Kategorie: Frankreich

  • Explosion der Kokainfunde: Zehnfache Steigerung in nur zwei Jahren

    Explosion der Kokainfunde: Zehnfache Steigerung in nur zwei Jahren

    In Frankreich haben die Gendarmen in den letzten zwei Jahren eine drastische Zunahme an Kokainfunden verzeichnet. Während 2022 noch 700 Kilogramm beschlagnahmt wurden, waren es 2024 unglaubliche 6,6 Tonnen. Ein massiver Anstieg, der zeigt, wie tief die Droge inzwischen in mittelgroßen Städten und ländlichen Regionen verankert ist.

    Kokain erobert das Land – ein besorgniserregender Trend

    Die Zeiten, in denen Drogenhandel vor allem in großen Städten stattfand, sind längst vorbei. Immer mehr Händler verlagern ihr Geschäft gezielt in ländliche Gegenden – auf der Suche nach neuen Märkten und weniger Überwachung. So wurden neben den zwei Tonnen Kokain, die am Hafen von Le Havre abgefangen wurden, auch große Mengen in den französischen Antillen und entlang der nördlichen Küste sichergestellt.

    Marie-Laure Pezant, Sprecherin der Gendarmerie, erklärt diese Entwicklung mit der „Ausweitung der Zonen, in denen Kokain verfügbar ist“. Besonders in Départements wie Gard, Gers oder Aveyron verzeichneten die Behörden zwischen 2018 und 2024 eine deutliche Zunahme der Festnahmen im Zusammenhang mit Drogenhandel.

    Laut Didier Poulhazan, Experte für Sicherheit und Kriminalprävention bei der Vereinigung der französischen Bürgermeister, ist die Expansion der Drogennetzwerke logisch: „Der Handel beginnt oft in großen Städten – aber dann folgt die Ausbreitung in ländliche Gebiete.“

    Drogenhandel im Wandel: Online-Bestellungen und neue Vertriebswege

    Ein entscheidender Faktor, der das Drogengeschäft in den letzten Jahren verändert hat, ist die Digitalisierung. Der klassische Drogenumschlagplatz, bekannt als „Four“, ist vielerorts durch moderne Vertriebsformen ersetzt worden.

    „Wir erleben eine Art ‚Uberisierung‘ des Drogenhandels“, erklärt der Gendarmerie-Offizier Charles Abadie. „Bestellungen werden über verschlüsselte Messenger-Dienste abgewickelt, Käufer wählen ihre Ware aus und lassen sie sich von Kurieren liefern, die pro Fahrt bezahlt werden.“

    Die Corona-Pandemie hat diesen Wandel stark beschleunigt. Frédéric Ploquin, Journalist und Experte für Drogenkriminalität, beschreibt es so: „Der alte Straßenhandel war zu sichtbar und leicht zu überwachen – die Dealer mussten sich anpassen.“

    Diese neuen Methoden erschweren es den Behörden, den Handel zu kontrollieren. Doch gleichzeitig zeigt die enorme Zunahme der beschlagnahmten Mengen, dass die Sicherheitskräfte verstärkt gegen die Netzwerke vorgehen.

    Neben Kokain auch Ecstasy auf dem Vormarsch

    Nicht nur Kokain boomt – auch andere Drogen verzeichnen erhebliche Zuwächse. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Ecstasy. 2020 wurden in Gendarmerie-Gebieten noch knapp 70.000 Tabletten sichergestellt, 2024 waren es bereits 2,2 Millionen – eine Verdreissigfachung!

    Beim Cannabis bleibt die Lage hingegen stabil: 7,8 Tonnen wurden 2024 konfisziert, ähnlich wie in den Vorjahren, allerdings deutlich weniger als 2022 (15,5 Tonnen). Bei Heroin gab es kaum Veränderungen, hier schwanken die Zahlen nur geringfügig.

    Warum steigt der Drogenkonsum?

