Kategorie: À la une

  • Rhône: Der Fluss als Müllhalde – Frankreichs Wasserstraße im Würgegriff des Plastikzeitalters

    Rhône: Der Fluss als Müllhalde – Frankreichs Wasserstraße im Würgegriff des Plastikzeitalters

    Es ist ein Bild, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt: Eine einsamer Tretroller, verrostet und halb versunken, liegt zwischen Flusskieseln am Grund der Rhône. Daneben ein alter Computer-Tower, Kabelsalat, Fahrradschlösser, Uhren, sogar eine Hundeleine. Dinge, die man eher auf einem Sperrmüllhaufen erwartet – und nicht auf dem Grund eines der größten Flüsse Europas.

    Doch genau hier, mitten im Herzen Frankreichs, hat sich die Rhône zu einer traurigen Müllautobahn entwickelt. Nicht weil niemand hinschaut. Sondern, weil der Fluss seit Jahren mehr mit sich schleppt, als er tragen kann.

    Freiwillige im Kampf gegen den Müll

    Einmal im Monat machen sich Freiwillige mit Neoprenanzügen und Sauerstoffflaschen auf den Weg in die Tiefe. Ziel: Mülltauchen. Und das nicht zum Spaß, sondern aus bitterem Ernst. Seit acht Jahren sind sie unterwegs – Zentimeter für Zentimeter, Meter für Meter. Die NGO Odysseus leistet hier Pionierarbeit. Was sie zutage fördern, klingt absurd und tragisch zugleich: Reste studentischer Ausweise, E-Scooter, Uhren, Kinderschuhe. Ein Flohmarkt unter Wasser.

    Dabei geht es längst nicht nur um das Sichtbare. Der wahre Gegner ist viel kleiner – und gefährlicher.

    Mikroplastik: Die unsichtbare Bedrohung

    Winzige Partikel, kleiner als fünf Millimeter, treiben unbemerkt durch das Wasser. Sie entstehen, wenn Kunststoff zerfällt – über Monate, Jahre, Jahrzehnte. Man sieht sie nicht. Man riecht sie nicht. Aber sie sind da.

    Und das in beunruhigendem Ausmaß.

    Die Rhône ist heute einer der am stärksten mit Mikroplastik belasteten Flüsse Europas. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich an diesen winzigen Partikeln nicht nur Schadstoffe anlagern – sondern auch Bakterien. Krankheitserreger, die durch das Wasser transportiert werden und womöglich eines Tages über die Nahrungskette wieder bei uns und in uns landen.

    Die Vorstellung ist erschreckend – aber real.

    Der Fluss, der alles schluckt

    Ein Fluss ist kein stilles Gewässer. Er fließt, bewegt sich, trägt mit sich, was ihm begegnet. Und wenn ihm etwas begegnet, das nicht dorthin gehört, nimmt er es trotzdem mit. Mal ist es eine Plastikflasche, mal ein Einkaufskorb, mal ein ganzer Müllsack. Die Strömung kennt keine Mülltrennung.

    Besonders an der Mündung der Saône in die Rhône zeigt sich das Problem mit voller Wucht: Plastikflaschen, Schuhe, Schwimmkörper – eine schwimmende Müllinsel im Kleinformat. Der Fluss hat keine Wahl. Er ist zum Transportsystem geworden – nicht für Menschen oder Güter, sondern für Abfall.

    Dabei ist Lyon nur ein Brennpunkt unter vielen. Der ganze Fluss, von den Alpen bis ins Mittelmeer, ist betroffen. Und mit ihm die Natur, die Städte, die Menschen entlang seines Ufers.

    2027: Die Uhr tickt

    Die EU fordert: Bis 2027 sollen alle europäischen Gewässer in einem „guten ökologischen und chemischen Zustand“ sein. Das ist kein Wunschtraum – sondern Gesetz. Für den Fluss Rhône bedeutet das: Großreinemachen. Und zwar schnell.

    Denn mit jedem Tag, an dem nichts passiert, sinkt mehr Plastik auf den Grund. Mit jedem Regenguss, der Abfälle von den Straßen spült, landet mehr Unrat im Fluss. Mit jedem fahrlässigen Moment, in dem eine Wasserflasche achtlos weggeworfen wird, wächst der Müllberg weiter.

