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  • Französisch-israelische Soldaten in Israels Armee: Klage wegen Völkermord und Kriegsverbrechen in Paris

    Französisch-israelische Soldaten in Israels Armee: Klage wegen Völkermord und Kriegsverbrechen in Paris

    Die Schlagzeile klingt wie aus einem düsteren Roman, doch sie ist bittere Realität:

    Zwei Soldaten mit französisch-israelischer Staatsbürgerschaft, Sasha A. und Gabriel B., werden von mehreren internationalen Menschenrechtsorganisationen verklagt – wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sogar Völkermord.

    Tatort: Gaza.

    Tatzeit: zwischen November 2023 und März 2024.

    Am 1. Juli 2025 reichten unter anderem die Fédération internationale pour les droits humains (FIDH), die Ligue des droits de l’homme (LDH) sowie drei palästinensische Organisationen – Al-Haq, Al-Mezan Center for Human Rights und das Palestinian Centre for Human Rights – eine Klage beim Pariser Pôle Crimes contre l’Humanité ein. Sie treten dabei als Zivilklägerinnen auf, was in Frankreich eine automatische Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens ermöglicht.

    Was wirft man Sasha A. und Gabriel B. konkret vor?

    Exekutionen, gefilmt und dokumentiert

    Die beiden sollen Mitglieder einer Eliteeinheit des israelischen Militärs gewesen sein, der sogenannten „Ghost Unit“. Ihr Spezialgebiet: Präzisionsschüsse.

    Doch laut Anklage ging es nicht nur um gezielte militärische Angriffe, sondern um Exekutionen unbewaffneter palästinensischer Zivilist:innen – mitten in als sicher geltenden Gebieten in Gaza-Stadt und Khan Yunis.

    Herzstück der Beweisführung ist ein 38-minütiger Dokumentarfilm des unabhängigen palästinensischen Journalisten Younis Tirawi, veröffentlicht im Oktober 2024. Darin zu sehen: Videos, die palästinensische Zivilisten heimlich aufgenommen haben, aber auch Aufnahmen israelischer Soldaten selbst.

    Die Bilder zeigen angeblich gezielte Tötungen, Misshandlungen und weitere Verstöße gegen internationales Recht.

    Man spürt beim Lesen der Vorwürfe die ganze Schwere dieser Szenen – und gleichzeitig die Ohnmacht, die solche Bilder oft hinterlassen.

    Juristische Hebel der Extraterritorialität

    Warum Paris? Warum Frankreich?

    Die Antwort liegt in der französischen Staatsbürgerschaft der beiden Beschuldigten. Diese ermöglicht es der französischen Justiz, aufgrund des Prinzips der extraterritorialen Zuständigkeit tätig zu werden. Konkret bedeutet das: Auch wenn die mutmaßlichen Taten nicht auf französischem Boden stattfanden, kann Frankreich seine Bürger dafür strafrechtlich verfolgen.

    Eine Möglichkeit, die besonders dann relevant wird, wenn es vor Ort – in diesem Fall in Israel – keine Ermittlungen gibt.

    Teil einer europäischen Rechtsbewegung

    Interessant ist, dass diese Klage kein isolierter Einzelfall ist.

    In mehreren europäischen Ländern laufen ähnliche Verfahren gegen Soldaten mit doppelter Staatsbürgerschaft, die in der israelischen Armee dienen oder dienten. Belgien, Deutschland und Italien prüfen ebenfalls Anklagen.

    Ein juristischer Flächenbrand? Nicht unbedingt – eher ein Zeichen wachsender Bemühungen, internationale Rechtslücken zu schließen.

    Die Frage der nationalen Verantwortung

    Frankreich sieht sich nun mit einer unbequemen Tatsache konfrontiert: Nach Schätzungen der FIDH dienen derzeit rund 4.000 französische Staatsbürger in den israelischen Streitkräften. Was bedeutet das für die französische Verantwortung? Wie lässt sich sicherstellen, dass Staatsbürger bei Auslandseinsätzen keine Kriegsverbrechen begehen – oder dass sie dafür belangt werden, wenn sie es doch tun?

