Kategorie: Alle Artikel

  • Ekrem Imamoglu in Untersuchungshaft: Die Türkei am Rand eines politischen Bebens

    Ekrem Imamoglu in Untersuchungshaft: Die Türkei am Rand eines politischen Bebens

    Die politische Landschaft der Türkei hat am 23. März 2025 einen dramatischen Einschnitt erlebt. Ekrem Imamoglu, Bürgermeister von Istanbul und eine der wichtigsten Oppositionsfiguren gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan, wurde offiziell seines Amtes enthoben – und noch am selben Tag inhaftiert. Der Vorwurf: Korruption. Doch der Fall geht weit über ein klassisches Ermittlungsverfahren hinaus.

    „Eine Hinrichtung ohne Prozess“

    Schon am Nachmittag vor seiner Verlegung in die Marmara-Haftanstalt, auch bekannt als Silivri-Gefängnis, meldete sich Imamoglu über seine Anwälte zu Wort. Seine Worte sind unmissverständlich: „Der laufende Justizprozess ist alles andere als fair. Es handelt sich um eine Hinrichtung ohne Prozess.“ Mit dieser klaren Anklage gegen das Justizsystem des Landes setzt Imamoglu ein deutliches Zeichen – und stößt ein politisches Erdbeben los, das nicht nur Istanbul, sondern das ganze Land erschüttert.

    Bereits am Mittwoch war Imamoglu festgenommen worden. Gemeinsam mit mehreren Mitbeschuldigten wurde er wenige Tage später in die Haftanstalt gebracht.

    Der eigentliche Vorwurf: Ein politisches Bündnis

    Offiziell lautet die Anklage „Korruption“. Doch im Hintergrund steht etwas ganz anderes: ein Wahlbündnis zwischen Imamoglus Partei CHP und einer pro-kurdischen Partei. Diese wiederum wird von der Regierung verdächtigt, Verbindungen zur PKK zu pflegen – einer Organisation, die in der Türkei als Terrorgruppe eingestuft ist.

    Die Konsequenzen sind drastisch: Neben Imamoglu wurden rund 90 weitere Personen festgenommen, darunter auch zwei Bezirksbürgermeister von Istanbul. Auch sie stehen unter Verdacht, entweder in Korruption oder in „terroristische Aktivitäten“ verwickelt zu sein.

    Der Funke entzündet ein Feuer

    Was folgte, ließ Erinnerungen an die Proteste von Gezi im Jahr 2013 aufleben. Damals begann eine landesweite Protestwelle auf dem Taksim-Platz in Istanbul – jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Seit Freitagabend gehen zehntausende Menschen auf die Straße. In Istanbul, Ankara, Izmir – landesweit wächst der Unmut.

    Und das nicht nur unter Oppositionellen.

    Auch gemäßigte Stimmen, die Imamoglu nicht unbedingt politisch nahestehen, äußern sich zunehmend besorgt über das Vorgehen der Regierung. Die Sorge ist greifbar: Ist das noch Justiz oder schon politische Säuberung?

    Imamoglu als Symbolfigur

    Ekrem Imamoglu war nicht einfach nur Bürgermeister. Er war – und ist – das Gesicht einer anderen Türkei. Einer Türkei, die sich nach Veränderung sehnt, nach mehr Demokratie, mehr Rechtsstaatlichkeit, mehr europäischer Orientierung. Mit seinem Wahlsieg 2019 in Istanbul hatte er Erdogan eine empfindliche Niederlage zugefügt. Ein Signal, dass selbst große Machtapparate wanken können.

    Dass gerade er nun inhaftiert wurde, ist ein klarer Warnschuss – nicht nur an seine Unterstützer, sondern an alle, die sich gegen das aktuelle System stellen.

    Die Zeichen stehen auf Sturm

    Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Die Proteste könnten weiter anwachsen, der Druck auf Erdogan steigen. Gleichzeitig ist nicht auszuschließen, dass weitere Verhaftungen folgen – möglicherweise mit dem Ziel, die Opposition im Vorfeld der Wahlen zu schwächen.

    Doch die Bilder zehntausender Demonstranten auf den Straßen zeigen auch: Die Gesellschaft lässt sich nicht mehr so leicht einschüchtern wie noch vor einigen Jahren. Das politische Klima hat sich verändert. Viele Menschen haben das Gefühl, dass nun eine Grenze überschritten wurde.

    Und das lässt eine Frage im Raum stehen – eine, die schwer wiegt: Ist das der Anfang vom Ende einer Ära?

    Von C. Hatty

  • Ein «hochaggressiver» Besuch in Grönland – und weitere World-News

    Ein «hochaggressiver» Besuch in Grönland – und weitere World-News

    Die Beziehungen zwischen Grönland und den Vereinigten Staaten haben sich weiter verschärft. Der grönländische Premierminister Múte B. Egede reagierte gestern empört auf eine geplante Delegation hochrangiger US-Beamter, die diese Woche nach Grönland reisen soll. Er bezeichnete den Besuch als «hochaggressiv».

