Kategorie: Frankreich

  • Französische Feuerwehr im Fadenkreuz: Warum trifft die Gewalt gerade sie?

    Französische Feuerwehr im Fadenkreuz: Warum trifft die Gewalt gerade sie?

    Sie retten Leben, löschen Brände, sind bei Unfällen die Ersten vor Ort – und trotzdem geraten sie immer häufiger selbst in Gefahr. Die Rede ist von den französischen Feuerwehrleuten, die mittlerweile nicht nur gegen Flammen kämpfen, sondern auch gegen eine wachsende Welle von Gewalt und Respektlosigkeit.

    Alltag mit Risiko

    1.500 Angriffe im Jahr 2024. Das ist traurige Realität – Tendenz steigend. Was früher absolute Ausnahmen waren, gehört heute in manchen Gegenden zur schlimmen Routine. Ob verbale Angriffe, körperliche Übergriffe oder gar gezielte Attacken mit Waffen oder Fahrzeugen – die „soldats du feu“, wie sie in Frankreich genannt werden, fühlen sich zunehmend wie Freiwild.

    Ein besonders erschütternder Vorfall: In Évian-les-Bains wurde ein freiwilliger Feuerwehrmann mit voller Absicht von einem Auto überfahren – während er versuchte, ein gefährliches nächtliches Strassenrennen zu stoppen. Er überlebte nur knapp. Liegt im Koma. Die Kollegen? Fassungslos – und wütend.

    Der moralische Kollaps

    Hinter jeder Uniform steckt ein Mensch – mit Familie, Freunden und einem Beruf, der eigentlich aus Berufung entsteht. Doch wie lange noch? Viele berichten offen von Erschöpfung, von psychischer Belastung und dem Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Ein Feuerwehrmann bringt es auf den Punkt: „Wir sollen Leben retten. Aber wer schützt unser eigenes?“

    In besonders sensiblen Stadtteilen bleibt das Feuerwehrauto mittlerweile manchmal stehen – aus Sicherheitsgründen. Kein schlechter Scherz, sondern pure Vorsicht. Es kommt vor, dass erst die Polizei anrücken muss, bevor die Feuerwehr überhaupt ausrücken kann. Das kostet Zeit – und manchmal Leben.

    Politik im Schritttempo

    Natürlich hat der Staat reagiert – zumindest ein bisschen. Testweise wurden Körperkameras eingeführt, in Brennpunktvierteln begleitet die Polizei Einsätze häufiger als früher. Doch die Feuerwehr selbst hält das für kaum mehr als Pflaster auf offene Wunden. Was sie fordern, ist eine klare gesellschaftliche Positionierung: mehr Rückhalt, klare rechtliche Rahmenbedingungen und die konsequente Durchsetzung von Strafen.

    Denn obwohl das Gesetz harte Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte vorsieht – bis zu zehn Jahre Haft und saftige Geldstrafen – bleiben die Verurteilungen oft aus. Das Gefühl, dass Täter kaum Konsequenzen fürchten müssen, frisst sich tief ins Vertrauen der Retter.

    Ein Spiegelbild der Gesellschaft

    Die Gewalt gegen Feuerwehrleute ist kein Phänomen im luftleeren Raum. Sie zeigt, wie tief die Risse im gesellschaftlichen Gefüge mittlerweile gehen. Was ist das für ein Zustand, in dem ausgerechnet Lebensretter zur Zielscheibe werden?

    Die Antwort ist komplex, aber nicht unlösbar. Klar ist: Es braucht mehr als nur neue Ausrüstung oder Polizeibegleitung. Es braucht Respekt – und zwar echten, nicht aufgesetzten. Dieser Respekt wächst nicht durch Appelle oder Social-Media-Kampagnen, sondern durch echte Aufklärung, Integration und gelebte Solidarität.