    Hier steht nicht nur ein moralisches Prinzip auf dem Spiel. Frankreich ist als Unterzeichnerstaat der UN-Völkermordkonvention verpflichtet, die Tatbestände von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit weltweit zu verfolgen.

    Durch die Klage mit Zivilbeteiligung ist die Einleitung einer richterlichen Untersuchung nahezu zwingend. Dadurch könnte die Justiz nicht nur die beiden Beschuldigten, sondern auch weitere mögliche Täter mit französischer Staatsbürgerschaft ins Visier nehmen.

    Man darf nicht vergessen: Für die Opfer und ihre Familien ist diese Klage ein erster Schritt – vielleicht der einzige – zu Anerkennung und Gerechtigkeit.

    Ein Ende der Straflosigkeit?

    Die zentrale Frage bleibt: Kann dieser juristische Vorstoß die Kette der Straflosigkeit durchbrechen, die sich wie ein Schutzschild um Kriegsverbrechen legt? Viele hoffen darauf. Denn solange Täter glauben, jenseits jeder Gerichtsbarkeit zu agieren, bleibt das Völkerrecht ein zahnloser eingesperrter Tiger. Doch sobald ein nationales Gericht wagt, diesen Tiger loszulassen, verändert sich das Gleichgewicht.

    Und genau hier könnte Paris ein Signal setzen.

    Autor: Daniel Ivers

  • Rekordhitze in Frankreich – Krankenhäuser am Limit

    Rekordhitze in Frankreich – Krankenhäuser am Limit

    Frankreich ächzt unter einer Hitzewelle, wie sie das Land nur selten erlebt hat. Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius verwandeln Städte und Dörfer in flirrende Glutöfen.

    Und die Folgen dieser „Canicule“ sind längst nicht nur ein schwitzendes Ärgernis für Pendler oder Touristen, die ihre Croissants heute im Schatten essen müssen.

    Die Hitze wird für viele lebensbedrohlich.

    Notaufnahmen am Anschlag

    Seit Beginn dieser Hitzewelle schnellen die Zahlen der Notfälle nach oben.

    Am Krankenhaus von Argenteuil bei Paris kommen derzeit vor allem ältere Menschen an, dehydriert, geschwächt, mit Hitzschlag. Eine Ärztin dort spricht von „einer Situation, die sich täglich zuspitzt“. Ein Satz, der hängenbleibt.

    Im CHU Pasteur in Nizza ist der Andrang besonders extrem: Bis zu 330 Menschen täglich werden hier eingeliefert. Ein Rekord, verursacht durch die geballte Mischung aus sengender Hitze und Tausenden Touristen an der Côte d’Azur.

    Paris: Mehr Notrufe, aber noch keine Katastrophe

    Auch der Rettungsdienst Samu in Paris meldet mehr Anrufe wegen Kreislaufzusammenbrüchen. Doch bisher bleibt die Lage unter Kontrolle. Ein Sprecher verweist auf gezielte Präventionsmaßnahmen und zusätzliche Einsatzkräfte. Denn die Behörden haben vorgesorgt.

    Schulen geschlossen, Kühlzentren geöffnet

    Der Plan Canicule – der Hitze-Notfallplan – wurde in mehreren Départements auf die höchste Stufe gesetzt.

    Besonders betroffen: die Île-de-France rund um Paris. Dort mussten 2.200 Schulen schließen, um Kinder vor der Gluthitze zu schützen. Die Stadtverwaltungen haben Kühlzentren eingerichtet – klimatisierte Räume, in denen Menschen ohne eigene Klimaanlage Zuflucht finden können. Gleichzeitig laufen landesweite Kampagnen: Trinken, trinken, trinken – so lautet die Botschaft. Und bitte: Augen auf für ältere Nachbarn, die in ihren Wohnungen womöglich schon dringend Hilfe benötigen.

    Ein Vorgeschmack auf die Zukunft?

    Diese „Canicule“ ist bereits die 50. Hitzewelle in Frankreich seit 1947. Ein nüchterner, fast emotionsloser statistischer Fakt. Doch hinter dieser Zahl steckt eine klare Botschaft: Frankreichs Klima verändert sich. Solche Hitzeperioden treten nicht nur häufiger auf – sie werden auch intensiver und länger.