    Der Versuch der Grönländer, diplomatisch zu bleiben, pralle an Donald Trump und seiner Regierung ab, sagte Egede. Deren einziges Ziel sei es, «Grönland zu besitzen und zu kontrollieren». Besonders kritisierte er die geplante Teilnahme von Michael Waltz, dem nationalen Sicherheitsberater, dessen Anwesenheit lediglich dazu diene, «Macht über uns zu demonstrieren». Auch Usha Vance, die Ehefrau des Vizepräsidenten, soll Grönland besuchen.

    Präsident Trump hatte zuvor angekündigt, Grönland «so oder so» in die Vereinigten Staaten eingliedern zu wollen. Innerhalb der grönländischen Bevölkerung wächst das Misstrauen gegenüber den wahren Absichten Washingtons. Bislang hatten sich viele grönländische Regierungsvertreter um einen Balanceakt bemüht: Sie wollten ihre Souveränität betonen, ohne Trump zu provozieren.

    Die US-Regierung hingegen stellte die geplante Reise als freundlichen Besuch dar. In einer Mitteilung hieß es, Usha Vance werde eines ihrer Kinder mitbringen und an einem nationalen Hundeschlittenrennen teilnehmen.


    Israelische Streitkräfte weiten Offensive im Gazastreifen aus

    Im Norden und Süden des Gazastreifens intensiviert das israelische Militär seine Militäroperationen. Truppen nahmen zusätzliche Gebiete ein und ordneten Evakuierungen in Regionen an, in die erst kürzlich vertriebene Menschen zurückgekehrt waren. Laut israelischem Militär richteten sich die Luftangriffe gegen Ziele und Infrastruktur der Hamas.

    Die Zivilschutzbehörde im Gazastreifen warnte vor einer «unmittelbaren Gefahr für das Leben» von Zehntausenden in der Stadt Rafah. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza hat die Zahl der Todesopfer seit Beginn des Kriegs mittlerweile die Marke von 50.000 überschritten. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 39 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

    Politisch sorgt eine Entscheidung der israelischen Regierung für zusätzliche Spannungen: Das Kabinett sprach der Generalstaatsanwältin das Vertrauen ab – der erste Schritt hin zu ihrer möglichen Absetzung. Diese erklärte, die Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu versuche, sich «über das Gesetz zu stellen». Netanjahu wiederum wirft ihr vor, gezielt gegen ihn zu arbeiten.


    Annäherungsgespräche zwischen der Ukraine und den USA in Saudi-Arabien

    Vertreter der ukrainischen Regierung trafen sich gestern mit US-Delegierten in Saudi-Arabien, um über einen möglichen begrenzten Waffenstillstand im Krieg mit Russland zu sprechen. Für heute sind auch Gespräche zwischen russischen und amerikanischen Unterhändlern angesetzt.

    Im Zentrum der Gespräche in Riad steht die Umsetzung einer befristeten Einstellung von Angriffen auf Energieinfrastruktur, auf die sich beide Seiten in der Vorwoche verständigt hatten. Zudem geht es um Sicherheitsfragen im Schwarzen Meer. Ein ukrainischer Regierungsvertreter kündigte an, dass möglicherweise weitere Gespräche mit den USA am heutigen Tag folgen könnten.

    Der Weg zu einem Waffenstillstand bleibt jedoch unsicher. Beide Seiten betonen ihre Gesprächsbereitschaft. Moskau beharrt allerdings weiterhin auf Maximalforderungen – unter anderem auf die Kontrolle besetzter Gebiete und die Zusicherung, dass die Ukraine niemals der NATO beitritt. Die Regierung in Kiew lehnt diese Bedingungen entschieden ab und wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, lediglich Zeit gewinnen zu wollen.

    Währenddessen reißen die Angriffe nicht ab: Bei einem massiven Drohnenangriff auf Kiew wurden nach offiziellen Angaben mindestens drei Menschen getötet. Russland hat in den vergangenen Monaten die Intensität seiner Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt deutlich erhöht.


    Weitere Schlagzeilen weltweit

    • Kanada: Premierminister Mark Carney hat Neuwahlen für den 28. April angesetzt – nur zehn Tage nach seiner Vereidigung.
    • Südkorea: Premierminister Han Duck-soo wurde nach einem Urteil des Verfassungsgerichts wieder als amtierender Präsident eingesetzt. Das Gericht hatte seine Amtsenthebung für ungültig erklärt.
    • Vatikan: Papst Franziskus, sichtbar geschwächt, zeigte sich kurz auf dem Balkon eines Krankenhauses in Rom und grüßte Hunderte von Gläubigen.
    • Türkei: Der Bürgermeister von Istanbul, einer der schärfsten Widersacher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, wurde inhaftiert und seines Amtes enthoben – ein schwerer Rückschlag für seine vermutete Präsidentschaftskandidatur.
    • Großbritannien: Die Regierung hat eine Untersuchung zum Großbrand am Flughafen Heathrow eingeleitet, der seit Freitag den Betrieb erheblich beeinträchtigt.
    • Kino: Disneys neue Verfilmung von «Schneewittchen» startete mit enttäuschenden Zahlen an den US-Kinokassen.