    Ein gefährdeter Beruf mit Berufung

    Was geschieht, wenn sich immer mehr Feuerwehrleute zurückziehen, wenn Ehrenamtliche aufhören oder Hauptberufliche den Job wechseln? Dann brennt es an allen Ecken – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Und diese Vorstellung ist alles andere als abwegig.

    In Gesprächen mit Einsatzkräften fällt immer wieder ein Wort: „Abkehr“. Die Angst, dass irgendwann niemand mehr kommt, wenn der Notruf gewählt wird. Ein düsteres Szenario? Vielleicht. Aber sind wir nicht längst auf dem Weg dorthin?

    Perspektivwechsel dringend nötig

    Das Ansehen der Feuerwehr war in Frankreich – wie auch anderswo – jahrzehntelang unantastbar. Der Mann oder die Frau in Uniform galt als Held des Alltags. Heute: Skepsis, Misstrauen, Ablehnung. Eine gefährliche Entwicklung.

    Aber es gibt auch Hoffnung. Initiativen von Bürgern, die sich öffentlich hinter ihre Feuerwehr stellen. Schulen, die Kinder mit Blaulichtteams bekannt machen. Kommunen, die den Dialog zwischen Bevölkerung und Rettungskräften stärken. Solche Ansätze sind klein – aber sie setzen etwas in Bewegung.

    Denn eines ist sicher: Ohne ein starkes Netz an Rettern verliert jede Gesellschaft ein Stück ihrer Seele.

    Von Andreas M. Brucker

  • Brennende Gefahr auf sechs Beinen: Wie sich die Prozessionsspinner in Frankreich ausbreiten

    Brennende Gefahr auf sechs Beinen: Wie sich die Prozessionsspinner in Frankreich ausbreiten

    Einmal gesehen, vergisst man sie nicht: lange Reihen von pelzigen Raupen, die wie an einer unsichtbaren Schnur aufgereiht durch die Gegend marschieren. Die Rede ist von den Prozessionsspinnern – kleinen Insekten mit großer Wirkung. Was vor wenigen Jahrzehnten noch ein südfranzösisches Phänomen war, hat sich inzwischen zum landesweiten Problem gemausert. Und die Wurzel dieses Übels? Der Klimawandel.

    Ein Wintermärchen? Leider nicht.

    Früher hielten kalte Winter und knackige Fröste diese Plagegeister in Schach. Heute? Ein milder Februar reicht aus, damit sich die ersten Larven zeigen – teilweise Wochen früher als noch vor zwanzig Jahren. Die wärmeren Temperaturen verlängern nicht nur ihre Lebenszyklen, sie geben ihnen auch mehr Raum zur Entfaltung. Und plötzlich sind sie da: in Parks, Schulhöfen, Gärten und selbst in Städten, die früher als zu kühl galten.

    Dabei handelt es sich in Frankreich hauptsächlich um zwei Arten: den Kiefern-Prozessionsspinner (Thaumetopoea pityocampa) und den Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Zusammen haben sie inzwischen rund 80 % der französischen Départements erobert. Kein Witz – das ist eine biologische Invasion im Tarnmantel.

    Winzige Haare, große Wirkung

    Jetzt könnte man meinen: Was soll’s, sind ja bloß Raupen. Aber die haben’s faustdick hinter den Ohren – oder besser gesagt: auf dem Rücken. Ihre winzigen Härchen sind nicht nur stechend urtizierend, sondern auch gefährlich für Menschen und Tiere. Kaum sichtbar, aber höchst wirksam. Die Folge: juckende Hautausschläge, gereizte Augen, Hustenanfälle und – bei Pech – sogar asthmatische Reaktionen.

    Für Hunde wird es noch kritischer. Einmal geschnüffelt oder gar geleckt, kann das Gewebe an der Zunge absterben. In schlimmen Fällen endet der Kontakt tödlich. Wer also glaubt, ein Waldspaziergang im Frühjahr sei harmlos, sollte zweimal hinschauen – oder auf ein Pfotenverbot setzen.