    Die verstärkte Verbreitung von Kokain und anderen Drogen in Frankreich hat nicht nur mit Angebot und Vertrieb zu tun. Laut Gendarmerie-Sprecherin Pezant gibt es tiefere gesellschaftliche Ursachen:

    „Soziale Fragmentierung, wirtschaftliche Krisen und die Folgen der Pandemie haben den Konsum von Betäubungsmitteln begünstigt.“ Besonders in wirtschaftlich schwächeren Regionen greifen immer mehr Menschen zu Drogen – sei es zur Flucht aus dem Alltag oder als Statussymbol.

    Gleichzeitig wird Kokain zunehmend als „Mainstream-Droge“ wahrgenommen. Es ist günstiger geworden, hat sein elitäres Image abgelegt und wird von vielen als Partydroge oder leistungssteigerndes Mittel genutzt.

    Doch trotz der Kokainwelle bleibt Cannabis die am weitesten verbreitete Droge in Frankreich. Es ist leicht verfügbar und besonders in ländlichen Regionen sowohl in Anbau als auch Handel fest etabliert.

    Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Drogenhandel hat sich verändert – und mit ihm die Herausforderungen für die Behörden. Wie können sie dem immer professioneller organisierten Vertrieb effektiv begegnen?

    Eine Frage, die Frankreichs Sicherheitskräfte in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen wird.

    Catherine H.

  • Starke Winde in Haute-Garonne und Tarn: Wetterwarnung der Stufe Orange

    Starke Winde in Haute-Garonne und Tarn: Wetterwarnung der Stufe Orange

    Der Süden Frankreichs rüstet sich für stürmische Stunden. In den Départements Haute-Garonne und Tarn tritt ab Donnerstagabend, dem 20. März, eine Wetterwarnung der Stufe Orange in Kraft – Grund dafür sind starke Winde, die in der Nacht ihren Höhepunkt erreichen sollen.

    Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h erwartet

    Météo-France prognostiziert eine deutliche Verschärfung der Windverhältnisse in den betroffenen Regionen. Ab Donnerstagabend frischt der Wind merklich auf, in der Nacht zu Freitag werden örtlich Böen von 100 bis 110 km/h erwartet. In einigen Gebieten, darunter am Fuß der Montagne Noire, im Lauragais und im Pays Castrais, könnten sogar Spitzenwerte von 120 km/h erreicht werden. Selbst an den Toren der Metropole Toulouse sind Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h möglich.

    Nicht der erste Sturm in diesem Monat

    Laut Météo-France handelt es sich bereits um das zweite intensive Windereignis im März. Erst am 8. und 9. März wurden Haute-Garonne und Tarn mit einer ähnlichen Warnung belegt. Die Ursache: der berüchtigte Vent d’Autan – ein kräftiger, warmer Wind aus südöstlicher Richtung, der regelmäßig über diese Region im Südwesten Frankreichs hinwegfegt.

    Obwohl dieser Wind hier keine Seltenheit ist, sorgt seine Intensität diesmal für besondere Aufmerksamkeit. Schon jetzt warnen Experten davor, lose Gegenstände im Freien zu sichern und bei Fahrten über exponierte Straßen besonders vorsichtig zu sein.

    Bleibt nur die Frage: Bringt der Wind auch einen Wetterumschwung oder bleibt es beim stürmischen Schauspiel?

    Von Andreas M. B.

  • Josefstag – Ein Fest der Arbeit, Familie und Hoffnung

    Josefstag – Ein Fest der Arbeit, Familie und Hoffnung

    Während viele Feier- und Gedenktage düstere oder ernste Hintergründe haben, gibt es den Josefstag – einen Tag, der positiv aufgeladen ist und etwas Wesentliches feiert: die Tugenden des einfachen, ehrlichen Lebens. Der 19. März ist dem Heiligen Josef gewidmet, einem Symbol für Fleiß, Bescheidenheit und familiären Zusammenhalt. Aber was macht diesen Tag so besonders, und warum könnte er gerade heute wichtiger sein als je zuvor?


