Kategorie: Südost

  • Schüsse in der Nacht: Molotowcocktail trifft Wohnung in Grenoble – Siebenjähriger verletzt

    Schüsse in der Nacht: Molotowcocktail trifft Wohnung in Grenoble – Siebenjähriger verletzt

    Es sind jene Nächte, in denen der Schlaf plötzlich zerreißt – erst das Knattern von Schüssen, dann das Klirren von Glas, schließlich der Geruch von Rauch. In Grenoble hat sich erneut ein solcher Albtraum abgespielt. Mehrere Kugeln trafen in der Nacht auf den 27. Februar 2026 die Fassade eines Wohnhauses, kurz darauf schlug ein Molotowcocktail gegen das Gebäude. In der angegriffenen Wohnung befand sich eine Familie. Ein siebenjähriger Junge erlitt Verletzungen. Die Tat ereignete sich am Donnerstagabend in einem Wohnviertel der französischen Alpenstadt. Unbekannte eröffneten das Feuer auf ein Apartment in einem Mehrfamilienhaus und flüchteten. Wenig später folgte der Brandsatz. Die Spuren sind deutlich sichtbar: Einschusslöcher im Mauerwerk, verrußte Balkone, der Geruch von verbranntem Kunststoff. Der Junge kam ins Krankenhaus. Lebensgefahr bestand nach ersten Informationen nicht – doch der Schock sitzt tief, bei ihm und bei allen, die das Geschehen miterlebten. Man muss sich das vorstel…

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  • Wenn Frettchen auf Rattenjagd gehen – Lyon setzt auf eine ungewöhnliche Waffe

    Wenn Frettchen auf Rattenjagd gehen – Lyon setzt auf eine ungewöhnliche Waffe

    In Lyon weht derzeit ein Hauch von Mittelalter durch die Straßen – allerdings nicht in Form von Gauklern oder Märkten, sondern auf vier flinken Pfoten. Während viele europäische Großstädte mit einer sichtbaren Zunahme von Ratten kämpfen, greift die Metropole zwischen Rhône und Saône zu einer Methode, die älter ist als so manches Rathaus: Frettchen sollen helfen, die Nagerpopulation im Zentrum einzudämmen. Wer in den vergangenen Jahren durch dicht belebte Viertel, entlang der Flussufer oder über urbane Plätze spazierte, bemerkte sie häufiger – huschende Schatten im Augenwinkel. Mildere Winter begünstigen die Vermehrung, Essensreste auf öffentlichen Flächen liefern reichlich Nahrung, Baustellen treiben Kolonien aus dem Untergrund an neue Orte. Klassische Bekämpfungsmethoden stoßen an Grenzen. Giftköder wirken unspezifisch und gefährden andere Tiere. Mechanische Fallen erreichen tiefe Gangsysteme kaum. Hier kommen die Frettchen ins Spiel. Diese kleinen Raubtiere, seit Jahrhunderten zur Ka…

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  • Wenn Marseille im Februar aufblüht

    Wenn Marseille im Februar aufblüht

    Schon Ende Februar 2026 liegt über Marseille ein Licht, das sonst erst im April die Fassaden zum Leuchten bringt. Nach Wochen von Mistral und winterlicher Nässe bricht plötzlich die Sonne durch – und mit ihr kehrt etwas zurück, das hier fast so wichtig ist wie das Meer: die gute Laune.

    Am Vieux-Port de Marseille sitzen die ersten wieder in T-Shirts auf den Terrassen. Fischerboote schaukeln im glitzernden Wasser, Möwen kreischen über den Masten, Kellner balancieren Pastis-Gläser zwischen dicht gerückten Stühlen hindurch. „On respire mieux“, sagt eine ältere Dame und klappt ihre Zeitung zu. Man atme besser. Und tatsächlich: Die Schultern sinken, die Stimmen klingen heller, das Lachen trägt weiter über das Hafenbecken.