    Ein Flickenteppich aus Maßnahmen

    Natürlich wird nicht tatenlos zugeschaut. In ganz Frankreich probieren Kommunen, Förster, Gärtner und Privatpersonen verschiedenste Methoden aus, um den unliebsamen Gästen Herr zu werden.

    Ein Klassiker: mechanische Fallen. Diese „Raupen-Kragen“ werden um Baumstämme gelegt und fangen die Tiere während ihres Abmarschs in den Boden ab. Simpel, aber nur dann effektiv, wenn es koordiniert auf vielen Bäumen gleichzeitig passiert.

    Dann gibt’s da noch den Bacillus thuringiensis, ein natürlich vorkommendes Bakterium, das gezielt die Larven angreift. Klingt öko und clever – funktioniert allerdings nur, wenn man es im richtigen Moment einsetzt und das Wetter mitspielt.

    Und schließlich der biologische Trumpf: Meisen. Diese gefiederten Helfer lieben Raupen. Wer also Nistkästen im Garten aufhängt, unterstützt die natürliche Kontrolle. Doch auch hier gilt: Ohne Vielfalt im Lebensraum bleibt selbst die beste Meise machtlos.

    Nicht zu vergessen: das manuelle Entfernen der Nester. Vor allem im Winter, wenn die Tiere noch träge sind, steigen mutige Helfer mit Schutzausrüstung in luftige Höhen, um die Gespinste zu beseitigen. Das ist mühsam, gefährlich – aber manchmal nötig.

    Warum klappt die Bekämpfung nicht besser?

    Weil’s kompliziert ist. Jede Maßnahme für sich genommen hilft – ein bisschen. Doch ohne einen gemeinsamen, großflächigen Plan bleiben viele Aktionen nur Tropfen auf dem heißen Stein. Eine flächendeckende Koordination fehlt oft, vor allem in kleinen Gemeinden mit begrenzten Mitteln.

    Und ehrlich gesagt: Die vollständige Ausrottung dieser Tiere? Illusion. Vielmehr geht es darum, mit ihnen zu leben – kontrolliert, informiert und vorbereitet.

    Die Stunde der Kommunen

    Zunehmend liegt die Verantwortung bei den lokalen Behörden. Einige Städte und Dörfer haben schon eigene Verordnungen erlassen. Andere setzen auf Aufklärungskampagnen: Wie erkenne ich ein Nest? Was tun bei einem Stich? Wie schütze ich meine Familie?

    Aber: Viele Kommunen fühlen sich alleingelassen. Zwischen Verwaltungschaos, Sparzwängen und mangelnder Expertise bleiben viele Fragen offen. Braucht es nicht endlich einen nationalen Notfallplan?

    Eine Lehre fürs Klima – und fürs Leben

    Diese kleinen Raupen sind nicht bloß ein Forstproblem. Sie zeigen auf fast schon schmerzhafte Weise, wie tief der Klimawandel in unser Leben eingreift. Was einst regional begrenzt war, ist heute ein Symptom eines viel größeren Problems.

    Doch statt zu resignieren, können wir lernen. Vor allem, dass ökologischer Wandel uns überall begegnet – manchmal auf sechs kleinen Beinen mit Widerhaken. Dass Prävention oft besser ist als Nachsorge. Und dass Zusammenarbeit der Schlüssel ist – zwischen Behörden, Bürgern, Forschenden und der Natur selbst.

    Wie wär’s mit einer Vision? Eine Welt, in der Städte so grün sind, dass natürliche Feinde der Raupen sich wohlfühlen. In der Kinder im Frühling unbeschwert draußen spielen können, ohne dass sie Ausschlag riskieren. In der Biodiversität nicht nur auf dem Papier steht, sondern in jedem Park spürbar ist.

    Denn auch wenn diese haarigen Krabbler uns einiges abverlangen – sie erinnern uns daran, dass jedes System aus dem Gleichgewicht geraten kann, wenn man nicht genau hinsieht.