    Was bedeutet das für ein Land, das auf Landwirtschaft und Massentourismus gebaut ist?

    Krankenhäuser als Klima-Frontlinie

    Die Experten sind sich einig: Das Gesundheitssystem muss sich anpassen. Mehr Personal, mehr klimatisierte Räume, flexible Notfallpläne. Denn Hitzewellen wie diese sind kein vorübergehender Wetter-Ausrutscher mehr.

    Sie sind die neue Realität.

    Und mit ihnen wächst die Frage: Wann wird aus der Belastungsprobe ein Desaster?

    Ein gesellschaftlicher Stresstest

    Frankreichs aktuelle Hitzewelle ist nicht nur ein meteorologisches Extrem. Sie ist ein Stresstest für Politik, Verwaltung – und jeden Einzelnen. Sie zeigt, wie abhängig wir von stabilen Temperaturen, intakter Infrastruktur und funktionierenden Rettungssystemen sind.

    Und sie erinnert daran, dass Klimaanpassung keine Aufgabe ferner Zukunft mehr ist, sondern längst in unseren Städten ankommt.

    Von C. Hatty

  • Sansal–Affäre: Ein politisches Urteil mit diplomatischer Sprengkraft

    Sansal–Affäre: Ein politisches Urteil mit diplomatischer Sprengkraft

    Am 1. Juli 2025 bestätigte die Berufungskammer in Algier das Urteil gegen den franco-algerischen Schriftsteller Boualem Sansal: fünf Jahre Haft wegen „Angriffs auf die nationale Einheit“. Der 80-jährige Autor, der an Prostatakrebs leidet, wurde bereits im November 2024 nach seiner Ankunft in Algerien festgenommen. Hintergrund sind Äußerungen Sansals in französischen Medien, in denen er die kolonial geprägten Grenzen Algeriens infrage stellte. Ein Prozess im Spannungsfeld der Diplomatie Die Verurteilung Sansals ist mehr als ein gewöhnliches Strafverfahren. Sie fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Paris und Algier, die zuletzt von Differenzen über die Westsahara, die Migration und die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte geprägt waren. Frankreichs Premierminister François Bayrou appellierte unmittelbar nach Bestätigung des Urteils an Präsident Abdelmadjid Tebboune, angesichts von Sansals fortschreitender Krebserkrankung eine humanitäre Gnadenregelung zu gewähren. In der f…

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  • Savoie: Wenn ein tosender Himmel ganze Täler verschlingt

    Savoie: Wenn ein tosender Himmel ganze Täler verschlingt

    Es war ein Montagabend, der sich in die kollektive Erinnerung der Maurienne einbrennen wird. Am 30. Juni 2025 traf die französische Alpenregion im Departement Savoie ein Unwetter, wie es die Menschen dort seit Jahrzehnten nicht erlebt hatten. Gewaltige Gewitter verwandelten das sonst so idyllische Tal der Maurienne in eine tobende Wasserhölle. Binnen weniger Stunden trat der Torrent du Charmaix über die Ufer, riss alles mit sich und hinterließ eine Schneise der Verwüstung, die man laut Präfektur Savoie seit 70 Jahren nicht mehr gesehen hat. Die Bilder aus Modane und Fourneaux sprechen für sich: Autos halb im Wasser versunken, Schlammmassen, die sich ihren Weg durch Keller und Straßen bahnen. Wer denkt, 50 Zentimeter Wasser seien harmlos, irrt gewaltig – für viele Bewohnerinnen und Bewohner bedeutete es den Verlust eines Teils ihres Lebens.

    Ein Fluss wird zum reißenden Monster Es war gegen späten Nachmittag, als der Regen nicht …

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  • Frankreich im Würgegriff extremen Wetters: Gluthitze und Unwetter überziehen das Land

    Frankreich im Würgegriff extremen Wetters: Gluthitze und Unwetter überziehen das Land

    Es ist, als würde Frankreich von zwei Naturgewalten gleichzeitig gepackt.

    Seit Mitte Juni herrscht eine Hitze, die alles sprengt, was bisher gemessen wurde. In weiten Teilen des Landes stieg das Thermometer über 40 Grad, 84 Départements standen unter Alarmstufe Orange, einige sogar unter der höchstmöglichen Stufe Rot. Eine glühende Glocke, die tagelang auf Städten, Feldern und Bergen lastete.