    Kaum klettert das Thermometer über 15 Grad, verlagert sich das Leben nach draußen. Jogger ziehen ihre Runden, Familien schieben Kinderwagen über die Promenade, Rentner rücken die Stühle in die Sonne. Der Winter, hier selten eisig, aber oft grau und windzerzaust, wirkt mit einem Schlag wie weggeblasen. Ganz ehrlich: Ein bisschen Sonne – und zack, ist die Stadt wie ausgewechselt.

    Wer an solchen Tagen Richtung Parc national des Calanques aufbricht, versteht die Magie sofort. Das Wasser schimmert türkis, als stünde der Hochsommer vor der Tür. Wanderer steigen in kurzen Hosen die weißen Kalkfelsen hinab, manche wagen sogar ein erstes Bad. „Vivifiant!“, rufen sie lachend, belebend. Entlang der Corniche Kennedy sitzen Jugendliche auf der Mauer mit Blick aufs offene Meer, Angler warten geduldig auf den nächsten Biss, Paare schlendern Arm in Arm. Die Stadt öffnet sich wie eine Blüte.

    Marseille trägt Widersprüche im Herzen: Stolz und Selbstkritik, mediterrane Lässigkeit und soziale Spannungen. In den nördlichen Vierteln drücken Arbeitslosigkeit und Perspektivmangel, im Zentrum ringen Politik und Verwaltung um Lösungen für Wohnraum und Infrastruktur. Doch wenn das Licht zurückkehrt, verändert sich der Blick auf all das. Probleme verschwinden nicht, aber sie treten einen Schritt zurück. Man spricht wieder mehr miteinander. Man trifft sich. Man bleibt länger draußen.

    Vor der Basilika Notre-Dame de la Garde stauen sich Besucher für das Panorama. Von oben wirkt die Stadt friedlich: Dächer, Hügel, Meer – ein Mosaik aus Ocker, Blau und Weiß. Psychologen nennen es den „weather effect“: Helligkeit hebt die Stimmung, fördert Zuversicht, stärkt das Gefühl von Gemeinschaft. In Marseille wird daraus fast eine kollektive Inszenierung des Aufatmens.

    Am Abend färbt sich der Himmel rosa, Gesprächsfetzen mischen sich mit dem Klirren von Gläsern. Der Frühling steht offiziell noch aus. Doch in diesen Tagen fühlt er sich schon verdammt nah an.

    Andreas M. Brucker

  • „Foutez-moi la paix!“ – Mélenchon und die kalkulierte Eskalation

    „Foutez-moi la paix!“ – Mélenchon und die kalkulierte Eskalation

    Als Jean-Luc Mélenchon in Lyon den Satz „Foutez-moi la paix!“ in die Halle schleuderte, war dies mehr als eine spontane Gereiztheit. Es war ein bewusst gesetztes Signal. Der langjährige Wortführer der radikalen Linken inszenierte sich erneut als Angegriffener – und zugleich als Unbeugsamer. Der Abend geriet weniger zu einer programmatischen Standortbestimmung als zu einer Demonstration politischer Frontstellung. Mélenchon, Gründer und prägende Figur von La France insoumise, bleibt damit seiner politischen Dramaturgie treu: Angriff als Verteidigung, Empörung als Mobilisierungsinstrument. Die Szene von Lyon fügt sich in ein Muster ein, das die französische Linke seit Jahren prägt – und das zugleich die strukturellen Spannungen im politischen System der Fünften Republik offenlegt. Medienkritik als politisches Kapital Im Zentrum der Rede stand eine scharfe Abrechnung mit großen Teilen der Medienlandschaft. Mélenchon warf bestimmten Redaktionen vor, seine Bewegung systematisch zu verzerren,…

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  • Gewalt im historischen Stadtzentrum: Eine politische Schlägerei erschüttert Alès