    Von Andreas Brucker

    Quellen: New York Times, Al Jazeera, BBC, Reuters, Jerusalem Post, CNN, CBC, Korea Herald, Vatican News, Hürriyet Daily News

  • Wenn die Demokratie wankt: Europas gefährliche Flirt mit dem Autoritarismus

    Wenn die Demokratie wankt: Europas gefährliche Flirt mit dem Autoritarismus

    Europa steht an einem Wendepunkt. Die demokratische Ordnung, lange Zeit als selbstverständlich angesehen, gerät zunehmend unter Druck – nicht von außen, sondern aus dem Inneren ihrer eigenen Gesellschaften. Autoritäre Populisten gewinnen an Einfluss, indem sie das Vertrauen in Institutionen untergraben, die Öffentlichkeit mit gezielter Desinformation polarisieren und die Grundprinzipien liberaler Demokratien offen in Frage stellen. Was einst Randpositionen waren, wird heute salonfähig – mit weitreichenden Folgen für politische Kultur und institutionelle Stabilität.

    Die jüngsten Entwicklungen in mehreren EU-Staaten zeugen von dieser schleichenden Erosion demokratischer Standards. In Österreich hätte fast erstmals seit 1945 ein Kanzler mit rechtsextremer Vergangenheit die Regierung geführt. Die Freiheitliche Partei Österreichs hat es mit einer aggressiv nationalistischen Rhetorik und einer offen EU-kritischen Haltung geschafft, sich als führende Kraft zu etablieren. Die Tatsache, dass eine Koalition mit der konservativen Volkspartei mittlerweile in Österreich als realistische Option gehandelt wird, zeigt, wie sehr sich die politische Tektonik verschoben hat.

    Ungarn, lange Zeit ein Paradebeispiel für postkommunistischen Demokratisierungswillen, dient heute als Blaupause für die schrittweise Demontage rechtsstaatlicher Institutionen. Viktor Orbáns Regierung hat über Jahre hinweg ein System geschaffen, das Loyalität über Kompetenz stellt, Medien systematisch gleichschaltet und NGOs delegitimiert, indem ihnen ausländische Einflussnahme unterstellt wird. Der Diskurs über Demokratie wird dabei bewusst verzerrt – nicht selten ins Mythische überhöht, als etwas, das es gegen „fremde Kräfte“ zu verteidigen gelte, während gleichzeitig ihre Substanz ausgehöhlt wird.

    Polen erlebte unter der Regierung der PiS-Partei eine ähnliche Entwicklung. Mit der Umgestaltung des Justizwesens und der politischen Einflussnahme auf Richter wurde eine rote Linie überschritten, die zur Destabilisierung des Gewaltenteilungsprinzips führte. Zwar hat der Regierungswechsel im Herbst 2023 neue Hoffnung geweckt, doch der Rückbau autoritärer Strukturen gestaltet sich zäh und konfliktbeladen – vor allem dort, wo das System Loyalitäten fest in Amt und Würden verankert hat.

    In Deutschland wiederum erlebt die AfD derzeit einen Höhenflug. In Umfragen liegt sie in mehreren ostdeutschen Bundesländern bereits auf Platz eins. Was einst als Protestpartei gegen die Euro-Rettungspolitik begann, hat sich zu einem Sammelbecken rechtsextremer, verschwörungsideologischer und antidemokratischer Kräfte entwickelt. Ihre Strategien ähneln dabei denen der autoritären Bewegungen in anderen europäischen Ländern: Die Delegitimierung parlamentarischer Verfahren, die bewusste Skandalisierung von Migration und Klimapolitik sowie der Versuch, über Vorfeldorganisationen und Personalplatzierungen langfristigen Einfluss auf staatliche Institutionen zu nehmen.

    Allen diesen Bewegungen ist gemein, dass sie sich demokratischer Mittel bedienen, um antidemokratische Ziele zu verfolgen. Sie nutzen das Recht, um es auszuhöhlen. Sie berufen sich auf Mehrheiten, um Minderheiten zu marginalisieren. Und sie missbrauchen das Prinzip der Meinungsfreiheit, um mit gezielter Desinformation gesellschaftliche Gräben zu vertiefen. Gerade in Zeiten sozialer und ökonomischer Unsicherheit – sei es durch Inflation, Migration oder geopolitische Konflikte – gedeihen solche Narrative besonders gut.