    Und dann?

    Dann wird der Fluss, der einst Lebensader war, zur toxischen Erinnerung an unser Versagen.

    Wie weiter?

    Die Lösung? Sie ist unbequem. Aber notwendig.

    Weniger Verpackung, weniger Wegwerfmentalität, mehr Verantwortung. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Es braucht stärkere Kontrollen für Industrieabfälle, bessere Filtersysteme an Kläranlagen, entschlossene Gesetzgebung gegen Mikroplastik. Und es braucht Bewusstsein – bei jedem Einzelnen.

    Denn solange wir den Fluss als Entsorgungsweg betrachten, wird er uns irgendwann das Wasser abgraben.

    Wie viele Uhren müssen noch am Grund liegen, bevor wir den Ernst der Zeit begreifen?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • „Diese Nacht hat alles verändert“ – Wie Journalisten den 13. November 2015 erlebten

    „Diese Nacht hat alles verändert“ – Wie Journalisten den 13. November 2015 erlebten

    Es war ein Freitagabend wie viele in Paris – bis um 21:16 Uhr die erste Explosion am Stade de France das Land aus seinem gewohnten Takt riss. Was folgte, war ein beispielloser Terrorangriff, der nicht nur das Herz Frankreichs traf, sondern auch den Journalismus auf eine harte Probe stellte. Die Nacht des 13. November 2015 war nicht nur eine Nacht des Schreckens, sondern auch eine Nacht der Stimmen – Stimmen von Reportern, die live berichteten, während draußen die Welt aus den Fugen geriet.

    Live im Ausnahmezustand

    In der Redaktion von France 24 herrscht gegen 21:30 Uhr bereits Alarmstufe Rot. Die ersten Meldungen von Explosionen, dann von Schüssen an Café-Terrassen, schließlich vom Sturm auf das Bataclan. Innerhalb von Minuten schalten die Sender auf Sondersendungen. Journalisten stürzen sich in einen Informationskampf gegen das Chaos – zwischen Sirenen, Gerüchten, WhatsApp-Nachrichten und Polizeifunk.

    Die Regeln des Journalismus geraten ins Wanken: Fakten prüfen, aber schnell sein. Objektiv berichten, aber mitten im Geschehen stehen. Nicht selten mischt sich Angst in die Stimme der Korrespondenten – nicht gespielt, nicht pathetisch, sondern ehrlich. Manche von ihnen berichten aus unmittelbarer Nähe, andere mussten selbst in Sicherheit gebracht werden oder versuchen ihre Familien zu erreichen, während sie senden.

    „Es war wie Krieg – aber mitten in Paris“

    Was viele dieser Berichte so eindringlich macht, ist ihre Rohheit. Kein Drehbuch, keine Rückblende – nur Stimmen, die versuchen, das Unsagbare zu fassen. Ein Reporter beschreibt, wie sich das „Knallen von Feuferwerkskörpern“, die er zunächst zu hören glaubte, als Maschinengewehrsalven entpuppten. Ein anderer erinnert sich an die Sekunden, in denen niemand wusste, ob noch weitere Anschläge bevorstanden. Das Mikrofon wird zur Lebensader – nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Journalisten selbst.

    Zugleich tauchen in den Stunden nach den Anschlägen unzählige kleine Fragmente auf: Funksprüche der Polizei, verwackelte Handybilder, Gespräche mit Augenzeugen, hektische Durchsagen in der Redaktion. Aus diesem Puzzle formt sich nicht nur ein Bild des Terrors, sondern auch ein Gefühl – das einer Stadt im Schock, aber auch mit Zusammenhalt.

    Journalismus zwischen Chronik und Mitgefühl

    In dieser Nacht verschwimmt die Grenze zwischen Beobachter und Beteiligtem. Die Medien übernehmen mehr als nur die Rolle des Chronisten. Sie übersetzen, vermitteln, beruhigen. Für ein weltweites Publikum sind sie der Filter, durch den Paris spricht. Für viele Franzosen sind sie die Stimme, die sagt: Ihr seid nicht allein.

