Kategorie: À la une

  • Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Sarkozy hinter Gittern: Wie der Ex-Präsident ab dem 21. Oktober in der Haftanstalt Pariser La Santé leben muss

    Ein französischer Ex-Präsident im Gefängnis – das gab es noch nie. Und doch wird Nicolas Sarkozy ab dem 21. Oktober genau dort sein: in der traditionsreichen Pariser Haftanstalt „La Santé“. Fünf Jahre Haft, sofort vollstreckt, trotz Berufung. Die Justiz zeigt Härte. Doch was genau erwartet den 70-Jährigen hinter den Mauern dieser geschichtsträchtigen Einrichtung? Ein Blick auf das juristische Fundament, die möglichen Haftbedingungen – und die offenen Fragen, die über diesem historischen Fall schweben.

    Ein Urteil mit Signalwirkung Am 25. September 2025 verurteilte das Pariser Strafgericht Nicolas Sarkozy wegen „krimineller Vereinigung“ im Zusammenhang mit dem mutmaßlich illegalen libyschen Wahlkampffinanzierungssystem. Fünf Jahre Gefängnis, sofort vollstreckt. Trotz Berufung greift das Urteil unmittelbar – ein seltener Ausnahmefall in Frankreichs Justizgeschichte. Die Schwere der Tat lasse keine andere Wahl, so die Richter. Sarkozys Anwälte können noch auf eine vorläufige Haftverschonu…

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  • Auf Bewährung: Der zweite Anlauf von Sébastien Lecornu

    Auf Bewährung: Der zweite Anlauf von Sébastien Lecornu

    Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu steht vor einem politischen Stresstest. Nur wenige Tage nach der Ernennung seines zweiten Kabinetts muss sich seine Regierung der Nationalversammlung stellen – ohne stabile Mehrheit, aber mit einem Haushaltsentwurf, der die fragile Balance zwischen fiskalischer Verantwortung und politischem Überleben wahren soll. Die bevorstehende Erklärung Lecornus zur allgemeinen Regierungspolitik dürfte zum Bewährungstest werden. Scheitert Lecornu an der Hürde einer Vertrauensabstimmung oder an einem erfolgreichen Misstrauensvotum, droht erneut der Zusammenbruch seiner Regierung – und womöglich Neuwahlen.

    Ein Haushalt unter Druck Im Zentrum des heutigen Tages steht der Haushaltsentwurf für 2026 – ein Text, der eigentlich technokratisch daherkommt, in Wirklichkeit jedoch hochpolitisch ist. Angesichts der angespannten Lage an den Märkten und eines erwarteten Defizits von 5,4 % des BIP im laufenden Jahr sieht sich die Regierung gezwungen, Konsolidier…

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  • Frankreichs CO2-Ziele in weiter Ferne: Kein Sektor hält den Klimakurs ein

    Frankreichs CO2-Ziele in weiter Ferne: Kein Sektor hält den Klimakurs ein

    Der Countdown zur COP30 läuft – und Frankreich steht auf der Bremse. Während sich die Weltgemeinschaft auf den nächsten großen Klimagipfel vorbereitet, schlägt das Réseau Action Climat Alarm: Die Emissionen sinken – aber viel zu langsam.

    Gerade einmal 0,8 Prozent weniger CO₂-Emissionen soll Frankreich im laufenden Jahr verzeichnen. Eine Zahl, die ernüchtert.

    Denn um seine Klimaziele für 2030 zu erreichen, müsste das Land jährlich rund fünf Prozent einsparen.

    Stattdessen: ein massiver Dämpfer.

    Klimaambitionen im Stillstand

    „Wir erleben aktuell einen kompletten Stillstand bei der Reduktion der Treibhausgase“, erklärt Anne Bringault, Programmdirektorin beim Réseau Action Climat, im französischen Radiosender France Inter.

    Ihr Befund fußt auf den neuesten Berechnungen des Citepa – einem technischen Institut, das im staatlichen Auftrag Frankreichs nationale Treibhausgasbilanz erstellt. Der Bericht, der exakt einen Monat vor Beginn der COP30 veröffentlicht wurde, liefert keine ermutigenden Perspektiven:

    Nach deutlich spürbaren Rückgängen in den Jahren 2022 (-3,9 %) und 2023 (-6,8 %) sowie einer bereits gedämpften Prognose für 2024 (-1,8 %) flacht der Abwärtstrend weiter ab.

