reduzieren. Doch solche Massnahmen sind politisch heikel. Sie greifen in Eigentumsrechte ein und stossen lokal oft auf Widerstand.

    Dennoch führt kein Weg daran vorbei, die Raumplanung stärker an den realen Risiken auszurichten. Eine unkontrollierte Ausweitung von Siedlungen in gefährdete Gebiete schafft langfristige Probleme, die sich im Ernstfall kaum noch lösen lassen.

    Die Brände im Südwesten Frankreichs sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines historischen Modells, das unter neuen Bedingungen an seine Grenzen stösst. Weder technische Aufrüstung noch kurzfristige Notmassnahmen werden daran etwas Grundsätzliches ändern. Entscheidend ist, ob es gelingt, die Landschaft selbst widerstandsfähiger zu machen – durch klügere Forstwirtschaft, konsequentere Raumplanung und einen realistischeren Umgang mit Risiken. Andernfalls wird der nächste Grossbrand nicht die Ausnahme bleiben, sondern Teil einer neuen Normalität.

    MAB

  • Feuer am Bassin d’Arcachon: Wenn der Wald der Landes wieder brennt

    Feuer am Bassin d’Arcachon: Wenn der Wald der Landes wieder brennt

    Der Südwesten Frankreichs riecht wieder nach Rauch.

    Vier Jahre nach den verheerenden Bränden des Sommers 2022 kämpft die Gironde erneut gegen ein Feuer, das sich nördlich des Bassin d’Arcachon in den Wald gefressen hat. Was zunächst wie ein regionaler Einsatz wirkte, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einer großflächigen Gefahrenlage. Rund 3.100 Hektar Vegetation standen nach dem jüngsten Zwischenstand bereits in Flammen oder lagen verkohlt hinter der Feuerfront. Etwa 20.000 Einwohner, Urlauber und Campinggäste mussten ihre Häuser, Ferienwohnungen und Stellplätze vorsorglich verlassen.

    Das Bassin d’Arcachon, sonst ein Ort für Austern, Piniengeruch, Fahrradtouren und Sonnencreme auf Kinderarmen, erlebt wieder jenen Ausnahmezustand, den viele hier nie vergessen dürften. Sirenen, Straßensperren, Löschflugzeuge, Rauch über den Baumkronen — das Drehbuch klingt schmerzhaft vertraut.

    Noch ist der Brand nicht unter Kontrolle. Die Flammen näherten sich Wohngebieten bis auf wenige Hundert Meter. verletzte oder gar Todesopfer wurden zunächst nicht gemeldet, doch die Lage bleibt angespannt. Hohe Temperaturen und wechselnde Winde machen den Einsatzkräften das Leben schwer. Wer schon einmal gesehen hat, wie eine Windböe ein Feuer in einem Kiefernwald beschleunigt, versteht, warum Feuerwehrleute in solchen Momenten nicht von Stunden, sondern von Minuten sprechen.

    Besonders betroffen ist das Gebiet nördlich des Bassin d’Arcachon, eine der beliebtesten Ferienregionen an der französischen Atlantikküste. Dort, wo im Sommer Wohnmobile dicht an dicht stehen und Familien morgens mit Badetaschen zum Strand aufbrechen, mussten seit Mittwochabend zunächst mehr als 10.000 Menschen aus acht Campinganlagen und umliegenden Orten in Sicherheit gebracht werden. Neun Gemeinden richteten Aufnahmezentren und Notunterkünfte ein.

    Am Donnerstag folgte die nächste Evakuierungswelle. Allein in Claouey, einem Ort an der Zufahrtsstraße zur Halbinsel Cap Ferret, mussten rund 8.800 Menschen vorsorglich weg. Cap Ferret ist für viele Franzosen ein Sehnsuchtsort: Dünen, Pinien, Atlantikbrandung auf der einen Seite, das ruhige Bassin auf der anderen. Nun bestimmten nicht Strandkörbe und Austernbars den Takt, sondern Durchsagen, Feuerwehrfahrzeuge und die Frage: Wohin jetzt?

    Die Räumungen verliefen nach Angaben der Behörden weitgehend geordnet. Und doch bedeutet „geordnet“ in solchen Situationen nicht „leicht“. Wer seinen Campingplatz verlassen muss, packt nicht in Ruhe Koffer. Man greift nach Papieren, Medikamenten, ein paar Kleidungsstücken, vielleicht nach dem Lieblingsstofftier des Kindes. Der Rest bleibt zurück. Ziemlich bitter, ehrlich gesagt.