    Zugleich zeigt sich, dass autoritäre Populisten mehr als nur rhetorisches Talent besitzen. Sie verfolgen langfristige Strategien, denken in Institutionen und Netzwerken, setzen auf kulturelle Hegemonie und auf die schrittweise Umdeutung politischer Begriffe. Demokratie wird nicht mehr als offene, pluralistische und rechtsstaatliche Ordnung verstanden, sondern als Vehikel nationaler Selbstbehauptung gegen imaginierte äußere Bedrohungen. Diese Umdeutung ist nicht nur semantisch gefährlich – sie verändert das demokratische Selbstverständnis einer Gesellschaft von Grund auf.

    Allerdings gibt es auch Zeichen der Gegenbewegung. In vielen europäischen Städten demonstrieren derzeit Hunderttausende gegen Rechtsextremismus und autoritäre Tendenzen. Diese Proteste zeigen, dass es ein wachsendes Bewusstsein für die Bedrohung gibt – und eine Bereitschaft, das demokratische Gemeinwesen aktiv zu verteidigen. Doch Mahnwachen und Appelle allein werden nicht genügen. Was es braucht, ist eine strukturelle Resilienz: unabhängige Gerichte, plurale Medien, Bildungssysteme, die kritisches Denken fördern – und vor allem eine politische Kultur, die sich nicht von Radikalisierung treiben lässt, sondern ihr entschieden entgegentritt.

    Die Demokratie stirbt nicht über Nacht. Sie wird zersetzt, entleert, banalisiert – bis sie schließlich nur noch als Hülle existiert. Wer diesen Prozess erkennen will, muss hinschauen, zuhören und verstehen, wie autoritäre Populisten funktionieren. Und dann handeln – bevor es zu spät ist.

    P.T.

    Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!

  • Kino für einen Fünfer: Der „Printemps du cinéma“ bringt wieder Schwung in Frankreichs Kinosäle

    Kino für einen Fünfer: Der „Printemps du cinéma“ bringt wieder Schwung in Frankreichs Kinosäle

    Drei Tage Kinovergnügen zum Schnäppchenpreis – vom 23. bis 25. März 2025 gibt es in ganz Frankreich Kinotickets für nur fünf Euro. Die Aktion „Printemps du cinéma“ (Frühling des Kinos) hat sich längst als fester Termin im Kalender vieler Filmfans etabliert. Und gerade in Zeiten, in denen der Alltag …

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  • Gérard Depardieu vor Gericht: Frankreichs Filmbranche am Wendepunkt

    Gérard Depardieu vor Gericht: Frankreichs Filmbranche am Wendepunkt

    Gérard Depardieu – ein Name, der Jahrzehnte lang für das goldene Zeitalter des französischen Kinos stand. Für Kultfilme, internationale Anerkennung und eine unverkennbare Leinwandpräsenz. Doch nun steht der Schauspieler aus ganz anderen Gründen im Rampenlicht. Der Prozess, der am 24. und 25. März 2025 vor dem Strafgericht in Paris stattfindet, bringt nicht nur ihn selbst, sondern auch ein ganzes System ins Wanken. Zwei Frauen, ein Set – ein schwerwiegender Vorwurf Die Dreharbeiten zu „Les Volets Verts“ im Jahr 2021 bilden den Ausgangspunkt der aktuellen Anklage. Zwei Frauen – eine Set-Dekorateurin und eine Regieassistentin – werfen dem damals 72-jährigen Depardieu vor, sie am Set sexuell belästigt zu haben. Es geht um obszöne Bemerkungen, um unerwünschte Berührungen, um Macht und Missbrauch. Drei Zeugen sollen das Geschehen mitbekommen haben. Die Identität der beiden Betroffenen bleibt aus Schutzgründen geheim. Doch was sie schildern, wirft einen düsteren Schatten auf eine Filmprodukti…

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  • François Hollande über Trump: Zwischen Fiktion, Populismus und politischer Realität

    François Hollande über Trump: Zwischen Fiktion, Populismus und politischer Realität

    Beim internationalen Serienfestival Séries Mania in Lille mischte sich der ehemalige französische Präsident François Hollande auf ungewohnte Weise in die Debatte über Politik und Medienkultur ein. In einer gut besuchten Gesprächsrunde zur Darstellung politischer Macht in Fernsehserien äußerte er sich kritisch – und mit spürbarem Sarkasmus – über Donald Trump. Der republikanische Präsident sei „eine fiktive Figur, die zur Realität geworden ist“, sagte Hollande. Damit spielte er nicht nur auf Trumps Vergangenheit als Fernsehunterhalter an, sondern auch auf die Art und Weise, wie dieser Politik inszeniere – als andauerndes Spektakel. Die Äußerungen des französischen Ex-Präsidenten sind mehr als bloßer Spott über einen politischen Widersacher jenseits des Atlantiks. Sie werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Durchdringung von Politik und Inszenierung in den westlichen Demokratien – und auf die Rolle, die Populismus und Personenkult dabei spielen. Politik als Performance Hollande verwies…