    Doch diese drückende Hitze brachte nicht nur den Kreislau vieler Menschen an seine Grenzen oder ließ Asphalt aufplatzen.

    Sie schuf auch die perfekte Brutstätte für etwas, das noch gefährlicher ist.

    Am 1. Juli, im Département Alpes-de-Haute-Provence, öffnete der Himmel plötzlich seine Schleusen. Gewaltige Regenmassen ergossen sich über die Region. Achtmal kam es zu gigantischen Schlammlawinen und Steinschlägen – braune, zähe Massen, die sich mit unaufhaltsamer Wucht ihren Weg bahnten.

    Die RD900, eine zentrale Verkehrsachse zwischen Saint-Paul-sur-Ubaye und dem Col de Larche, wurde lahmgelegt. Straßen, die tags zuvor noch von Campern, Wanderern und Berufspendlern befahren wurden, verschwanden unter Geröll und Lehm. Verletzte gab es zum Glück keine, doch die Schäden sind immens, die Aufräumarbeiten dauern an.

    Und es blieb nicht bei diesem einen Ausbruch.

    Weiter westlich, im Tarn, traf es 14 Gemeinden so hart, dass der Staat sie in den Status „Katastrophengebiet“ erhob. Orkanartige Böen, Blitzschlag, Schlammlawinen und Überflutungen rissen Straßen auf, überschwemmten Keller und verwüsteten ganze Ortskerne.

    Die Bewohner standen fassungslos vor ihren Häusern, während Schlamm und Wasser langsam abflossen – der beißende Geruch von feuchtem Putz und zerplatzten Heizöltanks lag in der Luft.

    Auch die Region Centre-Val de Loire blieb nicht verschont.

    Hier schlugen die Gewitter mit einer Wucht ein, die Landwirte und Dorfbewohner gleichermaßen zittern ließ. Hagelkörner groß wie Golfbälle zertrümmerten Dachziegel, zerbeulten Autos, zerfetzten Maisfelder und Gemüsekulturen. Sturmböen rissen Bäume aus der Erde wie Streichhölzer.

    Diese Ereignisse zeigen mehr als nur punktuelle Wetterkapriolen. Sie legen offen, wie verwundbar ganze Regionen gegenüber extremen Klimabedingungen geworden sind. Eine unheilvolle Allianz aus Gluthitze und Unwettern mit zerstörerischer Kraft – genau das, wovor Klimaforscher seit Jahren warnen.

    Denn je stärker sich die Atmosphäre aufheizt, desto mehr Energie steckt in ihr. Und wenn diese Energie plötzlich entladen wird, passiert genau das, was Frankreich jetzt erlebt: Gewitterzellen, die sich mit erschreckender Geschwindigkeit aufbauen, Luftmassen, die zu Wirbelstürmen werden, Regen, der nicht mehr einfach Regen ist, sondern ein regelrechter Sturzbach vom Himmel.

    Die Zahlen sind eindeutig. Frankreich zählt inzwischen zu den europäischen Hotspots für Hitzewellen. Der Sommer 2022 war bereits ein Vorgeschmack, doch 2025 toppt alles, was Klimatabellen bisher zu Papier brachten.

    Ein Land am Limit.

    Diese Wetterextreme sind kein einmaliger Ausrutscher. Sie sind Vorboten eines Klimas, das sich längst verändert hat. Meteorologen warnen vor weiteren heftigen Gewittern in den kommenden Tagen – während die Temperaturen hoch bleiben und die Böden austrocknen. Es ist ein Teufelskreis: ausgedörrte Böden nehmen Wasser schlechter auf, sodass Starkregen noch schneller zu Überschwemmungen führt.

    Was also tun, wenn die Natur ihre Muskeln so gnadenlos spielen lässt?

    Frankreich muss sich anpassen – und zwar schneller als bisher geplant. Hitzeaktionspläne, Katastrophenschutzkonzepte, klimaresiliente Stadtplanung, eine Infrastruktur, die nicht nach dem ersten Wolkenbruch kollabiert. Das sind keine Projekte für ferne Zukunftsvisionen, sondern Notwendigkeiten der Gegenwart.