    Und das in einer Phase, in der eigentlich das Gegenteil nötig wäre.

    Kein Bereich auf Kurs – Frankreichs Klimapolitik in der Krise

    „Kein einziger Sektor liegt auf Kurs“, kritisiert Bringault. Besonders gravierend sei die Lage im Verkehrssektor – dem größten Emittenten von Treibhausgasen im Land.

    Laut Citepa wird hier 2025 lediglich ein Rückgang um magere 1 % erwartet. Ein Tropfen auf den heißen Asphalt.

    Bringaults Fazit: Frankreich verbrennt weiterhin viel zu viel Diesel und Benzin. Alternativen wie der öffentliche Nahverkehr, der Zug oder E-Mobilität entwickeln sich schlicht nicht schnell genug. Der Grund? Fehlende und vor allem unstetige staatliche Unterstützung.

    Ein weiteres Sorgenkind: der Gebäudesektor.

    Statt einer Reduktion der Emissionen prognostizieren die Experten sogar einen leichten Anstieg. Der Grund: Kürzungen bei den Förderprogrammen für energetische Sanierungen.

    Ein kalter Wintermonat reicht dann schon, um die Heizungen hochzufahren – und mit ihnen die CO₂-Emissionen.

    Politischer Fokus auf Nebenschauplätzen

    Während die Klimakrise drängt, verlieren sich viele politische Debatten in parteiinternen Grabenkämpfen.

    „Diese Frage sollte die Politik weit mehr beschäftigen als all die inneren Querelen, die derzeit die öffentliche Debatte dominieren“, sagt Bringault. Ihre Botschaft ist deutlich: Klimapolitik braucht Kontinuität, Mut – und klare Prioritäten.

    Dass es auch anders geht, zeigte Frankreich zumindest kurzfristig im Energiesektor: Zwischen 2022 und 2024 sanken die Emissionen aus der Energieproduktion deutlich – um 7 % und nochmals 4 %.

    Doch auch hier kündigt Citepa für 2025 eine deutliche Verlangsamung an.

    Der Schwung – er verpufft.

    Ein Gipfel mit Symbolkraft

    Die Veröffentlichung der Daten kommt nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt. Vom 10. bis 25. November findet im brasilianischen Belém die COP30 statt – ein zentrales Treffen der internationalen Klimadiplomatie.

    Frankreichs Zwischenbilanz fällt dabei alles andere als rosig aus.

    Zwar war das Land in den vergangenen Jahren vielfach Vorreiter auf dem diplomatischen Parkett – man denke an das Pariser Klimaabkommen. Doch innenpolitisch scheint die Luft raus zu sein.

    Die Klimapolitik des Landes krankt an politischer Inkonsistenz, wirtschaftlichen Zwängen und einem gesellschaftlichen Spagat zwischen Anspruch und Alltag.

    Rhetorik kontra Realität

    Frankreichs Regierung hat ambitionierte Ziele formuliert – bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden.

    Doch zwischen Strategiepapieren und Realität klafft eine wachsende Lücke.

    Es fehlen verbindliche Maßnahmen, konsequente Anreize – und ein langer Atem.

    Wie will Frankreich seine Pariser Verpflichtungen einhalten, wenn schon das Tagesgeschäft zur Herausforderung wird?

    Der große Hebel: Politischer Wille

    Die gute Nachricht: Die technische Machbarkeit ist längst gegeben. Die nötigen Technologien existieren, die Wege sind bekannt, die Instrumente erprobt.

    Was fehlt, ist der Wille – und eine klare Priorisierung.

    Der Klimaschutz konkurriert mit wirtschaftlichen Interessen, sozialen Spannungen und politischen Kalkülen.

    Doch das Klima verhandelt nicht.

    Und die Zeit läuft.

    Autor: C.H.

