Kategorie: Nordwest

  • Ein Wolf in der Bucht des Mont-Saint-Michel – Rückkehr eines legendären Raubtiers

    Ein Wolf in der Bucht des Mont-Saint-Michel – Rückkehr eines legendären Raubtiers

    Der Wolf ist zurück – und sorgt für Aufregung in der Normandie. In der malerischen Bucht des Mont-Saint-Michel, einem Ort, der eher für seine mittelalterliche Abtei als für wilde Raubtiere bekannt ist, wurde ein einzelner grauer Wolf gesichtet. Der erste bestätigte Nachweis dieser Art in der Region seit Jahrzehnten.

    Aber während Naturschützer diese Rückkehr als Erfolg für die Artenvielfalt sehen, erleben Schafzüchter die Schattenseite. Seit Jahresbeginn hat der Wolf bereits mehrere Herden angegriffen – mit teils tragischen Folgen. Manche Tiere wurden direkt getötet, andere verletzt, und einige sind in Panik geflüchtet, nur um dann in der Kälte zu verenden.

    Ein Drama, das zwei Seiten hat: Angst und Faszination.


    Ein Wolf in der Normandie – Wie ist das möglich?

    Die Normandie gehört nicht zu den klassischen Wolfsgebieten in Frankreich. Bis vor wenigen Jahren war der nächste bekannte Wolfbestand in den Alpen oder den Vogesen zu finden. Doch Wölfe sind ausdauernde Wanderer. Junge, allein umherstreifende Tiere legen oft Hunderte Kilometer auf der Suche nach neuem Revier zurück.

    Genau das scheint hier passiert zu sein. Laut der französischen Behörde für Biodiversität (OFB) handelt es sich um einen einzelnen grauen Wolf – vermutlich ein Jungtier auf Wanderschaft. Die Präfektur der Manche betont, dass das Tier nur „auf der Durchreise“ gewesen sei.

    Aber ist das wirklich so? Oder könnte der Wolf bleiben und sich sogar eine neue Population bilden?


    Der Wolf und die Weidetiere – ein ewiger Konflikt

    Die Rückkehr des Wolfs sorgt für gespaltene Meinungen. Besonders betroffen sind die Schafzüchter, die um ihre Tiere fürchten. Und die Angst ist nicht unbegründet: Ein einziger Angriff kann eine ganze Herde aufschrecken. Die Folge? Getötete und verletzte Schafe – und manchmal auch solche, die vor lauter Panik in Schluchten oder Flüsse stürzen.

    Der betroffene Landwirt in der Normandie ist wütend und traurig zugleich. „Ich bin am Boden zerstört“, sagt er, „aber auch irgendwie fasziniert – ein Wolf, hier bei uns! Das hätte ich nie für möglich gehalten.“

    Solche Gefühle sind nicht ungewöhnlich. Der Wolf ist ein Symboltier, das tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Er steht für Wildnis und Freiheit, aber auch für Gefahr und Zerstörung.

    Die Frage bleibt: Wie können Landwirtschaft und Raubtiere nebeneinander existieren?


    Schutzmaßnahmen: Was können Landwirte tun?

    In Frankreich gibt es Förderprogramme für Schutzmaßnahmen gegen Wölfe. Dazu gehören Herdenschutzhunde, stabile Nachtpferche oder Elektrozäune. Doch diese Maßnahmen sind nicht überall einfach umzusetzen – vor allem in Regionen, in denen es bislang keine Wölfe gab.

    In den Alpen und Pyrenäen gibt es bereits Erfahrungswerte. Dort helfen große, wehrhafte Hunde wie der Patou, ein Pyrenäen-Berghund, die Herden zu schützen. Doch in der Normandie? Dort sind Weidezäune oft niedrig, und Schafe weiden auf offenen Flächen – ein Paradies für einen hungrigen Wolf.

    Die Politik steht also vor einem Dilemma: Soll der Wolf geschützt oder reguliert werden?


