Kategorie: Südost

  • Guillotine im Rampenlicht: Wie das Mucem in Marseille an das dunkelste Kapitel der französischen Justiz erinnert

    Guillotine im Rampenlicht: Wie das Mucem in Marseille an das dunkelste Kapitel der französischen Justiz erinnert

    Sie steht still. Und doch spricht sie Bände. Mitten in der lichtdurchfluteten Eingangshalle des Mucem in Marseille erhebt sich seit dem 9. Oktober ein Monument des Schreckens – eine echte Guillotine aus dem Jahr 1872. Vier Meter fünfzig hoch, achthundert Kilo schwer. Holz und Metall, präzise montiert, als wäre sie bereit für ihren nächsten Einsatz. Doch der Zweck dieser Ausstellung ist ein anderer: Erinnerung. Provokation. Reflexion. Der Moment ist bewusst gewählt. Wenige Tage vor der Ehrung im Panthéon von Robert Badinter, dem Mann, der Frankreich 1981 endgültig von der Todesstrafe befreite. Die Guillotine steht da nicht als Museumsstück unter vielen – sie steht da als Mahnmal.

    Ein stilles Monstrum im öffentlichen Raum Es ist kein Exponat, das man beiläufig betrachtet und rasch weitergeht. Wer vor dieser Maschine steht, wird gezwungen hinzuschauen. Ihr Anblick ist eine Zumutung – und genau das ist gewollt. Das Mucem will,…

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  • Süßkartoffeln aus der Drôme – wie ein Exot Wurzeln schlägt

    Süßkartoffeln aus der Drôme – wie ein Exot Wurzeln schlägt

    Die Drôme. Eine Region, die man eher mit Lavendel, Aprikosen und Bio-Wein verbindet als mit tropischen Knollen. Und doch ist sie gerade dabei, sich als französisches Zentrum für den Anbau der Süßkartoffel zu etablieren – eine Kultur, die einst als zu exotisch galt für den Boden und das Klima Mitteleuropas. Aber wie kam es dazu? Und was macht die Süßkartoffel zum Hoffnungsträger in einer Region im Wandel?

    Ein Wagnis mit Geschmack – und Zukunft Vor zehn Jahren hätte kaum jemand darauf gewettet: eine tropische Pflanze, ursprünglich beheimatet in Mittel- und Südamerika, die in der südostfranzösischen Drôme gedeiht? Die Süßkartoffel braucht Sonne, Wärme, durchlässige Böden. All das schien auf den ersten Blick nicht ausreichend gegeben in dieser Übergangsregion zwischen Alpen und Mittelmeer. Doch dann kam Bruno Jurrus. Landwirt aus Montmeyran, Querdenker mit Gespür für Markt und Boden. 2014 wagte er erste Tests – biologischer Anbau, auf einem Hektar. Die Knollen wuchsen. Also vergrößerte er…

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  • Ein Dorf teilt sich den Weg – wie Pont-de-Barret das soziale „Car-Sharing“ neu erfindet

    Ein Dorf teilt sich den Weg – wie Pont-de-Barret das soziale „Car-Sharing“ neu erfindet

    In den Hügeln der Drôme, dort, wo Lavendel und Kalkstein ein stilles Band über die Täler ziehen, wird Mobilität zum täglichen Balanceakt. Busse fahren selten, Bahnhöfe liegen weit entfernt, und wer kein Auto hat, bleibt oft – wortwörtlich – auf der Strecke.Doch in Pont-de-Barret, einem kleinen Ort am Fluss Roubion, wächst eine Idee, die das ändert: ein Covoiturage mit Herz, ein solidarisches Mobilitätsnetz namens MobiSol 26. Hier geht es nicht um Kilometer, sondern um Menschen. Wenn der Bus nicht mehr kommt Pont-de-Barret zählt nur wenige Hundert Einwohner, verteilt auf gut 16 Quadratkilometer. Wie in vielen ländlichen Regionen der Drôme ist der öffentliche Nahverkehr dort kaum mehr als eine Erinnerung.Ältere Menschen, Jugendliche ohne Führerschein, Menschen mit geringem Einkommen – sie alle kämpfen mit derselben Frage: Wie komme ich überhaupt von A nach B? Das Departement Drôme sucht seit Jahren nach Antworten auf genau dieses Dilemma. Eine davon heißt eben MobiSol 26 – ein solidarisc…