    Denn jeder Sommer bringt seine eigenen Rekorde mit.

    Und jeder einzelne zeigt uns, wie dünn das Eis unter unseren Füßen geworden ist – wenn es draußen 42 Grad hat.

    Autor: C.H.

  • Handschlag in der Rue de Miromesnil – Sarkozy und Bardella und die Zukunft der französischen Rechten

    Handschlag in der Rue de Miromesnil – Sarkozy und Bardella und die Zukunft der französischen Rechten

    Am frühen Nachmittag des 1. Juli 2025 betrat Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National (RN), die Büros von Nicolas Sarkozy in der Rue de Miromesnil im 8. Arrondissement von Paris. Das Treffen, das laut beiden Seiten „courtois et chaleureux“ – höflich und herzlich – verlaufen sein soll, markiert nicht nur eine Begegnung zweier Generationen von Politikern. Es wirft auch ein Schlaglicht auf die sich wandelnde politische Landschaft Frankreichs und auf die Zukunft der Rechten, deren Konturen sich zunehmend auflösen. Die Initiative zu diesem Gespräch ging von Nicolas Sarkozy aus. In den letzten Monaten hatte Bardella mehrfach seine Bewunderung für den früheren Präsidenten geäußert. Besonders öffentlichkeitswirksam verteidigte er Sarkozy im Juni, als diesem die Légion d’honneur aberkannt wurde, und bezeichnete diese Entscheidung als „schockierend“. Bereits in seinem Buch Ce que je cherche hatte Bardella Sarkozys politische Strategie von 2007 gelobt, die es verstanden habe, glei…

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  • Frankreich schwitzt – Hitzerekord, Schulschließungen und die Frage: Was kommt noch?

    Frankreich schwitzt – Hitzerekord, Schulschließungen und die Frage: Was kommt noch?

    Frankreich glüht.

    Am Dienstag, dem 1. Juli 2025, erreichte die aktuelle Hitzewelle ihren vorläufigen Höhepunkt. Météo-France setzte 16 Départements auf die höchste Warnstufe – rote Alarmstufe wegen extremer Hitze. Diese Warnung betraf Paris, die gesamte Île-de-France, Teile des Centre-Val de Loire und der Bourgogne. Dort kletterten die Temperaturen auf über 40°C. Und nachts? Tropische Nächte ohne echte Abkühlung, mit Werten von deutlich über 20°C.

    Ein Szenario, das nicht nur anstrengend, sondern gefährlich ist.

    Über 2.200 Bildungseinrichtungen – vor allem Grundschulen – blieben am Dienstag geschlossen. Ein Schritt zum Schutz von Kindern und Lehrkräften. Schließlich ist konzentriertes Lernen bei 38°C im Klassenzimmer ungefähr so effektiv wie Skifahren im Sandkasten.

    Am Mittwoch, dem 2. Juli, entspannt sich die Lage leicht. Nur noch vier Départements – Aube, Yonne, Loiret und Cher – verbleiben in der roten Warnstufe. Alle anderen wurden auf orange heruntergestuft. Entwarnung bedeutet das aber nicht. Die Temperaturen liegen weiterhin bei bis zu 39°C.

    Die Erinnerung an 2003 wird wach. Damals forderte die Jahrhundert-Hitzewelle fast 15.000 Menschenleben in Frankreich. Seither existieren umfassende Präventionspläne, doch mit jeder neuen Hitzewelle zeigt sich, wie groß die Herausforderung bleibt. Denn Hitzeperioden treten häufiger auf und sind intensiver als noch vor wenigen Jahrzehnten.

    Die Experten sind sich einig: Frankreich muss seine Städte und Infrastruktur besser anpassen. Mehr Grünflächen, kühlere Bauweisen, effektivere Notfallpläne. Klingt nach grauer Theorie, doch wer je bei 42°C in einer aufgeheizten Wohnung ohne Klimaanlage saß, weiß – hier geht es nicht nur um Komfort. Sondern ums Überleben.