    Wölfe in Frankreich: Eine Erfolgsgeschichte der Natur

    Der graue Wolf war in Frankreich lange Zeit verschwunden. Im 19. Jahrhundert wurde er fast ausgerottet, weil er als Bedrohung für Vieh und Menschen galt. Doch seit den 1990er Jahren kehrt er langsam zurück – aus den italienischen Alpen kommend, breitete er sich zunächst in Südostfrankreich aus.

    Heute gibt es in Frankreich wieder mehrere Hundert Wölfe, vor allem in den Alpen, dem Zentralmassiv und den Vogesen. Einzelne Tiere wurden sogar in der Bretagne und nun auch in der Normandie gesichtet.

    Für den Naturschutz ist das ein großer Erfolg. Denn der Wolf spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem. Er reguliert Wildbestände und trägt dazu bei, dass sich Wälder und Wiesen in einem natürlichen Gleichgewicht halten.

    Aber was bedeutet das für Regionen, die bisher wolfsfrei waren?


    Akzeptanz und Konfliktlösung – Ist ein Kompromiss möglich?

    Die Diskussion um den Wolf ist oft emotional. Auf der einen Seite stehen Naturschützer, die seine Rückkehr als ökologischen Gewinn feiern. Auf der anderen Seite Bauern, die um ihre Existenz kämpfen.

    In manchen Ländern gibt es Lösungsmodelle, die beide Seiten berücksichtigen. In Deutschland etwa gibt es Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere und finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen. Schweden verfolgt ein System von „Schutzjagden“, bei denen gezielt einzelne Problemwölfe entnommen werden.

    Und Frankreich? Hier steht die Debatte noch am Anfang.

    Es wird nicht der letzte Wolf sein, der in der Normandie auftaucht. Die Frage ist nur: Sind wir bereit, mit ihm zu leben?

    Von Andreas M. B.

  • Felssturz in Port-en-Bessin: Die Natur nimmt sich ihren Raum zurück

    Felssturz in Port-en-Bessin: Die Natur nimmt sich ihren Raum zurück

    Es rumst, Steine poltern, Staub wirbelt auf – und plötzlich ist ein Stück der Küste verschwunden. Genau das ist am vergangenen Samstag in Port-en-Bessin-Huppain, einem malerischen Küstenort in der Normandie, passiert. Ein Teil der Steilküste hat nachgegeben und ist in die Tiefe gestürzt. Die Folge: Die betroffene Strandzone bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt.

    Doch ist das wirklich eine Überraschung?

    Wenn Felsen ins Rutschen kommen

    „Das ist ein instabiler Bereich“, sagt Christophe Van Roye, der Bürgermeister der Gemeinde. „Hier gab es schon vor vier Jahren einen kleinen Felssturz.“ Diesmal war es aber mehr als nur ein bisschen Gekrümel. Eine größere Partie der Klippe nahe der historischen Tour Vauban hat sich gelöst und eine breite Schneise in die Landschaft geschlagen.

    Die Ursache? Eine klassische Mischung aus natürlichen Kräften.

    „Wir hatten eine Phase mit extrem viel Niederschlag, dann kam Frost, dann wieder Tauwetter – das bringt Bewegung in den Fels“, erklärt Van Roye. Und das sei erst der Anfang. Denn die Erosion macht keine Pause, und der Klimawandel gibt ihr noch einen Extraschub.

    Klimawandel und Küstenerosion: Eine unaufhaltsame Dynamik?

    Die Normandie ist kein Einzelfall. Küsten weltweit kämpfen mit ähnlichen Problemen. Stärkere Stürme, steigende Meeresspiegel, mehr Regen – all das setzt den Klippen zu. Prognosen des Weltklimarates (IPCC) gehen davon aus, dass der Meeresspiegel bis 2100 um einen Meter steigen könnte. Klingt nach wenig? Ein Meter reicht aus, um ganze Strände zu verschlucken und Steilküsten ins Wanken zu bringen.

    Van Roye ist sich dessen bewusst: „Wir müssen uns anpassen. Wir können nicht alles stabilisieren – manchmal muss man einfach die Natur machen lassen.“

    Abwarten oder handeln?