    Für viele Familien weckt die Lage Erinnerungen an den Katastrophensommer 2022. Damals vernichteten Brände bei La Teste-de-Buch und Landiras mehr als 30.000 Hektar Wald. Zehntausende Menschen mussten fliehen. Campingplätze nahe der Dune du Pilat wurden zerstört, Rauchwolken standen über der Küste, und selbst weit entfernt roch die Luft nach verbranntem Harz. Die Bilder von damals haben sich in das Gedächtnis der Region eingebrannt.

    Die Ursache des aktuellen Feuers steht noch nicht endgültig fest. Erste Hinweise deuten auf einen möglicherweise unbeabsichtigten Auslöser. In Waldbrandgebieten genügt manchmal ein Funke, eine achtlos entsorgte Zigarette, ein technischer Defekt, eine Maschine, die zur falschen Zeit am falschen Ort Funken schlägt. Ermittler müssen nun klären, ob menschliches Fehlverhalten, Arbeiten im Wald oder eine andere technische Ursache den Brand auslösten.

    Der Wald selbst liefert den Flammen reichlich Nahrung.

    Die Landes de Gascogne gehören zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Westeuropas. Ihr Bild prägen endlose Reihen von See-Kiefern, gerade gewachsen, wirtschaftlich wertvoll, landschaftlich markant. Der Wald ist Rohstoffquelle für Holz, Papier und Harzprodukte, zugleich Schutzraum, Erholungsgebiet und Teil der Identität des französischen Südwestens. Doch gerade diese Kiefernlandschaft birgt in heißen Sommern ein enormes Risiko.

    See-Kiefern enthalten viel Harz. Trockene Nadeln bedecken den Boden wie Zunder. Dichtes Unterholz, abgestorbene Äste und sandige Böden, die Wasser schlecht halten, verstärken die Gefahr. Wenn Trockenheit und Hitze zusammenkommen, verwandelt sich der Wald in ein brennbares Mosaik. Kommt Wind hinzu, springt das Feuer. Es kriecht nicht mehr, es rennt.

    Das klingt dramatisch, ist aber physikalisch nüchtern erklärbar. Flammen erhitzen die Umgebung, trocknen noch feuchte Vegetation weiter aus und erzeugen eigene Luftbewegungen. Funken können mehrere Hundert Meter weit getragen werden. So entstehen neue Brandherde vor der eigentlichen Feuerlinie. Für die Feuerwehr heißt das: Der Gegner steht nicht nur vor einem, sondern plötzlich auch hinter einem.

    Die Einsatzkräfte arbeiten deshalb unter schwierigsten Bedingungen. Am Boden geht es um Schneisen, Löschleitungen, Schutz von Häusern und Campinganlagen. Aus der Luft unterstützen Löschflugzeuge und Hubschrauber, sobald Sicht, Wind und Sicherheit dies erlauben. Jeder gewonnene Meter zählt. Jeder Winddreher kann die Lage neu schreiben.

    Dass der Brand ausgerechnet in der Hochsaison ausbricht, verschärft die Situation. Die Region ist im Juli voller Menschen, viele von ihnen ortsunkundig. Zufahrtsstraßen sind begrenzt, die Halbinsel Cap Ferret lässt sich nicht beliebig schnell räumen. Wer dort im Sommer unterwegs ist, kennt die langen Schlangen auf den Straßen schon an normalen Tagen. Bei einer Evakuierung kommt Stress hinzu. Da braucht es Nerven wie Drahtseile.

    Doch hinter der akuten Gefahr steht eine größere Frage. Wie schützt man einen wirtschaftlich genutzten, ökologisch wertvollen und zugleich hochentzündlichen Wald in einem Klima, das heißer und trockener wird?

    Waldbrände gehörten in Südwestfrankreich schon immer zur Risikolandschaft. Neu ist die Häufung extremer Bedingungen. Längere Trockenperioden, frühere Hitzephasen und spätere Sommerenden verlängern die Brandsaison. Was früher als Ausnahme galt, rückt näher an den Alltag heran. Die Feuerwehren rüsten auf, Gemeinden erstellen Evakuierungspläne, Campingplätze prüfen ihre Sicherheitskonzepte. Doch Prävention beginnt lange vor dem ersten Rauch.

    Brandschutzstreifen müssen gepflegt, Unterholz reduziert, Zufahrten freigehalten und Warnstufen ernst genommen werden. In besonders gefährlichen Phasen braucht es strenge Regeln für Arbeiten im Wald, Verkehr auf Forstwegen und Freizeitnutzung. Das klingt unromantisch, fast bürokratisch. Aber Brandschutz ist selten spektakulär, solange er funktioniert. Man bemerkt ihn meist erst, wenn er fehlt.

    Der Brand am Bassin d’Arcachon ist deshalb mehr als eine lokale Katastrophe. Er ist ein Signal für den gesamten französischen Südwesten. Die Region lebt von ihrem Wald, ihrer Küste, ihrem Tourismus und ihrer Landschaft. Genau diese Mischung macht sie schön — und verletzlich.