    Für etwas Linderung sorgen zumindest die angekündigten Gewitter. Vor allem an der Atlantikküste können sich Bewohner auf Abkühlung freuen. Doch auch hier gilt: Vorsicht. Hitzegewitter sind launisch wie eine Katze im Regen – manchmal bringen sie sanfte Tropfen, manchmal wütende Orkanböen mit schwerem Hagel.

    Die Behörden rufen weiterhin dazu auf, besonders gefährdete Menschen zu schützen. Ältere Menschen, Kinder, Menschen mit chronischen Krankheiten. Wer jetzt nicht auf sich und andere achtet, riskiert Gesundheit und Leben.

    Frankreich schwitzt – doch eine entscheidende Frage lautet: Wie wird das Land in zehn Jahren mit Hitzewellen umgehen, wenn sie nicht mehr Ausnahme, sondern Normalität sind?

    Autor: Andreas M. Brucker

  • Verdacht auf Vetternwirtschaft in Nizza: Was hinter der Affäre Estrosi-Ernotte steckt

    Verdacht auf Vetternwirtschaft in Nizza: Was hinter der Affäre Estrosi-Ernotte steckt

    Am 30. Juni wurden der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, seine Ehefrau Laura Tenoudji-Estrosi und die Präsidentin von France Télévisions, Delphine Ernotte-Cunci, vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um möglichen Missbrauch öffentlicher Gelder, unerlaubte Interessenverflechtung und Fälschung öffentlicher Urkunden. Die Ermittlungen richten sich auf die Organisation prominenter Veranstaltungen in der Mittelmeermetropole – darunter der Junior Eurovision Song Contest 2023 sowie der Nice Climate Summit. Im Zentrum der Ermittlungen der Juridiction interrégionale spécialisée (JIRS) Marseille stehen mehrere Veranstaltungen, die sowohl von der Stadt Nizza als auch von der Metropolregion finanziell unterstützt wurden. Besonders im Fokus: Laura Tenoudji-Estrosi, Journalistin und Moderatorin bei France Télévisions, die gleichzeitig Ehefrau des Bürgermeisters ist. Wie die Zeitungen Le Figaro, Le Monde und Marianne berichten, erhielt Tenoudji-Estro…

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  • Der US-Senat verabschiedete Trumps zentrales Gesetzesvorhaben – und weitere World-News

    Der US-Senat verabschiedete Trumps zentrales Gesetzesvorhaben – und weitere World-News

    Der US-Senat stimmte gestern mit 51 zu 50 Stimmen für Präsident Trumps umfassendes Gesetzespaket, das Steuern und Sozialprogramme drastisch kürzen wird. Vizepräsident JD Vance gab die entscheidende Stimme ab, nachdem drei republikanische Senatoren – Susan Collins, Thom Tillis und Rand Paul – mit Nein gestimmt hatten.

    Die Abstimmung folgte auf mehr als 24 zermürbende Stunden voller Debatten und Verhandlungen. Republikaner schlossen bis zur letzten Minute Kompromisse und feilschten mit Skeptikern. Doch dieser legislatorische Erfolg birgt erhebliche Risiken für die politische Zukunft der Republikaner.

    Eine erste Analyse ergab, dass das Gesetz in den nächsten zehn Jahren mindestens 3,3 Billionen Dollar zur Staatsverschuldung hinzufügen wird. Zudem wird es die Steuereinnahmen des Landes über Jahrzehnte verringern. Ein solches Defizit könnte eine tektonische Verschiebung in der fiskalischen Entwicklung der USA auslösen und das Risiko einer Schuldenkrise erhöhen.

    Details: Das Gesetz wird Steuerkürzungen im Umfang von rund 3,8 Billionen Dollar verlängern, die 2017 während Trumps erster Amtszeit eingeführt wurden, und Dutzende Milliarden Dollar an neuen Mitteln für Grenzsicherung und Militär bereitstellen. Millionen einkommensschwacher Amerikaner könnten dagegen durch Kürzungen bei Krankenversicherungen und anderen staatlichen Hilfen massive finanzielle Einbußen erleiden.