    Hier zeigt sich ein Dilemma, das nicht nur Port-en-Bessin betrifft: Soll man versuchen, Küsten durch Mauern, Beton und Ingenieurkunst zu retten – oder den Rückzug antreten? Die Niederlande setzen zum Beispiel auf massive Deiche, während Großbritannien an vielen Stellen eine kontrollierte Rückverlagerung betreibt. Das bedeutet: Häuser werden aufgegeben, Küstenlinien neu gedacht.

    Van Roye scheint sich für Letzteres zu entscheiden. „Wie schützen wir uns? Wie verlagern wir uns? Das sind die Fragen, mit denen wir uns befassen müssen.“

    Kein Einzelfall – eine Zukunftsfrage

    Der Fall von Port-en-Bessin zeigt: Küstenstädte werden sich in den kommenden Jahrzehnten zunehmend mit den Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzen müssen. Die Natur fordert sich ihren Raum zurück – und sie wird ihn bekommen.

    Von Andreas M. B.

  • Tragödie in Morbihan: Elf Monate altes Baby stirbt nach Hundebiss

    Tragödie in Morbihan: Elf Monate altes Baby stirbt nach Hundebiss

    Ein schrecklicher Vorfall erschütterte am Wochenende die Gemeinde Questembert im französischen Département Morbihan. Ein elf Monate alter Junge wurde von einem Hund der Familie – einem Malinois – angegriffen und tödlich verletzt.

    Angriff aus dem Nichts

    Es war ein gewöhnlicher Nachmittag im Zuhause der Familie. Die Eltern saßen mit ihrem Kind auf dem Sofa, die drei Hunde der Familie befanden sich ebenfalls im Raum. Nichts deutete auf eine Gefahr hin – bis plötzlich einer der Hunde losging.

    Der Malinois stürzte sich auf den Säugling, biss ihn schwer. Der Vater versuchte, einzugreifen, doch auch er wurde verletzt. Trotz des schnellen Eingreifens von 23 Feuerwehrleuten und des Notarztdienstes aus Vannes konnte das Baby nicht gerettet werden. Es verstarb noch in der Ambulanz.

    Familie unter Schock

    Die Eltern, beide etwa 30 Jahre alt, wurden in das Centre Hospitalier Bretagne Atlantique (CHBA) nach Vannes gebracht. Sie sind laut der Gemeindeverwaltung nicht polizeibekannt und führten ein unauffälliges Leben – bis zu diesem tragischen Tag.

    Die drei Hunde wurden vorübergehend betäubt und von einer spezialisierten Firma abgeholt. Der Malinois, der das Kind angriff, soll nun Verhaltensanalysen unterzogen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass er eingeschläfert wird, ist hoch.

    Warum passiert so etwas?

    Solche tragischen Vorfälle werfen immer wieder Fragen auf. War der Hund schlecht sozialisiert? Gab es Warnsignale, die übersehen wurden? Oder war es eine plötzliche, unvorhersehbare Reaktion?

    Experten warnen regelmäßig, dass Hunde, egal welcher Rasse, nie unbeaufsichtigt mit Kleinkindern gelassen werden sollten. Doch selbst bei größter Vorsicht – manchmal reicht ein Augenblick, um eine Katastrophe auszulösen.

    C. Hatty

  • Hochwasser in Frankreich: Sechs Départements weiter in Alarmstufe Orange

    Hochwasser in Frankreich: Sechs Départements weiter in Alarmstufe Orange

    Während sich das Hochwasser langsam zurückzieht, bleibt die Lage in mehreren Regionen Frankreichs angespannt. Météo-France hält sechs Départements am Sonntag, den 2. Februar, weiterhin in Vigilance Orange (Alarmstufe Orange) für Hochwasser. Betroffen sind die Somme, das Val-d’Oise, die Eure, Ille-et-Vilaine, Morbihan und Loire-Atlantique. In den Départements Oise und Sarthe hat sich die Situation leicht entspannt – sie sind nun auf Vigilance Jaune (gelbe Warnstufe) herabgestuft.

    Langsame Entspannung, aber weiterhin Gefahr

    Seit einigen Tagen zeichnet sich eine allmähliche Entspannung ab. Dennoch bleibt die Hochwasserlage kritisch. Wie der französische Hochwasserwarndienst Vigicrues in seinem aktuellen Bulletin mitteilt, sind in vielen Gebieten zwar die Wasserstände rückläufig, aber die Pegel bleiben hoch.