    Ein Heiliger ohne Prunk – und gerade deshalb so inspirierend

    In der christlichen Tradition gilt Josef als der Ziehvater Jesu und Ehemann von Maria. Doch anders als viele Heilige war er weder Märtyrer noch Prediger. Er war Zimmermann, ein einfacher Handwerker, der seinen Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdiente. Und genau das macht ihn für viele so nahbar.

    Josef steht für die oft übersehene Leistung all jener, die tagtäglich hart arbeiten, ohne im Rampenlicht zu stehen – die Handwerker, die Familienmenschen, die stillen Helden des Alltags. Sein Festtag ehrt nicht nur ihn, sondern auch diese Werte: Demut, Verlässlichkeit und die Kraft der Familie.


    Ein Feiertag mit Tradition – und überraschender Vielfalt

    In vielen katholisch geprägten Ländern wird der Josefstag mit Prozessionen, Festmählern und Gottesdiensten gefeiert. Besonders in Italien, Spanien und Lateinamerika ist der 19. März tief verwurzelt. In einigen Gegenden ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag – etwa in Teilen der Schweiz, in Spanien oder auf Malta.

    Auch in Österreich, Bayern und Südtirol hat der Josefstag lange Tradition. Dort galt er bis ins 20. Jahrhundert hinein als offizieller Feiertag. Heute ist er das nicht mehr, aber in vielen Regionen wird er noch mit besonderen Gottesdiensten und Bräuchen begangen.

    Doch Josef wird nicht nur als Schutzpatron der Familien verehrt. Er gilt auch als Patron der Arbeiter und Handwerker – und genau hier wird sein Gedenktag auch gesellschaftlich relevant.


    Eine Erinnerung an die Würde der Arbeit

    In einer Welt, in der oft nur große Karrieren und schillernde Erfolge zählen, erinnert der Josefstag an die Bedeutung der einfachen, ehrlichen Arbeit. Handwerk, Pflegeberufe, Dienstleister – ohne sie würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Und doch erfahren sie oft nicht die Anerkennung, die sie verdienen.

    Könnte der Josefstag also eine Gelegenheit sein, diesen Menschen mehr Wertschätzung entgegenzubringen? Vielleicht wäre es an der Zeit, diesen Tag als Symbol für Respekt und Dankbarkeit gegenüber jenen zu etablieren, die im Hintergrund Großes leisten – den Eltern, die Tag für Tag für ihre Kinder sorgen, den Handwerkern, die mit ihren Händen die Welt formen, den Menschen, die mit Hingabe anderen helfen.


    Ein Tag der Hoffnung – und des Neubeginns

    Aber der Josefstag ist nicht nur eine Hommage an Arbeit und Familie. Er fällt in eine Zeit des Aufbruchs: Der Frühling steht vor der Tür, das Leben kehrt zurück. In vielen Kulturen symbolisiert dieser Tag deshalb auch Hoffnung und Neuanfang.

    In Spanien etwa werden zu Ehren des Heiligen Josef riesige Skulpturen aus Holz und Pappmaché verbrannt – ein Brauch, der an das Loslassen von Altem und den Beginn von etwas Neuem erinnert. In Italien wird traditionell Brot an Bedürftige verteilt, ein Zeichen von Fürsorge und Gemeinschaft.

    Gerade heute, in einer oft hektischen und von Krisen geprägten Welt, kann der Josefstag eine kleine, aber wertvolle Erinnerung daran sein, dass Hoffnung, Familie und Zusammenhalt immer noch die Bausteine einer funktionierenden Gesellschaft sind.


    Warum wir diesen Tag mehr denn je brauchen

    In einer Zeit, in der vieles negativ erscheint – Wirtschaftskrisen, gesellschaftliche Spannungen, Umweltprobleme – tut es gut, einen Feiertag zu haben, der für das Gute steht. Der Josefstag erinnert an das, was wirklich zählt: Werte, die nicht aus der Mode kommen, die Basis unserer Gesellschaft, das Fundament von Gemeinschaft und Familie.