    Neuer Vorschlag für eine Waffenruhe im Gazastreifen

    In einem Beitrag in sozialen Medien erklärte Trump, Israel habe „Bedingungen zur Finalisierung“ einer 60-tägigen Waffenruhe mit der Hamas akzeptiert, nannte jedoch keine Details zu den möglichen Vereinbarungen. Israelische Offizielle, darunter das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu, haben bisher nicht bestätigt, dass sie solche Bedingungen akzeptiert haben.

    Trump sagte, seine Vertreter hätten „ein langes und produktives Treffen mit den Israelis zur Lage in Gaza“ gehabt. Sollte die Waffenruhe zustande kommen, würden Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Konflikts folgen. Der von den USA und Israel unterstützte Vorschlag solle durch Katar und Ägypten an die Hamas übermittelt werden, so Trump.

    Netanjahu wird Trump nächste Woche in Washington treffen, der dritte US-Besuch des israelischen Premierministers binnen weniger als sechs Monaten. Die geplante Reise fällt in eine Phase zunehmender internationaler Forderungen für Bemühungen um eine Waffenruhe in dem seit fast zwei Jahren andauernden Krieg im Gaza-Streifen.

    Westjordanland: Dutzende Israelis drangen letzte Woche in ein palästinensisches Dorf ein und setzten Häuser sowie Autos in Brand. Der Angriff löste eine Welle der Gewalt aus.


    Wie Indiens heißeste Region zurechtkommt

    In einigen Teilen Indiens liegen die Tagestemperaturen derzeit bei fast 50 Grad Celsius, und drei Viertel der Bevölkerung sind extremer Hitze ausgesetzt.

    Für viele gibt es kein Entkommen: Klimaanlagen sind ein unerreichbarer Traum, die Arbeit findet unter der sengenden Sonne im Freien statt. Mit der Erwärmung des Landes verändern sich daher die täglichen Rhythmen.


    WEITERE WICHTIGE NACHRICHTEN

    Ukraine: Das Weiße Haus hat einige Waffenlieferungen, die bereits von der Biden-Regierung zugesagt worden waren, an die Ukraine ausgesetzt, wo Russlands Sommeroffensive an Schwung gewinnt.

    Thailand: Das Verfassungsgericht suspendierte Premierministerin Paetongtarn Shinawatra weniger als ein Jahr nach ihrem Amtsantritt.

    Iran: Ein ranghoher iranischer Offizieller, der im vergangenen Monat nach einem israelischen Angriff für tot gehalten wurde, wurde am Wochenende bei einer Trauerfeier gesehen.

    Indien: Mindestens 36 Menschen starben, weitere drei Dutzend wurden verletzt, nachdem eine Explosion in einer Pharmafabrik nahe Hyderabad ein Feuer auslöste.

    Algerien: Ein Berufungsgericht bestätigte die fünfjährige Haftstrafe gegen den algerisch-französischen Schriftsteller Boualem Sansal, dem vorgeworfen wird, die nationale Einheit und Sicherheit Algeriens zu untergraben.


    Aus Europa

    Großbritannien: Premierminister Keir Starmer sah sich seiner bislang größten parlamentarischen Revolte gegenüber, als einige Abgeordnete seiner eigenen Partei gegen Änderungen im Sozialsystem stimmten.

    Russland: Timur Iwanow, langjähriger stellvertretender Verteidigungsminister, wurde in einem aufsehenerregenden Korruptionsverfahren zu 13 Jahren Straflager verurteilt.

    Diplomatie: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierten erstmals seit fast drei Jahren.

    Dänemark: Erstmals weitet das Land seine Wehrpflicht-Lotterie auch auf Frauen aus.

  • Frankreichs neue Hitzegesetze – La France insoumise prescht vor, die Grünen zaudern

    Frankreichs neue Hitzegesetze – La France insoumise prescht vor, die Grünen zaudern

    Frankreichs Sommer werden unerbittlicher. Temperaturen von über 40 Grad Celsius, tagelange Hitzewellen, überhitzte Städte – die Klimakrise hat längst konkrete Auswirkungen auf das tägliche Leben der Bevölkerung. Doch während in den letzten Jahren vor allem symbolpolitische Debatten über Emissionsziele dominierten, wagt nun eine politische Kraft den Vorstoss ins Praktische: La France insoumise (LFI). Die linksradikale Bewegung unter Jean-Luc Mélenchon hat jüngst Gesetzesinitiativen zur Regulierung von Hitzebelastung am Arbeitsplatz eingebracht. Ein Thema, das eigentlich zum Kerngeschäft der Grünen gehört – doch von ihnen bleibt bisher wenig zu hören.