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  • Verhandlungen zwischen USA und Russland: Trumps Emissär relativiert Putins Expansionsabsichten

    Verhandlungen zwischen USA und Russland: Trumps Emissär relativiert Putins Expansionsabsichten

    Im Vorfeld neuer Gespräche über den Ukraine-Krieg hat Steve Witkoff, Sondergesandter des US-Präsidenten Donald Trump, für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit dem Sender Fox äußerte er Zweifel daran, dass der russische Präsident Wladimir Putin die Absicht habe, ganz Europa zu erobern. Diese Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA, der Ukraine und Russland in eine neue Phase treten – mit moderaten Erwartungen auf Fortschritt, aber erheblichen geopolitischen Spannungen im Hintergrund. Witkoffs Äußerung ist nicht nur eine Analyse des gegenwärtigen Konflikts, sondern auch ein deutlicher Kontrast zur vorherrschenden Einschätzung westlicher Regierungen. Sie wirft ein Licht auf die veränderte Perspektive der Trump-nahen politischen Kreise gegenüber Russland – und sie wirft Fragen auf über die künftige strategische Positionierung der Vereinigten Staaten. Eine historische Relativierung „Ich glaube einfach nicht, dass er ganz Europa einneh…

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  • Zweifel an der Verlässlichkeit: Europas Kampf um eingefrorene Entwicklungsgelder aus Washington

    Zweifel an der Verlässlichkeit: Europas Kampf um eingefrorene Entwicklungsgelder aus Washington

    Mit einem Schlag ist aus partnerschaftlichem Vertrauen ein diplomatisches Ringen geworden. Schweden, Norwegen und die Niederlande fordern gemeinsam rund 15 Millionen US-Dollar zurück – Gelder, die sie der US-Entwicklungsbehörde USAID für Projekte in einkommensschwachen Ländern anvertraut hatten. Die Mittel sind seit Monaten blockiert. Auslöser: die radikale Neuordnung der amerikanischen Entwicklungshilfe unter der Regierung Trump und dem eigens eingerichteten „Department of Government Efficiency“ unter der Leitung von Elon Musk. Von den Vereinigten Staaten erhalten die Europäer bislang keine Antwort.

    Diese Situation wirft weitreichende Fragen über die finanzielle Zuverlässigkeit der USA auf. Denn im Zentrum steht nicht nur ein Streit um nicht abgerufene Mittel, sondern auch das politische Signal: Die Vereinigten Staaten, lange als Garant multilateraler Zusammenarbeit und geordneter Partnerschaften bekannt, agieren nun sprunghaft, unilateral – und folgen zunehmend eigenen strategischen Interessen.

    Partnerschaft in der Schwebe

    Im Zentrum der aktuellen Auseinandersetzung steht das Projekt „Water and Energy for Food“ (WE4F). Es soll in Afrika, Asien und dem Nahen Osten die landwirtschaftliche Produktivität steigern, indem es lokale Akteure mit innovativen Lösungen unterstützt – zum Beispiel durch wasser- und energieeffiziente Technologien. Die USAID koordinierte dabei nicht nur die Umsetzung, sondern verwaltete auch die Mittel mehrerer Geberländer.

    Mit dem Amtsantritt der neuen republikanischen Regierung am 20. Januar kam der abrupte Kurswechsel. Die Finanzierung von Entwicklungshilfe wurde auf breiter Front eingefroren, laufende Verträge annulliert, Projekte gestoppt. Auch WE4F fiel dieser Politik zum Opfer. Schweden hat nach eigenen Angaben allein 5,1 Millionen Dollar für dieses Programm in den USAID-Konten geparkt. Die norwegische Entwicklungsagentur wartet auf Rückmeldung zu einem Beitrag von 1,4 Millionen Dollar. Die Niederlande sprechen von mindestens 1,6 Millionen Dollar.

    Anfragen, was mit dem Geld geschehen sei, blieben unbeantwortet. Interne E-Mails legen nahe, dass zwei der drei Länder zuletzt sogar mit einer öffentlichen Eskalation drohten, sollte sich der Stillstand fortsetzen.

    Systematische Demontage der Entwicklungshilfe

    Die Affäre ist nur ein Symptom tiefergehender Veränderungen. Denn seit Jahresbeginn hat die Regierung nicht nur Projekte gestoppt, sondern nahezu 83 Prozent aller USAID-Verträge gekündigt. Viele Nichtregierungsorganisationen mussten Mitarbeitende entlassen oder gar ihre Tätigkeit einstellen. Selbst etablierte Programme wie das bekannte Notfallprogramm zur HIV-Bekämpfung (PEPFAR) wurden erheblich beschnitten.

    Die Begründung der Regierung fällt ideologisch aus: Entwicklungshilfe, so das Narrativ, sei ineffizient, missbraucht und nutze in erster Linie ausländischen Interessen. Stattdessen solle sich amerikanisches Engagement künftig auf zwei Kernziele konzentrieren: den geopolitischen Wettbewerb mit China und die Förderung amerikanischer Wirtschaftsinteressen.