    Vielleicht sollten wir ihn also nicht nur als einen alten kirchlichen Gedenktag sehen, sondern als Chance, Dankbarkeit zu zeigen. Einen Tag, an dem wir jenen Respekt zollen, die unsere Welt am Laufen halten. Und wer weiß – vielleicht könnte der Josefstag in Zukunft sogar eine größere Rolle spielen? Verdient hätte er es.

    Catherine H.

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Korruptionsermittlung in Nizza: Durchsuchungen im Rathaus und bei Bildhauer Orlinski

    Korruptionsermittlung in Nizza: Durchsuchungen im Rathaus und bei Bildhauer Orlinski

    Die Korruptionsaffäre um die Skulpturen von Richard Orlinski zieht weitere Kreise. Neue Durchsuchungen fanden am Dienstag, dem 18. März, in mehreren Unternehmen des Künstlers sowie in den Räumlichkeiten der Stadtverwaltung von Nizza und der Region Nizza statt. Im Zentrum der Ermittlungen: mutmaßliche Bestechung und Begünstigung, die auch den amtierenden Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, betreffen könnten.

    Kunst oder Korruption?

    Die Geschichte beginnt 2023 mit einer Ausstellung von Richard Orlinskis Skulpturen in Nizza – organisiert von der Stadt selbst. Was zunächst wie eine gewöhnliche Kunstausstellung aussah, entwickelte sich rasch zu einem Politikum. Laut Recherchen von Mediapart soll Orlinski hochrangigen Politikern Geschenke gemacht haben. Ein klassischer Fall von Kunstsponsoring oder doch ein gezielter Versuch, Einfluss zu nehmen?

    Jean-Christophe Picard, Stadtrat der Grünen in Nizza, hatte bereits im März 2024 den Staatsanwalt eingeschaltet. Seine Forderung: Eine Untersuchung, die klären soll, unter welchen Bedingungen die Werke des Künstlers im öffentlichen Raum aufgestellt wurden.

    Ermittlungen ausgeweitet

    Ursprünglich lag der Fall bei der Staatsanwaltschaft von Nizza. Doch angesichts der möglichen Dimensionen des Skandals gab diese das Verfahren im April 2024 an die nationale Finanzstaatsanwaltschaft weiter. Dort wurde im September 2024 offiziell ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption und Begünstigung eingeleitet. Zuständig ist das Office central de lutte contre la corruption et les infractions financières et fiscales – Frankreichs zentrale Behörde zur Bekämpfung von Korruption und Finanzdelikten.

    Die Durchsuchungen vom 18. März waren ein weiterer Schritt zur Aufklärung. Neben Orlinskis Unternehmen standen besonders die Büros der Stadtverwaltung im Fokus. Ziel der Razzien war es, Beweise für mögliche unrechtmäßige Absprachen zwischen dem Künstler und den Behörden zu sichern.

    Reaktionen: Gelassenheit oder Strategie?

    Christian Estrosi, der langjährige Bürgermeister von Nizza, sieht dem Verfahren offenbar entspannt entgegen. Sein Anwalt Mathias Chicheportiche erklärte gegenüber ici Azur: „Eine Durchsuchung ist ein völlig normales Mittel in einer solchen Ermittlung. Mein Mandant hat freiwillig alle relevanten Unterlagen übergeben.“ Er betonte zudem, dass Estrosi weiterhin uneingeschränkt mit der Justiz kooperiere.

    Doch was bedeutet das für die politische Karriere des Bürgermeisters? Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte der Fall weitreichende Konsequenzen haben – nicht nur für Estrosi, sondern für das gesamte politische Gefüge von Nizza.

    Die große Frage: Zufall oder System?