  • Sommer zum Nachschlag – Die Côte d’Azur im Herbst erleben

    Sommer zum Nachschlag – Die Côte d’Azur im Herbst erleben

    Während der Norden Frankreichs die Heizung hochdreht und sich langsam an den Duft von Regen und Kastanien gewöhnt, lebt die Côte d’Azur in einem goldenen Zwischenzustand weiter. Der Sommer? Offiziell vorbei. Doch wer im Oktober die Riviera besucht, wird das kaum glauben. Denn das Wasser schmiegt sich immer noch mit rund 20 Grad an die […]

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  • Sarkozy vor dem Gefängnistor – ein historischer Tiefpunkt der französischen Republik

    Sarkozy vor dem Gefängnistor – ein historischer Tiefpunkt der französischen Republik

    Am Montag, dem 13. Oktober 2025, wird Geschichte geschrieben. Und nicht die der glanzvollen Sorte. In einem nüchternen Verwaltungsgebäude im Herzen von Paris muss sich Nicolas Sarkozy, einst Präsident der Republik, heute verurteilter Straftäter, beim Parquet national financier melden. Zweck der Ladung: Bekanntgabe des Termins und Ortes seiner bevorstehenden Inhaftierung. Ein Präsident, der in ein Gefängnis einzieht – das hat es in Frankreich unter der Fünften Republik noch nie gegeben. Der einstige Hoffnungsträger der bürgerlichen Rechten, der Mann, der sich als „Präsident der Tat“ inszenierte, steht nun vor einem Strafvollzug von fünf Jahren. Der Vorwurf: illegale Wahlkampffinanzierung durch das Regime des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2007. Die Justiz spricht von „besonders schwerwiegenden“ Vorwürfen – und meint damit nicht nur das Strafmaß. Denn auch das Verfahren selbst ist außergewöhnlich. Haft trotz Berufung – der besondere Fall Sarkozy Das Urteil wurde Ende Sept…

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  • Diane Keaton – das Lächeln, das Hollywood prägte

    Diane Keaton – das Lächeln, das Hollywood prägte

    Sie war exzentrisch, elegant, unkopierbar – und jetzt ist sie gegangen. Diane Keaton, die eigenwillige Heldin des amerikanischen Kinos, ist am 11. Oktober 2025 im Alter von 79 Jahren in Kalifornien gestorben. Ein Verlust, der tief ins Herz Hollywoods trifft.

    Noch sind die Umstände ihres Todes unklar. Die Familie bestätigte den Tod, bat jedoch um Privatsphäre. Medien berichten, die Feuerwehr in Los Angeles sei am Samstagmorgen zu einem medizinischen Notfall in Keatons Haus gerufen worden. Was dort geschah, bleibt zunächst ein Geheimnis. Fest steht nur: Eine Ikone des Kinos hat ihre letzte Szene gespielt.

    Vom Theaterkind zur Leinwandlegende

    Diane Hall – so ihr Geburtsname – kam am 5. Januar 1946 in Los Angeles zur Welt, als ältestes von vier Kindern einer kreativen Familie. Früh entdeckte sie das Theater für sich, mit einer Begeisterung, die sie später ungebremst auf die Filmleinwand übertrug.

    Der Sprung auf die große Leinwand gelang ihr in den frühen 1970er-Jahren, und wie! Sie wurde zur Muse Woody Allens, mit dem sie in mehreren Filmen zusammenarbeitete – doch sie war weit mehr als das. Ihre Darstellung in Annie Hall (1977) machte sie zu einer der prägendsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Für diese Rolle erhielt sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin – und prägte zugleich ein neues Frauenbild im Kino: klug, etwas neurotisch, witzig, frei.

    Doch Keaton war nicht nur Annie Hall. Bereits zuvor hatte sie in Francis Ford Coppolas Der Pate als Kay Adams an der Seite von Al Pacino gespielt – eine Figur, die zwischen Liebe und Loyalität gefangen war. Diese Rolle, so still sie wirkte, war eine Art Gegenentwurf zum Glamour der damaligen Zeit. Keaton verkörperte Weiblichkeit ohne Pathos, Verletzlichkeit ohne Schwäche.

    Mit jedem Jahrzehnt wuchs ihr Repertoire. Ob in Manhattan, Reds, Marvins Töchter oder Was das Herz begehrt – sie war immer erkennbar und doch immer neu.