    Von Andreas M. Brucker

  • ESC 2025 in Basel: Musik, Magie – und mittendrin die Debatte um Israel

    ESC 2025 in Basel: Musik, Magie – und mittendrin die Debatte um Israel

    Der Countdown läuft: Am 17. Mai 2025 wird die St. Jakobshalle in Basel zum Zentrum Europas. Oder besser gesagt – der musikalischen Seele Europas. Der Eurovision Song Contest kehrt zurück in die Schweiz, nachdem Nemo 2024 mit dem Song „The Code“ triumphierte. Nun hat Basel das Zepter in der Hand – und die Erwartungen sind hoch.

    Schon die Wahl der Gastgeberstadt war ein Statement: Nicht Zürich, nicht Genf, nicht Bern – sondern Basel. Eine Stadt, die durch ihre Lage im Dreiländereck – Frankreich, Deutschland und der Schweiz – ein Sinnbild für kulturellen Austausch ist. Zwischen Rhein, Museen und moderner Architektur entsteht ein Eurovision-Mekka. Public Viewings im Stadion, Fan-Zonen in der Stadt, internationale Beats auf Schweizer Boden – klingt nach einem Fest, oder?


    Die Bühne steht – aber wer steht drauf?

    37 Länder schicken ihre musikalischen Vertreter in den Wettbewerb. Das Line-Up ist so bunt wie eh und je. Klar qualifiziert für das Finale sind die „Big Five“ – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich – plus die Schweiz als Gastgeber. Aber wer sind die heimlichen Favoriten?

    Da wäre zum Beispiel Schweden. Das Trio KAJ mit ihrem schwedisch-spaßigen Titel „Bara Bada Bastu“ sorgt bereits jetzt für Ohrwurmpotenzial. Österreich schickt den charismatischen JJ mit „Wasted Love“ ins Rennen – ein Song, der mit seiner Mischung aus Elektropop und Herzschmerz definitiv Chancen hat. Und Deutschland? Hier bleibt es spannend – erste Proben haben für gemischte Reaktionen gesorgt, aber Überraschungen sind beim ESC ja keine Seltenheit.


    Ein charmantes Trio am Mikro

    Für Stimmung und Glanz auf der Bühne sorgen Michelle Hunziker, Hazel Brugger und Sandra Studer. Ein Dreiergespann mit Schlagfertigkeit, Charme und Erfahrung. Die Halbfinale am 13. und 15. Mai werden von Brugger und Studer moderiert, Hunziker stößt beim großen Finale dazu. Die Chemie zwischen den drei Moderatorinnen? Vielversprechend.

    Was neben den Shows passiert, ist mindestens genauso spannend: Das Eurovision Village lädt Fans zur Party im Herzen der Stadt, im EuroClub feiern die Künstler – und in der „Eurovision Street“ pulsiert das Leben. Es ist das, was den ESC so besonders macht: Er ist nicht nur ein Wettbewerb – er ist ein Festival der Kulturen.


    Zwischen Musik und Meinung

    So ausgelassen die Stimmung auch ist – der ESC 2025 ist nicht frei von Kontroversen. Besonders die Teilnahme Israels sorgt für Spannungen. Vor dem Hintergrund des aktuellen Konflikts im Gazastreifen regen sich Stimmen, die einen Ausschluss fordern. Die EBU hält dagegen: Der Wettbewerb soll unpolitisch bleiben. Ein Anspruch, der bei vielen längst als illusorisch gilt.

    Und dann wäre da noch die Entscheidung, auf der Bühne nur noch nationale Flaggen zuzulassen. Für viele Fans – vor allem aus der LGBTQ+-Community – ein Affront. Denn der ESC war für sie stets ein Raum der Sichtbarkeit. Ein sicherer Hafen. Warum jetzt diese Einschränkung?