    Einige Journalisten berichten später, wie sie ihre Arbeit unterbrechen mussten, um Schutz zu suchen. Andere beschreiben das mulmige Gefühl, mit dem sie in dunklen Straßen Übertragungswagen verließen, immer in Sorge, selbst zur Zielscheibe zu werden.

    Gerade diese Menschlichkeit – das offene Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit – gibt ihren Berichten eine Authentizität, die weit über das Ereignis hinausreicht. Es geht nicht nur darum, was passiert ist – sondern auch darum, wie es sich angefühlt hat, in dieser Nacht ein Mikrofon in der Hand zu halten.

    Langzeitfolgen – auch für die Medienwelt

    Zehn Jahre später wirkt der 13. November wie ein Einschnitt – nicht nur für Frankreich, sondern auch für den Journalismus. Noch nie zuvor war eine demokratische Gesellschaft mit einer solch orchestrierten Gewalt in ihrer Alltagskultur konfrontiert worden. Cafés, ein Stadion, ein Konzertsaal – bewusst gewählte Ziele, um das Lebensgefühl einer offenen Gesellschaft anzugreifen.

    Der mediale Umgang damit war von Beginn an ein Drahtseilakt. Wie berichtet man, ohne Panik zu schüren? Wie benennt man Täter, ohne zu stigmatisieren? Wie schützt man Opfer, ohne sie zu entmündigen? Die ethischen Dilemmata dieser Nacht hallen bis heute nach.

    Zugleich haben die damaligen Reportagen, Liveschalten und Analysen die Grundlage gelegt für das kollektive Erinnern. Sie sind keine bloßen Zeitdokumente, sondern emotionale Marker – Referenzpunkte eines nationalen Traumas. Wer heute zurückblickt, liest in diesen Berichten nicht nur, was war, sondern fühlt auch, wie es war.

    Ein Beruf unter Strom

    Die Ereignisse des 13. November haben das Selbstverständnis vieler Journalistinnen und Journalisten verändert. Die Vorstellung vom Reporter als neutralem Beobachter ist an diesem Abend zerbrochen. Geblieben ist ein Bild von Medienprofis, die unter Lebensgefahr berichten, improvisieren, empathisch sind.

    Natürlich – nicht alle Beiträge waren fehlerfrei. Es gab überhastete Meldungen, unbestätigte Gerüchte, zu früh gezogene Schlüsse. Aber im Kern war es eine Sternstunde des Live-Journalismus. Nicht wegen der Perfektion, sondern wegen der Haltung: dazubleiben, durchzuhalten, zu erzählen – für die anderen.

    Und heute?

    Die Stimmen von damals sind heute leiser geworden. Einige Reporter haben den Beruf verlassen, andere berichten noch immer, aber mit einem Schatten in der Stimme, wenn sie über diese Nacht sprechen. Die Angst ist geblieben – vor der Wiederholung, vor der Ohnmacht, vor dem Versagen.

    Doch ebenso geblieben ist ein kollektives Vermächtnis: dass Worte trösten können, dass Information Leben retten kann, dass Journalismus mehr ist als Schlagzeilen. Er ist manchmal das Einzige, was in der Dunkelheit Orientierung gibt.

    Denn wer sonst, wenn nicht sie, hätte in jener Nacht erzählen können, was niemand jemals erzählen wollte?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • November-Hitze im Südwesten Frankreichs – Zwischen Sonnenschein und Klimasorge

    November-Hitze im Südwesten Frankreichs – Zwischen Sonnenschein und Klimasorge

    Es ist ein Bild, das nicht so recht zum Kalender passt: Während andernorts der Herbst seine trüben Farben ausbreitet, sonnen sich die Menschen an der Bucht von Arcachon, als wäre August. Kinder planschen im seichten Wasser, Erwachsene genießen ihren Kaffee im T-Shirt auf der Terrasse. Am 12. und 13. November 2025 erreicht das Thermometer im Südwesten Frankreichs Spitzenwerte von bis zu 26 Grad. Ein Sommer im Herbst? Schön, ja – aber nicht ohne bitteren Beigeschmack.