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  • Chambéry bremst – auch Radfahrer: Auf dem Weg zur „Stadt der Gelassenheit“

    Chambéry bremst – auch Radfahrer: Auf dem Weg zur „Stadt der Gelassenheit“

    Chambéry, die charmante Hauptstadt des Départements Savoie, will zur Stadt der Ruhe werden. Doch das „Apaisement“, das die Stadtverwaltung anstrebt, betrifft längst nicht nur Autos – sondern auch Fahrräder und E-Scooter. Ein ehrgeiziger Schritt, der die urbane Mobilität neu austariert und hitzige Diskussionen entfacht.

    Seit 2023–2024 gilt in weiten Teilen Chambérys Tempo 30. Wo früher mit 50 km/h gefahren wurde, ist nun Entschleunigung angesagt. Nur auf großen Verkehrsachsen, in Gewerbezonen oder auf Busspuren bleibt die alte Geschwindigkeitsgrenze bestehen. Rund 80 neue „Zone 30“-Markierungen wurden auf den Asphalt gemalt, dazu chikanenartige Umbauten, neu geordnete Parkplätze und sicherere Fußwege.

    Doch was nüchtern nach Verkehrspolitik klingt, hat das Potenzial, den Alltag der Menschen spürbar zu verändern.

    Beteiligung statt Verordnung

    Das Projekt entstand nicht am grünen Tisch. Quartiersräte, Bürgerinitiativen und Verkehrsverbände waren früh eingebunden, um über hundert kritische Kreuzungen und Konfliktzonen zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos zu identifizieren. Die Devise lautete: Stadtplanung als Gemeinschaftsarbeit.

    „Ville apaisée“ – das klingt nach französischer Poesie, meint aber etwas sehr Konkretes: weniger Lärm, weniger Stress, mehr Platz für alle. Eine Stadt, in der Tempo keine Tugend, sondern eine Frage der Rücksicht ist.

    Bremsen müssen auch die Radler?

    Genau hier beginnt die Kontroverse. Denn das neue Miteinander verlangt auch von den Radfahrenden mehr Selbstdisziplin.

    Chambéry erlebt seit Jahren einen deutlichen Fahrradboom: Zwischen 2021 und 2022 stieg die Zahl der Radler um rund zehn Prozent. Doch mit der wachsenden Zahl kam auch mehr Reibung – besonders in Parks und Fußgängerzonen, wo sich Spaziergänger und E-Bikes oft zu nahe kommen. Im beliebten Parc du Verney beschwerten sich Anwohner über Radler, die „mit Karacho“ durch die Spazierwege sausten.

    Die Antwort der Stadt: neue Schilder an den Parkeingängen – „Cyclistes et trottinettes, pieds à terre“. Räder an die Hand, bitte! Ein Gebot, das laut Straßenverkehrsordnung ohnehin gilt, aber bislang kaum bekannt war.

    Manche Radfahrende empfinden die Maßnahme als übertrieben, andere begrüßen sie als längst überfälligen Schritt zu mehr Sicherheit. Zwischen beiden Lagern steht die Stadtverwaltung, die lieber auf Erziehung als auf Sanktion setzt.

    Mehr Freiheiten – aber mit Regeln

    Gleichzeitig verfolgt Chambéry eine ehrgeizige Radverkehrspolitik. Laut der neuen „Charte d’aménagements cyclables“ des Großraums Grand Chambéry sollen alle Straßen mit Tempo 30 automatisch in beide Richtungen für Radfahrende geöffnet werden – es sei denn, es gibt triftige Gründe dagegen. Ein Schritt, der die Wege kürzer und das Rad attraktiver macht.

    Auf der neuen Radspur der Avenue du Comte-Vert zeigt sich allerdings: Gute Absicht ist nicht gleich gute Praxis. Hier führen die höheren Radgeschwindigkeiten bereits zu Konflikten mit Fußgängern. Zuständig für diese Art von Infrastruktur ist nicht allein die Stadt, sondern die gesamte Agglomeration – und das macht die Abstimmung nicht einfacher.