    „Die Tendenz zeigt in den meisten Regionen eine Verbesserung, dennoch gibt es weiterhin erhebliche Überschwemmungen in den Flussabschnitten, die unter Alarmstufe Orange stehen“, so der Bericht vom Sonntagmorgen. Neue Regenfälle werden am Sonntag zwar im Südosten Frankreichs erwartet, doch diese werden voraussichtlich keine Auswirkungen auf die Flüsse in den betroffenen Regionen haben.

    Schnellere Hilfsmaßnahmen für Betroffene

    Angesichts der dramatischen Lage hat Innenminister Bruno Retailleau angekündigt, dass das Verfahren zur Anerkennung des „état de catastrophe naturelle“ (Naturkatastrophenzustand) beschleunigt wird. Besonders betroffen ist die Stadt Redon in Ille-et-Vilaine sowie rund zwanzig weitere Gemeinden im Westen Frankreichs.

    Diese Maßnahme soll es den betroffenen Haushalten und Unternehmen ermöglichen, schneller finanzielle Unterstützung aus dem staatlichen Hilfsfonds zu erhalten. Viele Einwohner kämpfen weiterhin mit den Folgen der Überschwemmungen – überflutete Straßen, beschädigte Häuser und landwirtschaftliche Flächen, die unter Wasser stehen.

    Hoffnung auf eine weitere Entspannung

    Auch wenn die Pegelstände langsam sinken, wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Lage vollständig normalisiert. Experten mahnen zur Vorsicht: Das Hochwasser kann in manchen Regionen noch Tage oder sogar Wochen nachwirken.

    Die Behörden raten der Bevölkerung, weiterhin aufmerksam zu bleiben und offizielle Warnhinweise zu beachten.

    Von Andreas M. Brucker

  • Redon nach dem Hochwasser: Die Fluten weichen nur langsam

    Redon nach dem Hochwasser: Die Fluten weichen nur langsam

    In Redon und anderen betroffenen Gemeinden der Bretagne beginnt die langersehnte Entspannung – doch sie lässt auf sich warten. Das Wasser zieht sich zwar zurück, aber nur in Zeitlupe. Für viele bleibt die Rückkehr in die eigenen vier Wände eine quälende Geduldsprobe.

    Ein Alltag zwischen Hoffnung und Verzweiflung

    Jean-François Longuet steht seit Tagen vor seiner Haustür und fragt sich, wann er endlich wieder hinein kann. „Ich frage mich, wie wir das schaffen sollen“, sagt er und schaut auf das Wasser, das sich noch immer in manchen Räumen staut. Eine Woche lang ist er schon jeden Tag hergekommen, um nach dem Rechten zu sehen.

    In den Straßen von Redon wird der Fortschritt sichtbar – aber nur Stück für Stück. Die ersten Keller werden ausgepumpt, einige Straßen tauchen langsam wieder auf. Feuerwehrleute sind im Dauereinsatz, um das Wasser aus Gebäuden zu schaffen. Doch am Morgen stand es mancherorts noch bei 1,60 Meter.

    Ein drittes Mal unter Wasser

    Jean-Paul Massiot, ein Rentner aus Redon, erlebt diese Situation nicht zum ersten Mal. „Das ist jetzt die dritte Überschwemmung für mich“, erzählt er mit einer Mischung aus Resignation und Frustration. Sein größtes Fragezeichen: Wie lange wird es dauern, bis die Versicherungen zahlen?

    Viele Bewohner stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Straßen sind teils noch unpassierbar, einige Viertel komplett abgeschnitten. Besonders dramatisch: 53 Menschen haben immer noch keinen Strom. Für sie ist die oberste Priorität, so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren – wenn das Wasser es zulässt.

    Hoffnung auf schnelle Unterstützung

    Innenminister Bruno Retailleau war vor Ort und versicherte, dass das Verfahren zur Anerkennung als Naturkatastrophe beschleunigt werde. Das bedeutet: Betroffene könnten schneller an Entschädigungen kommen.