    Für die Menschen vor Ort zählt in diesen Stunden zunächst nur eines: Sicherheit. Häuser lassen sich reparieren, Campingplätze wieder aufbauen, Wälder über Jahrzehnte neu pflanzen. Menschenleben nicht.

    Wenn die Flammen gelöscht sind, bleibt der schwarze Boden zurück. Und mit ihm eine Aufgabe, die länger dauert als jeder Feuerwehreinsatz: den Wald so zu gestalten, dass er in Zukunft nicht bei jeder Hitzewelle zur Lunte einer ganzen Region wird.

    Von C. Hatty

  • Waldbrände setzen Frankreich immer mehr unter Druck: Einsatzkräfte kämpfen an mehreren Fronten

    Waldbrände setzen Frankreich immer mehr unter Druck: Einsatzkräfte kämpfen an mehreren Fronten

    Frankreich erlebt erneut eine angespannte Waldbrandsaison. Gleich mehrere größere Feuer halten die Einsatzkräfte derzeit in Atem. Besonders betroffen sind die Départements Gironde im Südwesten des Landes und Var an der Mittelmeerküste. Die Kombination aus anhaltender Trockenheit, hohen Temperaturen und teils kräftigem Wind schafft ideale Bedingungen für eine rasche Ausbreitung der Flammen. Schon kleinste Funken reichen aus, um innerhalb kurzer Zeit größere Brände entstehen zu lassen.

    Im Département Var hat ein Waldbrand innerhalb weniger Tage mehrere Tausend Hektar Vegetation zerstört. Zwar gelang es den Feuerwehrkräften inzwischen, das Feuer weitgehend unter Kontrolle zu bringen, doch die Gefahr ist noch längst nicht gebannt. Zahlreiche Glutnester schwelen weiterhin unter der Oberfläche und könnten jederzeit erneut aufflammen. Deshalb bleiben Hunderte Feuerwehrleute vor Ort im Einsatz. Mit großem Aufwand kontrollieren sie das Gelände, löschen versteckte Brandstellen und sichern die betroffenen Gebiete gegen neue Ausbrüche.

    Auch im Südwesten Frankreichs bereitet die Lage den Behörden Sorgen. In der Gironde wurden mehrere neue Brandherde entdeckt. Das Département besitzt schmerzliche Erfahrung mit großflächigen Waldbränden. Bereits in den vergangenen Jahren hatten verheerende Feuer riesige Waldflächen vernichtet und zahlreiche Menschen zur Evakuierung gezwungen. Entsprechend aufmerksam verfolgen die Behörden jede neue Rauchentwicklung.

    Die Bevölkerung wurde eindringlich dazu aufgerufen, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Offenes Feuer, Grillen in Waldnähe oder achtlos weggeworfene Zigaretten stellen in der aktuellen Wetterlage ein erhebliches Risiko dar. Schon eine kleine Unachtsamkeit genügt, damit sich ein Brand innerhalb weniger Minuten ausbreitet. Deshalb appellieren die Verantwortlichen an Einwohner und Urlauber, sämtliche Sicherheitsvorschriften konsequent einzuhalten.

    Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Lage. Seit Jahresbeginn registrierten die französischen Behörden bereits mehr als 12.500 Brandherde – ein außergewöhnlich hoher Wert. Mehrere Départements gelten inzwischen als Gebiete mit sehr hohem Waldbrandrisiko. Um auf weitere Brände schnell reagieren zu können, wurden zusätzliche Feuerwehrkräfte mobilisiert. Auch Löschflugzeuge und Hubschrauber stehen in erhöhter Bereitschaft, um bei Bedarf innerhalb kürzester Zeit eingreifen zu können.

    Experten sehen in der Entwicklung ein deutliches Zeichen dafür, dass sich Waldbrandsaisons in Frankreich zunehmend verlängern und intensiver ausfallen. Heiße Sommer, ausgetrocknete Böden und längere Niederschlagsphasen ohne Regen erhöhen die Wahrscheinlichkeit großer Feuer erheblich. Dadurch steigen nicht nur die Anforderungen an die Feuerwehren, sondern auch an Prävention und Waldmanagement.

    Für viele Regionen gehören Waldbrände inzwischen fast schon zum Sommer. Dennoch zeigt jede neue Brandserie, wie verletzlich selbst gut vorbereitete Gebiete bleiben. Sobald Hitze, Trockenheit und Wind zusammentreffen, genügt oft ein Funke, um ganze Landschaften in Brand zu setzen.