    Zwischen Lob und Skepsis

    Die Reaktionen sind geteilt. Befürworter loben den Mut der Stadt, die Verkehrswende ernst zu nehmen. Weniger Geschwindigkeit heißt weniger Unfälle, mehr Sicherheit und eine lebenswertere Innenstadt. Studien belegen: Sinkt das Tempo von 50 auf 30 km/h, halbiert sich das Risiko tödlicher Kollisionen.

    Kritiker hingegen sprechen von Überregulierung. Wer Radfahrende bremst, die ohnehin emissionsfrei und platzsparend unterwegs sind, schwäche das falsche Verkehrsmittel. Sportliche Fahrer empfinden die Regeln als Gängelung, und manch ein Anwohner fragt sich: Wie soll das überhaupt kontrolliert werden?

    Eine berechtigte Frage – denn die Polizei kann kaum an jeder Kreuzung Geschwindigkeiten messen. Vieles hängt also vom gegenseitigen Verständnis ab, von einer Kultur der Rücksicht, die wachsen muss.

    Der lange Atem der Stadtplanung

    Dass solche Maßnahmen wirken, zeigt ein Blick nach Grenoble, Lille oder Paris, wo die flächendeckende Tempo-30-Regel bereits Realität ist. Dort sanken Lärm, Unfallzahlen und Abgase – gleichzeitig stieg die Zufriedenheit der Anwohner.

    Chambéry steht nun an einem ähnlichen Punkt. Doch jede Stadt tickt anders: topografisch, kulturell, sozial. Die Alpenstadt ist kleiner, enger, fahrradfreundlicher – und vielleicht genau deshalb ein ideales Labor für das neue Gleichgewicht zwischen Mobilität und Gelassenheit.

    Ob Chambéry tatsächlich zur „ville apaisée“ wird, hängt nicht nur von Schildern und Tempolimits ab. Sondern davon, ob die Menschen die Idee mittragen.

    Rücksicht kann man nicht verordnen. Aber man kann sie sichtbar machen – auf Asphalt, in Parks und im Kopf.

    Autor: C. Hatty

  • Letzte Skisaison im Loire-Gebiet – Chalmazel schließt seine Pisten für immer

    Letzte Skisaison im Loire-Gebiet – Chalmazel schließt seine Pisten für immer

    Kein letzter Schwung, kein letzter Winter, es ist Schluss. Die Nachricht kam Anfang Oktober 2025 – und sie traf die Region wie ein Donnerschlag: Die Skistation Chalmazel, das einzige alpine Skigebiet im französischen Département Loire, wird in der kommenden Wintersaison 2025/26 nicht mehr öffnen. Das Aus ist beschlossen.

    Ein Ende unter dem Deckmantel der „finanziellen Vernunft“

    Die Entscheidung fiel nicht auf den Gipfeln, sondern in den Sitzungssälen des Départementrats. Georges Ziegler, Präsident des Départements, begründet den Schritt mit nüchternen Zahlen und einem bitteren Fazit: Der Betrieb sei zu teuer geworden. Zu wenig Schnee, zu viele Kosten – und zu viele Zweifel, ob sich neue Investitionen je wieder rechnen könnten.

    Rund 450.000 Euro Defizit drohten, trotz einer öffentlichen Subvention von rund einer Million Euro. Chalmazel war schon länger ein Zuschussbetrieb – ein symbolisches, aber teures Überbleibsel aus einer Zeit, in der der Winter noch verlässlich weiß war.

    Doch das Klima hat andere Pläne. In den mittleren Höhenlagen des Massif Central ist der Schnee längst zum Glücksspiel geworden. Schneekanonen sollen aushelfen, doch sie verbrauchen Energie, Wasser und Geld. Der Betrieb wurde für die Verantwortlichen zur Gratwanderung zwischen Verantwortung und Illusion. Also entschied man sich für den Stopp.

    Aber wie so oft trifft der Bruch nicht nur die Zahlen, sondern die Menschen.

    Ein Schock für Chalmazel – und für eine ganze Region

    „Ein Stich ins Herz“, nennt es Valéry Gouttefarde, der Bürgermeister von Chalmazel-Jeansagnière. Der Ort, kaum 400 Einwohner stark, lebte im Winter vom Skitourismus. Hotels, Restaurants, Skiverleihe – sie alle hatten investiert, vorbereitet, gehofft. Nun stehen sie vor leeren Pisten und vollen Lagern. Ein Sporthändler spricht von 70.000 Euro ungenutztem Material.