    Politischer Realismus statt utopischer Rhetorik

    LFI verfolgt mit ihren Vorstössen einen pragmatischen Kurs. Statt sich allein auf langfristige Emissionsreduktionen zu konzentrieren, fokussiert sie auf Anpassungsstrategien, die sofort Wirkung entfalten. Dazu gehören verpflichtende Trinkwasser- und Ruhepausen für Beschäftigte in Bau, Landwirtschaft und Transportwesen bei extremer Hitze, sowie klare Vorgaben für Arbeitsunterbrechungen ab bestimmten Temperaturschwellen. Diese Initiativen zeigen einen Perspektivwechsel: Klimapolitik ist nicht länger nur Umweltpolitik, sondern auch Arbeits-, Sozial- und Gesundheitspolitik.

    Der wachsende gesellschaftliche Druck

    Frankreichs Politik reagiert damit auf ein gesellschaftliches Problembewusstsein, das sich in den letzten Hitzesommern dramatisch verschärft hat. Hitzeperioden führen zu deutlich erhöhter Sterblichkeit unter älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen. Sie beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit ganzer Branchen, schwächen die wirtschaftliche Produktivität und belasten die Sozialversicherungen. Der LFI gelingt es, diese Fakten in politische Forderungen zu übersetzen – und sich als Kraft zu profilieren, die konkrete Lösungen vorlegt statt abstrakter Klimaversprechen.

    Schweigen der Grünen – strategische Zurückhaltung oder politisches Vakuum?

    Umso auffälliger ist das Schweigen der Europe Écologie – Les Verts (EELV). Während LFI parlamentarische Impulse setzt, wirken die Grünen uninspiriert und defensiv. Dies erstaunt, da Hitzeschutz- und Klimaanpassungsstrategien seit jeher im Programm der europäischen Grünen verankert sind. Offenbar zögern sie, sich klar zu positionieren – vielleicht aus Angst, das Profil als moralische Emissionspartei mit klassischen sozialpolitischen Forderungen zu verwässern. Doch gerade hier liegt die Chance, ökologisches und soziales Profil zu verbinden.

    Vom Mahner zum Gestalter

    Historisch verstanden sich grüne Parteien in Europa vor allem als moralische Instanz, die auf Klimawandel und ökologische Grenzen hinweist. Doch die Klimakrise ist längst Realität. Sie fordert politische Akteure, die nicht nur warnen, sondern gestalten. Anpassung an die Folgen von Hitze, Starkregen und Dürren wird zu einem ebenso entscheidenden Prüfstein für politische Glaubwürdigkeit wie der Kampf gegen CO₂. Während LFI diesen Paradigmenwechsel vorlebt, drohen die Grünen den Anschluss zu verlieren.

    Anpassung als zweite Säule der Klimapolitik

    Emissionsminderung bleibt zentral. Doch Hitzewellen, Waldbrände und Dürren der letzten Jahre zeigen, dass Prävention nicht genügt. Städte müssen entsiegelt, Arbeitsrechte an klimatische Belastungen angepasst, Infrastrukturen hitzefest gemacht werden. La France insoumise erkennt diese zweite Säule der Klimapolitik und integriert sie in eine soziale Agenda. Die Grünen dagegen wirken gefangen in ihrer traditionellen Rhetorik.

    Frankreich erlebt derzeit eine politische Neuordnung seiner Klimadebatte. Während La France insoumise mit ihren Gesetzesinitiativen beweist, dass Klimaanpassung soziale Realität ist, bleiben die Grünen erstaunlich still. Sie riskieren, ihr Alleinstellungsmerkmal als ökologische Gestaltungspartei einzubüssen – in einer Zeit, in der konkrete Antworten auf lebensbedrohliche Hitzewellen gefragt sind. Die Klimakrise wartet nicht auf parteistrategische Erwägungen.

    Autor: Andreas M. Brucker