    Die Wetterlage ist ungewöhnlich, beinahe surreal. In Bordeaux zeigt das Thermometer 22 Grad, an der Küste der Aquitaine sogar noch mehr. Manch einer nutzt die Gelegenheit für einen Strandtag mit der Familie, andere freuen sich schlicht über die warme Luft und die Sonne. Doch die Freude ist nicht ungetrübt. „Es ist schon schön, klar“, sagt eine Besucherin aus Bordeaux, „aber irgendwie ist es auch beunruhigend. So warm – mitten im November?“

    Meteorologen sprechen längst nicht mehr von einem Zufall. Was sich hier abspielt, sei mehr als nur eine milde Episode. „Das ist eine klare Anomalie“, erklärt Némo Pawlowski von Météo France. „Seit den 1950er-Jahren steigt die Durchschnittstemperatur in Frankreich um etwa 0,3 Grad pro Jahrzehnt. Diese Wärmeperioden im Herbst sind mittlerweile genauso bezeichnend für den Klimawandel wie die Sommerhitzen.“ Es sei kein Einzelfall mehr, sondern ein neuer Normalzustand, der sich immer deutlicher bemerkbar mache.

    Und das nicht nur beim Wetterbericht.

    Im Alltag der Menschen im Südwesten zeigen sich erste Anpassungen. Heizungen bleiben ausgeschaltet, der Kamin bleibt kalt. „Normalerweise hätte ich jetzt schon die erste Ladung Holz verfeuert“, meint ein Mann aus der Nähe von Dax. Stattdessen reicht ein Pullover – selbst am Abend. Der Energieverbrauch sinkt, doch die Unsicherheit wächst: Was bedeutet das für den Winter? Und für die kommenden Jahre?

    Auch in der Tierwelt ist der Wandel spürbar. Auf einem Reiterhof bei Arcachon müssen die Pferde wegen der ungewöhnlichen Wärme intensiver gepflegt werden. Audrey Lacondeguy, erfahrene Reiterin, beschreibt, wie sich durch das milde Klima die Zahl der Insekten verändert hat: „Wir haben deutlich mehr Zecken, was die Gefahr von Piroplasmose erhöht. Und dann sind da noch die Gastérophilen – Fliegen, die ihre Eier auf Pferde ablegen. Früher kannte man die eher aus wärmeren Monaten.“

    Was den Gastronomen an der Küste ein Lächeln entlockt, lässt Klimaforscher ratlos zurück. Denn für die Restaurants kommt der Wetterumschwung wie gerufen: Nach einem regnerischen Monatsbeginn bringt die Sonne volle Terrassen und klingelnde Kassen. „Wir hatten zwei richtig gute Tage“, berichtet Vincent Gerbaud vom Restaurant Chez Pierre in Arcachon. „Fast wie im August – das ist gut fürs Geschäft.“

    Doch wie lange kann man solche Wetterlagen noch genießen, ohne sich zu sorgen?

    Der französische Südwesten, geprägt von mildem Atlantikklima, ist schon lange bekannt für goldene Herbsttage. Doch diese Novembertage 2025 übersteigen alles Dagewesene. Sie markieren einen Kipppunkt im Bewusstsein vieler Menschen: Die Symptome des Klimawandels sind nicht mehr abstrakt, sie sind spürbar, sichtbar – und sie machen auch vor vermeintlich stabilen Jahreszeiten keinen Halt.

    Wenn der November zum zweiten Sommer wird, steht mehr auf dem Spiel als ein schöner Strandtag.

    Autor: C.H.

  • Zehn Jahre danach: Ein stilles Zeichen gegen das Vergessen

    Zehn Jahre danach: Ein stilles Zeichen gegen das Vergessen

    Am Rande der Place de la République in Paris flackern Kerzen im Abendlicht. Blumen, handgeschriebene Zettel, Fotografien. Zehn Jahre nach den verheerenden Terroranschlägen vom 13. November 2015 ruft die Stadt Paris zu einer „geste commémoratif“, einer einfachen Geste der Erinnerung, auf – und die Bürgerinnen und Bürger folgen dem Aufruf. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. Die Place de la République war damals, in den Tagen nach den Anschlägen, das symbolische Herz des öffentlichen Schmerzes. Spontan entstanden hier kleine Mahnmale, Kerzenmeere, Blumenhäufchen, Botschaften der Liebe, Trauer, Wut und Solidarität. Zehn Jahre später wird der Platz erneut zum Ort des kollektiven Innehaltens. Ohne große Worte. Ohne offizielle Zeremonien. Einfach durch die stille Präsenz der Menschen. Eine Nacht, die alles veränderte Der 13. November 2015 hat sich in das Gedächtnis der Nation eingebrannt. In nur 33 Minuten wurde Paris zum Schauplatz des schlimmsten Anschlags in Frankreich seit dem Zweiten We…