    Die Wut ist greifbar. Eine Online-Petition mit über 6.000 Unterschriften fordert den Erhalt der Station. Viele fühlen sich übergangen, nicht angehört. Die Entscheidung sei „brutal“ gefallen, heißt es in Leserbriefen und Radiosendungen. Der Frust mischt sich mit Trauer – und mit der Angst, dass Chalmazel bald mehr Vergangenheit als Zukunft ist.

    Denn was passiert mit einem Bergdorf, wenn der Schnee verschwindet?

    Das Ende eines Modells

    Die Schließung Chalmazels ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren, unaufhaltsamen Trends. In ganz Frankreich kämpfen die Mittelgebirgsstationen ums Überleben. Die Winter werden kürzer, wärmer, unzuverlässiger. Selbst große Skigebiete wie La Sambuy in Savoyen haben schon aufgegeben – zu teuer, zu riskant, zu wenig nachhaltig.

    Viele Regionen versuchen nun den Wandel: Wandern statt Wedeln, Mountainbikes statt Skilifte, Naturtourismus statt Schneekanonen. Chalmazel soll, so versichert das Département, „nicht aufgegeben, sondern neu gedacht“ werden. Vielleicht mit ganzjährigen Angeboten – Sommerpfade, Kletterparks, Themenwanderungen.

    Doch für die Bewohner klingt das nach Trostpreis. Denn der Winter war nicht nur Saison – er war Identität.

    Zwischen Verantwortung und Wehmut

    Für die Verwaltung ist das Aus von Chalmazel eine „Pause“. Für viele Einheimische ein Schlussstrich. Die einen sprechen von Weitsicht, die anderen von Kapitulation. Beides stimmt ein Stück weit.

    Das Beispiel Chalmazel zeigt, was passiert, wenn die Natur die Regeln ändert – und wir trotzdem an alten Träumen festhalten. Skifahren in 1.400 Metern Höhe war schon lange eine Wette gegen die Zeit. Jetzt hat die Zeit gewonnen.

    Aber vielleicht liegt genau hier ein Neuanfang: Eine Region, die sich neu erfindet, jenseits des Skitourismus. Eine Region, die lernt, mit dem zu leben, was sie hat – nicht mit dem, was sie verlor.

    Und doch: Wenn im Januar der erste Schnee fällt, werden viele nach oben blicken. Und sich fragen – hätte man es nicht doch versuchen können?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Schließung der Moschee „Les Bleuets“ in Marseille – zwischen Sicherheitsinteresse und Glaubensfreiheit

    Schließung der Moschee „Les Bleuets“ in Marseille – zwischen Sicherheitsinteresse und Glaubensfreiheit

    Ein Verwaltungsakt sorgt im Süden Frankreichs für hitzige Debatten: Die Präfektur der Bouches-du-Rhône hat am 6. Oktober 2025 die vorübergehende Schließung der Moschee „Les Bleuets“ im Norden von Marseille angeordnet. Zwei Monate soll das Gebetshaus geschlossen bleiben – eine Maßnahme, die juristisch ebenso brisant wie symbolisch ist. Der Vorwurf: Hassrede und religiöser Extremismus Im Zentrum der Entscheidung steht der Imam der Moschee, Smaïn Bendjilali – in der Öffentlichkeit bekannt als „Imam Ismaïl“. Nach Angaben der Präfektur verbreite er in seinen Predigten und Online-Auftritten „eine fundamentalistische Vision des Islam“, die den Dschihad rechtfertige und die Einführung der Scharia befürworte. Seine Aussagen sollen, so das offizielle Dokument, „zum Hass aufstacheln“ und Gewalt rechtfertigen. Die Schließung ist im amtlichen Register des Départements festgehalten – präzise benannt, mit Adresse und Frist. Formal gesehen: eine administrative Routineentscheidung. Inhaltlich jedoch: e…

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  • Goldener Herbst in Burgund – Wo Wein, Wald und Wärme sich treffen

    Goldener Herbst in Burgund – Wo Wein, Wald und Wärme sich treffen

    Der Wind weht sanft durch die herbstlich gefärbten Alleen, während sich Dijon langsam in goldenes Licht hüllt. Ein feiner Geruch von feuchtem Laub und reifen Trauben liegt in der Luft. Wer glaubt, der Herbst sei nur ein stilles Vorspiel auf den Winter, hat Burgund noch nicht erlebt – denn hier wird der Herbst zur Hauptsaison […]