    Gewalt im historischen Stadtzentrum: Eine politische Schlägerei erschüttert Alès

    In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist im südfranzösischen Alès eine Auseinandersetzung eskaliert, die weit über eine gewöhnliche Kneipenschlägerei hinausweist. In einer Bar im Stadtzentrum wurden mehrere Sympathisanten kommunistischer Kreise angegriffen. Drei junge Männer, die der ultrarechten Szene zugerechnet werden, befinden sich in Polizeigewahrsam. Noch ist die juristische Einordnung offen. Doch der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die Frankreich seit Jahren – und in den vergangenen Wochen immer stärker – begleitet: die schleichende Normalisierung politisch motivierter Gewalt – auch jenseits der großen Metropolen. Eine Eskalation aus dem Nichts? Nach bisherigen Erkenntnissen ereignete sich der Vorfall gegen Ende des Abends in einer Atmosphäre, die Zeugen als „angespannt, aber ohne gravierenden Zwischenfall“ beschrieben. Eine Gruppe von Gästen, die als Anhänger der Kommunisten gilt, saß an einem Tisch, als es offenbar zu verbalen Auseinandersetzungen mit ander…

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  • Fünf Tage im Abgrund – Wie ein 48-Jähriger in der Ardèche dem Tod entkam

    Fünf Tage im Abgrund – Wie ein 48-Jähriger in der Ardèche dem Tod entkam

    Tief unten im zerklüfteten Tal der Ardèche, dort, wo sich die Straße wie ein graues Band an steile Hänge klammert, hat sich eine Geschichte ereignet, die selbst erfahrene Rettungskräfte den Kopf schütteln ließ. Ein 48-jähriger Autofahrer überlebte fünf Tage in einer schwer zugänglichen engen Schlucht – eingeklemmt in seinem Fahrzeug, schwer verletzt, abgeschnitten von der Außenwelt. Der Unfall geschah nahe Saint-Julien-du-Gua, einer kleinen Gemeinde, die für ihre schroffen Abhänge entlang der Strasse D122 bekannt ist. Am Morgen des 16. Februar geriet der Mann aus bislang ungeklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Sein Wagen überschlug sich, rutschte Hunderte Meter einen Hang hinab und blieb schließlich tief unten im Dickicht liegen – unsichtbar von der Straße aus. Was dann folgte, grenzt an ein Wunder. Fünf Tage harrte der Verletzte im Wrack aus. Kein Handyempfang, keine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Er blieb bei Bewusstsein, trank Wasser aus einem Rinnsal. Eine regenreiche…

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  • Wenn der Berg ins Rutschen gerät: Wie Felsstürze und Lawinen derzeit die Alpenstraßen bedrohen

    Wenn der Berg ins Rutschen gerät: Wie Felsstürze und Lawinen derzeit die Alpenstraßen bedrohen

    Es beginnt oft mit einem dumpfen Grollen. Ein Geräusch, das sich erst nicht einordnen lässt, dann aber in Sekundenbruchteilen Klarheit schafft: Der Hang oberhalb der Straße ist in Bewegung geraten. Felsbrocken lösen sich, prallen auf Asphalt, Staub wirbelt auf. Oder es ist der Winter, die Schneedecke bricht wie eine gespannte Haut, eine weiße Wand schiebt sich talwärts. Was für Außenstehende spektakulär wirkt, bedeutet für viele Menschen in den französischen Alpen eine handfeste Bedrohung ihres Alltags. Die Alpen sind keine starre Kulisse. Sie leben, arbeiten, verändern sich. Frost sprengt Gestein, Regen unterspült Hänge, Temperaturschwankungen destabilisieren Felsflanken. Besonders heikel sind die Übergangsjahreszeiten, wenn Tauwetter und Nachtfrost im Wechsel auftreten. Dann verliert das Gestein seinen inneren Halt. Im Hochgebirge wirkt zusätzlich das Tauen des Permafrosts wie ein schleichender Sprengsatz. Über Jahrtausende fungierte er als natürlicher Kitt. Schwindet er, geraten gan…

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  • Lawinentod in der Haute-Savoie: Zwei Skitourengeherinnen sterben nahe La Chapelle-d’Abondance

    Lawinentod in der Haute-Savoie: Zwei Skitourengeherinnen sterben nahe La Chapelle-d’Abondance