    Während die Einsatzkräfte weiterhin rund um die Uhr arbeiten, hoffen die Verantwortlichen auf kühlere Temperaturen und Niederschläge. Bis dahin bleibt die Lage angespannt. Jeder vermiedene Funke trägt dazu bei, weitere Brände zu verhindern und Einsatzkräfte sowie Bevölkerung zu entlasten.

    Autor: C.H.

  • Zwischen Marseille und dem Norden: Warum Pétanque längst in ganz Frankreich zu Hause ist

    Zwischen Marseille und dem Norden: Warum Pétanque längst in ganz Frankreich zu Hause ist

    Wer an Pétanque denkt, hat meist sofort ein bestimmtes Bild vor Augen: Eine staubige Bahn unter alten Platanen, das helle Klackern der Metallkugeln und eine Gruppe von Spielern, die mit südfranzösischem Akzent jeden Wurf kommentieren. Marseille und die Provence gelten als die Heimat des beliebten Kugelspiels. Dort entstand Pétanque zu Beginn des 20. Jahrhunderts und entwickelte sich rasch zu einem festen Bestandteil der regionalen Lebensart.

    Doch diese Vorstellung erzählt nur einen Teil der Geschichte.

    Auch Nordfrankreich zählt heute zu den Hochburgen des Sports. In der Region Hauts-de-France locken Pétanque-Turniere an nahezu jedem Wochenende Hunderte, manchmal sogar Tausende Teilnehmer an. Zahlreiche Vereine pflegen den Sport mit großer Leidenschaft, Wettbewerbe genießen einen hohen Stellenwert und auf den Spielfeldern herrscht oft eine konzentrierte Atmosphäre. Hier geht es weniger um Folklore als um Präzision, Taktik und sportlichen Ehrgeiz.

    Das kommt nicht von ungefähr. Lange bevor sich Pétanque im Norden etablierte, besaß die Region bereits eine ausgeprägte Tradition verschiedener Kugelspiele. Disziplinen wie die Bourle oder die flämische Boule prägten über Generationen hinweg das Freizeit- und Vereinsleben. Als Pétanque schließlich Einzug hielt, traf der Sport auf einen fruchtbaren Boden und fand schnell begeisterte Anhänger.

    In der Provence besitzt das Spiel dagegen eine ganz eigene kulturelle Bedeutung. Dort gehört Pétanque zum Alltag wie der Duft von Lavendel oder ein Pastis am späten Nachmittag. Gespielt wird mit Freunden, Nachbarn oder Familienmitgliedern. Dialekt, kleine Neckereien und feste Rituale verleihen jeder Partie ihren besonderen Charme. Selbst das berühmte „Faire Fanny“, bei dem Verlierer einer Partie mit null Punkten traditionell auf humorvolle Weise aufgezogen werden, gehört vielerorts noch immer dazu. Große Veranstaltungen wie das traditionsreiche Turnier „Mondial La Marseillaise“ unterstreichen den besonderen Stellenwert des Sports in Marseille.

    Im Norden präsentiert sich Pétanque dagegen oft deutlich leistungsorientierter. Viele Spieler trainieren das ganze Jahr über – auch dann, wenn eisiger Wind oder Regen kaum an südfranzösische Temperaturen erinnern. Überdachte Boulehallen sorgen dafür, dass der Spielbetrieb unabhängig vom Wetter weiterläuft. Das hohe Niveau vieler Wettbewerbe zeigt, dass Leidenschaft für diesen Sport keineswegs an Sonnenschein gebunden ist.

    Am Ende verbindet beide Regionen mehr, als sie trennt. Marseille bleibt die Wiege der Pétanque und verkörpert ihre kulturelle Seele. Der Norden hingegen beweist Woche für Woche, dass dieselbe Sportart mit ebenso viel Hingabe, Disziplin und Begeisterung gelebt wird. Pétanque ist längst weit mehr als ein südfranzösisches Symbol – sie hat sich zu einer echten Leidenschaft entwickelt, die Menschen in allen Teilen Frankreichs miteinander verbindet.

    Von C. Hatty

  • Arles blickt nach Amerika

    Arles blickt nach Amerika

    Jeden Sommer verwandelt sich die südfranzösische Stadt Arles in einen Ort, an dem Fotografie weit mehr ist als Kunst an weißen Wänden. Die Rencontres d’Arles zählen seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Fotofestivals der Welt und locken Fotografen, Kuratoren, Sammler und Bildliebhaber aus allen Kont…

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  • Flucht vor der Hitze: Frankreichs Berge erleben einen regelrechten Sommerboom

    Flucht vor der Hitze: Frankreichs Berge erleben einen regelrechten Sommerboom

    Die Sommer in Frankreich fühlen sich längst anders an als noch vor wenigen Jahren. Wiederkehrende Hitzewellen mit Temperaturen weit über 35 Grad treiben immer mehr Menschen aus den Städten und weg von den überfüllten Mittelmeerstränden. Stattdessen rücken die Berge in den Mittelpunkt. Alpen, Pyrenäen, Zentralmassiv und Vogesen verzeichnen einen außergewöhnlichen Besucheransturm – nicht zuletzt wegen eines Vorteils, der für viele Urlauber inzwischen unbezahlbar erscheint: angenehm kühle Nächte.