    Orlinski ist kein Unbekannter in der Kunstwelt. Seine Skulpturen, oft große, farbenfrohe Darstellungen von Tieren oder Pop-Art-Ikonen, sind weltweit gefragt. Dass seine Werke in Nizza ausgestellt wurden, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Doch wenn dabei fragwürdige Gefälligkeiten im Spiel waren, könnte sich der Künstler in einem Netz aus politischen und juristischen Problemen verfangen haben.

    Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Verdacht erhärtet oder ob es sich um einen Sturm im Wasserglas handelt. Eines ist jedoch sicher: Die Verbindung von Kunst, Politik und Geld sorgt immer wieder für Zündstoff – und Nizza ist keine Ausnahme.

    Von C. Hatty

  • Port-Grimaud – Das kleine Venedig an der Côte d’Azur

    Port-Grimaud – Das kleine Venedig an der Côte d’Azur

    Ein malerisches Hafenstädtchen mit bunten Häusern, schmalen Kanälen und einer entspannten Atmosphäre – das ist Port-Grimaud. Wer durch die kleinen Gassen schlendert oder auf einem Boot durch das Wasserlabyrinth gleitet, fühlt sich fast wie in Italien. Doch dieses Juwel liegt nicht in der Lagunenstadt Venedig, sondern in Südfrankreich, mitten im Golf von Saint-Tropez. Wie kam […]

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  • Krise: Immer längere Wartezeiten in französischen Notaufnahmen

    Krise: Immer längere Wartezeiten in französischen Notaufnahmen

    Der Besuch einer Notaufnahme bedeutet in Frankreich mittlerweile vor allem eines: Warten. Eine neue Studie des französischen Gesundheitsministeriums zeigt, dass sich die durchschnittliche Verweildauer in den Notaufnahmen in den letzten zehn Jahren deutlich verlängert hat. Besonders ältere Patienten und große Kliniken sind von dieser Entwicklung betroffen – und eine Besserung ist nicht in Sicht.

    Drei Stunden Wartezeit sind die Norm

    Wer in Frankreich eine Notaufnahme aufsucht, muss immer mehr Geduld mitbringen. Eine aktuelle Erhebung der Statistikabteilung des Gesundheitsministeriums (Drees) hat ergeben, dass die Hälfte der Patienten mehr als drei Stunden zwischen der Anmeldung und der Entlassung in den Notaufnahmen der Krankenhäuser verbringt. Im Vergleich zu 2013 hat sich die Wartezeit um 45 Minuten verlängert.

    Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Ein Viertel der Patienten wartet inzwischen mehr als 5 Stunden und 30 Minuten, während 15 % sogar über acht Stunden in der Notaufnahme verbringen. Vor zehn Jahren waren es nur 9 %.

    Diese Zahlen stammen aus einer Studie, die am 13. Juni 2023 in 719 Notaufnahmen Frankreichs durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 58.500 Patienten erfasst – eine Momentaufnahme, die das alltägliche Chaos in französischen Notaufnahmen widerspiegelt.

    Längere Wartezeiten für alle – aber mit Unterschieden

    Zwar sind die Wartezeiten generell gestiegen, doch nicht alle Patienten sind gleichermaßen betroffen. Wer nach der Behandlung wieder nach Hause kann, verbringt im Schnitt 2 Stunden und 30 Minuten in der Notaufnahme. Patienten, die stationär aufgenommen werden, warten hingegen über fünf Stunden. Besonders dramatisch ist die Situation für Menschen, die zunächst in eine spezielle Kurzzeitbeobachtungsstation verlegt werden: Ihre durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt mittlerweile fast 15 Stunden.

    Ein weiterer Faktor ist die Größe der Klinik. Kleinere Notaufnahmen mit rund 40 Patienten täglich kommen auf eine mittlere Wartezeit von zwei Stunden. Große Notaufnahmen mit über 120 Patienten pro Tag lassen ihre Patienten fast vier Stunden warten.