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  • Alarm über Bergerac: Drohnensichtung über Rüstungsfabrik wirft Fragen auf

    Alarm über Bergerac: Drohnensichtung über Rüstungsfabrik wirft Fragen auf

    Es war ein Montagabend wie jeder andere – bis plötzlich eine Drohne über dem Eurenco-Gelände in Bergerac die Routine störte. Zwei Mal wurde der Luftraum über dem militärisch sensiblen Standort überflogen. Zwei Mal blieb die Drohne unbehelligt. Kein Abschuss, keine Spur vom Piloten – nur eine beunruhigende Leerstelle in einem Hochsicherheitsbereich. Was zunächst wie eine kuriose Episode klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Vorfall mit weitreichenden Konsequenzen. Denn das Werk in der Dordogne ist nicht irgendein Industriegelände – hier wird Pulver für die französische Armee hergestellt. Bis zu 1.200 Tonnen jährlich. Eine Branche, die mit jeder geopolitischen Krise – von der Ukraine bis zum Nahen Osten – an strategischer Bedeutung gewinnt. Eine Drohne, viele Fragen Die französischen Behörden reagierten prompt: Eine strafrechtliche Untersuchung wurde eingeleitet, das Werk selbst kündigte eine offizielle Beschwerde an. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verschärft – verständlich…

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  • Operation Trident: Wie ein geplatzter Kokain-Coup Frankreichs Drogenfahnder in den Abgrund reißt

    Operation Trident: Wie ein geplatzter Kokain-Coup Frankreichs Drogenfahnder in den Abgrund reißt

    In Marseille überschlagen sich die Ereignisse. Das Büro einer stellvertretenden Staatsanwältin wurde durchsucht – nicht etwa von Einbrechern, sondern von der Polizei selbst. Dahinter steckt eine Affäre, die inzwischen weite Kreise zieht: Der Fall „Trident“, eine spektakulär geplante, aber kläglich gescheiterte Anti-Drogen-Operation, bringt die französische Drogenfahndung ins Wanken. Mehrere Beamte sitzen bereits auf der Anklagebank, und nun geraten auch Justizbehörden ins Visier. Frankreich schaut nach Marseille – und fragt sich: Wie konnte das passieren?

    Der Plan: 360 Kilo Kokain als Falle Es klang nach einem klassischen Manöver aus dem Drehbuch der organisierten Verbrechensbekämpfung: Eine „Lieferung unter Aufsicht“, bei der Ermittler eine große Menge Kokain kontrolliert durch das Land schleusen lassen, um die Hintermänner dingfest zu machen. 360 Kilogramm reinstes Kokain, aus Kolumbien nach Marseille verschifft. Das Ziel: der Drogenboss Mimo, berüchtigt in der Hochhaussiedlung La C…

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  • Justiz: Warum Nicolas Sarkozy keinen Kontakt zu Gérald Darmanin haben darf

    Justiz: Warum Nicolas Sarkozy keinen Kontakt zu Gérald Darmanin haben darf

    Die spektakuläre Freilassung des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy aus der Untersuchungshaft hat eine juristische und politische Debatte ausgelöst – nicht zuletzt wegen einer bemerkenswerten Auflage, die sein weiteres Verhalten betrifft: Sarkozy darf bis auf Weiteres keinen Kontakt zum amtierenden Justizminister Gérald Darmanin aufnehmen. Diese Maßnahme, die am 10. November 2025 von der Pariser Cour d’appel angeordnet wurde, ist Ausdruck eines tiefen institutionellen Misstrauens – und ein weiteres Kapitel in einem der heikelsten Justizkomplexe der jüngeren französischen Geschichte. Politisches Erdbeben mit juristischer Vorsorge Der frühere Präsident war Ende Oktober im Rahmen des sogenannten „libyschen Finanzierungsskandals“ inhaftiert worden – ein Fall, der ihm bereits seit Jahren juristisch nachhängt. Die Ermittlungen betreffen den Verdacht, dass Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2007 illegale Gelder aus Libyen entgegengenommen haben könnte – mutmaßlich direkt a…