    Mit dieser Neuorientierung stellt die Regierung eine Grundannahme der bisherigen Außenpolitik infrage – nämlich, dass wirtschaftliche Entwicklung in fragilen Staaten zur Stabilisierung beiträgt, Fluchtursachen vermindert und sicherheitspolitisch im Interesse des Westens liegt.

    Rechtliche Auseinandersetzungen und institutionelles Vakuum

    Die finanziellen Folgen der USAID-Umstrukturierung sind erheblich. Weil viele Zahlungen unerwartet ausblieben, erhielten betroffene Organisationen keine Kredite mehr – Banken werteten die Verträge mit der US-Regierung nicht länger als verlässlich. In mehreren Fällen laufen bereits Klagen, darunter auch von entlassenen Mitarbeitenden und Vertragspartnern. Hochrangige ehemalige US-Beamte kritisieren in offiziellen Stellungnahmen, dass die Regierung damit bewusst gegen nationale Vergaberegeln verstoße und das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner zerstöre.

    Hinzu kommt: Die Umstrukturierung hat auch die Verwaltung selbst gelähmt. Ein Großteil der für die Abwicklung zuständigen Mitarbeitenden wurde entlassen oder beurlaubt. Die Folge: Selbst dort, wo man zur Rückerstattung bereit wäre, fehlen Kapazitäten, um die Mittelzuordnung, vertraglichen Verpflichtungen und Projektstände zu prüfen.

    Ein erstes Gerichtsurteil zwingt die Regierung inzwischen, zumindest einen Teil der eingefrorenen Gelder – rund zwei Milliarden Dollar – wieder freizugeben. Ob davon auch die europäischen Partner profitieren, ist unklar.

    Vertrauenskrise mit Signalwirkung

    Der Vorgang ist mehr als ein technokratischer Disput über Haushaltsmittel. Für die Europäer ist die Verweigerungshaltung Washingtons ein Affront – nicht nur, weil sie Millionenbeträge blockiert, sondern auch, weil sie das partnerschaftliche Prinzip untergräbt. Entwicklungspolitische Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen, Planbarkeit und gemeinsamen Zielen. Die aktuellen Entwicklungen stellen all das infrage.

    Zugleich verschärft sich damit die Kluft zwischen den USA und ihren traditionellen Verbündeten. Bereits zuvor hatte Trump Zweifel am NATO-Bündnisfall geäußert, die Positionen Russlands aufgegriffen und wirtschaftspolitische Konflikte mit der EU angefacht. Die Affäre um die eingefrorenen Entwicklungsgelder reiht sich nahtlos in diese Konfliktlinie ein.

    Für viele europäische Geberländer stellt sich nun die Frage, ob sie auch künftig auf amerikanische Strukturen setzen sollen – oder lieber eigene Kanäle für Entwicklungszusammenarbeit ausbauen. Erste Gespräche über alternative Träger für das WE4F-Programm laufen bereits.

    Die politischen Kosten des amerikanischen Rückzugs aus der internationalen Entwicklungspolitik sind noch nicht vollständig abzusehen. Doch eines steht fest: Vertrauen, einmal verspielt, lässt sich schwer wiederherstellen.

    Autor: P. Tiko

  • Frankreich verschärft Abschiebepraxis: Justizminister fordert Identifizierung ausländischer Häftlinge

    Frankreich verschärft Abschiebepraxis: Justizminister fordert Identifizierung ausländischer Häftlinge

    Frankreichs Justizminister Gérald Darmanin hat am 22. März 2025 eine neue Weisung an die Staatsanwaltschaften des Landes erlassen: Ausländische Häftlinge sollen systematisch identifiziert werden, um nach Möglichkeit abgeschoben zu werden. Ziel ist es, der chronischen Überbelegung der französischen Gefängnisse entgegenzuwirken und die nationale Sicherheit zu stärken. Die Maßnahme ist Teil einer zunehmend restriktiven Einwanderungspolitik, die bereits in den letzten Jahren an Schärfe gewonnen hat.

    Mit dieser Anweisung will die Regierung nicht nur auf strukturelle Probleme im Strafvollzug reagieren, sondern auch ein politisches Signal senden: Straftäter ohne französische Staatsbürgerschaft sollen das Land nach Verbüßung ihrer Strafe möglichst verlassen. Doch während die Regierung Effizienz und Sicherheit betont, sehen Kritiker die Grundrechte der Betroffenen in Gefahr.

    Eine überlastete Justiz im Reformmodus

    Frankreichs Gefängnissystem ist seit Jahren überlastet. Laut offiziellen Angaben sind derzeit über 19.000 ausländische Staatsangehörige in französischen Justizvollzugsanstalten inhaftiert – das entspricht etwa einem Viertel der gesamten Gefängnispopulation. Diese Zahlen unterstreichen nicht nur das Ausmaß der Problematik, sondern liefern aus Sicht der Regierung auch eine Begründung für eine gezielte Politik der Rückführung.