    Während sich die Hitze in vielen Ballungsräumen selbst nach Sonnenuntergang kaum abschwächt, sinken die Temperaturen in den Höhenlagen oft noch auf 17 oder 18 Grad. Genau diese nächtliche Abkühlung sorgt für erholsamen Schlaf und macht den Aufenthalt deutlich angenehmer. Besonders Familien mit kleinen Kindern sowie ältere Reisende suchen gezielt nach Reisezielen, an denen die Sommerhitze nicht zur dauerhaften Belastung wird.

    Die Tourismusbranche spürt diesen Wandel deutlich. Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze in höheren Lagen berichten von einer außergewöhnlich hohen Nachfrage. Vor allem Unterkünfte oberhalb von 1.000 Metern Höhe sind begehrt. Sobald neue Hitzewellen angekündigt werden, schnellen die kurzfristigen Buchungen in die Höhe. Für viele Gäste ersetzt die frische Bergluft inzwischen die Klimaanlage – und das fühlt sich einfach besser an.

    Noch vor wenigen Jahrzehnten galt der Strandurlaub am Mittelmeer als unangefochtener Klassiker des französischen Sommers. Dieses Bild verändert sich Schritt für Schritt. Die Bergregionen haben ihr Angebot in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut und locken längst nicht mehr nur Wanderfreunde an. Mountainbike-Strecken, Badeseen, Kletterparks, Wellnessbereiche und familienfreundliche Freizeitangebote machen viele Wintersportorte heute zu attraktiven Ganzjahreszielen. Das zahlt sich nun aus.

    Hinzu kommt ein weiterer Trend. Immer mehr Franzosen verbringen ihren Urlaub im eigenen Land. Steigende Reisekosten und eine unsichere internationale Lage bewegen viele dazu, auf lange Flugreisen zu verzichten. Die Berge erfüllen dabei gleich mehrere Wünsche auf einmal: kurze Anfahrtswege, beeindruckende Natur, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein Klima, das selbst an heißen Sommertagen angenehm bleibt. Da denkt man schnell: Warum in die Ferne schweifen?

    Auch Klimaforscher beobachten diese Entwicklung aufmerksam. Heiße Nächte gelten als besonders belastend für den menschlichen Organismus, da sich der Körper ohne ausreichende Abkühlung schlechter erholen kann. Kühlere Höhenlagen entwickeln sich deshalb zunehmend zu sogenannten Klimadestinationen, deren Bedeutung in den kommenden Jahren weiter wachsen dürfte.

    Für die französischen Bergregionen eröffnet dieser Wandel zugleich neue wirtschaftliche Perspektiven. Während schneearme Winter den klassischen Wintersport unter Druck setzen, entwickelt sich der Sommer immer stärker zur wichtigsten Saison. Was früher als Alternative galt, avanciert heute zum bevorzugten Reiseziel. Die Berge sind längst mehr als ein Rückzugsort – sie entwickeln sich zu den großen Gewinnern eines Sommers, der Frankreich immer häufiger an seine klimatischen Grenzen bringt.

    Autor: Andreas M. B.

  • Gluthitze statt Postkartenidylle: In Saint-Émilion bleiben die Touristen aus – Händler bangen um ihre Saison

    Gluthitze statt Postkartenidylle: In Saint-Émilion bleiben die Touristen aus – Händler bangen um ihre Saison

    Saint-Émilion gilt als eine der besonderen Perlen des französischen Südwestens. Normalerweise verwandeln sich die engen, mittelalterlichen Gassen im Sommer in ein lebendiges Schauspiel aus Weinliebhabern, Reisegruppen und Flaneuren. Zwischen historischen Sandsteinhäusern, kleinen Boutiquen und traditionsreichen Weinkellern herrscht gewöhnlich vom frühen Morgen bis in die Abendstunden geschäftiges Treiben. Doch in diesem Juli präsentiert sich der weltberühmte Weinort von einer ungewohnten Seite: Die Hitze hat das Leben nahezu aus der Altstadt verdrängt.