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  • Marine Le Pen entmachtet: Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht bestätigt Amtsverlust

    Marine Le Pen entmachtet: Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht bestätigt Amtsverlust

    Frankreichs politisches Establishment erlebt ein juristisches Beben: Der Conseil d’État, das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs, hat die Amtsenthebung Marine Le Pens als Départementrätin im Pas-de-Calais bestätigt. Diese Entscheidung folgt auf ihre Verurteilung im März 2025 im Zusammenhang mit der Affäre um die fiktive Beschäftigung europäischer Parlamentsassistenten durch den Front National (heute Rassemblement National). Die einstige Präsidentschaftskandidatin verliert damit ein weiteres politisches Mandat – und gerät zunehmend unter Druck. Ein juristischer Präzedenzfall mit politischer Wucht Am 10. November 2025 wies der Conseil d’État – Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht – die Beschwerde Marine Le Pens zurück, mit der sie sich gegen ihre démission d’office wehrte, also die zwangsweise Amtsenthebung durch den Präfekten des Pas-de-Calais. Diese war nach ihrer Verurteilung durch das Strafgericht von Paris im März erfolgt: fünf Jahre Unwählbarkeit, sofort vollstreckbar, sowie …

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  • Sarkozy: Entlassung unter Auflagen – Justiz, Politik und die Frage nach dem Maß der Verantwortung

    Sarkozy: Entlassung unter Auflagen – Justiz, Politik und die Frage nach dem Maß der Verantwortung

    Nach nur zwanzig Tagen in Untersuchungshaft hat die Pariser Cour d’appel am 10. November 2025 entschieden, den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy unter strengen gerichtlichen Auflagen auf freien Fuß zu setzen. Vorausgegangen war eine historisch beispiellose Verurteilung wegen „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ im Zusammenhang mit mutmaßlich illegalem Wahlkampffinanzierungsgeld aus Libyen – ein Justizfall mit Sprengkraft für Frankreichs Rechtsstaat und politisches Selbstverständnis. Ein Ex-Präsident in Handschellen Die französische Justiz hatte am 25. September 2025 ein deutliches Signal gesendet: Fünf Jahre Haft, davon drei Jahre effektiv, für einen ehemaligen Präsidenten der Fünften Republik. Die Vorwürfe wiegen schwer: Sarkozy soll im Jahr 2007 Millionenbeträge aus dem Umfeld des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi angenommen haben, um seinen Präsidentschaftswahlkampf zu finanzieren – eine Affäre, die Frankreichs politische Klasse seit Jahren erschüttert. Mi…

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  • Wenn Bilder für sich sprechen – neue Videos entlarven Polizeigewalt in Sainte-Soline

    Wenn Bilder für sich sprechen – neue Videos entlarven Polizeigewalt in Sainte-Soline

    Es sind Szenen, die Gänsehaut verursachen – nicht nur wegen ihrer Brutalität, sondern wegen des Zynismus, der sie begleitet. In neuen Videoaufnahmen, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen ein Wasserreservoir-Projekt in Sainte-Soline im Frühjahr 2023 stehen, ist zu sehen, wie Gendarmen nicht nur massiv Gewalt anwenden, sondern sich dabei auch noch amüsieren. Die Bilder, veröffentlicht von investigativen Medien, zeigen ein Ausmaß an Polizeigewalt, das in Frankreichs öffentlicher Debatte für erneuten Aufruhr sorgt. Eskalation auf offener Wiese Die Demonstration war verboten, doch das hielt Tausende nicht davon ab, sich gegen das umstrittene „Megabassine“-Projekt im Département Deux-Sèvres zu formieren. Was als Protest begann, endete auf einem Feld in einer Art Bürgerkriegsszenerie: Tränengas, explodierende Granaten, Geschrei, Verletzte. Inmitten dieses Chaos: Gendarmen, die mit Bodycams ausgestattet waren. Deren Aufnahmen machen nun die Runde – und was sie zeigen, lässt kaum Zweifel…

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