    Die Debatte ist hitzig. Auf Social Media überschlagen sich die Kommentare. Und mittendrin bleibt die Frage: Wie politisch darf, wie politisch muss ein Musikwettbewerb sein?

    Die Show hinter der Show

    Was den ESC aber ausmacht – das sind die Geschichten abseits der Bühne. Die Künstler, die zum ersten Mal vor einem Millionenpublikum stehen. Die Fans, die von überall her anreisen. Die Outfits, die provozieren. Die Töne, die verbinden. Wer je bei einem Eurovision-Finale dabei war, weiß: Es ist mehr als nur Musik. Es ist ein Gefühl.

    In Basel trifft europäischer Zusammenhalt auf Schweizer Präzision. Während die Kameras surren, die Lichter blitzen und die Beats donnern, passiert etwas Unverwechselbares – ein Kontinent feiert sich selbst. Mit all seinen Widersprüchen.


    Finale mit Spannung – und Seele

    Am 17. Mai 2025 geht’s um alles. Wer gewinnt? Wer wird gefeuert? Wer berührt wirklich? So viel ist sicher: Der ESC 2025 wird uns überraschen. Mit Klängen, mit Stimmen – und vielleicht mit einem Moment, der in Erinnerung bleibt.

    Und mal ehrlich: Gibt es ein besseres Zeichen für ein friedliches Miteinander als ein Songwettbewerb, bei dem Menschen verschiedenster Kulturen gemeinsam feiern – trotz aller Unterschiede?

    Von Andreas M. B.

  • Gisèle Halimi auf der Bühne: Eine Stimme für die Freiheit – kraftvoll gespielt von Marie-Christine Barrault

    Gisèle Halimi auf der Bühne: Eine Stimme für die Freiheit – kraftvoll gespielt von Marie-Christine Barrault

    Wenn Worte zu Waffen werden, braucht es jemanden, der sie mit Herzblut führt. In „Gisèle Halimi – une farouche liberté“ auf der Bühne der Scala Paris geschieht genau das: Die Erinnerung an eine der bedeutendsten Stimmen des französischen Feminismus erwacht zu neuem Leben. Und das mit einer Wucht, di…

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  • Bekämpfung der medizinischen Unterversorgung: Frankreichs Parlament ringt um Lösungen

    Bekämpfung der medizinischen Unterversorgung: Frankreichs Parlament ringt um Lösungen

    Die medizinische Versorgung in strukturschwachen und ländlichen Regionen Frankreichs bleibt ein drängendes Problem – rund 2,5 Millionen Menschen leben in sogenannten „medizinischen Wüsten“. Vor diesem Hintergrund hat der französische Senat nun mit der Beratung eines Gesetzentwurfs von Senator Philippe Mouiller (Les Républicains) begonnen, der gezielt die Versorgungslücken in benachteiligten Gebieten schließen soll. Damit tritt er in Konkurrenz zu einem bereits in der Nationalversammlung verabschiedeten Gesetzesvorschlag, der auf eine stärkere Regulierung der ärztlichen Niederlassung setzt.

    Anreize statt Zwang: die Linie des Senats Im Zentrum der Initiative von Senator Mouiller steht ein Ansatz, der weniger auf Zwang als vielmehr auf Anreize setzt. So sollen Ärztinnen und Ärzte, die sich in unterversorgten Regionen niederlassen, stärker unterstützt werden – sowohl finanziell als auch durch bessere Arbeitsbedingungen. Dazu gehört der gezielte Ausbau von sogenannten maisons de santé, als…

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  • Referendum in Frankreich: Demokratisches Instrument mit hohem Preis?

    Referendum in Frankreich: Demokratisches Instrument mit hohem Preis?