    Temperaturen von deutlich über 40 Grad verwandeln selbst kurze Spaziergänge in eine schweißtreibende Herausforderung. Die schmalen Straßen speichern die Wärme wie ein Backofen, während schattige Plätze nur selten zu finden sind. Viele Besucher ziehen sich bereits am späten Vormittag in klimatisierte Hotels oder ihre Fahrzeuge zurück. Andere entscheiden sich gleich gegen einen Ausflug nach Saint-Émilion und verbringen ihre Urlaubstage lieber an der Atlantikküste oder in höher gelegenen Regionen, wo die Luft deutlich angenehmer bleibt.

    Für die örtlichen Händler kommt diese Entwicklung zur denkbar ungünstigsten Zeit. Gerade die Sommermonate sichern traditionell einen großen Teil des Jahresumsatzes. Restaurants, Cafés, Weinhandlungen, Eisdielen und Souvenirgeschäfte profitieren normalerweise von Tausenden Gästen, die durch die historische Altstadt schlendern und den besonderen Charme des Ortes genießen. Jetzt bleiben viele Tische unbesetzt, Schaufenster locken deutlich weniger Laufkundschaft an, und spontane Einkäufe fallen häufig aus.

    Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung während der Mittagsstunden. Wo sich sonst Besucher aus aller Welt dicht an dicht durch die gepflasterten Gassen bewegen, herrscht plötzlich beinahe gespenstische Ruhe. Nur vereinzelt eilen Touristen von einem schattigen Platz zum nächsten, Wasserflaschen fest in der Hand und mit dem Wunsch, möglichst schnell der sengenden Sonne zu entkommen.

    Auch Weinverkostungen leiden unter den außergewöhnlichen Temperaturen. Viele Gäste verzichten auf längere Aufenthalte in den Weingütern oder verschieben ihre Termine bewusst in die frühen Morgenstunden. Einige Betriebe reagieren bereits flexibel und passen ihre Öffnungszeiten an. Statt am Nachmittag setzen sie verstärkt auf Veranstaltungen am Abend, wenn die Temperaturen langsam nachlassen und sich das historische Zentrum wieder mit Leben füllt.

    Mit Sonnenuntergang verändert sich das Bild tatsächlich spürbar. Die Hitze verliert an Kraft, erste Besucher kehren zurück, Restaurants füllen sich langsam und auf den Plätzen entsteht wieder jene entspannte Atmosphäre, für die Saint-Émilion seit Jahrzehnten bekannt ist. Dennoch ersetzt das Abendgeschäft den Ausfall während der heißen Tagesstunden nur teilweise.

    Die Situation zeigt exemplarisch, wie stark der Klimawandel inzwischen auch den Tourismus beeinflusst. Immer häufiger richten Urlauber ihre Reisepläne nach den Wetterbedingungen aus. Küstenorte profitieren von der frischen Meeresluft, während historische Städte im Landesinneren zunehmend mit den Folgen extremer Hitze kämpfen. Gleichzeitig beobachten viele Tourismusbetriebe, dass Gäste ihre Aufenthalte verkürzen oder Aktivitäten auf kühlere Tageszeiten beschränken.

    Für Saint-Émilion stellt sich deshalb eine grundlegende Frage. Wie lässt sich die Anziehungskraft eines weltberühmten UNESCO-Welterbes bewahren, wenn Hitzewellen immer häufiger den Sommer bestimmen? Erste Maßnahmen zielen auf zusätzliche Trinkwasserstellen, mehr schattige Aufenthaltsbereiche sowie ein touristisches Angebot, das sich stärker auf den frühen Morgen und die Abendstunden konzentriert. Solche Anpassungen lindern die Folgen, lösen das Problem jedoch nicht dauerhaft.

    Der traditionsreiche Weinort steht damit exemplarisch für viele Reiseziele in Frankreich. Der Klimawandel verändert nicht nur Landschaften und Wetterlagen, sondern auch das Verhalten der Menschen. Wer früher tagsüber durch historische Städte schlenderte, sucht heute Schatten oder entscheidet sich gleich für kühlere Regionen.

    Die berühmten Gassen von Saint-Émilion erzählen damit in diesem Sommer eine neue Geschichte. Sie handelt nicht nur von Wein, Kultur und Geschichte, sondern auch von einer Region, die sich auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen muss. Für Händler, Gastronomen und Winzer bleibt die Hoffnung, dass sich Besucher künftig an einen neuen Tagesrhythmus gewöhnen – damit der Ort auch in heißen Sommern nichts von seiner besonderen Ausstrahlung verliert.

    Autor: Andreas M. B.

  • Brand bei Saint-Bonnet-Laval unter Kontrolle – Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt

    Brand bei Saint-Bonnet-Laval unter Kontrolle – Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt

    Der Waldbrand im Bereich Saint-Bonnet-Laval im französischen Département Lozère ist unter Kontrolle. Die Behörden teilten mit, dass das Feuer inzwischen „fixiert“ sei. Dieser Begriff bedeutet, dass sich die Flammenfront nicht weiter ausbreitet und der Brand dank des massiven Einsatzes der Feuerwehr eingedämmt wurde. Von einer vollständigen Entwarnung kann allerdings noch keine Rede sein.