    Justizminister Darmanin fordert nun eine enge Kooperation zwischen Justizbehörden und Haftanstalten. Die Anweisung sieht vor, dass Staatsanwälte systematisch prüfen, ob bei ausländischen Häftlingen eine Ausweisung rechtlich möglich und administrativ durchführbar ist. Besonders im Fokus stehen dabei Personen, die bereits mit einem Einreiseverbot belegt sind oder eine sogenannte „obligation de quitter le territoire français“ – eine behördliche Ausreiseverpflichtung – erhalten haben.

    Gesetzlicher Rahmen seit 2024 verschärft

    Die aktuelle Initiative steht im Zusammenhang mit dem im Januar 2024 verabschiedeten Gesetz zur Kontrolle der Immigration und Verbesserung der Integration. Dieses Gesetz verleiht den Behörden erweiterten Handlungsspielraum, insbesondere im Umgang mit ausländischen Straftätern. So können nun auch Personen ausgewiesen werden, die sich zuvor auf Schutzklauseln berufen konnten, etwa bei familiären Bindungen in Frankreich oder langjährigem Aufenthalt.

    Darmanin betonte in einem Interview, dass Straftäter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe keinen weiteren Aufenthaltstitel erhalten sollen, sofern ihre Rückführung rechtlich möglich sei. Damit verschärft Frankreich nicht nur seine Einwanderungspolitik, sondern auch die rechtlichen Grundlagen für den Vollzug von Abschiebungen.

    Rückführung als sicherheitspolitisches Instrument

    Für die französische Regierung steht hinter der Maßnahme nicht nur der Wunsch nach Entlastung des Strafvollzugs, sondern auch eine sicherheitspolitische Überlegung. In einem sicherheitspolitischen Kontext, der geprägt ist von wiederholten Debatten über islamistische Radikalisierung in Gefängnissen und Rückführung krimineller Ausländer, werden Abschiebungen zunehmend als präventives Instrument betrachtet.

    Zudem verweist das Justizministerium auf kostenseitige Erwägungen. Die Inhaftierung eines Häftlings kostet den französischen Staat im Durchschnitt rund 120 Euro pro Tag. Rückführungen erscheinen aus staatlicher Sicht daher auch als ökonomisch motivierter Schritt, insbesondere bei Personen ohne Aussicht auf langfristige Integration.

    Wiederkehrende Maßnahmen mit symbolischem Charakter

    Die nun ergriffene Maßnahme ist kein Novum in der französischen Innenpolitik. Bereits in der Vergangenheit hatte die Regierung vergleichbare Initiativen gestartet – etwa die sogenannte „Opération Wuambushu“ auf der Insel Mayotte. Dort wurden im Jahr 2023 groß angelegte Räumungs- und Rückführungsaktionen gegen irreguläre Migranten durchgeführt. Auch hier betonte die Regierung den sicherheits- und ordnungspolitischen Charakter der Maßnahme, während Menschenrechtsorganisationen vor Stigmatisierung und struktureller Diskriminierung warnten.

    Diese duale Wahrnehmung durchzieht auch die aktuelle Debatte: Während Regierungsvertreter die Ausweisung krimineller Ausländer als notwendig und legitim darstellen, mahnen NGOs und linksliberale Parteien zu mehr Differenzierung. Sie kritisieren, dass die Maßnahme nicht ausreichend zwischen schweren und geringfügigen Delikten unterscheide und individuelle Schutzgründe der Betroffenen zu wenig Beachtung fänden.

    Die Frage der Umsetzbarkeit

    Die praktische Umsetzung der neuen Anweisung bleibt indes mit Unsicherheiten behaftet. Ein erheblicher Teil der betroffenen Personen stammt aus Staaten, mit denen Frankreich keine Rückführungsabkommen unterhält oder deren Heimatbehörden sich weigern, die betreffenden Personen zurückzunehmen. Auch dokumentenlose Häftlinge stellen die Behörden vor rechtliche und logistische Herausforderungen.

    Zudem ist fraglich, ob die französischen Verwaltungsgerichte den Ausweisungsentscheidungen in jedem Fall folgen werden. In der Vergangenheit haben Gerichte regelmäßig Entscheidungen aufgehoben, wenn humanitäre oder familiäre Gründe gegen eine Rückführung sprachen.

    Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob die französischen Haftanstalten über die administrativen Kapazitäten verfügen, um im geforderten Umfang und Tempo Abschiebungsmaßnahmen vorzubereiten.