    Die jüngste Einschätzung des französischen Innenministers Bruno Retailleau, wonach die Durchführung eines Referendums zwischen 100 und 200 Millionen Euro kosten könnte, hat eine erneute Debatte über die finanzielle Tragfähigkeit direkter Demokratie ausgelöst. Dabei steht weniger der konkrete Betrag im Zentrum der Auseinandersetzung als vielmehr die grundsätzliche Frage: Wie viel ist einer Demokratie die unmittelbare Mitsprache der Bürger wert?

    Die Kosten eines Referendums: realistisch und nachvollziehbar Retailleau stützt sich mit seiner Angabe auf realistische Annahmen. Bereits beim Referendum über den europäischen Verfassungsvertrag im Jahr 2005 beliefen sich die Kosten auf über 100 Millionen Euro. Seither haben sich die Aufwände durch gestiegene Preise, höhere Anforderungen an die Sicherheit sowie technische Infrastruktur weiter erhöht. Ein Referendum auf nationaler Ebene bedeutet einen massiven organisatorischen Kraftakt: Etwa 70.000 Wahllokale müssen ausgestattet und betrieben we…

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  • Drei Tote in Fort-de-France: Gewaltspirale erschüttert französisches Überseedepartement Martinique

    Drei Tote in Fort-de-France: Gewaltspirale erschüttert französisches Überseedepartement Martinique

    Ein Sonntagmorgen, der sich in das kollektive Gedächtnis der Insel einbrennen wird: Am 11. Mai 2025 kam es mitten im Zentrum von Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique, zu einer brutalen Schießerei, die drei Männer das Leben kostete. Vor einem Fast-Food-Restaurant an der Rue Ernest Deproge – unweit der belebten Uferpromenade – erschütterten Salven von Schüssen die morgendliche Ruhe.

    Die Tat war nicht nur kaltblütig, sondern in ihrer Heftigkeit schockierend.

    Zahlreiche Anwohner waren bereits auf den Beinen, joggten, frühstückten oder machten Besorgungen, als plötzlich laute Schüsse zu hören waren. Viele dachten zunächst an Feuerwerkskörper – doch es waren Schüsse aus einer automatischen Waffe. Als die Polizei kurz darauf eintraf, lagen drei Männer um die 30 regungslos am Boden. Die Täter, offenbar zwei maskierte Männer auf einem Motorroller, hatten 45 Schüsse abgegeben – eine regelrechte Hinrichtung.

    Der Tatort: ein zentraler Platz, auf dem sich normalerweise Menschen sicher fühlen. Diese Illusion ist jetzt zerstört.

    Die Stadt im Schockzustand

    Didier Laguerre, Bürgermeister von Fort-de-France, zeigte sich tief erschüttert. „Ein dreifacher Mord – am hellen Morgen, mitten im Herzen unserer Stadt. Das ist ein Albtraum für alle“, sagte er sichtlich betroffen. Die Sorge unter der Bevölkerung ist groß – denn es war nicht die erste Gewalttat in den letzten Wochen.

    Allein seit Jahresbeginn wurden auf Martinique bereits zwölf Menschen getötet, neun davon durch Schusswaffen. Die Liste der Gewalttaten wird länger, die Angst wächst. Und viele stellen sich die Frage: Wer hat hier eigentlich noch die Kontrolle?

    Der Staat reagiert – endlich?

    Noch am Montagmorgen fand eine Krisensitzung statt. Der Präfekt von Martinique, Étienne Desplanques, berief gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Staatsanwalt eine Dringlichkeitssitzung ein. Es sollen Sofortmaßnahmen zur öffentlichen Sicherheit umgesetzt werden.

    Auch Innenminister Bruno Retailleau meldete sich zu Wort. In einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) nannte er die Tat „einen weiteren unerträglichen Akt der Gewalt“ und forderte ein hartes Vorgehen gegen Drogenhandel und illegale Waffen. Worte, die man auf der Insel zwar begrüßt – aber auch mit Skepsis hört. Denn man hört sie nicht zum ersten Mal.