    Und auch das Alter spielt eine Rolle: 36 % der über 75-Jährigen müssen mehr als acht Stunden in der Notaufnahme verbringen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2013 (24 %). Der Grund? Ältere Patienten benötigen oft aufwendigere Untersuchungen und verbringen mehr Zeit in Kurzzeitbeobachtungseinheiten.

    Überfüllte Notaufnahmen – ein Problem mit vielen Ursachen

    Warum dauert alles so lange? Eine zentrale Ursache ist die Überlastung des gesamten Gesundheitssystems. Im Jahr 2022 zählten die 694 französischen Notaufnahmen insgesamt 20,9 Millionen Besuche – eine Zahl, die seit Jahrzehnten stetig wächst. Ein erheblicher Anteil der Patienten kommt allerdings nicht wegen lebensbedrohlicher Notfälle, sondern weil sie anderswo keine medizinische Versorgung finden.

    21 % der Befragten gaben an, dass sie in der Notaufnahme gelandet sind, weil sie keinen Termin bei einem Allgemeinmediziner bekommen konnten. Zum Vergleich: 2013 waren es erst 14 %. Der Mangel an Hausärzten treibt also immer mehr Menschen in die Notaufnahmen – mit fatalen Folgen für das gesamte System.

    Gleichzeitig fehlt es in den Notaufnahmen selbst an Personal. Zwischen März und Juni 2023 mussten 8 % der Notaufnahmen in Frankreich mindestens einmal vorübergehend schließen, weil nicht genug Ärzte und Pflegekräfte verfügbar waren. 23 % der Notaufnahmen führten eine Art Zugangsbeschränkung ein, um die Patientenströme zu regulieren.

    Das ungelöste Problem: Zu wenig Personal, zu viele Patienten

    Die Lage ist nicht nur angespannt, sondern auch gefährlich. Bereits im November 2023 warnte der französische Rechnungshof vor einer zunehmenden „Verschlechterung der Versorgungsqualität“ in den Notaufnahmen. Längere Wartezeiten bedeuten oft schlechtere Behandlung – und erhöhen in manchen Fällen sogar das Sterberisiko.

    Ein weiterer besorgniserregender Trend ist der sogenannte „Patientenkorridor“-Effekt: Weil Betten fehlen, müssen Patienten immer häufiger auf Fluren oder in improvisierten Bereichen untergebracht werden. Ein Zustand, den einige Mediziner bereits als „strukturelle Misshandlung“ bezeichnen.

    Dabei waren die Versprechen groß: Präsident Emmanuel Macron kündigte noch 2022 an, die Notaufnahmen bis Ende 2024 zu entlasten. Doch von diesem Ziel ist Frankreich weit entfernt. Statt Verbesserungen gibt es weiterhin geschlossene Abteilungen, überfüllte Wartebereiche und frustriertes medizinisches Personal.

    Fazit: Eine Krise ohne schnelle Lösung

    Die französischen Notaufnahmen sind chronisch überlastet, und Besserung ist nicht in Sicht. Die steigenden Patientenzahlen, der Mangel an Hausärzten und der Personalmangel in den Kliniken lassen kaum Spielraum für schnelle Lösungen. Während die Politik nach Antworten sucht, bleibt den Patienten nur eines: Warten. Und das oft stundenlang.

    Autor: C. Hatty

  • Erdbeben nahe Nizza: Keine Schäden, aber viele spürten die Erschütterung

    Erdbeben nahe Nizza: Keine Schäden, aber viele spürten die Erschütterung

    Am Dienstagabend bebte in den französischen Alpen-Maritimes die Erde. Ein Erdbeben der Stärke 4 erschütterte gegen 18:45 Uhr die Region nahe Berre-les-Alpes, nördlich von Nizza. Glücklicherweise gibt es bisher keine Berichte über Verletzte oder Schäden.