    Der Stil einer Frau, die nie dazugehören wollte

    Diane Keaton war nicht nur Schauspielerin, sondern auch Stilphänomen. Ihre Liebe zu Hüten, Anzügen, Krawatten – dieses androgyn-lässige Auftreten – wurde zu ihrem Markenzeichen. Während andere sich dem Glamour beugten, trug sie Tweed und Schwarz-Weiß, als wollte sie den Laufsteg Hollywoods in einen alten New Yorker Gehweg verwandeln.

    Sie selbst sagte einmal, sie habe sich „in Kleidung verliebt, weil sie ein Schutzschild ist“. Doch hinter diesem Schild steckte Humor, Verletzlichkeit, Lebensfreude – und ein Hauch von Trotz.

    In Interviews sprach Keaton offen über Essstörungen, über ihre Kämpfe mit Hautkrebs, über das Älterwerden in einer Branche, die Jugend vergöttert. Sie tat das ohne Bitterkeit, mit jener entwaffnenden Ehrlichkeit, die sie auch auf der Leinwand auszeichnete.

    Vielleicht war sie gerade deshalb so inspirierend für Generationen jüngerer Künstlerinnen – von Greta Gerwig bis Emma Stone. Sie zeigte, dass man im Rampenlicht stehen und doch ganz man selbst bleiben kann.

    Zwischen Kamera und Kameraobjektiv

    Weniger bekannt ist, dass Keaton auch hinter der Kamera brillierte. Sie arbeitete als Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Fotografin. Ihre Bildbände dokumentieren mit einem liebevollen, oft melancholischen Blick das amerikanische Leben – Häuser, Menschen, Straßen, Stille.

    Es war dieselbe Sensibilität, die sie als Schauspielerin prägte: die Fähigkeit, Schönheit in Unvollkommenheit zu sehen.

    Ein Abschied voller Würde

    Als die Nachricht ihres Todes am 11. Oktober 2025 die Runde machte, reagierte Hollywood mit Trauer – und Zuneigung. Bette Midler nannte sie „ein Original, wie es nur einmal kommt“. Steve Martin schrieb, sie habe „Licht in jede Szene gebracht, selbst in die dunklen“.

    In den sozialen Netzwerken häufen sich Erinnerungen: Drehfotos, Filmausschnitte, gemeinsame Momente. Viele sprechen von ihrer „Freundlichkeit“, von ihrer „Ansteckung durch Freude“. Worte, die selten so ehrlich klingen wie in diesem Fall.

    Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Monaten Retrospektiven und Hommagen entstehen – in Los Angeles, New York, Paris. Denn Keaton war, was man im besten Sinne eine internationale Künstlerin nennt: amerikanisch in der Form, universal in der Wirkung.

    Und man darf annehmen, dass in Kinosälen überall auf der Welt wieder jener Satz erklingen wird, der sie als Annie Hall unsterblich machte:
    „La-di-da, la-di-da.“

    Eine Frau, die nie laut sein musste, um gehört zu werden. Eine Schauspielerin, die Widersprüche liebte – und dadurch wahrhaftig blieb.

    Der Tod Diane Keatons hinterlässt eine Leerstelle in der Filmgeschichte. Aber ihr Lächeln, ihr Stil, ihre Rollen – sie bleiben, wie gutes Kino bleibt: ein Stück Seele auf Zelluloid.

    Autor: C.H.

  • Spektakuläre Rettung am Arc de Triomphe: Wenn Paris den Atem anhält

    Spektakuläre Rettung am Arc de Triomphe: Wenn Paris den Atem anhält

    Ein Freitagabend im Herzen von Paris. Die Sonne senkt sich über die Champs-Élysées, Touristen schlendern durch die herbstliche Dämmerung, der Verkehr kreiselt wie gewohnt um den Place de l’Étoile. Und plötzlich – ein Rotorengeräusch, lauter als der Trubel. Ein Helikopter nähert sich dem Arc de Triomphe. Direkt über dem monumentalen Bogen schwebt er ein, zirkelt vorsichtig heran. Was aussieht wie ein filmreifes Spektakel, ist in Wahrheit ein dramatischer Ernstfall. Ein Mann, schwer verletzt, muss vom Dach des Nationaldenkmals evakuiert werden – per Luftrettung. Was ist passiert?