    Doch eine Frage bleibt: Wie oft soll das noch passieren? Dass extreme Wetterereignisse wie diese in den letzten Jahren immer häufiger auftreten, ist kein Zufall. Der Klimawandel sorgt dafür, dass Starkregenfälle intensiver ausfallen und Flüsse über die Ufer treten. Wer jetzt noch glaubt, dass solche Katastrophen Ausnahmefälle bleiben, macht sich etwas vor.

    Für die Menschen in Redon heißt es derweil: Warten, Pumpen, Hoffen. Und die bange Frage – wann kommt die nächste Flut?

    Von Andreas M. Brucker

  • Flutkatastrophe in der Bretagne: Händler kämpfen mit hohen Verlusten

    Flutkatastrophe in der Bretagne: Händler kämpfen mit hohen Verlusten

    Die Wassermassen ziehen sich langsam zurück – doch die Folgen bleiben. Während die Aufräumarbeiten beginnen, stellen sich viele Menschen in der Bretagne existenzielle Fragen: Wie groß sind die Schäden? Wer kommt für sie auf? Und wie sieht die Zukunft aus?

    Guipry-Messac im Département Ille-et-Vilaine steht seit Tagen unter Wasser. Am 1. Februar setzt endlich die langsame Entwässerung ein, doch das Ausmaß der Verwüstung ist enorm. Loïc Moison, Dachdecker, blickt mit gebrochener Stimme auf seine überflutete Werkstatt. „Das ist meine ganze Kindheit“, sagt er sichtlich bewegt. Drei Tage zuvor versuchte er noch, so viel wie möglich zu retten. Doch seine Maschinen – ein Schaden von rund 100.000 Euro – stehen weiterhin im Wasser. „Hoffentlich übernehmen die Versicherungen wenigstens einen Großteil“, sagt er, aber in seiner Stimme schwingt mehr Hoffnung als Gewissheit.

    Händler stehen vor dem Nichts

    Nicht nur Privatpersonen und Handwerker sind betroffen, auch viele Geschäftsinhaber kämpfen mit den Folgen der Flut. Yves Gautier, Betreiber eines Spielecafés, betritt sein Geschäft zum ersten Mal seit den Überschwemmungen. Der Anblick ist niederschmetternd: Durchnässte Kartons, aufgeweichte Spiele, zerstörte Waren – kaum etwas ist noch zu gebrauchen. Seine Verluste beziffert er auf 5.000 bis 10.000 Euro. Und eine schnelle Rückkehr zum Alltag? Davon kann keine Rede sein.

    „Wir warten auf die Gutachter der Versicherungen“, sagt Gautier. Doch selbst wenn das Geld irgendwann fließt, bleibt noch ein langer Weg: Reinigung, Reparaturen, Neubeschaffungen – und all das ohne laufende Einnahmen.

    Hoffnung auf Unterstützung

    Für viele Betroffene geht es jetzt um die Existenz. Werden die Schäden von den Versicherungen vollständig übernommen? Wie schnell erfolgt die Auszahlung? Und was passiert mit denen, die gar nicht oder nur unzureichend abgesichert sind?

    Während die Bretagne mit den Folgen der Flut kämpft, zeigen sich Parallelen zu anderen Katastrophen dieser Art: Die wirtschaftlichen Schäden für kleine Betriebe sind oft enorm, die Erholung dauert Monate oder gar Jahre. Wer keine finanziellen Rücklagen hat, steht vor einer ungewissen Zukunft.

    Aber eines zeigt sich auch immer wieder: Die Solidarität in den betroffenen Regionen ist groß. Freiwillige helfen beim Aufräumen, Nachbarn unterstützen sich gegenseitig. Die Hoffnung bleibt, dass die Behörden und Versicherungen schnell handeln – denn für viele zählt jeder Tag.