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  • Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der letzte Angeklagte – und die unbeirrbare Stimme von Gisèle Pelicot

    Der Saal des Schwurgerichts von Avignon war im Herbst 2024 über Wochen hinweg ein Brennpunkt französischer Justizgeschichte. Ein Prozess, der Maßstäbe setzte – durch sein Ausmaß, seine Dauer und die moralische Wucht, die von ihm ausging. 51 Männer wurden schuldig gesprochen, Gisèle Pelicot zwischen 2011 und 2020 mehrfach vergewaltigt zu haben. Sie war von ihrem eigenen Ehemann, Dominique Pelicot, über Jahre hinweg mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend von Dutzenden Männern missbraucht worden.Das Urteil: 20 Jahre Haft für Dominique Pelicot – das Maximum. Er akzeptierte die Strafe, sein Schuldspruch ist rechtskräftig. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

    Eine einzige Berufung: das Verfahren von 2025 Von den 51 Verurteilten legten zunächst 17 Berufung ein. Nach und nach zogen jedoch fast alle ihre Anträge zurück – aus Angst vor einer möglichen Verschärfung der Strafen, denn auch die Staatsanwaltschaft hatte einen sogenannten appel incident eingelegt.Am Ende bleibt nur einer ü…

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  • Montbéliard im Ausnahmezustand – Nächtliche Angriffe auf Polizei nach Festnahme eines 18-Jährigen

    Montbéliard im Ausnahmezustand – Nächtliche Angriffe auf Polizei nach Festnahme eines 18-Jährigen

    In Montbéliard, im Südosten Frankreichs, brodelt es. Seit der Festnahme eines jungen Mannes am Donnerstagabend hat sich die Stimmung im Viertel Petite-Hollande gefährlich aufgeheizt. Am Freitagabend kam es dort erneut zu massiven Ausschreitungen – ein regelrechter Hinterhalt, wie es der Staatsanwalt nennt. Etwa fünfzig Personen, ganz in Schwarz gekleidet und mit Masken vermummt, griffen die Polizei mit Steinen und Feuerwerkskörpern an. Die Szenen erinnerten an urbane Guerillakämpfe: lodernde Barrikaden, dumpfe Explosionen von Feuerwerksmörsern, Sirenen, die durch die Nacht schrillen.

    Ein Funke, der das Pulverfass entzündete Auslöser der Gewalt war die Festnahme eines 18-Jährigen am Donnerstagabend. Der junge Mann, den die Polizei bereits aus früheren Ermittlungen kannte, wurde wegen „Beleidigung einer Amtsperson“ und eines „motorisierten Rodeos“ – einer gefährlichen, illegalen Raserei auf öffentlichen Straßen – in Gewah…

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  • Zwei Tote in Nizza – und keiner weiß mehr, wie man zur Normalität zurückkehrt

    Zwei Tote in Nizza – und keiner weiß mehr, wie man zur Normalität zurückkehrt

    Ein neuer Abend der Gewalt im Viertel Les Moulins: Schüsse, Tote, Angst – und die große Frage, ob der Staat längst die Kontrolle verloren hat Freitagabend, 21 Uhr. Während anderswo das Wochenende beginnt, zerreißen im Westen Nizzas Schüsse die Luft. Zwei Menschen sterben, fünf weitere werden verletzt – einer davon ist erst 15 Jahre alt. Es geschieht auf der Place des Amaryllis, einem Platz, der längst seinen Charme verloren hat. Denn hier, im Viertel Les Moulins, ist Gewalt keine Ausnahme mehr. Sie ist ein wiederkehrender Besucher. Und dieses Mal ist er wiedergekommen, mit voller Wucht.

    Ein Blutbad mit Ansage Die Ermittler sprechen von einer gezielten Tat. Drogenhandel, sagen sie, spiele „sehr wahrscheinlich“ eine Rolle. Doch nicht alle Opfer gehörten zur Szene. Wie so oft in Les Moulins: Die Kugeln treffen nicht nur die, die im Schatten agieren – sondern auch jene, die schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Ein junger Mann um die 20 und eine Person in den Fünfzigern sterben…

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