    Zahlreiche Einsatzkräfte bleiben weiterhin vor Ort, um die verbliebenen Glutnester zu bekämpfen und ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern. Gerade nach großen Vegetationsbränden stellt diese Phase eine besondere Herausforderung dar. Unterirdisch glimmende Wurzeln oder von Wind angefachte Glut können selbst viele Stunden oder sogar Tage später erneut Brände auslösen.

    Die Wetterlage sorgt zusätzlich für Anspannung. Anhaltende Trockenheit und zeitweise kräftige Windböen schaffen Bedingungen, unter denen selbst kleine Glutreste schnell wieder zu offenen Flammen werden können. Deshalb überwachen die Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte das betroffene Gebiet rund um die Uhr und greifen sofort ein, sobald sich neue Brandherde entwickeln.

    Der Brand hatte zuvor einen umfangreichen Einsatz mit zahlreichen Feuerwehrkräften sowie Löschfahrzeugen und Luftunterstützung erforderlich gemacht. Das betroffene Gebiet gilt aufgrund seiner dichten Vegetation und der trockenen Witterung als besonders empfindlich gegenüber Wald- und Flächenbränden. Durch das koordinierte Vorgehen der Einsatzkräfte gelang es schließlich, die Ausbreitung des Feuers zu stoppen.

    Die Behörden appellieren weiterhin an Einwohner und Besucher, den Einsatzbereich zu meiden. Eventuelle Sperrungen oder Zugangsbeschränkungen sollten unbedingt beachtet werden, damit die Feuerwehr ungehindert arbeiten kann. Jeder unnötige Aufenthalt in der Nähe des Brandgebiets erschwert die laufenden Löscharbeiten und kann zudem ein Sicherheitsrisiko darstellen.

    Dass ein Brand als „unter Kontrolle“ oder „fixiert“ gilt, bedeutet keineswegs, dass er bereits gelöscht ist. Vielmehr handelt es sich um einen wichtigen Zwischenschritt im Einsatz. Erst wenn sämtliche Glutnester vollständig abgelöscht wurden und keinerlei Gefahr einer Wiederentzündung mehr besteht, können die Behörden den Brand zunächst als vollständig unter Kontrolle und anschließend als endgültig gelöscht erklären.

    Bis dahin bleibt die Wachsamkeit hoch. Die kommenden Stunden und möglicherweise auch die nächsten Tage entscheiden darüber, ob sich der Brand endgültig beruhigt oder ob einzelne Glutnester erneut Probleme bereiten. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies weiterhin intensive Arbeit – auch wenn der größte Erfolg bereits erreicht wurde: Die Flammen breiten sich nicht mehr aus.

    Daniel Ivers

  • Frankreich im Hitzestress: Sollten Städte wie Nîmes künftig nach spanischem Rhythmus leben?

    Frankreich im Hitzestress: Sollten Städte wie Nîmes künftig nach spanischem Rhythmus leben?

    Die Sommer im Süden Frankreichs werden immer heißer. In Städten wie Nîmes klettert das Thermometer während Hitzewellen regelmäßig über die Marke von 40 Grad Celsius. Was früher als Ausnahme galt, entwickelt sich zunehmend zur Normalität – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft, Alltag und Arbeitswelt. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Idee an Aufmerksamkeit, die lange als typisch spanische Eigenheit galt: die Anpassung der Tagesabläufe an die Hitze. Händler in Nîmes fordern inzwischen, ihre Öffnungszeiten stärker an die klimatischen Bedingungen anzupassen und die heißesten Stunden des Tages zu meiden.

    Handel leidet unter der Nachmittagshitze

    Die Beobachtung der Geschäftsinhaber ist eindeutig. Zwischen Mittag und etwa 17 Uhr bleiben die Straßen vieler Innenstädte nahezu menschenleer. Während extremer Hitzeperioden sinkt die Zahl der Kunden teils um 50 bis 70 Prozent. Geschäfte bleiben zwar geöffnet, doch der wirtschaftliche Nutzen ist oft gering. Gleichzeitig müssen Beschäftigte und Kunden erhebliche Belastungen durch die hohen Temperaturen in Kauf nehmen.

    Vor diesem Hintergrund erscheint es vielen Händlern sinnvoller, die Öffnungszeiten auf die kühleren Tagesabschnitte zu verlagern. Diskutiert wird ein Modell mit Öffnung am Vormittag von etwa 9 bis 13 Uhr und einer zweiten Öffnungsphase von 17 bis 21 oder sogar 22 Uhr. Ziel wäre es, die Einkaufszeiten an das tatsächliche Verhalten der Bevölkerung anzupassen.