    Die Berge kennen keine Gnade. Am vergangenen Wochenende traf ein neuer Lawinenabgang die französischen Alpen mit voller Wucht – zwei erfahrene Skitourengeherinnen verloren nahe La Chapelle-d’Abondance im Département Haute-Savoie ihr Leben. Die beiden Frauen, 51 und 55 Jahre alt, stammten aus der Region Chablais. Was als sportlicher Wintertag begann, endete unter anderthalb Metern Schnee. Am Sonntagmorgen brachen sie zu einer Skitour auf, einer jener anspruchsvollen Routen, die fernab präparierter Pisten verlaufen und gerade deshalb so viele begeistern. Ihr Fahrzeug blieb auf einem Parkplatz zurück, dem Ausgangspunkt eines beliebten Anstiegs. Als die Frauen am Abend nicht heimkehrten, wuchs die Unruhe. In Bergregionen kennt man dieses Gefühl – es ist die stille, nagende Ahnung, dass etwas nicht stimmt. Erst am Montag gelang es den Rettungskräften, die Vermissten zu lokalisieren. Ein Team der Bergrettung rückte aus, unterstützt von einem Helikopter Dragon 74. Die Retter nutzten Lawinenve…

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  • Bron: 15-jähriger Schüler nach Messerattacke schwer verletzt – ein Nachmittag, der alles veränderte

    Bron: 15-jähriger Schüler nach Messerattacke schwer verletzt – ein Nachmittag, der alles veränderte

    Es sind jene Nachrichten, die einem den Atem stocken lassen. Am Montagnachmittag, dem 23. Februar, geriet der Alltag in Bron, einer Vorstadt von Lyon, aus den Fugen. Gegen 15.30 Uhr, in der Rue Jacques-Daligand, unweit des beruflichen Gymnasiums Émile-Béjuit, eskalierte eine Auseinandersetzung unter Jugendlichen. Zurück blieb ein 15-jähriger Schüler, schwer verletzt durch einen Messerstich in die Achselhöhle – eine Körperstelle, an der lebenswichtige Gefäße verlaufen. Was genau geschah, klärt nun die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen kam es zunächst zu einem Streit zwischen mehreren Jugendlichen. Augenzeugen berichten von hitzigen Worten, von einem Gerangel, das sich binnen Sekunden hochschaukelte. Dann das Messer. Ein Stich. Chaos. Ein Schüler sackt zusammen, Umstehende schreien, Handys werden gezückt – manche alarmieren den Notruf, andere stehen wie erstarrt daneben. Rettungskräfte trafen rasch ein und versorgten den Jugendlichen noch vor Ort. Anschließend brachten sie ihn in absolu…

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  • Wenn der Arzt 50 Kilometer entfernt ist – Die Ardèche und das Gefühl vom Leben in einem Entwicklungsland

    Wenn der Arzt 50 Kilometer entfernt ist – Die Ardèche und das Gefühl vom Leben in einem Entwicklungsland

    „On a le sentiment de vivre dans un pays en voie de développement.“Der Satz fällt nicht in einem fernen Winkel der Welt, sondern im Herzen Europas – in der Ardèche, jener hügeligen, dünn besiedelten Region im Südosten Frankreichs, die Reiseführer mit Superlativen schmücken. Schluchten, Kastanienhaine, Dörfer aus hellem Naturstein, Wochenmärkte unter Platanen. Postkartenidylle. Und doch wächst hier ein Gefühl, das schwer wiegt. Wer durch Orte wie Joyeuse oder Thueyts schlendert, ahnt zunächst nichts von der stillen Krise. Cafés sind gut besucht, im Sommer drängen sich Kanufahrer durch die Ardèche-Schlucht. Aber hinter den Fassaden bröckelt ein Fundament, das in einem Sozialstaat als selbstverständlich gilt: die medizinische Grundversorgung. In vielen Gemeinden existiert kein Hausarzt mehr. Praxen schließen, weil die Inhaber in Ruhestand gehen. Nachfolger? Fehlanzeige. Wer heute einen Termin benötigt, telefoniert sich durch Warteschleifen – oder steigt ins Auto und fährt 30, 40, manchmal…

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