    Die Lage ist brisant – nicht nur in Fort-de-France

    Die blutige Bilanz der letzten Wochen ist erschreckend: Schießereien in Rivière-Pilote, Sainte-Anne, Le Marin – die Gewalt kennt auf der Insel keine geografischen Grenzen mehr. Hinter der Eskalation stehen meist rivalisierende Drogenbanden, die sich die Kontrolle über Routen, Viertel und Einflussbereiche streitig machen. Die Waffen, oft aus Südamerika und via Seeweg eingeschmuggelt, sind zahlreich – und tödlich.

    Im Jahr 2024 wurden auf Martinique 24 Morde registriert, 17 davon durch Schusswaffen. Die Insel rangiert damit an der Spitze der gewaltgeprägten Regionen Frankreichs. Ein trauriger Rekord, den niemand mehr hinnehmen will.

    Der Ruf nach entschlossenen Maßnahmen

    Serge Letchimy, Präsident der Territorialverwaltung Martiniques, ließ nach der Tat verlauten: „Martinique befindet sich in einem Notstand der öffentlichen Sicherheit.“ Er kündigte an, mit dem Präfekten und allen gewählten Vertretern umgehend eine Sicherheitskonferenz einzuberufen.

    Konkret gefordert wird unter anderem eine stärkere Polizeipräsenz, bessere Ausrüstung für die Einsatzkräfte, engere Zusammenarbeit der französischen und internationalen Sicherheitsbehörden – und vor allem: ein entschiedenes Vorgehen gegen das florierende Waffengeschäft.

    Im vergangenen Jahr wurden 177 illegale Schusswaffen sichergestellt, in den ersten Monaten dieses Jahres bereits 51. Eine Zahl, die für sich spricht – und dennoch nur die Spitze des Eisbergs zeigt.

    Und die Bevölkerung? Wartet – hofft – zittert.

    Die Menschen auf Martinique haben genug von den Lippenbekenntnissen. Sie wollen sichtbare Veränderungen, sichere Straßen, geschützte Viertel. Die brutale Tat vom Sonntag war nicht nur ein dreifacher Mord – sie war ein lauter und grausamer Weckruf. Und der muss gehört werden.

    Denn wenn morgens um sieben im Zentrum einer Stadt das Töten beginnt, dann ist es nicht fünf vor zwölf – dann ist es längst zu spät.

    Von Daniel Ivers

  • Vertrauen in die Volksabstimmung: Franzosen befürworten Referendumsvorschlag

    Vertrauen in die Volksabstimmung: Franzosen befürworten Referendumsvorschlag

    Die Stimme des Volkes – sie zählt wieder. Und sie wird lauter. Eine überwältigende Mehrheit der Französinnen und Franzosen zeigt sich offen für das Instrument der direkten Demokratie. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Elabe im Auftrag von BFMTV sprechen sich ganze 83 Prozent für die Durchführung eines Referendums aus. Das ist ein klares Signal – und es kommt nicht von ungefähr. Seit Monaten lodert in Frankreich eine Debatte, die mehr ist als nur ein politischer Schlagabtausch. Es geht um Mitsprache, um Verantwortung – und um das Vertrauen in den demokratischen Prozess. Genau hier setzt François Bayrou an. Der erfahrene Politiker, der stets zwischen den politischen Lagern balanciert, hat die Idee eines Volksentscheids über die künftige Ausrichtung der Staatsfinanzen in den Raum geworfen. Der Zeitpunkt? Wohlüberlegt. Denn auch Präsident Emmanuel Macron brachte in seinen Neujahrswünschen für 2025 die Möglichkeit mehrerer Referenden ins Spiel. Am Dienstagabend könnte er in einer S…

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  • Zwischen Felsen und Himmel – ein Besuch in Rocamadour

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  • Le Puy-en-Velay: Wo der Jakobsweg beginnt und die Seele zur Ruhe kommt

    Le Puy-en-Velay: Wo der Jakobsweg beginnt und die Seele zur Ruhe kommt

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