    Von Andreas M. Brucker

  • Vandalismus an der Grabstätte von Jean-Marie Le Pen

    Vandalismus an der Grabstätte von Jean-Marie Le Pen

    Unbekannte Täter haben das Grab des ehemaligen rechtsextremen Politikers Jean-Marie Le Pen geschändet. Die Tat ereignete sich in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar auf dem Friedhof von La Trinité-sur-Mer im Département Morbihan. Laut ersten Informationen handelt es sich um eine „erhebliche Beschädigung“, wie der EU-Abgeordnete Gilles Pennelle gegenüber „Ici Bretagne“ mitteilte.

    Spurensicherung läuft – Details noch unklar

    Auch Philippe Olivier, EU-Abgeordneter der Partei Rassemblement National und Schwiegersohn von Jean-Marie Le Pen, bestätigte gegenüber französischen Medien: „Ja, das Grab wurde geschändet.“ Eine Bewohnerin der Gemeinde hatte den Vorfall bemerkt und die Behörden alarmiert. Die Gendarmerie hat die Ermittlungen aufgenommen.

    Bislang gibt es keine offiziellen Angaben, was genau beschädigt wurde. Fest steht nur, dass es sich um eine graue Marmorplatte handelt, auf der die Geburts- und Sterbedaten des FN-Gründers sowie sein Vorname eingraviert sind.

    Eine umstrittene Figur – und ein Vorfall mit politischer Brisanz

    Jean-Marie Le Pen verstarb am 7. Januar 2024 im Alter von 96 Jahren. Der Gründer des Front National (heute Rassemblement National) war eine zentrale Figur der französischen Rechten – eine umstrittene Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die politische Landschaft Frankreichs prägte.

    Seine Beisetzung fand am 11. Januar unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit statt. Rund 200 Personen, darunter seine Tochter Marine Le Pen, seine Tochter Marie-Caroline sowie seine Enkelin Marion Maréchal, nahmen an der Trauerfeier in der Kirche Saint-Joseph teil. Auch Jordan Bardella, der aktuelle Vorsitzende des Rassemblement National, war anwesend, hielt sich jedoch im Hintergrund.

    Motiv und Täter noch unbekannt

    Ob der Vandalismus eine politische Botschaft enthält oder reine Zerstörungswut war, bleibt abzuwarten. Fälle von Grab-Schändungen aus ideologischen Motiven sind nicht neu – oft dienen sie als Symbolakte gegen die betreffende Person oder deren politische Bewegung.

    Die Behörden setzen ihre Untersuchungen fort. Ob Überwachungskameras oder Zeugenaussagen zur Identifizierung der Täter beitragen können, ist noch offen.

    Eines steht fest: Dieser Vorfall wird für Diskussionen sorgen.

    Von C. Hatty

  • Karneval in Frankreich: Palets Bretons – Der knusprige Genuss aus der Bretagne

    Karneval in Frankreich: Palets Bretons – Der knusprige Genuss aus der Bretagne

    Wenn es um köstliche französische Leckereien geht, darf die Bretagne nicht fehlen. Diese Region ist berühmt für ihre reichhaltige Küche, gesalzene Butter und köstliches Gebäck. Ein Highlight unter den bretonischen Spezialitäten sind die Palets Bretons – köstlich buttrige, knusprige Kekse, die perfek…

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  • Flutkatastrophe in Redon: Eine Stadt im Wasser gefangen

    Flutkatastrophe in Redon: Eine Stadt im Wasser gefangen

    Normalerweise fließt die Vilaine ruhig durch die Stadt, umgeben von Marschland, Kanälen und Feldern. Doch seit dem 29. Januar sieht Redon (Ille-et-Vilaine) aus wie eine Festung – umzingelt nicht von Mauern, sondern von Wasser. Die 10.000-Einwohner-Stadt ist weitgehend abgeschnitten, Straßen sind überflutet, Notfallkräfte im Dauereinsatz.

    Mitten in der Nacht abgeschnitten

    Schon in den Abendstunden zeichnete sich ab, dass die Lage kritisch werden würde. Dann ging alles schnell: Wasser drückte von allen Seiten ins Stadtgebiet, Straßen verwandelten sich in reißende Ströme. Kurz nach Mitternacht entschieden die Behörden, die Zufahrtswege zu sperren – aus Sicherheitsgründen.

