Kategorie: Frankreich

  • Glanz über Marseille: Die „Bonne Mère“ hat ihre Krone zurück

    Glanz über Marseille: Die „Bonne Mère“ hat ihre Krone zurück

    Manchmal braucht es einen Helikopter, um ein Stück Identität zurückzubringen. In Marseille war genau das der Fall – und zwar für keine Geringere als die „Bonne Mère“, die Schutzpatronin der Stadt. Hoch oben auf dem Hügel, wo die Basilika Notre-Dame de la Garde über das bunte Treiben der südfranzösischen Hafenmetropole wacht, ist ein neues Kapitel angebrochen. Oder besser gesagt: ein altes wurde wieder auf Hochglanz poliert. Die Szene wirkt fast surreal. Ein Helikopter schwebt in präzisem Standflug 130 Meter über dem Boden, darunter baumelt eine massive Holzkiste, sorgfältig gesichert. Ihr Inhalt? Eine vergoldete Krone von 150 Kilogramm Gewicht und 1,50 Meter Durchmesser – frisch restauriert, glänzender denn je. Ihr Ziel: der Kopf der Madonnenstatue, die seit über 150 Jahren das Wahrzeichen der Stadt ziert. Die alte Dame hat wieder ihr Diadem. Und Marseille schaut ehrfürchtig zu. Eine Operation wie ein königliches Schauspiel Die Krone der Jungfrau mit dem Jesuskind hatte ihre Heimat auf…

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  • Korsika wagt den Sprung: 250.000 Flugtickets für mehr Tourismus im Winter

    Korsika wagt den Sprung: 250.000 Flugtickets für mehr Tourismus im Winter

    Sonnige Strände, raue Küsten, pittoreske Dörfer – Korsika ist im Sommer ein Sehnsuchtsort. Doch sobald die Ferien vorbei sind, wird es still auf der Insel. Viel zu still, findet die Collectivité de Corse. Ihr Gegenmittel: ein mutiger Plan, der europaweit für Aufsehen sorgt.

    Künftig sollen jedes Jahr 250.000 Flugtickets für die Nebensaison subventioniert werden. Die öffentliche Hand greift dafür tief in die Tasche – 2,5 Millionen Euro jährlich, vier Jahre lang. Das Ziel ist klar: mehr Besucher von Oktober bis Mai, weniger Überfüllung im Hochsommer. Eine Revolution im Rhythmus des Tourismus?

    Ein Kauf, der Vertrauen schaffen soll

    Statt zu hoffen, dass Fluggesellschaften auch im Winter Korsika anfliegen, setzt die Inselregierung auf Verbindlichkeit: Sie kauft Sitzplätze ein – im Voraus, garantiert. Das betrifft zunächst neun französische Städte wie Bordeaux, Nantes oder Straßburg. Dazu kommen drei internationale Verbindungen, etwa nach Rom oder Brüssel-Charleroi.

    Die Botschaft ist deutlich: Die Nebensaison soll nicht länger stiefmütterlich behandelt werden. Wer im Winter anreist, soll ein ebenso attraktives Korsika erleben – nur ohne die sommerliche Menschenflut.

    Ein wirtschaftlicher Hoffnungsträger

    Die Rechnung klingt verlockend: 2,5 Millionen Euro Investition könnten laut Berechnungen bis zu 100 Millionen Euro an wirtschaftlichen Effekten generieren – pro Jahr. Hotels, Restaurants, Autovermieter, lokale Produzenten: Viele könnten profitieren. Geplant sind rund sieben Millionen zusätzliche Übernachtungen über den gesamten Zeitraum.

    Doch so einfach ist die Gleichung nicht.

    Touristen müssen nicht nur kommen – sie müssen bleiben, konsumieren, wiederkommen. Ob die Flugticket-Garantie allein reicht, um das zu bewirken, bleibt offen. Ein leerer Sitz bleibt ein leerer Sitz, egal wer ihn bezahlt hat.

    Der saisonale Teufelskreis

    Korsika kennt die Schattenseiten des Sommertourismus: überfüllte Buchten, explodierende Preise, genervte Einheimische. Gleichzeitig versinkt die Insel ab Herbst in eine Art Winterschlaf. Die Straßen leer, die Fähren halbvoll, viele Hotels geschlossen.

    Der neue Plan soll diesen Kreislauf durchbrechen. Wer den Besucherstrom entzerrt, kann Lebensqualität zurückgewinnen – für Gäste wie für Einheimische. Doch dafür braucht es mehr als Flugverbindungen.

    Ohne offene Restaurants, belebte Dörfer und ein kulturelles Angebot auch im Januar wird die beste Flugverbindung nicht zum Erlebnis. Der Tourismus lebt nicht vom Ticket allein.