    Ein Sturz, der alles veränderte Die Fakten sind so nüchtern wie erschütternd: Ein Mann in den Siebzigern stürzt gegen 19 Uhr auf die Terrasse des Arc de Triomphe. Niemand weiß genau, wie es dazu kam. War es ein Ausrutscher? Ein gesundheitliches Problem? Die Ursachen sind noch unklar. Fest steht nur: Der Mann liegt schwer verletzt auf dem Dach des…

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  • Macron gegen den Rest der Republik: Warum der Präsident jetzt auf seinen „ treuen Soldaten“ setzt

    Macron gegen den Rest der Republik: Warum der Präsident jetzt auf seinen „ treuen Soldaten“ setzt

    In einer politischen Landschaft, die an ein Pulverfass erinnert, setzt Emmanuel Macron auf einen Mann, der eigentlich schon gegangen war. Der Präsident hat Sébastien Lecornu erneut zum Premierminister ernannt – nur wenige Tage, nachdem dieser selbst seinen Rückzug erklärt hatte. Das Kalkül dahinter: Stabilität um jeden Preis. Doch was wie eine strategische Rochade wirkt, ist in Wahrheit ein riskanter Schachzug. Denn Macron steht isolierter da denn je – und Lecornu bekommt die undankbarste Rolle in diesem politischen Drama: die des Feuerwehrmanns in einem brennenden Haus.

    Der stille Aufsteiger Sébastien Lecornu, einst Verteidigungsminister, hat sich über Jahre hinweg das Image eines loyalen Technokraten erarbeitet – zurückhaltend, wortkarg, beinahe klösterlich in seinem Auftreten. Nicht umsonst nennt er sich selbst einen „moine-soldat“ – einen Mönch-Soldaten. Früh in die Politik eingestiegen, gelang ihm der Aufstieg über das Parlament bis in höchste Regierungskreise. In der Verteidigun…

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  • Macron setzt auf Loyalität: Die riskante Wiederernennung Sébastien Lecornus

    Macron setzt auf Loyalität: Die riskante Wiederernennung Sébastien Lecornus

    Fünf Tage nach dem abrupten Rücktritt seines Premiers hat Emmanuel Macron seinen Vertrauten Sébastien Lecornu erneut zum französischen Premierminister ernannt. Eine Entscheidung, die weniger Stärke als vielmehr strategisches Kalkül offenbart – und Frankreich in eine neue Phase politischer Ungewissheit führt.

    Die Rückkehr Lecornus markiert einen ungewöhnlichen Vorgang in der Fünften Republik. Kaum im Amt, war sein erstes Kabinett nach wenigen Stunden durch politischen Druck zum Rücktritt gezwungen worden. Dass Macron ausgerechnet diesen Premier erneut betraut, wirft Fragen auf – über die Handlungsfähigkeit des Präsidenten ebenso wie über den Zustand des politischen Systems.

    Ein Premierminister auf Abruf

    Sébastien Lecornu war erst am 9. September zum Premierminister ernannt worden, als Nachfolger des zurückgetretenen François Bayrou. Das von ihm am 5. Oktober vorgestellte Kabinett wurde jedoch faktisch nie arbeitsfähig: Bereits am Folgetag reichte Lecornu seinen Rücktritt ein, nachdem zentrale Reformvorhaben – insbesondere zur Finanz- und Rentenpolitik – auf massiven Widerstand gestoßen waren. Innerhalb von 14 Stunden war die Regierung Geschichte – ein beispielloser Vorgang in der jüngeren französischen Geschichte.

    Macron sah sich unter Zugzwang. Die politische Mitte ist geschwächt, die Lager zersplittert, die Oppositionsparteien stellen Maximalforderungen. Der Präsident entschied sich daher für Kontinuität – wohl weniger aus Überzeugung als mangels Alternativen.

    Kalkül statt Konsens

    Die Wiederernennung Lecornus ist Ausdruck einer doppelten Strategie: Macron will Stabilität demonstrieren, ohne die Kontrolle über das politische Zentrum zu verlieren. Lecornu gilt als loyal, durchsetzungsfähig, verwaltungserfahren – Eigenschaften, die Macron in der gegenwärtigen Lage höher zu bewerten scheint als parteiübergreifende Anschlussfähigkeit.