    Die Erde bewegt sich – spürbar für viele

    Das Epizentrum des Bebens lag auf etwa 700 Metern Höhe nahe Berre-les-Alpes, aber die Erschütterungen waren weit über diesen Punkt hinaus spürbar. Die Zivilschutzbehörde der Alpes-Maritimes bestätigte, dass sie zahlreiche Meldungen über das Beben erhalten habe.

    Auch die Stadt Nizza wandte sich an die Öffentlichkeit: „Haben Sie heute Abend die Erde beben gespürt?“, hieß es auf dem sozialen Netzwerk X. Dort wurde das Epizentrum etwa sechs Kilometer nordöstlich von Carros verortet.

    Nachbeben und Entwarnung für die Küste

    Wenige Minuten nach der Haupterschütterung registrierten Experten ein Nachbeben der Stärke 2,1. Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi versicherte auf X, dass die städtischen Risikomanagement-Teams die Lage genau im Auge behalten.

    Eine weitere Sorge konnte die Präfektur der Alpes-Maritimes schnell ausräumen: Es bestehe keinerlei Tsunami-Gefahr. Das unabhängige seismologische Netzwerk Sismoazur verortete das Epizentrum zwischen Berre-les-Alpes und Coaraze, ebenfalls nördlich von Nizza.

    Mehr Schreck als Schaden

    Auch wenn das Beben keine Schäden verursacht hat – das Gefühl, wenn die Erde plötzlich wackelt, bleibt für viele unheimlich. Die Feuerwehr erhielt zahlreiche Anrufe besorgter Bürger, und der lokale Sender „Ici Azur“ (ehemals France Bleu) stellte sein Telefon für Erfahrungsberichte der Hörer offen.

    Dass Erdbeben in dieser Region vorkommen, ist nicht ungewöhnlich, wenn auch meist in schwächerer Intensität. Die Nähe der Alpen und tektonische Verschiebungen sorgen immer wieder für kleinere seismische Aktivitäten.

    Doch am Ende bleibt die wichtigste Nachricht: Niemand wurde verletzt, und die Region kam mit einem Schrecken davon.

    Von Andreas M. B.

  • Rennes: Mobile Impfteams schützen Schüler vor Meningokokken

    Rennes: Mobile Impfteams schützen Schüler vor Meningokokken

    Meningitis ist auf dem Vormarsch – auch in Frankreich. Um junge Menschen besser zu schützen, startet in der Metropolregion Rennes eine groß angelegte Impfkampagne direkt in den Schulen. Das Modell könnte schon bald landesweit ausgerollt werden.

    Impfung dort, wo die Jugendlichen sind

    Die Gesundheitsbehörden von Bretagne reagieren entschlossen auf die steigende Zahl von Meningokokken-Infektionen. In Zusammenarbeit mit der Region Bretagne und dem Département Ille-et-Vilaine setzt die Agence régionale de santé (ARS) mobile Impfteams in den Schulen ein. Seit dem 18. März besuchen sie 22 Internatsgymnasien in Rennes und Umgebung, um knapp 2 000 Schüler*innen gegen die gefährlichen Erreger zu impfen.

    Das Konzept? Einfach, aber effektiv. Mobile Teams impfen direkt vor Ort – sowohl in öffentlichen als auch in privaten und landwirtschaftlichen Gymnasien. Damit ergänzt das Angebot die bestehenden vier Impfzentren sowie die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Pro Tag können so bis zu 60 Schüler geimpft werden.

    Ein Modell für ganz Frankreich?

    Die Kampagne folgt einem straffen Zeitplan: Bis zum 4. April erhalten die Jugendlichen ihre erste Dosis, nach den Osterferien geht es am 22. April mit der zweiten Runde weiter. Spätestens Ende Mai soll die Impfaktion abgeschlossen sein.

    Doch Rennes könnte nur der Anfang sein. Gesundheitsminister Aurélien Rousseau erwägt eine landesweite Kampagne nach diesem Vorbild – noch vor dem Sommer. Besonders im Fokus: die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Und ab dem neuen Schuljahr sollen dann auch 11- bis 14-Jährige im Rahmen einer kombinierten Impfung gegen Meningokokken und HPV geschützt werden.