    Rechtlich einzigartig – aber unproblematisch?

    Dass eine europäische Region öffentlich Flugtickets einkauft, ist ein Novum. Einige fragen sich, ob das mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist. Die Initiative könnte als verdeckte Beihilfe an Airlines gewertet werden – oder als unzulässige Marktverzerrung.

    Die Collectivité de Corse sieht das gelassen. Für sie steht die nachhaltige Entwicklung des Insel-Tourismus im Vordergrund. Doch sollte Brüssel anderer Meinung sein, könnte das Projekt frühzeitig ins Wanken geraten.

    Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

    Die Idee ist mutig. Und sie macht Hoffnung. Denn sie nimmt sich eines Problems an, das viele Ferienregionen betrifft: Tourismus, der sich auf wenige Wochen im Jahr konzentriert, überfordert Mensch und Natur.

    Korsika will mehr Balance – ökonomisch, ökologisch, sozial. Das kann funktionieren, wenn alle mitziehen: Fluggesellschaften, Gastgeber, Gemeinden. Wenn auch im Februar Cafés offen sind, Wanderwege gepflegt, Märkte belebt.

    Eine rhetorische Frage stellt sich dennoch: Wird der stille Winter zur neuen Stärke der Insel – oder bleibt er ein leeres Versprechen?

    Für Deutschland ein Signal

    Gerade für deutsche Urlauberinnen und Urlauber könnte die neue Strategie reizvoll sein. Wer Ruhe sucht, mildes Klima und eine authentische Atmosphäre, findet sie eher im Frühjahr oder Herbst.

    Die Aussicht auf günstigere Flüge, mehr Verbindungen und weniger Trubel könnte neue Impulse setzen – auch jenseits der klassischen Sommerferien. Ein Korsika, für das man nicht nur Sonnencreme, sondern auch Wanderschuhe einpackt.

    Ob sich dieser Perspektivwechsel lohnt, zeigt sich in den kommenden Jahren. Klar ist: Der erste Schritt ist getan. Und er könnte Schule machen – auch für andere Regionen, die unter dem ewigen Sommer-Hype ächzen.

    Von C. Hatty

  • Urteil ohne Leiche, Schuldspruch ohne Geständnis – der Fall Jubillar und die Frage nach der Wahrheit

    Urteil ohne Leiche, Schuldspruch ohne Geständnis – der Fall Jubillar und die Frage nach der Wahrheit

    Cédric Jubillar ist schuldig gesprochen worden – und doch bleibt ein tiefes Unbehagen. Es ist nicht der Schuldspruch an sich, der dieses Gefühl nährt, sondern die Abwesenheit all dessen, was ein Urteil dieser Tragweite in der Regel trägt: ein Geständnis, ein klarer Beweis, eine Leiche. All das fehlt. Und dennoch steht am Ende dieses Prozesses ein Satz, der nicht mehr revidierbar scheint: Dreißig Jahre Haft wegen Mordes an der eigenen Ehefrau. Ein Mann wird verurteilt, obwohl die Getötete nicht gefunden wurde. Nicht einmal ein Ort, an dem sie liegen könnte. Keine Waffe. Kein plausibles, lückenloses Motiv. Es bleibt eine Kette aus Indizien – zugegeben: zahlreich, belastend, schwerwiegend. Doch reicht das? Die Geschworenen des Schwurgerichts in Albi sagen: ja. Und doch steht dieses Urteil, so rechtmäßig es juristisch auch zustande gekommen sein mag, auf einem schmalen Grat. Was in Frankreich derzeit diskutiert wird, geht über den Einzelfall hinaus. Es berührt das Fundament der Strafjustiz…

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  • Schweigen brechen, Wahrheit suchen – Der Missbrauchsfall Pierre Bernard erschüttert Le Havre

    Schweigen brechen, Wahrheit suchen – Der Missbrauchsfall Pierre Bernard erschüttert Le Havre

    Die Kirche fragt. Und sie bittet um Antworten. Am 16. Oktober 2025 hat das Bistum Le Havre in Frankreich einen öffentlichen Aufruf gestartet – einen Appell an alle, die Opfer oder Zeuginnen und Zeugen sexueller Übergriffe durch den verstorbenen Priester Pierre Bernard geworden sein könnten. Es geht um Taten, die sich zwischen 1958 und 2014 zugetragen haben sollen. Zwei anerkannte Missbrauchsfälle liegen bereits vor. Doch nun steht mehr auf dem Spiel. Es geht um Glaubwürdigkeit. Um Gerechtigkeit. Und vor allem um Menschen, die vielleicht seit Jahrzehnten mit einer schmerzhaften Erinnerung leben – im Verborgenen, in der Stille, mit niemandem, der zuhört. Ein Aufruf – schwer und notwendig „Ihre Aussagen werden mit Respekt, Diskretion und Wohlwollen aufgenommen.“ So verspricht es das Bistum. Dahinter steckt mehr als nur eine freundliche Geste. Es ist ein Versprechen, das zugleich Mut und Sensibilität fordert – von jenen, die sich melden sollen, und von jenen, die zuhören müssen. Der Fall P…