    Doch diese Strategie ist riskant. Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe regte sich Widerstand: Die Parti Socialiste kündigte an, eine Misstrauensabstimmung zu unterstützen, sollte die Regierung weiterhin am Einsatz des Artikels 49-3 festhalten – jenem verfassungsrechtlichen Instrument, mit dem Gesetze ohne Parlamentsabstimmung durchgesetzt werden können. Auch die linkspopulistische Partei La France Insoumise und der rechtspopulistische Rassemblement National signalisierten Ablehnung.

    Ein enges Zeitfenster für politische Handlungsfähigkeit

    Im Zentrum der aktuellen politischen Auseinandersetzung steht das Haushaltsgesetz für 2026. Frankreichs Finanzlage ist angespannt: Die EU-Kommission fordert mehr fiskalische Disziplin, die Zinsen für französische Staatsanleihen steigen, das Defizit liegt bei rund 5 % des BIP. Lecornu muss nun binnen weniger Wochen eine parlamentarische Mehrheit für das Budget finden – oder erneut auf Artikel 49-3 zurückgreifen, was die institutionelle Krise verschärfen würde.

    Gleichzeitig droht eine politische Implosion von innen: Sollte eine erneute Misstrauensabstimmung erfolgreich sein, bliebe Macron nur die Auflösung der Nationalversammlung oder die Berufung einer parteilosen Expertenregierung – Szenarien, die er bislang vermeiden wollte.

    Zwischen Systemkrise und politischer Taktik

    Die Entscheidung für Lecornu lässt sich auch als Versuch lesen, Zeit zu gewinnen. Macron steht unter wachsendem Druck: außenpolitisch durch internationale Krisen, innenpolitisch durch eine fragmentierte Nationalversammlung, sozial durch anhaltende Proteste gegen den Haushaltsplan und die Rentenreform. In dieser Lage setzt der Präsident auf das Prinzip der Loyalität statt auf den schwierigen Weg eines parteiübergreifenden Konsenses.

    Frankreich zeigt sich damit erneut als Präsidialdemokratie im Ausnahmezustand. Der Premier ist nicht Ergebnis parlamentarischer Mehrheiten, sondern Ausdruck präsidialer Machtlogik. Doch ob sich diese Strategie gegen die strukturelle Erosion der Regierungsfähigkeit durchsetzen kann, ist fraglich.

    Sébastien Lecornu steht nun vor einer doppelten Herausforderung: Er muss regieren – und zugleich ein Minimum an politischer Glaubwürdigkeit wiederherstellen. Gelingt ihm beides nicht, droht ein neuerlicher Rücktritt. Dann wäre auch Emmanuel Macron gezwungen, seine politische Linie grundlegend zu überdenken.

    Autor: P. Tiko

  • „Tout ça pour ça?“ – Wie Sébastien Lecornu zum Symbol einer politischen Farce wird

    „Tout ça pour ça?“ – Wie Sébastien Lecornu zum Symbol einer politischen Farce wird

    Es begann mit einem Paukenschlag. Und endete – genau dort, wo alles angefangen hatte. Innerhalb weniger Tage verwandelte sich die französische Regierung in ein politisches Theaterstück, das seinesgleichen sucht. Hauptrolle: Sébastien Lecornu, 38 Jahre jung, aufgestiegen aus dem Verteidigungsministerium, ambitioniert, kontrolliert, loyal. Erst berufen, dann gestürzt, am Ende wieder berufen. Frankreich staunt. Europa schüttelt den Kopf. Was ist da passiert? Sonntagabend – ein Kabinett, das schon beim Vorlesen zerbricht Der Sonntag, 5. Oktober 2025, neigte sich dem Ende zu, als Emmanuel Moulin, Generalsekretär des Elysée, mit ernster Miene die 18 Minister des neuen Kabinetts Lecornu verkündet. Eigentlich sollte das endlich Klarheit bringen. Drei Wochen hatte Lecornu sich Zeit genommen, Gespräche geführt, abgewogen – alles mit dem Ziel, ein „stabiles Team“ zu präsentieren. Stattdessen explodiert die Bombe sofort. Bruno Retailleau, starker Mann der Republikaner und frisch bestätigter Innenm…

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