    Spanien als Vorbild

    In zahlreichen Regionen Spaniens gehört ein solcher Tagesrhythmus seit Jahrzehnten zum gesellschaftlichen Alltag. Während der größten Mittagshitze schließen viele kleinere Geschäfte mehrere Stunden, bevor sie am späten Nachmittag erneut öffnen und häufig bis in den Abend hinein geöffnet bleiben.

    Dieser Lebensrhythmus entstand ursprünglich aus klimatischen und kulturellen Gründen. Inzwischen wird er zunehmend auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Einkaufen, Restaurantbesuche oder Freizeitaktivitäten finden bevorzugt dann statt, wenn die Temperaturen wieder erträglich werden.

    Für Nîmes erscheint dieses Modell durchaus naheliegend. Die Stadt weist mit ihrem mediterranen Klima, den langen Sonnenstunden und den immer häufigeren Hitzewellen ähnliche klimatische Voraussetzungen auf wie viele Städte im benachbarten Spanien. Bereits heute zeigt sich eine Verlagerung des öffentlichen Lebens in die Abendstunden. Nachtmärkte, gut besuchte Straßencafés und kulturelle Veranstaltungen bis spät in die Nacht verdeutlichen, dass sich die Bevölkerung schrittweise an die veränderten klimatischen Bedingungen anpasst.

    Französische Strukturen erschweren den Wandel

    Eine vollständige Übertragung des spanischen Modells gestaltet sich jedoch schwierig. Frankreich ist organisatorisch auf einen weitgehend durchgehenden Tagesablauf ausgerichtet. Schulen, Verwaltungen, öffentliche Verkehrsmittel und zahlreiche Unternehmen arbeiten nach festen Zeitplänen.

    Würden ausschließlich Einzelhändler ihre Öffnungszeiten verändern, könnten neue Probleme entstehen. Berufstätige hätten unter Umständen kaum Gelegenheit, ihre Einkäufe zu erledigen, wenn Arbeitszeiten und Ladenöffnungszeiten nicht mehr aufeinander abgestimmt sind.

    Hinzu kommen betriebliche Herausforderungen. Während unabhängige Geschäfte ihre Öffnungszeiten vergleichsweise flexibel gestalten können, sind große Handelsketten und Einkaufszentren an komplexe Personalplanungen, Lieferketten und konzernweite Vorgaben gebunden. Längere Öffnungszeiten bis in den Abend erfordern zusätzliche Arbeitskräfte, veränderte Logistik und teilweise höhere Betriebskosten.

    Anpassung an den Klimawandel wird zur politischen Aufgabe

    Die Diskussion reicht inzwischen weit über den Einzelhandel hinaus. Angesichts zunehmender Hitzewellen gewinnt die Anpassung der Arbeitswelt an den Klimawandel an Bedeutung. Arbeitgeber müssen den Schutz ihrer Beschäftigten vor extremer Hitze stärker berücksichtigen und organisatorische Maßnahmen prüfen. Dazu gehört ausdrücklich auch die Möglichkeit, Arbeitszeiten so anzupassen, dass besonders belastende Tagesabschnitte vermieden werden.

    Damit entwickelt sich die Veränderung von Arbeits- und Öffnungszeiten von einer freiwilligen Maßnahme einzelner Unternehmen zu einem Bestandteil der allgemeinen Klimaanpassungsstrategie.

    Ein möglicher Blick in die Zukunft

    Klimaforscher gehen davon aus, dass Hitzewellen im Mittelmeerraum künftig häufiger auftreten, länger andauern und höhere Temperaturen erreichen werden. Städte im Süden Frankreichs stehen deshalb vor der Herausforderung, ihre Infrastruktur und ihren Alltag an diese Entwicklung anzupassen.

    Die Debatte in Nîmes könnte daher beispielhaft für eine breitere gesellschaftliche Entwicklung stehen. Was lange als kulturelle Besonderheit Spaniens galt, könnte sich in Teilen Frankreichs zunehmend als wirtschaftliche und gesundheitspolitische Notwendigkeit erweisen.

    Letztlich stellt sich weniger die Frage, ob Frankreich einen „spanischen Tagesrhythmus“ übernehmen sollte. Entscheidend dürfte vielmehr sein, in welchem Umfang Gesellschaft, Wirtschaft und öffentliche Einrichtungen bereit sind, ihre bisherigen Zeitstrukturen an ein Klima anzupassen, das sich dauerhaft verändert. Die Öffnungszeiten der Geschäfte könnten dabei lediglich den Anfang einer wesentlich umfassenderen Neuorganisation des Alltags markieren.

    P.T.

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