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  • Im Herzen eines grünen Geheimnisses – die Vallée de la Creuse

    Im Herzen eines grünen Geheimnisses – die Vallée de la Creuse

    Wer durch Frankreich reist und nicht den ausgetretenen Pfaden folgt, stößt manchmal auf Orte, die sich anfühlen wie ein Flüstern aus einer anderen Zeit. Die Vallée de la Creuse ist genau so ein Ort. Ein Flusstal wie aus einem Gemälde – farbenreich, still und irgendwie magisch. Hier entstand im 19. Jahrhundert eine beeindruckende Bewegung impressionistischer […]

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  • Kupferklau in Frankreich: Wenn das Netz plötzlich verschwindet

    Kupferklau in Frankreich: Wenn das Netz plötzlich verschwindet

    Mitten in der Nacht wird es dunkel in Condé‑sur‑l’Escaut. Nicht, weil die Stadt Strom sparen will – sondern weil 44 Straßenlaternen plötzlich keinen Strom mehr haben. Der Grund: Jemand hat die Kupferkabel gestohlen, die sie versorgen. Der Schaden? Über 60.000 Euro. Das ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines wachsenden Problems in Frankreich: dem organisierten Diebstahl von Kupferkabeln. Was früher als Gelegenheitsverbrechen auf Baustellen begann, hat sich zu einer industrialisierten Form der Kriminalität entwickelt – mit gravierenden Folgen für Bürger, Unternehmen und Infrastruktur. Ein unsichtbares Netzwerk des Diebstahls Über 1.300 gemeldete Fälle allein im ersten Halbjahr 2024. Damit steuert Frankreich auf einen neuen traurigen Rekord zu – 2023 waren es insgesamt rund 1.500 Fälle. Der Trend ist eindeutig: Kupfer ist zum heißen Gut geworden. Und der Schwarzmarkt boomt. Betroffen sind längst nicht mehr nur Bahnstrecken oder große Baustellen. Heute verschwinden Kabel aus Hausanlage…

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  • Herbstsonne in Menton: Warum der Oktober hier wie ein zweiter Sommer wirkt

    Herbstsonne in Menton: Warum der Oktober hier wie ein zweiter Sommer wirkt

    Während anderswo der Herbst schon mit grauen Wolken und ersten Regenschauern um die Ecke kommt, badet Menton – dieses charmante Küstenstädtchen an der französisch-italienischen Grenze – noch in goldenem Licht. Im Oktober wirkt die Stadt wie ein ruhiger Rückzugsort, der mit warmem Wetter, leeren Stränden und entspannten Preisen lockt. Die Menschen flanieren durch die Altstadt, […]

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  • Fondant au Chocolat et Crème de Châtaignes – Eine herbstliche Hommage

    Fondant au Chocolat et Crème de Châtaignes – Eine herbstliche Hommage

    🍂 Einleitung: Wenn die Kastanie den Kakao küsst In der klassischen französischen Pâtisserie ist der Fondant au Chocolat (nicht zu verwechseln mit dem amerikanischen Lava Cake, obwohl sie sich ähneln) ein Inbegriff der dekadenten Einfachheit: außen gebacken, innen sinnlich weich – fast flüssig. In di…

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  • Parmentier de Canard aux Châtaignes – Die Seele des französischen Herbstes

    Parmentier de Canard aux Châtaignes – Die Seele des französischen Herbstes

    🥄 Ein Klassiker, neu gedacht „Parmentier“ ist in Frankreich das, was der Shepherd’s Pie für die Briten ist – ein Auflauf mit einer herzhaften Fleischbasis, gekrönt von einer Schicht Kartoffelpüree. Benannt wurde das Gericht nach Antoine-Augustin Parmentier, einem Apotheker des 18. Jahrhunderts, der …

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  • Korsikas Küche: Herzhaft, ehrlich, hausgemacht

    Korsikas Küche: Herzhaft, ehrlich, hausgemacht

    Auberginen, Kalb und Olivenöl – klingt mediterran, nicht wahr? Aber wer jetzt an irgendeine beliebige südfranzösische Küche denkt, liegt weit daneben. Die korsische Küche hat ihren ganz eigenen Charakter. Sie ist wie die Insel selbst: wild, sonnendurchtränkt und tief verwurzelt im Boden, den sie nährt. Und genau hier beginnt unsere kulinarische Reise – fernab von […]

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