    Infektionszahlen steigen rasant

    Warum all diese Maßnahmen? Weil Meningokokken-Infektionen extrem gefährlich sind. Die Bakterien können eine Meningitis oder eine lebensbedrohliche Sepsis auslösen. In manchen Fällen treten Gelenkentzündungen oder Magen-Darm-Symptome auf. Unbehandelt verläuft die Krankheit oft tödlich – und das in kürzester Zeit.

    Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit dem Ende der Corona-Beschränkungen steigen die Infektionen rapide an. 2024 wurden bereits über 600 Fälle registriert – ein Höchststand seit 20 Jahren. Ein besorgniserregender Trend, dem die Behörden mit ihrer neuen Impfstrategie entgegentreten wollen.

    Könnte dieser Ansatz auch in anderen Ländern Schule machen? Angesichts der wachsenden Fallzahlen wäre das durchaus denkbar. Denn wenn die Impfung direkt in die Schulen kommt, sinkt die Hürde für junge Menschen erheblich. Und genau das könnte am Ende Leben retten.

    Von C. Hatty

  • Frankreich verstärkt seine Verteidigungsfähigkeit: Beschleunigte Beschaffung von Rafale-Kampfjets und Investitionen in die nukleare Abschreckung

    Frankreich verstärkt seine Verteidigungsfähigkeit: Beschleunigte Beschaffung von Rafale-Kampfjets und Investitionen in die nukleare Abschreckung

    In einer Zeit zunehmender globaler Unsicherheit hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 18. März 2025 bedeutende Maßnahmen zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit angekündigt. Bei einem Besuch auf der Luftwaffenbasis 116 Luxeuil-Saint-Sauveur in Luxeuil-les-Bains (Haute-Saône) erklärte Macron, dass der Staat die Bestellungen des Kampfflugzeugs Rafale erhöhen und beschleunigen werde, um den aktuellen geopolitischen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Entscheidung, die Beschaffung der Rafale-Jets zu intensivieren, unterstreicht Frankreichs Bestreben, seine Luftstreitkräfte zu modernisieren und auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Die Rafale, entwickelt von Dassault Aviation, gilt als eines der fortschrittlichsten Mehrzweckkampfflugzeuge weltweit und spielt eine zentrale Rolle in der französischen Verteidigungsstrategie. Neben der Aufstockung der Rafale-Flotte kündigte Macron an, dass die Basis in Luxeuil bis 2035 die neueste Version des Rafale sowie den hype…

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  • Maine-et-Loire: Wenn Versicherungen unerschwinglich werden

    Maine-et-Loire: Wenn Versicherungen unerschwinglich werden

    Versicherungen werden teurer – so teuer, dass immer mehr Kommunen sich diese schlicht nicht mehr leisten können. Im Département Maine-et-Loire hat man Konsequenzen gezogen: Bestimmte Gebäude sind nicht mehr versichert. Explodierende Kosten zwingen zum Umdenken Es klingt fast unglaublich: Innerhalb eines Jahres sind die Versicherungskosten für das Département Maine-et-Loire von 155.000 Euro auf 1,3 Millionen Euro gestiegen. Das entspricht einer Erhöhung von über 800 Prozent. „Wer würde eine solche Steigerung akzeptieren – ob als öffentliche Einrichtung oder Privatperson?“, fragt die Präsidentin des Départements. Eine berechtigte Frage. Die Entscheidung, auf eine Versicherung zu verzichten, hat gravierende Folgen. Zwar bleibt der Schutz für Personenschäden bestehen, doch bei Bränden oder anderen Sachschäden müsste das Département die Kosten selbst tragen. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht das Dilemma: Während der Unruhen von 2023 wurde ein Gebäude der Verwaltung durch ein Feuer schwer …

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