    Die Maßnahme steht somit exemplarisch für das Spannungsfeld, in dem sich viele europäische Staaten derzeit bewegen: dem Bemühen um Kontrolle und Ordnung in der Migrationspolitik auf der einen Seite – und den rechtsstaatlichen und humanitären Prinzipien auf der anderen. Ob die französische Regierung mit dieser neuen Linie tatsächlich einen nachhaltigen Effekt erzielt oder lediglich symbolische Politik betreibt, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

    Autor: MAB

  • Zurück im Vatikan: Papst Franziskus nach schwerer Lungenentzündung wieder daheim

    Zurück im Vatikan: Papst Franziskus nach schwerer Lungenentzündung wieder daheim

    Fünf Wochen – so lange war Papst Franziskus außer Gefecht. Die Diagnose: doppelseitige Lungenentzündung. Eine lebensbedrohliche Erkrankung, besonders in seinem Alter. Jetzt ist der 88-Jährige wieder im Vatikan – erschöpft, aber lebendig. Und das ist nicht selbstverständlich.

    Seine Rückkehr wirkte fast filmreif. Der weiße Fiat 500 rollte langsam durch das Peruginotor der Vatikanstadt, Franziskus auf dem Beifahrersitz. Er trug eine Sauerstoffbrille, seine Gesichtszüge wirkten müde, aber irgendwie auch erleichtert. Hunderte Menschen hatten sich versammelt, um ihn willkommen zu heißen – ein emotionaler Moment für viele, die um das Leben des Pontifex gebangt hatten.

    Doch statt den direkten Weg zu nehmen, überraschte Franziskus mit einer Abweichung. Der Konvoi machte einen Abstecher zur Basilika Santa Maria Maggiore – seinem Herzensort. Dort ließ er über einen Kardinal einen Blumenstrauß an der berühmten Marienikone „Salus Populi Romani“ niederlegen. Ein stilles Gebet aus dem Auto heraus, das viel mehr sagte als tausend Worte. Für Franziskus ist das kein gewöhnlicher Ort. Er hat bereits festgelegt, dass er dort beerdigt werden möchte.

    Vor dem Verlassen des Krankenhauses hatte sich der Papst noch ein letztes Mal gezeigt. Im Rollstuhl wurde er auf einen Balkon geschoben, wo er der wartenden Menge mit einem schwachen Lächeln und einem Daumen-hoch-Zeichen dankte. Seine Stimme war leise, sein Dank ehrlich. Nach all den Wochen – ein Lebenszeichen, das Hoffnung macht.

    Sein Aufenthalt in der römischen Gemelli-Klinik war alles andere als ein kurzer Zwischenstopp. Die beidseitige Lungenentzündung hatte dem Pontifex schwer zugesetzt. Zwischenzeitlich war unklar, ob er sich jemals ganz davon erholen würde. Die Ärzte sprachen von einer heiklen Phase, in der sein Zustand „sehr kritisch“ gewesen sei. Eine Rücktrittsdebatte flammte sogar erneut auf – die Frage stand im Raum: Wird Franziskus seinem Vorgänger Benedikt XVI. folgen und das Amt freiwillig niederlegen?

    Jetzt steht fest: Noch nicht. Doch die kommenden zwei Monate stehen ganz im Zeichen der Erholung. Ruhe, medizinische Betreuung, Sauerstoffunterstützung – das ist das neue Tagesprogramm des Papstes. Ob er zu Ostern wieder öffentlich auftreten kann, bleibt ungewiss. Viele hoffen darauf, doch die Realität sieht vorsichtiger aus. Die Verantwortung für eine ganze Kirche kann warten – Gesundheit geht vor.

    Eine Frage drängt sich auf: Wie lange kann ein 88-jähriger Papst noch an der Spitze der katholischen Kirche stehen, wenn sein Gesundheitszustand so fragil ist? Diese Frage ist unbequem, aber unausweichlich. Franziskus hat oft betont, dass auch ein Papst gehen darf, wenn die Kraft fehlt. Er hat ein modernes Papstverständnis geprägt – voller Menschlichkeit, auch in der Schwäche.

    Und doch – er ist zurück. Noch da. Noch kämpfend. Vielleicht nicht mehr mit voller Kraft, aber mit einem ungebrochenen Willen. Franziskus bleibt Franziskus – der Papst, der Nähe sucht, selbst im Angesicht der Krankheit.

    In Rom kehrt langsam der Alltag zurück. Im Vatikan bereitet man sich auf die Zeit der Genesung vor. Audienzen fallen aus, Termine werden verschoben. Stattdessen kehrt Ruhe ein hinter den vatikanischen Mauern – eine Pause, die lange überfällig war.

    Manche sagen, dieser Krankenhausaufenthalt sei ein Zeichen. Ein Weckruf für die Kirche, sich auf Veränderungen vorzubereiten. Vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass selbst ein Papst nicht unverwundbar ist. Dass Stärke nicht nur im Amt liegt, sondern im Mut, Schwäche zu zeigen.

    Wie es weitergeht, weiß nur der Himmel. Aber heute zählt: Franziskus ist wieder da. Und das allein ist schon ein kleines Wunder.

    Von C. Hatty