    Eintritt verboten, außer für Rettungskräfte und Anwohner, die dringend nach Hause mussten.

    In einigen Vierteln blieb den Menschen nichts anderes übrig, als improvisierte Holzstege zu nutzen, um von A nach B zu kommen. Ein schmaler Grat zwischen Normalität und Katastrophe – buchstäblich.

    Die Pegel steigen weiter

    Am Morgen des 30. Januar steht das Wasser in einigen Bereichen bereits 5,10 Meter hoch. Und es steigt weiter.

    Die Marschlandschaft ist nicht wiederzuerkennen, Äcker und Weinberge sind verschwunden, die Vilaine hat sich aus ihrem Bett erhoben und beansprucht das Zentrum für sich.

    Und die Schutzmaßnahmen? Sie halten kaum stand. Die Barrieren am Hafen geben dem Druck nach, das Wasser strömt unaufhaltsam weiter. Einkaufszentren stehen bereits unter Wasser. Vom Parkplatz ist nichts mehr zu sehen – nur noch ein stiller See.

    Und die Tankstelle? Man erkennt sie noch. Aber wie lange?

    Die Prognosen sind düster: Der Wasserstand könnte den ganzen Tag über weiter steigen.

    Eine Stadt im Ausnahmezustand

    Redon ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren häufen sich Hochwasserereignisse in Frankreich, oft als Folge extremer Wetterbedingungen. Mehr Niederschlag in kürzerer Zeit, dazu ein bereits gesättigter Boden – perfekte Bedingungen für Überschwemmungen.

    Kann sich Redon noch retten? Die nächsten Stunden werden es zeigen.

    Von Andreas M. B.

  • Hochwasser in Redon: Droht ein neuer Rekord?

    Hochwasser in Redon: Droht ein neuer Rekord?

    In Redon (Ille-et-Vilaine) steht das Wasser so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr – und es steigt weiter. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 1936 könnte in den nächsten Stunden überschritten werden.

    Eine kritische Lage

    Die Pegelstände der Vilaine steigen unaufhörlich. Schon jetzt bewegen sie sich in einem Bereich, der als historisch bezeichnet werden kann. Laut Anne Morantin, Leiterin der Hochwasservorhersage bei der Dreal Bretagne (Direction régionale de l’environnement, de l’aménagement et du logement), steht Redon vor einem der höchsten Hochwasserstände seiner Geschichte.

    Die Départements Ille-et-Vilaine und Morbihan befinden sich weiterhin in der höchsten Alarmstufe – der roten Hochwasserwarnung. Besonders betroffen ist Redon, das genau an der Schnittstelle dieser beiden Regionen liegt. Hier ist die Situation besonders kritisch, da der Hochwasserscheitel der Vilaine noch nicht erreicht ist.

    Wann kommt die Entspannung?

    Zusätzliche Regenfälle in den vergangenen Stunden haben die Lage weiter verschärft. „Wir haben gestern und in der Nacht erneut Niederschläge erlebt, die das Wasser wieder etwas ansteigen lassen“, erklärt Morantin. Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Experten rechnen mit einem baldigen Rückgang der Pegel – zumindest in bestimmten Teilen des Flusseinzugsgebiets.

    Zunächst wird sich die Lage im Oberlauf der Vilaine entspannen, etwa in den Zuflüssen wie dem Meu. Weiter flussabwärts, also in der mittleren und unteren Vilaine, verzögert sich die Entlastung. Für Redon bedeutet das: Geduld ist gefragt. Da die Stadt am Unterlauf des Flusses liegt, wird sie den höchsten Pegel erst später zu spüren bekommen.

    Ein neuer Höchststand?

    Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1936 lag bei 5,46 Metern. Aktuell befinden sich die Pegel bereits in Rekordnähe – und steigen weiter. „Der Wasserstand in Redon nimmt zwar langsamer zu, aber er steigt weiterhin“, so Morantin. In den nächsten 24 Stunden könnte der historische Wert erreicht oder sogar überschritten werden.

    Wird 2025 also als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Redon die schlimmste Flut seit fast 90 Jahren erlebte? Die kommenden Stunden werden entscheidend sein.

    Artikel: MAB